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Sonntag, 8. März 2020

Agnes Obel, Mannheim, 01.03.20

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Konzert: Agnes Obel mit Support Marlène
Ort: Capitol in Mannheim
Datum: 1. März 2020
Dauer: 30 min + 90 min
Zuschauer: ausverkauft (etwa 500)


Dies war ein wunderbarer Konzertabend, der noch immer in mir nachklingt. Wegen der Musik, wegen der Stimmung am Ort, wegen Leuten und weil auch das erlebte in den Jahren auf dem Weg dahin so wunderschön ist. Ich werde nie vergessen, wie wir 2010 unsere Tochter in ihrem ersten Herbst in Kopenhagen besucht haben und dort im Cafè die erste EP von Agnes Obel in Dauerschleife lief. Die ganze Stadt war voller Plakate für die drei ausverkauften  Konzerte in der Oper dort an dem Wochenende. Ich hatte da schon eine Konzertreise nach Basel geplant und wieder verworfen, aber für Strasbourg im Februar 2011 würde es wohl klappen. Bis das Konzert am Mittag des Tages abgesagt wurde. 


Ich musste damals nicht lange darüber traurig sein, denn im April 2011 sahen wir die Dänin mit Anne Müller am Cello im Tollhaus in Karlsruhe mit unserer Tochter zusammen. Später dann noch in Freiburg im Herbst 2011 und in Stuttgart 2013. Seither hatte ich sie live irgendwie verpasst, aber für das Frühjahr 2020 hatte ich mich total darauf gefreut, sie an einem so schönen Ort wie dem Capitol in Mannheim zu sehen. Dort hatte ich schon einen unvergesslichen Abend erlebt und zwei weitere wunderschöne Konzerte. Es hat eine intime Atmosphäre dadurch, dass man nicht zu weit von der Bühne entfernt sitzt und es ein Kinotheater ist.


Die Vorfreude war also groß und wurde ein wenig aberwitzig, als sich herausstellte, dass eine von mir sehr geliebte Cellistin, Kristina Koropecki, die ich seit dem Sound of Bronkow 2018 mit zwei Projekten sehr ins Herz geschlossen und inzwischen einige Male gesehen hatte, zur Band von Agnes Obel gehört (und wie ich dann verstand auch schon gehört hatte in der Zeit, in der ich sie nicht live gesehen hatte). Ernsthaft kneifen musste ich mich, als noch etwas später als Support Marlène bekannt gegeben wurde. Mit ihrer Band (damals noch als Trio mit dem Namen Yippie Yeah) hatte ich sie und Kristina Koropecki im Apfelgarten am Societätstheater gesehen und anschließend nach Karlsruhe eingeladen. Zum Glück hatte das 2019 im Sommer geklappt und wir hatten uns dann am Rande eines für mich sehr denkwürdigen Konzertes von Kliffs im August in Storkow wiedergetroffen. 


Für 2020 waren wir schon im Gespräch und mit dem Kliffs-Duo hatten wir schon einen Februartermin gemacht. Und dann fiel dieser Support in Mannheim noch in meinen Schoß. Das finde ich immer noch extrem abgefahren. Kein Wunder dass auch Marlène an diesem zweiten Abend mit Agnes Obel Publikum etwas nervös war.


Aber sie hatte ja ihre wunderbar poetisch-lapidaren Texte und schräg-eingängigen Melodien dabei und konnte mit ihrem Charme das Publikum ganz auf ihre Seite ziehen, auch wenn es beim französichen Lied zweimal mit Karacho in die Hose ging. Vor dem Lied "Zu gesund" machte sie explizit zum Thema, wie sie sich für den unmöglichen Spagat zwischen Kind und Musik entschieden hat, der von einem Anruf von Agnes Obel belohnt wurde.
 


Setlist:

01: Theorie und Praxis
02: Mach dich groß
03: Grill Royal
04: Prière d'enfant
05: Zu gesund
06: Februar
 


Es gab nach dem Support etwa 30 min Pause (es wäre schön gewesen, wenn das kommuniziert worden wäre, so saßen alle wie gebannt in den Sesseln und warteten, dass es weitergeht - kaum eine traute sich aufs Klo). Schließlich kam gegen 21 Uhr Agnes Obel allein auf die Bühne und spielte solo am Klavier Words are dead. Das Licht war rötlich und sparsam und ich dachte nach der Hälft des Konzertes, dass ich wohl ganz ohne Bilder heimfahren würde, denn rotes Licht und meine Kamera können nicht zusammenarbeiten.



