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Mittwoch, 5. November 2014

Niels Frevert Tourankündigung und Verlosung

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Der wunderbare Niels Frevert ist ab dem 17.11. mit seiner Band auf großer Tour. Mit neuer Plattenfirma im Rücken und neuem Sound präsentiert er live sein mittlerweile fünftes Studioalbum.

Jens hat Niels Frevert 2013 erleben dürfen und fand folgende schöne Worte für ihn:



Der Hamburger ist ein meisterlicher Texter mit einem sicheren Händchen für die grauen Zwischentöne im menschlichen Zusammenleben, ohne dabei die Ausweglosigkeit seines hochbegabten Labelkollegen Moritz Krämer zu verkörpern. 
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Vermutlich ist es diese stilvolle Melancholie, die jede Gefahr des Kitschs gekonnt umschifft, die Frevert eine Sonderstellung in der deutschen Liedermacher-Szene einbringt. Egal welchen Musiker aus dem Umfeld der Hamburger Schule man nach Niels Frevert fragen würde, ich glaube nicht, dass man eine negative Stimme finden würde: Frevert ist der, auf den sich alle einigen können, weil er hochwertige Musik schafft.


Die Tourtermine:

17.11. Düsseldorf - zakk
18.11. Frankfurt - Brotfabrik
19.11. Saarbrücken - Garage
21.11. Wien - B 72
22.11. Dresden - Scheune
03.12. Lingen - Alter Schlachthof
04.12. Bremen - Kulturzentrum Lagerhaus
05.12. Köln - Luxor
06.12. Münster - Gleis 22
07.12. Stuttgart - clubCANN
09.12. Mannheim - Alte Feuerwache
10.12. Erlangen - E-Werk
11.12. Berlin - Lido

Für das Berliner Konzert können wir 1x2 Freikarten verlosen. Eine Mail bis zum 09.12. an markus (at) konzerttagebuch.de und schon macht ihr bei der Verlosung mit!




Sonntag, 10. März 2013

Niels Frevert, Stuttgart, 09.03.2013

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Konzert: Niels Frevert 
Ort: Kulturzentrum Merlin 
Zuschauer: 100 – 150  
Datum: 09.03.2013 
Dauer: 100 Minuten 

Bericht und Fotos von Jens K. aus Stuttgart (Foto Valeska von Boy von Oliver Peel)



Es war das letzte August Wochenende 2012 in Hannover. Das Hamburger Indie-Label „Tapete Records“ veranstaltete das BootBooHook Festival erstmals nicht in der hannoverschen Innenstadt sondern auf dem riesigen Expo-Gelände außerhalb. 



Sonntags ist Niels Frevert der vorletzte Act auf der Hauptbühne, bevor die Mädchen von BOY ihr Headliner-Set spielen werden. Frevert überzeugte hier mit einem bestechenden Auftritt begleitet von seiner Band und Streichern. Der Regen, der zuvor noch das tadellose Konzert von Label-Gründer und Jeremy Days – Legende Dirk Darmstaedter und seiner Band Me And Cassity empfindlich störte, ist Abendsonnenschein gewichen. Man lauschte den feingeistigen Texten des ehemaligen Frontmann der Band Nationalgalerie, der eine Reihe hervorragender Alben bei Tapete aufgenommen hat. Vor uns stehen Valeska Steiner und Sonja Glass von BOY, die offensichtlich hin und weg sind. So sieht man die schweizerische Sängerin beglückt ihr Handy in die Luft halten, um Freunde an dem wundervollen Moment teilhaben zu lassen. Frevert spielt gerade „Blinken am Horizont“ - und ich frage mich, warum ich ihn gerade zum ersten Mal live sehe. 

Als vor wenigen Wochen ein Konzert von Frevert im Merlin im Stuttgarter Westen angekündigt wurde, konnte ich mich schließlich freuen, ihn nun auch einmal Solo nur mit Gitarre in kleinerem Rahmen zu sehen. Das Merlin ist ein mit öffentlichen Mitteln gefördertes Kulturzentrum, das in regelmäßigen Abständen die meisten Größen der deutschen Singer-Songwriter-Zunft einlädt. So werden unter anderem zwei Mal im Jahr Konzertreihen mit deutschen Untergrundstars veranstaltet; im Herbst das ChanSong-Festival, bei dem in den letzten Jahren unter anderem die Blockflöte des Todes oder Bernd Begemann auftraten, und dem Popfreaks-Festival im Januar und Februar, wo Jens Friebe und Jeans Team zu den Gästen zählten. 


