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Dienstag, 3. Juni 2014

Maifeld Derby 2014, Tag 1

1 Kommentare

Konzert: Rah Rah, Fenster, Lucy Rose, ClickClickDecker, Future Islands
Ort: Maifeld Derby, Mannheim
Datum: 30.05.2014
Dauer: Rah Rah ca. 40 Minuten, Fenster ca. 40 Minuten, Lucy Rose ca. 50 Minuten, ClickClickDecker ca. 35 Minuten, Future Islands ca. 60 Minuten
Zuschauer: unterschiedlich


Letztes Jahr habe ich ja ein bisschen geschimpft über das Maifeld Derby. Aus meiner Sicht hatten das Wachstum und die Erweiterung auf drei Festivaltage nicht die erforderlichen Verbesserungen der Infrastruktur nach sich gezogen. Richtig schlimm war das alles nicht gewesen, sonst wäre ich ja auch nicht wiedergekommen, aber bei der Anreise war ich dieses Mal natürlich besonders gespannt, was nun anders sein würde – zumal im Vorfeld von etlichen Neuerungen die Rede gewesen war.



Tatsache! Schon die Bändchenausgabe war an einem neuen Ort und erzwang mittels Absperrungen eine ordentliche Schlange, was erfolgreich ein Kuddelmuddel drängelnder Gäste, wie ich es letztes Jahr erlebt hatte, vermied. Beim Betreten des eigentlichen Geländes dann die nächsten Schocks: Die Open Air Bühne war größer und woanders aufgebaut! Zusätzlich zum bekannten Palastzelt, das vergrößert worden war, war nun auch die Brückenaward-Bühne in einem ähnlichen Zelt untergebracht. Und - ich hatte nicht mehr wirklich damit gerechnet - dem Fressstand der Langmetzgerei Kumpf hatten sich mehrere weitere hinzugesellt! Es gab Falafel (vegan), etwas namens Handbrot, thailändisches Essen und Pakora. Fast alles vegetarisch oder mit vegetarischer Alternative! Etwas weiter entfernt entdeckte ich zusätzlich einen Crêpe-Stand.



Und als ich es endlich schaffte, meinen Blick von all den attraktiven Essensoptionen abzuwenden, entdeckte ich, dass auf dem Boden Schotterstreifen ausgegossen worden waren, sicherlich als eine Art Laufsteg, falls es bei Regen Pfützen geben sollte. Auch im Dekobereich hatte man sich wieder mehr Mühe gegeben, einige Bäume mit bunten Lampions dekoriert und die Freifläche mit Holzschaukelpferden und einer Springhürde auf den Steckenpferdwettbewerb am Sonntag vorbereitet. Damit waren sämtliche meiner Nörgelpunkte des Vorjahres von Timo Kumpf und seinen Helfern behoben worden. Toll! Für nächstes Jahr möchte ich bitte noch einen Streichelzoo!



Wir mussten an diesem Punkt unsere Besichtigung abbrechen und ins Palastzelt eilen, denn dort begann der für uns erste Bandauftritt des Festivals, Rah Rah. Das Quintett aus Kanada (laut Wikipedia ist es normalerweise ein Sextett) machte einen ausgesprochen fröhlichen Eindruck und hält viel von Abwechslung in Bezug auf Instrumente und Sänger. Der Bassist des ersten Songs („Art & A Wife“) wechselte für den Großteil des restlichen Sets ans Schlagzeug, der Leadsänger der meisten Songs, Marshall Burns, machte mehrmals Platz für die beiden weiblichen Bandmitglieder, die ansonsten Geige, Keyboard, Bass oder auch mal Schlagzeug spielten. In Bezug auf eine der Damen, Kristina Hedlund (mit Pelzmütze), wäre den Kollegen möglicherweise anzuraten, sie zu bitten, ihre anderen musikalischen Fähigkeiten verstärkt nachzukommen und das Singen den anderen zu überlassen. Gerade bei „20s“ fand ich ihr Gesinge eher schlimm, und das in Gegenwart von mindestens zwei besseren Sängern – die Stimme von Erin Passmore (im Lamettakleid) gefiel mir nämlich ebenfalls deutlich besser. Nichtsdestotrotz ein guter, fröhlicher Einstieg ins diesjährige Maifeld Derby.


