Samstag, 5. Mai 2012

Nadine Maria Schmidt, Karlsruhe, 03.05.12


Konzert: Nadine Maria Schmidt (Leipzig), special guests Eva Croissant mit
Cellist Daniel & Tom Boller (alle Karlsruhe)
Ort: Kohi Karlsruhe
Datum: 03.05.2012

Zuschauer: etwa 30-40

Dauer: 45 min Support + 90 min Nadine Maria Schmidt



Bericht und Fotos von Gudrun aus Karlsruhe


Wäre Nadine Maria Schmidt ein Mann, würde sie in der Sprache meines Vaters der (Ehren-)Titel ``Urvieh'' gut treffen. Für eine Frau fühlt sich das komisch an und eine Frau ist sie in der Tat - und was für eine!

Unsere Wege kreuzten sich am 27. März 2011 im Kohi. Von Freunden überredet hatten wir uns doch noch abends in den Sattel geschwungen um nach 2 Std. komplett beschwingt heimzuradeln mit einem Lied auf den Lippen.

Seitdem habe ich die Frau mit Gitarre (http://www.fraumitgitarre.de/) nicht mehr so richtig aus den Augen gelassen. Nun führte der Weg sie ohne Band wieder ins Kohi und - Ehrensache - ich war dabei.

Die Überraschung des Abends war: das Kohi hat sich hübsch gemacht und wir konnten gemütlich auf dem Sofa abhängen. Das passte mir gut, weil ich ganz schön knülle war. Es passte aber auch gut zu dem Konzert, auf dem vom ersten Lied von Eva Croissant an eine Atmopshäre herrschte wie auf einer Feier unter guten Freunden. Es wurde miteinander geredet und verhandelt. Tom spielte ein ganz neues Lied, Eva hatte mit ihrem Cellisten wohl gerade erst geprobt und beide hatten ihren ersten Auftritt. Es wurde gelacht und Verspieler übergangen und Zugaben vom Publikum angeordnet. Das alles in freundlicher Leichtigkeit und Heiterkeit, die mir wirklich gut tat.

Ich habe die ganze Zeit nebenher noch überlegt, wie ich hier im
Konzerttagebuch kurz sagen kann, was die Nadine so besonders macht. Weil Frau mit Gitarre davon gibt es ja nun nicht so wenige und viele von denen machen ihre Sache gut und rühren uns an, haben tolle Stimmen (für Oliver gibt es auch genug mit schönen Beinen und toller Figur). Aber eine wie Nadine findet man so leicht nicht darunter. Sie ist absolut geerdet und präsent auf der Bühne, dabei doch gleichzeitig selbstironisch und sich selbst nicht zu ernst nehmend (bis hin zu albern). In ihrer Musik ist in überraschender Selbstverständlichkeit alles vertreten vom flüstern bis zum grölen - zart und polternd kann sie beides überzeugend und macht sich damit ziemlich nackig. Meiner Meinung nach ist die Konservenmusik hier absolut zweite Wahl, weil sie nur im Konzert zeigen kann, wass sie wirklich drauf hat. Nun habe ich mit ihr zwei Konzerte erlebt, wo die Chemie absolut stimmte. Letztes Jahr gewann sie uns aus dem Stand, dieses Jahr war schon ein Stamm da und die anderen mussten einfach mittun. Sicher klappt das nicht überall so gut und auf gewisse Weise ist diese Distanzlosigkeit ja auch eine Zumutung.


Aber wenn man sich auf die Frau einlässt, dann erlebt man einmalige Dinge!! Andererseits zieht Frau Schmidt damit auch einmalige Dinge an - wie z.B. "Beste Fans der Welt'' und einen "Monsterchor'' aus Enthusiasten für den Videodreh (Infos dazu unten und auf der Webseite).

Diesmal fanden wir schlecht ein Ende. Wir wollten sie
nach dem letzten Lied noch nicht gehen lassen. Sie war auch noch geflasht und wusste nicht so recht, was sie noch hervorzaubern sollte. Schließlich wurde Tom Boller auf die Bühne zitiert, der der Frau ihre Gitarre abnahm und Nisrin improvisierte mit Nadine aus dem Stehgreif einen fröhlichen Ausklang über Leipzig und Karlsruhe und sich selbst suchen und finden. Das war schon ein zauberhafter Moment, der als Schlusspunkt dieses Abends das gewisse Etwas emotional gut zusammenfasste.

Auf dem Heimweg sangen die Nachtigallen sich die Seele aus dem
Leib. Das passte irgendwie auch.

Selbstvorstellung der Band:

http://www.youtube.com/watch?v=HM9pVahHpiQ



Das neue Album "Blaue Kanten'' kommt im Juni heraus. Hier kann man schon hineinhören:

http://soundcloud.com/nadine-maria-schmidt/sets


Infotext des Labels zur CD:


"Blaue Kanten ist das deutschsprachige Debüt der Band Nadine Maria Schmidt & Frühmorgens am Meer. Eine tiefe rauchige Frauenstimme, die aufhorchen lässt. Sie knarrt, gurrt, flüstert, haucht, zerbricht, schreit und jubiliert durch Songs zum Lieben, Leiden und Leben. Die Texte greifen dabei tief in die Zwischenmenschlichkeit ohne aber die Bodenhaftung zu verlieren. Intensiv, warm und ehrlich bis zum Schluss!"

