Posts mit dem Label Element Of Crime werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Element Of Crime werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 4. März 2015

Element Of Crime, Köln, 03.03.15

4 Kommentare

Konzert: Element Of Crime
Ort: Palladium, Köln
Datum: 03.03.2015
Dauer: Element Of Crime 110 min, Apples In Space 25 min
Zuschauer: 4.000 (ausverkauft)

 

Daß nicht nur gerade hippe Bands wie alt-J die größte Kölner Konzerthalle unterhalb von Stadion und Arena ausverkaufen, freut mich. Im Falle von Element Of Crime freut es mich nicht nur besonders, weil ich die Musik der Band und das sonstige Werk des Sängers mag, ich schätze insbesondere die Einstellungen von Sven Regener zu Urheberrecht, Streaming und ganz allgemein zum heutigen Verhältnis Kunde / Künstler. Streaming-Dienste seien "Ein-Euro-Shops", seine Band mache da nicht mit, sagte der Sänger und Schriftsteller im Herbst im Deutschlandfunk. Fände ich das aktuelle Album doof, alleine aus musikpolitischen Gründen wäre ich zum Konzert gefahren. "Eine Konzertkarte von Element of Crime kostet 35 Euro - ist auch nicht teuer. Bei den Rolling Stones fangen die bei 150 Euro an und gehen bis 700 Euro hoch. Da brauchen wir nicht zu diskutieren" (Regener im DLF).

Das Palladium war schon früh voll. Element Of Crime Konzertgänger sind im Schnitt gut doppelt so alt wie die von alt-J. Daß alles sehr früh losging, war vielleicht auch diesem Umstand geschuldet. Punkt acht Uhr begann die Vorgruppe Apples In Space, quasi ein Synergie-Support. Die männliche Hälfte der Band (Phil Haussmann) ist Sohn des Herr-Lehmann-Regisseurs Leander. Sven Regener hat Stücke von Apples In Space produziert und förderte die Band bereits 2013 mit Vorgruppenjobs. Im Palladium sagte der Pate seine Schützlinge persönlich an!

Ich kannte nur die Vorgeschichte (da ich Konzerttagebuchleser bin), kannte aber keines der Lieder der Band, deren zweite Hälfte Julie Mehlum aus Oslo ist. Julie und Phil standen nebeinander auf der riesigen Bühne, sie neben einem Piano, er mit akustischer Gitarre. Ihre Lieder sangen sie gemeinsam, jedes Stück, jedes Wort. Dazu spielte Julie anfangs meist nur mit einer Hand Klavier und Phil Gitarre. Die Stücke gefielen mir. Die instrumentelle Begleitung war nicht schrecklich komplex (was ich mochte), die Stimmen harmonieren aber hervorragend. Richtig gut wurde es, wenn beide oder einer laut wurde. My love ist a bullet und Farewell, little world gefielen mir also am besten. Da die Band das nach jedem Lied gemacht hat, sage ich auch noch mal den Namen: Apples In Space.


Setlist Apples In Space, Palladium, Köln:

01: ?
02: Paper town
03: My love is a bullet
04: The never read letter
05: Vespa
06: Farewell, little world

Der Umbau lief irrwitzig schnell ab. Hier böten sich Witze übers Alter an, ich bin aber kein guter Witzeerzähler. Bereits elf Minuten nach dem Abgang von Apples In Space traten Element Of Crime auf. 


Ich hatte die Band zuletzt beim Fest van Cleef 2011 in Trier gesehen (gemeinsam u.a. mit Frank Turner, Thees Uhlmann und Casper). Ob die Besetztung damals die gleiche war, weiß ich nicht mehr, kann man aber nachlesen (würde der Sänger sagen). Neben Sven Regener waren das im Palladium Gitarrist Jakob Ilja, Bassist David Young, Schlagzeuger Richard Pappik und Saxophonist Rainer Theobald.


Die Songauswahl war nicht weiter überraschend. Es ist die Lieblingsfarben und Tiere Tour (oder wie es eventim auf den Tickets schön umdeutete: Lieblingsfarben der Tiere - Elefant (grün), Löwe (pink), Jaguar (blau)?), also spielten Element Of Crime auch alle Lieder der Platte. Obwohl die zehn nicht mal die Hälfte des Konzerts ausmachten, konnte der Rest bei der Menge an Studioalben seit Mitte, Ende der 80er Jahre natürlich nur ein Querschnitt sein. Ich habe keine richtig großen Lieblinge vermisst, irgendwer weiter hinten brüllt aber immer wieder Mittelpunkt der Welt und wurde nicht erhört. 

Obwohl das Konzert fast zwei Stunden dauerte und auf der Bühne ja nicht furchtbar viel passiert - und sich auch bis auf wenige Ausnahmen die Ansagen des Sängers auf die üblichen drei, vier Textbausteine beschränken (die allerdings früher viel häufiger fielen! Statistik für Köln: "stark" - 4x, "Romantik" - 1x, "jetzt kommt noch ein Lied" - 1x), war das Konzert nie langweilig. Richtig packend sind Element Of Crime Auftritte auch nicht, das erwartet man aber nicht. Da böten sich dann u.U. die 700-Euro-Tickets für die Rolling Stones eher an. Aber Element Of Crime Konzerte sind trotzdem sehr unterhaltsam und musikalisch toll, auch wenn sie am äußersten Ende meiner (nicht auf die Zuschauerzahl) bezogenen Indieskala stattfinden.