Frevert betritt die Bühne des teilbestuhlten Saals, lächelt blinzelnd kurz ins Publikum, nimmt auf einem Barhocker Platz und beginnt sein Set akustisch mit „Schlangenlinien“, dem ersten Track seines noch immer aktuellen Albums „Zettel auf dem Boden“. Der Hamburger ist ein meisterlicher Texter mit einem sicheren Händchen für die grauen Zwischentöne im menschlichen Zusammenleben, ohne dabei die Ausweglosigkeit seines hochbegabten Labelkollegen Moritz Krämer zu verkörpern. "Jeden Morgen um die Uhrzeit / Treff ich einen Mann im Park / Ein Eichhörnchen fütternd / Es frisst ihm aus der Hand. / Ich frag ihn / Ob es immer das selbe Tier wohl wär / Er hebt sein Kopf und sagt / Nein insgesamt sind es vier.“ singt Frevert und berührt ohne gezielt auf die Tränendrüse zu drücken. 


Später besingt er den fütternden Mann, der Bier aus einer Plastikflasche trinkt als „kein Trinker / eher Witwer“. Es ist ein trostloses Bild des Stadtlebens, das er hier in blassen Tönen skizziert und, das sich in vielen Songs des gebürtigen Hamburgs findet. „Du kannst mich an der Ecke rauslassen“, der wohl bekannteste Titel, aus dem Frevert'schen Songkanon folgt direkt. Im vergangenen Mai wohnte ich an gleicher Stelle einer Interpretation des Songs bei, die in mir die Sehnsucht weckte, doch schnell das Merlin zu verlassen, um mir lieber den zeitgleich in Reutlingen spielenden Niels Frevert anzuschauen. Tatsächlich blieb das damals von Andreas „Spatz“ Sperling gesungene Cover, das einzige Highlight eines schwachen Keimzeit – Konzerts. Richtig, das sind die mit „Kling Klang“, jene Ostrock-Band, auf die Bernd Begemann in der ultimativen Version von „Kein Glück im Osten“ auf seinem Live-Album pointiert verwies („Keimzeit sind besser als du.“ - „Keimzeit sind ja auch mehr als ich, das ist irgendwie ungerecht.“). In hellbrauner Stoffhose, Lederstiefelletten und kariertem Holzfällerhemd besingt Frevert schließlich in „Blinken am Horizont“ berührend den Verlust geliebter Menschen, ein Moment, an dem man sich selbst Schlucken hört, an dem ein vereinzeltes Husten stören kann und natürlich auch stört. „Findest du das lustig / Mir einen Klingelstreich zu spielen / In der Dämmerung des Abends deiner Beerdigung / Gut getarnt als Taube vom Dach gegenüber / Dich aus dem Staub zu machen ohne Telefonnummer / Ich würd dich gern mal anrufen / Es wär' schön wenn du mir schreibst / Eine Postkarte mit Grüßen aus dem Jenseits. / (…) / Du siehst mich Blinken am Horizont.“ 



