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Donnerstag, 30. Oktober 2025

Left of the Dial Festival - Rotterdam - 23.10.-25.10.2025

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Konzert: Left of the Dial Festival
Ort: Innenstadt Rotterdam
Datum: 23.10.-25.10.2025
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ausverkauft


Die Wetterprognose für das Wochenende versprach stürmische und regnerische Tage und sie sollte recht behalten. Schon auf dem Weg zwischen den Locations wurde man ordentlich durchgepustet, und so gehörte das frieren im Nieselregen fast genauso zum Festivalerlebnis wie die Musik selbst. Doch irgendwie passte das: Der Wind, die dunklen Wolken, das hektische Lichtermeer der Stadt, all das verlieh dem Left of the Dial 2025 eine ganz eigene Energie. 

Das Left of the dial Festival wächst langsam aber stetig. Dieses Jahr waren es nochmal mehr Spielstätten und Konzerte, viel mehr. Schwerpunkt liegt auf Newcomern aus UK und Irland. Einen deutschen Act suchte man im Line-Up vergeblich. 


Der Festivalauftakt am Donnerstag begann mit No Joy im Theater De Doelen Up. Die Kanadier waren ein perfekter Start: dichte Gitarrenwände, schwebender Gesang und ein Sound, der sofort klarmachte, worum es an diesem Wochenende gehen würde. Um das Eintauchen in neue Klangwelten. No Joy schafften es, das Publikum in eine melancholische, aber zugleich euphorische Stimmung zu versetzen. Ein Auftakt, wie man ihn sich nur wünschen kann. 


Den nächsten schönen Moment gab es mit Green Gardens. Warmes Schlagzeug, schöne Melodien, weicher Indie-Rock, der sich anfühlte wie eine Umarmung nach einem langen, kalten Tag. Ihr Set war unaufgeregt, ehrlich und voller Gefühl. Zwischen all den lauten, kantigen Bands war das ein wohltuender Ruhepunkt. Fast so, als würde jemand kurz die Tür zum Sturm schließen und sagen: Bleib doch noch ein bisschen hier. 


Danach ging es weiter durch die Stadt. Vom eleganten Theater wo DBA! aus Liverpool einem ordentlich einheizten bis in kleinere Clubs, wie das Cube, wo man PollyfromtheDirt lauschte. Überall Menschen mit Festivalbändchen, tropfnassen Jacken und leuchtenden Augen. 

Freitag – Entdeckungen zwischen Windstille und Wohlklang. Am Freitag hatten Wind und Regen deutlich nachgelassen. Nach Sturmtief Benjamin am Donnerstag fühlte sich die Stadt fast schwerelos an. Über Rotterdam lag eine ruhige, gespannte Festivalenergie. Man konnte endlich ohne Jacke von venue zu venue ziehen und sich ganz auf die Musik konzentrieren. 


Eines der Highlights am Freitag war die US-Amerikanerin Prewn. Eine klare Stimme, zerbrechlich und doch kraftvoll, jeder Song hatte Gewicht. Ihre Musik war melodisch, leicht und schwer zugleich, voller schöner Gegensätze. Zwischen den Songs zeigte sie sich sympathisch, witzig und nahbar. Prewn hat dieses seltene Talent, das Publikum zum Lächeln und gleichzeitig fast zum Weinen zu bringen. 

Später in der Paradijskerk spielten DUG, die mit ihrer fesselnd freundlichen und optimistischen Stimmung im feinsten Americana-Folk das Publikum verzauberten. Ihre Songs waren warm, erzählerisch und voller Charme und für einen Moment verwandelte sich die alte Kirche gefühlt in einen kleinen Pub irgendwo in den Hügeln Irlands. Es war einer dieser Auftritte, die keine großen Effekte brauchen, nur Ehrlichkeit und Herz. 


Samstag – Durchgefeiert bis zum letzten Akkord. Der Samstag fühlte sich an wie das große Finale einer intensiven Reise. Die Tageskonzerte des „Official Unofficial“-Programms lockten bereits am Nachmittag viele in kleine Bars und Cafés, wo es bereits tolle Bands wie Pebbledash zu sehen gab. Präsentiert, wie zwei weitere Bands, von unseren Freunden des Misty Fields Festival.

Auch die Band Ain´t ist ein Traum für alle, die den 90er-Gitarrensound lieben. Wunderschön melodisch, mit schnellem, treibendem Bass und einer großartigen Sängerin, deren Stimme zwischen Kraft und Melancholie pendelte. Den Tag über ging es weiter von Bühne zu Bühne, immer wieder neue Überraschungen, neue Sounds, neue Begegnungen. 


Am Abend erreichte das Festival seinen Höhepunkt. Basht. (mit Punkt) spielten ein beeindruckendes Abschluss-Set, das noch einmal zeigte, warum Left of the Dial kein gewöhnliches Festival ist: Es geht hier nicht um große Namen, sondern um das Gefühl, Teil von etwas Echtem und Unvorhersehbarem zu sein. 

Einen tollen Moment wollen wir nicht vergessen: Zac Lawrence, ansonsten oberkörperfreier Sänger der Band Deadletter präsentierte in der Kirche sein wirklich gelungenes Solo-Album "Beware of Pity". (Hörtipp)   
 
Natürlich haben wir noch viel mehr gute Acts gesehen. Diese stellen wir euch in den nächsten Tagen immer noch in einzelnen Insta-Posts vor.