Mein Liebling war vermutlich das fabelhafte Vier Stunden vor Elbe 1 als eines der sechs Zugabe-Stücke, gespielt nur von Sven Regener, dem Bassisten und eine Klarinette (glaube ich - Rainer Theobald war für mich meist nicht zu sehen, er hatte aber am Anfang eine Klarinette in der Hand, es klang jedoch nach Mundharmonika). Aber auch Immer nur geliebt, das für die Peter-Pan-Imszenierung von ... Leander Haußmann* zu dessen Intendanz-Abschied am Bochumer Schauspielhaus geschrieben wurde, war wundervoll. Man habe dieses 15 Jahre alte Lied nie gespielt, weil der Kontext gefehlt habe. "Peter Pan, das kennt ja doch jeder", also könne man es auch spielen. Im Hintergrund (und auch bei Love and happiness) sangen Apples In Space mit. 


Ach, es war ein schöner Abend. Wir (also die, die keinen Erdkunde Leistungskurs hatten) lernten etwas über die Europäische Wasserscheide, die Element Of Crime bei ihrer Tour überquert haben, über die richtige Betonung von Delmenhorst (auf der letzten Silbe!) und wir hörten viele sehr gute Lieder einer Band, die vermutlich auch noch Konzerte spielen wird, wenn die alt-Js dieser Welt über eine Reunion nachdenken. Alten Resten eine Chance.

Setlist Element Of Crime, Palladium, Köln:

01: Damals hinterm Mond
02: Immer so weiter
03: Am Morgen danach
04: Rette mich (vor mir selber)
05: Mehr als sie erlaubt
06: Gelohnt hat es sich nicht
07: Dunkle Wolke
08: Liebe ist kälter als der Tod
09: Nightmare
10: Schwert, Schild und Fahrrad
11: Am Ende denk ich immer nur an dich
12: Schade dass ich das nicht war
13: Love and happiness
14: Immer nur geliebt
15: Wenn der Wolf schläft müssen alle Schafe ruhen
16: Kaffee und Karin
17: Immer da wo du bist bin ich nie
18: Straßenbahn des Todes
19: Lieblingsfarben und Tiere

20: Weißes Papier (Z)
21: Delmenhorst (Z)

22: Vier Stunden vor Elbe 1 (Z)
23: Draußen hinterm Fenster (Z)

24: Alten Resten eine Chance (Z)
25: Dieselben Sterne (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Element Of Crime, München, 10.04.13
- Element Of Crime, Trier, 10.12.11
- Element Of Crime, München, 18.09.09



Dienstag, 23. April 2013

Element of Crime, München, 10.04.13

2 Kommentare

Konzert: Element of Crime
Vorband: Apples in Space 
Ort: Freiheiz, München 
Zuschauer: etwa 500 (?) (ausverkauft) 
Datum: 10.04.2013 
Dauer: Element of Crime 120 Minuten, Apples in Space 20 Minuten 


von Fabian von Gefuehlsbetont aus Stuttgart 


 „Wir sind kein Bekleidungsgeschäft“ 

“Liedwünsche werden nicht erfüllt. Wenn eine Band 20 Lieder an einem Abend spielt und 50 im Repertoire sind, kann man sich ausrechnen, wie hoch die Chancen sind.” – Sven Regener stellt gleich zu Beginn ironisch lehrerhaft fest, wie die Sache heute im ausverkauften Freiheiz an der Donnersberger Brücke in München aussieht. Die meisten im Publikum sind etwa so alt wie Regener selbst, gemeinsam schauen wir alle gebannt zu ihm hoch. Ich bin wohl mit einer der Jüngsten heute, jedoch beim besten Willen nicht der Einzige meiner Altersklasse, die Element of Crime, ja, vergöttern. Da kenne ich sicher zehn weitere Leute, die ebenfalls im Schnitt 20 Jahre alt sind und das Gleiche empfinden. “too old to die young” ziert einige T-Shirts im Saal – das Gros der Zuschauer bestätigt die langjährige Treue, die wohl auf jeder Tour hinten ihr Bier trinken und mitschunkeln. Hier im Freiheiz ist die Welt in Ordnung. Die “Neuen” rücken spätestens dann nach, wenn man sich von Regeners Texten nicht mehr sattlesen kann – und viel zu oft in größter traurigschöner Melancholie versinkt – oder eben vor Genialität sprachlos ist.

