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Dienstag, 14. Oktober 2014

Peter Hook and The Light, Paris, 07.10.14

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Peter Hook and The Light
Ort: La Machine du Moulin Rouge, Paris
Datum: 07.10.14
Zuschauer: viele, vielleicht 600
Konzertdauer: drei Stunden !



Peter Hook ist einer der Allergrößten, das mal vorausgeschickt. Wer mir hintereinander drei sensationelle Konzerte beschert, kann nur dufte sein. Und meinen Segen braucht er ja eh nicht, alle wissen daß er einer der größten Bassisten der Musikgeschichte ist. Zweifel besteh eher hinsichtlich seiner Gesangeskünste und seiner Legitimität, den Joy Division- und nun auch den New Order Katalog live abzuspulen. Zu der zweiten Sache darf man mal getrost sagen: alle die Hooky dafür kritisieren, altes britisches Liedgut wieder neu zu beleben, sollen sich mal ganz bedeckt halten, Barney Sumner allen voran. Peter Hook hat verdammt noch mal das Recht diese Songs zu spielen, er war wichtiger Teil dieser Bands und viele Fans wollen das Material hören. Zumal Hooky seine Sache saugut macht. Zu den stimmlichen Fähigkeiten des Ausnahmebassisten: die sind sicherlich eher begrenzt. Wobei er sehr gut den grimmigen hundgesmeinen Tonfall von Ian Curtis imitiert bekommt. Viel schwieriger fällt es ihm, das dünne unschuldige Sentimentalstimmchen von Barney Sumner nachzumachen. Da trifft er selten ganz genau die richtigen Töne, das war auch heute nicht anders.



Dass es dennoch auch hinsichtlich des New Order Teils des Konzertes fantastisch wurde lag an den herausragenden Instrumentalparts und auch dem mitsingenden Gitarristen der Band The Light, der die Stimme von Barney recht gut hinbekam und Hook gesanglich immer wieder untertstützte.



Der erste Teil in dem alte Joy Divsion Hits gebracht wurden, war eh überragend. Zwar fehlten Highlights wie Transmission, Shadowplay, oder Atmosphere, aber imerhin bekamen die Fans eine messerschafe Version von She's Lost Control zu hören, die ähnlich gut wie das Original klang. Zudem gab es das selten gespielte Atrocity Exhibition, ein angsteinflößender Song, bei dem Ian Curtis live immer total ausgerastet ist: "This is the way step inside, this is the way step inside !! " Auch Digital und New Dawn Fades wurden tadellos performt, wobei der Sohnemann von Hooky am zweiten Bass viel zu tun hatte, weil sein Vater oft nicht Bass spielte, sondern stattdessen den Arm regelmäßig gen Himmel riss. Eine eigenwillige, etwas verstörende Geste, die sich Hook wohl nicht abgewöhnen kann oder will.




Nervig war das abrupte Ende des ersten Teils. da gingen die Musiker wortlos nach Atrocity Exhibition von der Bühne und sofort im Anschluß wurde Take Me Out von Franz Ferdinand vom Band auf die unschuldigen Leute im Publikum abgefeuert. Da standen die Zuschauer dann etwa eine viertel Stunde blöd und ratlos rum (gab es etwa technische Probleme ?- das fragten sich so einige), bevor Hook and The Light wiederkamen und mit New Order fortfuhren. Die Alben Low Life und Brotherhood standen nun auf dem Programm. Beide hatte ich ewig nicht mehr gehört, wobei The Perfect Kiss (von Low Life) und Bizarre Love Triangle ja nun Songs sind, die eigentlich jeder kennt und die ich natürlich auch für immer im Ohr habe. Ob alle Fans die gesamten Alben noch auswendig kennen, wage ich allerdings zu bezweifeln. So plätscherten dann ein paar Nummer dieser beiden Machwerke ein wenig kommentarlos vor sich hin, wenngleich kein einziger wirklich schwacher Song performt wurde, dazu spielte die Band auf der Bühne einfach zu großartig auf. Alles war so sensationell druckvoll, präzise, tight, eine Wonne ! Und die Synthieparts klangen viel besser als auf Platte, weil man in den 80er Jahren billige Drumcomputer einsetzte, die unfassbar steril vor sich hin schepperten.

Vor dem integralen Performen von Low Life und Bortherhood wurden aber noch drei andere Lieder vorangestellt, darunter eine gelungene Instrumentalnummer und der Hit Thieves Like Us vom Album Power Corruption & Lies. (zumidnest auf der Deluxe Edition enthalten) Eine sehr großzügige Sache wie ich finde, da beschränkte man sich eben nicht nur auf zwei Alben, sondern bot den Fans noch viel Bonusmaterial.


Highlights im New Order Teil waren sicherlich Perfect Kiss, Love Vigilantes (" Iwant to see my family, my wife and child...") und das herrlich schnelle und postpunkige Sunrise hinsichtlich Low Life und Weirdo (herrlich beschwingt und euphorisierend !) , Bizzare Love Triangle  + der ersten hervorragenden Zugabe State of The Nation bezüglich Brotherhood.

Wobei ich mich schwer tue, Highlights besonders hevozuheben, denn das Schöne an diesem Konzert war, daß selbst vermeintlich schwächere Albumtitel ordentlich aufgemotzt wurden und in neuem Glaz erstrahlten. Selbst die Instrumentalnummern waren keineswegs langweilig, sondern packend und anregend. Zu Elegia setzte sich Hooky auf ein Stühlchen und performte ganz alleine. Es klang fast nach einer Zither, was er da zusammenzupfte, großartig ! 

Fast drei Stunden lang wurde in Nostalgie geschwelgt und vor allem die älteren Zuschauer, die von Joy Divsion und New Order in ihrer Jugend geprägt wurden, hatte ihre helle Freude.