Left of the Dial war Laut, nass und echt. Man kommt, um neue Bands zu entdecken, und geht mit einem halben Dutzend Lieblings-Acts im Kopf wieder zurück nach Hause. Man läuft durch Regen und Wind, verliert sich in unbekannten Straßen und findet genau dort den Soundtrack, den man nie gesucht, aber dringend gebraucht hat. 

Rotterdam hat an diesem Wochenende wieder einmal gezeigt, dass Musik nicht glatt und bequem sein muss. Sie darf weh tun, nass machen und überraschen. Und genau das war Left of the Dial 2025: laut, ungeschliffen und absolut großartig.

Der VVK für 2026  hat bereits begonnen: TIX 2026: 


Dienstag, 22. Oktober 2024

left of the dial Festival - Rotterdam - 17.-19.10.2024

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Konzert: "left of the dial" Festival
Ort: Rotterdam - div. Locations 
Datum: 17.-19.10.2024
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ausverkauft



Schon im letzten Jahr stand dieses rasant wachsende Showcase-Festival auf unserer "to do" Liste. Einige Viren hatten leider etwas dagegen. 130 Acts auf 22 Bühnen, verteilt über die Innenstadt von Rotterdam. Ein Moloch von Programm, bei dem die Playlist alleine 14 Stunden in Anspruch nimmt.

Interessanterweise besteht hier das Line-Up aus unzähligen UK-Acts, die z.B. beim Reeperbahn Festival vor einem Monat fast gar nicht anzutreffen waren. Auch sind die Genre hier enger gefasst. Post-Punk, Indie und ein paar wenige Ausreißer in Richtung Pop, Folk und Punk. 


Umso besser, aber auch anstrengender ist daher die Planung mit der Festival eigenen App. Zwar sind alle Clubs in Gehweite, thematisch gibt es aber keine weitere Zuordnung. Ansonsten ist aber alles ganz liebevoll und organisatorisch perfekt gestaltet. 


Die Läden hören auf so tolle Namen wie Worm, Roodkapje oder Tiki`s. Drei  wunderschöne Kirchen werden bespielt. Dazu die bekannten und ehrwürdigen Clubs:  Perron und Rotown. 


Das Rahmenprogramm bietet einen Moshpit Lehrgang (auch in einer Kirche), Merch fast aller Bands zum Selberdrucken und Kinofilme am Mittag. Extra-Tickets gibt für vier Hafenrundfahrten in Booten mit je zwei Bands. Die Innenstadt präsentiert darüber hinaus noch einige Bands gratis und ohne Eintritt. 


Fast alle Bands treten mehrmals am Wochenende auf, so dass sich der Zeitdruck etwas entspannt. Irgendwann muss man dann ja auch nochmal etwas Essen und Schlafen. Ich kann diese Innenstadt Festivals nur immer wieder empfehlen. Man sieht trotzdem immer noch genug von der Stadt und entdeckt Ecken, die einem ein normaler Städte Tripp definitiv vorenthalten hätte. 

Bands auf ihren ersten Live-Schritten zu sehen macht einfach Freude. Viele werden den Sprung auf andere Festivals in 2025 schaffen. Musikalisch gab es folgende Bands zu beachten:


Deary konnte man bereits als Support von Slowdive in diesem Jahr erleben. Hier spielen sie am Nachmittag ihren ruhigen Mix aus Shoegaze und Indiepop. Pamphlets aus New York ziehen dann das Tempo schon etwas an. Klassischer Indie-Rock mit amerikanischem 90er Einschlag. 

Als einer der Gewinner des Wochenendes können dann Human Intrest punkten. Auf dem gleichen Label wie Sports Team und Englisch Teacher (Nice Swan) spielen sie tolle Songs mit Harmoniegesang und einen Sound zwischen Arcade Fire und T. Rex. Tipp. 


Eine der wenigen Bands, die schon vorher etwas Aufmerksamkeit bekamen, waren Dog Race. Ich konnte den Hype aus Haldern hier nicht nachvollziehen. Der Gesang ist sehr gewöhnungsbedürftig, irgendwo zwischen Highlands und Exorzist. Eine Coverversion von Joan Baez bleibt unverstanden. Trotzdem hat die Bands zwei echte Hits im Gepäck und wird ihren Weg machen. 

Viel mehr Spaß machten mir da schon zwei Bands aus dem BCNR Umfeld. Sowohl ladylike als auch Ugly sah ich in der Kirche und beide waren hervorragend. Introvertierte Pop-Perlen, meist jenseits der fünf Minutengrenze. Himmlisch. Danach noch zur Aftershow-Abriss Party ins Rotown. So schön können Herbst-Festivals sein. 


Eine besondere Erwähnung gibt es dann noch für Meryl Streek. Zunächst nur mit einer Taschenlampe beleuchtet betritt er die Bühne und startet einen Rant gegen Kirche und Staat, der Mike Skinner wie einen wortkargen Anfänger klingen lässt. In Dublin scheint sich einiges angestaut zu haben. Miete, Missbrauch und Mafia bieten genug Themen für einen explosiven Auftritt. Unbedingt reinhören. 

