Samstag, 26. November 2011

My Brightest Diamond, Berlin, 24.11.11


Konzert: My Brightest Diamond (& Special Guest Miss Kenichi)

Ort: Club ADS (An der Shillingbrücke), Berlin

Datum: 24.11.2011
Zuschauer: knapp 200


Von Gudrun Thäter, vielen herzlichen Dank!


In meiner Familie gelte ich mitunter als "krass". Aber extra wegen eines kleinen Indie-Konzertes von Karlsruhe nach Berlin zu fahren, das fällt mir nicht ein. Als ich heute Nacht jedoch nach dem Konzert von Sharah Worden alias My Brightest Diamond glücklich auf die S-Bahn wartete, kam mir flüchtig der Gedanke: dafür hätte es sich aber tatsächlich gelohnt.

In Wirklichkeit bin ich in Berlin um zu arbeiten. Mehr aus
Pflichtbewusstsein (damit man sich hinterher nicht ärgern muss) hatte ich am Dienstag geschaut, was denn am 24.11. abends so in der Hauptstadt geboten wird und war mit etwas Glück fast sofort darauf gestoßen, dass My Brightest Diamond spielen. Ich Greenhorn musste dann erst einmal herausfinden, wie man an die Konzertkarten kommt und wurde an eine zentrale Konzertkasse verwiesen. Es gab noch viele Karten (von 500 waren erst 100 verkauft). Freilich war die Zeit zum zuschicken schon zu kurz und ich würde es auch nicht schaffen, noch vor 19 Uhr dort meine Karte abzuholen. Aber ich wollte es auch nicht darauf ankommen lassen, mein Glück an der Abendkasse zu versuchen. Der freundliche Mann am anderen Ende der Telefonleitung machte daraufhin einen sehr lieben deal mit mir: die Karte wurde in einem Cafe hinterlegt, das in Fußentfernung zum Club liegt. So machte ich mich mit Stadtplan und U-Bahn-Liniennetz ausgestattet auf den Weg erst in das Lokal (wo tatsächlich ein Umschlag auf mich wartete!) und anschließend weiter zum Ostbahnhof. Der Club ADS war von der Schillingbrücke aus tatsächlich leicht zu finden. Wäre ich am Ostbahnhof ausgestiegen, wäre ich beim Suchen wahrscheinlich komplett verzweifelt, weil es als unscheinbarer flacher Bau am Spreeufer in einem total verwilderten Grundstück liegt, der Zugang fast unsichtbar. So hatte ich durch das entgegenkommen des freundlichen Kartenverkäufers gleich dreimal Glück: ich hatte meine Karte sicher, ich hatte einen Spaziergang durch eine Gegend wo ich noch nie war, wohl auch nie hingekommen wäre, die mir aber ausgesprochen gut gefallen hat und ich habe mich dem Club von
der richtigen Seite her genähert. Am Einlass zum Club öffnete ich meinen Umschlag und die erste Überraschung war: Webseite sagte 20 Uhr Beginn, (sagte übrigens auch das Radio) die Karte hatte 21:00 Uhr aufgedruckt. Somit war, als ich kurz vor 20 Uhr
ankam natürlich noch tote Hose. Aber ich musste nicht lange warten. Im Club konnte ich mich in Ruhe erst einmal zurechtfinden. Ich war positiv überrascht. Von außen sah alles ziemlich gammlig aus, drinnen hatte man aber aus einer Halle einen Raum gemacht, der klug aufgeteilt war und mit einigen wenigen und gut gesetzten Akzenten einladend auf mich wirkte. Es gab Fläzecken, Sitzecken, einen langen interessant gestalteten Bartresen mit sehr freundlichem Personal und mein persönliches Highlight war ein Strauß Diskokugeln (schwer zu zählen, aber vielleicht 7 Stück interessant als Strauß angeordnet). Die hatten an dem Abend zwar keine wirkliche Rolle, aber auch der kleinste Lichtreflex machte auf diesen vielen Spiegeln viele interessante Sachen... Wenn man so lange auf den Beginn der richtigen Musik warten
muss, hat man einige Zeit, dem hinterher zu träumen.

Das Konzert ging schließlich 21:20 Uhr mit Miss Kenichi los: Eine blonde junge
Dame mit Gitarre (Oliver, ich musste gleich an dich denken...), die sich vor uns die Seele aus dem Leib sang begleitet von einem Mann an Keyboards und etwas Schlagwerk. Der Raum vor der Bühne war gefüllt, aber ich konnte mir vorstellen, wie statt der 200 Besucher heute sonst bis zu 500 Besucher hier Platz finden könnten (nicht alle direkt vor der Bühne, aber doch im Raum). Die Musik war sehr innig, eher
experimentell in der Melodieführung und Instrumentierung. Das erste Stück war fast ganz ohne instrumentale Begleitung und es spricht wohl eher für das Publikum, dass damit auch sofort Stille und Spannung hergestellt war. Die beiden wurden sehr freundlich durch ihr Set begleitet, das Publikum von Sharah Worden sprach auf diese Art der Musik durchaus positiv an. Gegen 22:00 Uhr war das Set beendet.

