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Freitag, 2. Oktober 2015

Morrissey, Köln, 01.10.15

2 Kommentare

Konzert: Morrissey
Ort: Palladium, Köln
Datum: 01.10.2015
Dauer: 90 min
Zuschauer: vielleicht 3.000 (nicht ausverkauft)



"Kunst, Kunst, Kunst!"* Morrisseys Begrüßung ist so typisch Morrissey. Ich stelle mir ein Gespräch mit dem Sänger enorm kompliziert vor, nichts, was ich jemals anstreben würde, sollte der Freizeit-Morrissey nicht vollkommen anders als der auf der Bühne sein. Er redet eben so, wie er schreibt. "I bought this book. - Learn German in 30 days. - 30 years ago. - I still have no idea! - You make it so difficult. - Why?" Ob sich sein "Kunst, Kunst, Kunst" auf den vorherigen Vorfilm mit Videoclips seiner Lieblinge, der mit Klaus Nomi** vom Band endete, bezog oder auf das, was folgen sollte, weiß ich nicht. Jeder ist in seiner eigenen Welt und Stephens ist die Wirrere.


Das Palladium war nicht ausverkauft. Leider wird es Jahr für Jahr etwas leerer in den Hallen. Diesmal waren die Balkone oben geschlossen, die Haupthalle vorne gut gefüllt, hinten aber wohl nicht mehr. Der saftige Eintrittspreis spielt da vermutlich eine Rolle (60 €)***. Aber in unserer musikalischen Biosphäre ist Morrissey der größte Star, der das rechtfertigt - eigentlich rechtfertigt schon What she said diese Summe. Die aktuelle Platte, die schnell wieder vom Markt verschwand, weil sein Label ihn rausschmiß (keine Ahnung, ob man sie streamen kann) und die weniger gut als die Vorgänger ist, ist bestimmt ein weiterer Grund. The bullfighter dies ist eben leider kein First of the gang to die. Und als wir uns nach dem Konzert über die drei guten Veränderungen im Vergleich zum Auftritt in Neu-Isenburg unterhalten haben (You have killed me, The world is full of crashing bores und Yes, I'm blind statt Istanbul, People are the same everywhere und One of our own) und darüber, auf was wir in Köln noch hätten verzichten können, waren das Oboe concerto (puh!), The bullfighter dies und Staircase at the university und das Didgeridoo bei World peace...



Morrisseys Band, die jeden Abend andere abgestimmte Outfits trägt (Kunst, Kunst, Kunst), steht natürlich im Schatten des Chefs. Ich merke das, wenn ich nach Konzerten die Bilder aussortiere. Dabei ist diese Ignoranz vollkommen unfair. 


Daß Boz Boorer fantastisch ist und vermutlich jedes Instrument beherrscht (aktuell Gitarre, Schlagzeug, Keyboard und Oboe), hatte ich mitbekommen. Genau wie bei Jesse Tobias und Matt Walker. Aber auch die neueren Livemitglieder Mando Lopez (Bass) und Gustavo Manzur sind hervorragende Musiker und nicht bloß da, weil es ohne sie doof aussähe. Gustavo, der Keyboard, Akkordeon und Gitarre spielt, singt schon seit Beginn der World peace... -Tour beim Titelsong eine letzte Strophe auf Spanisch. Zur Zeit macht er das auch bei Speedway. Beiden Liedern steht das außerordentlich gut.


Die Setlist in Köln war vermutlich die beste, die gerade möglich ist. Morrissey spielt neben What she said Meat is murder und The Queen is dead von seiner alten Band, die drei Solo-Smashhits, die jeder hören will (Suedehead, Everyday is like Sunday und I'm throwing my arms around Paris) und wechselnde Stücke der alten Platten. Reader meet author, das in Neu-Isenburg gestern zum ersten Mal seit Jahren gespielt wurde, war wieder dabei, genau wie das orientalisch arrangierte I will see you in far-off places, Alma matters, Ganglord (mit Video voller Polizeigewalt gegen Menschen und Tiere) und Boxers (bei dem im Hintergrund das schwarz-weiß Bild eines Boxers**** hing, das auch zu Beginn schon die Bühne schmückte, bevor es von Bruce Lee abgelöst wurde). 


Bei den Songs, die jeder erwartet, war Everyday is like Sunday wieder bemerkenswert. In Neu-Isenburg war ich noch nicht ganz sicher, ob er wirklich den Text im Refrain abgewandelt hat. Er hat. "Everyday is like Sunday, tell me quando, quando, quando." Why? Den hat er wohl das ein oder andere Mal zu viel gespielt, scheint sich aber nicht trennen zu mögen. 


Ich mag mich von Morrissey auch nicht trennen wollen, es war nämlich schon wieder toll. Hoffentlich macht er das noch lange und immer wieder. Und wenn er von "gaga in Malaga" und "no mercy in Murcia" singt, kann ich ja leise "tell me quando, quando, quando" mitsingen.

Setlist Morrissey, Palladium, Köln:

01: Suedehead
02: Speedway
03: Ganglord
04: Alma matters
05: You have killed me
06: Kiss me a lot
07: Reader meet author
08: Oboe concerto
09: The world is full of crashing bores
10: World peace is none of your business
11: I'm throwing my arms around Paris
12: Everyday is like Sunday (kind of)
13: The bullfighter dies
14: Staircase at the university
15: Yes, I'm blind
16: I will see you in far-off places
17: Meat is murder (The Smiths)
18: Boxers
19: What she said (The Smiths)

20. The Queen is dead (The Smiths) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Morrissey, Neu-Isenburg, 30.09.15
- Morrissey, Tilburg, 29.03.15
- Morrissey, Essen, 24.11.14
- Morrissey, Paris,27.10.14
- Morrissey, Lüttich, 05.07.12
- Morrissey, Dublin, 31.07.11
- Morrissey, Köln, 11.06.09
- Morrissey, Offenbach, 09.06.09
- Morrissey, Esch, 05.06.09
- Morrissey, Lille, 19.01.08
- Morrissey, Frankfurt, 12.12.06
- Morrissey, Paris, 25.08.06


* (oder "cunts, cunts, cunts"?)  
** denke ich
*** in der Euroleague spielt der FC ja gerade nicht

**** who?


Donnerstag, 1. Oktober 2015

Morrissey, Neu-Isenburg, 30.09.15

0 Kommentare

Konzert: Morrissey
Ort: Hugenottenhalle, Neu-Isenburg
Datum: 30.09.2015
Dauer: exakt 90 min
Zuschauer: vielleicht 1.200 (nicht ausverkauft)




"Everyday is like sunday, tell me quando, quando, quando." Da behaupte doch noch mal einer, Morrissey-Konzerte seien immer gleich...

Auf der Herbst-Tour 2014 hatte ich Morrissey zweimal gesehen, zwei neue Konzerte ein paar Monate später waren eigentlich nicht nötig, die Platte zur Tour hat zwar den schönsten Titel und ein tolles Cover, zählt aber nur gerade so zu meinen zehn Lieblings-Solo-Platten des Sängers. Eine erneute Tour kam für mich überraschend. Da aber seit Jahren die Drohung über den Konzertsälen schwebt, es könne die letzte sein (zuletzt ganz aktuell nach den England-Auftritten, weil Touren ohne Plattenlabel keinen Sinn mache), und weil es Morrissey ist, musste ich hin. Schwieriger war das Wo. Palladium oder Hugenottenhalle... uff. Bei Spielen Leverkusen gegen Gladbach weiß ich auch nie, zu wem ich weniger halte. Es wurde dann erst einmal die Hugenottenhalle in Neu-Isenburg, eine Mehrzweckhalle, die für Münz- und Eisenbahn-Messen perfekt ist, für Konzerte nicht so. 