Im Zugabenteil wurden dann auch noch einmal allerletzte Reserven freigemacht. Hooky schnaufte zwar schon aus dem letzten Loch, aber mit True Faith und Temptation wurden noch mal Kracher rausgehauen, die die Massen elektrisierten. Plötzlich tanzten viele Pogo, es wurde richtig wild. Das i- Tüpfelchen war dann die nichtgeplante Übernummer Love Will Tear Us Appart, bei der alle mitsangen und die Stimmung überschäumte. (Video von youtube Nutzerin Vio V)


Danach ließ sich Peter Hook zu recht feiern. Er hatte sein Shirt ausgezogen und gab den Blick frei auf einen gut austrainierten Oberkörper. Vielleicht hat er ein kleines Bäuchlein, aber bei ihm wirkt alles fest und kompakt. Wie der musikalische Teil im Übrigen.

Welche New Order Alben wird er uns wohl auf der nächsten Tour präsentieren ? Man darf gespannt sein, wie weit er das Spielchen noch treibt !

Definitiv eines der Konzerte des Jahrs 2014 ! 

- Die Fotos © stammen aus meinem Archiv.




Montag, 2. April 2012

Giana Factory u.a., Paris, 30.03.12

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Konzert: Giana Factory u.v.a., soirée de clôture des femmes s'en mêlent
Ort: La Machine du Moulin Rouge, Paris
Datum: 30.03.2012



Alle schönen Dinge gehen besonders schnell zu Ende und so war am Freitag, dem 30. März, bereits Schluß mit dem wunderbaren Festival les femmes s'en mêlent, zumindest in Paris. Traditionell findet der letzte Abend in der Machine du Moulin Rouge im Pigalle Viertel statt. Eine trubelige Gegend.

Die behämmerten Touristen, die in das berühmte Variété- Theater Moulin Rouge gleich nebenan gingen, hatten sicherlich keinen blassen Schimmer davon, daß nur ein paar Schritte weiter ein kleines, aber sehr feines Festival sein Ende nahm. Aber auf diese Ahnungslosen und ihre halbe Flasche Champagner (die dort immer im Preis für die Show inbegriffen ist) sei geschissen und die Konzentration auf den Abend in der Machine gelegt.


Wobei meine Konzentration ehrlich gesagt nur mittelmäßig groß war. Ich war mit meiner Frau und ihrer guten Freundin S. gekommen und wir hingen einen Großteil der Zeit im Barbereich und tranken Bier. Mein geringes Interesse hing stark mit der musikalischen Ausrichtung des Abends zusammen. Der discoähnlichen Location entsprechend wurde fast ausschlielich Elektro Pop und Dancemusik gespielt, Felder die ich eher selten und mit mittlerer Neugierde beackere.


Die als Erste ins Programm gestarteten Däninnen Giana Factory wollte ich aber in Ruhe begutachten und tat dies auch an vorderster Front. Das rein weibliche Trio spielt eine Mischung aus New Wave und Eletropop und kann stilistisch mit Ladytron, Ladyhawke oder Our Broken Garden verglichen werden.

Was sofort auffiel, waren die schrecklichen Frisuren der Mädels. Ja, ich weiß, ich bin gemein, aber können die sich keinen ordentlichen Schnitt zulegen? Sie sind doch eigentlich sehr ansehlich, da sollte man doch nicht mit einer achtziger Jahre Nena Gedächtnisfrisur auflaufen. Nun ja, ist eben die Indieszene, Heather Woods Broderick und Elanor Friedberger haben ja auch solche Unfrisuren. Egal.

Wie aber war die Musik? Durchaus gefällig, aber nicht überragend. Das 80 er Jahre Revival läuft ja izwischen seit etlichen Jahren und allzu viel Neues haben Louise Foo (die Schwester von Sharin Foo von den Raveonettes), Lisbet Fritze und Sofie Johanne dem Ganzen nicht hinzuzufügen. Ihre Melodien sind catchy, aber recht simpel aufgebaut, die Strukturen durchschaubar. Schlecht war das Konzert trotzdem nicht, weil insbesondere die Gitarristin Lisbet ein paar tolle noisige Riffs aus ihrer Elektrischen kitzelte und die Synthies bisweilen düster und aufregend klangen.

Auch songtechnisch gab es Highlights, vor allem das morbide Trippin und das wüstensandgetränkte, schwül-warme Heart Thief. Eine recht banale Nummer wie Dive am Ende trübte aber wieder etwas diesen guten Eindruck.

Insgesamt gefällig wie ich schon sagte, Schulnote 3, wenn ich es benoten müsste.

Damit waren aber schon meine Energien aufgebraucht. Class Actress hörte ich von weitem und war nur sehr bedingt angetan, Comanechi waren mir zu krachig und wild und den Rest schenkte ich mir ganz und ging stattdessen lieber mit meiner Frau in ein Bistro um die Ecke und mampfte mit ihr Burger und Pommes (scheiße, schlecht für meine Diät!).

Die besten Konzerte des Festival les femmes s'en melent hatten eh schon in den vorangegangenen Tagen stattgefunden. Still Corners, Mirel Wager, Dark Dark Dark, My Brightest Diamond, da war schon so einiges dabei, was dem Musikfan in mir goße Freude bereitete.

2013 bin ich sicherlich wieder mit dabei. Inschallah!

Setlist Giana Factory, La Machine du Moulin Rouge, Paris:

01: Heart Thief
02: Bloody Game
03: Pixelated Truth
04: Joy And Deception
05: Trippin'
06: Rainbow Girl
07: Dirty Snow
08: Darkness
09: Dive



Dienstag, 1. November 2011

Chokebore, Paris, 31.10.11

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Konzert: Chokebore
Ort: La Machine du Moulin Rouge
Datum: 31.102.2011
Zuschauer: etwa 700, fast ausverkauft
Konzertdauer: 80-90 Minuten


Chokebore sind besser als Sex!