Und so verfliegen die Stunden, Tage und dann ist es auch schon wieder vorbei. "Left of the dial" beweist, wie ein perfektes Indoor-Festival funktioniert und wenn man in die lachenden Gesichter der unzähligen Musiker blickt, die ihre Instrumente durch die Gassen tragen, scheinen sie es genauso zu genießen.  

3 Fotos: Tineke Klamer    



Donnerstag, 13. Juli 2023

BBK Live - Festival Bilbao

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Konzert: BBK-Bilbao Festival
Ort: Bilabo
Datum: 06.07.-08.07.2023
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: 40.000/Tag




Der Blick über den Tellerrand ist ja meistens spannend und bringt neue Sichtweisen und Erkenntnisse. Festivals außerhalb meines normalen Aktionsradius zu besuchen, war selten notwendig. Die Niederlande und einige schöne Festivals in Deutschland boten bisher alle erdenklichen Bands im Wandel der Zeit. 

Dieses Jahr ist es etwas anders. Große Headliner spielen überhaupt nicht in Deutschland und auch die Festivals in den Nachbarländern sind sowohl in der Höhe als auch in der Breite nicht so prominent besetzt, wie in der Vergangenheit. 


Dazu gesellt sich der „Coachella-Effekt“. Die Musik tritt zugunsten des Event-Charakters etwas mehr in den Hintergrund. Da las sich das Line-Up des BBK-Live in Bilbao wie ein „Best of“ des vergangenen Jahrzehnts. Also wurde kurzfristig beschlossen, dem Baskenland eine Chance zu geben. Festivals in Spanien und Portugal sind fast ausschließlich Stadt-Festivals. 

Selten bis nie gibt es, wie hierzulande, große Campingwiesen. Hier fährt/geht man zur blauen Stunde auf das Gelände und feiert dann bis spät in die Nacht. Mit Live-Bands und weniger mit DJs. Das BBK-Live macht da keine Ausnahme, außer dass es nun mal überhaupt nicht in der Stadt, sondern auf einem angrenzenden Berg stattfindet. 


Was logistisch wie ein Irrsinn anmutet, macht das Gelände beim Betreten sofort wieder wett. Die offenen Bühnen, durch die hindurch man die Felsformationen und Bäume betrachten kann, sind eine Augenweide. Dazu versteckte Dancefloors im Wald und eine Anhöhe an der Hauptbühne, von der man auch Konzerte im Sitzen verfolgen kann, bilden einen echten Mehrwert zu verstaubten Speedwaybahnen, auf denen in Deutschland immer noch Festivals stattfinden. 


Der Mix aus den besten Newcomern der letzten Jahre wie Dry Cleaning, Idles, Fever Ray und Young Fathers, kombiniert mit gestandenen Acts wie Roisin Murphy, Phoenix und Pavement und dazu die großen Namen von Florence and the Machine, The Chemical Brothers und den Arctic Monkeys. 

Es gab also mehr als genug zu sehen und zu hören. Besonderes Highlight für mich waren zwei Bands, die ich seit Jahren nicht mehr auf dem Zettel hatte. Röyskopp und Leftfield spielten zu später Stunde noch zum Tanz auf.

Ein rundum gelungenes Wochenende, bei fast perfekter Organisation und viel Zeit, am Tag noch die Stadt zu erkunden. Vergleichbare Festivals gibt es diesen Sommer noch in Lissabon Meo Kalorama (exklusiv mit Blur und Arcade Fire) und Madrid , sowie nahe Malaga. Klare Empfehlung.


Montag, 5. August 2019

Heimspiel Knyphausen Festival, Eltville, 26.-28.07.19

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Konzert: Heimspiel Knyphausen Festival
Ort: Eltville/Rhein
Datum: 26.07.-28.07.2019
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ca. 2.000 ausverkauft



Die Nachlese zum Heimspiel Knyphausen 2019:  Bekanntermaßen flippe ich nicht gerade vor Freude aus, wenn es heißen würde: „...willst du mich auf einem 80.000er Festival vertreten?“ Von "Roskilde" oder auch dem "Sziget" mal abgesehen. Aber wenn die Frage kommt: "Hättest du Lust und Zeit zum Heimspiel nach Eltville zu fahren ?", dann geht mir schon das Herz auf. 

Mein inneres musikalisches Kind jubelte sehr. Bedeutet es doch, eines der sympathischsten, kleinen Genießerfestivals zu besuchen, die Deutschland zu bieten hat. Einerseits so groß, dass namhafte Künstler vors Ohr kommen, aber doch so klein und fein, dass sich Neues und Interessantes entdecken lässt.



Das Ganze zu einem fairem Preis und mit einem absoluten "Genußrahmen" versehen, wie es sich sonst nur noch beim "Kaltern Pop Festival" finden lässt. Ach ja, und im Oktober 2018 bereits innerhalb von 36 Stunden ausverkauft zu sein, könnte ja auch ein Qualitätsmerkmal sein.

Das Festival blickt auf eine noch junge Tradition zurück. Es begann mit Solokonzerten des deutschen Singers Gisbert zu Knyphausen, der auf dem Hof aufgewachsen ist, der jetzt das Festivalgelände darstellt.

Draiser Hof,  auf der Grenze zwischen Eltville und Erbach im Rheingau, erster Wirtschaftshof des Zisterzienserklosters Eberbach, und heute Sitz des Weingutes Baron Knyphausen. Jährlich kehrt Gisbert zu Knyphausen in den Rheingau zurück und begeistert dann mit seiner Musik und seiner Musikauswahl. 