Gimmick Nummer 1:  Bei „Beaches“ schlugen der Schlagzeuger und der Gitarrist den Rhythmus auf dem Gestänge der Bühne. Gimmick Nummer 2: Die Band hatte riesige silberne Aufblasbuchstaben dabei (R, A, H), die bei den letzten beiden Songs ins Publikum geworfen wurden und dort großen Anklang fanden.


Setliste:

Art & A Wife
Dead Men
I'm a Killer 
Fake Our Love
Run 
Beaches 
20s 
First Kiss 
Duet for Emmylou and the Grievous Angel 
Prairie Girl


Auf ging es zum Parcours d’Amour, der seit der Premiere des Festivals altbekannten kleinen Bühne im Reitstadion. Auch hier hatte man aufgestockt, indem man die Bühne vergrößert und weiter nach hinten verlegt hatte. Geblieben waren die liebevolle Dekoration, der Weinstand und die im Vergleich zu den anderen Bühnen intimere Atmosphäre – verbunden mit der Möglichkeit, sich hinzusetzen.
Dort waren Fenster bereits mit dem Soundcheck beschäftigt. Das deutsch-amerikanisch-französische Quartett hatte optisch einiges Auffälliges zu bieten: blonde Frau mit Lidschatten“brille“ und Hot Pants, ein Sänger, der aussah wie ein jüngerer Rudi Völler und ein Schlagzeuger, der mit blondem Haar und Schnurrbart wirkte, wie Barbies Freund Ken in den 70ern. Auch Fenster tauscht gerne einmal Instrumente und Rollen, so dass die blonde Frau, die ich zunächst für die Sängerin hielt, diese Rolle nach dem ersten Song weitgehend an Rudi Völler abgab. Musikalisch wurde ich mit dem Gebotenen Dream Pop nicht recht warm und deshalb ganz froh, als wir nach Ende des Sets zu Lucy Rose im Palastzelt aufbrachen.


Die Britin war anscheinend bereits im Line-up des vergangenen Jahres gewesen, hatte jedoch absagen müssen.  Ihr Auftritt war bei unserem Eintreffen bereits im Gange, aber es war recht leicht, sich noch in die ruhigen, emotionalen Lieder einzufinden, die die Sängerin meist auf der Gitarre, einmal auch am Klavier begleitete.  Die Zwischenansagen der Künstlerin zeugten von einer gewissen Unsicherheit: Mit ihrem eigenen Klavierspiel war sie nicht sonderlich zufrieden, außerdem war sie positiv überrascht, dass sich das Zelt recht gut gefüllt hatte, war sie doch überzeugt gewesen, vor einem sehr dürftigen Publikum zu spielen. Außerdem sei das riesige „Lucy Rose“ Transparent, das hinter der Bühne hing, heute erstmalig im Einsatz, obwohl sie es bereits seit einem Jahr hätte, weil hier ausreichend Platz sei und viele ja auch sicher nicht wüssten, wer sie sei.


Bezüglich der Setliste konnte ich nicht allzu viel erkennen und mitschreiben, gespielt wurden mit Sicherheit aber „Shiver“ und „Middle of the bed“. Im Nachhinein hätte ich lieber mehr von Lucy Rose gesehen als von Fenster.  Im Später las ich auf Wikipedia, dass die Künstlerin als Merchandise Tee verkauft, was ich auch gerne genutzt hätte.


Nach Lucy Rose pilgerten wir zurück zum Parcours d’Amour, vor dem sich überraschenderweise bereits eine lange Schlange für ClickClickDecker gebildet hatte. Unsere kurze Sorge, drinnen könne es bereits voll sein, erwies sich als unbegründet, es gab nur einfach Stauungen zwischen den Konzertbesuchern, die hinaus wollten, und den Neuankömmlingen. Als wir erst einmal hinein konnten, fanden wir also problemlos einen Platz, allerdings sollte es doch noch zu Kapazitätsproblemen kommen – auf Facebook konnte man später den Unmut von Fans lesen, die später als wir gekommen waren und die man zunächst tatsächlich nicht mehr hinein gelassen hatte. Irgendwann wurde dann ein ursprünglich abgesperrter, zusätzlicher Sitzblock geöffnet, aber zu diesem Zeitpunkt war das Set der Band schon fast vorbei.


