Montag, 21. Mai 2012

Susanne Sundfør, Berlin, 15.05.12

Konzert: Susanne Sundfør
Ort: Grüner Salon, Berlin
Datum: 15.05.2012
Zuschauer: ca. 150
Konzertdauer: 1,5 Stunden


von Markus aus Berlin




Berlin. Es ist Mitte Mai. Die Eisheilige Sophie hat uns fest im Griff und zu allem Überdruss werde ich auf dem Hinweg von einem Regenschauer erwischt. So komme ich wie ein begossener Pudel im Grünen Salon an. Als ich den Saal betrete, sticht mir sofort das grell-grüne Neonlicht ins Gesicht. Die Bühne ist vollgestellt mit diversen Keyboards und im Hintergrund kaum zu erkennen steht ein Schlagzeug. Vor der Bühne ist ebenfalls ein Keyboard platziert. Eigentlich war keine Vorband angekündigt, was ich an diesem Abend zu schätzen gewusst hätte.

Das Publikum ist gut durchmischt und von Anfang 20 bis Mitte 50 ist alles vertreten. Das hat eher was von Familienfeier. So machen es sich auch die meisten Gäste auf den Sofas und Stühlen am Rand bequem und der Rest sitzt mittig im Saal auf dem Parkett.


Irgendwann geht ein kleiner Mann mit Glatze zu dem Keyboard, welches vor der Bühne platziert ist. Vom Typ her eine Mischung aus John Malkovich mit Italo-Bart. Er bearbeitet eifrig die Tasten. Das Ganze erinnert mich eher an einen DJ, der auf Hochzeiten die Gesellschaft unterhält. Nur sind seine Töne und Gesang schräger. Leider nicht schräg genug, sonst hätte ich wohl mehr Gefallen an den 30 Minuten Beschallung empfunden. Eine nachträgliche Recherche ergab, dass es sich um Anton Sword handelte. Der ganze Auftritt wirkte eher tragisch.

Mit der Zeit füllt sich der Grüne Salon weiter und es setzen sich auch immer mehr auf den Boden. Dann kommt Susanne Sundfør mit Band auf die Bühne. Die Bühne ist dekoriert mit diversen Neonröhren sowie unzähligen großen und kleinen Keyboards. Das netzartige Gespinst um die Bühne herum passt hervorragend zum Outfit der Sängerin, dessen Oberteil quasi nur aus Fäden besteht. Dazu noch das Lichtspektakel, das aus Scheinwerfern, Stroboskop und dem Wechselspiel der Neonröhren bestand. Ein Ambiente wie in den Dorfdiscos der 80er nur bedrückender.

Das Publikum hatte es sich auf dem Boden so richtig gemütlich gemacht. Es ging los mit Diamonds vom neusten Album The Silicone Veil. Danach Rome - ebenfalls vom neuen Album, welches ich mir im Vorfeld noch nicht angehört hatte. Die Marschroute wurde schnell klar - akustische Klänge werden an diesem Abend eher die Ausnahme bleiben. Schade.

Susanne Sundfør stand inmitten zweier Keyboardtürme links und rechts neben ihr. Während des Konzertes wechselte sie immer mal wieder die Seiten und versuchte sich an unbeholfenen und ungelenken Tanzeinlagen. Mit Knight Of Noir wurde dann ein kleines Highlight für mich gespielt.

Nach etwa drei Stücken spricht die Frontfrau das Publikum an: How are you? Einer fragte zurück: How are you? I think, I am okay. Dann legte sie nach und sagte, dass sie das Publikum doch bitten möchte aufzustehen, und verspricht, dass man Spaß hat. Sie wirkt leicht genervt. Also doch kein neuer Trend - das Sitzkonzert. Dabei hat sich einer schon seiner Schuhe entledigt und fläzte barfuß in seinem Sessel wie im Wohnzimmer.

