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Donnerstag, 18. September 2014

The Felice Brothers, Dresden, 07.09.14

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Konzert: The Felice Brothers mit Thos Henley
Ort:  Schlosskapelle im Residenzschloss Dresden
Datum: 7. September 2014
Dauer: 30 min + 90 min
Zuschauer: viele (vielleicht 500?)



Ich fühle mich ein bisschen als Verräterin, denn ich habe das Konzert nur aus blanker Neugier besucht - für die Organisatoren des Sound of Bronkows aber war es ein lang gehegter Wunsch, der in Erfüllung ging. Immerhin konnte ich ihren Enthusiasmus teilen dafür, an so einem besonderen Ort viele Menschen für ein Konzert zu versammeln und ich freute mich sehr, Thos Henley wieder zu sehen. Es scheint, dass nach seinem Konzert im Juni 2013 bei uns im Wohnzimmer, dies sein erster Auftritt mit Musik war. Und das war in meinem Herzen schon etwas besonderes und sehr kostbares.


Ich war zeitig vor Ort, um noch Zeit zu haben zum rumschauen und einen guten Platz zu haben. Irgendwie ist es doch immer wieder eindrucksvoll, wie viel und wie professionell agierendes Personal man antrifft, wenn man in die Tempel der eingesessenen Kulturstätten tritt. Das war auch im Residenzschloss der Fall. Vielleicht war deshalb dann auch meine Überraschung so groß, dass es gar keine Bestuhlung gab... Bei näherer Betrachtung natürlich sehr sinnvoll. Am Bühnenrand standen auch schon andere Enthusiasten und ich hielt mich mit rumstromern zurück, um meinen Platz vorn nicht einzubüßen. Woanders würde ich in einem Stehkonzert sehr wenig sehen können.


Das Set von Thos begann fast pünktlich und ich hatte den Eindruck, es war gar keine lange Zeit verstrichen seit dem letzten Treffen. Waren das nicht sogar die gleichen  Schuhe, die gleiche Hose, der gleiche Pullover? In jedem Fall waren es zum großen Teil die vertrauten Lieder, das vertraute Understatement und der Charme, der mich immer wieder so sehr für ihn einnimmt. Ein wirklich schöner Auftakt für diesen besonderen Abend!


Es wurde zum Glück auch mit dem Headliner nicht zu arg gewartet und nach etwa 20 min ging es weiter mit absolut spielgeilen Jungs. Sie gaben vom ersten Moment an Vollgas und es wurde ziemlich rumgetobt. Die Stimmung im Publikum nahm das auch gleich dankbar auf. Ich sah nicht wenige um mich herum, die ganze Lieder mitsingen konnten. 


Mir selbst war es dann aber nach 2,5 Stunden stehen und mit der am absoluten Limit agierenden Lautstärke genug. Ich machte noch eine kleine Abschiedsrunde und ging durch den ruhigen Sonntag Abend zurück in mein Quartier. Unterwegs ging ich im Kopf noch einmal durch, was für tolle drei Tage da hinter mir lagen. So viele Konzerte, die mich komplett begeistern konnten, die Mischung von alt und neu so komfortabel und dann fand ich es doch irgendwie lustig, dass vier der Bands auch in meinem Wohnzimmer eine Bühne gefunden hatten... 


Und unversehens fühlte ich Vorfreude auf das  Sound of Bronkow 2015 in mir aufsteigen und war voll Neugier auf den musikalischen Mix, der dann geboten werden würde - mit der Gewissheit, dass es die Anreise wieder lohnen wird!

Aus unserem Archiv:
Sound of Bronkow 2014 Tag 3
Sound of Bronkow 2014 Tag 2
Sound of Bronkow 2014 Tag 1 
 
Sound of Bronkow 2013 Tag 3
Sound of Bronkow 2013 Tag 2
Sound of Bronkow 2013 Tag 1
Sound of Bronkow 2012 Tag 3
Sound of Bronkow 2012 Tag 2
Sound of Bronkow 2012 Tag 1
 
The Felice Brothers, München, 29.11.11
Thos Henley, Karlsruhe, 04.06.13
Thos Henley, Dresden, 02.09.12

Donnerstag, 6. Juni 2013

Thos Henley, Karlsruhe, 04.06.13

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Konzert: Thos Henley
Ort: Karlsruhe
Datum: 4. Juni
Zuschauer: 15
Dauer: 60 min


In hearing taste I will sit read and write and contemplate on you who have lived a life so full.

Zum Glück teilt Thos Henley seine Gedanken in unnachahmlich sympathischer Weise mit uns, dem Publikum. Wir trafen uns vor fast zwei Jahren zum ersten Mal als er mit seinem Bruder im Geiste George Jephson als Oh Othello in Dresden beim zweiten Sound of Bronkow live zu erleben und war und ich war sofort bezaubert. So jung und doch so sehr Spiegel dessen, was immer bleibt im Leben aller Menschen und uns formt und würdig machen kann.

Ein Jahr später führte uns wieder das Sound of Bronkow zusammen, wo er ein Konzert mit Tiny Ruins und Niels Frevert in der ausverkauften Dresdner Christuskirche bestritt. Wieder dieses Gefühl, dass mir das Herz weit und zugleich zu eng wird beim hören der Lieder.



Nun war über Mario, den Zauberer vom Label Kumpels & Friends in Dresden (die auch hinter dem Sound of Bronkow stehen) das Wohnzimmerkonzert abgemacht worden. Mit der lustigen Fußnote, dass mit läppischen 4 Jahren Zwischenzeit ich Thos aus dem Wohnzimmer von Oliver übernommen habe...

Thos war schon seit 2 Wochen unterwegs und würde bei uns den Tourabschiedsabend haben. Wir machten es uns mit Kaffee und Kuchen im Garten bequem und als die Zuhörer eintrafen hatten wir Europa so ein Stück weit in meinem Wohnzimmer vereint: der englische Bänkelsänger, eine Italienerin, ein Ire und die deutschen Musikliebhaber waren gespannt darauf, was nun passieren würde. 