Aus irgendeinem Grund gab es nämlich Zeitprobleme: Wir waren recht pünktlich zum Konzertbeginn laut Programm erschienen, warteten aber noch eine gute Viertelstunde, während die Band auf der Bühne in aller Ruhe ihren Soundcheck absolvierte - der Schlagzeuger verband den Mikrophoncheck dabei mit einer Runde Quizduell, indem er die Fragen ins Publikum stellte (Ich habe aber Zweifel an der Authentizität folgender Frage: "Welche Meinung zum Thema Fleisch kommunizierte die Band The Smiths auf ihrem zweiten Album? A: Fleisch ist Fleisch Nanananana B: Fleisch ist Mord C: Auch Fleisch ist Fleisch Nanananana.")

Als es schließlich mit „Und darüber nachdenken nicht nötig“ losging, zeigte sich, dass in der ersten Reihe ein dreiköpfiger Damen-Fanclub Platz genommen hatte, der jeden Song begeistert mitsang und abfeierte.  Auch sonst waren sichtlich viele Anhänger der Band auf der Tribüne.


Ich dagegen kannte vor dem Auftritt keinen einzigen Song, konnte mich aber mit den nachdenklichen Texten schnell anfreunden, zumal es bei einem derart begeisterten Publikum schwer war, neutral zu bleiben. Lustig auch die Szene, als Kevin Hamann einer der Damen aus der ersten Reihe, die unablässig einen Songtitel schrie, irgendwann ruhig sagte. „Du, ich hab das gehört. Wir sind ja nur einen Meter voneinander entfernt. Zwischen uns wird es heute keine Kommunikationsprobleme geben.“ Dafür aber Zeitprobleme, denn nach dem späten Beginn des Auftritts mussten offenbar Verzögerungen aufgeholt werden, so dass die Setliste nach einem entsetzten „Wie, noch vier Minuten? Wir haben doch gerade erst angefangen!“  spontan zusammengekürzt werden musste.

„Händedruck am Wendepunk“ und „Durch die Kastanienanlagen“ wurden nicht gespielt, daher endete das Set mit „Tierpark Neumünster“ dann recht abrupt vor mittlerweile stehend abfeierendem Publikum. Auch die geplanten Zugaben „Der ganze halbe Liter“ und „Mit Neumanns Füßen“ mussten leider entfallen.


Setliste:

Und darüber nachdenken nicht nötig
Einbahnstraße
Was kommt wenn nichts kommen will
Die Nutzlosen (unentbehrlich)
Erste Schritte
Wer hat mir auf die Schuhe gekotzt
Erledigungsblockaden
Niemand tanzt so kacke wie ich
Tierpark Neumünster


Wir verließen den Ort des Geschehens schnell, um zum ersten Mal an diesem Tag die neue Fackelbühne aufzusuchen. Diese Reinkarnation der ehemaligen Open Air Bühne ist, wie alles andere beim Derby, größer als ihr Vorgänger. Obwohl das Interesse an der amerikanischen Band Future Islands mit dem denkwürdigen David Letterman-Auftritt groß war, konnten wie mühelos in die erste Reihe vordringen und mussten auch nicht lange warten.


Die Band aus Baltimore ist komplett auf ihren Rampensau-Sänger fokussiert, so dass die verbleibenden Bandmitglieder auf mich nicht nur zurückhaltend, sondern gar genervt wirkten. Das Bühnengehabe von Samuel T. Herring ist ja auch durchaus gewöhnungsbedürftig, wobei es mir live passender erschien als im Fernsehen. Herring tanzte, ging in die Knie, wälzte sich auf dem Boden, gestikulierte wild und wäre, würde er teilnehmen, sicher der unbestrittene Sieger des für Sonntag angesetzten Steckenpferd Wettbewerbs. Einmal abgesehen vom Singen und Grunzen, das ihn auch für eine Death Metal Band qualifizieren würde.


Beim vierten Lied, „Walking Through That Door“, wurde plötzlich eine Menge riesiger roter Pappherzen verteilt, mit denen das Publikum folgsam gen Bühne winkte. Als ich mich gerade fragte, ob diese Aktion überhaupt mit der Band abgesprochen worden war, nahm Herring eines der Herzen, die auf die Bühne geflogen waren, in die Hand und erklärte, es handele sich um das „Naked Heart Project“, eine Aktion eines guten Freundes der Band, und man solle die Herzen hochhalten, wenn man eines bekommen hätte. Die Band werde versuchen, dasselbe auch beim Melt! zu machen.
Trotz der zweifellos beeindruckenden Bühnenshow muss ich sagen, dass ich die Songs von Future Islands in der Liveversion einander zu ähnlich fand, die Single „Seasons (Waiting On You)“ war hier für mich ganz klar ein Highlight. Dennoch ein lohnendes Konzert, das meinen ersten Tag beim rundum erneuerten Maifeld Derby abschloss.


