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Mittwoch, 31. Oktober 2012

Verity Susman; Laura J Martin & Diane Cluck, Paris, 13 & 27.10.12

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Konzerte: Festival Ladyfest, Paris: Verity Susman (Electrelane); Laura J Martin & Diane Cluck
Orte: Espace B (Verity); La Loge (Laura J & Diane)
Daten: 13.10.2012 und 27.10.2012
Zuschauer: Verity: etwa 180; Diane und Laura J etwa 80
Konzertdauer: Verity: eine gute Stunde; Laura J etwa 35 Minuten, Diane eine Stunde


Das Festival Ladyfest ist eine feine Sache, nicht nur für Ladies. Im Jahre 2000 in Olympia, Washington zum ersten Male ausgetragen*, ist die Veranstaltung, die sich für die weibliche Musik- und Kunstszene, Frauenrechte, die DIY-Kultur und gegen Sexismus einsetzt, ein globaler Event geworden. Das Ladyfest gibt es nun in zahlreichen Städten in der ganzen Welt und natürlich auch in Paris. Wobei das mit dem "natürlich" für Paris gar nicht so richtig zutreffend ist, denn das Festival fand hier 2011 zum ersten Mal statt. Zum Vergleich: in England gab es ein Ladyfest bereits 2001.


Heuer nun also die zweite Pariser Edition und mit den zwei Konzertabenden, die ich hier beschreiben werde, habe ich mir sicherlich bereits die Rosinen herausgepickt, wobei ich keineswegs sagen würde, daß der Rest des mehrwöchigen Programms schlecht war, im Gegenteil*. Ich kann eben bloß nicht überall gleichzeitig sein, hätte vor allem natürlich gerne Sharon van Etten am 1.Oktober im Café de la Danse gesehen.

Aber jetzt genug der Einleitung und ran an den Speck, sprich die Berichte!:

Verity Susman, Espace B, 13.10.2012

Hoppla, hier brauche ich noch ein wenig Anlauf, um den extrem experientellen Auftritt der Electrelane-Frau in Worte zu fassen

Laura J Martin und Diane Cluck, La Loge, 27.10.2012




Kennt ihr Laura J Martin? Nein? Ich bis vor kurzem auch nicht. Erst das Line Up des Ladyfests Paris hat mich auf die junge, rothaarige Dame aus Liverpool aufmerksam werden lassen. Euphorische Medienberichte und jeweils 4 Sterne Ratings für ihr Debütalbum The Hangman Tree in Q und Uncut machten mich dann noch neugieriger. Die wollte ich nicht verpassen! Zu dumm nur, daß ich vorher zu lange auf dem MaMa Festival in Pigalle war und zu spät in La Loge erschien. Laura J Martin hatte bereits ohne mich (aber vor etwa 80 anderen Leuten) angefangen, mir aber glücklicherweise immerhin noch 3 Songs gegönnt, bei denen ich schnell erahnen konnte, was da für ein Talent unterwegs ist. Das recht dürre Mädel performte ohne Schuhe und ohne Bandunterstützung auf ihrer Querflöte und ihrer hübschen Mandoline. Oft hörte man in einem Lied aber beide Instrumente, die moderne und inzwischen sehr beliebte Looptechnik machte dies möglich. Flöten- und Madolinenklänge boten die passende Untermalung für die markante, stark an Kate Bush und Joanna Newsom erinnernde Kleinmädchenstimme. An ein Plagiat dachte man dennoch keine Sekunde, denn das gebotene Set war sehr eigen und originell. Den roten Faden verloren die Songs nie, ein inneres Band hielt die Stücke zusammen, verhinderte daß sie auseinanderdrifteten und zu experimentell wurden. Deshalb musste ich mir hinterher ihr oben erwähntes Album The Hangman Tree zulegen, von denen die meisten Stücke des gut halbstündigen Sets stammten. Lieder von einer bereits Ende 2012 erhältlichen EP gab es aber noch nicht, obwohl man das Artwork bereits im Netz genießen kann.

Von Laura J Martin werden wir zukünftig noch viel öfter hören und lesen, dessen bin ich mir sicher. Vielleicht sagen dann irgendwann Folkfans: "Laura Marling? Die kenne ich nicht! Ich kenne nur Laura J Martin!"

  Spy by Laura J Martin 

Diane Cluck:


Die Singer/Songwriterin aus den USA ist eine Künstlerin, die man in Europa nur sehr selten zu Gesicht bekommt. Ihr letzter Pariser Auftritt fand 2008 statt und den Gig in einer mir unbekannten Galerie hatte ich verpasst. Ihren Namen jedoch, den hatte ich oft gelesen und immer äußerten sich die Schreiberlinge sehr positiv über die damals in die Freak Folk Ecke gestellte Sängerin. Kurzum, ich war neugierig, sehr neugierig sogar. 