Es entstand der Wunsch auch befreundete Bands und Solokünstler einzuladen. Damit war das Heimspiel zu Knyphausen geboren. Im Jahr 2014 wurde aus der eintägigen Veranstaltung erstmals ein ganzes Festivalwochenende. Der Draiser Hof wurde um eine bedeutende Tradition reicher. In den vergangenen Jahren hat sich das "Heimspiel Knyphausen" einen exzellenten Ruf als Musikfestival erworben und zieht seither Jahr für Jahr Musikfans aus dem ganzen Bundesgebiet auf das wunderschöne Weingut am Rhein. 

Eine charmante Familie und ein sehr nettes Team verwandeln den Familiensitz in eine kleine Oase ohne den üblichen Festivaltrubel. Gerade in den vergangenen Jahren hat sich mit dem erweiterten Line up (u.a. waren Element Of Crime, Kettcar, Olli Schulz, Sophie Hunger, Kante und die irischen Villagers zu Gast), der Kreis der Fans dieses Festivals auch musikalisch stark erweitert. 

In diesem Jahr präsentierten die Heimspiel-Organisatoren um Gisbert ein spannendes Line Up. Das Ganze wurde flankiert: zum Beispiel mit Pre-Festival Dinner oder auch Lunch, einer maritim musikalischer Bootsfahrt, oder der exklusiver Frühstückstüte. 

Dazu beste Weine und einfach ein gewisser Chic. Apropos: beste Weine - als Biertrinker musst du dich auf diesem Festival schon umstellen, sprich: es gibt nur Wein. 



Freundlich begrüßt wird man am Eingang mit dem obligatorischen, ersten von drei Tagesgläsern. Und wo Menschen zusammenkommen ist auch Gelegenheit Gutes zu tun. Was für die einen "Sea Watch" oder "Viva von Aqua" ist, ist für das Heimspiel die lokale "Philipp-Kraft-Stiftung".

Ziel war die Sammlung von 1000€ für den Jugendpark der Kulturen. Der JuPaKu bietet einen Begegnungsort für junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, mit und vlt. (noch) ohne Heimat. Vorbehalte abbauen und um Verständnis und Vertrauen aufzubauen. 

Eine sinnvolle und tolle Aktion. Weitere Infos unter www.philip-kraft-stiftung.de Eine entspannte Eröffnung durch Gisbert, den Bruder und den Vater, der noch ein wenig Historie zum Draiser Hof besteuert und dann ging es auch schon los mit Ilgen-Nur.

Der Sound der Hamburger war anfänglich noch ein wenig schwach auf der Brust. Der präsentierte Indie-Pop wirke etwas gefällig, jedoch gebührt der ersten Band des Festivals bei weit, weit über 30‘ dann doch aller Respekt. Zumal alles entspannt und freundlich ablief.



Danach folgten die Damen von Gurr. Das Grungepostpunkkollektiv (oder kennt jemand tatsächlich Slacker-Pop?) zündet den ersten Turbo. Als Intro wurden Nirvana Tribut gezollt und die Besucher wurden freundlich aber bestimmt von ihren Picknickdecken gebeten und los ging’s. Überhaupt , die Picknickdecken. Diese gehören wohl zum Heimspiel wie ein Schwarm Mücken zu einem stehenden Gewässer - So will es das Gesetz! 



Was in früheren Jahren sicherlich gut funktioniert hat, kommt so langsam aber sicher an die Grenze des Belastbaren. Denn sofern man nicht ganz stumpf die Decken quert, muss man schon genau hinsehen, wohin man hier tritt. Der Einladung zum Crowdsurfen an Gisbert und den ein oder anderen Mutigen aus dem ersten Reihen folgten pogende Eltern, deren Kinder Hunger hatten, und diese öffentlich ausgerufen ließen. Was für ein Spaß! 

Das gesamte Set wechselte zwischen eigenen Stücken und den zum Teil genial interpretierten Covern, z.B. Fettes Brot mit ihrem „Jein!“ Es machte eine Unmenge Spaß und zum Ende wurden dann nochmal Ilgen-Nur auf die Bühne gerufen. Die Vorfreude wächst auf das Haldern Pop Festival. Gurr werden dort die HaldernPopBar abbauen.



Tocotronic. Einer der Gründe, warum ich an diesem heißesten Wochenende überhaupt das Wohnmobil bewegt habe, überzeugen restlos. Weit über 20 Jahre Bühnenerfahrung und unzählige herausragende Songs begeistern hier spielend die versammelten Musikenthusiasten. 



Und das ist dann auch die Zeit, zu der die Generationen zusammenrücken, die Weingläser klingen lassen und den Abend gemeinsam "electroguitarmässig" erklingen lassen. Was du auch machst - mach es nicht selbst! 

Kein wirkliches Motto für diesen Abend, aber dennoch genial einfach getextet und wie gemacht für ein Festival, das alle mit Gisbert zu Knyphausen verbinden, aber alles läuft nur, weil viele tolle Menschen sich so sehr engagieren.