Das Wetter war nach dem Katastrophenregen endlich ganz sommerlich. Einen Moment lang erwogen wir noch eine Freiluftsession, aber es war dann doch etwas kühl auf den Abend und die offene Tür zum Garten ersetzte das draußen sitzen.



Und dann begann die Musik. Die Kombination von seiner besonderen Stimme und seinem jungenhaften Charme hatte auf alle Anwesenden die gleiche Wirkung die ich schon an mir beobachtet hatte: Liebe auf den ersten Blick. Das Songspektrum umfasste sehr ruhige und nachdenkliche Lieder und richtig poppige Knaller und egal, was er uns vorsetzte, wir nahmen es begierig auf und feierten diese gemeinsame Zeit mit Lachen und Applaus und ein paar heimlich verdrückten Tränen.


Im Anschluss blieben diesmal alle noch sehr lange beeinander. Irgendwie waren alle so angeregt und warm geworden. Es entbehrte auch nicht eines gewissen abseitigen Charmes, als dann nach einigen Bierchen Thos mit einem meiner deutschen Nachbarn Konversation auf schwedisch machte... Und als die Gäste dann spät nach und nach gingen, wurde keiner ohne Umarmung von Thos persönlich in den lauen Abend geschickt. 

In smelling sound I will kiss my love and walk the ground.

Zitate aus "In hearing taste" vom aktuellen Album gleichen Namens.

Thos Henley@Oliver Peel Session Juni 2009:


Was sagen die Kumpels und Friends über ihren Künstler:

Thos Henley wuchs in Südengland in dem kleinen Dorf Netley (Southampton) auf. Doch anstatt sich wie seine Altersgenossen mit Skateboard und Spielekonsole durch den Provinzalltag zu daddeln, beschäftigte sich der Knabe viel lieber mit alter Musik und verstaubter Reiseliteratur über ferne Bräuche und Länder. Inspiriert durch Lord Byron und Patrick Leigh Fermor verließ Thos Henley schließlich vor einiger Zeit seine englische Heimat, um als wandernder Musiker die Orte zu besuchen, deren Namen und Beschreibungen ihn seit seiner Kindheit so schwer beeindruckt hatten. Im Gepäck: wenig mehr als sein britischer Charme und eine krumme akustische Gitarre, ganz nah dem vielbeschworenen romantischen Ideal. ... In den letzten Jahren hat Thos Henley größtenteils zu Fuß Frankreich, Griechenland und Schweden bereist. Dazwischen hat er in einer WG-Küche in Paris gelebt und jedes Konzert gespielt, dass man ihm angeboten hat. ... Als Plattenlabel kann man ihm nur folgen und die Aufnahmen sammeln, die er an den verschiedenen Orten hinterlässt. Aufnahmen, in denen Orte und die Musiker, die dort leben, hörbar werden, dabei jedoch nie die Einzigartigkeit und Größe dieses schmalen und jungen Reisenden überdecken. 

Aus unserem Archiv:
Thos Henley, 2. September 2012
Oh, Othello, 21. Juni 2011
Thos Henley, 22. Februar 2011
Thos Henley, 24. Juli 2010
Thos Henley, 10. Juni 2010
Thos Henely, 3. März 2010
Thos Henley, Paris, 20. September 2009
Thos Henley, Paris, 8. September 2009
Thos Henley, Paris, 1. Juli 2009
Thos Henley, Paris, 14. Juni 2009 



Sonntag, 9. September 2012

Sound of Bronkow Festival Tag 3, Dresden, 02.09.2012

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Sound of Bronkow Festival - dritter Tag
Ort: Dresden (Societätstheater)
Datum: 2. 9. 2012 12:00 - 18:30 Uhr und 20:00-23:00 Uhr
Zuschauer: 50-300

Der dritte Tag des Festivals hatte zwei Teile: einen Singer Songwriter brunch im Garten und ein abendliches Konzert in der Dreikönigskirche.

Ab 12 Uhr spielte Desiree Klaeukens mit ihrem Gitarristen Florian Glässing locker und sympatisch und länger als geplant, da House of Wolves wegen Zugverspätung erst einen späteren Slot wahrnehmen konnte. Es war gerade richtig, um ruhig in den Tag zu kommen.

The Coloradas sprang dann noch spontan für ein kurzes Set ein und weckte uns doch etwas nachdrücklicher auf, bevor etwa 13:30 Uhr House of Wolves (das ist Rey Villalobos)
sein ätherisches Set beginnen konnte. Das Programmheft versprach hier: "Villalobos´ Stimme klingt, als würde eine männliche Elfe (jaja, solche Vergleiche darf man nich machen, wissen wir) tröstende Lieder singen und erinnert in manchen Momenten angenehm an Nick Drake oder Sufjan Stevens. Dazu betörende, entrückte Songs, die in ihren Videos völlig zu recht in Ozeane von Licht gebadet werden." Und dieses Versprechen erfüllte sich aufs schönste.


Richtig gespannt war ich auf das Projekt Redwood Red von Emma Gatrill und Cathy Cardin. Angekündigt hatten es die beiden Damen von Sons of Noel and Adrian als ihr Projekt mit Harfe und Gitarre. Es waren dann aber sogar 4 Leute auf der Bühne, weil es noch Unterstützung an Bass und Schlagzeug dazu gab. Gute Unterhaltung bot sich schon während des Soundchecks. Ich weiß nicht, wie viele Fotos ich von Emma gemacht habe, wo sie lacht und Witzchen macht. Es war dann aber auch musikalisch eine sehr gelungene knappe Stunde zusammen. Die künstlerischen Handschriften der beiden Damen waren deutlich zu unterscheiden, ergänzten sich hier aber sehr schön. Im Vergleich zur großen Band ging es hier ruhiger und nachdenklicher zu, auch rhythmisch nicht ganz so vielschichtig, aber es war schon eher artifizieller Folk. Die Harfe ist natürlich ein sehr schönes Instrument und gibt der Musik eine ganz eigene Note. Es kamen aber auch die Klarinette zum Zug und es gab eine Stepdance-Einlage von Emma. Als Gartenmusik zum Nachmittag ein besonderes Schmankerl.