Nun ja, vielleicht nicht besser als Sex mit deren umwerfend aussehenden Frontman und Womanizer Troy von Balthazar, einem faden Bums mit einer im Halloween- Suff kennengelernten Person aber sicherlich vorzuziehen.

Am Tage der beleuchteten Kürbisse und der gruseligen Verkleidungen, hatten sich etwa 700 unmaskierte Fans in der Machine du Moulin Rouge eingefunden. Ein famoses Kennerpublikum, das leider aber zu 70 % männlich (und über 35 oder 40, so wie ich) war. Unter ihnen alte Anhänger wie der Kultfotograf Robert Gil, der Betreuer des Chokebore Forums Florent Dupont und die Fotografin Magali Boyer, die vor ein paar Monaten sogar einen richtigen kleinen Bildband über Troy von Balthazar herausgegeben hatte. Alle warteten sie gespannt wie die Flitzebogen auf das nun kommende Set der kultigen Sadcore Helden Chokebore. Die Band aus Hawaii hatte erst im Februar 2010 in der Pariser Maroquinerie ihr Comeback in Frankreich gefeiert und war seitdem wieder sehr aktiv. In den letzten 14 Tagen haben sie gar ununterbrochen gespielt und dabei auch Station in Nürnberg, Trier (Christoph, wo warst du am 19. Oktober??) und in Weinheim gemacht. Ein Wunder insofern, daß sie heute in Paris so unglaublich dynamisch und taufrisch agierten. Die Band selbst hat zur Begründung ihrer Stärke während und nach dem Konzert mehrfach in Richtung Publikum gesagt: "you guys gave us the energy to do this." Damit lagen Troy und Kollegen absolut richtig. Die Leute trugen Chokebore in der Tat durch ihr intensives und recht langes Set und motivierten die Gruppe durch ihre langen Beifallsbekundungen und ihre pogoartigen Tänze bis in die (teilweise schütteren) Haarspitzen. Eine Mannschaftsleistung, in der zwar der unfassbar charismatische Troy von Balthazar der uneingeschränkte Leader war, aber jeder seinen Teil zum Gelingen des Ganzen beitrug. Die baumlangen Gebrüder Kroll an Bass (James) und Gitarre (Jonathan) arbeiteten wie immer dezent, effizient und zuverlässig und Drummer Christian Omar Madrigal Izzo ließ hinten nichts anbrennen und peitschte mit seinen trockenen und schweren Hieben die Vorderleute an.

Es war ein Set wie aus einem Guss, indem explosive und grungerockige Stücke dominierten, aber auch ruhigere und melancholischere Songs ihren Platz hatten. Neue und alte Fans kamen diesbezüglich voll auf ihre Kosten, sieht man mal davon ab, daß der Klassiker Days Of Nothing nicht gebracht wurde.

Dafür aber gab es etliche Hits. Schon sehr früh wurde You Are The Sunshine Of My Life geschmettert und auch Pacific Sleep Patterns und Valentine fehlten nicht. Hinzu kamen Stücke von der nagelneuen Vinyl Ep Falls Best, allen voran Lawsuit, das einschlug wie eine Bombe. Ein für Chokebore Verhältnisse fast melodieseeliger Song, der mit schweren Riffs und der typischen tiefen Melancholie und inneren Zerissenheit (I never give you my heart, I'm using it, you never lend me your dog, I'm envious... we sometimes lose the love and we get used to it, healtyh dogs and smiling faces, this is what the world erases) aufwartete. Auch der Track Awesome stammte von dieser EP und hielt was der Titel versprach. Ein schwermütiger, pechschwarzer, fast suizidaler Psychoschocker, der auch mit kuriosen Lyrics überraschte: "Drinking champagne fast makes golden babies."

Das eingeschlagene Niveau und Tempo war fast durchgängig hoch, was dafür sorgte, daß den Zuschauern kaum Atempausen gegönnt wurden und die Zeit wie im Fluge verging. Man hatte sich gerade erst wunderbar in einen Rausch getanzt- und gebrüllt, da verließen die vier Helden nach etwa einer Stunde auch schon zum ersten Mal die Bühne. Aber Schluß sollte damit noch lange nicht sein. Was folgte war ein fulminanter Endspurt, in dem letzte Kräfte mobilisiert wurden. Valentine klang so herrlich wehmütig und leidenschaftlich, daß einem ganz warm ums Herz wurde. Wie immer schien Troy in einem hypnotischen Zustand, sang mit geschlossenen Augen und greinte langgezogen die Lyrics, daß es einem durch Mark und Bein ging. Mit Thin As Clouds wurde das Tempo dann noch einmal erhöht und von Balthazar riß seine Gitarre theatralisch in die Luft. Wahnsinn, wie elegant er sich auch bei wildesten Verrenkungen bewegte! Ein Perfomer vor dem Herrn. Geil auch Christian, der hinter seiner Schießbude den Fellen Peitschenhiebe überzog und die Gebrüder Kroll, die punktgenau und tight an den Seiten agierten. Das etwas vorgerückte Alter der Musiker schien nun keine Rolle mehr zu spielen, die Maschine war heiß geworden und lief auf Volldampf.



Die alten Haudegen dachten nichts ans Aufhören. Mehrere tolle und heißumjubelte Zugaben
reichten sich die Klinke in die Hand und als der zweite Block dieser "Encores" abgefeiert worden war, schien die Messe wirklich endgültig gelesen zu sein, Ordner befahlen den verschwitzten Zuschauern grimmigen Blickes, den Saal zu verlassen, das Konzert sei zu Ende. Dennoch kam aber nach langer Wartezeit und unermüdlichem Applaus die Band aus Hawaii noch einmal zurück und performte unter anderem noch den alten Klassiker A Taste For Bitters.