Setliste:

Back In the Tall Grass 
Sun In The Morning 
A Dream of You and Me 
Walking Through That Door 
Balance 
Before the Bridge 
Doves 
A Song for Our Grandfathers 
Light House 
Seasons (Waiting On You) 
Spirit 
Tin Man 
Long Flight

Links: Fallen angesichts der Bandfülle dieses Mal aus, andere Berichte lassen sich aber leicht über die Labels finden.

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht





Samstag, 31. Mai 2014

Maifeld Festival 2014 in Mannheim Tag 1

2 Kommentare

Konzerte: 
  Kristian Harting (35 min)
  Nicholas Chim (25 min)
  Fenster (45 min)
  Scarlett O'Hannah (40 min)
  Clickclickdecker
Ort: Parcour d'Amour Maimarktgelände Mannheim
Datum: 30. Mai 2014
Zuschauer: zwischen 300 und über 1000


Ich bin kein Mensch für den Festivals passen. Ich komme zu Konzerten wegen der Musik und weil ich den Musikern zusehen will. Nicht wegen der Gaudi. Und das beißt sich umso wahrscheinlicher mit den Plänen anderer, je größer der Kreis der Teilnehmer gezogen wird. 


Das Maifeld hatte mich im letzten Jahr mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Das klingt undankbar und pedantisch, aber das tollste Lineup ist für mich vergebliche Liebesmüh, wenn der Anteil der Krawallnasen einen gewissen Prozentsatz übersteigt. Leider sind sehr wenige Störer genug, um vielen Leuten den Spaß zu versalzen. Zweiter Punkt war, dass es zum Teil so viel zu laut war, dass ich selbst mit Hörschutz keinen Ort fand, um den Lärm irgendwo aushalten zu können.


Die Lautstärke ist ein Aspekt, den die Macher eigentlich in der Hand haben, den ich deshalb besonders ärgerlich fand. Außerdem ist die Regelung, dass ich viermal Schlange stehen muss, um einmal etwas zu trinken kaufen zu können für mich ärgerlich, weil mir diese Zeit für wichtigeres fehlt. Dem gegenüber stehen die tollen Seiten des Maifeld Derbys: Musik wie für mich persönlich ausgesucht; alle lieben Leute, die ich sonst nur über Fotos und Berichte "treffe", sind da und man kann die Erlebnisse wirklich teilen. Außerdem finde ich es Herz erwärmend, wenn im Publikum überall Musiker zu finden sind. Solche, die beim Festival auftreten und solche, die selbst einfach Gäste sind.



So habe mir dann doch wieder ein Early horse ticket geholt. Und Reklame gemacht und mir den Mund fusslig geredet. Zurecht, denn das Lineup 2014 hat eigentlich nur einen Fehler: Bands, die ich unbedingt sehen will, finden mehrfach gleichzeitig statt. Mein erhoffter Höhepunkt in diesem Jahr werden Get well soon sein (wobei ich noch sehr gespannt bin, ob zu der Tageszeit im Palastzelt das Publikum mehr von der Musik als vom Alkohol begeistert sein wird und ob ich überhaupt etwas sehen kann). In der Woche vor dem Maifeld festigte sich außerdem die Erwartung, dass das Wetter wohl ganz gut sein würde, was für so eine Veranstaltung vieles einfacher macht.


Eingedenk meiner 2013er Erfahrungen hatte ich mich für den Freitag auf die für mich komfortabelste Lösung geeinigt. Ich nehme die Überschneidungen hin (verpasse z.B. mit blutendem Herzen Bled white, Rah Rah und Lucy Rose) und bleibe im Parcour d'amour. Und ich hatte mir ein Zeitlimit gesetzt, um nicht schon nach dem ersten Tag k.o. zu sein. Klingt nicht sehr Rock'n Roll, wird auch hier nicht zur Nachahmung empfohlen, ist aber die einzige Variante, über die ich redlich Zeugnis ablegen kann.