Sons of Noel and Adrian lauschen Fenster
Als letzter regulärer Tagesordnungpunkt im Garten durften Fenster den Schlusspunkt setzen. Auch sie füllten die Bühne mit vier Musikern bis an die Grenzen. Sie haben einen sehr eigenen Stil zum Teil sehr energetisch und wechselnden im Set öfter die Instrumente. Häufig wurden elektronische Sounds als Fluchtpunkte der Musik eingesetzt neben Glockenspiel und Schlagwerk. Offensichtlich waren hier im Publikum viele Fans dabei und man sah ganze Pulks von glücklichen Gesichtern.



Das abendliche Konzert in der Dreikönigskirche war ein Novum und sozusagen ein Experiment. Es liegt eigentlich nahe, diesen Ort zu bespielen, weil ohnehin der Kirchturm der Dreikönigskirche auf keinem Fotoset des Sound of Bronkow Festivals fehlt. Er schaut so schön tröstlich in den Garten und zeigt die aktuelle Uhrzeit an. Naheliegend ist es auch aus dem Grund, dass die Dreikönigskirche ein Zwitterwesen ist zwischen Kirche und Veranstaltungsort (als Haus der Kirche). Die sakrale Atmosphäre einer Kirche ist nur mehr andeutend vorhanden. Da die Kirche in ihrer jetzigen Form (nach der Zerstörung im Jahr 1945) erst in den 1980er Jahren wieder wieder aufgebaut wurde, war man so klug, das Haus für verschiedene Nutzungen auszulegen, weil die evangelische Gemeinde der Dresdner Neustadt gar nicht so groß ist, dass sie das Gotteshaus sonst füllen kann. Ein gewisses Risiko bestand trotzdem durch die ungewohnte Akustik des Hallenbaus und die Art, wie das Publikum auf Distanz gehalten wird durch die Sitzordnung.

Ich denke aber, das Experiment verlief zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten. Die drei Künstler Thos Henley, Tiny Ruins und Niels Frevert schafften es jeweils locker nur mit ihrer Gitarre bewaffnet den Raum einzunehmen und das Publikum für sich zu gewinnen. In einem ersten Teil waren sie ab 20 Uhr jeweils etwa 25 min Solo auf der Bühne. Nach einer 20 min Pause saßen dann alle Künstler vorn und wechselten das Podium untereinander.


Es war sehr sympatisch, wie Thos Henley zum überbrücken der Pausen beim Stimmen seine neu gelernten deutschen Sätze zum besten gab. Er ist seit einiger Zeit in Dresden und wird wohl auch wieder mit Oh, Othello unterwegs sein von Dresden aus. Er strahlte zunächst eine gewisse Nervosität aus, die er mit der langen Konzertpause begründete. Aber musikalisch gab es für diese Nervosität keinen Grund.

Tiny Ruins wurde hier schon sehr oft live begleitet. Sie hat die Gabe gleichzeitig zerbrechlich und kraftvoll zu singen. Ich glaube, in der Kirche kannten sie vorher nur sehr wenige. Es ist aber sicher keiner nach Hause gegangen, der nicht von dem Konzert aufs tiefste berührt und begeistert gewesen wäre. Nach dem Konzert hatten wir noch Gelegenheit uns ein wenig zu unterhalten. Sie wurde auf ihre Gitarre angesprochen, die in der Tat ein japanisches Fabrikat aus den 1970er Jahren ist. Mehreren Leuten war es ein Anliegen, sich persönlich für das Konzert zu bedanken und natürlich wurden auch CDs verkauft und signiert.

Niels Frevert hat ganz bestimmt schon viele verschiedene Konzertorte bespielt und trat doch auch etwas vorsichtig tastend auf, wie er mit der Atmosphäre des Raumes umgeht. Er hatte einen Barhocker dabei, dann wollte er doch lieber stehen. Aber ich denke, es hat ihm mit den Dresdnern doch auch Spaß gemacht.

Ein unbedingtes Highlight dieses ohnehin wunderbaren Konzertabends waren die Zugaben. Tiny Ruins akustisch aus dem Gang zwischen den Stühlen und Oh Othello vereint mit einem Lied "whiskey and fireworks", das sie im vergangenen Jahr zum Sound of Bronkow geschrieben hatten. Die Spielfreude der beiden zusammen zu sehen, war für mich ein ganz besonderes Geschenk. Sie befeuern sich gegenseitig und die Blitze gehen hin und her. Natürlich ist Thos Henley auch solo ein toller Künstler, aber mit Oh, Othello gewinnt Musik und Darbietung eine ganz andere Dimension.

So ging das Sound of Bronkow in der Ausgabe von 2012 zu Ende. Es hat mir viele Facetten gezeigt und wunderschöne Stunden geschenkt. Zeit mit musikalischen Freunden, Gelegenheit, neue Musik für mich zu entdecken und Zeit in einer so freundlichen Atmosphäre, dass ich 2013 sehr sehr gern wieder Anfang September nach Dresden fahren möchte und mich dann sicher wieder ganz als Gast von Kumpels and Friends bestens aufgehoben fühlen werde.



Mittwoch, 23. Februar 2011

Razorlight, 22.02.11

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Konzert: Razorlight

Ort: La Flèche d'or, Paris

Datum: 22.02.2011

Zuschauer: ausverkauft (500)

Konzertdauer: 90 Minuten


Johnny Borrell (Archivfoto) gilt als Großmaul und wird deshalb von einigen Leuten, auch in den Medien, gehasst. Ich stellte aber immer wieder fest, daß er das gewisse Etwas hat und habe stets gute Shows von ihm und seiner Band Razorlight geboten bekommen. Außerdem fand ich es schon als junger Mensch unterhaltsam, wenn Leute große Töne gespuckt haben. Muhamed Ali, der sagt, er sei der Größte und er werde seinen nächsten Gegner zermalmen, oder Tony Schuhmacher, der als Antwort auf die Frage nach einem Tipp für das Ergebnis der deutschen Fußballmannschaft fast immer trocken antwortete: "wir gewinnen 3:0", waren so was von erfrischend. Viel besser als die Zauderer und Tiefstapler, die immer vorsichtig gesagt haben: "mein nächster Gegner ist sehr stark, ich darf ihn nicht unterschätzen, blablabla"...