Nullmillimeter als Opener und Orientierung für den Samstag, Tag 2. Teilweise langjährige Freunde und Weggefährten Gisberts finden sich zu einem neuen Bandprojekt zusammen und zelebrieren Texte über die Liebe und das Leben. Herausragend liebevoll und treffend. Tja, und wer’s nicht hören mag - „...Stell dich in die Ecke und heul doch!...“ Alleine der Name ist schon genial - Theodor Shitstorm. 

Imposanter Auftritt des Duetts mit tiefen, nicht nur eigenen, Texten. Es scheint zudem eine besondere Beziehung zu Reinhard May zu geben, dem Liedermacher aus, man höre: (West)Berlin. Immer wieder wird er bemüht. Dabei erscheint der Tiefgang der Texte mal verspielt, mal packend. Und nix für ungut, aber am Schlagzeug sitzt heute die beste Vertretung der Welt.

Sie hat sich anscheinend aushilfsweise eingearbeitet und spielt alles so sauber, dass es eine Freude ist. Am Ende entscheiden aber die Kinder. Oder eher die Kinderlieder. „...Ich habe keinen Hunger, ich habe keinen Durst - ich will einfach meine Extrawurst!...“ Wer weiß schon, dass diese Band auch Kinderlieder auf CD einspielt oder beim WDR an einem Kinderliedercontest mitgewirkt hat.

ClickClickDecker - schlichter, schön schnörkelloser Deutschsprech. Und seit Udo Lindenberg endlich auch mal wieder Kinder auf der Bühne. Es waren die Kinder des Drummers. Sehr schöne Hamburg-Berliner Kombination. Und der Geburtstag vom Bassmann wurde auch noch besungen. 

Another Sky - Vergleiche hinken ja bekanntlich, aber wer die Briten bisher noch nicht auf dem Zettel hatte und sich fragt, wo lassen sie sich einnorden,  muss dann zwangsläufig die Line zu London Grammar ziehen. Ein wunderbares Konzert mit ganz eigenem Charme und stimmlichem Zauber !

Es war das erste Deutschlandkonzert der vier Londoner*innen und es wird mit Sicherheit nicht das Letzte bleiben. (Auch beim Halder Pop noch zu bestaunen).



Genau wie Brandt Brauer Frick - die herausragenden Elektrospezialisten bilden den grandiosen Abschluss des heutigen Tages. Stimmungsvoll knallen die Beats über das Anwesen und bis in die letzte Reihe wird getanzt, gewippt oder zumindest technokratisch der Fuß bewegt. Der abendlich stimmungsvolle Gig war ein grandioser Tagedeckel. Der Tag geht zu Ende wie er begonnen hat - mit Schweiß und Regen auf der Stirn. 



Der Tag 3 beginnt in der Nacht wieder mit Regen. Es wird "ein Tag wie ein Schwein". Nur nochmal zur Erinnerung: Fortuna Ehrenfeld gehört nicht nur für mich zum Besten, was die deutschsprachigen Bühnen derzeit zu bieten haben. Die Knyphausens Matinee startet mit den Kölner Textpoeten und auch wenn ich mittlerweile schon einigen Konzerten lauschen durfte, ich werde dieser Musik wohl nicht so schnell überdrüssig. 

Während Jenny Thiele und Paul Leonard Weißer bereits am Samstag anreisten, bretterte Martin Bechler in der Nacht aus Hamburg heran. Alles kein Zuckerschlecken. Fortuna Ehrenfeld sehen sich ja selbst noch als sehr junges "Unternehmen" und das führt dann auch schonmal dazu, sich viel Stress anzutun. 

Das anschließende meet and greet dauert fast 1,5 Stunden und immer noch schweißnass gebadet verabschiedet sich Martin, nicht ohne ein Merci mit seinem Edding auf meinem Shirt zu hinterlassen. Ich werde es wohl nie wieder waschen.... ?!



Nils Frevert. Dem deutschen Singer/Songwriter gebührt der Abschluss eines insgesamt tollen Festivals. Doch zunächst fällt erst einmal der Strom aus. Die  Akkorde waren gespielt und dann Stille auf dem Platz. Wer in der ersten Reihe stand konnte zumindest noch ein improvisiertes Akustikset verfolgen. 



Nils Frevert versucht die Zeit irgendwie entspannt zu füllen, während im Hintergrund die Stromversorgung wieder hergestellt wird. Frevert textet und spielt sicherlich in der Tradition der Hamburger Schule, der nicht nur seine frühere Band Nationalgalerie angehörte, sondern auch der Headliner vom Freitagabend, Tocotronic. Klein ist die Welt, aber denke daran - du kannst nicht immer 17 sein. 



Mit zwei Kisten Knypausener Riesling unterm Arm ging es beseelt und doch auch ein wenig müde zurück auf die Autobahn. Das „bis nächstes Jahr!“ ging mir beim Verabschieden dann doch recht leicht über die Lippen....

Bericht und Fotos: Denis Schinner 


Mittwoch, 8. Mai 2019

Festivaltipp: Best Kept Secret Festival 2019

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Konzert: Best Kept Secret Festival 2019
Ort: Hilvarenbeek/Tilburg
Datum: 31.05.-02.06.2019
Dauer: 3 Tage



Das Best Kept Secret Festival bei Tilburg hat seit Jahren einen festen Platz in unserem Kalender. Der See, der Wald, das Essen, fast könnte man die Musik vergessen, so schön ist ein Kurztrip zu Hollands vielleicht bestem Festival nahe der Grenze. 