Leider gab es beim Einlass schon den ersten Dämpfer des Tages. Obwohl eigentlich im Vorfeld gesagt worden war, das Tetrapacks mit Getränken einer vernünftigen Größe ok seien, wurde mir prompt mein Wasser abgenommen. Es geht mir nicht um das Geld, denn ich würde auch gern für einige alkoholfreie kühle Biere zahlen,  aber in den Umbauzeiten von 10-20 min schaffe ich es nicht, vom Parcour zu gehen, etwas zu trinken zu besorgen und an meinen Platz zurück zu kommen und muss auch noch damit rechnen, überhaupt nicht mehr Einlass zu finden, weil der Parcour voll ist. Ist übrigens auch ein Risiko, wenn man nur mal austreten gehen muss.



Ich weiß, ich bin nicht die Regel, aber so kommen wir halt auch nicht zusammen. Ich komme für die Musik und nicht um mich zu ärgern. 

Nachdem ich meinen Platz im Parcour gefunden hatte, war aber alles bestens. Vor dem ersten Konzert schon gab es mehrere nette Wiedersehen und diverse Schwätzchen und in allen Umbaupausen wiederholte sich das Spiel, neue Gesichter zu begrüßen und mich darüber zu freuen. Bis vor Clickclickdecker tauschte sich das Publikum auch jedes Mal fast komplett aus und so konnte ich auch locker rumlaufen und Leute treffen. 


Über den Dänen Kristian Harting wusste ich im Vorfeld nicht viel - z.B. weil ich Future Islands Konzerte bisher ignoriert habe. Er tourte gerade mit ihnen und irgendwie passte das auch zu der Art Musik die er macht. Klingt etwas absurd, denn er ist ein Ein-Mann-Orchester. Aber wie er ausholt, um gigantische Sounds zu malen, das lässt manche Band alt aussehen. Ich fand es jedenfalls rundum beeindruckend und werde in der Zukunft ein Auge auf den netten Dänen haben. Für das Maifeld Publikum muss gesagt werden, dass sogar für diesen frühen Slot sehr viele Leute den Weg in den Parcour gegangen waren und sich als sehr, sehr begeisterungsfähig erwiesen! Und für die Security, dass sie sehr nett aber bestimmt das Rauchverbot durchsetzten (bis es bei Clickclickdecker zu viele Leute wurden und auch das Publikum sich nicht mehr um Hinweise scherte).


Nicholas Chim konnte ich vor kurzem für ein Wohnzimmerkonzert in der Waldstadt begrüßen. Ich war besonders gespannt, wie die nicht-akustische Version seiner Musik klingen würde mit Rayner Lim an verschiedenen winzigen Gadgets, die über einen Mac mal Rhythmussektion und mal Keyboard ersetzten. Haute für mich gut hin. Passte hervorragend in den Parcour und hatte nur den kleinen Schönheitsfehler, dass er etwas hastig die Bühne räumen musste, weil er so versunken war, dass er die Hinweise auf das letzte Lied jetzt verpasst hatte. Aber Overboard war auch diesmal wieder ein reinster Gänsehautmoment. Schade, dass der Lärm mindestens einer anderen Bühne diesem ruhigen Set ziemlich zusetzte.



Für Fenster füllten sich die Sitze wieder fast bis an den Rand. Anscheinend ist die Formation beim Maifeld Publikum hinreichend bekannt und beliebt. Leider war das auch das erste Set, das erst mit Verspätung begann, weil die Soundcheck-Zeit zu kurz eingeschätzt worden war und hatte dann auch immer wieder Probleme mit Rückkopplungen. Schade, weil das Konzert deutlich zeigte, was sie für faszinierende Musik machen und auch wie sie in der Gruppe immer wieder neue Strukturen einnehmen und die Plätze wechseln. Es war auch das erste Set, wo die Musiker ins schwitzen kamen  und wo sich blauer Himmel zu zeigen begann.


Ganz ähnlich geschah es mit Scarlett O'Hanna - Zeitverzug war vorprogrammiert und Soundprobleme durchsetzten das Set. Trotzdem wusste sie zu überzeugen und die Sängerin war über das ganze Programm für mich ein echter Hingucker - und zum zuhören einladend. Sehr witzig (sicher nicht für die Stagecrew) auch die französische Art mit der Aufforderung zum Ende zu kommen umzugehen: ignorieren und in Ruhe noch ein Lied spielen, obwohl der Zeitplan schon total im Eimer war.