Vermutlich ist es diese stilvolle Melancholie, die jede Gefahr des Kitschs gekonnt umschifft, die Frevert eine Sonderstellung in der deutschen Liedermacher-Szene einbringt. Egal welchen Musiker aus dem Umfeld der Hamburger Schule man nach Niels Frevert fragen würde, ich glaube nicht, dass man eine negative Stimme finden würde: Frevert ist der, auf den sich alle einigen können, weil er hochwertige Musik schafft. Unangefochten ist er eines der Aushängeschilder von Tapete. Wenig später folgt ein Lied, dessen Text mich auf alle Zeit in seinem aufrichtigen Mitgefühl berühren und inspirieren wird. Frevert besingt hierbei „einen guten Kumpel, der vor zehn Jahren oder so, in diese Hartz-IV-Sache gerutscht ist, die sich nach und nach als ausweglose Spirale entpuppte.“ „Und du sagst, / Wenn doch bloß nur / Immer die Sache mit dem Geld nicht wär' / Und das Gefühl man wär zu alt / Aber niemand wird kommen dich zu retten / Wie einen Regenwald Quadratmeter oder ein WWF-Tier.“ Bei „Kickdown“, das er gerne aus dem Programm nehmen würde, aber nach eigenen Angaben nie schafft und doch verspricht, darauf beim nächsten Mal zu verzichten, spielt Frevert überraschend hart E-Gitarre und versucht sich sogar an einem gekonnt dilettantischen Solo, das in seiner Unperfektheit einen wohligen Kontrast zu der hochklassigen Poplyrik steht. Naheliegenderweise lässt er „Kickdown“ direkt in den rockigen Titelsong seines 2003er Album „Seltsam öffne mich“ übergehen, das ein gutes Beispiel für die Wortspielkunst Freverts liefert. Von seinem selbstbetitelten Solodebütalbum „Niels Frevert“ von 1997 gibt es nur den fantastischen 90er-College-Rocker „Doppelgänger“, ein melodischer Weezer infizierter Song mit Feedbackeinlagen und einem starken paranoid-schizophrenen Refrain, der live seine gesamte Wirkung entfacht: „Du musst mein Doppelgänger sein. / Mein Bruder das Schwein. / Was willst Du. / Was hat das mit mir zu tun. / Es gibt beim besten Willen nichts zu verstehen. / Lass mich in Ruhe.“ Nach „Glückskeks“ folgt eine zehnminütige Pause, die der erkältete Sänger, sicherlich auch nötig hatte. Verdient war sie auf jeden Fall. Pünktlich ist Frevert zurück und kündigt an einen Song „eines sehr guten Freundes zu spielen, Nils Koppruch.“ Vereinzelt bricht tobender Applaus aus, während Niels Frevert das wunderschöne Stück deutschsprachigen Großstadt-Countrys „Den Teufel tun“ zu spielen und damit an den im Oktober überraschend verstorbenen Koppruch zu denken. Die große Klasse des Songs führte einen noch einmal drastisch vor Augen, welch große Lücke der Hamburger Musiker hinterlässt. Tränen aus dem Gesicht wischend höre ich mit trocknenden Augen „Baukran“ und „Wohin hat es deine Sprache verschlagen?“ an, bevor die brillanten autobiografischen Songs „Niendorfer Gehege“, über ein Klassentreffen im „langweiligsten Stadtteil Hamburgs“, in dem er aufwuchs, und „Der Typ, der nie übt (Worum es eigentlich geht)“ folgen. Keine Frage, würde man nach schlechten Songs in seinem d'oeuvre suchen, würde man vermutlich nicht fündig werden. Nach „Zürich“, einem Lied über miese Erfahrungen bei seinem ersten Konzert in der Schweiz, und „Einwegfeuerzeugstichflamme“, singt Frevert mit krachziger, von der Erkältung gezeichneter Stimme eines der populärsten Stücke des aktuellen Albums, „Ich würd' dir helfen, eine Leiche zu verscharren, wenn's nicht meine ist“, das in der Studioversion durch perfekt eingesetzte Streicher und einem passenden Chor brilliert. 



Keine Frage, hier wohnt man dem Konzert eines klassischen Storytellers bei, der gute Geschichten erzählen kann, das Talent besitzt den Stoff ganzer Romane auf viereinhalb Minuten zu komprimieren. „Und wenn ich falsch aber richtig lieg' / Dann liegt's vielleicht an mir / Und du mich verlegen machst / Dann weil mir soviel liegt an dir.“ Mit „Wann kommst du vorbei?“ endet das reguläre Set. Dass die Zugaben mit „Aufgewacht auf Sand“, dem vielleicht schönsten Lied des Feingeists beginnen, freut mich ungemein. Meine Freundin wird es später als den Höhepunkt des Abends bezeichnen und liegt damit sicherlich nicht falsch. Mit schönem Fingerpicking spielt Frevert jenen verträumten Song mit Zeilen wie „Den Wellen in der Nacht - hinterher gerannt / Auf einmal wird es morgen und ein neuer Tag / Auf der Straße wird gestritten es hallt die Häuserwände lang / Und Du träumst das was Du nicht loslässt nur ein Stückchen Treibholz ist / Eingeschlafen und aufgewacht auf Sand.“. Fraglos ist es der schönste des Song des „Du kannst mich an der Ecke rauslassen“ - Albums. Ein perfekter deutscher Folksong. Bei „Du musst zuhause sein“ animiert Frevert das Publikum erstmals zum kollektiven Mitsingen. - Und tatsächlich das klassische Kulturpublikum des Merlins singt begeistert mit. Dann gibt es mit „Genug ist genug, Gnu“ eines meiner Lieblingslieder des Hamburgers als letztes Lied. Mal ehrlich, gibt es einen lustigeren, unprätentiöseren Songtitel in deutschsprachiger, hochwertiger Popmusik? Ich glaube nicht. „Und du findest Kakerlaken in deinen Cornflakes“. Seltsame Zeile? Nix seltsam. „So klingt unser Leben“, wie Francesco Wilking abschließend in seiner Beschreibung Freverts im Programmheft des BootBooHook-Festivals bemerkt. Er hat Recht. 