Mittlerweile gibt es beim BKS auch schon 7 Bühnen. Von Mittags bis spät in die Nacht bieten die Veranstalter ein handgebuchtes Line-Up jenseits aller Genregrenzen, das immer wieder begeistert. 



So variantenreiche Headliner wie Bon Iver (Freitag), Kraftwerk (Samstag) und Christine and the Queens (Sonntag) sind selten geworden. 

Wer da klare Favoriten hat, oder trotz der Möglichkeit in Bungalows des Ferienparks oder auf Glam-Campingplätzen zu übernachten lieber im eigenen Bett schläft, für den gibt es sogar Tagestickets (s.u.)

 

Diese Option ist aber eigentlich nicht zu empfehlen, jeder wird sich über die verpassten, kleineren Bands der anderen Tage ärgern, die er dann verpassen wird. 

Ein "Best.of" toller Live-Bands und Künstler geben sich das Mikro in die Hand:



Sehr selten zu erleben, und zur Zeit wieder in Topform: Spiritualized, Charlotte Gainsbourg und The Raconteurs. Dazu altbekannte Helden wie Interpol, Liz Phair, Kurt Vile und DJ Koze

Besonderes, mit dem Comeback von Stereolab, der betörenden Aldous Harding, rauhe Töne von Fat White Family, Kate Tempest und Primal Scream



Ein Knaller wird sicher der seltene Auftritt des Shootingstars Lizzo, die in den USA ja schon sämtliche Talkshowformate mit ihrer Livepower gesprengt hat. 

Weitere starke Frauen im Programm bildet der Block mit Cate le Bon, Julia Holter und Julien Baker. Klassischen Indierock bieten Stephan Malkmus, Lucy Dacus (TIPP) und die holl. Lewsberg (TIPP), sowie unser Tagebuchliebling des letzten Jahres: Snail Mail.



DJ St. Paul bekommt wieder seine eigen Spielwiese (Bühne), auf der er, wie jedes Jahr gelangweilte Musiker aus dem Backstage zu spontanen DJ-Sets fordert, eine geniale Idee. 



Für das diesjährige Festival gibt es noch Tickets und einige, wenige Bungalows sowie diverse Campingangebote. Habt Spaß bei unseren freundlichen Nachbarn und perfekten Gastgebern, den Niederländern.

Ticketlink Best Kept Secret

-komplettes Line-Up mit Timetable

Übernachten beim BKS

Fotos: BKS und Nathan Reinds


Montag, 22. Juni 2015

5. Melodica Festival vom 11.-12.07.15 in Berlin

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Endlich ist es bald wieder das weit: Das mittlerweile 5. Melodica-Festival lädt ein. Es ist nicht nur ein Festival bei dem nacheinander musiziert wird, sondern auch eine Begegnungsstätte für alle Musikinteressierten. 
Dieses Mal soll an den Erfolg der vergangenen Jahre erneut angeknüpft werden - immerhin hatte das Festival beim letzten Mal kamen über 1200 Besucher. Trotzdem hat dieses Festival seinen familiären Charme nicht eingebüsst. 
Zwei wunderschöne Tage mit insgesamt 14 nationalen und internationalen, bekannten und unbekannteren Künstlern erwarten uns - mitten im wunderschönen Friedrichshain. Los geht es jeden Tag ab 17 Uhr. Wir sehen uns!

Weitere Informationen:
http://melodicafestival.org/


Donnerstag, 18. September 2014

Sound of Bronkow, Tag 3, Dresden, 07.09.14

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Sound of Bronkow Music Festival 
Nachmittag von Tag 3 mit Konzerten von
  Peter J. Birch (35 min)
  Me and Oceans (45 min)
  The green apple Sea (65 min)
Ort: Societaetstheater Dresden
Datum: 7. September (3. Tag)
Zuschauer: knapp 300


Für den zweiten Tag im Garten - dem dritten Tag des Festivals - war die Wettervorhersage ähnlich gut wie für den Samstag. Um 13 Uhr begann das Programm bei strahlendem Sonnenschein vor recht gut gefüllten Bänken mit dem polnischen Liedermacher Peter J. Birch. Mit seiner warmen und tiefen Stimme nahm er das Publikum für sich ein.


Leider wurde es aber schon in diesem Set ziemlich grau im Süden und die Frage wurde laut, ob es sinnvoll ist, den Tag im Garten fort zu setzen. 

 
Noch hoffnungsvoller Blick nach Norden

Die einfachste Lösung war, das Set von Me and Oceans eher zu beginnen und zu hoffen, dass das Wetter noch lange genug hält. Dann könnte man auf eine störende Umbaupause ganz verzichten - für The green apple sea wurde derweilen im Saal aufgebaut.  Ich kannte ja die Musik und die Herren schon länger und besonders gut vom Wohnzimmerkonzert im Februar und ich hatte mich sehr darauf gefreut, noch einmal das Material vom aktuellstes Album The Bay (2013) zu hören, bevor das Projekt A forest wohl für eine Weile ganz in den Vordergrund treten würde. Außerdem würde es wohl auch schon kleine Kostproben vom Album Grace von A Forest geben, das dieser Tag in die Welt entlassen wird (und mit einer Tour dabei begleitet wird).