Für Clickclickdecker füllte sich der Parcour d'amour auf den letzten Platz und es lag eine Erwartungsfrohe Stimmung in der Luft. Auch vier Autoren des Konzerttagebuchs fanden sich zwischen den vielen Menschen vereint. Der Soundcheck war lang aber auch eine nette Vorführung, wie man spielerisch mit so einer Situation umgehen kann. 


Mit großer Verspätung begann das Set aber die Stimmung war bestens und rings um mich sang man textsicher mit. Mit glasigen Augen und offenem Herzen. Der Parcour machte seinem Namen alle Ehre. Erst im Gehen verstand ich, dass selbst das die schaumgebremste Variante war, denn draußen stand noch eine lange Schlange, die erst in diesem Moment Zugang bekam, weil noch ein weiterer Teil der Tribüne für die Musikfreunde freigegeben wurde.


Ich weiß freilich nicht, ob das schon für die anschließend spielende Höchste Eisenbahn war, muss aber nach den Erlebnissen drinnen schließen, dass es zumindest in Teilen Clickclickdecker waren, die all diese Liebe anzogen.

Für mich war der erste Tag des Festivals vorbei. Der Parcour d'amour war seinem Namen wieder einmal mehr als gerecht geworden.


Aus unserem Archiv:
Maifeld Derby, Tag 1
Maifeld Derby, Tag 1 - U.
Maifeld Derby, Tag 2
Maifeld Derby, Tag 2 - U. 
Maifeld Derby, Tag 3
Maifeld Derby, Tag 3 - U.

Nicholas Chim, Karlsruhe, 21.05.14
Fenster, Dresden, 02.09.12
Fenster, Paris, 01.10.11

ClickClickDecker, Beverungen, 25.05.12
ClickClickDecker, Bochum, 09.04.07





Sonntag, 9. September 2012

Sound of Bronkow Festival Tag 3, Dresden, 02.09.2012

2 Kommentare

Sound of Bronkow Festival - dritter Tag
Ort: Dresden (Societätstheater)
Datum: 2. 9. 2012 12:00 - 18:30 Uhr und 20:00-23:00 Uhr
Zuschauer: 50-300

Der dritte Tag des Festivals hatte zwei Teile: einen Singer Songwriter brunch im Garten und ein abendliches Konzert in der Dreikönigskirche.

Ab 12 Uhr spielte Desiree Klaeukens mit ihrem Gitarristen Florian Glässing locker und sympatisch und länger als geplant, da House of Wolves wegen Zugverspätung erst einen späteren Slot wahrnehmen konnte. Es war gerade richtig, um ruhig in den Tag zu kommen.

The Coloradas sprang dann noch spontan für ein kurzes Set ein und weckte uns doch etwas nachdrücklicher auf, bevor etwa 13:30 Uhr House of Wolves (das ist Rey Villalobos)
sein ätherisches Set beginnen konnte. Das Programmheft versprach hier: "Villalobos´ Stimme klingt, als würde eine männliche Elfe (jaja, solche Vergleiche darf man nich machen, wissen wir) tröstende Lieder singen und erinnert in manchen Momenten angenehm an Nick Drake oder Sufjan Stevens. Dazu betörende, entrückte Songs, die in ihren Videos völlig zu recht in Ozeane von Licht gebadet werden." Und dieses Versprechen erfüllte sich aufs schönste.


Richtig gespannt war ich auf das Projekt Redwood Red von Emma Gatrill und Cathy Cardin. Angekündigt hatten es die beiden Damen von Sons of Noel and Adrian als ihr Projekt mit Harfe und Gitarre. Es waren dann aber sogar 4 Leute auf der Bühne, weil es noch Unterstützung an Bass und Schlagzeug dazu gab. Gute Unterhaltung bot sich schon während des Soundchecks. Ich weiß nicht, wie viele Fotos ich von Emma gemacht habe, wo sie lacht und Witzchen macht. Es war dann aber auch musikalisch eine sehr gelungene knappe Stunde zusammen. Die künstlerischen Handschriften der beiden Damen waren deutlich zu unterscheiden, ergänzten sich hier aber sehr schön. Im Vergleich zur großen Band ging es hier ruhiger und nachdenklicher zu, auch rhythmisch nicht ganz so vielschichtig, aber es war schon eher artifizieller Folk. Die Harfe ist natürlich ein sehr schönes Instrument und gibt der Musik eine ganz eigene Note. Es kamen aber auch die Klarinette zum Zug und es gab eine Stepdance-Einlage von Emma. Als Gartenmusik zum Nachmittag ein besonderes Schmankerl.