Das Kulturmagazin Zeitpunkt beschreibt es so: „Ihre herrlich schräg und quer intonierten Stücke berühren jeden, der sich darauf einlässt. Es kratzt und lebt und springt und lacht und heult in ihren Liedern. 120 Prozent Menschsein. Ein Genuss für den Gourmet. Ein Desaster für die Marketingmenschen, die alles besser wissen wollen und überhaupt nichts verstehen.

Dieses Album wurde komplett durch die Fans von Nadine Maria Schmidt &
Frühmorgens am Meer finanziert. Diese Aktion war ein eigen initiiertes Crowdfunding-Projekt der Band auf deren offizieller Homepage. Es kamen knapp 6000 Euro zusammen. Einzusehen sind alle Beteiligten unter www.fraumitgitarre.de . Über 130 Menschen halfen bei der Entstehung dieses Albums mit. Fast alle davon arbeiteten ehrenamtlich und aus Überzeugung heraus. Rundum ein Liebesstück!''

Ein Video des Auftritts im Kohi von 2011:

http://www.youtube.com/watch?v=jc-iy9GgJv8



4 Kommentare :

Thomas Reinecke hat gesagt…

Das, was ich hier lese, hätte ich besser nicht formulieren können.

Gedanken und Gefühle,die sich zwei Tage später auch in Waltershausen verdichteten. Auch mir war die fehlende Distanz manchmal ein klein wenig gewöhnungsbedürftig. Doch sie gehört nun einmal zu Nadine Maria Schmidt. In einem gestern verfassten Kurzbericht über Waltershausen schrieb ich auch von Zumutung, als Frage formuliert; jedoch in Bezug auf den in Abgründe führenden Tiefgang, wie bei "Wenn sie geht". Und klar diefraumitgitarre fordert ihrem Publikum einiges ab, aber auch klar es ist fordert die ganze seelische und geistige Aufmerksamkeit, ist freilich letztendlich keine Zumutung.

Ich bin froh, diesen Blog gelesen zu haben, denn er bestätigt viele meiner Wahrnemungen. Z.B. bei "Raus hier" ist Nadine einfach live um Nasenlängen intensiver, agressiver, noch viel authentischer, als bei der CD-Fassung.

Herzlich
Thomas

Thomas Reinecke hat gesagt…

Hier die betreffende Passage aus eine Mail an Medienvertreter und Neuigkeitenleser:


...
die gestrige Vollmondnacht hat jeden einzelnen Gast mehr als begeistert. Schmidts markanter, energischer, einzigartiger Stil macht ihre Lieder erst recht zu dem, was Sie sind. Das Stimmwunder Nadine Maria Schmidt überzeugte wieder einmal mit ihrem, liebenswürdigen Schneid – originär – schonungslos offen – halt mit geöffnetem Visier. Sie gewann die Herzen aller, die gestern im Festsaal ihr Konzert erlebten. Und dabei hat sie es dem Zuhörer mit einigen Ihrer Lieder alles andere als leicht gemacht und führte Ihr Publikum in tiefe Abgründe. Abgründe, die auch die zuweilen uns ergreifende Tragik und das tägliche Leid der realen Welt hilflos erscheinen lassen, wenn man einfach ohnmächtig ist, ausgeliefert, wehrlos und nichts bleibt, als die Wahrnehmung des Unvermeidbaren. Mutet Sie zuviel zu? Das fragt sie sich dann wohl manchmal auch selbst. Nein Nadine, Du musst diese Lieder singen, und Dein Publikum hält sie schon aus, lernt diese Lieder lieben.

Doch die Frau mit Gitarre malt ihrem Publikum in ihren Liedern auch wundersame Hoffnung, wie in dem Monsterlied mit Perspektiven, ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Und das sangesfreudige Publikum unterstützte Nadine im Wechselgesang nicht nur bei diesem Lied.

Wir sind gespannt, wie es weitergeht, auch gespannt aufs Feedback der Anderen…

Thomas Reinecke

thomas.reinecke@yahoo.com

ThR hat gesagt…

Hier noch ein Link zum Konzertbericht Klaus-Dieter Simmen

http://gotha.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/kultur/detail/-/specific/Nadine-Maria-Schmidt-gab-Konzert-auf-Schloss-Tenneberg-2116246746

gudrun.thaeter hat gesagt…

@thomas vielen Dank für das Teilen der Eindrücke und die netten Worte!
Dafür liebe ich die neuen Zeiten! Deine e-mail-Adresse scheint aber nicht korrekt zu sein (This user doesn't have a yahoo.com account (thomas.reinecke@yahoo.com))...

 

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