Ebenso genial ist diese gesamte Aufmachung der Tour. Die fünf Herren (zählt man Christian Komorowski als Live-Violonist mit) sorgten vor einigen Monaten mit der Bekanntmachung der Termine für einen Paukenschlag: Wir hängen tagsüber ab und spielen abends im Club ist das Leitmotiv und Motto der Tour, die im März und April 2013 stattfindet. Dabei spielt die Band in fünf Städten 21 (!) Konzerte – am Beispiel Berlin hieße das: Sechsmal hintereinander jeden Abend im Club Lido – von Sonntag bis Freitag. Jeder Tag ist ausverkauft, so auch die gesamte Tour. Besonders eindrücklich ist dabei der Tourplan auf der Startseite ihrer Homepage www.element-of-crime.de – denn bei Bekanntgabe der Termine hatte ich meine Zweifel und Hoffnung, dass es nicht floppt. Ich wurde schnell eines Besseren belehrt und musste mich sogar am Ende ranhalten, um noch ein Ticket für ein Konzert in München zu ergattern. Mit großer Freude sehnte ich dem Termin herbei und war lange gespannt, was Element of Crime spielen würden. Für mich eine der wenigen Bands, bei denen ich irgendwie keine Erwartungen habe. Sie könnten spielen was sie wollen – was sie auch tun- und immer wieder versteckte Hits rauskitzeln – oder längst Vergessenes entstauben um den Glanz wieder zu zeigen. Doch bevor man die Ehre haben darf, haben Element of Crime eine Vorband im Gepäck. 


Dass die Auswahl auf Apples in Space aus Berlin trifft, wundert mich kaum. Der Gitarrist des sehr jungen Duos ist Phil Haußmann, Sohn des Regisseurs Leander Haußmann, der, ja, richtig – mit the one and only Sven Regener nicht nur dessen Bestseller Herr Lehmann verfilmt hat, sondern auch beim aktuellen Kinostreifen Hai-Alarm am Müggelsee mit ihm Regie führte. Da Sven Regener zwei Songs der Band aufgenommen hat, lässt er es sich nicht nehmen, sie im Freiheiz persönlich anzusagen. “Gitarre spielen wie die Wilden”, sollen sie. Auch bei Maike Rosa Vogel, die auf der aktuellen EOC-Tour alle Abende in Hamburg und Berlin eröffnet, war Regener Produzent. Er investiert stets in eigene Projekte, was natürlich viel Sinn macht. Dennoch werde ich nicht wirklich mit ihnen warm – so auch heute bei Apples in Space, die trotz hütender Hand eines Helden mit einem zwanzig minütigen Set weniger beeindrucken. Schlaffe Folksongs in englischer Sprache, wenig Ausbruch oder transportiertes Gefühl. Auch schmiegt sich Haußmanns Stimme kaum seinem guten Gitarrenspiel an. Es wirkt alles etwas verloren, schülerhaft -okay, sie sind jung-, dennoch bekommt die Band viel Applaus. Sicherlich Regener-Jünger, ich zähle mich ja auch dazu, die mehrfach angekündigte “Tour-EP” der Beiden kaufe ich mir dann doch nicht. Prinzipiell bin ich nicht so der Fan von Bands, die ihrem Publikum ständig erzählen, dass sie einen Merchtisch, ein neues Album, hübsche T-Shirts, einen Webshop oder ‘ne tolle Single haben. Ich will nicht einkaufen, ich möchte Musik live hören. Klar müssen junge Bands lauter schreien, aber den Merchtisch direkt neben dem Eingang sollte wohl niemand übersehen haben. Wems gefällt, wird den Weg dahin sicher allein finden. 

Und so schnell die junge Band mit dem ulkigen Namen die Bühne mit erneutem Verweis zum Merch zu gehen *schnarch* verlässt, blitzt der gute Geschmack irgendeines Technikers auf. John K Samson’s Lieder ertönen zur Pausenmusik, gefolgt von Thees Uhlmann. Schicke Playlist, nachdem das Grand Hotel van Cleef auch den Merch für Element of Crime übernimmt.

“Kaufst du Schuhe, nimmst du die mit den Nägeln unten dran und dazu den Arztroman, in dem die blonde Schwester immer, wenn sich ihr der fiese Chefarzt nähert, ihn sich mit dem Injektionsbesteck vom Leibe hält. Wo deine Füße stehen, ist der Mittelpunkt der Welt.” 


Meine Füße stehen wie angewurzelt auf festem Boden, während Element of Crime um 21 Uhr geschlossen die Bühne betreten und von großem Applaus empfangen werden. Sven Regener lächelt, das Licht wird gedimmt – Achtung, jetzt wird es stimmungsvoll. Die Berliner eröffnen mit dem Titeltrack ihres elften Studioalbums Mittelpunkt der Welt, dem Album, das den “kommerziellen Durchbruch” markierte und sie auch zu einem netten Auftritt bei TVtotal führte. Vielleicht auch das Album, das ich Leuten empfehlen würde zu kaufen, wenn sie Element of Crime hören möchten. Schon mit den ersten Zeilen bricht Sven Regener wieder alles auf. Man kann es drehen und wenden wie man will, man macht es nicht mal – dieser Mann schreibt die besten deutschsprachigen Texte. Punkt. Da kann ich noch so sehr Fan sein, diese Behauptung muss ich so vertreten. “Im Lotto spielst du immer nur die Zahlen zwischen fünf und zehn und als Zusatzzahl dein Lebensalter, denn als Lottospieler, sagst du, darf man höchstens 49 Jahre alt sein, später wär’ es schade um das Geld. Wo deine Füße stehen, ist der Mittelpunkt der Welt.” 

