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Montag, 30. September 2013

Swann, Paris, 23.09.13

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Konzert: Swann
Ort: Le Café de la Danse, Paris
Datum: 23.09.2013
Zuschauer: etwa 300
Konzertdauer: etwa 65 Minuten

* Traduction en français en bas du texte!


Paris ist schon ein tolles Pflaster was junge, talentierte Sängerinnen betrifft. Seitdem ich in den Stadt der Liebe wohne (d-h seit 11 Jahren), entdecke ich regelmäßig neue, vielversprechende Musikerinnen. Oft war ich bei den ersten Konzerten dabei und konnte den Werdegang mitverfolgen. Mancher Aufstieg verlief rasant, so z.B bei Le Prince Miiaou und bei Mina Tindle, die ich zunächst in kleinen Clubs und  später in 1000 er Locations sah. Aber auch meine anderen Favoritinnen, bei denen die Karriere etwas langsamer voranschreitet, gehen ihren Weg und haben noch viel Luft nach oben (Marie-Flore (Foto mit neuer EP), Myra Lee, Pollyanna, Lidwine, Cyann, The Rodeo, Malvina Meinier, Pauline Drand, Alma Forrer).

Luft nach oben sehe ich auch noch für die sehr junge Chloé Lénique alias Swann. Und dies obwohl sie heuer schon in einem 500 er Club wie dem Café de la Danse spielte. Zwar war das Tanzcafé nicht ganz ausverkauft, aber 300-350 Leute dürften sicherlich dagewesen sein. Beachtlich, wenn man bedenkt, daß die junge Dame erst 2013 ihr erstes Album Neverending veröffentlich hat und mir selbst 2012 noch unbekannt war. Der Erfolg kommt aber nicht von ungefähr, die tiefe Stimme von Swann ist extrem markant, ihre Songs zeitlos schön und ihre Begleitband exquisit. Mit dem Gitarristen Mocke Depret (Holden, Midget, Arlt) und dem britischen Multiinstumentalisten Stephen Munson stehen ihr zwei erfahrene  und technisch versierte Musiker zur Seite, die Swanns Stimme herrlich einbetten in ein Meer aus hübschen Melodien und atmosphärischen Tönen. Im Café de la Danse war zudem ein Drummer mit dabei, der dem Set bei ein paar Titeln mehr Druck verlieh.

So wichtig diese Männer für den guten Livesound sein mögen, auf der Bühne stand die junge Dame ganz klar im Mittelpunkt: Chloé Swann. Eine androgyne Schönheit, der jungen Jane Birkin nicht unähnlich, heute in einer atemberaubenden schwarzen Garderobe unterwegs, die gleichzeitig elegant und sexy wirkte. Aber Swann ist Gott sei Dank keines dieser oft nur mittelmäßig talentierten Models, wenngleich sie erst kürzlich in einem Modemagazin posierte und für einen Parfümhersteller eine private Show gab, bei der ich auch anwesend war. War ein komplizierter Abend für Cloé und ihre Begleiter, denn die Schickmickis im Publikum hörten gar nicht richtig zu, plauderten stattdessen lieber und soffen gratis Champagner. Zudem fiel der Sound ziemlich dürftig aus.

Viel bessere Bedingungen heuer im Café de la Danse. Ein perfekt ausbalancierter Sound, ein aufmerksames Publikum und gedimmtes Licht mit Kerzen, die die Bühne dekorierten und sanft erleuchteten. Störfaktoren Fehlanzeige.

So konnte man sich dann herrlich berieseln lassen von Swanns beeindruckend tiefer Stimme, von Mockes herrlichen kleinen Gitarrenmelodien und von den bisweilen kuriosen Geräuschen, die der Brite Stephen Munson mit einem Gerät namens Stylophone ( ein aus den späten 60ern stammender kleiner analoger Synthesizer, der mit einem Stift gespielt wird) bei zwei Liedern (Angel Of Death und Hold Me Close) erzeugte. Bei einem Stück (Requiem For An Angel) spielte er auch auf einer Shruti Box, einem kleineren hölzernen Instrument, einem Harmonium nicht unähnlich und aus Indien stammend.





Das Konzert hatte mit einem auf die Steinwand projezierten Videoclip (eine Vorabpremiere) begonnen. Der dazugehörige Song hieß Angel Of Death und der hatte sicherlich herzlich wenig mit einem Slayer Cover zu tun (obwohl...). Anstatt euch vorzukauen, was man in dem Clip sieht, könnt ihr ihn euch ganz in Ruhe selbst angucken.


Dann aber sofort ein riesiges Highlight. Die herzzereißende Ballade My Darling erklang und Swann spielte hierzu zum einzigen Mal im Laufe des Konzerte Piano. Ein Frontalangriff auf die Tränendrüse, aber so früh wollte ich hier und heute auch noch kein Salzwasser verlieren. Dennoch: die tröstliche und ungemein zärtliche Note, die diesem Killersong innewohnt, ist einfach sagenhaft und berührte mich sehr stark.


In der Folge, in der die Lieder des ersten Album gespielt wurden (besonders schön: Love Song), wechselte Swann zu E-Gitarre, was aber nicht dazu führte, daß der Gig extrem rockig wurde. Es herrschte vielmehr ein sanfter psychedelischer Sound vor, der Swanns Vorliebe für Syd Barret deutlich zum Ausdruck brachte. Ohnehin orientierte sie sich musikalisch an klassischen Vorbildern, ihre erklärten Favoriten sind nebem dem Ex-Pink Floyd Musiker David Bowie und The Velvet Underground. Kein Wunder also, daß man bei dem weltverlorenen Blick der Chloé Swann nicht selten an Nico dachte. (optisch allerdings vielmehr an Anna Calvi).

Das Set war prima geprobt und flutschte professionell, wirkte aber nicht gefühlsarm und runtergeleiert. Bei Swann kommt wirklich was rüber, das ist keine seichte, keimfreie Künstlerin, sondern ein fragiles Mädel mit einem großen Herz. Man merkt, daß sie ehrgeizig ist, von Arroganz gibt und gab es bei ihr aber keine Spur, der frühe Erfolg scheint sie also erfreulicherweise nicht verändert zu haben.