Die brünette Folkeuse erschien in einem roten Kleid und passend zu diesem steckte eine rote Rose in ihrem Haar und an ihrem Mikrofonständer. Diane war nicht alleine gekommen, hatte ihre niedliche Cellistin Isabel Catellvi dabei. Die beiden Musikerinnen agierten sehr harmonisch zusammen und die karge Seite der düsteren Musik wurde durch das angenehme Brummen des Cellos mit Leben erfüllt. Isabel trat mit ihrem Spiel hierbei nie in den Vordergrund sondern untermalte dezent die Songs von Miss Cluck. Die Grundatmosphäre der Lieder war sanft, dunkel und gefahrverheißend und erinnerte mich stark an die Stimmungen, die eine Nina Nastasia erzeugt. Man merkt da als Zuhörer immer, daß da vorne eine immens kluge und sprachgewaltige, aber auch vom Leben angegangene Person zu Werke ist, die ihre Gefühle in poetische, aber auch mit Bitterniß gefüllte Texte packt und gegen alle möglichen Ängste und Unbill ankämpft. Eine ernste Frau, diese Diane Cluck, aber keine humorlose. In einigen Szenen zwischen den Songs lächelte sie, ulkte mit ihrer Cellistin, ging dann aber wieder zu ihrem Werk über. Eun umfangreiches Werk, das inzwischen sieben Alben umfasst und auch eine aktuelle EP beinhaltet, die es wohl nur auf dieser Tour live zu erweben gibt. Davon stammten dann sehr viele Lieder, z.B. das schwermütige, wolkenverhangene Maybe A Bird, das eine leicht mittelalterliche Note besaß (man dachte auch an Meg Baird oder Sharron Kraus), oder das warmherzige Draw Me Out, bei dem ich irgendwie an die Decemberists oder REM dachten musste, sicherlich der Melodieführung wegen.




Content To Reform von der besagten EP war das einzige Lied, das Cluck am Piano vortrug und am Anfang ein wenig verpatzte, was aber nichts an der hohen handwerklichen Qualität des Vortrages änderte. Hier gab es keine Note zu viel, keine überfrachteten Arrangements, keine Affektierheit. Stattdessen einfach die unglaubliche Reinheit der Stimme, ihr schönes, trostspendendes Timbre, ein paar Gitarrenakkorde und natürlich das himmliche Cello. Ganz wundervoll klang auch Heatloose, bei dem Isabel ihr Cello zu Beginn nur anzupfte, später aber wieder zur Streichtechnik überging und ihr Instrument fast wie eine Geige ertönen ließ.


Ein Stück, Petite Roses, trugen Castellvi und Cluck gemeinsam a cappela am gleichen Mikro vor, wobei die deutliche größere Cluck ihre kleinere Mitmusikernin zärtlich in den Arm nahm.


Der Song, der mich aber spontan am meisten berührte war Pray Headaches Away. Er stammte von dem Album Monarcana und ging mir vor allem des Textes wegn unter die Haut: "when I Was A kid I used to pray headaches away layed awhile on the bed I did and prayed headaches away." Starke Kopfschmerzen schon als Kind? Beten als letzte Lösung? Da liegt die Vermutung nahe, daß in der Familie tragische Dinge passiert sind. Wobei ich nur spekuliere, aber der Gedanke bewegte mich und ließ mich das ganze Konzert über nicht mehr los. Schwere Kost letztlich also, aber mit seichtem Folk Pop, der bei Starbucks läuft, kann ich nichts anfangen, die tieschürfende Musik von Diane Cluck fasziniert mich da einfach deutlich mehr.


Etwa eine Stunde dauerte der brillante Auftritt und hinterher war ich sehr aufgewühlt, aber auch sehr dankbar, daß ich endlich die aus Pennsylvania stammende Musikerin einmal live erlebt habe. Diane geht ihren eigenständigen Weg konsequent weiter, arbeitet nun ohne Label und schickt Fans, die sich in Mailinglisten eintragen regelmäßig Songs zu.

Aus der Setlist Von Diane Cluck, Ladyfest, Paris (nicht in dieser Reihenfolge)

Grandma Say 
Maybe A Bird
Draw Me Out
Content To Reform
Heartloose
Trophies
Easy To Be Around
Petite Roses
Pray Headaches Away
Red August (neu)
Why Feel Alone
A Phoenix & Doves
Sara
Wild Deer At Down

Stark! Lang lebe das Ladyfest!







* das erste Foto (von Christoph Konzerttagebuch) zeigt Carrie Brownstein, die im Jahre 2000 mit ihrer damaligen Band Sleater Kinney auf dem ersten Ladyfest spielte.

*einen Überblick über sämtliche Veranstaltungen gibt es hier







Samstag, 23. April 2011

Mina Tindle, Paris, 22.04.11

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Konzert: Mina Tindle
Ort: La Loge Paris
Datum: 22.04.11
Zuschauer: restlos ausverkauft, mindestens 100
Konzertdauer: 70 Minuten
Raumtemperatur: 55 ° Celsius!


Ein wunderschönes Konzert, das unfreiwillig in einem Hammam stattfand. So zumindest fühlte es sich in der Pariser Loge an, in der an diesem heißten Freitagabend die Klimaanlage ausgefallen war. Mina Tindle mag keine türkischen Dampfbäder (" j'aime pas les hammams"), zeigte aber dennoch viel Spielfreude und begeisterte mit einem formidablen Konzert und vielen Stargästen (Bertand Bellin, JP Nataf, zwei Streicherinnen, etc.).

Demnächst mehr von der Hitzeschlacht, dann auch die Setlist und Fotos.

Aus unserem Archiv:

Mina Tindle, Paris, 30.06.10
Mina Tindle, Paris, 11.02.10
Mina Tindle, Paris, 19.10.09
Mina Tindle, Paris, 07.09.09
Mina Tindle, Paris, 12.05.09
Mina Tindle, Paris, 14.04.09
Mina Tindle, Paris, 13.01.09
Mina Tindle, Paris, 15.10.08



Dienstag, 19. April 2011

Diego Zavatarelli, Paris, 14.04.11

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Konzert: Diego Zavatarelli

Ort: La Loge, Paris
Datum: 14.04.11
Zuschauer: 15 oder so
Konzertdauer: etwa 50 Minuten


Diego Zavatarelli. Den Preis für den schönsten Namen hat der Argentinier auf jeden Fall schon einmal gewonnen. Za-va-ta-relli, das hat Klang, zergeht fast auf der Zunge. Aus seinem südamerikanischen Heimatland kennen wir ja eher Fußballer. Mario Kempes, Diego Maradonna, Lionel Messi, um nur die Bekanntesten zu nennen. Zavatarelli kickt nicht, zumindest nicht professionell, sondern ist Singer/Songwriter, lebt seit knapp 2 Jahren in Paris. Der Liebe wegen.