Sons of Noel and Adrian lauschen Fenster
Als letzter regulärer Tagesordnungpunkt im Garten durften Fenster den Schlusspunkt setzen. Auch sie füllten die Bühne mit vier Musikern bis an die Grenzen. Sie haben einen sehr eigenen Stil zum Teil sehr energetisch und wechselnden im Set öfter die Instrumente. Häufig wurden elektronische Sounds als Fluchtpunkte der Musik eingesetzt neben Glockenspiel und Schlagwerk. Offensichtlich waren hier im Publikum viele Fans dabei und man sah ganze Pulks von glücklichen Gesichtern.



Das abendliche Konzert in der Dreikönigskirche war ein Novum und sozusagen ein Experiment. Es liegt eigentlich nahe, diesen Ort zu bespielen, weil ohnehin der Kirchturm der Dreikönigskirche auf keinem Fotoset des Sound of Bronkow Festivals fehlt. Er schaut so schön tröstlich in den Garten und zeigt die aktuelle Uhrzeit an. Naheliegend ist es auch aus dem Grund, dass die Dreikönigskirche ein Zwitterwesen ist zwischen Kirche und Veranstaltungsort (als Haus der Kirche). Die sakrale Atmosphäre einer Kirche ist nur mehr andeutend vorhanden. Da die Kirche in ihrer jetzigen Form (nach der Zerstörung im Jahr 1945) erst in den 1980er Jahren wieder wieder aufgebaut wurde, war man so klug, das Haus für verschiedene Nutzungen auszulegen, weil die evangelische Gemeinde der Dresdner Neustadt gar nicht so groß ist, dass sie das Gotteshaus sonst füllen kann. Ein gewisses Risiko bestand trotzdem durch die ungewohnte Akustik des Hallenbaus und die Art, wie das Publikum auf Distanz gehalten wird durch die Sitzordnung.

Ich denke aber, das Experiment verlief zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten. Die drei Künstler Thos Henley, Tiny Ruins und Niels Frevert schafften es jeweils locker nur mit ihrer Gitarre bewaffnet den Raum einzunehmen und das Publikum für sich zu gewinnen. In einem ersten Teil waren sie ab 20 Uhr jeweils etwa 25 min Solo auf der Bühne. Nach einer 20 min Pause saßen dann alle Künstler vorn und wechselten das Podium untereinander.


Es war sehr sympatisch, wie Thos Henley zum überbrücken der Pausen beim Stimmen seine neu gelernten deutschen Sätze zum besten gab. Er ist seit einiger Zeit in Dresden und wird wohl auch wieder mit Oh, Othello unterwegs sein von Dresden aus. Er strahlte zunächst eine gewisse Nervosität aus, die er mit der langen Konzertpause begründete. Aber musikalisch gab es für diese Nervosität keinen Grund.

Tiny Ruins wurde hier schon sehr oft live begleitet. Sie hat die Gabe gleichzeitig zerbrechlich und kraftvoll zu singen. Ich glaube, in der Kirche kannten sie vorher nur sehr wenige. Es ist aber sicher keiner nach Hause gegangen, der nicht von dem Konzert aufs tiefste berührt und begeistert gewesen wäre. Nach dem Konzert hatten wir noch Gelegenheit uns ein wenig zu unterhalten. Sie wurde auf ihre Gitarre angesprochen, die in der Tat ein japanisches Fabrikat aus den 1970er Jahren ist. Mehreren Leuten war es ein Anliegen, sich persönlich für das Konzert zu bedanken und natürlich wurden auch CDs verkauft und signiert.

Niels Frevert hat ganz bestimmt schon viele verschiedene Konzertorte bespielt und trat doch auch etwas vorsichtig tastend auf, wie er mit der Atmosphäre des Raumes umgeht. Er hatte einen Barhocker dabei, dann wollte er doch lieber stehen. Aber ich denke, es hat ihm mit den Dresdnern doch auch Spaß gemacht.

