Mittwoch, 16. Mai 2012

Oberhofer, Köln, 15.05.12

Konzert: Oberhofer
Ort: mtc, Köln
Datum: 15.05.2012
Zuschauer: bis zu 37
Dauer: Oberhofer 55 min, Cheers Darlin' gut 30 min


Es dauerte bis halb elf, bis der Konzertabend gut wurde. Meinen spontanen Entschluß, trotz großer Müdigkeit nach Köln zu fahren, um eine Band zu sehen, von der ich ein Lied kannte, hatte ich bis dahin schon mehrfach bereut. Das beste an den ersten anderthalb Stunden im mtc war schließlich, daß es nicht nach Urin stank. Das ging auch nicht, weil die 15% Raucher in dem kleinen Club die Geruchszene fest in ihrer Hand hatten.

Von neun bis halb zehn daddelte eine Hamburger Band namens Cheers Darlin', die nach ihrer Einschätzung so groß wird, daß wir bald noch oft von ihr hören. Cheers Darlin' war eines dieser Beispiele für eine Vorgruppe, die viel zu viel Selbstvertrauen und viel zu wenig Demut zeigt. So etwas mag ich nicht. Die Bandmitglieder einzeln vorstellen, um ihnen Soli zu ermöglichen, ist fies und glücklicherweise sonst aus der Mode. Wie auch übrigens Jeansjacken und Umhängekeyboards. Cheers Darlin' hatte das alles und dazu noch Spaß an Mitklatschanimantionen und wird mir dafür im Gedächtnis bleiben. Aber auch nur dafür.

Es folgte ein fünfminütiger Umbau und eine anschließende einstündige Umbaupause ohne Bühnenaktivitäten. Ob es daran lag, daß man noch schnell auf die Menschenmassen warten wollte, weiß ich nicht. Die kamen jedenfalls nicht. 37 wurden es, aber immerhin noch zehn mehr als bei der Vorgruppe.

Oberhofer sind nach ihrem Kopf Brad Oberhofer benannt und kommen aus Brooklyn. Neben Brad mit dem Hawaii-Hemd und den lackierten Fingernägeln standen Matt, Pete und Ben, eine Einsilben-Band also. Deren Musik ist - wie komme ich jetzt um den doofen Wortwitz rum? - allerdings viel komplexer als gedacht (verdammt!). Die Amerikaner werden mit den Strokes verglichen, mir kamen aber auch Tokyo Police Club in den Sinn. Die Stücke der Band sind abwechslungsreich, voller Energie und leben von vielen schnellen Gitarren. Einzige weitere Stilelemente neben Schlagzeug und den Gitarren sind ein Glockspiel und häufiges Pfeifen von Brad. Auch wenn das auf dem Papier nicht furchtbar originell und neu klingt (das ist es ja eigentlich auch nicht), konnten die Lieder wirklich viel - Oberhofer haben von Beginn an mächtig viel Spaß gemacht.

Daß Sänger und Gitarrist Brad exzentrisch ist, ahnt man spätestens an den lackierten
Fingernägeln. Sein Bühneverhalten passt dazu. Schon beim zweiten Stück sprang er zum ersten Mal von der Bassdrum. Später trat er mehrfach mit seinen schwarzen Lackschuhen gegen seinen Verstärker (was schöne Klangeffekte auslöste).

Am lustigsten wurde es aber bei Dead girlz dance. Brad hatte vorher den Mikroständer vor der Bühne aufgebaut, kletterte während des Lieds runter und lief singend und spielend an den wenigen Zuschauern vorbei bis ganz hinten durch, wieder zurück, die Treppe zu den Toiletten runter, von denen es einen Zugang hinter die Bühne gibt, auf der er irgendwann wieder auftauchte. Daß während des Ausflugs seine Gitarre nicht eingestöpselt war, war nicht weiter schlimm, seine Kollegen spielten ja laut weiter.

Es war ein überraschend erfrischendes und gutes Konzert. Was aus so einem mies startenden Abend doch noch werden kann!

N
ach 50 Minuten hatten Oberhofer nichts mehr. Es brauchte fast schon unhöflich viel Applaus*, um die Band zurückzuholen. Die Zugabe Earplugz hätten sie noch nie vor Publikum gespielt, sagte Brad, es sei gerade mal zwei Wochen alt. Normalerweise sind solche Aussagen von Bands immer gelogen, den Amerikanern nahm ich das ab. Als ich Brad hinterher sagte, daß mir das Lied gefallen habe, reagierte er erstaunt. "Wirklich? Das hat Dir gefallen? Danke, Mann!"

Setlist Oberhofer, mtc, Köln:

01: Gotta go
02: Tour dreamz
03: I could go
04: Landline
05: Haus
06: Mahwun
07: Cruising FDR
08: oOoO
09: Dead girls dance
10: Away frm u
11: Gold

12: Earplugz (neu) (Z)

* es war ja offensichtlich, daß Oberhofer nicht mehr zurückkommen wollten bzw. konnten


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