Ein starker und konstanter Beginn gibt auch einer Band, die seit knapp dreißig Jahren auf Bühnen unterwegs ist, Sicherheit. So wird man die ersten drei Songs Mittelpunkt der Welt, Deborah Müller und Delmenhorst auf der gesamten Tour in dieser Reihenfolge als Opener hören. Bei Letzterem bricht Sven Regener erneut alle Rock ‘n’ Roll-Gesetze (Macht sonst ja eher Olli Schulz), denn er erklärt – und das macht er heute Abend sehr oft und ausführlich -, dass man als Band den größten Hit immer als erste Zugabe spielen sollte. Heute hört man das Lied über ein Dorf bei Bremen gleich an dritter Stelle. Wunderschön. 

Sven Regener ist ein Fuchs, er kann sich die Freude an seinem Tun nicht verkneifen. Mag er beim einen oder anderen öffentlichen Auftritt wütend oder als arroganter Querkopf erscheinen, vergessen selbst Kritiker all die Schimpferei, wenn er seine Lieder singt. Seine “Wutrede” zum Thema Urheberrecht vor knapp einem Jahr kursierte in den Medien, ließ das wichtige Thema aufflammen. Diese Wut erfachte sich während eines Radiointerviews bei Zündfunk, die das heutige Konzert in München präsentieren. Sicher ist Sven Regener das Zentrum, da er als Sänger, Texter und Sprachrohr auch die größte Bekanntheit innehält, während er von ebenso genialen Musikern umgeben ist. Die Coolness in Person stellen für mich die Seitenflügel dar: Ein lässiger Jakob Ilja begeistert mit gekonntem Gitarrenspiel – er setzt die feinen Melodien auf Regeners straight gespielte Akkorde. David Young auf der anderen Seite zupft mit geschlossenen Augen im karierten Hemd den Bass, singt manchmal leise mit. Er produziert zudem die Element of Crime-Scheiben und gilt für mich als Ruhepol der Band, Sven Regener haut auf den Putz. Ist ja schließlich noch eine Rockband. Und da dort auf den Putz gehauen wird, verschüttet Regener sogar Bier und nimmt sich nicht raus, die Band ein wenig zu führen. Er ist ein Dirigent. Wenn nicht Schlagzeuger Richard Pappik einzählt, bremst er gern die Band aus, da er “Erstmal muss ich was sagen!” sagen muss. Alle verstehen das, er teilt gern etwas mit. Meistens etwas, worüber man gern nochmals nachdenkt oder eben kurz grinsen muss. Still genießen kann zum Beispiel das Pärchen neben mir nicht, die regelmäßig laut auflachen und wirklich hundsmiserable Videos mit dem Smartphone produzieren. Ich würde schon aus diesem Grund dem guten Herrn nicht nur aus Störungsgründen das Gerät aus der Hand schlagen, sondern ihn auch dezent auf die nicht vorhandene Qualität hinweisen. Ich frage mich, ob das irgendjemand danach noch anguckt. Ich gucke die Konzerte lieber mit meinen Augen – und sehe eine Band, der man heute nichts anhaben kann.

Eigentlich kann man Element of Crime nie etwas anhaben. Nachdem Regener das mit den Liedwünschen schon ganz am Anfang klargestellt hat und auch gar nicht auf die provozierenden, wenn auch nett gemeinten Rufe eingeht, überraschen sie mit einem doch sehr speziellen Set voller alter Nummern. Man kann sich nicht beschweren, denn diese Lieder werden sie kaum öfters spielen – auch wenn ich wirklich sagen muss, dass ich mich über mehr Neues (!) und mehr Hits gefreut hätte. So fehlte für mich vor allem Bitte bleib bei mir, Straßenbahn des Todes, Vier Stunden vor Elbe 1 oder auch Immer unter Strom. Aber recht machen kann man’s ja niemandem. Habe mir zudem sagen lassen, dass ‘Elbe 1′ wohl nur in Hamburg gespielt wird. Nightmare als Hommage an einen verstorbenen Kollegen der Band, der dieses Lied immer als größten Hit von Element of Crime bezeichnete. Die Band zeigt ebenfalls Gefühle und spielt den düsteren Song – für mich auch einer der Songs, der für die auffallend vielen englischsprachigen Titel im heutigen Programm steht. Oben genannter Mitfilmfaktor meiner Nachbarn wird im Saal beinahe vertausendfacht, als klar wird, was Element of Crime zur ersten Zugabe spielen. Die Wahl fällt wohl auf ihren zweitgrößten Hit, dem traurigschönen Lied Weißes Papier und bereits mit dem Wechsel zum roten Licht und der spärlich beleuchteten Bühne wird mein Körper zu Stein. Während für mich persönlich Am Ende denk ich immer nur an Dich, das die Band kurz vor Ende des Hauptsets spielte, das neue Weißes Papier ist, da es für mich ähnliche Gefühle hervorruft und der Beleg für aktuelle Werke von Element of Crime ist, die mit einem perfekten Text brillieren, bohrt Sven Regener nun tiefer. Manchmal ist Livemusik oder dieser eine Konzertmoment für einen Augenblick das intensivste Gefühl auf Erden. Heute habe ich bei Weißes Papier diesen Moment, wenn Sven Regener immer energischer vom Schmerz einer gescheiterten Beziehung berichtet. 