Für die meisten im Publikum würde es wohl eine erste Begegnung sein und ich fand es spannend, wie man sich auf die etwas spröde und schwer klassifizierbare Melancholie einlassen würde. Aber zum einen mit dem ehrlichen (und wie ich finde entwaffnenden) Charme und der musikalischen Qualität zusammen mit der textlichen Aufrichtigkeit war das Publikum in Null komma nichts auf der Seite von Arpen und Fabian. Das Set wurde enthusiastisch abgefeiert und es war eine Freude, das zu erleben.



Leider begann der Regen aber schon bald - erst moderat: ich dachte, das sitzen wir aus, dann aber doch zu heftig, um ganz ungeschützt zu bleiben. Das Publikum nahm dies aber nicht zum Anlass, um zu flüchten, sondern bewies Einfallsreichtum beim Schutz suchen und Härte im Nehmen. Einige fanden auf der Bühne Platz, einige unter dem Rand des Daches, unter den Zelten an den Ständen, unter Schirmen. Gefeiert wurde mit vollem Enthusiasmus. Es wurde - trotz Regen - eine Zugabe erbeten und mit Josephine war das vielleicht das allerallerschönste Stück in einem hervorragenden Konzert.

Setlist Me and Oceans:
01. When I was a Dancer
02. Carp
03. The Pond
04. Walking Home
05. How long
06. A ??
07. Polonaise Blankenese
08. A Quarter
09. Parcours (A forest)
10. The shepherd (A forest)


11. Josephine (Z)

Tourdaten von A Forest:
07.10. Dresden Thalia
08.10. Berlin Grüner Salon
09.10. Leipzig Täubchenthal
10.10. Kassel Schlachthof
11.10. Erfurt Franz Mehlhose
15.10. Chemnitz Weltecho
16.10. Jena Kassablanca
17.10. München Milla
22.10. Darmstadt Schlosskeller
24.10. Rostock Jaz
25.10. Hamburg Kleiner Donner



Im Saal würde es nun doch eingermaßen eng werden, wenn alle aus dem Garten mit umziehen würden. So war The green apple sea ein Stehkonzert, aber es wurde kein Drängelkonzert. Bei unserem ersten Treffen in Reutlingen im letzten Jahr hatte mir die Musik und das Livegebahren sehr gut gefallen und so hatte ich diesem Programmpunkt mit besonderer Vorfreude entgegengeblickt. Das erwies sich dann im Laufe des Konzertes als ganz berechtigt. Die Stimmung war bestens, die Geschichtchen wunderbar, die Musik erste Sahne. Einzige Frage, die leider offen blieb und damit Unzufriedenheit erzeugte: Wann gibt es ein neues Album?

Setlist The Green Apple Sea:
01. Farewell
02. December
03. Please slow down
04. Sleep! Now!
05. Nightmares
06. Northern Sky
07. Whale Watching
08. Satellite Wings
09. How else can we escape
10. El fin del mundo
11. One of a million

12. Roofops (Z)


Aus unserem Archiv:
Abschlussabend Sound of Bronkow 2014

Sound of Bronkow 2014 Tag 2
Sound of Bronkow 2014 Tag 1 
 
Sound of Bronkow 2013 Tag 3
Sound of Bronkow 2013 Tag 2
Sound of Bronkow 2013 Tag 1
Sound of Bronkow 2012 Tag 3
Sound of Bronkow 2012 Tag 2
Sound of Bronkow 2012 Tag 1
 
The Green Apple Sea, Reutlingen, 27.07.13
Me and Oceans, Karlsruhe, 10.02.14

Alle Bilder:




Sonntag, 14. September 2014

Sound of Bronkow, Tag 2, Dresden, 06.09.14

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Sound of Bronkow Music Festival 
Tag 2 mit Konzerten von
  Trains on Fire (30 min)
  Hello Piedpiper (30 min)
  Vena Portae (30 min)
  Waelder (40 min)
  Heated Land  (45 min)
  The Slow show (55 min)
  Beaty Heart (40 min)
Ort: Societaetstheater Dresden
Datum: 6. September
Zuschauer: knapp 300



Das sommerliche Wucherpfund des Sound of Bronkow ist ja wohl zweifelfsfrei der schöne und immer wieder einladende Garten hinter dem Societaetstheater. Hier war für den Samstag und Sonntag Nachmittag wieder eine Bühne aufgebaut mit Blumen und Häkeldeckchen geschmückt und der Prise Liebe gewürzt, die das ganze Festival so besonders macht. Und die zog ein zahlreiches Publikum an. Die Sonne schien, wenngleich der Wetterbericht etwas unsicher war, ob es nun gewitterregnen würde oder doch nicht. Aber es blieb schön und die Sonne (und damit auch die Freude) ganz ungetrübt.


Der erste Programmpunkt war Trains on Fire - ein Duo mit Gitarre und Keyboard (und Drumsample), das in seiner Art auch gut in die Berichte von Oliver aus Paris passen würde (in denen es wahrscheinlich mehr um die Dame an den Tasten ginge als bei mir gerade...). Sie präsentierten sich mit frischer Sonnenscheinmusik und die Darbietung war solide und ließ die Füße wippen. Sie hinterließen bei mir aber sonst keinen besonders hervorstechenden Eindruck.