Und so ist es kein Wunder, daß Großmaul Johnny sämtliche Bandmitglieder mit denen ich ihn immer live erlebt hatte, rausgeschmissen und ausgetauscht hat. Razorlight ist Johnny Borrell, die anderen halten die Gitarre und den Bass und ansonsten den Mund. Punkt.

Um es kurz zu machen: ich war bei den beiden ausverkauften Shows von Razorlight in der Fléche dor nicht dabei, denn es gab für mich andere Konzerte, die mir wichtiger waren. Mein Freund Rockerparis war aber vor Ort und stellte mit Freude fest, daß die Band viel (blues)-rockiger und heavier geworden ist ("lots of heavy guitars for the new Razorlight"), die alten Fans womöglich aber geschockt gewesen seien. Nun zumindest kann man ihnen mangelnden Einsatz nicht vorwerfen, die Show am 21. Februar dauerte 1 Stunde 50 Minuten, die vom 22.02.11 90 Minuten mit einer Setlist von 28 Songs, darunter das Jonathan Richman Cover Pablo Picasso.

Vorgruppe am 22. : Thos Henley! Eine kleine Sensation, der junge Engländer war 2009 noch völlig unbekannt, bis er bei mir eine Oliver Peel Session spielte und nun darf er zum dritten Mal in einer 500 Mann Location auftreten. Sein erstes richtiges Album (nach einer schönen Ep auf Vinyl) kommt dieses Jahr!

Setlist Razorlight, viele Fotos, Video und ein Bericht auf englisch bei Rockerparis, klick!

Aus unserem Archiv:

Razorlight, Paris, 30.11.08
Razorlight, Paris, 06.10.08
Razorlight, Paris, 15.09.07
Razorlight, Köln, 05.09.07
Razorlight, Paris, 21.06.07
Razorlight, Heidelberg, 09.02.07
Razorlight, Paris, 01.02.07
Razorlight, Köln, 09.11.06




Donnerstag, 7. Oktober 2010

Pokett & Villeneuve, Paris, 06.10.10

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Konzert: Pokett & Villeneuve (Thos Henley)
Ort: Le Café de la Danse
Datum: 06.10.10
Zuschauer: ziemlich viele, aber nicht ausverkauft
Konzertdauer: insgesamt 3 Stunden

Live report en français ci-dessous!

Etliche Musiker der Pariser Indieszene (Barbara Carlotti, The Rodeo, Anabel's Poppy Day, Pollyanna, Reza, New Pretoria, De la Jolie Musique, Fairguson, Los Chicros, It's All Good In The Wood, Arch Woodman, Porco Rosso, St. Petersburg, Karaocake) waren heute im Café de la Danse, um... sich, ähem ja, die Pariser Indieszene anzusehen! Eine Art Klassentreffen der fleißigsten Künstler der Seine-Metropole, organisert von den Boutiques Sonores, French Toast und Clapping Music. Normalerweise finden Konzertabende dieser Sorte in kleineren bis mittelgroßen Locations wie dem Divan Du Monde, dem Glaz'art oder dem International statt, aber heute war Klotzen statt Kleckern angesagt. Austragungsort war das hochangesehene Café de la Danse, wo sich sonst die internationale Creme de la Cremè von Folk und Indie trifft. Klangvolle Namen traten hier in den letzten Jahren auf: Bright Eyes, Bill Callahan, Low, Lambchop, Shearwater, Hope Sandoval, Anna Ternheim und und und!

Heute hießen die Acts: Thos Henley, Pokett & Villeneuve, allesamt in Paris ansässig. Stargast bei Villeneuve: die wunderbare Folk/Blues-Sängerin Liz Green! Ein tolles Programm auch ohne die großen internationalen Headliner.

Aber wie ist der Abend nun genau gelaufen? Hier mein ausführlicher Bericht?

Die ruhigen Folkkünstler werden immer zu früh angesetzt, eine Thematik über die ich eine Doktorarbeit schreiben könnte! Das Problem tritt immer wieder auf, genau wie meine Unpünktlichkeit. Im Klartext: Ich kam zu spät zum Konzert des jungen, in Paris lebenden Engländers Thos Henley. Er wurde bereits um 19 Uhr 30 auf die Leute gehetzt und war um 20 Uhr auch schon mit seinem Programm durch. Bis ich Trantüte angeschlichen kam (also um 20 Uhr 10) hatte es sich ausgethoshenleyet. Zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen, daß meine Verspätungen oft mit häuslichen Erledigungen zu tun haben. Ich schmeiße bei uns den Haushalt und kaufe auch ein, genau wie am heutigen abend. Unmöglich für mich, bereits um halb acht auf der Matte zu stehen, zumal die Location von mir aus 13 U-Bahnsationen entfernt ist. Aber Thos Henley geht seinen Weg auch ohne mich, in den letzten Wochen sind ihm sämtliche Blogger auf den Fersen, wollen ihn fotografieren, abfilmen etc. Ich selbst war bereits im Juni 2009 an Thos dran, habe also schon wieder über ein Jahr Vorsprung auf meine Kollegen gehabt. Wenn es um das Entdecken junger Talente geht, bin ich also sehr früh dran, da ist nix mit Verspätung wie im sonstigen Leben!