Ich hatte ihn schon zweimal live auf einer Bühne erlebt, aber jedesmal gab es Störfaktoren, die den Hörgenuß beeinträchtigten.. Als er im März 2010 im Café de Paris spielte, war ich brutal müde und als er vor ein paar Wochen im International auftrat, plapperten die Leute viel zu laut und seine Gitarre war zu leise. Dabei ist seine erste EP Shadows hervorragend und gespickt mit tiefmelancholischen, fast gothisch anmutenden Folksongs. Der argentinische Nick Drake, so könnte man ihn nennen, wohlwissend das Drake eine Klasse für sich war und insofern solche Vergleiche eine Bürde für jeden Nachfolger darstellen. Nichtsdestotrotz, Zavatarelli kann so einiges in die Waagschale werfen. Vor allem sein Gitarrenspiel, sein filigranes Fingerpicking, ist Extraklasse. Kein Wunder, Diego ist seit Jahren Gitarrenlehrer, hat eine klassische Ausbildung durchlaufen.

Schade insofern, daß am 14. April nur maximal 15 Leute den Weg in die Pariser Loge gefunden haben. Ohne extensive Promo, ohne Anzeigen in Zeitschriften und U-Bahnen, ist es in der französischen Metropole enorm schwierig, Locations zu füllen. Diejenigen die da waren, erlebten allerdings ein astreines Konzert. Dieses Mal gab es nicht den geringsten Störfaktor. Der Sound war brillant, niemannd plapperte, alle hörten gespannt zu. Diego spielte seine wundervolle EP komplett durch. Besonders Like Autumn Clouds begeisterte mich über alle Maßen. "Every lovely word you said to me still sounds in my mind", sang Zavatarelli und eine Gänsehaut übermannte mich. Seine Musik könnte ich mir gut in einer Kirche vorstellen, sie ist kontemplativ, spirituell, choral.

Aber er sang nicht nur auf englisch, sondern in zwei Fällen auch in seiner spanischen Muttersprache, was der Sache eine besonder Note hinzufügte.

Spektakulär dann das Ende. Zu den letzten zwei Liedern, jeweils Coversongs, bat Zavatarelli seine französische Frau Marlene auf die Bühne und die Dame sang vor allem den 60 er Jahre France Gall Klassiker Poupée de Cire Poupée de Son so lieblich, daß sich die Leute im Publikum begeistert ansahen. Den alten Kraftwerk Hit Radioactivity hatten Diego und Marlene ganz aktuell mit ins Programm aufgenommen, um der Sorge über die Atom-Katastrophe in Fukushima Ausdruck zu verleihen. Sowohl Fukushima als auch Tschernobyl fanden schließlich im Text Erwähnung. Verblüffend wie der alte Elektro-Song im folkigen Gewande klang, ganz anders als das Original, aber erstaunlich organisch und warm.

Insgesamt ein erstklassiges Konzert. Argentinien hat nicht nur Fußballer zu bieten, hört euch auch Zavatarelli an!

Setlist Diego Zavatarelli, La Loge, Paris:

01: Asturias
02: Oceans Of Time
03: Like Autumn Clouds
04: In Between
05: Persistent Universe
06: A Lost Paradise
07: Espiral
08: Shadows
09: Invisible Prison
10: Donde Mueren Los Amores Olvidados
11: The Beginning Of The End
12: Poupée de Cire Poupée De Son (France Gall)
13: Radioactivity (Kraftwerk)



Freitag, 11. Februar 2011

Yim Yamouridis, Paris, 10.02.11

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Konzert: Yim Yamouridis
Ort: La Loge, Paris
Datum: 10.02.11
Zuschauer: 30-40
Konzertdauer: etwa 50 Minuten


Wow, was für eine tiefe Baritonstimme! Jim Yamouridis ist Australier mit griechischen Wurzeln und lebt in der französischen Auvergne. Auf seinem neuen (dem insgesamt dritten) Album Into The Day spielt kein Geringerer als Warren Ellis (Nick Cave, Grinderman) Geige und in der Tat erinnerten die eleganten Songs, die Yamouridis in der Pariser Loge zusammen mit einem französischen Vibrafonspieler (Nicholas Thomas) vortrug an Nick Cave, aber auch an die Tindersticks, Johnny Cash, Leonard Cohen und And Also The Trees.

