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Sonntag, 9. September 2012

Sound of Bronkow Festival Tag 3, Dresden, 02.09.2012

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Sound of Bronkow Festival - dritter Tag
Ort: Dresden (Societätstheater)
Datum: 2. 9. 2012 12:00 - 18:30 Uhr und 20:00-23:00 Uhr
Zuschauer: 50-300

Der dritte Tag des Festivals hatte zwei Teile: einen Singer Songwriter brunch im Garten und ein abendliches Konzert in der Dreikönigskirche.

Ab 12 Uhr spielte Desiree Klaeukens mit ihrem Gitarristen Florian Glässing locker und sympatisch und länger als geplant, da House of Wolves wegen Zugverspätung erst einen späteren Slot wahrnehmen konnte. Es war gerade richtig, um ruhig in den Tag zu kommen.

The Coloradas sprang dann noch spontan für ein kurzes Set ein und weckte uns doch etwas nachdrücklicher auf, bevor etwa 13:30 Uhr House of Wolves (das ist Rey Villalobos)
sein ätherisches Set beginnen konnte. Das Programmheft versprach hier: "Villalobos´ Stimme klingt, als würde eine männliche Elfe (jaja, solche Vergleiche darf man nich machen, wissen wir) tröstende Lieder singen und erinnert in manchen Momenten angenehm an Nick Drake oder Sufjan Stevens. Dazu betörende, entrückte Songs, die in ihren Videos völlig zu recht in Ozeane von Licht gebadet werden." Und dieses Versprechen erfüllte sich aufs schönste.


Richtig gespannt war ich auf das Projekt Redwood Red von Emma Gatrill und Cathy Cardin. Angekündigt hatten es die beiden Damen von Sons of Noel and Adrian als ihr Projekt mit Harfe und Gitarre. Es waren dann aber sogar 4 Leute auf der Bühne, weil es noch Unterstützung an Bass und Schlagzeug dazu gab. Gute Unterhaltung bot sich schon während des Soundchecks. Ich weiß nicht, wie viele Fotos ich von Emma gemacht habe, wo sie lacht und Witzchen macht. Es war dann aber auch musikalisch eine sehr gelungene knappe Stunde zusammen. Die künstlerischen Handschriften der beiden Damen waren deutlich zu unterscheiden, ergänzten sich hier aber sehr schön. Im Vergleich zur großen Band ging es hier ruhiger und nachdenklicher zu, auch rhythmisch nicht ganz so vielschichtig, aber es war schon eher artifizieller Folk. Die Harfe ist natürlich ein sehr schönes Instrument und gibt der Musik eine ganz eigene Note. Es kamen aber auch die Klarinette zum Zug und es gab eine Stepdance-Einlage von Emma. Als Gartenmusik zum Nachmittag ein besonderes Schmankerl.

Sons of Noel and Adrian lauschen Fenster
Als letzter regulärer Tagesordnungpunkt im Garten durften Fenster den Schlusspunkt setzen. Auch sie füllten die Bühne mit vier Musikern bis an die Grenzen. Sie haben einen sehr eigenen Stil zum Teil sehr energetisch und wechselnden im Set öfter die Instrumente. Häufig wurden elektronische Sounds als Fluchtpunkte der Musik eingesetzt neben Glockenspiel und Schlagwerk. Offensichtlich waren hier im Publikum viele Fans dabei und man sah ganze Pulks von glücklichen Gesichtern.



Das abendliche Konzert in der Dreikönigskirche war ein Novum und sozusagen ein Experiment. Es liegt eigentlich nahe, diesen Ort zu bespielen, weil ohnehin der Kirchturm der Dreikönigskirche auf keinem Fotoset des Sound of Bronkow Festivals fehlt. Er schaut so schön tröstlich in den Garten und zeigt die aktuelle Uhrzeit an. Naheliegend ist es auch aus dem Grund, dass die Dreikönigskirche ein Zwitterwesen ist zwischen Kirche und Veranstaltungsort (als Haus der Kirche). Die sakrale Atmosphäre einer Kirche ist nur mehr andeutend vorhanden. Da die Kirche in ihrer jetzigen Form (nach der Zerstörung im Jahr 1945) erst in den 1980er Jahren wieder wieder aufgebaut wurde, war man so klug, das Haus für verschiedene Nutzungen auszulegen, weil die evangelische Gemeinde der Dresdner Neustadt gar nicht so groß ist, dass sie das Gotteshaus sonst füllen kann. Ein gewisses Risiko bestand trotzdem durch die ungewohnte Akustik des Hallenbaus und die Art, wie das Publikum auf Distanz gehalten wird durch die Sitzordnung.