Und sie bleibt am Ball, wird nun dem Album bald auch eine EP mit dem Titel Angels nachschicken, von der sie im Mittelteil des Auftritts ein paar vielversprechende Lieder performte, darunter auch den Keytrack Angel Of Death, der wie erwähnt zu Beginn als Videoclip zu sehen war.

Das letzte Drittel galt dann aber wieder den Stücken des ersten Longplayers. Trying Hard war herrlicher britischer Sixties Pop, Show Me Your Love eine zupackende Rocknummer und I'll Say A Prayer eine melancholische Perle. Das absolute Highlight hieß aber Something Special, ein umwerfendes Stück Musik, das zunächst balladesk und mit nahegehenden Lyrics ("Nobody ever told me that I was special") begann, sich dann aber dramatisch zuspitzte und mit feinsten psychedelischen Gitarren und einem explodierendem Schlagzeug fulminant endete.



Nach einer Zugabe war dann Schluß und ich verließ mit der Gewissheit, daß es für Swann noch viel höher hinausgehen wird, den Saal.

Setlist:

01: My Darling
02: It Don't Thyme
03: Love Song
04: God Is Dead
05: Requiem For An Angel
06: Angel Of The
07: Angel Of Death
08: Trying Hard
09: Show Me Your Love
10: I'll Say A Prayer
11: Something Special 
12: Hold Me Close

13: Loneliness

Texte en français: 


Paris est vraiment "ze place to be" pour découvrir des chanteuses de talent. Depuis que je suis installé dans la ville de l'Amour (c'est à dire depuis 11 ans) j'en découvre régulièrement. Parfois l'ascension de ses filles talentueuses va vite et mène aux salles de 500 personnes et (beaucoup) plus comme pour Mina Tindle (Olympia et Trianon), Le Prince Miiaou (Olympia, Café de la Danse) ou The Rodeo (Café de la Danse, Olympia) parfois ça prend un petit plus de temps, mais pour des chanteuses comme Myra Lee, Marie-Flore, Lidwine, Pollyanna, Malvina Meinier, Cyann, Pauline Drand, Alma Forrer (photo) ) il y a toujours pas mal de marge.

De la marge je vois aussi pour Swann, même si elle a rempli dejà toutes les chaises assises ce 23 septembre au Café de la Danse. Vu son talent je pense qu'elle peut encore viser plus haut, jouer dans des salles encore plus grandes. Elle a tout simplement tout ce qu'il faut pour réussir. Une voix très grave et singulière, des chansons intemporelle et belles à pleurer, un physique à couper le souffle (on dirait la jeune Jane Birkin ou encore la soeur d'Anna Calvi, mais en plus grande) et un groupe excellent qui l'accompagne. Le guitariste Mocke Depret (Holden, Arlt, Midget) joue de petites mélodies de guitare à tomber par terre et le multi-instrumentaliste anglais Stephen Munson (quel look super, on dirait un intellectuel, un architecte ou un chef d'orchestre!)produit des sons psychédéliques à l'aide de son stylophone ou d'un shruti box ce qui enrichit énormément le son de la musique de Swann. Le line up live fut completé par un batteur, qui donnait plus de punch pour les titres plus rocks.

Malgré ces trois hommes sur scène c'est la fille qui était tout le temps au centre de l'intêret. Habillée tout en noir dans un ensemble qui mettait en valeur son beau corps, Chlóe respirait l'élégance, la sensualité et la classe. Mais attention! Elle n'est pas une de ses filles mannequin qui ne sont souvent pas très douées. Elle a posé pour des magazines de modes, c'est vrai, elle a joué aussi pour une marque de parfum récemment, mais cela fait partie de la promo, c'est indispensable de nos jours où les ventes des disques sont en baisse depuis des années. J'ai d'ailleurs vu ledit concert pour cette marque de parfum et les conditions n'étaient pas faciles. Le public n'était pas très attentif, les gens préféraient parler et boire du champagne et le son n'était pas très bon. Malgré tout cela le concert fut remarquable et très pro.


Au Café de la Danse il y avait des conditions nettement meilleures. Le son était nickel, le public respectueux et concentré et la lumière tamisée très jolie, avec des bougies qui allumaient la scène, ce qui rendait l'ambiance chaleureuse et festive.

Le concert au Café avait commencé avec la diffusion du nouveau clip vidéo de la chanson Angel Of Death, puis avec un de mes morceaux préférés, le très mélancolique et touchant My Darling, interprétés au piano par Chloé. Puis la chanteuse se mit à la guitare électrique et interpréta les superbes chansons de son très réussi premier album Neverending, avec la divine Love Song qui fut mon temps fort personnel. Malgré la présence de parfois trois guitares électriques, le concert fut rarement noisy ou extrêmement rock, c'était plutôt un très bon mélange entre du folk intemporel et de la pop rock subtilement psychédélique dans la tradition de Pink Floyd (phase Syd Barret), des Stones et des Velvets. Puis il y avait un côté français aussi, une certaine mélancolie à la Gainsbourg ou Françoise Hardy.

Au milieu elle nous interpréta des morceaux de son tout nouveau Ep (sortie ce 30 septembre) Angels, avec le sublime Angel Of Death comme morceau clé, qui est contenu sur l'album et L'EP.

La dernière partie du concert était reservé de nouveau aux titres de l'album. Show Me Your Love était un morceau résolument rock, Trying Hard du Velvet Underground revisité et I'll Say A Prayer une belle ballade mélancolique et envoutante. Mais le summum du concert fut incontestablement Something Special, un titre qui commença lentement et calmement (quelles paroles tristes et touchantes: "nobody ever told me that I was special" ), mais qui devenait très intense et dramatique à la fin. La dernière minute, la guitare de Mocke hurlait pas mal et le batteur, plutôt discret la plupart du temps, pouvait enfin jouer à fonds et frapper de tout son coeurs. C'était impressionnant!

Dans l'ensemble on était témoin d'un concert bien rodé et parfaitement maîtrisé, mais jamais trop lisse et lêché. Chloé Swann dégage vraiment quelque chose, il y a toujours de l'émotion chez elle, elle garde un côte fragile ce qui est très séduisant et en plus c'est une fille naturelle et pas arrogante.