Dennoch hat Yamouridis sein ganz eigenes düsteres Universum, seine eigenen, persönlichen Geschichten zu erzählen. Schwer zu schätzen, wie alt der elegant gekleidete Sänger ist. An seinen grauen Haaren und seinem markanten Gesicht, kann man ablesen, daß er bereits ein bewegtes Leben geführt hat. Seine Erlebnisse bindet er mit Sicherheit auch in seine Lieder ein, aber die Erklärungen, die er auf französisch zu den Stücken abgab, waren so weit und so allgemein gefasst, daß es viele Interpretationsmöglichkeiten gab. Alles ist bei Yamouridis in moll gehalten, die Songs rabenschwarz, mystisch, fast gruselig. Eine gothische Note kann man ohne weiteres heraushören. Depressive Conutrylieder die man in die Schubladen dark country, gothic americana oder folk noir stecken könnte. Aber bei Yamouridis kommen auch noch Elemente des Tangos und der spanischen Folklore mit hinzu. Tanzbar ist bei ihm trotzdem nichts, wenngleich er scherzhaft zwei seiner Lieder, Where I'll be und I Want To Ride als "Chansons pour danser" bezeichnete. Vielmehr waren die meisten Sachen eher "chansons pour boire du vin rouge", also Rotweinlieder und konsequenterweise nippte Jim dann auch immer mal wieder an seinem Glas Rotwein zwischen den Songs. Für Leute wie Yamouridis hat sich in Deutschland Ende der 1980 er Jahre der Begriff Toskana-Sozialdemokrat, Toskana-Linke oder Toskana- Fraktion eingebürgert, in Frankreich würde man "gauche caviar-die Kaviar-Linke" sagen. Aber ich weiß gar nicht, ob man den guten Jim in diese Ecke stecken sollte, zumal er ja in der bodenständigen Auvergne und nicht in der teuren Toskana lebt. Lassen wir also lieber diese Etikettierung und reden über seine simplen, aber dennoch so dramatisch knisterden Songs.

Natürlich stammten sie überwiegend vom neuen Output Into The Day, aber mit The Rider kam auch ein Lied aus dem Backkatolg zu seinem Recht. Eine Nummer, die sogar schon von PJ Harvey und John Parish gecovert wurde! Wie stets war hier das Gitarrenspiel simpel, aber effizient und das schwebende Xylophon passte ganz ausgezeichnet zu der kreierten Atmosphöre.

Das Set war durchgängig erlesen und hochklassig und wenn es etwas zu kritisieren gab, dann war das lediglich die Tatsache, daß man sich manchmal etwas mehr Dampf oder Variation gewünscht hätte. Diesbezüglich kann aber schon bald Abhilfe geschaffen werden, denn Jim Yamouridis wird in April in Paris mit einer ausgewachsenen Band im Café de la Danse aufteten und dann mehr technische Möglichkeiten haben. Ich werde sicherlich dabei sein!



Setlist Jim Yamouridis, La Loge, Paris:

01: Ragged Or Whole
02: Travelling Blind
03: In The Veil
04: Where I'll Be
05: I Want To Ride
06: In The Winter
07: The Rider
08: Say Goodbye
09: Pretty Soon

10: Into The Day





Montag, 17. Januar 2011

Pollyanna, Paris ,07.01.11

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Konzert: Pollyanna

Ort: La Loge, Paris
Datum: 07.01.11
Zuschauer: volle Hütte! 100?
Konzertdauer: eine gute Stunde


Soll ich euch was verraten? Mein erstes Konzert des Jahres 2011 fand schon am 7. Januar statt, ich kam vor lauter Bestenlisten von 2011 lediglich nur nicht dazu, etwas über den Auftritt von Isabelle Casier aka Pollyanna zu erzählen. Eine Sünde, holte ich dies nicht hiermit nach, denn das Konzert war einfach nur wunderwunderschön!!

Geschätze 100 Leute hatten sich an jenem Freitag, dem 7. Januar, eingefunden, um den nagelneuen, noch unveröffentlichten Stücken der Pariser Gitarristin und Sängerin zu lauschen. Isabelle war nicht alleine gekommen, sondern hatte eine ausgewachsene Kammerpopgruppe mitgebracht. Die lieblich lächelnde Léa Meur strich und zupfte das Cello, François Fuchs (ebenfalls bei Reza aktiv) bearbeite ganz relaxt den Kontrabass undJean-Micle Blecon sorgte sich um das Schlagzeug und die Percussions. Die vier natürlich-sympathischen Musiker verzauberten mich von Anfang bis Ende. Sie spielten absolut brillant und harmonisch zusammen, agierten dezent aber präzise und warteten mit Stücken auf, mit denen sie Schönheitspreise hätten gewinnen können. Meine Ohren wurden unglaublich verwöhnt und hocherfreut stellte ich fest, daß die neuen Songs von Pollyanna hell glänzende Juwelen sind. Sehr melancholisch, aber nie hoffungslos, anschmiegsam wie eine weiche Katze und trostpendend wie die Umarmung durch eine geliebte Person. Ich hatte Isabelle ja schon sehr oft gesehen, sie bereits zu zwei tollen Oliver Peel Sessions eingeladen, aber was sie und ihre Band heute ablieferte, war ihre bisher größte Leistung.

Damit ihr euch auch mal einen Eindruck von diesem fabelhaften Konzert machen könnt, habe ich ein ganz hervorragendes Video von Clô aka Onewomanpictures eingefügt. Guckt es euch in Gänze an und lasst euch verzaubern. Reiner und klarer hat Isabelles Stimme nie geklungen. Yeah, baby!!



Bilder folgen. Etwas Geduld bitte, ich brauche eine neue Festplatte, die alte ist randvoll! Die drei Pics stammen von einem älteren Konzert im Baron. Zusammen mit Isabelle haben wir uns monatelang über die abgebildeten Tussis (letztes Foto) totgelacht, die an jenem Abend die Schicki-Micki Disco frequentierten.