Das Konzert begann vorgruppenfrei um Punkt acht mit dem obligatorischen Film, einer Sammlung von Musikvideos - oft in schwarz-weiß - von Künstlern, die der Sänger mag. Diese Filme werden ständig erneuert, viele der Videos waren für mich neu, obwohl ich im März zuletzt bei Morrissey war. Bei einem der neuen Videos gingen überall die Shazam Apps an, auch meine, es kannte wohl niemand Apossibly von The Apex Theory, einem "progressive metal power trio" (Wikipedia) aus LA, deren Musik so gar nicht zu Morrissey zu passen scheint. 


Nach gut einer halben Stunde Musikclips begann das Konzert bereits um halb neun. Morrisseys Begleitband trug diesmal bunte T-Shirts. Wie schon zuletzt stellten sich die sechs Musiker erst gegenüber einander auf und verbeugten sich. 

Der Abend begann mit Suedehead, es schien also wie üblich zu sein, daß es zwei Setlisten mit leichten Variationen gibt und die abwechselnd gespielt würden. Die Theorie war beim zweiten Lied erledigt, statt Alma matters spielte Morrissey Speedway, es war also doch überraschender als gedacht.


Bei einer Tour zur Platte liegt der Schwerpunkt natürlich (hier leider) auf deren Liedern. Statt Oboe concerto oder The bullfighter dies hätte ich viel lieber alte Lieblinge gehört aber gut... Die kleinen Schätzchen im Set gab es trotzdem. Reader meet author von Southpaw grammar hat Morrissey ewig nicht gespielt. I will see you in far-off places und Boxers sind wieder neu auf dieser Tour. Die besondere Überraschung hatte sich Stephen Smith aber für Everyday is like sunday aufgehoben. Der Hit hatte nämlich einen neuen Text. Die Halle sang die überlieferte Version, der Sänger eine alternative. Da gab es irgendwas mit "crumbles?" (vielleicht gab es Streuselkuchen beim Catering) und ein paar mal die Zeile "tell me quando, quando, quando!" Ob der Song ihm so zum Hals raushängt oder Morrissey generell miese Laune hatte? Keine Ahnung. 

Die drei wundervollen, leider aber nicht überraschenden Smiths Songs What she said, Meat is murder (mit neuem Aufklärungsfilm) und The Queen is dead kamen ganz zum Schluß.

Ob motzig oder nicht, das Konzert war toll wie immer. Der Sound war am Anfang flach, das geht aber in der Mehrzweckhalle deutlich schlechter.

Setlist Morrissey, Hugenottenhalle, Neu-Isenburg:

01: Suedehead
02: Speedway
03: Ganglord
04: Alma matters
05: Kiss me a lot
06: Reader meet author 
07: Oboe concerto
08: One of our own
09: People are the same everywhere
10: The bullfighter dies
11: World peace is none of your business
12: I'm throwing my arms around Paris
13: Everyday is like sunday (kind of)
14: Staircase at the university
15: Istanbul
16: I will see you in far-off places
17: Meat is murder (The Smiths)
18: Boxers
19: What she said (The Smiths)

20. The Queen is dead (The Smiths) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Morrissey, Tilburg, 29.03.15
- Morrissey, Essen, 24.11.14
- Morrissey, Paris,27.10.14
- Morrissey, Lüttich, 05.07.12
- Morrissey, Dublin, 31.07.11
- Morrissey, Köln, 11.06.09
- Morrissey, Offenbach, 09.06.09
- Morrissey, Esch, 05.06.09
- Morrissey, Lille, 19.01.08
- Morrissey, Frankfurt, 12.12.06
- Morrissey, Paris, 25.08.06

(Foto: Archiv. Richtige später)


Montag, 30. März 2015

Morrissey, Tilburg, 29.03.15

2 Kommentare

Konzert: Morrissey
Ort: 013, Tilburg (Niederlande)
Datum: 29.03.2015
Dauer: gut 90 min
Zuschauer: knapp 2.000



Bei meiner Konzertgeherei habe ich gelernt, daß man als Zuschauer nicht den Fehler machen darf, alles zu hinterfragen, bei allem immer davon auszugehen, der Künstler habe genau die gleichen sehr hintersinnigen Gedanken bei dieser Aussage oder diesem Lied oder dieser Geste gehabt wie sein Fan. Stuart Murdoch von Belle & Sebastian hat einmal auf die Frage, wie er die Setlisten seiner Konzerte zusammenstelle und warum gerade dies auf jenes folge, geantwortet, daß er kurz vor dem Konzert die Lieder aufschreibe, auf die er gerade Lust habe. Mehr stecke da nicht hinter.


Vermutlich deute ich also auch bei Morrissey viel zu viel in die kleinen Gesten. Vielleicht war To give (is the reason I live) von Frankie Valli nur Bestandteil des Sets, weil er das Lied gerne mag und nicht wegen solcher Zeilen wie "I was born as a part of the plan, with the heart of a man, with a will to survive." Auch der Text von Gertrude Stein über Matisse*, der unmittelbar vor dem Konzert über den Vorhang vor der Bühne lief und der schreckliche Nachruf-Assoziationen bei mir auslöste, war vermutlich aus ganz anderen Gründen ausgewählt.


Unbestritten ist, daß es nicht einfach war, Morrissey auf dieser Tour zur Platte, die gar nicht mehr existiert, noch ein zweites Mal zu sehen. Das Konzert in Essen im November war gut, hatte aber den bitteren Beigeschmack, daß es mit einem Abbruch nach wenigen Sekunden der Zugabe endete. Ein paar Flitzer hatten versucht, Morrissey zu umarmen, ihm war das nicht geheuer, er flüchtete.

Im Dezember sollte der Sänger dann in Tilburg in den Niederlanden spielen, der Termin funktionierte aber leider bei mir nicht. Als er dann kurzfristig abgesagt und auf März verlegt wurde, war ich Profiteur. Zumindest, bis wir nach dem Einparken in Tilburg erfuhren, daß Morrissey das Konzert kurzfristig abgesagt habe. Da ich nicht an viele weitere Europa-Touren glaube (nicht wegen seiner Erkrankung sondern wegen mehrerer Aussagen, er wolle dies irgendwann nicht mehr machen), fand gestern unser zweiter Versuch statt. Noch einmal tief in die Niederlande, um eventuell ein Konzert zu sehen, daß dann vielleicht wieder frühzeitig zu Ende wäre. Aber es ist Morrissey... was soll man da machen?

Als wir viel zu früh ankamen, stand vor dem 013 bereits eine Schlange. Es warteten allerdings viel weniger Leute als ich gedacht hatte. Bei Facebook schrieben Besucher, sie seien um 12 Uhr angekommen (Einlaß sieben Stunden später). Davon zeugten Isolierfolien, mit denen sie sich warm gehalten hatten und die zurückgeblieben waren (wie bei Tokio Hotel!), als wir irgendwann nach Einlaßzeit zurückkamen.

