Freitag, 25. März 2011

Dark Dark Dark & Matt Elliott, Paris, 24.03.11


Konzert: Dark Dark Dark & Matt Elliott

Ort: Le Café de la Danse, Paris
Datum: 24.03.2011
Zuschauer: viele, aber nicht ausverkauft


Kurios, zum zweiten Male an diesem Tag bekam ich eine Band aus Minnesota (könnte ich das auf Anhieb auf einer Landkarte finden? Hmm?) geboten. Dark Dark Dark heißt die sechsköpfige Truppe (die heute zu fünft erschienen war), die bald in aller Munde sein wird. Unsere Stammleser werden sie schon kennen, ich hatte Ende letzten Jahres kurz von ihnen berichtet, aber spätestens wenn sie im Mai in Deutschland auf Tour gehen, werden sie auch einem größeren Publikum bekannt werden (und dann wisst ihr erneut, wo ihr zuerst von ihnen gelesen habt).



Heute im Café de la Danse haben mich Dark Dark Dark mit ihrer gelungenen Mischung aus Balkanklängen (Beirut lässt grüßen), Americana, Cabaret und Folk begeistert und vor allem von der versoffenen Stimme der Sängerin Nona Marie Invie konnte ich gar nicht genug bekommen.

Dabei hatte der Abend eigentlich recht zäh begonnen. Erstes Ärgernis war, daß erneut die Besucher vor der Bühne im Schneidersitz auf dem Boden kauerten. Diese Atmosphäre, die ich in einer marokkanischen Teestube durchaus schätze, kann ich bei öffentlichen Konzerten (bei meinen Wohnzimmersessions ist es etwa anderes) auf den Tod nicht ausstehen. Und außerdem schlafen mir im Sitzen immer die Füße ein. Entsprechend anstrengend war deshalb das Konzert von Matt Elliott. Der baumlange Brite mit Wohnsitz Frankreich performte ganz alleine auf der Gitarre, setzte aber seine Stimme und die Sampeltechnik so geschickt ein, daß das Ganze kraftvoll und wuchtig rüberkam und problemlos das nicht kleine Café de la Danse (Kapazität: 600) beschallte.

Wenn er mit voller Inbrunst sang, legte er regelmäßig eine Hand hinter sein Ohr, als sei er ein moderner Tarzan. Alles klang düster, bedrohlich und oft regelrecht depressiv. Keine Musik, die man zum Frühstück konsumiert, aber dennoch so anziehend, daß die Leute im Café de la Danse gar nicht genug davon bekommen konnten und am Ende immer weitere Songs forderten. Der Künstler bedankte sich für diese Zuneigung in enem sehr ordentlichen französisch, erklärte, daß er hier die ganze Nacht noch weiterspielen würde, überließ aber nun die Bühne den Amerikanern Dark Dark Dark.

Die zu fünft erschienene Truppe hatte einen Trompeter und einen Klarinettisten dabei, aber auch das hübsche Schifferklavier kam oft zum Einsatz und prägte den Balkansound der tollen Truppe.

Die Brille tragende Sängerin Nona Marie Invie performte aber zunächst auf dem Piano, bevor sie sich ab Lied vier das Akkordeon umschnallte. Grandios ihre Stimme. Sehr markant, verraucht, soulig, ein Genuß ihr zuzuhören! Die Vocalparts teilte sie sich ab und zu mit einem männlichen Mitglied der Band, aber ihr sehnsüchtiger Gesang war neben den einprägsamen Melodien das Beste and diesem feinen Konzert.

Performt wurden Stücke, die mehrheitlich von den beiden Alben The Snow Magic (2008) und Wild Go (2010) stammten. Das gespielte Material war durchgängig gut, die absoluten Knaller kamen jedoch erst kurz vor Schluß.
Bright Bright Bright war so herrlich instrumentiert, daß ich eine Gänsehaut bekam. Drummer Mark Trecka rührte nur mit dem Schneebesen, während Nona Marie auf einfühlsamste Weise Piano spielte. "My pride my pride, you're the sweetest one, your the brightest one." intonierte sie und Tränen schossen mir in die Augen. Soviel melancholische Schönheit war selten. Ein Kleinod von einem Lied, ein funkelndes Juwel, ein Seelentröster par excellence.

Aber es kam noch besser. Mit Daydreaming schossen mir Dark Dark Dark engültig die Lampen aus. Eine fast süchtig machende Pianomelodie mit unwiderstehlicher Anziehungskraft durchdrang das Café de la Danse und die tätowierte Chanteuse sang samtweich und unglaublich bewegend ("oh if you knew what it meant to me").
Ich schwebte irgendwo auf Wolke sieben, hatte einen Rotweinrausch, ohne ein Glas getrunken zu haben. Nun erklang auch noch ein packender Singalong und setzte dem Ganzen die Krone auf!

Wie benebelt war ich als die letzten Noten verklungen waren und die Band unter verdientem Jubel die Bühne verließ. Sie kamen schließlich auch noch zwei Mal zurück, aber zu diesem Zeitpunkt hatten sie mich schon komplett auf ihre Seite gezogen. Welch grandiose Band! Dark Dark Dark werden 2011 noch viele Menschen beglücken, soviel ist sicher!


Setlist Dark Dark Dark, Café de la Danse, Paris

01: Something For Myself
02: Say The Word
03: Robert
04: Heavy Heart
05: In Your Dreams
06: Celebrate
07: All The Things
08: Right Path
09: Wild Goose Chase
10: Trouble No More
11: Bright Bright Bright
12:Daydreaming

12: Make Time
13: The Hand

Deutsche Konzerttermine Dark Dark Dark :

30.05.2011: Lido, Berlin
31.05.2011: Knust, Hamburg
01.06.2011: Gebäude 9, Köln


Aus unserem Archiv:

Dark Dark Dark, Paris, 10.11.10




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