Setlist Pollyanna, La Loge, Paris:

01: B& L
02: Broadcast
03: Favourite
04: Tiger
05: Smoke
06: About To Rain
07: Old Rockers
08: Kids
09: Brighton
10: Real Life

11: Hit The Road



Mittwoch, 15. Dezember 2010

SuperBravo & Tristan Poupee & Hausmann Tree, Paris, 13.12.10

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Konzert: SuperBravo & Tristan Poupée & Hausmann Tree

Ort: La Loge, Paris

Datum: 13.12.10

Zuschauer: 40-50 oder so



Es ist schon ziemlich erstaunlich: wenn Franzosen auf englisch gesungene Popmusik machen, hört man immer sofort, daß die Autoren aus Frankreich kommen. Und ich meine jetzt nicht den niedlichen (schrecklichen?) Akzent, sondern die zarte Melancholie, die quasi allgegenwärtig ist.
Eine Melancholie, die sich von der schwermütigen russischen deutlich unterscheidet. Die Französische ist immer ein großes Stück leichter, sinnlicher, erotischer und klingt so wie Roséwein schmeckt. Ok, meine Vergleiche sind scheiße, aber ich glaube ihr wißt, worauf ich hinaus will, oder? Stilprägend in dieser Hinsicht waren ganz klar Serge Gainsbourg und Jane Birkin. Sie hauchte immer, als würde sie von Oliver Peel höchstpersönlich beglückt und er brummelte mit der Zigarette in der Schnüss so genüßlich als würde er gleich kommen. Ein in Musik vertonter Liebesakt. Natürlich denke ich insbesondere an den berühmten Chanson Je t'aime...moi non plus, den Gainsbourg 1967 zunächst zusammen mit Birgitte Bardot gestöhnt hatte,, bevor 1969 die aus England stammende Birkin den weiblichen Gesangespart übernahm.

Gut dreißig Jahre später singen die meisten Franzosen auf englisch, aber die Grundstimmung ist immer noch ähnlich. Man liebt nach wie vor sinnliche Frauenstimmen und tiefe Männerstimmen. Insofern kam man heute in der Loge voll auf seine Kosten. Armelle Pioline aka SuperBravo hauchte ihre Zeilen süßlich ins Mikro, während Jean Pierre Petit alias Tristan Poupée die Texte eher tief und rauchig brummelte. Der Begleitsound dazu melancholisch, traumversunken, sehnsüchtig. Amüsanterweise klingen heutzutage vor allem Blonde Redhead (sie Japanerin, die beiden Brüder Italiener) besonders französisch, so daß die abschließend auftretenden Haussmann Tree einen ständig an Kazu Makino und die Pace- Zwillinge denken ließen.



Aber mal der Reihe nach. Begonnen hatte den Konzertabend SuperBravo. Die Sängerin von Holden auf Solopfaden hatt erst kürzlich eine schöne Oliver Peel Session geliefert und spielt seitdem immer vor vollem Haus. Ha ha, schön wärs! In Wahrheit muss sie natürlich wie unzählige andere Indiemusiker weiterhin um jeden Fan und Plattenkäufer kämpfen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Aber vielleicht hat sie ja heute ein paar neue Anhänger hinzugewonnen, denn die Stücke ihres ersten Albums A Space Without Corner wurden alles andere als übel zum Vortrage gebracht. Richtig begeistert bin ich von Pilgrim, einer Ballade, die sie auch bei unsere Session gespielt hatte (siehe Video) und die heute besonders schön interpretiert wurde. Man muss wissen, daß Armelle alle Instrumente (nun ja eigentlich sind das nur Akustikgitarre und Melodica) selbst spielt, einzelne Passagen dann aber sampelt und an der entsprechenden Stelle abruft (Ist ja modern heute sowas).

Trotzdem geht bei solchen Spielchen immer mal was daneben und so trat die Gute einmal zur falschen Zeit auf ihre Pedale. Aber halb so schlimm, denn selbst ein hochtalentierter Musiker wie Peter Broderick hat kürzlich in der Flèche d'or auch nicht immer ganz das richtige Timing erwischt. Die flotte Disconummer Cars kam trotzdem gut rüber und richtig stark war das Daniel Johnston Cover The Beatles, das Armelle ins Programm aufgenommen hatte, weil John Lennon bekanntlich vor 30 Jahre auf so gemeine Weise um sein Leben gebracht worden war.

Insgesamt ein schönes Konzert von SuperBravo.

Armelle hatte aber noch nicht fertig, denn sie kam auch in der nun auftretenden Band von Tristan Poupée zum Einsatz. Deren Chef Jeanne Pierre begann mit französischem Gesang und beendete das Set auch in der Sprache Molières, sang ansonsten aber alle Texte auf englisch. Sämtliche Lieder wurden von einem esoterischen Orgelsound begleitet, während Armelle im Stehen trommelte und Percussions spielte. Die Musiker (zwei davon, der Chef und der Orgler, sind auch bei der französischen Chansonsängerin Barbara Carlotti beschäftigt) schufen eine atmosphärisch dichte Klanglandschaft, die von der oben beschriebenen typisch französischen Melancholie durchzogen war und überzeugten mit einigen sehr gelungenen Stücken. Auch hier verfolge ich den weiteren Werdegang.

Hausmann Tree schließlich boten das vielleicht beste Konzert des Abends. Beatles meets Blonde Redhead, so in etwa könnte man vielleicht beschreiben, wie das Ganze klang. Ein Vierer aus Paris, der von einem extravaganten Orgler angeführt wurde und auch einen (für französische Verhältnisse) recht beleibten Gitarristen in seinen Reihen hatte, der ganz vorzügliche kleine Melodien aus seiner schönen schwarz-weißen Rickenbacker rauskitzelte. Der Pfundskerl sang auch ab und zu mit einer tollen Falsettstimme und ist im Übrigen auch Mitglied der Band Rover, die in diesem Jahr in französischen Indiekreisen von sich reden machte. Der Basser war wohl nicht etatmäßig. Ich glaube er hieß Esteban und ist ansonsten auch schon in anderen Gruppen zum Einsatz gekommen.