Le concert finissait avec la ballade Loneliness et après cela, ma déjà bonne impression de Swann s'est confirmée. Une de mes découvertes de 2013, mais c'est seulement le début d'une grande carrière, j'en suis persuadé.





Freitag, 27. September 2013

Laura Marling, Paris 22.09.13

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Konzert: Laura Marling (und Peggy Sue)
Ort: Le Café de la Danse
Datum: 22.09.2013
Zuschauer: ausverkauft (etwa 450)
Konzertdauer: eine Stunde



Was habe ich von der jungen Laura Marling geschwärmt! Kein Superlativ schien mir zu übertrieben, keine Lobhudelung zu euphorisch, keine rosige Karriereprognose zu vorschnell. Fast sechs Jahre liegt die erste zungenschnalzende Erwähnung im Konzerttagebuch zurück. Wir waren wie immer sehr früh am Ball, damals als ich Ende 2007 zum ersten Mal über Laura schrieb war die Britin noch nicht einmal volljährig!


In der Zwischenzeit sind vier hochgelobte und jeweils für den Mercury Prize nomierte Alben erschienen, hat Marling sowohl bei den Brit- als auch den NME Awards Preise gewonnen, vor allem in England (aber auch anderswo) unzählige Konzerte ausverkauft und mit Noah "and The Whales" Fink und Marcus Mumford (der von den Sons) zwei prominente Lover aus der Musikszene verschlissen und mit gebrochenem Herzen zurückgelasssen. Live gesehen habe ich sie seitdem (dieses Konzert eingerechnet) 9 mal. Das letzte Konzert von und mit Laura liegt allerdings auch schon fast zwei Jahre zurück. Meine feurige Begeisterung war am Ende auch etwas abgekühlt, wenn natürlich nicht ganz erloschen. Ich hatte lediglich damit anzufangen, die Sängerin realistischer und kritischer zu beäugen, zumal ihr Minderjährigenbonus ja auch weggefallen war. Es galt Vorschußloorbeeren zu rechtfertigen und das ist bekanntlich nicht so leicht. Was sich im Laufe der Jahre auch immer mal wieder veränderte (neben der Haarfarbe, die war mal kurzzeitig braun), war die musikalische Begleitung. Trat sie zu Beginn immer im Duo mit Marcus Mumford auf, kam dann auch mal eine Cellistin mit hinzu und beim Haldern Pop Festival 2010 erlebten wir Marling mit einer ausgewachsenen Band mit mindestens fünf Musikern auf der Bühne.

Wahrscheinlich ist ihr das dann zu viel geworden, heuer trat sie nämlich ganz alleine und nur mit ihrer Akustikgitarre bewaffnet auf. Back to the basics also? Besinnung auf das Wesentliche, sprich die Stimme und das Fingerpicking? Ein erwachsen gewordenes Mädel auf Solopfaden, autark und eigenständig? Nun, über die Gründe und Deutungen ihres Alleingangs mag man spekulieren, sicher ist aber, daß das neue Album ihr persönlichstes geworden ist und sie das dann auch ganz allein umsetzen will. Karg ist es geworden, nur spartanisch instrumentiert, Folk für Puristen, mit einem Anfang, in dem vier Lieder quasi übergangslos hintereinander folgen und wie ein einziges sehr langes (langatmiges?) Lied wirken (siehe Video).




Die ununterbrochene Abfolge dieser vier Songs brachte sie auch heuer in Paris gleich zu Beginn und stellte die Leute im unerträglich heißen Café de la danse auf eine Geduldsprobe. Schwitzend und nach Luft schnappend standen wir da, dicht an dicht, damit es uns noch heißer wird. Meine Schulter schmerzte, ich hatte tierischen Durst und vorne schrammelte ein inzwischens 23 Jahre altes Mädel auf ihren Saiten rum und berichtete textlich altklug von ihren Erfahrungen von Männern und Partnerschaften. Ich sah ein (sehr hübsches) Mädchen im Publikum, wie so viele andere auch Britin, die jede Zeile leise mitsang, sich die Hand auf den Brustkorb legte und guckte, als würde ihr Laura aus dem Herzen sprechen bzw. singen. Mich ließ das Ganze allerdings trotz der Hitze seltsam kalt. Ehrlicherwiese muss ich gestehen, daß ich große Lust gehabt hätte, nach oben zu gehen, ein kühles Bier zu zischen und mit dem netten Barmann zu plaudern. Aber ich ermahnte mich selbst, mich zu konzentrieren, schwitzte also tapfer weiter, massierte mir meine vor Schmerzen pochende Schulter und versuchte die Euphorie der frühen Tage in mir aufzuwecken. Das gelang mir nur mäßig, denn die ersten 5 Lieder, allesamt vom neuen Album Once I Was An Eagle bewegten mich nur wenig. Ich hielt sie für recht prätentiös und zu gekünstelt. So etwas wie einen Refrain gab es nicht, eine erkennbare Melodie auch nicht, stattdessen dominierte ausuferndes Storytelling im Stile eines Bob Dylan oder Bill Callahan und eine Stimme, die vor allem bei dem Blues Song Master Hunter bluesig- soulige Züge angenommen hatte. Nicht wirklich mein Wetter, trotz einer wirklich beindruckenden und intensiven Gitarrenarbeit, die das unbestreitbar enorme Talent der Engländerin unter Beweis stellte. Erst als nach etwa 25 Minuten Spielzeit das luftigere und unbeschwertere Alas I Cannot Swim vom ersten gleichnamigen Album erklang, wurde die Schwere und Trockenheit des Vortrages zum ersten Mal ein wenig gemildert, konnte man sich an einer Melodie erfreuen und der prompte Applaus beim Ertönen dieses Klassikers bewies, daß ich nicht der Einzige war, der auch frühes Material hören wollte. Mit dem beschwingten Ghosts wurde dann gleich noch einer der markanten Song des Erstlings hinterhergeschickt und war ich besser in das Konzert reingekommen. Marling erzählte, daß sie 17 war, als sie diese beiden Lieder geschrieben hatte und sich auch heute wie 17 fühle, wenn sie sie vorträgt. Damals sei sie sich unglaublich cool vorgekommen, als sie bei ihrem ersten Konzert in Paris in der Fleche d'or durch Paris gestapft ist und auch die Pariser so wahnsinnig lässig fand. Allerdings nur so lange, bis sie kurz später zum ersten Mal in Stockholm war, den dort seien die Leute "seriously cool." Sprachs und merkte etwas später, daß man diesen Vergleich als wenig schmeichelhaft für Paris auslegen könnte und schickte deshalb fast entschuldigend hinterher: "I didn't wantd to be rude, you still got it Paris!"