Generell dreht sich bei Element of Crime viel über die Liebe. So ausführlich, treffend und mit dem richtigen Grad an Schmerz kann nur Sven Regener “Nicht mal das Meer darf ich wiedersehen, wo der Wind deine Haare vermisst. Wo jede Welle ein Seufzer und jedes Sandkorn ein Blick von dir ist. Am liebsten wär’ ich ein Astronaut und flöge auf Sterne wo gar nichts vertraut und versaut ist durch eine Berührung von dir.” singen. Würde ich auf Konzerten weinen, hätte ich es spätestens jetzt getan. Niemand hätte es mir übel genommen. Sven Regener als Beweis für seine genialen Texte zu zitieren, fühlt sich immer noch seltsam an, da es absolut nicht nötig ist. “Und so ist das.” – wie Sven Regener mit Bring den Vorschlaghammer mit wortwörtlich den Saal ausfegt und die Leute in die Nacht entlässt. Als ich ein paar Tage später gefragt werde, wie es denn so war, bekomme ich kein Wort raus. Muss diese Überwältigung sein.

Setlist Element of Crime, Freiheiz, München:

01: Mittelpunkt der Welt 
02: Deborah Müller 
03: Delmenhorst 
04: Akkordeon 
05: I started a joke 
06: Almost dead 
07: Kaffee und Karin 
08: Fallende Blätter 
09: Zwei Gitarren 
10: Nightmare 
11: No home 
12: Jetzt musst du springen 
13: Am Ende denk ich immer nur an dich 
14: Seit der Himmel 
15: Immer da wo du bist bin ich nie 
16: Weißes Papier (Z)
17: Surabaya Johnny (Z) 
18: Blaulicht und Zwielicht (Z) 
19: Moonlight (Z) 
20: Bring den Vorschlaghammer mit (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Element Of Crime, Trier, 10.12.11
- Element Of Crime, München, 18.09.09


Sonntag, 11. Dezember 2011

Fest van Cleef, Trier, 10.12.11

2 Kommentare

Konzert: Thees Uhlmann, Element Of Crime, Frank Turner & Casper (Fest van Cleef)
Ort: Messehalle, Trier
Datum: 10.12.2011
Zuschauer: 2.500 vielleicht? Nicht ganz ausverkauft
Dauer: Thees Uhlmann 75 min, Element Of Crime 45 min, Frank Turner 42 min, Casper knapp 40 min


Die Trierer Messehalle hat etwa den Charme eines nordkoreanischen Kaufhauses. Sie beherbergt normalerweise Mosellandausstellungen und Flohmärkte, als Konzertveranstaltungsort ist sie mit dem Bau der Arena am anderen Ende der Stadt vor ein paar Jahren unwichtiger geworden. Die Messehalle ist irre hoch und sah von innen aus wie ein Hangar für die Busflotte der Stadtwerke, sehr sexy also.

Beide Bühnen waren im gleichen Raum untergebracht, es sollten sich also keine Auftritte überschneiden. Der Zeitplan hatte das vorher nahegelegt, vielleicht hatte ich die Spielzeiten von Element Of Crime z.B. aber auch zu optimistisch eingeschätzt. An der Bühnenkonzeption und am Ablauf des gesamten Festivals merkt man, daß die
Veranstaltung von Musikern bzw. Musiknerds konzipiert wurde. An der Häßlichkeit der Halle konnten die nichts ändern, der Rest passte perfekt.

Zwischen den beiden Bühnen standen Bierwagen, die an gleicher Stelle draußen auch im Sommer vermutlich die Kirmes versorgen. In einer Halle hatte ich die noch nicht gesehen, zum Flair passte es aber perfekt. Vermutlich waren auch die Tourbusse in einem abgesperrten Teil der Halle geparkt. Ähnlich pragmatisch hatte man die Bierversorgung geplant: damit man nicht zu oft laufen musste, gab es 1-Liter-Plastikbecher!

Meine ersten Konzertnachbarn hatten von denen schon einige verdrückt, sie hatten
um halb sechs schon ordentliche Stand-Probleme. Allerdings waren sie auch extrem textsicher und gröhlten sich durch den Auftritt Frank Turners, sodaß ich das Konzert im Surround-Sound miterlebte (oder 3D für die jüngeren). Aber nicht nur der angeschickerte Frank-Turner-Fanclub aus Bawü hatte Spaß mit dem Soloauftritt des Engländers. Man sah erstaunlich viele T-Shirts des Sängers in den ersten Reihen.

Frank Turner war mit Band (The Sleeping Souls) angekündigt worden. Als er auf die Bühne kam entschuldigte er sich dafür, solo da zu sein, es habe Probleme mit dem Schlagzeug gegeben. Ich hatte den Musiker beim 2010er Latitude Festival nachmittags mit Band gesehen, hatte aber mehr in der Sonne gelungert und nicht richtig zugesehen, sodaß ich nicht weiß, ob mir eine Band gefehlt hätte. Alleine, mit Gitarre zur rauhen Stimme, taugte der Auftritte jedenfalls sehr viel!