Richtig gut gefallen hat mir auch White Foxes. Bei dem Lied ging für mich der Plan auf, ihre Stimme, Melodie, Schlagzeug und Keyboards zu vereinen.

Je weiter das Konzert fortschritt, umso mehr nervte mich die Lichtshow. Dazu noch
eine für mich unfreiwillig komische Tanzeinlage von Susanne Sundfør zum Schlagzeugsolo im Zwischenraum der ihrer beiden Keyboards. Dear John vom 2008er Album war in der Neuinterpretation von 2012 völlig verkitscht. Der Kitsch ging auch mit When weiter. The Silicone Veil gefiel mir wieder richtig gut und der erste Teil des Konzertes wurde damit auch beendet.

Für eine Zugabe ließ sie nicht lange bitten und so kam nach Lullaby und Lilith mit The Brothel ihr wohl stärkstes und bekanntestes Stück. Das wurde sehr gelungen und dezent von ihr präsentiert. Diese Stimmung wird dann zum Abschluss mit It´s All Gone Tomorrow mit vollem Einsatz der Lichttechnik und der Synthesizer-Klänge schnell zunichte gemacht.

Mit einem Resümee tue ich mich bei dem Konzert sehr schwer. Es war gut genug, um bis zum Ende zu bleiben. Solange sich Susanne Sundfør weiterhin auf elektronische Klänge versteift, werde ich ihre Konzerte künftig meiden. In meinen Augen verschenkt sie damit viel Potential. Die Show wirkte billig und gewollt. Susanne Sundfør war auf der Bühne engagiert, aber so richtig glücklich schien sie mir in der Rolle als Disco-Queen nicht zu sein. Die Band gab ihr Bestes, um ihren Sound zu komplettieren. Daran gab es nichts zu kritisieren. Nur Atmosphäre versprühten die Musiker nicht sonderlich. Der intime Grüne Salon war meines Erachtens auch nicht die beste Wahl für diese Art Musik in dieser Darbietung. Ein rauer und kalter Ort wäre die bessere Wahl gewesen.

Setlist Susanne Sundfør, Grüner Salon, Berlin:

01: Diamonds
02: Rome
03: Knight Of Noir
04: Turkish Delight
05: Can You Feel The Thunder
06: White Foxes
07: Dear John
08: When
09: Your Prelude
10: The Silicone Veil


11: Lullaby (Z)
12: Lilith (Z)
13: The Brothel (Z)
14: It´s All Gone Tomorrow (Z)



1 Kommentare :

gudrun.thaeter hat gesagt…

Danke für den Bericht, der mich darin bestärkt, mich damit zufrieden zu geben einfach zu Hause die erste CD anzuhören und mich ansonsten weiter von Susanne Sundför fern zu halten.

Mein einziges Liveerlebnis mit ihr im letzten Sommer in Karlsruhe war eine ziemliche Katastrophe. Seitdem bin ich doch etwas unsicher, wie sich mein Verhältnis zu ihrer Musik weiter entwickeln wird.

Die Katastrophe bestand darin, dass es so ein paar hohe Frequenzen gab, die jedes Mal wenn sie beim Keyboard auftraten total körperverletzend rauskreischten. Meiner Meinung nach ein rein handwerkliches Problem, das aber so schlimm war, dass spontan im Publikum ein Auuuu durch die Reihen ging (so etwa 400 Personen) als es zuerst auftrat (das hab ich so nur einmal erlebt) und binnen 10 min etwa 50% der Zuschauer gegangen waren als klar wurde, dass das der Band egal ist.

Die Reaktion auf meine Nachfrage, warum sie ihre Fans so behandelt war auch eher lapidar: wenn euch meine Musik nicht gefällt, bleibt doch zu Hause. Fand ich nicht nett, weil ich ihr das Problem sehr genau geschildert hatte und gerade weil ich ihre Musik sehr mag, hätte ich sie (in welcher Version auch immer) live sehr gern gehört.

Den Sound scheinen sie ja inzwischen besser im Griff zu haben.

 

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