Ein sagenhafter Gig, den auch Fans der ersten Stunde hinterher als einen der allerbesten überhaupt bewerteten.

Lang lebe Chokebore!!

Aftershow:

Schon kurz nach dem Ende des Konzertes stürmen die Fans den von der Band und fleißigen Helfern betriebenen Merchandising Stand. Etliche T-Shirts werden abgesetzt und auch die Alben und die neue Vinyl LP erfreuen sich größter Beliebtheit. Drummer Christian ist nun zum ersten Mal richtig zu sehen. Während des Sets war er immer verdeckt und erst bei den Zugaben konnte man erkennen, daß er einen schicken schwarzen Adidas Jogging Anzug mit roten Streifen trägt. Christian lässt sich auch ganz relaxt abknipsen und als Basser James sieht, daß ich Fotos schieße, macht er eine witzige Grimasse.

Dann ziehe ich mit meiner guten deustchen Freundin Uschi ab und wir warten draußen vergeblich noch ein paar Minuten auf die Band. Da es kalt ist, beschließen wir die U-Bahn zu nehmen. Überall laufen einem verkleidete und krass geschminkte Halloween Zombies über den Weg. Bei der Haltestation Madeleine trennen sich meine und Uschis Wege. Dann aber überkommt mich eine große Lust, noch einmal nach Pigalle zurückzufahren, um zu sehen, was da noch so los ist und ob die Band inzwischen aus der Kabine gekrochen ist. Ich habe Glück und sehe schon von weitem Troy in einem stilvollen Mantel auf der Straße rumstehen. Wir begrüßen uns nett, plaudern (er erzählt mir u.a das er Filmmusik geschrieben hat) und überlegen, was wir noch machen können. Troy fragt, ob ich Lust habe, noch ein Bier mit ihm und der Band zu trinken. Da lasse ich mich nicht zweimal bitten und folge dem Tross in eine Brasserie auf der anderen Straßenseite gleich gegenüber von Moulin Rouge. Wir sitzen draußen, bibbern ein wenig und bestellen Bier. James hat eine richtige schöne Maß geordert, die ihm Troy aber alsbald abluchts. Ein großer Trinker ist der elegante Sänger aber dennoch nicht, er passt immer genau auf, was er zu sich nimmt und ist sicherlich auch auf seine fabelhaft schlanke Figur bedacht. Die Atmosphäre ist gelöst, eine nette Französin sitzt neben mir, die von Balthazr heute beherbergt und plötzlich kommt die Rede auf Berlin. Ich bekomme mit, daß alles Chokebore-Helden in Berlin leben. Da stelle ich (auf englisch) die Frage, ob sie denn auch deutsch könnten. Eine nette Blondine mit wundervollen blauen Augen antwortet mit ja. Sie ist Deutsche und mit James Kroll, dem Bassisten, verheiratet! Zwei Kinder (ein Junge, ein Mädchen) haben die beiden Sympathen schon zusammen und die wilden Racker durften heute sogar mit beim Konzert dabeisein. Witzigerweise ist aber der Bube ziemlich bald eingeschlafen! Bei dem Lärm!

Wir plaudern noch munter weiter und trinken in Ruhe unsere Gläser aus. Als der Kellner abkassieren will, kriegen wir alle einen kleinen Schock: die Maß kostet stolze 17 Euro! Gut insofern, daß alles Chokeborler in Berlin leben und von den dortigen günstigeren Preisen profitieren. In der Spreemetropole spielen sie am 15 November @ Marie-Antoinette. Save the date!

Setlist Chokebore, La Machine du Moulin Rouge, Paris, klick!

TROY VON BALTHAZAR Heroic Little Sisters @ Oliver Peel Session from stephaned on Vimeo.






Montag, 23. Mai 2011

Ariel Pink's Haunted Graffitti, Paris, 22.05.11

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Ariel Pink's Haunted Graffitti
(Dom, The Berg Sans Nipple)
Ort: la Machine du Moulin Rouge, Paris
Datum: 22.05.11
Zuschauer: bei den Vorgruppen noch nicht so viele, bei Ariel Pink dann gut gefüllte Ränge


Schlimmer als Twin Shadow geht's nimmer?



Weit gefehlt! Eigentlich dachte ich das man den Auftritt von Twin Shadow an gleicher Stelle in negativer Hinsicht nicht mehr toppen könnte, aber Ariel Pink's Haunted Graffitti packte locker noch 'ne Schippe mehr seichten 80 er Jahre Kitsch drauf. Meine Fresse, war das fies!

Da fragt man sich, was die Leute in den Abteilungen der eigentlich bis dato immer so geschmackssicheren Indielabel zur Zeit rauchen?! Ich würde gerne wissen, was das für ein Gras ist, denn damit ist es sicherlich möglich, noch die häßlichste Frau als Sexbombe wahrzunehmen. Oder eben Ariel Marcus Rosenberg aka Ariel Pink als genialen Neuerer experimentellen psychedelischen Indiepops.