Obwohl ja auf dem Papier akustisch, trug Frank Turner seine Lieder eindrucksvoll
brachial vor. Ich kannte nicht viel davon, bin aber jetzt Fan. Sein vierzigminütiger Auftritt war zu gut, um den Engländer weiter zu ignorieren. Thees Uhlmann, der alle Bands ansagte (eine sehr schöne Sitte des Festivals), hatte geschildert, wie er Franks Musik kennengelernt hat. Er saß in einem vermüllten Auto eines Freunds und griff einen der zerkratzen CD-Rohlinge, die da rumlagen. Darauf war Substitute, das ihn sofort begeisterte. Frank Turner, der sehr passabel deutsch sprach (er hat europäische Geschichte studiert), fragte vor dem Song, "was der Typ, der mich angekündigt hat, über den Song erzählt hat. War das nett?"

Das war ein hervorragender Einstieg ins Festival, ohne jeden Zweifel!

Setlist Frank Turner, Fest van Cleef, Trier:

01: I knew Prufrock before he got famous
02: Try this at home
03: Peggy sang the blues
04: I'm disappeared
05: The ballad of Steve
06: Dan's song
07: Substitute
08: The English curse
09: I still believe
10: The road
11: Photosynthesis

Meine nächste Band war eine gute halbe Stunde später Element Of Crime. Wenn
man die fünf Musiker auf die Bühne schlurfen sieht, kommt man nicht dirket auf die Idee, eine der wichtigsten deutschen Bands der letzten Jahrzehnte vor sich zu haben. Bassist David Young beispielweise sieht nicht aus wie ein Mitglied einer Band, die ich mag. Truckstop, ok - aber Indiemusiker? Im Leben nicht. Wenn die Mannen um Sven Regener dann aber losspielen, ist das alles weg. Die Musik bleibt leise und ruhig. Daß sie trotzdem wuchtiger ist, als der meiste übrige Kram, liegt an den wunderbaren Texten des Sängers und Schriftstellers. "Element Of Crime sind härter als alle anderen," urteilte auch Thees Uhlmann. Recht hat er.

Mit Nightmare von Freedom, Love & Happiness, einem der englischsprachigen Alben der Band, begann das Konzert. Neben Immer unter Strom vom fast 20 Jahre alten Weißes Papier blieb Nightmare das einzige alte Stück der Mitte der achtziger Jahre
gegründeten Band. Die anderen Lieder stammten von den beiden letzten (vorzüglichen) Alben Mittelpunkt der Welt und Immer da wo Du bist bin ich nie.

Leider gilt das Immer da wo Du bist, bin ich nie nicht für die jeweils anstrengendsten Konzertbesucher und mich. Die sind nämlich immer da, wo ich bin. Diesmal eine Gruppe von freundlichen und betrunkenen Frauen mit zwei dazugehörigen Typen, die mitgröhlten (ist ok) und sich mit vors Gesicht gehaltenen Kameras und Handys in der ersten Reihe fotografierten. Da das nicht klappte (sie guckten sich jedes der verwackelten Fotos ausgiebig an), wurde weitergeschossen. Aufzupassen, nicht auf die Bilder zu geraten (falls durch ein Wunder eines mal nicht unscharf werden würde) und den hochgehaltenen schwankenden und überschwappenden Bierbechern auszuweichen, erforderte all
mein Geschick. Daß ich das Konzert trotzdem und trotz der Leute, die auf meinen Füßen stehen, aufmerksam und gut gelaunt genießen konnte, rechne ich mir hoch an.

Die doofe Floskel, es wäre sehr gut aber viel zu kurz gewesen, traf es leider sehr genau. Element Of Crime mit einem 45 Minuten Auftritt bei einem Festival zu verheizen, ist eigentlich Perlen vor die Säue geschmissen. So als lüde die Trierer Sparkasse den Dalei Lama zu einem Grußwort zum Sparkassendingstag ein. Eigentlich. Da das Fest van Cleef allerdings alles andere als die Sparkasse unter den deutschen Festivals ist, passte das trotzdem. Man sollte sich jedoch fest vornehmen, die nächsten richtigen Konzerte nicht wieder zu verpassen (done.).

Setlist Element Of Crime, Fest van Cleef, Trier:

01: Nightmare
02: Straßenbahn des Todes
03: Am Ende denk ich immer nur an dich
04: Deborah Müller
05: Immer unter Strom
06: Bitte bleib bei mir
07: Kaffee und Karin
08: Immer da wo du bist bin ich nie

09: Delmenhorst (Z)

Danach kam der Künstler, der das Lineup des diesjährigen Festivals besonders machte. Casper (bitte als Cäsper lesen), der Rapper aus Bielefeld, "der Mann, der mehr Platten verkauft hat, als alle Assi-Rapper" (Thees Uhlmann). Der Soundcheck von Caspers Band war schon bemerkenswert. Nachdem clickclickdecker auf der kleinen Bühne fertig waren, hatten die Musiker und Techniker nicht schrecklich viel Zeit, mit richtiger Lautstärke abzustimmen. Die Tontests dabei waren schon ziemlich laut. Das reichte den Männern in Kapuzenshirts aber nicht, sie standen alle minutenlang mit erhobenem Zeigefingern auf der Bühne und wurden und wurden nicht zufrieden.