Für das zweite Lied kamen die anderen Musikerinnen auf die Bühne:

Anne Backer (Geige, Mellotron, Gesang)
Louise Anna Duggan (Perkussion)
Kristina Koropecki (Cello, Gesang, Synthie) 



Mir gefiel die Mischung im Programm zwischen dem gerade zehn Tage alten Album Myopia und den anderen Songs. Es war über weite Teile tröstlich und irgendwie Labsal für die Seele, aber z.B. Trojan horses fiel mir als besonders kraftvoll auf.  Ebenso fand ich Island of doom ganz besonder toll. In den Ansagen war Agnes Obel recht sparsam, kam aber bei mir wieder sehr sympatisch und gar nicht abgehoben an. Ich fand es toll zu sehen, wie die vier Frauen auf der Bühne zusammen wirkten und wie gegen Ende die Glühlampen angingen und eine ganz besondere Atmosphäre schufen.


Für die Zugabe hatte sich Agnes Obel On powdered ground  als letztes Stück aufgehoben, das mich zuletzt 2013 in Stuttgart so ganz besonders verzaubert hatte. Was für ein wunderbares Ende für so einen ganz besonderen Abend. Wer sich nun denkt: das würde ich auch gern erleben und wegen "ausverkauft" jetzt nicht zum Zuge kommt - am ersten Septemberwochenende tritt Agnes Obel auch beim Golden Leaves Festival in Darmstadt auf. Das wird sicher mindestens genauso toll wie im Capitol. Aber man sollte sich wohl mit dem Ticketkauf beeilen...


Draußen tobte sich derweilen das vierte Orkantief seit Anfang Februar aus und wir waren sehr froh, dass wir auf der Heimfahrt nicht von der Autobahn geweht wurden oder von einer Pfütze an die Leitplanke umgeleitet. Allerdings war es im Finish nochmal spannend, denn die Straßen, die in Karlsruhe westliche und östliche Teile nördlich vom Schloß verbinden, waren alle gesperrt wegen gestürzter Bäume. Was normalerweise ein kleiner Hops von 10 min gewesen wäre, dauerte dann noch einmal fast 30 min und einige Nerven.

Setlist:
01: Words are dead (Solo)
02: Dorian
03: Camera's Rolling

04: Fuel to Fire
05: Parliament of Owls
06: Trojan Horses
07: Island of Doom

08: Can’t be
09: Familiar
10: Philharmonics

11: Riverside
12: Promise Keeper
13: Broken Sleep
14: Myopia
15: Stretch Your Eyes

16: Won't you call me (Z)
17: On powdered ground (Z)
  

Tourdaten im Einzugsgebiet:
29.02. Köln
01.03. Mannheim
02.03. Hamburg
04.03. Wien

07.03. Berlin (Zusatztermin)
11.03. Groningen
12.03. Utrecht
13.03. Tilburg
16.03. Berlin
17.03. München
21.03. Luxemburg
23.03. Brüssel


Aus unserem Archiv:
Agnes Obel, Stuttgart, 07.11.13
Agnes Obel, Paris, 09.07.12
Agnes Obel, Eindhoven, 16.06.12
Agnes Obel, Freiburg, 14.11.11
Agnes Obel, Paris, 02.11.11
Agnes Obel, Paris, 09.11.10
Agnes Obel, Paris, 06.11.10
Agnes Obel, Paris, 28.10.10




Sonntag, 6. Oktober 2019

Pony Hunt, Karlsruhe, 05.10.19

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Konzert mit Pony Hunt in der Karlsruher Waldstadt
Datum: 5. Oktober 2019
Dauer: 65 min
Zuschauer: 16


Als wir 2012 das Abenteuer anfingen, Musiker*innen in unser privates zu bitten,  schafften es Hurray for the Riff Raff unser Wohnzimmer direkt nach New Orleans zu beamen. Diese Erinnerung und die Bewunderung dafür hat sich mir tief eingeprägt. 
 