Setlist: 

1) Schlangenlinien 
2) Du kannst mich an der Ecke rauslassen 
3) Waschmaschine 
4) Eines flüchtigen Tages Treffen auf der Straße 
5) Blinken am Horizont 
6) 1m² Regenwald 
7) Kickdown 
8) Seltsam öffne mich 
9) Doppelgänger 
10) Glückskeks --------PAUSE------------ 

11) Den Teufel tun (Nils Koppruch – Cover) 
12) Baukran 
13) Wohin hat es deine Sprache verschlagen? 
14) Niendorfer Gehege 
15) Der Typ, der nie übt (Worum es eigentlich geht) 
16) Zürich 
17) Einwegfeuerzeugstichflamme 
18) Ich würde dir helfen, eine Leiche zu verscharren, wenn's nicht meine ist 19) Wann kommst du vorbei? 
20) Aufgewacht auf Sand (Z) 
21) Du musst zuhause sein (Z) 
22) Genug ist genug, Gnu (Z)



Sonntag, 9. September 2012

Sound of Bronkow Festival Tag 3, Dresden, 02.09.2012

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Sound of Bronkow Festival - dritter Tag
Ort: Dresden (Societätstheater)
Datum: 2. 9. 2012 12:00 - 18:30 Uhr und 20:00-23:00 Uhr
Zuschauer: 50-300

Der dritte Tag des Festivals hatte zwei Teile: einen Singer Songwriter brunch im Garten und ein abendliches Konzert in der Dreikönigskirche.

Ab 12 Uhr spielte Desiree Klaeukens mit ihrem Gitarristen Florian Glässing locker und sympatisch und länger als geplant, da House of Wolves wegen Zugverspätung erst einen späteren Slot wahrnehmen konnte. Es war gerade richtig, um ruhig in den Tag zu kommen.

The Coloradas sprang dann noch spontan für ein kurzes Set ein und weckte uns doch etwas nachdrücklicher auf, bevor etwa 13:30 Uhr House of Wolves (das ist Rey Villalobos)
sein ätherisches Set beginnen konnte. Das Programmheft versprach hier: "Villalobos´ Stimme klingt, als würde eine männliche Elfe (jaja, solche Vergleiche darf man nich machen, wissen wir) tröstende Lieder singen und erinnert in manchen Momenten angenehm an Nick Drake oder Sufjan Stevens. Dazu betörende, entrückte Songs, die in ihren Videos völlig zu recht in Ozeane von Licht gebadet werden." Und dieses Versprechen erfüllte sich aufs schönste.


Richtig gespannt war ich auf das Projekt Redwood Red von Emma Gatrill und Cathy Cardin. Angekündigt hatten es die beiden Damen von Sons of Noel and Adrian als ihr Projekt mit Harfe und Gitarre. Es waren dann aber sogar 4 Leute auf der Bühne, weil es noch Unterstützung an Bass und Schlagzeug dazu gab. Gute Unterhaltung bot sich schon während des Soundchecks. Ich weiß nicht, wie viele Fotos ich von Emma gemacht habe, wo sie lacht und Witzchen macht. Es war dann aber auch musikalisch eine sehr gelungene knappe Stunde zusammen. Die künstlerischen Handschriften der beiden Damen waren deutlich zu unterscheiden, ergänzten sich hier aber sehr schön. Im Vergleich zur großen Band ging es hier ruhiger und nachdenklicher zu, auch rhythmisch nicht ganz so vielschichtig, aber es war schon eher artifizieller Folk. Die Harfe ist natürlich ein sehr schönes Instrument und gibt der Musik eine ganz eigene Note. Es kamen aber auch die Klarinette zum Zug und es gab eine Stepdance-Einlage von Emma. Als Gartenmusik zum Nachmittag ein besonderes Schmankerl.

Sons of Noel and Adrian lauschen Fenster
Als letzter regulärer Tagesordnungpunkt im Garten durften Fenster den Schlusspunkt setzen. Auch sie füllten die Bühne mit vier Musikern bis an die Grenzen. Sie haben einen sehr eigenen Stil zum Teil sehr energetisch und wechselnden im Set öfter die Instrumente. Häufig wurden elektronische Sounds als Fluchtpunkte der Musik eingesetzt neben Glockenspiel und Schlagwerk. Offensichtlich waren hier im Publikum viele Fans dabei und man sah ganze Pulks von glücklichen Gesichtern.