Ob eine Band wie Hausmann Tree (die in Paris bereits im legendären Olympia im Vorprogramm sielen durfte) mal irgendwann nach Deutschland kommt und dortige Bühnen beehrt, ist fraglich, aber zumindest wird Oliver Marguerit 2011 in Germany auftreten. Der famose Gitarrist von Syd Matters saß heute im Publikum, war wegen Hausmann Tree gekommen (ein Ritterschlag?!) und geht mit Syd Matters im Februar 2011 auf Tour durch deutsche Städte. Darauf darf man sich freuen und es wird sicherlich auch ein wenig von der typisch französischen Melancholie zu spüren sein...




Dienstag, 19. Oktober 2010

Starboard Silent Side, Paris, 14.10.10

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Konzert: Starboard Silent Side

Ort: La Loge, Paris

Datum: 14.10.2010
Zuschauer: etwa 30
Konzertdauer. ungefähr 45 Minuten


Letzte Woche habe ich Konzerte en masse gesehen. Ich war von Montag bis Samstag durchgängig auf Achse und habe nur am Sonntag pausiert. Am Donnerstag, dem 14. Oktober, habe ich sogar Konzerte an drei verschiedenen Orten besucht. Wie ich das durchstehe? Drogen! Ha, Spaß bei Seite, ich trinke und rauche nicht und bin auch sonst eher spießig. Wechselduschen, viel Tee und Hypnose sind mein Rezept...



In dem recht neuen Veranstaltungsort La Loge traten die Franzosen Starboard Silent Side auf. Eine reinrassige Indierockband mit internationaler Klasse, die sogar schon einmal Headliner im renommierten Nouveau Casino waren und für ihr aktuelles Album Because Our Friendship Was Meant To Sail viel Lob erfuhren. Es ist gespickt mit melancholischen Rocksongs voller Dramatik und Poesie, die mir sehr nahe gehen. Von diesem Opus spielten sie natürlich ein paar Stücke, aber es gab auch etliche Neuheiten im Programm. Hört euch mal in Ruhe die Titel bei MySpace an, ihr werdet staunen wie kanadisch Franzosen klingen können! Sänger Mij hat aber auch wirklich einen sensationelle Stimme, die ein wenig an Colin Meloy von den Decemberists erinnert. Zudem verfügt er über ein theatralisches Bühnengebaren, mit dem er wunderbar die Stimmungen der Lieder unterstreicht.

Starboard Silent Side sind gran-di-os!!


Verpasst ihre Konzerte in Deutschland nicht!

Konzerttermine Starboard Silent Side (ohne Gewähr):

30.10.2010: Balcony TV Session, Paris
02.11.2010: Glocksee, Hannover
03.11.2010: Hasenschaukel, Hamburg
04.11.2010: Le Bar Du Matin Forest, Brüssel
05.11.2010: De Nachten Festival, Antwerpen
06.11.2010: House Show, Brüssel
09.12.2010: La Dame De Canton, Paris



Montag, 26. Juli 2010

Cyann, Watine, Lauter, Thos Henley, Klaus, Paris 24.07.10

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Konzert: Cyann, Watine, Lauter, Thos Henley, Klaus u.a.

Ort: La Loge, Paris
Datum: 24.07.2010
Zuschauer: etwa 60
Konzertdauer: Konzerte von 16-23 Uhr!


Die französische Indielandschaft ist sehr spannend und innovativ, aber in den letzten Jahren fehlte mir eine Sängerin ganz schmerzlich: Cyann, damals Mitglied der formidablen Cyann & Ben, die nach ihrem Ausscheiden unter dem Namen Yeti Lane als männliches Trio weitermachten. Kaum eine Frauenstimme hat mich dermaßen gepackt wie die der zierlichen Pariser Pianistin. Den Song Sweet Beliefs von Cyann & Ben (zu bestaunen auf ihrer MySpace Seite) auf dem sie so sentimental und herzzereißend singt, habe ich hundertfach gehört. Auf dem Weg zur Loge ließ ich ihn 6 mal hintereinander auf meinem Ipod laufen. Noch heute bin ich tief aufgewühlt, wenn ich ihre fragile, unglaublich melancholische Stimme höre. Unzählige Male hat sie mir damit Trost gespendet, mich verzaubert, mir Tränen in die Augen getrieben. Was ist aus Cyann geworden? Fast jeden Tag fragte ich mich das, vor allem als ihre männlichen Kollegen als Yeti Lane ohne sie Konzerte gaben. Vor ein paar Monaten traf ich sie zuläufig. Sie war aufrichtig gerührt, als ich ihr erzählte, daß ich großer Fan von Cyann & Ben gewesen sei. Noch nie habe sie jemand seitdem erkannt und angesprochen, ließ sie mich wissen.