Ich denke aber, das Experiment verlief zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten. Die drei Künstler Thos Henley, Tiny Ruins und Niels Frevert schafften es jeweils locker nur mit ihrer Gitarre bewaffnet den Raum einzunehmen und das Publikum für sich zu gewinnen. In einem ersten Teil waren sie ab 20 Uhr jeweils etwa 25 min Solo auf der Bühne. Nach einer 20 min Pause saßen dann alle Künstler vorn und wechselten das Podium untereinander.


Es war sehr sympatisch, wie Thos Henley zum überbrücken der Pausen beim Stimmen seine neu gelernten deutschen Sätze zum besten gab. Er ist seit einiger Zeit in Dresden und wird wohl auch wieder mit Oh, Othello unterwegs sein von Dresden aus. Er strahlte zunächst eine gewisse Nervosität aus, die er mit der langen Konzertpause begründete. Aber musikalisch gab es für diese Nervosität keinen Grund.

Tiny Ruins wurde hier schon sehr oft live begleitet. Sie hat die Gabe gleichzeitig zerbrechlich und kraftvoll zu singen. Ich glaube, in der Kirche kannten sie vorher nur sehr wenige. Es ist aber sicher keiner nach Hause gegangen, der nicht von dem Konzert aufs tiefste berührt und begeistert gewesen wäre. Nach dem Konzert hatten wir noch Gelegenheit uns ein wenig zu unterhalten. Sie wurde auf ihre Gitarre angesprochen, die in der Tat ein japanisches Fabrikat aus den 1970er Jahren ist. Mehreren Leuten war es ein Anliegen, sich persönlich für das Konzert zu bedanken und natürlich wurden auch CDs verkauft und signiert.

Niels Frevert hat ganz bestimmt schon viele verschiedene Konzertorte bespielt und trat doch auch etwas vorsichtig tastend auf, wie er mit der Atmosphäre des Raumes umgeht. Er hatte einen Barhocker dabei, dann wollte er doch lieber stehen. Aber ich denke, es hat ihm mit den Dresdnern doch auch Spaß gemacht.

Ein unbedingtes Highlight dieses ohnehin wunderbaren Konzertabends waren die Zugaben. Tiny Ruins akustisch aus dem Gang zwischen den Stühlen und Oh Othello vereint mit einem Lied "whiskey and fireworks", das sie im vergangenen Jahr zum Sound of Bronkow geschrieben hatten. Die Spielfreude der beiden zusammen zu sehen, war für mich ein ganz besonderes Geschenk. Sie befeuern sich gegenseitig und die Blitze gehen hin und her. Natürlich ist Thos Henley auch solo ein toller Künstler, aber mit Oh, Othello gewinnt Musik und Darbietung eine ganz andere Dimension.

So ging das Sound of Bronkow in der Ausgabe von 2012 zu Ende. Es hat mir viele Facetten gezeigt und wunderschöne Stunden geschenkt. Zeit mit musikalischen Freunden, Gelegenheit, neue Musik für mich zu entdecken und Zeit in einer so freundlichen Atmosphäre, dass ich 2013 sehr sehr gern wieder Anfang September nach Dresden fahren möchte und mich dann sicher wieder ganz als Gast von Kumpels and Friends bestens aufgehoben fühlen werde.



Dienstag, 27. September 2011

Rachael Dadd & Ichi & Emma Gatrill, Paris, 24.09.11

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Konzert: Rachael Dadd & Ichi & Emma Gatrill

Ort: ein Wohnzimmer irgendwo in Paris, Oliver Peel Session # 40
Datum: 24.09.11
Zuschauer: sehr viele, Schätzungen reichen von 45-60 (!)
Konzertdauer: Emma Gatrill und Ichi jeweils 25 Minuten, Rachael Dadd 1 Stunde


Update vom 28.09.2011 (erweitert um den Bericht über Ichi)

Update vom 27.09.2011 (Text erweitert um Konzertbericht Emma Gatrill)