Im Café de la Danse ging es unterdesse mit dem Franzosen Pokett weiter. Eigentlich das Soloprojekt des Singer-Songwriters Stéphane Garry, hat sich Pokett mit dem Erscheinen des dritten Albums Three Free Trees zu einer richtigen Band gemausert. Ex-Pollyanna David Lopez spielt Gitarre und auch ein Bassist und ein Drummer haben ihren Platz in der Livetruppe. Trotzdem bleibt Stéphane Gary im Mittelpunkt, obwohl er eigentlich ein eher stiller, leiser und angenehm bescheidener Zeitgenosse ist. Die große Geste, das Show Off, das liegt ihm nicht. Er konzentriert sich vielmehr auf sein ausgefeiltes Songwriting, die Produktion seiner CDs (+ der von Freuden wie Pollyanna und Reza) und die feinen, filigranen Arrangements.

Zu viert hat Pokette einiges an Bühnenpräsenz und Lautstärke hinzugewonnen. War ich bisher sehr leise und intime Akustikkonzerte von Stéphane Garry gewöhnt, wurde es heute phasenweise richtig rockig, ja noisig! Die reduzierte Ballade Marmalade vom ersten Album Crumble (ein Schmuckstück!) wurde heute mit viel Dampf und Druck neu in Szene gesetzt und gefiel mir auch in dieser ungewohnten Darreichungsform ausgezeichnet. Garry hat wunderbar die Balance gefunden zwischen zurückgenommeren Passagen und lauteren Momenten und singt nach wie vor betörend schön. Seine Stimme erinnert mich immer wieder an meinen Helden Elliott Smith, hat aber dennoch ihre ganz eigene Klangfarbe (inklusive des kleinen Akzents).

Je länger ich dem ausgezeichneten Konzert zuhörte, um so klarer wurde mir, daß Pokett zweifelsohne internationale Klasse hat. Alle drei Alben sind hervorragend und heute kam nicht nur das neue Opus, sondern auch das brillante Altwerk zum Zuge. Die träumerische Ballade Strange (vom Zweitling Peak) packte mich außerordentlich und auch die neue, sehr rockige Version von Marmalade wurde absolut überzeugend zelebriert. Zum Abschluß verdingte sich Stéphane Garry sogar noch als zweiter Drummer und trommelte bei der Noisekeule Three More Cords wie ein Bessener mit.

Die Bloggerszene, auch die französische, sollte viel mehr und deutlich schwelgerischer von Pokett berichten. Es gibt in Frankreich maximal eine Hand voll Bands, die ähnliche Klasse haben!

Setlist Pokett, Le Café de la Danse, Paris:

01: Like A Knife

02: Someone You Know
03: The Way Down
04: Strange
05: Take Me Home
06: Make It Last
07: Marmalade
08: A Sinking Island
09: Living Here
10: Happy The One
11: Three More Cords

Nach Pokett und einer kurzen Umbaupause trat der Headliner Villeneuve auf den Plan. Eigentlich das Projekt eines Mannes, des hochaufgeschossenen Franzosen Benoit, bedarf es zur Liveumsetzung der komplexen Kompositionen 6 Musiker und einiger Gäste. Musikalisch gar nicht so leicht zu fassen, was Villeneuve da eigentlich machen. Mit den Etiketten Shoegaze oder auch Postrock liget man sicherlich nicht falsch, aber der Sound von Villeneuve beinhaltet noch viele andere Komponenten: Krautrock, Ambient, Elektropop. Mit dieser Mixtur und dem zweiten Album Dry Marks Of Memory ist der Durchbruch bei den Kritikern gelungen. Gelobt wird die Eleganz, die Vielschichtigkeit und Eigenständigkeit. Als Referenzen aufgelistet werden Musiker unterschiedlichster Couleur. Die Palette reicht von OMD über Brian Eno bis hin zu Neil Young. Im Grunde genommen vertont Benoit von Villeneuve seinen kompletten Plattenschrank ohne Festlegung auf bestimmte Genres oder Epochen. Es würde sicherlich unzählige Seiten füllen, alle heute gespielten Stücke auf Einflüsse hin zu durchleuchten, deshalb komme ich sofort zu den Highlights. Für mich waren das ganz klar die beiden Stücke, in denen die junge Britin Liz Green als Gastmusikerin auftrat. Ihre sensationelle Bluesstimme bildete bei Words Of Yesterday und Second Start einen spannenden Kontrast zum Shoegaze-Sound und ließ mich förmlich mit der Zunge schnalzen! Aber auch wenn der umtriebige Saxofonist Q (unter anderem oft Gastmusiker bei Herman Düne ) auf den Plan trat, wurde es richtig gut. Am eindruckvollsten blies der bärtige Pariser mit der Brille bei dem kunstvoll aufgebauten Death Race in sein Instrument. Die Chose wurde regelrecht dramatisch und psychedelisch und das Finale mit laut aufheulenden Gitarren war wahrlich famos!

Das Publikum jubelte und bekam mit Victoria Falls auch noch die einzige Zugabe des Abends spendiert. Nach insgesamt fast 3 Stunden Musik war die Messe gelesen und selbst Novizen wurde klar, daß die Pariser Musikszene äußerst spannend und farbenfroh ist. Es war für jeden Geschmack etwas dabei, ohne daß die Veranstaltung dadurch beliebig oder heterogen wurde. Warum also nicht öfter französische Indie-Musiker auf größeren Bühne auftreten lassen? Ihr Handwerk bzw. ihre Kunst) beherrschen sie!

Setlist Villeneuve, Café de la Danse, Paris:

01: Alone- Not Alone
02: Patterns
03: Dry Marks Of Memory
04: The Sun (mit Nili)
05: Yours & Yours (mit Nili)
06: Crystel Garfiti (mit Q)
07: Words Of Yesterday (mit Liz Green)
08: Second Start (mit Liz Green)
09: Day One (mit Q)
10: Death Race (mit Q)

11: Victoria Falls

Pour nos lecteurs français:

On commence tôt au Café de la Danse, trop tôt pour moi. Quand je suis arrivé vers 20h, le jeune et talentueux anglais, parisien d'adoption, Thos Henley avait déjà fini son set présenté à l'aide de deux musiciens (dont son pote anglais George et Matthieu des Chicros). Mais Thos n'a plus besoin de tant de publicité, il va faire son chemin sans moi! Et du chemin il en fait ces derniers mois! Moults concerts (dont un à la Maroquinerie, quand même!), la sortie de son très beau premier vinyl Golden Europe et plusieurs sessions acoustiques pour le Cargo et le Hiboo entre autres. En 2010 la blogosphère s'intéresse fort à lui, mais un peu tard puisque j'avais déjà eu l'occasion de le découvrir et de l'inviter pour une Oliver Peel Session en juin 2009! Mais peu importe, ce qu'il compte ce sont ses sublimes morceaux poétiques, célestes et comme hors du temps. Et ce n'est surement que le début, ça c'est sûr!