Es folgte ein kurzer Umbau, der eher ein Abbau der wenigen Utensilien von Miss Kenichi war. Danach war die vordere Hälfte der Bühne leer und in der hinteren Hälfte stand ein satt ausgestattetes Drumset ein Keyboard, Mikro, E-Gitarre, Ukulele und Autoharp. Es würde also wohl eher eine Besetzung geben ohne klassische Instrumente.

Die leere Bühne vorn erklärte sich sofort, nachdem Sharah 22:20 Uhr ihr
Set mit einem schamanisch anmutendem Tanz begann (und dies blieb nicht die einzige Tanzeinlage). Aber insgesamt fühlte sie sich wohl hinten nicht recht wohl, weil sie zwischendurch immer wieder mit dem Mikro nach vor kam - so nah, dass ich ihre Schnürsenkel hätte binden können...

Diese kleine und eher zart gebaute Frau hat eine faszinierende Aura umsich - ein wahres Energiebündel. Sie tanzt und wiegt sich, rockt dabei mit der Gitarre ab und singt die schönsten Töne als würde es sie keinerlei Mühe kosten. Mitgebracht hatte sie Brian Wolfe als Mann am Drumset. Das Publikum sprach sofort begeistert an. Wir sind hier nicht so viele, wie der Club fassen würde, aber alle wie wir hier stehen, nehmen dieses Konzert als persönliches Geschenk, scheint der Beifall zu sagen. Es ist mir schon fast unheimlich: Wenn ich mich umschaue, schaue ich in lauter glücklich entrückte Gesichter.

Das Set umfasst im Wesentlichen die Stücke vom neuen Album. Durch die komplett veränderte Instrumentierung gewinnen sie eine neue Dimension. Von flüsterleise bis zu: jetzt schauen wir mal was die Anlage hergibt, ist alles vertreten. Alles wirkt dabei so, als müsste es genau so sein und nicht anders. Laut und leise, innig (fast folkig) bis zur Rockröhre - all das beherrscht Sharah und man nimmt es ihr auch ab. Und diese Stimme - sie ist einfach unbeschreiblich!

Natürlich sind wir nicht damit einverstanden, das Set schon 23:30 Uhr enden zu lassen. Eine Zugabe wird erklatscht, dann noch eine weitere. Schließlich lassen wir nicht locker und Sharah Worden steht etwas fassungslos ein drittes Mal zurückgerufen auf der Bühne und fragt, was sie noch spielen soll. Als zwei Lieder gefunden sind, erbittet sich Sharah, nun auch ein Bier trinken zu dürfen (also übersetzt: dies ist nun aber wirklich das allerletzte Lied Freunde).

Danach ist es 0:00 Uhr und ich gehe glücklich zum Ostbahnhof, um von dort
die S-Bahn zu nehmen.

Falls jemand in Köln noch die Gelegenheit wahrnehmen kann, SharahWorden am 26.11. zu sehen sei dies hiermit wärmstens empfohlen.

Pics: Foto 1 by Oliver Peel, Archiv, Foto 2& 3 by Gudrun.
- Ganz glänzende Fotos von diesem Konzert haben unsere Freunde von le Cargo.org, klick!

Aus unserem Archiv:

My Brightest Diamond, Haldern, 13.08.11
My Brightest Diamond, Paris, 07.10.08
My Brightest Diamond, Haldern, 08.08.08
My Brightest Diamond, Evreux, 27.06.08
My Brightest Diamond, Paris, 22.04.08
My Brightest Diamond, Paris, 02.10.07
My Brightest Diamond, Paris, 26.02.07




6 Kommentare :

gudrun.thaeter hat gesagt…

der Hinweis auf die tollen Fotos sei hiermit extra bedankt

Guido hat gesagt…

Da kann ich mich ja jetzt noch mehr auf Köln freuen

Catweazle hat gesagt…

Danke für den schönen Bericht, wir freuen uns sehr auf Köln heute abend!

selenoglaska hat gesagt…

Es lohnt sich schon, für so einen Konzert weit zu fahren! Wir fuhren von München nach Köln, extra nur um Sharas Musik zu hören! Weil sie nach München leider nicht kam ... Es war unglaublich im "Gebäude 9", leider aber viel zu wenig Publikum, dafür auch sehr intim. Brian Wolfe hat die Herzen aller Damen im Saal erobert!

Catweazle hat gesagt…

Ja, war wirklich wunderschön in Köln! Habe ein paar Videos bei Youtube reingestellt:
http://www.youtube.com/watch?v=90z5WrII_kE
http://www.youtube.com/watch?v=kE_lAJkcphc&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=9YT4jTHS820
http://www.youtube.com/watch?v=dL6pIMLPNgc
http://www.youtube.com/watch?v=QbSwVxBiWYw&feature=related
Vielleicht mag die ja jemand?

gudrun.thaeter hat gesagt…

@catweazle

Vielen Dank - die Videos sind toll!! In Berlin gab es leider keine Zusammenarbeit der Künstlerinnen und ich habe das nicht so recht verstanden, weil es sich meiner Meinung nach angeboten hätte...

 

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