Das 013 ist eines dieser in Belgien und den Niederlanden typischen Musikgebäude. All das Geld, das bei uns in die unzähligen Radiointendanten investiert wird, deren Sender dann miese Musik (aus den 80ern, 90ern und von heute) dudeln, stecken unsere Nachbarn offenbar in Konzerthäuser, in denen Popmusik gespielt werden kann. Das 013 stammt vermutlich vom gleichen Architekten wie das Trix in Antwerpen, es glich dem wie eine etwas kleinere Schwester. Im Rheinland trat Morrissey zuletzt in der ollen Düsseldorfer Halle mit den vielen Namen auf oder in Köln im Palladium. In Tilburg war die Akustik toll, der Saal wunderschön, die Ordner entspannt und wirklich alles auf Musik ausgerichtet.



Statt einer Vorgruppe bestand das Vorprogramm aus einem DJ-Set, das recht angenehm war. Um halb neun startete dann der Morrissey-Pausenfilm, eine Institution zwischen dem Support und dem Hauptprogramm, der aus einer Zusammenstellung von alten Musikvideos und Fernsehmitschnitten von Musik, Talkshows oder Tanz besteht. Im Vergleich zum November gab es viele neue Elemente, u.a. das Video von Fade to grey von Visage, deren Frontmann Steve Strange vor ein paar Wochen gestorben ist, aber auch alte Lieblinge wie den Auftritt der New York Dolls im Musikladen mit der Moderation von Manfred Sexauer ("drehen Sie die Radio ähhh Fernsehgeräte leiser..."). Besonders komisch war die Flamenco-Step Einlage eines Spaniers mit Bolero-Jäckchen, weil der sicher eine andere Meinung zum Stierkampf hatte als Morrissey. Der gut halbstündige Film endete mit dem Stück Imperfect list von Pete Wylie ("cancer, hunger, Stock Aitken Waterman, greed, Adolf Hitler...").

Dann fiel der Vorhang und Morrissey und Band erschienen. Auf das erste Stück hatte ich gehofft, weil es am Vorabend der Absage Anfang März in der Setlist des Konzerts in Groningen war. What she said von Meat is murder. Und danach Suedehead und alles war gut,



Das Musikgebäude (niederländisches Lieblingswort dafür: Poppodium) war da sehr gut gefüllt. Bis auf den Balkon oben, der geschlossen zu sein schien, wirkte der Saal voll. Das Publikum schien uns älter, größer und männlicher als in Essen. Es gab aber auch alles andere, was man bei Morrissey so beobachten kann - die Leute mit den Blumensträußen, das kleine Kind auf den Schultern, den Mann mit den selbstgemalten Porträt des Sängers.


Morrisseys Band schien uns auch noch einmal verändert zu sein. Aber das lag wohl nur an den neuen Outfits und Frisuren. Sie trugen alle diesmal brombeerfarbene Hemden und schwarze Hosen mit Hosenträgern. Morrissey hatte ein Mechanikerhemd und eine (meine Deutung) 50er Jahre Jeans an.

Er sei beeindruckt von diesem "opera house", sagte der Brite, "but we're all classically trained, so don't worry!" 

Der musikalische Schwerpunkt lag wieder auf Stücken von World peace is none of your business, das Morrissey offenbar etwas lieber mag als seine Fans. Manche der Stücke sind wirklich etwas zäh. Aber wenn nach einem dieser eher langweiligen Lieder (Scandinavia) wieder eine Perle wie Speedway kommt, nehme ich die Entschleunigung gerne hin.


Eine angenehme Überraschung war die Rückkehr von Life is a pigsty ins Set. Ich liebe dieses lange, dramatische donnernde Lied. Auch The world is full of crashing bores hat er im ersten Teil der Tour nicht gespielt, glaube ich. The Queen is dead war nicht mehr im Programm, ersetzt wurde es schon Ende des Jahres durch Stop me... Noch nie gehört hatte ich das Frankie Valli Cover To give (is the reason I live), überhaupt mein erstes fremdes Lied bei einem Morrissey Konzert.

Erstaunlich gut kam Gaga in Malaga (das wohl offiziell The bullfighter dies heißt) an. Als ich die Platte zum ersten Mal gehört habe, hielt ich das Stück für einen Witz. Der Text ist nicht plötzlich toll geworden, das Stück hatte aber live etwas. In Essen kam es noch vom Band, untermalt mit Stierkampf-Szenen, bei denen das Tier gewann. In Tilburg war der Film während Meat is murder der einzige mit Erziehungsauftrag. 

Als die Band zur Zugabe zurückkam, war ich nach drei Takten Everyday is like sunday beruhigt. Das lief schon länger als in Essen! Vorher hatte Morrissey uns nach World peace... mit "you can go home now!" verabschiedet. Als mitten in der Zugabe eine sportlich gekleidete Frau versuchte, über den Fotograben zu klettern, versuchte zunächst ein Ordner, sie daran zu hindern. Morrissey mochte aber umarmt werden und half ihr auf die Bühne und ertrug es tapfer. Er beendete das Stück unfallfrei, warf uns "vaya con Dios" entgegen und verschwand.



Vielleicht war es nicht mein bestes Morrissey Konzert (dafür ist die aktuelle Platte zu schwach) aber es war ein gutes! Und es war hoffentlich nicht mein letztes.

Setlist Morrissey, 013, Tilburg:

01: What she said (The Smiths)
02: Suedehead
03: Staircase at the university
04: Istanbul
05: Kiss me a lot
06: Certain people I know
07: I'm throwing my arms around Paris
08: Neal Cassady drops dead
09: One of our own
10: To give (is the reason I live) (Frankie Valli Cover)
11: Scandinavia
12: Speedway
13: Life is a pigsty
14: Stop me if you think you've heard this one before (The Smiths)
15: The bullfighter dies
16: The world is full of crashing bores
17: Meat is murder (The Smiths)
18: People are the same everywhere
19: World peace is none of your business

20: Everyday is like sunday (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Morrissey, Essen, 24.11.14
- Morrissey, Paris,27.10.14
- Morrissey, Lüttich, 05.07.12
- Morrissey, Dublin, 31.07.11
- Morrissey, Köln, 11.06.09
- Morrissey, Offenbach, 09.06.09
- Morrissey, Esch, 05.06.09
- Morrissey, Lille, 19.01.08
- Morrissey, Frankfurt, 12.12.06
- Morrissey, Paris, 25.08.06
- mehr Fotos (flickR) 
- The Smiths und Morrissey Lego Albumcover (flickR)


* danke, Michael!


Mittwoch, 26. November 2014

Morrissey, Paris, 27.10.14

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Konzert: Morrissey
Ort: le Grand Rex, Paris
Datum: 27.10.2014
Zuschauer: ausverkauft, etwa 2700
Konzertdauer: etwa 90 Minuten

Setlist:

01: The Queen Is Dead (The Smiths)
02: Speedway
03: Kiss Me A Lot
04: I'm Throwing My Arms Around Paris
05: World Peace Is None Of Your Business
06: Neal Cassady Drops Dead
07: Istanbul
08: One Of Our Own
09: Trouble Loves Me
10: The Bullfighter Dies
11: Earth Is The Loneliest Planet
12: Yes, I Am Blind
13: Kiss The Bride Down The Aisle
14: Meat Is Murder (The Smiths)
15: Staircase At The University
16: I'm Not A Man
17: Asleep (The Smiths)

18: Suedehead
19: Everyday Is Like Sunday


Ach menno, dieses sehr vielversprechende Konzert hat mich dann doch nicht so richtig gepackt. Woran lag's ? Nun, da wäre zunächst der frühe Beginn zu kritisieren. 20 Uhr 30 als Start für eine Show, ein schlechter Witz für Spätankömmlinge wie mich ! Ich kam erst um 20 Uhr 55 angeschlichen und habe satte 25 Minuten verpasst. Konzerte sollten nicht vor 21 Uhr beginnen ! Dennoch mea culpa. Dann: das eigentlich komplett bestuhlte Konzert fand schließlich doch im Stehen statt, weil das Publikum keine Lust hatte zu sitzen, was absolut verständlich war. Bloß sind dann 78 Euro dafür ziemlich happig, zumal nach vorne hin zu meinem eigentlichen Platz kein Durchkommen mehr
war.