Après le britannique c'était au tour de Pokett de jouer. A la base, projet d'un seul homme, le singer/sonwriter/producteur/arrangeur Stéphane Garry, Pokett s'est transformé avec la sortie de l'excellent troisième album Three Free Trees en veritable group de rock indé avec le fabuleux David Lopez (ex-Pollyanna) à la guitare. Joués à quatre les morceaux fragiles de Garry prennent une tout autre dimension et deviennent parfois carrément rock, voir noisy (pas étonnant quand on sait que Gary est aussi fan de heavy metal ) Mais l'essentiel est resté. Il y a toujours cette douce voix melancolique digne d'un Eliott Smith, le songwriting éblouissant et le sens des arrangement d'une classe internationale. Malgré sa taille moyenne, Pokett est un grand, il faut bien le souligner! Son repertoire de bonnes chansons est impressionnant, on y trouve sur chaque album des titres de grande qualité tel que Marmalade, Strange et Someone You Know. Marmalade surtout m'impressionna. Pokett a transformé cette ballade intimiste en un pétard rock très carré et efficace. Autre temps fort d'un concert bien équilibré et envoûtant: le final extatique où on pouvait voir Stéphane en tant que deuxième batteur du groupe. Les quatre musiciens se donnaient à fond, lâchant tout, et quittant la scène lessivés!

Pokett a enfin eu l'occasion de montrer ses talents devant un aussi grand public, et c'est une excellente nouvelle, il joue d'habitude plutôt en acoustique dans des petites salles parisiennes.

Vint enfin la supposée tête d'affiche Villeneuve. Projet ambitieux, ultra complexe issu du cerveau d'un seul homme: le grand Benoît, arrangeur-guitariste, pianiste et chanteur. Pour presenter les chansons de son épatant deuxième album Dry Marks Of Memory il lui fallait 5 musiciens et plusieurs "special guests." Pas facile de décrire l'univers de Villeneuve. On y trouve plein de styles différents. Surtout le postrock et le shoegaze façon Ride ou My Bloody Valentine mais également du rock indé, du krautrock allemand (on pense à Cluster, Faust, Neu) et de l'electro pop. Parfois, on a l'impression que Benoît a mis en musique l'ensemble des disques qu'il possède. Le resultat de tout cela est impressionant. Il arrive malgré ses compositions audacieuses à garder un fil conducteur qui fait que le tout ne tourne pas dans du free jazz experimental. Et il y avait des invités de grande qualité ce soir: deux filles (Nili et Liz Green) au chant pour deux titres chacune et le mystique Quentin, alias Q sur trois morceaux. J'ai été le plus impressionné par la jeune anglaise Liz Green. Dotée d'une voix blues incroyable, cette demoiselle de Manchester joue d'ordinaire des chansons folk old fashioned style. Aujourd'hui elle donne à Words Of Yesterday et Second Start une note exotique et décalée. Puis Q apporta son jeu de saxofone psychédélique et habité, qui vint enrichir le son de Villeneuve. Pour le morceau final (si on ne compte pas le rappel Victoria Falls) l'immense Death Race, il sifflait comme un beau diable et bien souvent à cloche-pied!

Le public a pu voir à quel point la scène musicale française, trop souvent décriée ou reduite à quelques groupes emblématiques ( à tort ou à raison), est capable de fournir des artistes d'une qualité exceptionnelle, pleins de variations et d'originalité!! Un bien beau spectacle!!

Aus unserem Archiv:

Villeneuve, Paris, 09.11.2009
Pokett, Paris, 23.05.09
Pokett, Paris, 18.03.09
Pokett, Saint Ouen, 30.01.09



Donnerstag, 2. September 2010

Konzertankündigung Thos Henley

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Konzertankündigung

Orte & Daten: siehe unten


Thos Henley, in Paris lebender Brite wird seine romantischen Folksongs nun auch erstmalig einem deutschen Publikum vortragen. Bekannt geworden durch eine stimmungsvolle Oliver Peel Session (héhéhé), klettert der hochgewachsene Blondschopf nun die Karriereleiter immer ein Stücken weiter nach oben. Stilistisch liegt er voll im Trend. Man könnte ihn ohne weiteres der jungen britischen Folkszene um Mumford & Sons, Johnny Flynn, Laura Marling oder Noah & The Whale zurechnen. Ich halte große Stücke auf ihn, aus dem Burschen wird was!

Deutsche Konzerttermine von Thos Henley:

03.09.2010: Societätstheater, Dresden
04.09.2010: Societätstheater, Dresden
06.09.2010: Astra Stube, Hamburg

Anmerkung: Unter dem Search Label Thos Henley findet ihr etliche Konzertberichte über den Engländer.


Montag, 26. Juli 2010

Cyann, Watine, Lauter, Thos Henley, Klaus, Paris 24.07.10

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Konzert: Cyann, Watine, Lauter, Thos Henley, Klaus u.a.

Ort: La Loge, Paris
Datum: 24.07.2010
Zuschauer: etwa 60
Konzertdauer: Konzerte von 16-23 Uhr!