An diesem Oktoberabend gelang Pony Hunt das gleiche Kunststück. Dabei waren die Werkzeuge äußerlich sehr verschieden: Hurray for the Riff Raff waren zu viert mit Fidel, Kontrabass und einem Dutzend Mundharmonikas sehr laut und im innern irgendwie auch nicht direkt hier, sondern da.
 

Jessie Antonick machte das ganz anders. Sehr still und intensiv und dem Publikum zugewandt spielte sie ein akustisches Set, das die Melancholie und doppelbödige Geschichtsträchtigkeit ihrer derzeitigen Heimat New Orleans für uns Zuhörenden direkt erfahrbar machte. 


Eingestreut gab es auch 2-3 Klassiker, aber es gab doch einige verwunderte Fragen, wie ein so junger Mensch sich so dieser Musik zuwenden kann, die hier in Deutschland so etwas Altherren-Steckenpferd ist.
 

Für mich war das eindrücklichste und schönste die wunderbare Stimme, die so warm und tief geerdet mein Herz direkt mit auf die Reise nahm. Ein Glück, dass Zoe Boekbinder ihrer Freundin unser Karlsruhe ans Herz gelegt hatte und wir deshalb die einzigen Deutschlandtermine dieser wunderbaren Sängerin ausrichten durften. Ich glaube, im direkten Vergleich mit der vorherigen einmonatigen Tour durch Frankreich haben wir gar nicht so schlecht abgeschnitten...


Und als sich auf Jessicas Seite eben die Band-Videos anschaute, da spannte sich der im Bericht eben gemachte Bogen zum ersten Konzert mit Hurray for the Riff Raff direkt und ganz konkret: Sam Doores - 2012 mit von der Partie - ist in Jessicas Band Pony Hunt auch dabei. Ebenso der Mann vom Kontrabass... Das Leben ist doch einfach verrückt!!


Donnerstag, 19. September 2019

Amanda Palmer, Stuttgart, 18.09.19

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Konzert: Amanda Palmer (Solo)
Ort: Theaterhaus in Stuttgart
Datum: 18. September 2019
Dauer: 180 min
Zuschauer: etwa 600


Am Morgen nach dem Abend mit Amanda Palmer teile ich Holgers Skepsis: wie soll ich einen Bericht schreiben, der dem erlebten gerecht wird? Aber zum Glück hat die inhaltliche Beschreibung schon Christoph erledigt im Konzertbericht aus Offenbach. Im Spannungsbogen und in vielen Details war es in Stuttgart ähnlich. Amanda wollte mit dem Publikum über die richtig wichtigen Sachen sprechen, ihr eigenes Erleben und ihre Erfahrungen als Beispiel dafür zeigen, was uns das Leben als Frau zumutet und wie wir in dem vielen Dunkel trotzdem irgendwie klar kommen und sogar so etwas wie Glück und Freude festhalten.


Ein großes Problem dabei ist: das ist ein weites Feld und schon während der Tour in Amerika hatte sich gezeigt, immer wieder kollidieren äußere Grenzen wie die Schließzeit von Theatern mit dem, was eigentlich an Material da ist und als Puzzlestein nötig. In Stuttgart waren genau 3 Stunden Programm möglich und Amanda ließ deshalb schon die Seeräuber-Jenny am Anfang weg. Später wurde auch die Pause gestrichen und trotzdem passte das Ende nicht optimal in die damit verbleibende Zeit. Ich wusste ohnehin vorher, dass ich meinen eigenen Zeitpunkt für den Weg zum Bahnhof etwas vor 23 Uhr wählen musste.
 

Erstaunlich war, wie schnell die Zeit verging. Und obwohl ich etwa drei Viertel der Geschichten schon kannte, hatte es doch etwas eigenes, alles in einen mäandernden Spannungsbogen verpackt und verdichtet neu zu hören und im Zusammenspiel neu zu bewerten. Natürlich blieb mir als Ohrwurm für den Heimweg "At least the Baby didn't die".