Das Konzert selbst: Morrissey war sehr gut bei Stimme, sah aber etwas ausgezehrt aus. Nachvollziehbar, weil man ja inzwischen weiß, daß er an Krebs erkrankt ist. Vor diesem Hintergrund eine sehr gute stimmliche Leistung. Aber: es kam nicht so viel rüber wie ich mir das erhofft hatte. Das Publikum war alt, lahm und träge und anstatt zu tanzen, klatschen die Leute meistens nur blöd im Takt mit. Man fühlte sich teilweise wie bei Dieter Thomas Heck. Nicht allein Morrissey's Schuld, aber sowas liegt natürlich dann auch an den Eintrittspreisen. Bei knapp 80 Euro kommen kaum junge Leute und ich war umzingelt von Leuten meines Alters. Ehemalige Rebellen, die heutzutage eher bürgerlich geworden sind, gute Jobs und eine hohe Kaufkraft haben. Die Herren mit den kurzen grauen Haaren, den schwarzen Hornbrillen und den Fred Perry Jäckchen + Paul Smith Schals arbeiten sicherlich im richtigen Leben im Verlagswesen, als Lehrer oder Professoren, als Homöopathen oder Freiberufler.


Die Songauswahl war eher mäßig, zumindest aus meiner Sicht. Allein 10 Lieder stammten vom neuen Album und das hatte ich eben dummerweise vorher nicht gehört, deshalb rauschten diese Songs an mir vorbei. Auch meine Schuld, aber ich hatte mir schon erhofft, daß Lieder von You Are The Quarry, oder  Ringleader Of The Tormentors gespielt würden. Da konnten auch die vereinzelten The Smiths Songs nichts rausreißen, denn The Queen Is Dead wurde gleich an den Anfang gestellt und folglich von mir verpasst, Yes I'm Blind kannte ich gar nicht (sorry, es gibt größere Experten als mich, was die Diskografie der Kultband anbelangt), Asleep hätte ich gerne gegen How Soon Is Now ausgetauscht, was in anderen Städten innerhalb der Tour gespielt wurde und zu Meat Is Murder gab es abstoßende Videos von mißhandelten Zuchttieren, von denen man nicht wußte woher sie stammten. Da hätte ich mir schon gewünscht, daß Ross und Reiter genannt werden, ansonsten ensteht eben der (sicherlich von Morrissey gewünschte) Eindruck, in jedem Zuchtbetrieb würde es ganz genau so brutal und barbarisch zugehen, was ich zumindest anzweifele. Morrissey kniete zu dem Stück theatralisch Richtung Bildschirm gewandt (und somit mit dem Rücken zu den Zuschauern) als sei er Willy Brand, der den Kniefall von Warschau vor den Tieren wiederhole. Seltsamerweise war Morrissey hinsichtlich der Behandlung von Mitmenschen nicht so zimperlich. So wurden denn gleich nach den Ekelvideos Fans, die auf die Bühne gekraxelt kamen, um Crowdsurfing zu betreiben mit unerbitterlicher Härte behandelt und ins Publikum zurückgeschmissen wie die armen Hühner deren Mißhandlung man in den Videos vorher ertragen musste. Da hätten ich mir schon erhofft, daß der Starsänger die Ordner anweist, sanfter mit den Leuten umzugehen, aber die grobe Behandlung der Fans schien ihm schnuppe zu sein (beim Stierkampf will er ja auch, daß der Stierkämpfer und nicht der Stier getötet wird).

In musikalischer Sicht fiel mir auf, daß der Mann aus Manchester immer schnulziger wird. Vom ehemaligen Indierock der Smiths ist nicht mehr viel übrig geblieben, Morrissey geht bewußt den Weg Richtung Crooner à la Sinatra oder Elvis Presley. Junge Bands die die Smiths lediglich imitieren, klingen da inzwischen frischer als das Original. Und Boz Boorer ist sicherlich ein sehr guter Gitarrist, aber optisch und szenisch wirkte er wie ein feister Kneipenmusiker.




Letzlich kam dann erst zu den Zugaben Suedehead und Everyday is Like Sunday so richtig Stimmung auf. Das rhythmische Mitgeklatsche störte allerdings eher, sowas brauchte ich nicht. Auch das Verteilen von Handzetteln von sexy gekleideten Peta Ladys mit dem Konterfei von Morrissey mit dem auf den Fingern tätowierten Worten  "meatfree" hätte man sich sparen können, das wirkte missionarisch und lästig. Platten gab es hingegen keine zu kaufen, da neue Album war nicht verfügbar, weshalb auch die Musiker zum Ende der Show mit weißen T-Shirts und dem schwarzen Audruck "Fuck Harvest" aufliefen.

Letztlich eine solide Show des Briten (immer mit dem erhobenen Zeigefinger gespielt), aber defintiv kein Konzerthighlight für mich. Eine alter Konzertkumpel, der seit Jahrzehnten kein gutes Konzert ausfallen läßt, brachte es auf den Punkt: "The Queen is almost dead." (und damit spielte er keineswegs auf den Gesundheitszustand von Morrissey an, sondern auf musikalische Aspekte).



Dienstag, 25. November 2014

Morrissey, Essen, 24.11.14

5 Kommentare

Konzert: Morrissey
Ort: Colosseum, Essen
Datum: 24.11.2014
Dauer: Morrissey gut 85 min (abgebrochen), Anna Calvi 42 min
Zuschauer: knapp 1.500 (ausverkauft) - darunter 10 Idioten 



"Remember me, forget my fate", zitierte Morrissey Klaus Nomi, als er mit seiner Band wieder auf die Bühne kam, um Zugaben zu spielen. Es wäre einer der emotionalen oder aufwühlenden Momente gewesen, wären nicht Augenblicke später einige Schwachköpfe auf die niedrige Bühne geklettert, um die Aufmerksamkeit, die sie in ihren langweiligen Leben nicht bekommen, vor 1.500 Zuschauern zu erfahren. Morrissey hatte die erste Zeile von Everyday is like sunday noch nicht beenden können, als er sich von allen Seiten bedrängt sah und die Bühne eilig verließ. Die Band folgte einen Augenblick später - das Konzert war nach gut 85 Minuten beendet.


Schade, daß ein sehr schöner Abend so endete. Und leider bleibt ja genau das hängen. So wie eine tranig schmeckende letzte Pistazie im Beutel.



Wären die Menschen ohne Kinderstube nicht gewesen, würde ich mich an dieses vermutlich letzte meiner Morrissey-Konzerte ganz anders erinnern. Als eines in einem überraschend schönen und kleinen Saal (in das Colosseum passen nicht einmal 1.500 Leute!), mit einem blendend aufgelegt wirkenden Sänger, der die Schwächen in der Setlist mit seinen Entertainer-Qualitäten wegwischte!