Sie verschwanden wieder und wurden durch dichten Nebel ersetzt. Als das Saallicht ausging, und die Musiker schemenhaft erschienen, sah man zunächst nur Tiermasken und Lichtstrahlen, die aus den Augenhöhlen kamen. Dazu
wummerten die Instrumente (klassisch besetzt: Bass, Gitarre, Keyboard, Schlagzeug) durch die Nebelschwaden - der Anfang war schon einmal sagenhaft gut!

Rap ist nicht meine Musik, ich stehe auch nicht auf Matrosensprache, was mir das Zuhören von MC Hastenichtgesehens schwer macht. Casper hat mit denen allerdings kaum etwas gemeinsam. Bon Jovi und die Thermals könnte man grob ja auch beide als Rockbands bezeichnen, wobei die eine göttlich, die andere schlimmster Schund ist. Ich habe viel zu wenig Ahnung von aktuellem Rap, deshalb will ich nicht versuchen, Casper irgendwie einzuordnen, das ginge gnadenlos schief.

Also hintenrum: das Konzert hat sagenhaft viel Spaß gemacht. Irgendwie schien das Publikum auch plötzlich ausgetauscht zu sein. Hatte
ich bei Frank Turner und bei Element Of Crime noch den Eindruck, die Leute seien ausschließlich wegen dieser Bands da (und nicht nur die in den ersten Reihen), war es diesmal viel jünger und rapaffiner. Ich kannte außer dem Duett mit Thees Uhlmann nichts von Casper, hatte auch seine Nummer eins Platte XOXO bisher ignoriert. Aber ich verstehe auch vollkommen, warum Casper als "Indierapper" gilt (auch wenn das furchtbar ist), und warum er vollkommen zurecht ins Lineup des Festivals gehörte. Es fehlte komplett diese aufgelegte Ghetto-Attitüde. Die Texte wirkten intelligent, es gab richtige Musikinstrumente. Besonders wohltuend waren Benjamins Ansagen. Während des Konzerts flogen Becher und auch einmal Schuhe nach vorne auf die Bühne. "Da sagt man immer, daß Rap-Publikum besonders doof sei. Und dann spielen wir vor Rock Publikum, und es fliegen Sachen nach vorne." Der Kerl kann nicht verstecken, daß mehr in der Birne hat, als man Rappern gerne zugesteht.

Natürlich gab es auch die Standard Rap-Folklore (Arme in die Höhe... usw.). Die
störte mich aber nicht, dafür vermittelten Casper zu viel Spaß. Ich bin jetzt nicht selbst zum Rapper geworden, das Konzert war allerdings ausgezeichnet!

A propos ausgezeichnet: Casper hat für XOXO gerade die einslive Krone fürs beste Album 2011 bekommen.

Setlist Casper, Fest van Cleef, Trier:

01: Der Druck steigt
02: Auf und davon
03: XOXO (mit Thees Uhlmann)
04: Die letzte Gang der Stadt
05: Rock'n'roll
06: Casper Bumaye
07: So perfekt
08: Michael X

Den Schlußpunkt des Abends lieferte der nächste Krone-Gewinner, Thees Uhlmann.
Thees hatte den Radiopreis als bester Plan-B-Act (will sagen Indiemusiker) bekommen und das runde Ding gleich mitgebracht. Die Kugel lag während des Konzerts vor dem Schlagzeug.

Das Konzert von Thees Uhlmann und Band unterschied sich kaum vom Auftritt in der Live Music Hall vor sechs Wochen. Ich war damals mit
gemischten Erwartungen in die LMH gefahren, verließ die Bude nach 90 Minuten aber vollkommen begeistert. Diese Euphorie fehlte diesmal, ich wusste ja, was mich erwartete. Das Konzert selbst war allerdings nicht schlechter als das letzte, es fehlten wegen der gleichen Setlist (nur eine Abweichung: 17 Worte ersetzte Paris im Herbst als Zugabe) aber die großen Überraschungen.

Der Gastauftritt von Casper bei & Jay Z singt uns ein Lied war nicht überraschend, aber auch das nahm ihm nicht den Reiz. Danach lagen sich Casper und Thees (verschwitzt) in den Armen und strahlten!

Wie die drei anderen Konzerte, die ich Samstag gesehen habe, war auch der Abschluß wirklich hervorragend. Das konnte selbst das Ambiente nicht versauen. Ein schönes Festival entstellt eben nichts.

Setlist Thees Uhlmann, Fest van Cleef, Trier:

01: Römer am Ende Roms

02: Das Mädchen von Kasse 2
03: Lat: 53.7 Lon: 9.11667
04: Vom Delta bis zur Quelle
05: Sommer in der Stadt
06: New York (Tomte)
07: Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
08: Die Nacht war kurz (Ich stehe früh auf)
09: & Jay-Z singt uns ein Lied (mit Casper)
10: Die Toten auf dem Rücksitz

11: Das hier ist wie Fußball (Tomte) (Z)
12: 17 Worte (Z)

Links:

- Thees Uhlmann, Live Music Hall, 25.10.11



Sonntag, 20. September 2009

Element Of Crime, München, 18.09.09

1 Kommentare

Konzert: Element Of Crime

Ort: Atomic Café, München
Datum: 18.09.2009
Zuschauer: Die Hütte war bumsvoll



Von Eike aus Ampfing. Erstveröffentlichung auf dem Klienicum.