Von Paris und Frankreich ging sie thematisch dann über zu London und England. Sie wohne ja jetzt in LA da fehle ihr England eben manchmal und in diesen Momenten habe sie dann auch ein wenig Heimweh. Es folgte konsequenterweise Goodbye England (ein feiner Song) und ein Cover von Jackson C. Frank, in dem die Songzeile "Catch A Boat To England" vorkam. Das Konzert gefiel mir jetzt trotz der anhaltenden Brutalohitze immer besser und erreichte mit Songs ihres zweiten Albums I Speak Because I Can seine Höhepunkte. Die wundervolle Ballade What He Wrote (Hera) ließ mich zum erste  Male ergriffen werden, das nachfolgende Hope In The Air war schon früher immer einer meiner Lieblinge und beim Rambling Man klang ihre Stimme so lieblich und hübsch wie in keiner anderen Phase der heutigen Show.


Mit einem Townes Van Zandt Cover (welches das Publikum nach Lauras Nachfrage einem Allmann Brothers Cover vorgezogen hatte) hielte sie meine innere Spannung, ließ diese dann aber mit Sophia und dem abschließenden Where Can I Go wieder absacken. Letzter Song stammte erneut von dem neuen Album mit dessen trockener Kargheit ich so meine liebe Mühe und Not habe. Inhaltlich geht es da immer wieder um Liebe, das Beziehungschaos, Trennungen etc., Themen die jeden betreffen, bei denen Laura mit ihren 23 Jahren aber immer alles besser zu wissen scheint. Diese-gewiss entschuldbare- Naseweißheit nervt dann neben der trockenen Instrumentierung auch ein bißchen, aber das heutige Konzert konnte vor allem durch Perlen des ersten und zweiten Albums und die beiden gelungenen Cover gerettet werden.


Paris sei wieder gut zu ihr gewesen sagte Laura Marling zum Abschied und sie habe es wie immer genossen, meinte gar, daß wir uns sehr glücklich schätzen sollten, hier zu wohnen. Fraglich ob in diesem Satz ein gewisser Zynismus steckte, denn aus den USA hat sie sich vom Veganer-Trip anstecken lassen und während des Konzertes angemerkt, daß es ihr in der Stadt der Liebe schwer gefallen sei, etwas für sie Essbares zu finden. "But I would live here, even if i would starve. I'm willing to make this sacrifice for Paris." beteuerte sie ironisch. Na dann!...

Setlist Laura Marling:

01: Medley, Lieder 1-4 des aktuellen Albums
05: Master Hunter
06: Bleed Me Dry
07: Alas I Cannot Swim
08: Ghosts 
09: Goodbye England (Covered in Snow)
10: Blues Run The Game (Jackson C. Frank Cover)
11: What He Wrote (Hera)
12: Hope In The Air
13: Rambling Man
14: For The Sake Of The Song (Townes Van Zandt Cover)
15: Sophia
16: Where Can I Go? 



Vor Laura Marling war noch eine britische Band an den Start gegangen, über die wir hier auch schon Gutes gesagt haben: Peggy Sue aus Brighton. Eigentlich ein rein weibliches Duo, bestehend aus den sich abwechselnden Sängerinnen und Gitarristinen Rosa Rex und Katy Klaw, aber live mit einem Drummer und einem Bassisten unterwegs. Zu viert machten die oft als Folkgruppe eingestufte Formierung ordentlich Druck und klang meistens eher nach leicht bluesig angehauchtem Rock als nach Folk. Aber Peggy Sue sind stilistisch nicht leicht einzuschätzen, haben erfreulicherwiese keine Einflüsse, die man schon nach ein paar Sekunden raushören könnte. Die Stimmen der Sängerinnen sind super, die Gitarrenparts auch und so verbrachte ich gute 30- 40 Minuten mit den Brightonern. Die Songs kannte ich allerdings in der Mehrzahl nicht. Außer dem bereist geläufigen Cover Hit The Road Jack stammten sie fast alle von einem neuen Album, daß Anfang 2014 erscheinen soll. Darauf darf man sich sicherlich freuen.

Setlist Peggy Sue

01: And Always
02: Watchmen
03: Funeral Beat
04: Hit Te Road Jack (Percy Mayfield)
05: How Heavy
06: Longest Day
07: AlwaysGoing
08: Two Suits
09: Idle




Sonntag, 7. April 2013

Shout out louds, Paris, 03.04.13

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Konzert: Shout Out Louds, Support: Ben Ellis
Ort: Café de la Danse in Paris
Datum: 03. 04. 2013 
Zuschauer: circa 450
Dauer: 40 min + 80 min



Bin ich vielleicht ein Snob? Eigentlich hatte ich mich nämlich entschieden, in Paris das Olympia kennen zu lernen, wo am 3. April Razorlight spielten. Es lag so schön in fußläufiger Entfernung zu meinem Quartier. Als ich dann jedoch vor dem Aufbruch noch näher ins Programm sah und vier Supportacts fand, stöhnte ich innerlich auf: So lange stehen nach einem Tag rumlaufen in Paris war einfach zu viel! Und die Umbaupausen! Noch auf dem Weg entschied ich mich, doch mit der Metro ins Café de la Danse zu fahren, wo die Shout out louds mit einem Support auf dem Programm standen. Die hatte ich in Karlsruhe kürzlich verpasst.Warum das also nicht nachholen?



Als ich fast punktgenau noch mit etwas klopfendem Herzen ob der spontanen Entscheidung 19:30 Uhr ankam, stand eine Schlange vor dem Gebäude. Aber ziemlich bald begann der Einlass und die Schlage wurde recht flott abgearbeitet. An der Kasse fand ich dann (zum Glück) Bestätigung für mein Bauchurteil: 20 Uhr schon sollte die Musik beginnen und strikt 22:30 Uhr müsste alles vorbei sein. Genau das richtige für mich an diesem Abend! Vom Venue selbst war ich sofort sehr positiv angetan. Mittelgroß, freundlich, mit Steh- und Sitzplätzen und an diesem Abend recht gut gefüllt, wahrscheinlich fast ausverkauft.



