Donnerstag, 5. Februar 2015

Johanna Borchert, Frankfurt, 03.02.15


Konzert: Johanna Borchert
Ort: Brotfabrik in Frankfurt
Datum: 3. Februar 2015
Dauer:100 min
Zuschauer:35


Johanna Borchert hat mich 2014 mit ihrem Album FM Biography total aus den Socken gehauen. Seitdem läuft das Album und nutzt sich nicht ab. Es ist ein Kleinod, ein Kristall, der je nach Stimmungslage in den verschiedensten Farben schillert. Die Musik ist um ihre Stimme zentriert und nutzt das Piano als herausragend färbendes Instrument. Sie reißt den Horizont weit auf und öffnet Tiefe und Innigkeit, die kein Maß zu haben scheinen.


Als nun auch endlich Tourdaten in für mich erreichbaren Städten bekannt wurden, war es keine Frage des ob sondern nur des wo ich dabei sein wollte. Schließlich bot sich der Tourauftakt in Frankfurt an. Meine Erwartungen waren hoch gespannt und als ich schließlich in der ersten Reihe Platz genommen hatte, war auch die Vorfreude endlich unverfälscht und laut (bis kurz vorher war ich sehr erschöpft und verfroren).


Das Konzert begann mit einer wilden Fahrt, die zunächst von der mir bekannten Platte nicht viel vorzeigte. Johanna Borchert kroch förmlich in ihren Flügel und schrammte, strich und rieb ihn, um ihren Klangkosmos zu erschaffen. Gebrauchte dazu auch etwas, das ich erst für einen Strick hielt, von ihr aber Elefantenpopel genannt wurde. Immer wieder gab es auch später die wie Improvisation wirkenden Teile, die sich nicht leicht ins Ohr schmiegten, mir aber sehr wohl sehr gefielen. Das Wilde, einzigartige des Moments war spürbar und wertvoll. Dies ist die Musik, die auf ihrem Album Orchestre Idéal zum hören festgehalten ist.


Schön waren freilich auch die "Intermezzi", in denen die vertrauten Lieder der 2014er CD zu hören waren. Am Ende habe ich ein bisschen die Übersicht verloren - auch weil ich mich vertrauensvoll treiben ließ, aber an die Titel
Desert road
FM biography
Lightyears
Lullaby
It's been a while
Wide land

im Programm kann ich mich noch gut erinnern. Die Projektionen auf den Flügeldeckel und an den Vorhang an der Rückwand waren zum Teil sehr eindrucksvoll. Zwischendurch kam ich mir vor wie auf einer Ausfahrt mit dem kleinen Häwelmann. Die Stormsche Version für Erwachsene - keine niedlich abgeschwächte kindliche Version. Wir enttäuschten sie wohl etwas, als wir uns spontan kein Lied wünschen mochten. Aber der schließlich im zweiten Versuch noch abgeforderte Jazz-Standard wurde in ihrer ganz eigenen Art brilliant anverwandelt und ich habe mich wirklich geärgert, dass mir einfach kein Lieblingslied eingefallen war. Ich hätte ihr vertrauensvoll und mit Freuden jeden Liebling zugeworfen.


Am Schluss war zu danken für den Beitrag des Klangmagiers, der die ganze Zeit Klänge zugemischt oder gefärbt/verfälscht und geloopt hatte (wirklich sehr eindrucksvoll) und dem visuellen Künstler. Das Publikum klatschte durchweg hochzufrieden und hat wohl einen absolut einzigartigen Abend erlebt.




Tourdaten:
03.02. Frankfurt / Brotfabrik
04.02. Köln / Stadtgarten
05.02. München / Ampere
06.02. Dortmund / domicil
08.02. Berlin / Roter Salon
26.02. Stuttgart / BIX
20.03. Zug / Burgbach Theater
21.03. St. Ingbert / Jazzfestival
27.03. Schwäbisch Hall / Hospitalkirche
21.04. Kiel / Kulturforum
22.04. Lübeck / CVJM Lübeck e.V.
23.04. Flensburg / Orpheus .01.eater
25.04. Bremen / Kulturkirche St. Stephani
22.05. Hamburg / Knust


Elefantenpopel

 

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