Als es am Sonntag gegen 16 Uhr 30 an der Tür klingelt, bin ich noch nicht einmal mit dem Staubsaugen fertig. Eine sehr schöne Stimme flötet durch das Haustelefon: "Hello, this is Rachael!" Meine Güte, sie ist tatsächlich schon da! Mein Stargast der heutigen Session, Rachael Dadd aus Bristol in England! Ich laufe hektisch die Treppenstufen herunter und treffe zunächst eine sehr nette junge Dame, die sich als Emma Gatrill herausstellen wird. Sie und ein herzensguter Kerl namens Chris werden Rachael später bei ihrem Konzert begleiten, Emma sogar einige Songs auf ihrer kleinen Harfe solo vortragen. Zudem ist der Japaner Ichi dabei, seines Zeichens Ehemann von Rachael und mir seit geraumer Zeit wohlbekannt. Die vier wahnsinnig höflichen und liebenswürdigen Menschen haben tonnweise Material dabei. Koffer, Taschen und Tüten, wo man nur hinschaut, angekarrt mit dem Auto aus Karlsruhe, wo sie am Vortag gespielt hatten (wir berichteten hier). Emma war die Fahrerin und macht sich nun Sorgen, wo sie die Kiste abstellen könnte, ohne abgeschleppt zu werden. Glücklicherweise finden wir einen Parkplatz in der Nähe für sie und tragen nun den ganzen Krempel nach oben. Zwei Nachbarsdamen sehen das Ganze und grinsen mir ein wenig schelmisch hinterher. Sie kennen mich inzwischen in diesem Hause ("dieser verrückte Deutsche"), wissen, daß wir gerne und laut feiern und ständig tolle Musiker in der Bude haben. Beschwert hat sich noch niemand, was beweist, daß unser als spießig geltendes Viertel wesentlich toleranter ist, als viele meinen.



In der Wohnung angekommen, bringe ich den durstigen Musikanten erst einmal ein Glas Saft. Bio natürlich. Folksänger sind schließlich alle ökologisch wertvoll drauf und das ist auch gut so. Später verlangen sie nach Espresso mit etwas Milch, um die Müdigkeit zu bekämpfen und auch diesen Wunsch erfülle ich ihnen sehr gerne. Dann ist auch schon Soundcheck angesagt und meine herrschsüchtige Frau befielt mir unbarmherzig, die Zeit zu nutzen, um den Teppich zu saugen und noch eine verbliebene Tüte Müll runterzutragen. Mit einer Französin verheiratet zu sein ist nicht immer ein Zuckerschlecken, das kann ich euch sagen!

Aber ich bin mit meinen Vorbereitungen noch lange nicht durch, muss noch frische Blumen kaufen, das ist mir wichtig. Und genügeng Kaka Cola light ist auch nicht im Haus. Also verabschiede ich mich kurzfristig Richtung Supermarkt und komme mit Rosen und Lilien zurück.

Rachael Dadd möchte jetzt kurz mal duschen, denn die Fahrt war heiß und anstrengend. Zu dumm nur, daß wir im Moment Probleme mit der Warmwasserversorgung haben (Frankreich, ich sag nur...) und ich befürchte, daß sie weitestgehend kalt duschen muss. Aber das soll ja gesund sein...


Gegen 19 Uhr scheint alles perfekt zu sein, der Teppich ist sauber, der Müll runtergebracht, die Blumen stehen in der Vase und der Soundcheck wurde zu Jedermanns/Jederfraus Zufriedenheit absolviert. Dann stelle ich jedoch fest, daß mir Batterien für mein Aufnahmegerät fehlen und Rachael klagt über Halzschmerzen und hätte gerne Lutschbonbons mit Honig, die wir ihr nicht anbieten können, so daß wir gezwungen sind, noch einmal rauszugehen und den Kram zu besorgen.

Die Laune ist bei allen blendend und ich schieße von den drei jungen Leuten (Ichi ist in der Wohnung geblieben, um unsere Katze zu streicheln) Fotos vor dem Hintergund des Eifelturms. Die Session wird gut werden, ich fühle es.


Meine Hauptsorge ist allerdings immer, ob genug Gäste kommen. Wie so oft ist diese aber völlig unbegründet, denn schon gegen 20 Uhr platzt die Bude fast aus allen Nähten. Ich habe so ziemlich jedes hübsche Mädchen dieser Stadt eingeladen und stelle zufrieden fest, daß Frauenüberschuss herrscht. Die Situation gnadenlos ausnutzend, schieße ich wie im Rasuch Porträtfotos von den ganzen Grazien. Als Gastgeber darf ich das...