Eigentlich ist mir ja die Musik der Shout out louds etwas zu glatt. Aber live versprach ich mir davon gute Unterhaltung. Und diese wurde schon von der ersten Band aufs beste abgeliefert: Ben Ellis. Irgendwie die jüngeren Geschwister der Schweden mit fast identischer Aufstellung und musikalischer Ausrichtung, aber damit eben auch erfrischend und enthusiastisch.



Sie hinterließen einen rundum guten Eindruck als sympatische und mitreißende Lifeband ohne jedoch Anwartschaft auf ein Top-Konzert des Jahres bei mir anzumelden. Es machte mir besonders große Freude, dem Frontmann zuzusehen.



Der Umbau für die Hauptband wurde von jeder Menge Personen anscheinend professionell und zielgerichtet angepackt, brauchte aber trotzdem ganz schön  lang...



Dafür wurde aber auch die Bühne sofort von den Shout out louds übernommen, nachdem alles umgeräumt war. Der Frontmann zog das Gros der Aufmerksamkeit auf sich und übernahm auch die Interaktion mit dem Publikum. Es musste kein Eis gebrochen werden, denn rings um mich wurde von Anfang an textsicher mitgesungen und die Songs beklatscht. Am Ende saß kaum noch jemand auf den Plätzen. Die Band genoss das sichtlich und spielte entspannt und spielfreudig auf.



Während des letzten Zugabensongs Tonight I have to leave it kam Adam Olenius in die oberen Sitzreihen geklettert und ließ die Herzen aller Zuschauer dahinschmelzen während er das Lied von da schmetterte.



Damit wollte er wohl auch zeigen, dass er kein Snob ist, oder was denkt ihr?


Setlist:

Sugar
Walking in your footsteps
Fall hard
Normandie
Impossible
Where you come in
The comeback
Chasing the sinking sun
Please please please
Blue ice
Hard rain
Illusions
14th July
Very loud

Destroy
Walls
Tonight I have to leave it


Aus unserem Archiv:

Frankfurt, 26.3.2013 (Tanita) 
Wien, 22.10.2010 (Julius) 
Köln, 20.8.2010 (Christoph) 
Frankfurt, 29.3.2010 (Ursula) 
Paris, 1.4.2008 (Oliver) 
Köln, 18.9.2007 (Christoph)
Haldern 4.8.2007 (Christoph)



Samstag, 23. Februar 2013

Françoiz Breut, Paris, 12.02.2013

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Concert: Françoiz Breut (Don Nino)
Lieu:Le Café de la Danse, Paris
Date: 12/02/2013
Spectateurs: environ 450
Durée du concert 80 minutes

Le concert commença par une ligne de basse très marquante et répétitive, puis la douce voix de Françoiz Breut retentit pour la première fois. Par la suite on entendit les guitares sombres, l'orgue légèrement psychédélique et la batterie sèche et précise. Tout de suite une ambiance sensuelle, chaude et subtilement dramatique s'installe. On se sentait comme dans un  rêve éveillé ou bien comme dans un road trip dans le désert de Mexico (je vous épargne pourtant Calexico ici, soyez rassurés!)



A la fin du morceau Françoiz dit simplement au public: "merci beaucoup j'espère que vous allez bien." Symbolique pour sa simplicité et gentillesse. Pas de longues discours prétentieux, pas de blablabla, juste un petit mot pour  remercier tout le monde d'être au Café de la Danse ce soir. Ici même, Françoiz avait donné son premier concert, mais à l'époque "elle avait 10 ans", comme elle disait en souriant. Depuis elle a vieilli un peu, mais même malgré ses petites rides (qui lui vont bien), on reconnait toujours la gamine qui vit encore en elle. Quand elle sourit (quel magnifique sourire!), elle a toujours l'air d'avoir 20 ans. Francoiz a fait du chemin pourtant, mais hélas, elle n'a pas eu la  reconnaissance publique comme d'autres. Mais bon, nous ne plaignons pas, le Café de la Danse était très bien rempli et ceux qui étaient là ont vraiment fait le bon choix.

Nous vivions ensemble un concert exceptionnel où plein d'éléments se réunissent pour un résultat convaincant et très touchant. 


En première ligne bien sur la voix tellement singulière de Françoiz, sa manière de chanter si mystérieusement (je vous épargne  Dominique A soyez rassurés!), Puis son groupe qui l'accompagna à merveille. Leur son était si dense, compact, très précis et puissant, mais jamais grandiloquent. Ça restait toujours très classe. Et ce qui est pour beaucoup c'était bien sûr le charisme et la présence sur scène de Francoiz. Malgré son attitude naturelle, il y a ce côté félin. Elle bougait très bien, dansait parfois et allait à deux reprises dans le public pour le plus grand effet. Son duo avec Julia de Mansfield TYA (avec une ceinture VW!) pour la reprise de Michael Hurley de Werewolf était un des temps forts de ce concert, mais son morceau La Vie Devant Soi joué au milieu de la foule  était également magnifique!

Françoiz Breut - La Vie Devant Soi live au Cafe de la Danse from valerie toumayan / I Love Sweden on Vimeo.

Francoiz varia très bien entre les titres de son très bon nouvel album et quelques classiques (La femme sans histoire,  Le don d'ubiquité) qu'elle revisitait d'une manière innovatrice.

Les titres les plus forts étaient certainement Michka Soka (très funky), Over All (très mélancolique et doux) BXL Bleuette (aux accent jazzy, rêveuse), puis un somptueux km 83 en rappel


Breut donne beaucoup et le public -complètement sous le charme- le lui  rend bien en applaudissant à chaque fois longuement.



En 80 minutes on en a eu pour notre argent! De la poésie, de la douceur, de la générosité, de la sensualité, des larmes, des sourires, de la pop en français et parfois en anglais, du rock un peu bluesy, joué avec une classe internationale.

Espérant fort que Francoiz va revenir plus souvent à Paris dans l'avenir. Finalement Bruxelles ce n'est pas si loin.