Aus unserem Archiv:
Amanda Palmer, Offenbach, 13.09.19
Amanda Palmer, Somerville, 05.03.15
Amanda Palmer, Eschwege, 08.11.13
Amanda Palmer, Zürich, 30.10.12
Amanda Palmer
, Paris, 06.02.09
Amanda Palmer, Paris, 23.10.08
Amanda Palmer, Heidelberg, 14.10.08 



Freitag, 30. August 2019

alinae lumr Tag 1, Storkow, 23.08.19

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1. Tag Alínae Lumr Festival - meine Auswahl
  John Moods 45 min
  Kliffs 45 min
  Charlotte Brandi 60 min
Ort: Storkow (Mark)
Datum:  23. August 2019



Im Vorausblick auf das Alínae Lumr Festival hatte ich schon von den besonderen Orten geschwärmt an denen meine Lieblingsmusik in Storkow dargeboten wird. Mit den Worten der Organisator*innen gesprochen: "alínæ lumr lädt ein zu einem ereignisreichen Urlaub auf dem Land. Auf der Burg, am Marktplatz, den Hinterhöfen, der Altstadtkirche, auf versteckten Wiesen und am See wartet ein sorgfältig kuratiertes Musik- und Kulturprogramm und die charmante Altstadt Storkow auf euch. Festivalbüro ist eure erste Station – hier könnt ihr euch eure Bändchen und ein Lächeln abholen."
 

Leider hatte ich in der Woche zuvor heftigst Streit mit meinem Rücken und deshalb auch einige kurze Nächte. So musste ich mein Musikprogramm ein wenig abkürzen und z.B. das mitternächtliche Konzert von Sophie Hunger weglassen.


Aber beginnend mit dem Lächeln im Festivalbüro am Markt hatte ich einen phantastischen ersten Tag. Auf dem Markt war noch der Aufbau der Essstände im Gange als das erste Konzert dort begann. Rückenfreundlich genoss ich es auf den Stühlen des Fair-Kaufladens bei einem schönen Tee (der selbstverständlich auch mit einem Lächeln serviert worden war). Im Rahmen des für mich nun schon dritten Besuches in Storkow fühlte es sich wie eine lieb gewordene Tradition an, dort jeden Tag einmal herein zu schauen. Das Konzert von John Moods war jedoch eher wenig mitreißend für mich.


Mein immer noch still in meinem Herzen hell leuchtender Höhepunkt war dann gleich anschließend das Konzert von Kliffs am Mühlenfließ. Hier stimmte einfach alles: ein ganz aufmerksames Publikum, das freundliche Grün ringsherum, die Abendsonne, das sympathische Duo auf der Bühne und die Musik. Und was ich an Festivals besonders toll finde: wenn sich auch Musizierende, die später erst dran sind (oder hier gar nicht auftreten), ins Publikum mischen.


Manches aus dem Set von Kliffs war mir vom im Frühjahr veröffentlichten EP schon recht vertraut und es gab auch Musik, die ich vor einem Jahr in Dresden - noch unter dem Namen Mark Berube - live von ihnen gehört hatte. Allerdings gab es auch Experiment mit ganz neuer Musik und die damit verbundene Nervosität auf der Bühne. Es ist immer ein bisschen wie ein großes Lob ans Publikum, wenn so etwas gewagt wird.


Besonders mochte ich diesmal Beyond my control, das diese phantastische Leichtigkeit des Sommertages wunderbar einfing und quasi die Essenz des Konzerts zusammenfasste. Aber auch Mississippi Prom mit der ausführlichen Geschichte dazu geht mir immer noch durch den Kopf. Bevor es für mich zum Burghof weiterging, gab es noch ein paar nette Begegnungen und Umarmungen von lieben Menschen. Es ist immer noch so wunderbar überraschend, wie sich aufgrund von Musik "meine Leute" aus nah und fern auf den Weg machen.


In der Burg hörte ich noch die letzten 10 Minuten von Night repair, die von etwa 20 Enthusiasten ordentlich abgefeiert wurden. Innerlich feierte ich dabei vor allem ab, wie unterschiedlich die Musik klingt, die für das Festival eingeladen worden war. 


Die Bühne im Burghof war schon für das Konzert von Sophie Hunger vorbereitet und ordentlich "voll gestellt", aber vorn in der Mitte fand Charlotte Brandi mit ihrem Trio Platz und spielte vor einem freundlich mitgehenden Publikum auf. Die Musik von der Burg hört man an vielen Orten im Ort mit und sie pulsiert durch interessante Echos immer wieder aus irreführenden Richtungen. Dieses lustige Hopsen durch den stillen Ort in der Mark stellte ich mir vor als ich dem Set lauschte.