Also für meine Ohren klang das, was ich da heute hörte , grausam. Billiger Diskosound mit ekelerregender 70 er Jahre Glamsoße, ein unerträglich eunuchenhafter Gesang, Bubblegumrefrains und ein exentrischer Sänger, der aussah wie ein Typ, der sich als Frau verkleidet hat (eine Tunte würde man politisch inkorekt sagen, aber das tun wir nicht). Da hampelte er also so rum, der Kerl mit den langen blonden strähnigen Haaren und erinnerte mich irgendwie an einen jungen Udo Lindenberg ohne Hut und mit hellem Schopfe. Amüsanterweise besaß er auch Udo's Marotte, die Gitarrenparts (oder gar die Keyboardparts von denen es viel gab?) luftgitarrespielend mit den Händen nachzuahmen. Manchmal steckte er sich auch einen Finger in den Mund und ließ es ploppen wie ein kleiner Junge im Sandkasten. Nervige und hochgradig lächerliche Gesten dieser Art hatte er tonnenweise auf Lager. Optisch hatter er aber auch etwas von Ozzy Osbourne. Schon erstaunlich, da dachte man Typen wie Ariel Pink seien seit den 80 er Jahren ausgestorben und da wird mann doch glatt eines Besseren belehrt!

Ich rechne es mir hoch an, daß ich diesen Käse über eine Stunde tapfer ertragen habe. Irgendwann war es aber zuviel und ich verließ vor dem Ende den Konzertsaal.

Warum ich überhaupt gekommen bin? Man hat mich netterweise eingeladen. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul? Hmm, ich schon...

Und wie waren die Vorgruppen? The Berg Sans Nipple experimentell, anstrengend und ziemlich langweilig (obwohl sie die Einzigen waren, die ich mir theoretisch noch einmal ansehen würde) und Dom aus den USA, zunächst ganz schwungvoll powerpoppig, über die gesamte Länge dann aber doch belanglos und sehr unreif. Und damit meine ich nicht nur das Mickey Mouse T-Shirt des Sängers, sondern vor allem die musikalische Komponente. The Strokes very light.


Sonntag, 15. Mai 2011

Twin Shadow, Paris, 14.05.11

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Konzert: Twin Shadow (Wagner)

Ort: La Machine Du Moulin Rouge

Datum: 14.05.2011
Zuschauer: 500 vielleicht?
Konzertdauer: Twin Shadow fast genau eine Stunde, Wagner etwa 30 Minuten



Bloggerfreund Eike hat vor ein paar Monaten mal das interessante Thema "Beeinflußbarkeit von Bloggern" auf die erste Seite gehoben. Schreibt man anders (viel netter?), wenn man die CD eines Künstlers vom Label geschenkt bekommen hat bzw. bei einem Konzert auf der Gästeliste steht? Diese Frage hat durchaus Berechtigung, denn man fühlt sich nun einmal freier und ungebundener, wenn man sich die Platte bzw. das Konzert-Ticket selbst gekauft hat.

Dennoch, ich persönlich bin da wenig zimperlich und lasse mich nicht gerne verbiegen. Will heißen: ich war für das heutige Konzert von Twin Shadow ordnungsgemäß akkreditiert, hatte auch einen Fotopass, muss den Auftritt aber dennoch als schauderhaft bezeichnen! Da kann ich wirklich gar nichts beschönigen, es war einfach von Anfang bis Ende hochgradig kitschig und musikalisch unfassbar flach. Ein grauenvoller Synthiesound im Stile der abscheulichen 80 er Jahre, ein Sänger mit einer unerträglich manikürten Stimme, eine wahnsinnig gelangweilt wirkende Keyboarderin und zwei andere eitle Hanseln an Bass und Schlagzeug, viel fehlte nicht und ich hätte mein Abendessen auf den Boden gereihert! Gute Lieder? Fehlanzeige! Im Grunde genommen konnte nur zwischen fies und unsäglich fies abgewogen werden. Christoph hatte mich zwar schon darauf eingestimmt, daß When We Are Dancing eine absurde Scheußlichkeit sei, daß aber der Rest ähnlich abscheulich sein würde hatte ich jedoch nicht erwartet. Jeder einzelne Titel war eine Zumutung. Twin Shadow klang nach "Musikern", die man eigentlich längst verdrängt hatte wie z. B. Haddaway ("What Is Love?") oder Modern Talking. Kein Scheiß jetzt, es war wirklich so grottig. Warum die Typen auf der Bühne Bass und Gitarren umgebunden hatten, wurde mir auch nicht klar, denn man hörte verflucht noch mal keine Gitarren, sondern sterilen Plastiksound, der zudem phasenweise abstoßend bombatische Züge hatte.

Kein Wunder, daß das Publikum ähnlich doof rauf war. In meiner Nähe hingen Amerikaner ab. Ekliges Gesindel aus Brooklyn, angezogen wie Deppen, dumm wie Brot und arrogant bis zum geht nicht mehr. Schlimm.

Zum Glück hat der Käse nur eine Stunde gedauert, Zugaben inklusive. Ich hatte bis zuletzt vergeblich auf ein vernünftiges Lied gehofft, ansonsten wäre ich früher gegangen.

Klarer Anwärter für das schlechteste Konzert des Jahres! Der Song Forget konnte durchaus als Motto des Abends gelten.

Vorgruppe war übrigens Wagner aus Frankreich. Hatte aber nichts mit der Steinofenpizza zu tun.

Setlist Twin Shadow, Machine du Moulin Rouge, Paris*

01: Shooting Holes At The Moon
02: Tyrant Destroyed
03: When We 're Dancing
04: I Can't Wait
05: Circus Is Gone
06: Yellow Balloon
07: Slow
08: Castles In The Snow
09: Forget

10: Focus
11: Tether Beat
12: At My Heels

*
auch so eine seltsame Sache. Nach dem Konzert holt sich ein aufgestyltes Mädchen die Setlist von der Bühne und als ich sie frage, ob ich diese fotografieren dürfe, sagt sie eiskalt: "Non, merci" und stakst im Laufschritt davon. Ist mir in 8 Jahren Konzertgängerei in Paris noch nie passiert. So eine blöde Ziege! Eine richtige Pissnelke. Nun ja, jede Band hat die Fans, die sie verdient...