Ein unbedingtes Highlight dieses ohnehin wunderbaren Konzertabends waren die Zugaben. Tiny Ruins akustisch aus dem Gang zwischen den Stühlen und Oh Othello vereint mit einem Lied "whiskey and fireworks", das sie im vergangenen Jahr zum Sound of Bronkow geschrieben hatten. Die Spielfreude der beiden zusammen zu sehen, war für mich ein ganz besonderes Geschenk. Sie befeuern sich gegenseitig und die Blitze gehen hin und her. Natürlich ist Thos Henley auch solo ein toller Künstler, aber mit Oh, Othello gewinnt Musik und Darbietung eine ganz andere Dimension.

So ging das Sound of Bronkow in der Ausgabe von 2012 zu Ende. Es hat mir viele Facetten gezeigt und wunderschöne Stunden geschenkt. Zeit mit musikalischen Freunden, Gelegenheit, neue Musik für mich zu entdecken und Zeit in einer so freundlichen Atmosphäre, dass ich 2013 sehr sehr gern wieder Anfang September nach Dresden fahren möchte und mich dann sicher wieder ganz als Gast von Kumpels and Friends bestens aufgehoben fühlen werde.



Dienstag, 4. Oktober 2011

Ganglians & Fenster, Paris, 01.10.11

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Konzert: Ganglians & Fenster
Ort: Le Point Ephémère, Paris
Datum: 01.10.11
Zuschauer: nur 80 bis 100


Als ich erfuhr, daß eine deutsche Band Vorgruppe sein sollte, sputete ich mich. Landsleute sehe ich in Paris nicht alle Tage und bin natürlich gespannt, wie sich die deutsche Indieszene so entwickelt.

Fenster stand auf dem Programmzettel, natürlich in Berlin ansässig. Wenn es nur nach dem Namen gegangen wäre, hätte ich mich nicht beeilt, denn den fand ich doch ziemlich unsexy. Meinen französischen Freunden erzählte ich dann auch naserümpfend , daß Fenster übersetzt "fenêtres" hießen, woraufhin der clevere Fabian ganz trocken antwortete: "Nun ja, schließlich gab es ja auch eine wahnsinnig erfolgreiche Band , die sich die Türen nannte: The Doors!"

Schon nach wenigen Minuten war meine Skepsis aber wie weggewischt. Die dreiköpfige Truppe spielte taufrischen Indiepop mit packenden Melodien und überraschenden Wendungen und begeisterte mich auf Anhieb. Charme-und Liebhabefaktor: sehr hoch. Ein Mädel und ein Bube wechselten sich mit den sanft vorgetragenen Vocalsparts ab und tauschten auch immer mal wieder die Instrumente. Sie (JJ, eine New Yorkerin) trommelte und er ( Jonathan, ein Berliner) spielte Gitarre. Und umgekehrt. Der dritte Musiker (Lukas,ein Schweizer) war für die Keybords und den Bass zusändig.

Dream Pop, Twee, Indie Pop, Folkpop, nenne man es wie es wolle, wichtig war allein, daß man es hier mit einer Truppe zu tun hatte, die Spielfreude, Herzenswärme und ungekünstelte Natürlichkeit vermittelte und einem den Mund auf den Kauf eines Albums wässrig machte. Dieses soll 2012 via Morr Music erscheinen, bisher gibt es lediglich eine Vinysingle zu kaufen. Unbedingt im Auge behalten diese Fenster!

Die danach auftetenden Headliner Ganglians aus Kalifornien enttäuschten jedoch ein wenig. Ihr sonnengetränkter, psychedelischer Indierock hatte nicht genügend Durchschlagskraft und Leidenschaft, um das Pariser Publikum durchgängig wachzurütteln. Zudem gab es immer wieder kleinere Soundprobleme und einen Song musste die dreiköpfige Band um den langmähnigen Sänger (ein Sohn von Kurt Cobain?) sogar drei Mal wiederholen. Gegen Ende hin wurde die Sache packender und dynamischer und endlich konnte man sich vorstellen, warum Ganglians oft als starke Liveband beschrieben werden. Heute waren sie nur gehobener Durchschnitt, Tagessieger waren für mich ganz klar Fenster aus Berlin. Yeah, baby!








 

Konzerttagebuch © 2010

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