Cette soirée somptueuse va rester un bon moment gravé dans ma mémoire, ça c'est sûr! Pour prolonger le plaisir j'ai racheté l'album en vinyl, rien que pour profiter des illustrations faites par l'artiste elle-même en plus grand format!

Setlist Françoiz Breut, Café de la Danse, Paris:

01: A L'Unisson
02: Bruxelles Bleuette
03: La Femme Sans Histoire
04: Les Jeunes Pousses
05: Marie-Lise
06: Pourque Te Vas
07: Le Don D'Ubiquité
08: Werewolf
09: Cavaliers
10: 20 à 30000 Jours
11: La Gomme
12: Over All
13: L'Eclat Du Jour
14: Si Tu Disais
15: La Vie Devant Soi
16: Ultimo
17: Michka Soka
18: La Chirurgie Des Sentiments

19: Le Nord
20: Cabinet
21: KM 83




Montag, 11. Februar 2013

Conor Oberst, Paris, 02.02.13

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Konzert: Conor Oberst (Simon Felice)
Ort: Le Café de la Danse, Paris
Datum: 02.02.2013
Zuschauer: etwa 550, ausverkauft
Konzertdauer: fast 2 Stunden nur Conor



Conor Oberst bzw. Bright Eyes war wichtig in meiner späten musikalischen Sozialisierung. Nachdem ich in der ersten Phase mit Bands wie Kraftwerk, New Order, den Pet Shop Boys, aber auch solch unsäglichen Dingen wie Italo Disco und kommerziellem Spät-New Wave großgeworden- und mit etwa 16   in meiner Indiedisco auf Gruppen wie die Ramones, Violet Femmes, und The Clash gestoßen bin, gab es etwa 2004/2005 eine neue wichtige Phase. Post Punk und New Wave feierten mit Acts wie Interpol, Franz Ferdinand und Bloc Party ein Revival und auch Folk Music kam zurück. Die wichtigsten Player in jener Zeit u.a.: Devandra Banhart ("der Diwäntra ist was ganz Besonderes", wie Karl Lagerfeld immer sagt), Joanna Newsom, Elliot Smith und... Bright Eyes.

Folk habe ich als Kind und als Jugendlicher gehasst, das war was für meine ältere Schwester. Die war damals nämlich in der Friedensbewegung aktiv, ist auf Demos gegangen und fand die Grünen toll. Allein den Look dieser Ökos fand ich schlimm und die peacige Musik erst recht.


Das hat sich Anfang der 2000 er Jahre grundlegend geändert. Angewidert von meinem drögen Jurastudium und den meisten meiner abstoßend  fleißigen und konservativen Kommilitonen (aus dieser Zeit stammt wohl meine Babor Jacken Phobie), fand ich plötzlich gefallen an den Hippies und ihrer Musik. Sandy Denny hat mich mit ihrer wahnsinnig traurigen Stimme fasziniert und auch der tiefmelancholische Nick Drake. Aber das waren eben klassische Vertreter des Genres, nun brauchte es neue Identifikationspersonen. Die fand ich in Elliott Smith, dessen posthum erschienenes Album From A Basement On The Hill ich rauf und runter hörte und eben Bright Eyes mit seinem genialen Doppelschlag I'm Wide Awake, It's Morning und Digital Ash In A Digital Urn. Die beiden Scheiben halfen mir wirklich aus einer schweren persönlichen und gesundheitlichen Krise heraus, waren Licht am Ende des Tunnels. Was gab es da nicht für Hits drauf! Lua, We Are Nowhere And It's Now, First Day Of My Life, Take It Easy (Love Nothing), Easy/Lucky/Free, göttlich. Die weinerliche Stimme, aber auch das feine Händchen für packende Melodien von Conor hatten es mir total angetan. Der riesige Hype in deutschen Musikmagazinen störte mich nicht weiter, er war eben auch gerechtfertigt. 2005 dann mein erstes Liveerlebnis, das ebenfalls sehr positiv ausfiel. Beim Festival im französischen Belfort folgte gleich Konzert Nummer zwei und erneute Begeisterung.

 

In der Folge sah ich Conor noch mehrfach und erlebte nie ein schlechtes Konzert. Allerdings fiel immer stärker auf, daß er zuviel trank und deshalb zu gewissen Formschwankungen neigte. Jedes Jahr verebbte die Euphorie von 2004/2005 ein wenig mehr und auch die folgenden Alben rissen, wenngleich sie alle sehr odentlich ausfielen, mich nicht mehr ganz so vom Hocker wie damals.

2011 dann das letzte Konzert von Bright Eyes, das mir in guter, aber nicht absolut euphorischer Erinnerung geblieben ist.  

Tja und dann haut Conor, nun unter seinem eigenen Namen startend (und auch ohne die Mystic Valley Band), so einen gewaltigen Hammer raus! Ich kam zwar viel zu spät im Café de la Danse an, war aber augenblicklich elektrisiert. Da war Schwung drin! Da war Feuer drin! Die Melodien sprudelten nur so heraus und Conor sang ganz ausgezeichnet und voller Inbrunst. Wahnsinnig beherzt griff er in die Saiten seiner Akustischen, hatte auch gute Musiker mit auf der Bühne, die ihn hervorragend unterstützten. At The Bottom Of Everything war ein Knaller!

Zu blöd jedoch, daß ich schon Perlen wie First Day und Lenders In The Temple verpasst hatte, aber ich konnte ja auch nichts dafür, daß sie hier schon mit dem Hauptact um 20 Uhr 20 begonnen hatten. 


Zum Trost sah die Blondine neben mir scharf aus. Hatte mich irgendwie schon immer gewundert, daß Conor so eine Anziehungskraft auf die Mädchen ausübt, aber irgendwas an ihm muss die Frauen heiß machen. Seine viel zu lang gewordenen Haare sind es sicherlich nicht. Wahrscheinlich eher die Augen, seinem treuen Dackelblick kann man einfach nur schwer widerstehen. Sei's drum, wenn der Frauenanteil den Männeranteil bei Konzerten übersteigt, ist mir das immer genehm.