Vor dem Konzert hatte ich Bedenken, daß die Stimmung in dem bestuhlten ehemaligen Industrie-Bau nicht gut werden könne. Als wir nach herrlich unkompliziertem Einlass auf unseren Plätzen in der neunten Reihe ankamen, wurden die nicht kleiner. Die Sesselreihen waren zu dicht hintereinander, um Stimmung aufkommen zu lassen, dachte ich. Noch dazu diskutierten die Ordner mit jedem, der nach dem Anna Calvi Support vorne stand, daß er sich bitte setzen möge. Als Morrissey um neun auftrat, stand allerdings jeder auf und von verhaltener Stimmung war nichts zu merken. Das war die angenehme Niederlage der Securities.


Eröffnet hatte den Abend die Engländerin Anna Calvi. Wie üblich waren die Veranstalter nicht in der Lage, die Anfangszeiten anzugeben. Auf Nachfrage im Colosseum erhielten Gäste wohl die Auskunft, Anna Calvi gehe um acht auf die Bühne. Sie begann aber bereits um 19:45. Bei früheren Morrissey-Supports mag das niemand gestört haben, Anna Calvi kam aber bei der überwiegenden Mehrheit der Zuschauer gut an, sie und ihre drei Begleiter bekamen mehr als nur höflichen Applaus.


Die Musik der Britin ist eigentlich weit jenseits meiner Bluesrock-Toleranzschwelle. Sie hatte mich aber schon in Haldern und in Köln 2011 beeindruckt. Ein Großteil des Konzerts kam mir auch wie die damaligen vor. Obwohl Anna 2013 ihr zweites Album One breath veröffentlicht hat, das hervorragende Kritiken erhielt (das ich aber bisher ignoriert habe), waren die meisten Stücke älter. Jezebel, Desire, First we kiss, Love won't be leaving und Blackout waren dann auch mit Abstand die besten Lieder des Sets. Schon gut, daß Kristeen Young Morrissey verhext hat (wenn ich das richtig verstanden habe) und nicht mehr als Lieblingssupport eingesetzt wird.

Setlist Anna Calvi, Colosseum, Essen:

01: Suzanne and I
02: Eliza
03: Cry
04: Surrender
05: Blackout
06: First we kiss
07: I'll be your man
08: Desire
09: Love won't be leaving
10: Jezabel (Frankie Laine Cover) 

In der Pause lief eine neue Auflage des Zusammenschnitts von Musik, Interviews und Filmausschnitten. Nach den Ramones, Chris Andrews oder den New York Dolls kam am Ende vom Band The bullfighter dies ("gaga in Malaga") und dazu Stierkampf-Videos, in denen der Stier gewann. Die brutalen Bilder waren verstörend. Sie waren aber auch wieder aus meinem Kopf raus, als Augenblicke später Morrissey in einem 50er-Jahre US-Mechaniker Hemd (ich alter Modeblogger!), seine Band in weißen Hemden mit Hosenträgern auf die Bühne kamen und mit Suedehead eröffneten. Ich hatte gehofft, das endlich live zu hören, es war toll! Morrissey war der gewohnt große Entertainer, er schmiss das Mikrokabel, guckte theatralisch, litt mit jeder Zeile des Abends mit, berührte viele Hände, ohne sich (wie vor ein paar Jahren) danach angeekelt die Hand and der Hose abzuwischen. Es war gut! Richtig gut!


Daß die Lieder der neuen Platte nicht wie gehofft live besser zünden als auf Platte, war da egal. Einige sind gut, einige langweilig - in der Essen-Setlist war das Verhältnis neu-alt leider zu sehr Richtung neu ausgerichtet. Aber das wäre nicht weiter ärgerlich gewesen, da dazwischen ja immer wieder Perlen zu finden waren, meist alte Perlen. The Queen is dead oder How soon is now? von den Smiths, die B-Seite Yes, I'm blind (von Ouija board, ouija board), Trouble loves me. Lediglich das wundervolle I'm throwing my arms around Paris war sehr kurz und hatte ein lustloses Ende.


Das mit Abstand lahmste der neuen Stücke ist Kick the bride down the aisle, das dazu noch schrecklich lang ist. In der Zeit hätte man vier Freundinnen im Koma beweinen können. Oder fünf. 



Vor Meat is murder wurde es wieder aufwühlend. "I'm not American! They celebrate Thankskilling. Can anybody with a working brain tell me why?" Zu dem Smiths-Stück liefen Videos über Tiermißhandlungen in der Lebensmittelindustrie, nach "Produktgruppen" unterteilt. "Eggs", "Dairy", "Poultry." Morrissey stand in der langen Instrumentalphase in der Mitte mit hinter dem Kopf verschränkten Armen direkt vor der Leinwand, noch jenseits des Schlangzeugers und guckte zur Dokumentation.

Musikalisch kam danach mein Highlight, Speedway von Vauxhall and I von 1994. Das Stück, das Langzeit-Gitarrist Boz Boorer (von Morrissey als "more in hope than in anger" vorgestellt) geschrieben hat, hatte ich noch nicht bei einem Konzert gesehen und als (heimlich) bestes Stück des Abends empfunden!

Und dann kam Klaus Nomis melancholisches Zitat, das vor dem Hintergrund, daß eine weitere Tour auch unabhängig von Morrisseys Erkrankung höchst unwahrscheinlich war, noch eine Spur trauriger wirkte. Bevor aber da zu viele Grübeleien entstehen konnten, vertreuten die Irren diesen Kloß-im-Hals-Moment.


Weil es bei so einem ADHS-Ausbruch ja wohl um Aufmerksamkeit geht, bekommt Ihr die jetzt noch einmal: Idioten, Idioten, Idioten!

Setlist Morrissey, Colosseum, Essen:

01: Suedehead
02: Staircase at the university
03: The Queen is dead (The Smiths)
04: Kiss me a lot
05: I'm throwing my arms around Paris
06: World peace is none of your business 
07: Scandinavia
08: Earth is the loneliest planet
09: Istanbul
10: One of our own
11: Trouble loves me
12: How soon is now? (The Smiths)
13: Yes, I'm blind
14: Neil Cassady drops dead
15: Kick the bride down the aisle
16: Meat is murder (The Smiths)
17: Speedway

18: Everyday is like sunday (abgebrochen nach wenigen Takten) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Morrissey, Lüttich, 05.07.12
- Morrissey, Dublin, 31.07.11
- Morrissey, Köln, 11.06.09
- Morrissey, Offenbach, 09.06.09
- Morrissey, Esch, 05.06.09
- Morrissey, Lille, 19.01.08
- Morrissey, Frankfurt, 12.12.06
- Morrissey, Paris, 25.08.06
- Anna Calvi, Karlsruhe, 05.08.14
- Anna Calvi, Paris, 14.02.14
- Anna Calvi, Paris, 07.11.11
- Anna Calvi, Köln, 05.10.11
- Anna Calvi, Saint Cloud, 29.08.11
- Anna Calvi, Haldern, 11.08.11
- Anna Calvi, Paris, 04.11.10
- Anna Calvi, Paris, 22.06.10
- Anna Calvi, Paris, 15.06.11





Samstag, 7. Juli 2012

1 Foto, ein Satz, eine Setlist, Morrissey, Les Ardentes, 05.07.12

0 Kommentare

Konzert: Morrissey 1 Foto, ein Satz, eine Setlist,

Ort: Festival Les Ardentes bei Lüttich

Datum: 05.07.12

Zuschauer: tausende


Von/par Christophe Cario


1 Satz (une phrase): "Une voix magnifique, un groupe carré et qui s'amuse de plus en plus (le guitariste déguisé en bourgeoise anglaise !), une set-list faisant la part belle aux hits : on a assisté au show d'un vrai crooner généreux avec son public :-))"

- Eine fantastische Stimme, eine gut eingestimmte Gruppe, die sich immer mehr amüsiert (der Gitarrist war als vornehme englische Frau verkleidet), eine Setlist voller Hits: wir wohnten einer Show eines echten Crooners bei, der sehr großzügig und offenherzig mit seinem Publikum umging.