Man kann sich meine freudige Erregung vorstellen, als ich erfuhr, daß Cyann im Rahmen eines von den Boutiques Sonores veranstalteten Mammutkonzertes mit mehr als 15 Künstlern auftreten würde. Mit heißen Ohren trat ich in die Loge ein, in der Cyann schon vor ein paar Sekunden mit ihrem kurzen Set (3 Lieder, wie jeder der heutigen Musiker) begonnen hatte. Ich setzte mich still und leise vor ihr Piano und ließ mich berieseln. Immer noch die gleiche Melancholie und Sanftheit in ihrer Stimme, es war wirklich ein Genuß. In der Pause zwischen zwei Liedern bemerkte mich die Pianistin plötzlich und warf mir einen langen Blick zu. Tausend Schmetterlinge flatterten in meinem Bauch. Dann begann sie aber auch schon ihren letzten Chanson und nach nur 15 Minuten war Schluß. Dennoch hatte sich mein Kommen gelohnt, denn jede Minuten mit Cyann ist ein Geschenk. Ich hoffe künftig auf mehr. Mehr Konzerte und neues Material, daß dann hoffentlich auf ihrem Debütalbum landen wird. Ich bin und bleibe ihr Fan!

Im Anschluß setzte sich die Französin Watine hinter das Piano, auf dem vorher noch Cyann geklimpert hatte. Die Musikerin wird grundsätzlich unter Elektropop oder sogar Trip Hop verortet, aber heute mit dem deutlich abgespeckteren Instrumentarium klang das Ganze klassischer. Viel Lob hat sie für ihren beiden Alben Dermaphrodite (2006) und B-Side Life (2009) eingeheimst und heute performte sie exklusiv bereits zwei schöne Stücke ihres im Jahre 2011 erscheinenden Albums namens Still Grounds For Love. Darauf darf man sich freuen.

Ohne großen Pausen ging es munter immer weiter im Programm, aber ich verquasselte viel Zeit im Innenhof mit Freuden und Bekannten. Zu Lauter war ich aber wieder zurück. Boris Kohlmayer mit bürgerlichem Namen, war mir auch schon als ehemaliger Gitarrist von Reza ein Begriff. Solo hat er ein beachtliches Album namens The Age Of Reason veröffentlicht und heute coverte er auf fast genial zu nennende Weise You Came To Me von Beach House. Selbst bin ich da aber gar nicht drauf gekommen und so mußte mir der in Paris lebende Engländer Thos Henley auf die Sprünge helfen. Dieser schnappte sich kurze Zeit später eine geliehene Gitarre, zelebrierte seinen Hit Darling You und ein nagelneus Lied, das er im Griechenland- Urlaub geschrieben hatte. Le Vin Rouge de La Jeunesse heißt es und ich verfüge sogar über die Lyrics. Bei Interesse bitte melden! Ein weiterer junger Engländer kam direkt im Anschluß. Mit Klaus sollte/wollte ich sogar eine Oliver Peel Session machen, aber wir haben uns letztendlich entschieden im Sommer zu pausieren, weil unsere Bude einfach zu stickig ist und wir Erholung brauchen. Klaus wäre mit seinen hübschen Folksongs aber alles andere als schlecht gewesen...



Montag, 19. Juli 2010

Mia Doi Todd u.a., Paris, 18.07.10

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Konzert: Mia Doi Todd (Butch McKoy, Every Man Has Your Voice)

Ort: La Loge Paris
Datum: 18.07.10

Zuschauer: 80-100

Konzertdauer: pro Künstler gut 30 Minuten



"Mia ist noch nicht da!" Die junge Dame, die in der Pariser Loge für den Programmablauf verantwortlich ist, wirkt schon leicht panisch, als sie feststellt, daß die kalifornische Singer/Songwriterin Doi Todd noch nicht eingetroffen ist. Ob jemand ihre Telefonnummer habe, will man wissen, aber ich sage nichts, obwohl ich Mias Handynummer kenne. Zwei Minuten später kommt die dunkelgelockte Chanteuse dann endlich angetrabt, spaziert durch den schönen rechteckigen Innenhof und möchte als Erstes noch einmal schnell auf Toilette. Sie beeilt sich und steht schon kurze Zeit später auf der Bühne, auf der schon ihr Percussionist Joseph wartet. Mia bittet mich ein Foto von ihr mit ihrem Iphone zu schießen, sieht dann aber, daß ich meine Kamera dabei habe und packt ihr in eine schicke rosa Hülle gewickeltes Smartphone weg. "Will you send me the link to the pictures, Oliver? Klar will ich, gerne erfülle ich ihr diesen Wunsch! Wie könnte ich der charmanten Lady auch etwas verwehren, was mir Spaß macht? Fotos von Mia zu knipsen ist fun, schließlich ist die Kalifornierin sehr charismatisch und ausdrucksstark. Aber es geht natürlich nicht nur um das Sehen und die Optik, sondern vor allem um das Hören und die Emotionen, die die Musikerin schürt. Wunderbar sanft und warm ihre Stimme, glockenklar und traumhaft schön ihr sirenenhafter Gesang. Vergessen sollte man aber auch ihr filigranes Fingerpicking nicht, das gerade beim Song River Of Life besonders gut zur Geltung kommt. Mit ein paar gekonnten Griffen erzeugt sie eine knisternde Atmosphäre, die man so ähnlich von Nick Drake her kennt. Intim, betörend, nahegehend. Anmutig und elegant steht die zieriche Amerikanerin da auf der Bühne und zieht die Zuschauer, darunter Kultfilmer Vincent Moon, mit ihrem grazilen Vortrag in ihren Bann. Es ist mucksmäuschenstill im bestuhlten Saal und man könnte die vielzitierte Stecknadel fallen hören. Doi Todd spielt ein paar Kostproben ihrer umfassenden Diskografie - 7 Alben stehen bereits zu Buche, und performt auch Neuheiten, die auf dem kommenden Opus drauf sein werden, wie Paraty, Open Your Heart und das wundervoll-melancholische La Havanna. Am berührendsten finde ich aber Rise Above, das durch eine ungemein hübsche Gitarrenmelodie und die umwerfende Stimme Mias begeistert. Ich bin emotional sehr bewegt, mir geht der Song sehr nahe. Salziges Wasser steigt in meine Augen und meine Knie werden butterweich. "Can you fix it with your love, can you rise above?" wimmert die Sängerin die Zeilen des Refrains. Zum Schluß gibt es dann noch die musikalische Liebeserklärung an ihren schauspielenden Lover Jean-Marc Barr, der heute abend nicht dabei sei kann. My Baby Lives in Paris (far from the Eiffel Tower), was für ein entzückendes Kleinod! Der positivste und lebensbejahendste Song, den die schwer verliebte Mia je geschrieben hat. Der Beifall hierfür ist hochverdient und dann covert Doi Tood zum Abgang auch noch die Piaf (La Vie En Rose), Kompliment!