Aber es gab ja irgendwo noch eine andere Liste, die man mich abknipsen ließ.



Freitag, 13. Mai 2011

Wire, Paris, 11.03.11

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Konzert: Wire, Paris
Ort: La Machine du Moulin Rouge
Datum: 11.03.2011
Zuschauer: 600-700
Konzertdauer: etwa 1 Stunde 54 Minuten


Na, wunderbar! Aufgrund der technischen Panne bei blogger.com ist mein Konzertbericht über Wire, den ich noch unter größten Mühen in der gleichen Nacht geschrieben habe, in den Untiefen des Word Wide Web verschüttet gegangen! Ob er noch mal wieder auftaucht? Viel Bock, den Text aus dem Gedächtnis heraus zu reproduzieren habe ich nicht, und Zeit schon mal gar nicht. Och menno !!!!!!!!!



Donnerstag, 12. Mai 2011

Wire, Paris, 11.05.11

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Konzert: Wire

Ort: La Machine Du Moulin Rouge

Datum: 11.05.2011

Zuschauer: etwa 600-700
Konzertdauer: 1 Stunde 45 Minuten



Hier will ich gar nicht lange drumrumreden: das Konzert der alten Punk-Haudegen Wire in der Machine du Moulin Rouge in Paris war einfach grandios! Mein Vater John Peel war schon großer Fan der kultigen Engländer, nun bin ich es auch.

Dabei hatte ich eigentlich nicht unbedingt ein absolut überragendes Konzert erwartet, da ich Wire im Jahre 2008 schon einmal in der Maroquinerie gesehen hatte. Dort waren die Briten positiv in Erscheinung getreten, hatten einen grundsoliden und sehr ordentlichen Gig abgeliefert, allerdings keine langanhaltende Euphorie bei mir ausgelöst. Es war nichts Unvergessliches, was ich da damals gesehen und gehört hatte.

Heute aber Begeisterung pur für Wire und dies nicht nur bei mir! Auch meine französischen Konzertfreunde waren hinterher total aus dem Häuschen! Wir waren uns alle einig darüber, daß dieser Auftritt erste Sahne war. Wichtiger Grund für das außergewöhnliche Konzerterlebnis war der fabelhafte Sound in der Machine du Moulin Rouge. Laut, aber keine Spur übersteuert, breiig oder dumpf. Stattdessen wuchtig, glaskar, nuanciert und harmonisch. Jeder einzelne Winkel der nicht gerade kleinen Location (Fassungsvermögen wohl über 1000) wurde pefekt beschallt. Egal, wo man stand, überall war der Klang tadellos. Dies war natürlich auch Verdienst der altgedienten Band, die saft-und kraftvoll agierte, aber nie zu plump, zu hymnisch oder zu derbe wurde. Es gab keine punkigen Mitgröhlnummern, sondern geistreichen Art Punk ohne elitäre Attitüde. Einfach nur perfekt exekutiert, handwerklich gekonnt gespielt und ohne große Geste auf das Publikum abgeschossen. Lässig allein, wie der glatzköpfige Drummer Robert Grey scheinbar mühelos mit ruhigem Oberkörper fast zwei Stunden lang austeilte wie ein Preisboxer und die Truppe vorantrieb. Und Sänger und Gitarrist Colin Newman setzte seine Stimme sehr variabel ein. Bei den sphärischen Stücken war sie inoffensiv, weltenrückt und angenehm sanft, bei den agressiven Nummern bissig, nörglerisch und hundsgemein. Auch die anderen beiden Musiker fielen positiv auf. Der langmähnige junge zweite Gitarrist Matt Sims spielte seinen Part am rechten Bühnenrand souverän und fehlerfrei und der Basser Graham Lewis zupfte nicht nur rasant schnell und messerscharf, sondern hatte auch das größte Charisma innerhalb der Band aufzuweisen. Grimmig sein Gesichtsausdruck, gespannt sein für sein Alter noch sehr straffer Körper und lustig seine Kopfbedeckung: Ein französisches Miltärbarret, in einem der billigen Souvenirläden um die Ecke gekauft. Woher ich weiß, daß er das Ding da erworben hat? Nun, er hat es mir gesagt! In einer Pause zwischen zwei Songs. Ihm war aufgefallen, daß eine Bekannte von mir und ich auf sein Barret zeigten und uns fragten, ob das wirlich ein Eiffelturm war, was wir da an der rechten Seite der Mütze sahen. Da hat er sich dann einfach in unser Gespräch eingeschaltet und auf gutem französisch gesagt: "C'est un bonnet", bevor er hinterherschickte: "I bought it this afternoon just around the corner. And yes, it's the Eiffel tower!"

Er sang im Übrigen auch ein paar wenige Stücke in führender Rolle und sorgte so stimmlich für Abwechslung. Ein netter Typ, so schien es. Ob man das mit dem Nett - sein auch von Sänger Colin sagen kann, ist allerdings fraglich. Er sieht zwar mit seinem schütteren Haar und der Brille aus wie ein gutmütiger Wärter in einem Naturkundemuseum, lässt sich allerdings nicht gerne in die Quere kommen. In einer der spektakulärsten Szenen des Konzertes machte er klar deutlich, wo seine Intimsphäre beginnt: in der Nähe seines Mikros! Dorthin hatte sich ein junger Zuschauer gewagt. Von abwesenden Sicherheitsleuten nicht am Erklettern der recht hohen Bühne gehindert, stand der kesse Grünspecht plötzlich gleich neben den Musikern. Als er gerade etwas ins Mikrofon brabbeln wollte, nahm Colin Schwung und schupste den Störenfried mit Wucht von der Bühne. Rums, der Kerl war schnell wieder unten! Und damit er nicht auf die Idee kam, noch einmal raufzuklettern, ließ Mister Newman unmissverständlich wissen: " If this guys comes again up on stage I'm gonna fucking kill him!"