Fabio aka Hello Piedpiper übernahm den Staffelstab und er schaffte es wieder hervorragend, von der Bühne den Funken überspringen zu lassen. Er wirkte sehr konzentriert und vielleicht auch ein bisschen respektvoll gegenüber der bunten Truppe Pubklikum vor ihm. Die Kinder hatten gerade noch diebischen Spaß dabei, das Gelände zu erkunden. Aber der Applaus gab ihm wohl doch die Bestätigung, dass die Musik und die Botschaft auf offene Ohren stießen. Meiner Meinung nach einer der besonders gelungenen Programmpunkte des Samstags!



Etwas temperamentvoller wurde es anschließend mit Vena Portae, die die Bühne mit vier Leuten, vielen Saiteninstrumenten und einem Drumset auch zum ersten Mal wirklich füllten. Die Sängerin Emily Barker aus Australien (die zur Zeit in Großbritannien wohnt) hatte sich zwei Herren an die Seite geholt an E-Gitarre und Bass (Ruben Engzell) und einen Briten an das Schlagzeug. Es wurde viel geschwätzt und gelacht. Der Guardian nennt die Musik Country-Pop und trifft es damit wohl ganz gut. Der ganze Auftritt passte wunderbar in den Apfelgarten und wärmte das Publikum ordentlich durch. In besonderer Erinnerung bleibt mir das Cover Transatlantic von Christian Kjellvander.


Setlist Vena Portae:
01. Before the winter came
02. Foal
03. Mapless Sea
04. Turning Key
05. Flames and Fury
06. What we do

07. All will be well
08. No enemies
09. Transatlantic (Christian Kjellvander-Cover)
10. Summer kills




Ich hatte mich dafür entschieden, im Garten zu bleiben und vielleicht den letzten schönen Sommertag so zu würdigen. Drinnen wurde zwar auch ein schönes Programm geboten, aber ich konnte mich ja leider nicht aufteilen. Außerdem war ich auf Waelder im Anschluss ziemlich gespannt.
Leider gewann in diesem Set die Soundfrickelei gegen die von mir mehr geschätzte Stimme und damit war das Set für mich nicht so attraktiv, wie zunächst erhofft. Ich nutzte deshalb die Zeit für einen Schwatz mit Freunden und war nur mit halbem Ohr dabei. Ebenso waren Heated Land im Anschluss mehr eine nette Hintergrundmusik für meinen späten Nachmittag. Solide, aber nicht überdurchschnittlich mitreißend. Für das Wetter und den Garten aber sehr passend.


Anschließend ging es in den Saal zu The Slow Show. Auch hier war die Bühne rammelvoll: sechs Leute an Drums, Tasten und Saiten und als Glanzpunkt des Arrangements die Trompeterin. Anscheinend war das aber noch nicht genug Aufgebot, denn es wurden später auch noch Streicher und Chor vom Band zugespielt also eine fette Schicht Begleitmusik aufgeboten. Umso erstaunlicher, dass der "Star" und Mittelpunkt der Musik eindeutig der Sänger mit der Stimme blieb, die seiner Statur so gar nicht zu entsprechen schien. 


Ein Hänfling hatte hier ein Organ wie einer, der im Leben schon alles gesehen hat und reflektiert davon berichten kann. Schon das Timbre sprach von Jahrzehnten am Lagerfeuer und durchwachten Nächten. Für mich war die knappe Stunde eindeutig der Höhepunkt des Tages. Anscheindend war The Slow Show auch sehr eingenommen von der freundlichen Publikumsresonanz und so entstand eine ganz eigene und wunderbare Atmosphäre. Einen Song Dresden in Dresden zu spielen bleibt wohl für jede Band etwas besonderes. Gänsehaut gab es auch bei Long way home und Bloodlines. Kein Wunder, dass temperamentvoll um Zugaben gefeilscht wurde.

Setlist The Slow Show:
01: God only knows
02: Long way home
03: Brother
04: Augustine
05: Dresden
06: Testing
07: Lucky me, lucky you
08: Caroline
09: Paint you like a rose
10: Flowers to burn
11: Bloodline

12: Northern Town (Z)
13: Mr. Blue tie (Z)
14: Everybody's home now (Z)


Als mein persönlicher letzter Programmpunkt stand Beaty Heart im Raum der Studiobühne auf dem Programm. Das waren drei quirlige junge Männer aus London, die ganz schön viel Schlagwerk dabei hatten. Zwei von ihnen waren die ganze Zeit damit beschäftigt uns durchzuwirken und durchzukneten mit halbkaribischen Rhythmen und diese mit rockigen Melodien zu verbinden. In meinen Ohren ein gelungenes Crossover und dazu noch so frisch und mit so viel Enthusiasmus, dass nichts anderes blieb, als mitzugehen und sich durchpusten zu lassen.



Eigentlich war ich auch auf Arc Iris sehr gespannt gewesen, aber meine Energie war nach den vielen Stunden irgendwie erschöpft.

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Abschlussabend Sound of Bronkow 2014

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The slow show, Konzertankündigung Nov. 12
Aloa Input, Wiesbaden, 24.02.14 
Hello Piedpiper, Reutlingen, 22.04.14
Hello Piedpiper, Gießen, 21.04.14
Hello Piedpiper, Sindelfingen, 14.09.13
Hello Piedpiper, Karlsruhe, 07.06.13 
Hello Piedpiper, Köln, 22.10.12


 

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