Die französische Indielandschaft ist sehr spannend und innovativ, aber in den letzten Jahren fehlte mir eine Sängerin ganz schmerzlich: Cyann, damals Mitglied der formidablen Cyann & Ben, die nach ihrem Ausscheiden unter dem Namen Yeti Lane als männliches Trio weitermachten. Kaum eine Frauenstimme hat mich dermaßen gepackt wie die der zierlichen Pariser Pianistin. Den Song Sweet Beliefs von Cyann & Ben (zu bestaunen auf ihrer MySpace Seite) auf dem sie so sentimental und herzzereißend singt, habe ich hundertfach gehört. Auf dem Weg zur Loge ließ ich ihn 6 mal hintereinander auf meinem Ipod laufen. Noch heute bin ich tief aufgewühlt, wenn ich ihre fragile, unglaublich melancholische Stimme höre. Unzählige Male hat sie mir damit Trost gespendet, mich verzaubert, mir Tränen in die Augen getrieben. Was ist aus Cyann geworden? Fast jeden Tag fragte ich mich das, vor allem als ihre männlichen Kollegen als Yeti Lane ohne sie Konzerte gaben. Vor ein paar Monaten traf ich sie zuläufig. Sie war aufrichtig gerührt, als ich ihr erzählte, daß ich großer Fan von Cyann & Ben gewesen sei. Noch nie habe sie jemand seitdem erkannt und angesprochen, ließ sie mich wissen.

Man kann sich meine freudige Erregung vorstellen, als ich erfuhr, daß Cyann im Rahmen eines von den Boutiques Sonores veranstalteten Mammutkonzertes mit mehr als 15 Künstlern auftreten würde. Mit heißen Ohren trat ich in die Loge ein, in der Cyann schon vor ein paar Sekunden mit ihrem kurzen Set (3 Lieder, wie jeder der heutigen Musiker) begonnen hatte. Ich setzte mich still und leise vor ihr Piano und ließ mich berieseln. Immer noch die gleiche Melancholie und Sanftheit in ihrer Stimme, es war wirklich ein Genuß. In der Pause zwischen zwei Liedern bemerkte mich die Pianistin plötzlich und warf mir einen langen Blick zu. Tausend Schmetterlinge flatterten in meinem Bauch. Dann begann sie aber auch schon ihren letzten Chanson und nach nur 15 Minuten war Schluß. Dennoch hatte sich mein Kommen gelohnt, denn jede Minuten mit Cyann ist ein Geschenk. Ich hoffe künftig auf mehr. Mehr Konzerte und neues Material, daß dann hoffentlich auf ihrem Debütalbum landen wird. Ich bin und bleibe ihr Fan!

Im Anschluß setzte sich die Französin Watine hinter das Piano, auf dem vorher noch Cyann geklimpert hatte. Die Musikerin wird grundsätzlich unter Elektropop oder sogar Trip Hop verortet, aber heute mit dem deutlich abgespeckteren Instrumentarium klang das Ganze klassischer. Viel Lob hat sie für ihren beiden Alben Dermaphrodite (2006) und B-Side Life (2009) eingeheimst und heute performte sie exklusiv bereits zwei schöne Stücke ihres im Jahre 2011 erscheinenden Albums namens Still Grounds For Love. Darauf darf man sich freuen.

Ohne großen Pausen ging es munter immer weiter im Programm, aber ich verquasselte viel Zeit im Innenhof mit Freuden und Bekannten. Zu Lauter war ich aber wieder zurück. Boris Kohlmayer mit bürgerlichem Namen, war mir auch schon als ehemaliger Gitarrist von Reza ein Begriff. Solo hat er ein beachtliches Album namens The Age Of Reason veröffentlicht und heute coverte er auf fast genial zu nennende Weise You Came To Me von Beach House. Selbst bin ich da aber gar nicht drauf gekommen und so mußte mir der in Paris lebende Engländer Thos Henley auf die Sprünge helfen. Dieser schnappte sich kurze Zeit später eine geliehene Gitarre, zelebrierte seinen Hit Darling You und ein nagelneus Lied, das er im Griechenland- Urlaub geschrieben hatte. Le Vin Rouge de La Jeunesse heißt es und ich verfüge sogar über die Lyrics. Bei Interesse bitte melden! Ein weiterer junger Engländer kam direkt im Anschluß. Mit Klaus sollte/wollte ich sogar eine Oliver Peel Session machen, aber wir haben uns letztendlich entschieden im Sommer zu pausieren, weil unsere Bude einfach zu stickig ist und wir Erholung brauchen. Klaus wäre mit seinen hübschen Folksongs aber alles andere als schlecht gewesen...



Freitag, 11. Juni 2010

Thos Henley, Paris, 10.06.10

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Konzert: Thos Henley

Ort: La Machine du Moulin Rouge
Datum: 10.06.2010
Zuschauer: so einige alte und neue Fans


"Ich denke, es wird bei der Kassette bleiben", hatte ein anonymer Nörgler hier vor etwa einem Jahr geschrieben, als ich davon berichtete, daß Thos Henley bisher nur eine Kassette veröffentlicht hat. "Er (sie?) würde ja wetten, aber anonym sei das schwierig. Nun ja, die Wette hätte ohnehin ich gewonnen, denn heute gab es die Release Party für eine wunderbare, auf goldenem Vinyl erschienene EP namens Golden Europe von Thos Henley zu feiern. In der ehemaligen Locomotive im Pigalle-Viertel fand das Ganze statt und die Veranstaltung wurde zu einem großen und berauschenden Fest, von dem ich morgen mehr berichten möchte...



Hört mal in die Songs von Thos bei MySpace rein, er hat neue Stücke hochgeladen. Mein Favorit: Oscars Babylon

Thos Henley in Deutschland! :

3 & 4. September 2010 Societätstheater Dresden




Donnerstag, 4. März 2010

Thus:Owls & Thos Henley & Broadcast 2000, Paris, 03.03.10

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Konzert: Thus:Owls & Thos Henley & Broadcast 2000

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 03.03.2010
Zuschauer:mittlerer Andrang. vielleicht 200?