Mit der untergehenden Sonne ging es dann für mich zurück ins Quartier - nicht ohne noch anderen lieben Leuten in die Arme zu laufen. Ich war auch nach dem verkürzten Tag randvoll mit wunderschönen Erlebnissen und einem still leuchtenden Glück im Herzen.

 


Aus unserem Archiv:
Berichte von 2016: Tag, 1, 2
Berichte von 2015: Tag 1, 2, 3


Samstag, 16. Februar 2019

Distance, Light & Sky, Dresden, 15.02.19

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Konzert: Distance, Light & Sky
Ort: Dreikönigskirche in Dresden
Datum: 15. Februar 2019
Dauer: 85 min
Zuschauer: etwa 180



Eine überraschende musikalische Erkenntnis des letzten Jahres war, dass es sich für mich lohnt, a l l e n musikalischen Projekten Chantal Acdas Aufmerksamkeit zu schenken. Allen voran dem Trio mit Chris Eckman und Eric Thielemans unter dem Namen Distance, Light & Sky, weil hier inzwischen zwei Tonträger vorliegen, die wahre Schätze enthalten und für mich keinerlei Längen haben. Ich hatte Chris Eckman vor vielen Jahren als Veteranen der Glitterhouse-Familie in Beverungen erlebt und fand das zwar nett, aber nicht mehr. 
 


Chantals Musik hingegen hat mich schon über viele Jahre begeistert und mein Herz gefangen. Ich hatte dann sogar gemerkt, dass sie mir unter zwei anderen Namen schon mit ihrer Stimme bekannt gewesen war, bevor ich sie als Person wirklich wahrgenommen hatte. Bei unserer ersten Begegnung vof fünf Jahren war Eric Teil des Ensembles gewesen und hat mich mit seiner Fertigkeit am Marimbaphon und den filigranen drums begeistert.
 


Als ich nun die drei unterschiedlichen Personen auf der Bühne vor mir sitzen sah, musste ich doch ein wenig schmunzeln. Chris wirkte sehr fokussiert und seriös eher wie ein College-Professor oder Jugendpfarrer - ihm gegenüber war der quirlige Eric im Schlabberlook und Mütze, der keinen Moment still sitzen konnte und dazwischen Chantal wie ein bunter Vogel. Und dann produzierten diese unterschiedlichen Typen so ein Gesamtkunstwerk, an dem alle ihren ganz spezifischen Anteil hatten. Das ist doch eigentlich verblüffend und auch ein Stück beglückend zu sehen, dass das geht.
 


Auf der CD-Fassung war mir schon sehr lieb, wie sich die Stimmen von Chris und Chantal für viele der Stücke mischen. Wie die Haltung des genauer hinschauens uns auch ein wenig Ehrfurcht für die Wendungen des Lebens den Singenden gemein ist und zu gemeinsamen Liedern führt, in denen jede/r mal den Aufschlag machen darf bevor der/die andere kommentiert. In der Life-Fassung kam hinzu, dass es einfach total Spaß machte, Eric zu zu sehen, dass natürlich auch Fehler gemacht und viel gelacht wurde und dass das Publikum einfach wunderbar dabei war.
 


Das übrige tat der Raum. Der als Kirchenraum sehr auf den Altar und damit die Bühne fokussierte und zum hören einludt aber in der modernen Fassung nicht diese kalte Erhabenheit der Gotik ausstrahlt, sondern Menschen wirklich zum bleiben und wohl fühlen einlädt.
  


Das Programm begann gleich mit einem Lied, dass mir in Chantals Fassung letztes Jahr schon ans Herz gewachsen war: Don't go dark on me. Später  wurde es sogar richtig rockig und etwas später war für einige Minuten Eric solo im Zentrum des Geschehens.  Für das Finale hatten die drei sich viele meiner Lieblingslieder aufgespart wie Souls (ein wahrer Herzmoment) und in der letze Zugabe Son (bisheriges allerliebstes Lieblingslied meinerseits). So waren dies wunderbare fast anderthalb Stunden für mich. Viele scheinen ähnlich beglückt gewesen zu sein, denn es gab noch viele persönliche Gespräche und frohes Lachen am Merchstand.