Mit dem musikalischen Teil geht es schließlich um 20 Uhr 45 los. Ich hatte mich mit den Künstlern des heutigen Abends darauf verständigt, daß Emma Gatrill beginnen sollte. Sie war ein absoluter Überraschungsgast. Ich kannte die junge Frau aus Brighton vorher nicht, wußte lediglich aus einer E-mail von Rachael Dadd, daß sie als Klarinettistin mit dabei sein wird, war mir aber nicht darüber bewußt, daß Emma Gatrill Harfespielerin ist und auch eigene Songs zum Vortrage bringen würde.

Und schon nach wenigen Sekunden wird klar, daß hier ein genialer Joker ins Spiel gebracht worden war. Die lebensfrohe Emma singt so lieblich und betörend schön, daß sie damit Steine erweichen könnte. Ihr Harfespiel schafft eine ganz spezielle, fast mittelalterlich zu bezeichnende Atmosphäre, von der eine ungemeine Ruhe und ein starker Liebreiz ausgeht. "I am waiting for the answers, I am waiting for them to come" singt sie wehklagend im Refrain und zu meiner hellen Freude wird dieser im zweiten Durchlauf von Rachael Dadd mitgezwitschert, wodurch ganz wundervolle Harmoniegesänge entstehen.

Auch das zweite Lied ist ein Kleinod, es wird erneut auf der kleinen Harfe vorgetragen. Im Gegensatz zum ersten Stück ist aber dieses mal das Harfespiel temporeich und fließend, der Gesang weniger in die Länge gezogen. Zweites Lied, zweiter Stich ins offene Herz!

Nun wechselt Emma zur Gitarre, die sie im Schneidersitz zupft. Textlich dreht es sich erneut um sentimentale Gefühle ("Please know, I miss you") aber es ist auch von Monkeys die Rede. Alles sehr poetisch und fast auf literarischem Niveau, was die junge Brightonerin da abliefert, immer wiederkehrende Themen sind die Natur ("the ocean, the wind, the sand"), aber auch Liebe und Liebeskummer, ohne das zu viel Schmalz beigemischt wird. So heißt es dann auch im fünften und letzten Lied "I'm in love with a man that doesn't love me... waht a fool I've been" und man fragt sich, wer denn dieser Typ gewesen sein soll, der ein solch süßes Wesen wie Emma Gatrill abgewiesen hat, falls denn der Text überhaupt autobiografisch gemeint war.

Dann ist aber leider auch schon Schluß, vorerst Schluß muss man genauerweise sagen, denn später drehen wir mit Emma noch im Hausflur vor der Tür der Nachbarn, die ausgegangen waren. Eine abenteuerliches und prickelndes Unterfangen, denn draußen ist es dunkel und wir müssen leise sein, um nicht im gesamten Haus gehört zu werden. Etwas Licht wird von den Bewegungsmeldern gespendet (die immer wieder ausgehen), aber ansonsten ist alles sehr gedimmt, auch der Gesang von Emma ist leiser als in unserer guten Stube und den Applaus halten wir bewußt kurz und dezent. Und für diejenigen die nicht dabei waren, gibt es eine gute Nachricht: Renaud von Le Cargo.org hat gefilmt und wird die Videos bald auf Youtube einstellen. Yeah, baby!!

Setlist Emma Gatrill, Oliver Peel Session # 40, Paris:

01: Cast Out
02: Twisted Threads
03: Squiggles And Ballons
04: Starlings
05: The Birds
06: Where The Wind Blows (während Rachael Dadds Set)

Von Ichi, der als zweiter dran ist, wird es hoffentlich auch Videodokumente geben. Seine Show ist nämlich in jeglicher Hinsicht spektakulär. Schon sein Einmarsch lässt viele unserer Gäste verdutzt gucken. Er kommt auf Stelzen reingestakst, spielt dazu Mundharmonika und findet sich schließlich hinter seiner Fußtrommel ein, die er nun mit Tempo antreibt. Gleichzeitig bläst er einen roten Luftballon in Wärmflaschenform auf, erzeugt durch den Druck kuriose Geräusche und lässt am Ende die Luft aus dem Ding raus, was auch wieder sehr krass und piepsig klingt. Die Leute johlen.