Kurze Zeit später wurde bei Lua auch der Frauenanteil auf der Bühne erhöht. Die Geigerin Simi Stone war alles andere als eine Quotenfrau, wenngleich mir ihre Stimme nur recht gut (Note 2-), aber nicht überragend gut gefiel. Die Blondine von den Mynabirds, die auf der letzten Tour von Bright Eyes Keyboard gespielt hatte, wäre mir gesanglich lieber gewesen, aber eine tolle Ausstrahlung hatte sie, diese Simi. Conor immer fest im Blick, zwitscherte sie solo einige Zeilen von Lua und später auch noch bei ein paar anderen Liedern mit. Die Luft brannte zwischen den beiden, wenn man das mal so flach ausdrücken darf.


Noch ein wenig später stieß dann auch bei Make War Simon Felice, der in meiner Abwesenheit das Vorprogramm bestritten hatte, mit hinzu. Ein cooler Typ, der sich auch für unwiderstehlich hielt, mit seinem herben Cowboy Gesang aber auch unter Beweis stellte, daß er ein Guter ist. Ohnehin seltsam, daß seine in den US of A so hochgelobte Band The Felice Brothers nie in Paris aufgetreten ist.


 


Aber zurück zu Conor. Der erzähte von den Freuden des Elternwerdens, obwohl er diese Erfahrung nie selbst gemacht hat und trug auch einen Song zu diesem Thema vor, You Are Your Mothers Child. Ein einfühlsames, sehr reduziertes Stück, das aber nicht mein absoluter Liebling im Set war. Das waren eher Shell Games- ("here it comes that heavy love"), natürlich Lua mit dem entzückenden Violinenspiel von Simi, die mitreißende Mitsingnummer Laura Laurent und das sphärische An Attempt To Tip, das fast ein wenig postrockig und nur wenig folkig klang. Conor ist eben auf keine bestimmten Stil festgelegt und bekannte auch, daß er Folkmusik bis zu seinem 20 Lebensjahr für doof ("stupid") gehalten habe, fügte jedoch trocken hinzu: "well, there is some good stuff." Dann grinste er und schmetterte mit Simi und Simon Felice ("two lovely creatures" wie er die beiden immer nannte) Make War, bevor mit Waste Of Paint dann leider Schluss war und ein ganz herausragendes Konzert beendet wurde.






 
Conor ließ sich später noch oben an der Bar blicken, unterhielt sich ganz relaxt mit den Fans, nahm die Leute (nicht nur die Frauen, auch mich!) in den Arm und ließ sich bereitwillig abknipsen.

Mit einem super Gefühl im Bach machte ich mich dann auf den Weg zur Metro und pfiff Lua vor mich hin: "Cause what is so simple in the moonlight by the morning never is"...

Setlist Conor Oberst, Café de la Danse, Paris:

01: The Big Picture
02: First Day Of My Life
03: Arienette
04: Cape Canaveral
05: Going For The Gold
06: Lenders In The Temple
07: Classic Cars
08: Ladder Song
09: Night At Lake Unknown
10: At The Bottom Of Everything
11: White Shoes
12: You Are Your Mother's Cild
13: Shell Games
14: Lua
15: Map Of The World (Monsters Of Folk)
16: Laura Laurent
17: Breezy

18: An Attempt To Tip
19: Make War
20: Waste Of Paint



Samstag, 15. Dezember 2012

Efterklang, Paris, 13.12.12

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Konzert: Efterklang (& Dokumentarfilm: An Island & Neeskens)
Ort: Le Café de la Danse
Datum: 13.12.2012
Zuschauer: ausverkauft





Ein interessantes Phänomen. Wer die Dänen Efterklang zum ersten Mal in seinem Leben live gesehen hat, äußert in der Regel hinterher sofort euphorisch: "tollstes Konzert meines Lebens, absolut grandiose Band!"



Erging mir ganz genauso, als ich die Formation um Sänger Casper Clausen im April 2008 zum ersten Mal live im Point Ephémère erleben durfte (Archivfoto davon oben). Ich schwärmte in den höchsten Tönen und lag meinem Bloggerfreund Christoph ständig mit Efterklang in den Ohren. Ich brauchte einfach Leute, mit denen ich meine Euphorie teilen konnte. In dieser Zeit habe ich mir dann nicht nur das Album Parades, sondern auch alte, ziemlich elektronisch gelagerte Werke wie Tripper und Springer gekauft und immer wieder auf meinem i-pod gehört. Später legte ich mir dann auch noch die spezielle Parades DVD zu, mit der Performance des Werkes durch The Danish National Chamber Orchestra live in der Concert Hall zu Kopenhagen.




Seltsamerweise verflachte mit dem Album Magic Chairs mein Interesse ein wenig, obwohl vor allem mit der Single The Modern Drift deutlich mehr Leute auf Efterklang aufmerksam wurden. Nörgler und kritische Altfans empfanden Magic Chairs als den ersten großen Schritt Richtung Mainstream und in der Tat war das Werk eingängiger, konventioneller und weniger facettenreich als die alten Sachen. Von einem flachen Popalbum für die Charts würde ich aber denoch auf keinen Fall sprechen wollen. 


Seit 2012 gibt es nun das neue Machwerk Piramida, das ich vor dem heutigen Konzert noch nicht gehört hatte. Ich wollte mich überraschen lassen, sehen wie die neuen Songs auf mich wirken. Lieder, die die Livefeuertaufe bestehen, können schließlich nicht schlecht sein.

Ich war aber wieder einmal spät dran. Erst als schon zwei Lieder gespielt waren, erschien ich abgehetzt im ausverkauften und knackig vollen Café de la Danse. Ich war zuvor noch bei einem Showcase der Französin Marie-Flore gewesen, daher konnte ich auch weder an Island, den Dokumentarfilm von Vincent "La Blogothèque" Moon, noch Neeskens sehen, den man zuvor auf das Publikum gehetzt hatte.




Die Pariser Zuschauer hatten sich unterdessen schon gut warm gelaufen. Zwar herrschte während der Lieder Stille und es wurde sich auch nicht viel bewegt, der Applaus hinterher war aber über alle Maßen euphorisch. Teilweise wurde so lange geklatscht, daß die Band selbst darüber schmunzeln musste. Ich hingegen brauchte noch eine Weile, um stimmungsmäßig reinzukommen. Hatte mir Marie-Flore zuvor noch karge, aber bildschöne Folksongs vorgesetzt, bekam ich es hier fast mit orchestraler Opulenz zu tun. 