Setlist:
01: Don't go dark on me *
02: The Lifer #
03: Look at my feet *
04: Wandering *
05: Good luck with that *
06: Slowed it to a stop *
07: Riding shotgun +
08: This place +
09: Throw in the hat *
10: Walking downhill *
11: Cold summer wood +
12: Souls +
13: Distance, Light & Sky +

14: In circles *
15: Son +

(+ Catching nets - 2014, * Gold coast - 2018)
 


Aus unserem Archiv:
Chantal Acda, Karlsruhe, 03.04.18
Chantal Acda, Karlsruhe, 04.04.18
Chantal Acda, Nürnberg, 09.04.14 

Tourdaten:
15.02. Dresden - Dreikönigskirche
16.02. Hannover - Feinkostlampe
17.02. Northeim - Alte Brauerei

 


Mittwoch, 21. November 2018

My brightest Diamond, Lille, 20.11.18

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Konzert: My Brightest Diamond (Duo), Support Ian Chang
Ort: L'Aeronef in Lille
Datum: 20. November 2018
Dauer: 30 min + 80 min
Zuschauer: etwa 100
 

Ich habe Shara Nova aka My brightest Diamond dieses jahr schon dreimal auftreten gesehen. Wieso also extra eine Fahrt nach Lille? Das ist eine gute Frage und ich kann sie vermutlich nicht überzeugend beantworten. Ein Grund ist: die Musikerin hat viele Gesichter bzw. präsentiert ihre Songs in sehr unterschiedlichen Besetzungen und gibt ihr damit sehr unterschiedliche Facetten.  In Antwerpen im Januar und in Hamburg im Sommer hatte die klassische Musikerin schillern dürfen mit ihrer phantastischen Stimme und ihrer Bühnenpräsenz zwischen orchestraler Üppigkeit (Elbphilharmonie) und mittelalterlicher Herbheit (DeSingl - sogar in zwei sehr unterschiedlichen Settings).
 


Ich vermisste die Rockmusikerin, die mich in Eindhoven und Paris so vom Hocker gerissen hatte. Ein zweiter Grund ist, dass es gerade ein ganz neues Album gibt, für das sie mir mit den diesjährigen Auftritten schon den Mund wässrig gemacht hatte. Das würde ich live zu gern neu kennenlernen dürfen. Deshalb hatte ich die kleine Tour zum neuen Album mit wenigen Stationen in Europa schon länger im Blick. Lange war ich mental um den Pariser Termin herumgeschlichen, der eigentlich günstig am Wochenende liegt und wieder eine besondere Show versprach. Bis mir Lille ins Auge sprang, wo ich sowieso lieben Freunden einen Besuch versprochen hatte.
 


Denen passte zum Glück der Termin und ich hatte einen schönen Nachmittag, die herb schöne Stadt so nah an Belgien und am Meer mit den gut durchgemischten europäischen Einflüssen ein wenig kennen zu lernen. Alles war fußläufig gut zu erreichen und ich hatte Begleitung ins Konzert. Was ich mir zuvor nicht überlegt hatte: Ich hatte auch einen Pfadfinder. Die Venue liegt nämlich echt verborgen in einem Hochhäuser-Neubau Komplex (Centre commercial Euralille in der Avenue Willy Brandt) im 2. Obergeschoss und ich hätte mich allein sicher nicht hingefunden, weil ich die Möglichkeit nicht in Betracht gezogen hätte, irgendwo oben zu suchen.
 


Ein Vorteil in Frankreich ist, dass es tatsächlich fast auf die Minute pünktlich losging. Wenngleich zu dem Zeitpunkt der Publikumsraum eher spärlich besetzt war. Ich zählte etwa 60 Leute für Ian Chang, der 30 min lang Multimedia-Schlagzeug spielte. Er gab zuvor eine Warnung für Epileptiker - bekräftigt durch die Information, gestern hätte jemand einen Anfall bekommen. Das hielten wir für einen Scherz, es erschien mir später aber gar nicht mehr so abwegig. Unter Mitwirkung kleiner Scheinwerferroboter und vom Laptop eingespielten Samples brachte er sich ziemlich ins Schwitzen. Das Publikum war ein wenig zwiegespalten. Er wurde angefeuert, aber ich habe mit vielen anderen eher darauf gewartet, wann er endlich fertig ist. Es war mir zu monoton und zu wenige Einfälle für eine halbe Stunde zuhören.
 