Ichi stellt sich kurz vor und setzt sich nun auf dem Boden kauernd hinter eine Schreibmaschine. Er schreibt auf dem alten Ding ein paar Zeilen und es tackert laut und unüberhörbar. Kurze Zeit später singt er wie ein Eunuch (ist das japanisch?), wiederholt den Gesang aber noch einmal in deutlich tieferer Tonlage, was zum Schreien komisch ist.

Nun ist das japanische Alphabet dran. Hierzu spielt Ichi auf seiner sebstgebastelten Harfe, bevor er am Ende mit seiner Frau Rachael Dadd in kindlicher Manier Hände abklatscht. Die beiden haben sich wirklich ihr infantiles Gemüt beibehalten und auch wir im Publikum werden noch einmal zu Kindern, die mit glänzenden Augen im Zirkus sitzen und aus dem Staunen nicht mehr rauskommen.

Nach dem japischen Alphabet ändert der Japaner stimmlich die Tonlage und klingt nun wie ein Muezzin. "Heidahoooo, mamam, heidahohoooo mama" höre ich da raus und ein wenig wirkt Ichi auch wie ein Hirte, der durch seine Gesänge eine Schafsherde zusammenhalten will. Hinterher erfahre, daß dieses Lied auf vietnamesisch vorgetragen wurde.

Neues Stück, neue Gags. Jetzt geht es um einen Seemann und eine Ente, die er fabelhaft imitiert (köstlich sein Geschnatter!) und so ein Lied entstehen lässt, das fast nach japanischem Rap klingt. Und er kann sogar jodeln, das beweist er bei der letzten Nummer, bei der er Steel Pan und Tischtennis spielt, den Ping Pong Ball plötzlich ins Becken fallen lässt und ein Glas Wasser hinzuschüttet. Die Geräusche die dadurch enstehen, sind mystisch und fast hypnotisch, sie ziehen den Zuhörer in ihrer Bann. Zur Krönung des Ganzen spielt er schließlich noch eine jazzige Trompete, bevor er sich seine Stelzen schnappt und Mundharmonika spielend aus dem Zimmer stakst. Der Applaus ist unfassbar donnernd und langanhaltend, so etwas wie das eben haben die meisten Zuschauer noch nie erlebt.

Gute Nacht!

Obige Fotos: Archiv: erstes Bild (von links nach rechts): Kate Stables aka This Is The Kit, Little Mo (Tochter von Kate), Rachael Dadd), zweites Bild: Ichi in Aktion.

- Video: Archiv, Oliver Peel Session # 20

- Rockerparis hat schon schöne Fotos von dieser Session und einen ausführlichen Bericht, klick!

Weiterführende Links:

www.rachaeldadd.blogspot.com

www.myspace.com/rachaeldadd

www.myspace.com/ichijapan

www.twitter.com/rachaeldadd

www.listn.to/rachaeldadd


Aus unserem Archiv:


Ichi, Paris, 24.05.10
Ichi, Paris, 09.06.09
Rachael Dadd, Paris, 27.03.10
Rachael Dadd, Paris, 11.03.09
Rachael Dadd, Paris, 06.03.09






Sonntag, 25. September 2011

Rachael Dadd & Ichi & Anica & Emma Gatrill, Karlsruhe, 23.09.11

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Konzert: Rachael Dadd & Ichi & Anica & Emma Gatrill

Ort: Kohi, Karlsruhe
Datum: 23.09.11
Zuschauer: etwa 50
Konzertdauer: insgesamt 3 Stunden


Bericht von Gudrun Thäter (vielen lieben Dank, auch für die nette Karte!!)

Im September bin ich besonders vielen Konzert-Tipps von Oliver gefolgt. Nicht alle dieser durchweg positiven Erlebnisse sind hier im Konzerttagebuch dokumentiert, aber der letzte Termin der Liste soll mir Anlass sein zu berichten.

Eingeladen hatte das Kohi in Karlsruhe http://www.kohi.de/index.php zu Musik mit Rachael Dadd (Bristol, UK), Anica und Ichi (Japan). Den online gegebenen Hinweisen folgend konnte man herausfinden, dass Anica eine lokale sehr junge Songwriterin ist und Ichi irgendwie ziemlich abgefahrene Laute als Musik verkauft.