1 Foto: es stammt von © Olivier Bourgi alias bourgol, merci!

1 Setlist:

01: Shoplifters Of The World Unite (The Smiths)
02: You Have Killed Me
03: Your'e The One For Me, Fatty
04: Alma Matters
05: When I Last Spoke To Carol
06: Everyday Is Like Sunday
07: Black Cloud
08: I'M Throwing My Arms Around Paris
09: How Soon Is Now? (The Smiths)
10: Ouija Board, Ouija Board
11: To Give (The Reason I Live)
12: Meat Is Murder (The Smiths)
13: Let Me Kiss You
14: People Are The Same Everywhere
15: I Know It's Over (The Smiths)
16: One Day Goodbye Will Be Farewell
17: Still Ill (The Smiths)



Montag, 8. August 2011

Morrissey, Dublin, 31.07.11

2 Kommentare

Konzert: Morrissey
Ort: Vicar Street, Dublin
Datum: 31.07.2011


Link
Das teuerste Konzert des Jahres - Morrissey in Dublin
von Ursula von
neulich als ich dachte

Mein Freund fährt leider nicht sonderlich gerne in Urlaub. Was er dagegen liebt, sind Konzerte, und so sind viele unserer gemeinsamen Ausflüge Kombinationen aus (Städte-) Reise für mich und Konzerten für ihn - im Juni sahen wir so beispielsweise in Amsterdam Warpaint und The Irrepressibles (und Amsterdam).

Als wir für dieses Jahr begannen, eine Irlandreise zu planen, konzentrierte sich seine Konzertplanung auf die wenigen Tage, die wir nach unserem Aufenthalt in der Einöde Dingles in Dublin verbringen wollten. Doch unser Recherchetool Last.fm wollte einfach keinen interessanten Termin ausspucken. Bis etwa einen Monat vor Abreise plötzlich zwei Auftritte im Kalender standen, und zwar nicht von irgendeiner Notlösung sondern von Morrissey, den wir beide sehr schätzen!

Nur das (Zusatz-)konzert am 30. Juli war für uns terminlich zu schaffen, und genau wie das am Vortag war es direkt nach seiner Ankündigung restlos ausverkauft - nachdem der Veranstaltungsort "Vicar Street" nur 1500 Gäste fasst, war das keine große Überraschung. Auch Ebay und wenig vertauenerweckende Internetportale wie Seatwave hatten kaum Karten im Angebot - und wenn doch einmal Tickets auftauchten, hatten sie astronomische Preise.

Nachdem ich bei zwei Auktionen knapp gescheitert war und der Abreisezeitpunkt näher rückte, zahlten wir schließlich bei einem "ticket tout" einen solchen Wucherpreis: Zwei Karten mit dem aufgedruckten Preis von je 48 EUR kosteten uns etwa 200. Und damit ging die Aufregung erst los, denn die Tickets mussten innerhalb weniger Tage von England nach Deutschland geschickt werden, um von dort nach Irland mitgenommen werden zu können. Das klappte dann immerhin (trotz spannender Wartezeit) problemlos.

Und so kamen wir letzten Samstag in den Genuss von Morrisseys zweiten Dublin-Auftritt. Dank unserer frühen Ankunft in der Halle standen wir zum einen recht weit vorne und hatten zum anderen ausreichend Zeit, die anderen Gäste zu studieren. Bei vielen konnte man sich anhand ihres Aussehens kaum vorstellen, dass sie Interesse an der sentimental-depressiven Musik des ehemaligen Smiths-Sängers, der so gerne seltsame öffentliche Stellungnahmen abgibt, haben könnten. Als ich aber auf dem Arm einer Minikleid- und Stilettoschuhe-tragenden Frau einen tätowierten "Morrissey"-Schriftzug entdeckte, musste ich anerkennen, dass die Musik von Steven Patrick Morrissey wohl mehr Menschentypen anspricht, als mir vorher bewusst war.

Los ging der musikalische Teil des Abends aber mit einem Auftritt von Kristeen Young, die uns mit den Worten "I am a Scorpio and I want a relationship with you!" begrüßte und genau zwei Arten von Lied beherrschte: Immer abwechselnd begleitete sie ihren Gesang auf dem Keyboard oder sang und tanzte wild zu eingespielter Elektromusik. Der musikalische Eindruck war dabei der einer überaufgeregten Synthie-Kate Bush. Die absolute Inbrunst, mit der sie ihre Lieder von der ersten bis zur letzten Note schmetterte, wurde dabei sehr schnell anstrengend. Angesichts ihrer Rolle als Warmup-Act für Morrissey konnte man sich immerhin sicher sein, dass für ihr seltsames 80er-Jahre-Lederoutfit keine echten Kühe hatten sterben müssen.

Es folgten die bei Morrissey-Konzerten schon länger üblichen Film-, Video- und Interviewausschnitte. Einige Clips (darunter der Auftritt der New York Dolls bei Manfred Sexauers Musikladen) kannten wir bereits vom Konzert in Offenbach 2009. Anderes, wie ein in Dublin besonders umjubelter Song des irischen Sängers Joe Dorlan, schien neu im Programm zu sein. Diejenigen im Publikum, die bereits am Vorabend dabei gewesen waren, gaben sich beim letzten Ausschnitt zu erkennen, denn anders als wir wussten sie bereits, dass der Auftritt ihres Helden nun unmittelbar bevor stand.

Morrissey trug an diesem Abend zunächst ein rotes Paillettenhemd, wechselte später in ein schwarzes mit roter Rüschenknopfleiste, um den Abend in einem weißen mit glitzernder Knopfleiste zu beenden. Offenbar waren diese Hemden teuer, oder aber, der Künstler fühlt sich mittlerweile für Striptease zu alt: Die Hemdenwechsel erfolgten entgegen der bekannten Tradition off-stage, und keines von ihnen landete an diesem Abend im Publikum.

Wie jedes Konzert der aktuellen Tour begann auch dieses mit dem Smiths-Song "I want the one I can't have", es folgten "You're the one for me, fatty" und - als erstes richtig gutes Lied - "You have killed me".