Ich sichtete zunächst die Akteure des heutigen Abends. Bandleader Casper und Bassist Rasmus kannte ich natürlich schon, die waren schon bei meinem vorigen vier Efterklang-Konzerten dabei und gehören zur Stammtruppe. Peter Broderick wiederum hatte im Point Ephémère und in der Maroquinere 2009 performt, nicht aber im Nouveau Casino 2010 und beim Haldern Pop 2010. Außerdem spielte er nicht wie früher Geige, sondern E-Gitarre, was das Soundbild der gesamten Band merklich änderte. Der Drummer war neu und hat den altgedienten Thomas Husmer abgelöst. Ich sah ihn kaum, er war meistens verdeckt. Auch der lockenköpfige Keyboarder Mads Brauer agierte in meinem "toten Winkel". 


Immer gut sichtbar und omnipräsent allerdings die sehr hübsche Sängerin Katinka Fogh Vindelev, die ich vorher noch nicht kannte. Auf der Position der Sängerin gibt es seit Jahren ein Bäumchen-wechsel-dich-Spiel, beim ersten Mal erlebte ich Anna Brönsted Archivfoto oben), die inzwischen mit dem Projekt Our Broken Garden eine Solokarriere betreibt, später dann eine Blondine, deren Namen mir entfallen ist, 2010 die bezaubernde Heather Woods Broderick, die aber 2012 meistens mit Sharon van Etten unterwegs war und nun die brünette Katinka. 


Ihr hübsches Lächeln versüßte mir den Abend und später sah ich auch, daß sie eine ziemlich heiße Strumpfhose trug. Sehr auffällig ihre Stimme. Waren vorher eher elfenhafte Sirenstimmchen bei Efterklang angesagt, hatte man es hier mit einer klassisch ausgebildeten Opern- Sängerin zu tun, die mit einer imposanten Sopran Stimme auftrumpfen konnte. Das mochten viele, wurde aber auch von ein paar Zuschauern hinter als unpassend kritisiert.




Mir selbst blieb vor allem ihre Spielfreude, ihre wunderbare Bühnenpräsenz und ihre starke Ausstrahlung im Gedächtnis haften, vor allem mit Peter Broderick schien sie ab und zu regelrecht zu flirten. (Läuft das was, Peter, läuft da was?).




Hinsichtlich der Tracklist ging es recht munter quer durch die Diskografie. Natürlich überwogen die Tracks von Piramida, aber es  gab auch Stücke von Magic Chairs, Parades und Tripper. Auffällig, wenngleich ein häufig anzutreffendes Phänomen, daß die alten Sachen neu arrangiert und auf das neue Werk zugeschnitten wurden. Von Bläsern und Streichern wie damals gab es keine Spur, vor allem bei Frida Found A Friend in der Mitte wurde das überdeutlich.

Vieleicht fehlte mir das ein wenig, denn irgendwie bin ich immer wieder bei Parades und seinen Hörnern und Trompeten  hängengeblieben.


Aber was ist jetzt von einem neuen Stück wie z. B. Black Summer, das an sechster Stelle kam, zu halten? War das nicht etwas zahnlos bei aller verträumten Schönheit? Schwer zu sagen, ich brauche sicherlich noch Zeit, um mich in das aktuelle Album einzuarbeiten. Gerade ein Stück wie das recht elektronische Between The Walls schien mir ein ziemlicher Kracher zu sein, der mit vielen überraschenden Wendungen und etlichen kleinen Details aufwartete. Auch Monument hat bestimmt Potential.


An Platz zehn und elf der Setlist kamen dann aber zwei Nummern, die vom Publikum noch deutlich enthusiastischer aufgenommen wurden. Raincoats mit seinen kurzen abgehackten Gitarrenriffs, seinen Trommeln und den mehrstimmigen Chören räumte schon ziemlich gut ab, Modern Drift allerdings toppte mit seinem eingängigen Refrain das Ganze  noch einmal deutlich.





Das Publikum johlte jetzt, war so richtig schön in Fahrt gekommen. Logisch also, daß sich Efterklang mit Modern Drift sich nicht einfach so für immer davonstehlen konnten. Sie kamen also noch einmal wieder, performten The Ghost und meinen alten Parades Liebling Cutting Ice To Snow, bevor es wirklich zu Ende zu sein schien. Die Band hatte sich bereits mehrfach verneigt, gewunken und Kusshände verteilt, die geschriebene Setlist wies kein einziges Lieder mehr aus. Aber dennoch ging es noch einmal weiter! Mit Alike, das die Band am Bühnenrand und mit Tuchfühlung zum Publikum spielte, wurde der Triumpfzug dann vollendet. Alle Hände gingen in die Luft, jeder war von seinen Sitzen aufgesprungen und minutenlanger Applaus ging hernieder. Bekannte und Freunde von mir kamen mit breitem Lächeln auf mich zugelaufen, riefen voller Übermut aus: "Mann, war das großartig sensationell, orgasmisch" und sahen mich fast etwas schief an, als ich recht nüchtern und ohne große Regung konstatierte: "ja, sie waren toll wie immer."




In der Tat hatte auch ich ein ausgezeichnetes Konzert erlebt, hatte aber trotzdem nicht dieses absolut euphorische Gefühl wie damals. Die Messlatte wurde seit 2008 einfach so hoch gesetzt, daß Efterklang da nicht mehr drüberspringen können. Hervorragende Konzerte von ihnen sind da nur noch normal und werden von mir ohne Jubelschrei quittiert.


Nachdem ich nun eine Nacht darüber geschlafen habe, muss ich allerdings doch den Euphorikern recht geben. Das war schon etwas ganz Besonderes! Das empfand auch die Band so, bei Twitter ließen sie das wissen:

"Best Night In Paris Ever Ever Ever Ever-much love!! merci!!"

Setlist Efterklang, Café de la Danse, Paris

01: Hollow Mountain
02: I Was Playing Drums
03: Step Aside
04: Sedna
05: Frida Found A Friend
06: Black Summer
07: Between The Walls
08: Dreams Today
09: Monument
10: Raincoats
11: The Modern Drift

12: The Ghost
13: Cutting Ice To Snow




 

Konzerttagebuch © 2010

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