Aber das Risiko, hinterher mit dem Abend nicht zufrieden zu sein, ist klein (auch unabhängig vom Tipp aus Paris):

Am Freitag Abend ins Kohi zu fahren ist immer nett. Es liegt an einem Platz, der um die Zeit nur so von Leben strotzt, wobei man immer das Gefühl hat, es trifft sich "nur" die Nachbarschaft. Tagsüber spielen die Kinder hier oder es ist Markt. Es gibt eine prima Eisdiele, ums Eck ist mein liebstes Kino und mit dem Fahrrad bin ich in 15 min zu Hause.

Also so oder so würde das ein schöner Abend werden.

Als wir gegen 20:40 Uhr ankommen, ist es im Kohi noch recht ruhig. Aber kurz vor neun füllen sich die Bänke ganz fix auf etwa 50 Hörer und pünktlich um 21 Uhr beginnt Anica. Sie überrascht damit, mit Frau am Kontrabass und einer zweiten Gesangsstimme plus Gitarre/Akkordeon als Band aufzutreten - zum ersten Mal in der Besetzung. Das Set ist sympatisch und mitreißend. Die Sängerin ist überraschend souverän - das Publikum sofort dabei. Sicher liegt es auch daran, dass viele Freunde dazugekommen sind. Aber es ist durchaus verdienter Applaus. Ich bin positiv überrascht. Nach 45 min ist Schluss und ich hätte mir noch ein paar Lieder mehr gewünscht. Es gibt eine kurze Umbaupause und als erstes Extra des Abends nimmt eine junge Dame (Emma Gatrill) im Schneidersitz auf der Bühne Platz und bezaubert uns mit ihrer kleinen Harfe und leisen Liedern. Vor dem ersten Lied sagt sie noch an, es würde jetzt ein sehr leises Lied werden, weil hinten noch ein bißchen geplaudert wird. Ab dann ist gespanntes Zuhören dran, das nur durch Applaus unterbrochen wird. Ab und zu nehmen die anwesenden anderen Musiker am Geschehen auf der Bühne teil mit Steeldrum und Banjo, oder zweiter Gesangsstimme. Es ist sehr familiär und das Publikum fühlt sich zur Familie gehörig. Entsprechend ist das Echo - sehr gute Stimmung, alle sind zufrieden.

Nach Emma gibt es wieder eine kleine Pause und anschließend eine große Überraschung. Das Set von Ichi macht uns alle zu staunenden und manchmal laut lachenden Kindern. Er betritt den Raum auf Stelzen und anschließend benutzt er selbst gebaute Instrumente und alle möglichen und umöglichen Dinge um eine Musik zu produzieren, die irgendwie weit hineinreicht in rituelles, aber sich andererseits überhaupt nicht ernst zu nehmen scheint. In meiner Heimat würden wir sagen: Der macht sich voll zum Obst. Er versucht seine Lieder mit deutschen Ansagen ein Stück weit zu erklären. Auch das führt dazu, dass er uns allen sehr ans Herz wächst. Der Höhepunkt für mich ist ein Lied mit Megaphon, wo die Ente die ganze Zeit klingt wie Donald Duck in den Zeichentrickfilmen meiner Kindheit und ein Song, wo Tischtennisbälle in der Steeldrum ihre eigene zufällige Musik machen. Es ist ein bißchen traurig, als er fertig ist. Weil allen ist klar: das sehen wir so schnell nicht wieder und das läßt sich auch durch die akustische Reserve nicht ersetzen.



Ein Blick auf die Uhr verrät, dass es schon 23 Uhr ist - die zwei Stunden sind wie im Flug vergangen und wir sind alle munter nach der ausgiebigen Kinderstunde mit Ichi. Nach einer kurzen Pause hat Rachael Dadd die Bühne für sich und singt uns noch mehr als eine Stunde ihre wunderbaren Lieder mal mit mal ohne Mit-Musiker (bis zu vier Personen sind auf der Bühne). Sie gibt zwischendurch sehr nette Einführungen zu den Liedern und versucht sich in deutsch (kommt immer gut an!).

Nach Mitternacht stehe ich dann am Merchstand und kann mich gar nicht entscheiden, welche Musik ich mitnehmen möchte, um ein Andenken an einen ganz besonderen Abend zu haben. So kaufe ich gleich 4 CDs und weiß, ich werde wohl den ganzen Samstag brauchen, um da überhaupt hinein zu hören... Wie schön!

Anmerkung: unbedingt das Video von Ichi ansehen. Der lachende Mann im Publikum ist geil!





 

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