Alter Schwede, was sind diese Thus:Owls toll!* Kein Wunder, ist ja auch eine schwedische Band, bei denen der Schlagzeuger von Loney, Dear die Stöcke schwingt und der Gitarrist von Patrick Watson die Gitarre auf vielfältige Weise zum Vibrieren bringt. Am schönsten und wichtigsten ist aber die Sängerin Erika. Den ganzen Abend habe ich gegrübelt, woher ich ihr Gesicht kenne. Sie kam mir so unglaublich bekannt vor. Erst bei einer Recherche auf flickr fiel es mir wie Schuppen von den Haaren. Natürlich! Damals hieß sie Erika Alexandersson und war Backgroundsängerin bei Loney, Dear. Als sie mit Emil in der Boule Noire gespielt hat, habe ich sie den ganzen Abend angschmachtet. Sie war damals mit ihm liiert. Heute ist sie mit dem Gitarristen von Patrick Watson verheiratet und heißt nun Erika Angell. Wie das Leben so spielt...

Der Engländer Thos Henley, der durch eine Oliver Peel Session im May 2009 weltbekannt geworden ist (was denn? stimmt das etwa nicht? ich war sogar schneller als Vincent Moon von der Blogothèque), hat seinen Namen nicht geändert, obwohl er eine neue Flamme hat. Wie sie heißt wird nicht verraten. Die Glückshormone (in den ersten Monaten des Verliebtseins sollen diese ja verstärkt ausgeschüttet werden, bevor man sich auf die Nerven geht und der Spiegel wieder rapide sinkt) taten ihm sichtlich gut und gesanglich war er selten so gut aufgelegt wie heute. Seine Stimme ist schon etwas ganz Besonderes mit ihren nuancenreichen Schattierungen, aber noch beeindruckender ist sein Songwriting. Der Mann ist erst Anfang 20, schreibt aber nicht wie andere englische Youngsters über die nächste Party und Living For The Weekend, sondern beschäftigt sich mit klassischer englischer Literatur und Poesie. Ein schüchternen Einsiedler ist er trotzdem nicht. Gerne kommunizierte er mit dem Publikum, fragte mehrfach nach, warum denn allle so still seienn und ob die Leute mehr Fun hätten, wenn ein Drummer dabei wäre. Beim letzten Lied kletterte er gar von der Bühne runter und besuchte mit seiner Klampfe die überwiegend auf dem Boden sitzenden Zuschauer. Man wird auch in Zukunft noch viel von Thos Henley hören, dessen bin ich mir sicher. Well done, Thos!

Die Londoner Broadcast 2000 waren schließlich auch alles andere als übel. Eigentlich keine Band, sondern das Projekt von Joe Steer, der für die Liveperformance freilich Unterstützung von ein paar Musikern braucht. Der perkussive Indie-Folk, der geboten wurde, hatte Charme und Liebreiz und es lohnt sich sicherlich, das Ganze mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Setlist Broadcast 2000, La Flèche d'or, Paris (merci à Amazingbands!):

01: Run
02: Over Soon
03: Get Up And Go
04: Your Own Worst Enemy
05: Us (Regina Spektor)
06: All Is Said And Done
07: Rouse Your Bones
08: That Sinking Feeling (solo)
09: The View
10: Don't Weigh Me Down

11: Everybody & Me

Setlist Thos Henley, La Flèche d'or, Paris:

01: So English
02: Final Farewell
03: Henrietta
04: Oldest Tree In Netley
05: Keeper Of My Breath
06: Darling You

* es bedarf natürlich auch noch einer Erläuterung, warum sie denn toll sind. Es gibt ja auch Leute, die Britney Spears toll finden, was zeigt, daß das Umsichwerfen mit lobpreisenden Adjektiven völlig nichtssagend ist. Also zur Musikalie: Fans von Loney, Dear könnten von Thus:Owls enttäscht werden. Obwohl bei beiden Bands Ola Hultgren trommelt, ligen Thus:Owls mit ihren komlexen, verwunschenen Arragements deutlich näher an dem, was man von Patrick Watson kennt als an Emil Svanängens Stil. Einprägsame Refrains sind bei den Stockholmern die Ausnahme, stattdessen hat das Material teilweise eine experimentelle, nicht so leicht zugängliche Kompenente. Die Grundstimmung ist düster-dramatisch, und einige Songs erinnern an Björk oder Liedern von Musicals. Live haben es Thus:Owls es aber richtig gut hinbekommen, Spannung und Dramatik aufzubauen (vor allem bei Eagles ComingIn) , ohne allzu nervig zu werden. Sängerin Erika sang mit äußerster Hingabe und tippelte permanent auf ihren Fußspitzen, die in schweren Dog Martens Stiefeln steckten. Ihr Ehemann an der Gitarre verwendete die kuriosesten Gegenstände, um sein Instrument zu bearbeiten. Mal musste ein Löffel herhalten, mal gar ein grasgrüner Luftballon. So etwas hatte ich auch noch nie gesehen!

À propos gesehen: Ich halte die Wahrscheinlichkeit für recht hoch, daß sie beim Haldern Pop Festival 2010 dabei sein werden. Dann kann sich jeder sein eigenes Bild davon machen, ob die Stücke des Albums Cardiac Malformations gut umgesetzt wurden.

Links:

- Super Video von le-hiboo.com: Thus:Owls - I Weed My Garden
- charmante Session von Le Cargo mit Broadcast 2000. Klick!

Aus unsererm Archiv:

Thos Henley, 21.09.09.

Thos Henley, Paris, 08.09.09
Thos Henley, Paris, 01.07.09
Thos Henley, Paris, 14.06.09 (Oliver Peel Session)


Ausgewählte Konzerttermine von Broadcast 2000 (ohne Gewähr):

05.05.2010: Molotow Club, Hamburg
06.05.2010: Das Bett, Frankfurt
07.05.2010: Steinbruch, Duisburg
08.05.2010: Sparte 4, Saarbrücken
09.05.2010: Motoki, Köln
11.05.2010: Kleine Freiheit, Osnabrück
14.05.2010: Das Haus, Ludwigshafen
15.05.2010: Magnet, Berlin




 

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