Es ging nach kurzer Umbauzeit in sehr überraschender Weise los. Statt Band kam nur ein Schlagzeuger auf die Bühne, aber man hörte kurz darauf Shara schon singen. Schließlich merkten wir auch ganz vorn: sie tanzte sich von hinten durch das Publikum zur Bühne vor. Sehr wild und fast nicht fotographierbar. Ein vom Publikum enthusiastisch gefeierter Auftakt, der zum Charakter des Konzertes gut passte. Als freundliche Geste an ihr französisches Publikum in Lille und für die nächsten Stationen waren einige Songs auf Französisch vorbereitet.
 


Shara sang und tanzte, sie wechselte ans Keyboard oder setzte sehr akzentuiert die E-Gitarre ein. Später erzählte sie uns, dass sie noch am Morgen ohne Stimme aufgewacht war, und schon befürchtet hatte, das Konzert absagen zu müssen. Aber der Apotheker wusste Rat und ihre Stimme war an diesem Abend definitiv in Hochform für das Konzert mit einer spürbar überbordenden Energie und Freude, das Konzert spielen zu können.
 

Für mich war des Konzert emotional trotzdem nicht so packend. Entgegen meinen ursprünglichen Plänen, kaufte ich mir das neue Album nicht am Merchstand, da hier beim Entstehen wohl ein zu prägender Einfluss von Tim Fite am Werk gewesen war. Zu flippig und zappelig das Ganze bis auf ein paar wenige Ausnahmen. 
Hatte sich die Fahrt trotzdem gelohnt? Definitiv!
Denn es gab auch meine Herzensmomente. Beim Song A million pearls hatte sie mich komplett eingefangen, außerdem war Inside a boy wunderbar und allein für die abendliche Version von I have never loved somebody like you war es wert, dabei gewesen zu sein. Als Zugabe und Sahnhäubchen noch mein so geliebtes Be brave - das war einfach herrlich.
 


Ebenso verrückt war, dass das Publikum sie partout nicht gehen lassen wollte nach den Zugaben und während die Bühne schon abgeräumt wurde, noch immer weiter klatschte und klatschte. Shara konnte das nicht herzlos mit ansehen und mischte sich unter das Publikum um noch eine längere Zeit mit allen zur eingespielten Musik wild zu tanzen. So endete das Konzert ungeplant etwa im gleichen Geiste, wie es begonnen hatte.
 


Setlist:
01: It's me on the dance floor

02: This is my hand (f)
03: Rising star
04: Supernova
05: Champagne (f)
06: You wanna see my teeth (f)
07: I want candy
08: A million pearls
09: Sway

10: Another
10: Dorian
11: Gunshot Glitter
12: Inside a boy
13: I have never loved somebody

14: Be brave (Z)
15: White noise (Z)

 

Tourdaten:
15.11. Kopenhagen
16.11. Kampnagel Hamburg
17.11. Franz Club Berlin
18.11. Artheater Köln

20.11. L'Aeronef Lille
21.11. L'Astrolabe Orléans
22.11. La Vapeur  Dijon
23.11. Point Éphémère Paris 

24.11. Le Périscope  Lyon
26.11. Tivoli Vredenburg Utrecht
27.11. Oslo Hackney London

   

Aus unserem Archiv:
Shara Nova, Hamburg, 23.08.18
Shara Nova, Antwerpen, 05.01.18
My Brightest Diamond, Paris, 13.02.15
My Brightest Diamond, Haldern, 08.08.14
My Brightest Diamond, Eindhoven, 07.02.14
My Brightest Diamond, Straßburg, 30.03.12
My Brightest Diamond, Paris, 28.03.12
My Brightest Diamond, Berlin, 24.11.11
My Brightest Diamond, Haldern, 13.08.11
My Brightest Diamond, Paris, 07.10.08
My Brightest Diamond, Haldern, 08.08.08
My Brightest Diamond, Evreux, 27.06.08
My Brightest Diamond, Paris, 22.04.08
My Brightest Diamond, Paris, 02.10.07
My Brightest Diamond, Paris, 26.02.07



 

Konzerttagebuch © 2010

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