Die Publikumsbegeisterung war, anders geht das bei Morrissey ja auch nicht, riesig. Blumen wurden geworfen und eine Schallplatte übergeben, und wer die Chance hatte, versuchte, sein Idol zu berühren - was auch vielfach klappte. Morrissey war für seine Verhältnisse relativ gesprächig und sprach die Zuschauer bei drei Gelegenheiten an:

  • Zunächst erwähnte er, dass es heute Abend leicht sei, verletzt zu werden, wenn man das falsche Hemd trage. Ich nahm das als Hinweis auf die von verschiedenen Fußballhemden bevölkerte Dubliner Innenstadt (es fand ein "Super Cup" zwischen verschiedenen europäischen Mannschaften statt), vielleicht liege ich da aber auch falsch.*
  • Später erzählte er, er habe auf der Titelseite des Irish Independent die Überschrift "Is Morrissey a genius or a crank?" gelesen. Seine Reaktion darauf: "How DARE they associate me with genius?"
  • Ganz am Ende behauptete er schließlich, gemeinsam mit der Band eine After Show Party geplant und dafür ein Restaurant gebucht zu haben. "But as I found out, they fry their chips in animal fat, which is disgusting!" Also keine Party für uns.

Zusätzlich wurde die Band (an diesem Abend in schwarzen Hosen und weißen Hemden mit Krawatten) nicht nur vorgestellt, es durfte auch jedes ihrer Mitglieder selbst einen Satz sagen. Und kommt es nur mir so vor, oder wird der Riesengong bei jeder Tournee noch ein bisschen größer? Und gab es schon immer eine zusätzliche Riesentrommel?

Die großen "Ankommer" beim Publikum waren ganz klar "Everyday is like Sunday", "First of the Gang to die", "There is a Light that never goes out" und natürlich die in Irland besonders relevante Zugabe "Irish Blood English Heart". Die vier neuen Lieder ("Scandinavia", "Action is my middle name", "The Kid's a Looker" und "People are the same everywhere") wurden dagegen verhaltener aufgenommen - und auch ich müsste sie mir wohl erst schön hören. Laut Internet war der Anfangstext von "First of the Gang" abgeändert, was ich nicht bemerkt habe, lediglich ein hinzugefügtes "soon" bei "come, Armageddon, come" in "Everyday is like Sunday" fiel mir auf. Bei "Meat is Murder" wurden im Hintergrund der Bühne Filmszenen projeziert, die zweifellos furchtbare Szenen der Massentierhaltung zeigten, diese waren aber, da sie auf ein bereits vorhandenes Bild geworfen wurden, praktisch nicht zu sehen.

Die Setliste entsprach in weiten Teilen der des Vorabends, lediglich die Reihenfolge und drei Lieder (darunter ein Lou Reed-Cover, das er bei der aktuellen Tournee gerne spielt) wurden ausgetauscht. Als letztes Lied vor dem vorläufigen Ende wurde "Speedway" sehr in die Länge gezogen (beziehungsweise enthielt eine Art Pause) und nach einem Zugabelied war leider auch endgültig Schluss.

Und, war der Abend nun das viele Geld wert, das wir bezahlt hatten? Ich denke ja. Das Konzert war sehr schön, und es wäre furchtbar traurig gewesen, den Abend in Dublin zu verbringen und nicht hin zu können.

Setliste Morrissey, Vicar Street, Dublin:

01: I want the one I can't have
02: You're the one for me, Fatty
03: You have killed me
04: Ouija Board, Ouija Board
05: The Kid's a Looker
06: Scandinavia
07: Come back to Camden
08: One day Goodbye will be Farewell
09: Meat is Murder
10: I'm throwing my arms around Paris
11: There is a Light that never goes out
12: Everyday is like Sunday
13: I know it's over
14: First of the Gang to die
15: People are the same everywhere
16: Action is my middle name
17: Speedway

18: Irish Blood English Heart (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Morrissey, Köln, 11.06.09
- Morrissey, Offenbach, 09.06.09
- Morrissey, Esch, 05.06.09
- Morrissey, Lille, 19.01.08
- Morrissey, Frankfurt, 12.12.06
- Morrissey, Paris, 25.08.06

*Laut einem Forenbeitrag sagte er folgendes: 'On a night, like this, if you were in Liberties wearing the wrong shirt, you could get your throat slit.....worth the risk.' Wobei die Liberties wohl sowohl die Gegend Dublins sind, in der das Konzert stattfand, als auch ein bekannter Pub in Camden (und das folgende Lied "Come back to Camden" war).

(Die Fotopolitik der Halle war übrigens undurchschaubar. Manche durften offenbar Fotos machen, andere nicht. Wir durften nicht, deshalb gibt es auch nur wenige.)
[Fotos folgen gleich!]



Donnerstag, 11. Juni 2009

Morrissey, Köln, 11.06.09

14 Kommentare

Konzert: Morrissey
Ort: Palladium, Köln
Datum: 11.06.2009
Zuschauer: ausverkauft (vielleicht 3.500)
Dauer: Morrissey 75 min, Doll & The Kicks 35 min


Auch wenn der dritte Morrissey Bericht innerhalb weniger Tage den ein oder anderen vielleicht langweilen mag, darf ein Bericht auf unserer Seite nicht fehlen.Wer weiß, wie lange noch die Chance besteht, den launischen Sänger live zu erleben.

Bei meiner Planung, welches bzw. welche Auftritte des Manns aus Manchester ich mir ansehen wollte, ärgerte mich, daß das Palladium den Schlußpunkt bilden sollte. In der sterilen, bei Höhepunkten immer zu vollen Halle, könnte es ja nur schlechter werden als an den Vorabenden. Aber dafür statt nach Köln (nah) nach Bremen zu fahren? Nein, das dann wirklich nicht. Verzichten mochte ich nach den ersten beiden Konzerten aber auch nicht, dafür waren die zu gut, und meine Vorfreude schon seit Dienstag wieder da.

Während sich das Palladium langsam füllte, lief von Band ein für die Tour erstelltes Mixtape (die Musikkassette erlebt ja gerade ihr überfälliges Comeback; ich habe
dieses Jahr schon zwei gekauft, mehr als in den letzten zehn Jahren zusammen) mit Liedern wie Thunderball oder einem fabelhaften Cover von Throwing my arms around Paris (das ich leider nirgendwo gefunden habe - weiß jemand, von wem das ist?).

Punkt acht begann das Liveprogramm mit der mittlerweile vertrauten Vorgruppe Doll & The Kicks aus Brighton. Vor dem mit ihrem Logo
angeleuchteten riesigen Vorhang spielten Sängerin Doll, Gitarrist Matt Garrity, Bassist Olivier Nicholas und Schlagzeuger Chris Woollison ein 35 minütiges Programm, vor allem mit Liedern ihres selbstveröffentlichten Debütalbums. Mir gefällt die CD sehr gut, und auch das dritte Konzert der Band um die strohblonde Sängerin machte mir viel Spaß! Natürlich hat Doll eine quiekende Stimme und auch gelbe Fliegen im Haar sind nicht jedermanns Sache. Wer aber auf der Debütplatte Lieder wie Roll up the red carpet, Superstar oder If you care hat, wird mir auch gefallen, wenn danach nicht noch Morrissey kommt. So weit wie der möchte ich zwar nicht gehen, denn später lobte Mozzer Doll & The Kicks als beste Band der Welt. Aber seine Frage "the question is how can it be that they are not signed?" stelle ich mir auch! Während dieser Lobpreisung stand Doll oben auf dem Balkon, der als (vollkommen leerer) VIP Bereich diente. Sicher nicht der schlechteste Tag in der Karriere der jungen Frau...