Das abendliche Konzert in der Dreikönigskirche war ein Novum und sozusagen ein Experiment. Es liegt eigentlich nahe, diesen Ort zu bespielen, weil ohnehin der Kirchturm der Dreikönigskirche auf keinem Fotoset des Sound of Bronkow Festivals fehlt. Er schaut so schön tröstlich in den Garten und zeigt die aktuelle Uhrzeit an. Naheliegend ist es auch aus dem Grund, dass die Dreikönigskirche ein Zwitterwesen ist zwischen Kirche und Veranstaltungsort (als Haus der Kirche). Die sakrale Atmosphäre einer Kirche ist nur mehr andeutend vorhanden. Da die Kirche in ihrer jetzigen Form (nach der Zerstörung im Jahr 1945) erst in den 1980er Jahren wieder wieder aufgebaut wurde, war man so klug, das Haus für verschiedene Nutzungen auszulegen, weil die evangelische Gemeinde der Dresdner Neustadt gar nicht so groß ist, dass sie das Gotteshaus sonst füllen kann. Ein gewisses Risiko bestand trotzdem durch die ungewohnte Akustik des Hallenbaus und die Art, wie das Publikum auf Distanz gehalten wird durch die Sitzordnung.

Ich denke aber, das Experiment verlief zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten. Die drei Künstler Thos Henley, Tiny Ruins und Niels Frevert schafften es jeweils locker nur mit ihrer Gitarre bewaffnet den Raum einzunehmen und das Publikum für sich zu gewinnen. In einem ersten Teil waren sie ab 20 Uhr jeweils etwa 25 min Solo auf der Bühne. Nach einer 20 min Pause saßen dann alle Künstler vorn und wechselten das Podium untereinander.


Es war sehr sympatisch, wie Thos Henley zum überbrücken der Pausen beim Stimmen seine neu gelernten deutschen Sätze zum besten gab. Er ist seit einiger Zeit in Dresden und wird wohl auch wieder mit Oh, Othello unterwegs sein von Dresden aus. Er strahlte zunächst eine gewisse Nervosität aus, die er mit der langen Konzertpause begründete. Aber musikalisch gab es für diese Nervosität keinen Grund.

Tiny Ruins wurde hier schon sehr oft live begleitet. Sie hat die Gabe gleichzeitig zerbrechlich und kraftvoll zu singen. Ich glaube, in der Kirche kannten sie vorher nur sehr wenige. Es ist aber sicher keiner nach Hause gegangen, der nicht von dem Konzert aufs tiefste berührt und begeistert gewesen wäre. Nach dem Konzert hatten wir noch Gelegenheit uns ein wenig zu unterhalten. Sie wurde auf ihre Gitarre angesprochen, die in der Tat ein japanisches Fabrikat aus den 1970er Jahren ist. Mehreren Leuten war es ein Anliegen, sich persönlich für das Konzert zu bedanken und natürlich wurden auch CDs verkauft und signiert.

Niels Frevert hat ganz bestimmt schon viele verschiedene Konzertorte bespielt und trat doch auch etwas vorsichtig tastend auf, wie er mit der Atmosphäre des Raumes umgeht. Er hatte einen Barhocker dabei, dann wollte er doch lieber stehen. Aber ich denke, es hat ihm mit den Dresdnern doch auch Spaß gemacht.

Ein unbedingtes Highlight dieses ohnehin wunderbaren Konzertabends waren die Zugaben. Tiny Ruins akustisch aus dem Gang zwischen den Stühlen und Oh Othello vereint mit einem Lied "whiskey and fireworks", das sie im vergangenen Jahr zum Sound of Bronkow geschrieben hatten. Die Spielfreude der beiden zusammen zu sehen, war für mich ein ganz besonderes Geschenk. Sie befeuern sich gegenseitig und die Blitze gehen hin und her. Natürlich ist Thos Henley auch solo ein toller Künstler, aber mit Oh, Othello gewinnt Musik und Darbietung eine ganz andere Dimension.

So ging das Sound of Bronkow in der Ausgabe von 2012 zu Ende. Es hat mir viele Facetten gezeigt und wunderschöne Stunden geschenkt. Zeit mit musikalischen Freunden, Gelegenheit, neue Musik für mich zu entdecken und Zeit in einer so freundlichen Atmosphäre, dass ich 2013 sehr sehr gern wieder Anfang September nach Dresden fahren möchte und mich dann sicher wieder ganz als Gast von Kumpels and Friends bestens aufgehoben fühlen werde.



 

Konzerttagebuch © 2010

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