Damit war klar, daß Wire Konzerte keine Kindergeburtstage, sondern etwas für harte (und alte) Burschen sind. Jene ergauten Haudegen im Publikum waren es letztlich dann auch, die sich besonders an dem Sound erfreuten. Ein paar alte Säcke hatten ein Dauergrinsen auf de feisten Fresse und schienen in einer Art Parallelzustand. Aber auch das jüngere Publikum, daß die Band zu seinen Glanzzeiten noch nicht gekannt haben kann, schien einen richtig geilen Abend zu verleben. Kein Wunder irgendwie, denn selbst die alten Sachen klangen keine Spur antiquiert oder überholt, sondern absolut modern und zeitgemäß. Erstaunlich auch, daß man keine großen Brüche innerhalb des Materials feststellen konnte. Immerhin reicht das Songrepertoire von 1976 bis 2010! Dabei war es keineswegs so, daß alles gleich klang. Sondern nur, daß Leute, die ohne Vorwissen zu diesem Konzert gekommen sind, definitiv nicht sagen konnten, aus welcher Zeit welches Stück stammte. Wobei natürlich der typische Spätsiebziger Post-Punksound unüberhörbar war. Man dachte an ähnliche Bands dieser ungemein kreativen Epoche wie Joy Division, die Gang Of Four oder The Fall und bekam (zumindest wenn man so alt war wie ich) nostalgische Gefühle. Ganz erstaunlich, welche Emotionen der britische Gitarrenrock zu dieser Zeit zu vermitteln im Stande war. Wenn heutzutage Bands wie Interpol, Franz Ferdinand oder These New Puritans diesen Stil kopieren, sieht man sehr deutlich, wie avantgardistisch Wire und Co. waren.

Gespielt wurden Stücke von vielen verschiedenen der insgesamt 12 Studioalben, mit einem Schwerpunkt auf dem aktuellen Output Red Barket Trees. Highlights hervorzuheben fällt mir nicht leicht. Gerade die ausgewogene Mischung aus sphärischen, eher poppigen und mitunter erstaunlich melodiösen Songs, rohen, brachialen Noisekeulen und martialischen Punk-Tracks machte das Besondere dieses Konzertes aus. Es war in jeder Phase stark, hatte keine Hänger oder gar Rohrkrepierer zu beklagen. Nicht nur die Klassiker von Pink Flag zogen, nein, auch neuere, unbekannte Sachen. Das war das Schöne.

Nach wie vor gilt deshalb festzuhalten: Wire sind eine essentielle Band. Auch in 2011. Oder wie es meine Freundin Mathilde begeistert ausdrückte: "Wire encore meilleur"- Wire noch besser.

Setlist Wire, La Machine Du Moulin Rouge (in Klammern, die Alben, von denen die Stücke stammen)

01: Comet (Send)
02: Smash (Red Barked Trees)
03: Advantage In Height (The Ideal Copy)
04: Please Take (Red Barket Trees)
05: Silk Skin Paws ( A Bell Is A Cup...Until It Is Struck)
06: Kidney Bingos ( A Bell Is A Cup...Until It Is Struck)
07: Clay (Red Barket Trees)
08: Map Ref 41 Degrees N 93 Degrees W (154)
09: Bad Worn Thing (Red Barked Trees)
10: Moreover (Red Barket Trees)
11: Two People In A Room (154)
12: 106 Beats That (Pink Flag)
13: The Boiling Boy (It's Beginning To And Back Again)
14: Red Barket Trees (Red Barket Trees)

15: Down To This (Red Barked Trees)
16: (A Berlin) Drill (The Drill)
17: Underwater Experiences (Document And Eyewitness)

18: Adapt (Red Barket Tree)
19: Pink Flag (Pink Flag)

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Wire, Paris, 27.09.08



Dienstag, 19. April 2011

Josh T. Pearson & Troy von Balthazar, Paris, 15.04.11

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Konzerte: Josh T. Pearson (+ Lisa Germano) & Troy von Balthazar

Orte: Le Café de la Danse (Josh), La Machine Du Moulin Rouge (Troy), Paris
Datum: 15.04.11
Zuschauer: jeweils etwa 400-500



"Man soll nicht auf zwei Hochzeiten tanzen", so das Sprichwort.

Selbstredend, daß solch althergebrachte Weisheiten für mich nicht gelten. "Man kann nicht alles haben", auch diesen Spruch habe ich schon als Kind gehasst, ich wollte immer alles haben und dachte nicht daran, mich mit der Hälfte zu begnügen.

Gleichzeitig auf zwei Konzerten zu sein, ist aber selbst bei größtem Ehrgeiz nicht möglich. So musste ich dann zähneknirschend hinnehmen, daß ich von den Konzerten von Josh T. Pearson respektive Troy von Balthazar jweils nur die Hälfte mitbekam, weil die beiden Herren an relativ weit auseinanderliegenden Orten ihre schöne Kunst zur Schau stellten.