01: You do it better
02: Roll up the red carpet
03: Pictures
04: Superstar
05: Rising sun
06: You turn up
07: Cry in the kitchen
08: If you care
09: He's a believer
10: He was a dancer

Der Pausenfilm! Mein Ehrgeiz, alle Videos zusammen zu bekommen, hat nur teilweise funktioniert, ein paar fehlen. Ach, würden doch bloß alle Bands in der Umbaupause Videos zeigen, die ihnen etwas bedeuten. Eine fast halbstündige Pause kann verflucht schnell umgehen, wenn in der Zeit uralte Musikfilmchen laufen. Hier die Bestandteile des aktuellen Pausenfilms:

  • The Sparks: Lighten up, Morrissey
  • ein s/w Interview mit einer Frau, über das Wegziehen aus England
  • ein wundervolles 50er Jahre Tanzvideo
  • Vince Taylor: There's a lotta twistin goin' on
  • Shirley Bassey: To give (live bei Rai uno)
  • ein Tribut an Jobriath (Bruce Wayne Campbell), einen 1983 verstorbenen Künstler, den Morrissey verehrt
  • New York Dolls - Lookin' for a kiss (live im Musikladen)
  • Shocking Blue - Mighty Joe
  • das "Turkish tobacco" Interview mit New York Dolls Frontmann David Johansen

Mit dem letzten Wort des rauchenden Morrissey Idols fällt stets der Vorhang. Zu einem You'll never walk alone Cover (The Smoking Popes) - es paßt wirklich alles! -
kamen nach einer kurzen dramaturgischen Pause die sechs Musiker auf die Bühne, Morrissey voran. Der Sänger fühlte sich im wundervollen Offenbacher Capitol vielleicht underdressed, im Palladium erschien er jedenfalls eleganter als bisher - mit einreihigem Blazer, weißem Hemd und schwarzer Schleife. Sehr zu meiner Beruhigung wechselt auch seine Band regelmäßig die Kleidung; heute hatten sie ihr drittes Bühnenoutfit an, die kurzen braunen Hemden. Warum auch immer mußten Boz, Solomon, Matt, Jesse und Kristopher dann aber auch drei glitzernde Perlen auf der Stirn ertragen. Wir hatten uns auf der Hinfahrt erfolglos überlegt, wie Morrissey wohl seinen freien Tag in Köln verbracht hat. Er hat sich Gemeinheiten für seine Kollegen ausgedacht!

Morrisseys Outfit hielt bis zu Black cloud, dem dritten Stück des Abends. Dann hatten die vorgebundene Fliege und das Jacket ihren Dienst getan. Wenn es auf
der Bühne nur annähernd so heiß war wie vorne in der zweiten Reihe (und es war durch die Scheinwerfer sicher wärmer), eine nachvollziehbare Entscheidung!

Die Setlist war die von Offenbach, vielleicht ist es die,
die für die Deutschland Konzerte vorgesehen ist. Sie unterscheidet sich neben der Reihenfolge der Stücke um drei Lieder. So kamen wir heute wieder in den Genuß von Billy Budd, Let me kiss you und The world is full of crashing bores, dafür fehlten vom Alternativprogramm Something is squeezing my skull, Sorry doesn't help und All you need is me - ein Tausch, mit dem ich gut leben konnte. Für mich also die bessere Setlist.

Auch wenn mancher vielleicht wieder stimmliche Schwächen bei den schnellen, hohen Tönen des frühen Solowerks erkannt haben will, für mich klang der Sänger perfekt, makellos. Das Konzert war aber eine ganze Ecke lauter als Offenbach. Vielleicht war das der großen und vor allem tiefen Halle geschuldet. Nach dem sehr leisen Esch, dem normalen Capitol, krachte es heute ganz ordentlich! Nur leider wieder bei zwei Liedern nicht: Some girls are bigger than others und Girlfriend in a coma bräuchte ich in den gespielten Versionen live nicht mehr (obwohl Coma einer meiner Allzeit-Lieblinge der Smiths ist). Umso besser gefiel mir How soon is now, dessen krachende Gitarren und
Trommeln beeindruckend klangen! Theatralisch sank der Sänger zu diesem schönen Lärm auf den Boden vor der Bassdrum. Vor einer Woche hätten besorgte Anhänger da noch nach Sanitätern verlangt...

Neben How soon is now überzeugten mich... ach Quatsch, was soll ich jetzt hier zehn Lieder aufzählen? Fast alles ragte heraus (im übertragenen Sinne)! How can anybody possibly know how I feel? ist langweilig, dafür versöhnten Why don't you find out for yourself, die Rockabilly Nummer The loop (die Sing your life B-Seite) und I keep mine hidden (die B-Seite von Girlfriend in a coma)! Und daß This charming man, Irish blood, I'm
throwing my arms around Paris und The first of the gang to die von Tausenden mitgesungen mehr als nur aufregend sind, bestreitet vermutlich niemand ernsthaft...

Nach drei frischen Hemden (er wechselte von weiß zu scheußlich blau-braun, schwarz zu uniblau) und eineinviertel Stunden Konzert, einer wundervollen Liebeserklärung ("have I told you lately how much I love you?") endete das Konzert früh - zu früh - und glücklich.

Vor der einzigen Zugabe (First of the gang to die) stimmte der Sänger ein kurzes Lied an ("remember me I have forgotten my faith"),* das ich leider nicht erkannt habe.
Wäre ich Pessismist, würde ich all die sentimentalen Momente des Abends als Ankündigungen seines Rückzugs deuten. Das mag ich aber wirklich nicht. Denn vielleicht habe ich auch irgendwann Gefallen daran, mich um ein Stück seines Hemdes zu reißen. Heute flogen zwei, das enorm häßliche hellblaue mit braunen Mustern (das er wieder zur Zeile "but then you open your eyes and you see someone that you physically despise" aus Let me kiss you auszog) und ein hellblaues ganz am Schluß. Um das rangelten sich sehr viele Leute in meiner Nähe, die das hochwertige Stück allerdings nicht auseinander bekamen. Irgendwann mußte ein Feuerzeug beim Trennen helfen. Faszinierend, wie ehrgeizig Menschen an einem Ärmel reißen, um ein Stück Hemd zu bekommen.

Dieses eher bizarre Erlebnis beendete einen wundervollen Musikabend mit einem der größten Künstler unserer Zeit. Wenn ich irgendwann mit meiner zu gründenden Band im ausverkauften Palladium spiele, werden in der Pause vermutlich nur Morrissey- und Smiths-Videos laufen...

Setlist Morrissey, Palladium, Köln:

01: This charming man
02: Billy Budd
03: Black cloud
04: Ask
05:
When last I spoke to Carol
06:
How can anybody possibly know how I feel?
07: How soon is now?
08:
I'm throwing my arms around Paris
09: The world is full of crashing bores
10: Girlfriend in a coma
11:
Why don't you find out for yourself
12:
Seasick, yet still docked
13: Some girls are bigger than others
14:
One day goodbye will be farewell
15: I keep mine hidden
16:
Irish blood, English heart
17: Let me kiss you
18: The loop
19: I'm ok by myself

20: First of the gang to die (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Morrissey, Offenbach, 09.06.09
- Morrissey, Esch-sur-Alzette, 05.06.09
- Morrissey, Lille, 19.01.08
- Morrissey, Frankfurt, 12.12.06
- Morrissey, Paris, 25.08.06
- mehr Fotos aus dem Palladium
- weitere Morrissey Bilder

* wohl Death von Klaus Nomi!



 

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