Freitag, 18. Mai 2012

Beth Jeans Houghton, Berlin, 09.05.12


Konzert: Beth Jeans Houghton
Ort: Frannz Club Berlin

Datum: 09.05.2012
Zuschauer: ca. 70
Konzertdauer: 1 Stunde


Bericht und Fotos von Markus aus Berlin


Ich sitze mit Freunden im Biergarten, bevor ich mich auf den Weg zum naheliegenden Frannz Club in der Kulturbrauerei mache. Die Sonne hat mich den Tag über heiter gestimmt und so betrete ich gut gelaunt die Räumlichkeiten. Mir persönlich ist der Frannz Club zu unpersönlich und nach der Sanierung hat er auch an Charme eingebüßt. Das versuche ich weitgehend auszublenden, denn an diesem Abend ist steht dort die großartige Beth Jeans Houghton auf der Bühne. Eine Vorgruppe ist nicht angekündigt, was ich auch nicht traurig finde. Als die Band die Bühne betritt, bin ich anfangs doch recht irritiert. Sie passt so gar nicht zu der Musik und auch Beth Jeans Houghton sieht alles andere als glamourös aus. Sie selbst trägt eine hautenge ausgewaschene Jeans dazu ein leicht bauchfreies T-Shirt. Ihre blonde Mähne hat sie hochgesteckt. Insgesamt eine optisch recht eigenwillige Mischung. Ihre Band setzt diese Linie fort. Es hat eher den Charakter einer Truppe, die sich Mittwoch Abend im Proberaum trifft als auf der Bühne einer Metropole aufzutreten. Das ist jetzt nicht unbedingt abstoßend, sondern auch beruhigend, dass nicht jede aufstrebende Band sich gleich als Möchtegern-Hipster verkleidet.





Gut gelaunt erzählt Beth Jeans Houghton die Geschichte vom Vorabend, als sie auf der Reeperbahn in Hamburg für eine Prostituierte gehalten wurde. Nach dem phantastischen Atlas und Humble Digs folgt mit Dodecahedron eines meiner Lieblingslieder. Sie schafft es auch live ihre Stimme in allen Variationen zu präsentieren. Dabei kommen die Stimmen der Band deutlich mehr zur Geltung als auf dem Studioalbum. Auch die Trompete ist schön stimmig live eingebunden. Mit California folgt das erste bislang unveröffentlichte Lied und es reiht sich stimmig in die bekannten Klänge ein. Eingebunden mit einer schönen Geschichte eines Traumes der vergangenen Nacht als sie wegen einer zweiten Vagina zum Arzt geht. Das wirkt alles nicht vulgär oder unangenehm, sondern ist sehr unterhaltsam. Der 1990 geborenen Britin merkt man ihr junges Alter nicht an. Sie steht souverän und selbstbewusst auf der Bühne - mitten in dem bunten Mix der Band. Diese harmoniert nicht nur im Zwischenmenschlichen, sondern schafft eine runde und tragende Atmosphäre rund um die Stimmakrobatik von Beth Jeans Houghton. Das macht unheimlich Laune und die wirklich exzellente Laune der Band überträgt sich direkt auf das sehr motivierte und interessierte Publikum. Eigentlich würde Liliputt zum Tanzen animieren, aber mehr als Wippen ist zu diesem Zeitpunkt nicht herauszukitzeln. Das Berliner Publikum auch nicht dafür bekannt, dass es zur Ekstase neigen würde. Live hat die Band einen ganz eigenen und dennoch vertrauten Klang. Beth Jeans Houghton ist kein Studioprodukt, sondern sie ist live noch intensiver und intimer als auf ihrem schon herausragenden Album. Ihre Musik verkommt live nicht zur Karikatur, sondern entwickelt eine eigene Dynamik. Der rauere Live-Sound steht dem temporeichen Franklin Benedict gut zu Gesicht. Sehr gut gefällt mir auch Before I Go Away. Mitten im Konzert sollen wir dann alle laut Kreischen und diese Schreitherapie klappt besser als das Tanzen. Sie spielt nicht einfach nur ihr 2012er Studioalbum runter, sondern auch viele noch unveröffentlichte Songs, die sehr gut ins Set passen und Lust auf weitere Konzerte und Alben machen. Je weiter das Konzert fortschreitet, umso mehr bewegt sich auch das Publikum tanzend, wippend mit viel Freude und Lust auf die temporeichen und abwechslungsreichen Lieder. Gelangweilt habe ich mich bei Beth Jeans Houghton keine Sekunde lang. Dazu lässt sie es auch nicht zwischen den Lieder kommen, denn ihre Zwischenbemerkungen sind amüsant und haben ihren ganz besondern Charme. Nach ihrem Hit Sweet Tooth Bird zeigt die Band mit Prick (auf dem Studioalbum als Anhang des Liedes Carousel zu hören) beeindruckend, dass sie auch Punkrock gut beherrscht. Optisch würde sie dort wohl gut aufgehoben sein. Schließlich beendet sie das Konzert mit ihrer Version von „Like A Prayer“ von Madonna. Für mich das schwächste Lied des Abends. Leider hat sie mein Lieblingslied Nightswimmer an diesem Abend ausgelassen. Vielleicht habe ich bei einem ihrer nächsten Konzerte mehr Glück. Beth Jeans Houghton machte an diesem Abend eine großartige Figur. Ihre Band war eine klanglich und atmosphärische Unterstützung und Bereicherung. Nach dem Konzert nahm ich mir noch ein paar Minuten, um mit meinem begrenzten Englisch-Kenntnissen meine Verzückung über das Erlebte mitzuteilen. Ich stand da nicht alleine und so glaube ich, dass die Band Berlin in positiver Erinnerung behalten wird. Das Publikum dankte ihr das Konzert mit viel Applaus, Jubeln, Lachen und Feiern. Ein so tolles Publikum für so eine großartige Sängerin habe ich selten erlebt.

Setlist:

Atlas
Humble Digs
Dodecahedron
California
Liliputt
Skinny Bone
Franklin Benedict
Shampoo
Before I Go Away
Honey Comb
Your Holes
Grope
I Will Return I Promise
Sweet Tooth Bird
Prick
Like A Prayer (Madonna Cover)



3 Kommentare :

gudrun.thaeter hat gesagt…

Die CD musste ich mir gleich bestellen...

Oliver Peel hat gesagt…

Guter Kauf, Gudrun, die CD ist super und sehr abwechslungsreich!

Markus Berlin hat gesagt…

Ich habe mir gleich die Vinyl vor Ort gekauft - in der lag auch die CD gleich mit drin - mit allen Autogrammen für lumpige 15 Euro ein Schnäppchen :)

 

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