Setlist Mia Doi Todd, La Loge, Paris:

01: Paraty
02: Summer Lover
03: Under The Sun
04: Skipping Stones
05: La Havanna
06: River Of Live
07: Rise Above /Rising Tide
08: Open Your Heart
09: My Baby Lives In Paris

10: La Vie En Rose (Edith Piaf Cover)

Insgesamt ein sehr schöner Konzertabend, zu dem auch andere Akteure aktiv beigetragen haben. Eliote & The Ritournelles, die den Ball eröffnet hatten, hatte ich zwar verpasst, aber mit dem bärtigen Barden Butch McKoy kam ich noch in den Genuß eines spannungsgeladenen Sets, vorgetragen voller Inbrunst und mit 200 Sachen auf der Akustischen. Den Mann muss ich mir merken, er spielt auch bei den ebenfalls interessanten I Love UFO. Als letzte Gruppe performten schließlich die Franzosen Every Man Has Your Voice, die mir schon einmal im Vorprogramm von Anna Ternheim sehr positiv aufgefallen waren. Mein guter Eindruck wurde heute noch einmal bestätigt, das Trio bot eine eigenständige Mischung aus Folk und Post Rock feil und die Stimmen von Sänger Christoph und Sängerin Andrea (die ein zauberhaftes Sommerblümchenkleid trug!) ergänzten sich perfekt.

Aftershow: Globetrotter, und das sind nun einmal alle Musiker, sind auch in einer fremden Stadt nie ganz allein. So war es nicht weiter verwunderlich, daß zwei amerikanische Freundinnen von Mia beim Konzert vorbeischauten und auch der aus New York stammende Musiker Saul Williams zugegen war. Wir unterhielten uns angeregt im Foyer der Loge und zu uns gesellte sich auch Kultfilmer Vincent Moon (La Blogothèque). Vincent erzählte begeistert von einer außerordentlich tollen Bar, die hier gleich um die Ecke sei. Ob wir nicht Lust hätten, da noch vorbeizuschauen? Klar hatten wir, schließlich hatte uns der Franzose den Mund wässrig gemacht! Hoffentlich keine Schicki-Micki Bar, in die er uns da führte? Weit gefehlt! Wer Moon kennt, weiß, daß er in jeder Hinischt die alternativen und abgefahrenen Plätze dieser Erde heimsucht. So entpuppte sich dann auch der Laden (Le Petit Bar, so der Name) als eine unfassbar altmodische Pinte, in der eine weißhaarige alte Französin (etwa 85-90 Jahre!), bei Schummerlicht zusammen mit ihrer dicken Katze hinter dem gammeligen Tresen kauerte und ziemlich patzig fragte, was wir trinken wollen. Wir orderten fast alle Bier aus der Flasche und pflanzten uns auf die abgeranzten Barhocker. An den Wänden hing überall Nippes rum, es gab Papierchen, Zeitschriften Medikamente der betagten Dame, Postkarten, Fotos von Katzen und George Brassens und nach unten hängende Spirtuosenflaschen, die so aussahen, als hätten sie noch den zweiten Weltkrieg erlebt. Hinter mir zwitscherte im Dunkeln ein Kanarienvogel im Käfig. Ein abgefahrenes Szenario! Die dicke Katze kletterte unterdessen immer mal wieder auf den Tresen und ärgerte damit die Patronin. Diese packte sich mehrfach das Vieh und warf es laut schimpfend ("va t-en"-hau ab!) unsanft in ihr Körbchen zurück. Wir lachten uns kaputt und wären vor lauter Gekicher fast von den ollen Barhockern gefallen! Die Alte wollte dann auch noch wissen, wo wir her kämen, erfuhr, daß wir bis auf mich und Vincent Amerikaner seien und fragte krächzend in die Runde: "Wer ist denn der Deutsche?" Ich bekannte mich im Sinne der Anklage für schuldig, lächelte ihr zu und reichte ihr die Hand. Sie ergriff sie, bedankte sich bei uns für den Besuch und kassierte für sechs Getränke lediglich 20 Euro. Ein Spottpreis für Pariser Verhältnisse! Vincent Moon hatte Recht, die Bar war wirklich umwerfend cool! Woher er den Schuppen kannte? Nun, bevor er mit dem Filmen von Musik anfing, war er eher auf Fotografie spezialisiert (von ihm stammt das Coverfoto von Alligator by The National) und hatte sich von seinem Lehrmeister Michael Ackerman inspirieren lassen, der die alte Dame und ihre Bar kannte und dort auch Bilder ausgestellt hatte, die aber heute nicht zu sehen waren. Ackerman lebe jetzt in Berlin gab uns die Wirtin mit auf den Weg und wir verschwanden breit grinsend in die laue Pariser Nacht...



 

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