Begonnen hatte den Konzertabend des 15. April 2011 allerdings eine Dame. Lisa Germano hielt sich gegen 20 Uhr 15 im Café de la Danse am wundervollen Flügel bereit und ließ etwa 40 Minuten lang ihre Finger samtweich durch die Tasten gleiten. Ihre sehnsüchtigen Pianoballaden begleitete sie mit einer herzerweichenden Hauchstimme und schaffte es mit dieser Rezeptur tatsächlich, meinen überdrehten Puls deutlich nach unten zu fahren. Sie schien optisch vom Leben angegangen (kein Wunder, sie ist Jahrgang 1958), stimmlich war sie aber nach wie vor top. Zum Vortrag kamen Stücke von verschiedenen Werken ihrer umfangreichen Diskografie, vor allem vom aktuellen, noch nicht erschienenen Ouput und dem Vorgänger Magic Neighbor. Zwischen den Songs gab es immer mal wieder Erklärungen zur Entstehungsgeschichte der Stücke und auch ein paar Anekdoten, an die ich mich aber nicht mehr so genau erinnern kann (Alzheimer lässt grüßen!). Auf jeden Fall ging es in der witzigsten Szene um ihren bösen Nachbarn und auch eine Katze spielte in der Anekdote eine Rolle (oh je, Oliver, wo warst du mit deinen Gedanken, als sie das alles erzählte?).

Nach etwa 40 Minuten hatte die gute Lisa dann ausgeklimpert, schnappte sich die Setliste und ihr Glas Rotwein und überließ die Bühne dem Texaner Josh. T. Pearson, der in der Kabine schon mit den Hufen (ähem den Cowboy-Boots) scharrte.

Der hagere, hochaufgeschossene Bartträger ließ sich dann gegen 21 Uhr 15 auf der Bühne blicken, fragte zynisch, ob wir Pariser an einem Freitag abend nichts Besseres zu tun hätten, als einem traurigen Singer/Songwriter zuzuhören und legte mit einem Boney M Cover (!) los. The Rivers Of Babylon verhunzte er aber dreimal, weil er von Lachkrämpfen geplagt wurde und sein Manager Peter schüttelte am Bühnenrand schon entsetzt mit dem Kopf. Aber der verpatzte Start war (vermutlich) Teil der Show, die in der weiteren Folge wunderbar flutschte. Josh schafte es ganz alleine mit seine Akustikgitarre und seiner markanten Stimme, eine knisternde Atmosphäre zu kreieren und die Leute zum Schweigen und Zuhören zu bringen. Keiner muckte und dies obwohl die Stücke in der Regel mindestens 10 Minuten lang und oft sehr karg instrumentiert waren. In einzelnen Momenten kitzelte Josh die Saiten seiner Klampfe nur ganz leicht, bloß um kurz später perlende Riffs hinterherzujagen, die aufbrandeten wie eine hohe Welle im Meer. Tottraurig die Texte, in denen es um Trennungsschmerz, Einsamkeit und Depresisonen geht, Themen mit denen sich Josh in den letzten Jahren auseinandersetzen musste. Schmerzliche Erfahrungen, die allerdings der perfekte Näbroden für seine verzweifelten Bildhübsch-Songs waren und den Mann mit der Totenkopf Gürtelschnalle inspiriert haben. Aufgenommen wurden sie zum Großteil in Berlin, wo Josh ein paar Jahre lang lebte und wo er sogar eine deutsche Frau geheiratet hatte, von der inzwischen geschieden ist. In den letzten eineinhalb Jahren kampierte Pearson in Paris, genauer gesagt in der Wohnung über der Créperie West Country Girl. Der Patron Erwan Le Floch ließ ihn dort völlig mietfrei leben, ihm genügte es, daß der Texaner Akustik-Sessions in seinem Restaurant abhielt und famose Künstler aus Texas einlud, darunter Bosque Brown und Micah P. Hinson. Diese West Country Girl Night Sessions sind legendär geworden und inzwischen interessieren sich selbst britische Musikjournalisten genauestens für diese originellen Veranstaltungen, das Restaurant und die Pariser Vagabunden Zeit von Pearson (selbst Mojo berichtete).



Das Café de la Danse ist allerdings keine urige Crêperie und so war das heutige Konzert doch mit wesentlich mehr Druck verbunden, als die improvisierten Konzerte, die vor Augen von wohlwollenden Freuden stattfanden. Druck, dem Pearson nach den oben geschilderten anfänglichen Problemen auf beeindruckende Weise stand hielt. Dier Vortrag war intensiv, knisternd, packend und trotz der Länge der Stücke nie langweilig oger gar einschläfernd. Geradezu magisch, wie der baumlange Kerl das Publikum in seinen Bann zog.

Trotzdem: nach etwa 40 Minuten zog es mich weiter, denn ich wollte unbedingt noch das Ende des Konzertes von Troy von Balthazar mitbekommen. Ich rannte aus dem Café de la Danse Richtung U-Bahn, beeilte mich so gut wie ich konnte, kam aber dennoch mit massiver Verspätung in der Machine du Moulin Rouge an. Troy war bereits bei den Zugaben angelangt, aber die hatten es in sich und rechtfertigen die Hetzerei vollkommen. Wings ist eine der schönsten Balladen, die in den letzten Jahren geschrieben wurde. Der Hawaiianer trug dieses Kleinod mit solch brüchiger Falsett Stimme vor, daß sein Weltschmerz förmlich ertastbar war. Von Balthazar hatte Wings auch damals bei meiner Oliver Peel Session performt und schon zu diesem Zeitpunkt war ich hin und weg von dem Track, den man auf seinem aktuellen Album How To Live On Nothing finden kann. Der endgültig letzte Songs stammte dann allerdings vom ersten Solo Output des ehemaligen Chokebore Sängers. Heroic Little Sisters, fast schon ein Klassiker.

Hinterher hatte ich zumindest kurz die Gelegenheit mit Troy und seiner Begleitband, bestehend aus der französischen Bassistin Adeline und dem amerikanischen Drummer Christian (Chokebore), zu plaudern. Die drei Musiker waren vom Touren geschlaucht und urlaubsreif, was man verstehen kann, wenn man weiß, wie stark sie sich immer ins Zeug legen.

Setlist Troy von Balthazar, La Machine du Moulin Rouge, klick!



 

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