kein abend für floskeln oder für großes drumherum gerede. element of crime waren in der stadt, spielten halboffiziell im atomic café zum release ihres neuen albums "immer da wo du bist bin ich nie" auf, da ging man eben hin. regener macht auch nicht viel sprüche, er hat ja genügend in seinen texten zu sagen. dass das publikum an diesem abend nicht auf jeden seiner fallstricke hereinfiel, ist wohl dem eventcharakter geschuldet. neben den fans traten vor allem auch neugierige an. zumeist musste an der kasse auch nicht gelöhnt werden, da man beim amazon glückspiel den großen treffer ziehen konnte. die hütte war bummsvoll, der schweiß rann in strömen, ähnlich dem bier in vielfache kehlen. wer wie ich weiter hinten stand, bekam viel von der bewegung mit, die in der etappe zur sicherung des alkoholpegels entstand. kleine plastiksitze sorgten schließlich für eine gehobene, alles überblickende position. nicht bequem, aber dafür mit guter sicht auf die deutsche kapelle mit anspruch.
deren ersten song bekamen wir gerade noch mit, als es uns durch die türangeln ins stickige rund trieb. so etwas wie ein glücksgefühl durchströmte mich, regener und co. so nah zu sein. unvermittelt die erinnerung an viele stunden, die ich mit "weißes papier" oder "damals hinterm mond" verbrachte. eine brüderschaft, die ich mit dem frontmann schon lange getrunken hatte, galt es hier und heute zu besiegeln. auch wenn ich nicht rausbekam, um welchen song es sich handelte, so war doch der draht erst einmal hergestellt. "am ende denk ich immer nur an dich", eines der neuen stücke, folgte und ließ spürbar die deutliche wertschätzung von wucht und griffiger gitarre spüren. mit "immer da wo du bist bin ich nie", "kaffee und karin" sowie "storms are on the ocean" spielte die band später weitere songs ihres frischlings. letzteren titel sagte regener mit den worten an, dass es vermessen wäre, immer nur die eigenen lieder zu spielen, also widme man sich hin und wieder auch coverversionen, wie in diesem fall einem der carter family, um nicht als blöd und anmaßend dazustehen. sollte witzig und ungezwungen klingen, gab aber weder beifall noch eine andere reaktion. regener quittierte dies mit einem müden lächeln. dies tat der tatsache aber keinen abbruch, dass die band das publikum schnell wieder zurückgewann, wenn sie es denn tun musste, indem mit "immer unter strom" einer der vielen klassiker ihres breiten repertoires folgte. ein song dessen refrain sogar in einem tatort zitiert wurde, wenn ich nicht irre von ben becker: "immer unter strom, immer unterwegs und überall zu spät". zu spät kam nie ein einsatz von jakob ilja. an der gitarre zeichnete er sich durch perlende läufe aus, ein genuss diesem unangestrengt seinem job frönenden musiker zuzusehen. wenngleich er hin und wieder nur ein müdes grinsen für das lobende volk übrigt hatte, sein spiel: großartig. abseits stand david young, der ergraute basser. sein drive kam routiniert und dienlich, wie sein benehmen. denn wer wollte sven regener schon die show stehlen. als in der ersten zugabe "draußen hinterm fenster" erklang, schwoll erstmals auch der lärm aus dem auditorium an. und der frontmann dankte dies breit grinsend. und wie er sich zuweilen gerierte, am mikrofon rang, grimassierte, die trompete zwischen die finger geklemmt, zur besinnung zwang. lebhaft. wie der kollege an den drums: richard pappik. flott, nie übermutig, kontrolliert, aber versiert. schließlich war auch christian komorowski an bord. aber gut hinter einer box versteckt, sah ich ihn jeweils erst, wenn es für die band - am ende dreimal - hieß abschied zu nehmen, um wieder zu kehren. "bring den vorschlaghammer mit", "delmenhorst" oder auch "mittelpunkt der welt" brachten die bude zwar nicht zum bersten, aber vielfach fiel die zurückhaltung ab, pfiffe, johlen, schreie. ein gelungener abend. der draht zu regener und co. glühte zwar nicht, aber was hätte ich vor tagen nicht für dieses glimmen alles gegeben.


die tour zum neuen album, das schändlicherweise gestern nicht zum verkauf stand, findet anfang des nächsten jahres statt. hingehen lohnt:

Konzerttour Element Of Crime 2010:

20.01 Zürich Kaufleuten
21.01. Bern Bierhüebeli
22.01. Linz Posthof
23.01. Innsbruck Hafen
25.01 München Tonhalle
26.01 Stuttgart Theaterhaus
27.01 Erlangen Heinrich-Lades-Halle
28.01 Leipzig Haus Auensee
29.01 Dresden Alter Schlachthof
30.01 Offenbach Capitol Offenbach
01.02. Köln Palladium
02.02. Bielefeld Ringlokschuppen
03.02. Bochum Jahrhunderthalle
04.02. Hannover Capitol
05.02. Hamburg Alsterdorfer Sporthalle
06.02. Bremen Pier 2
07.02. Berlin Arena
09.02. Wien Gasometer



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates