Posts mit dem Label Apples in Space werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Apples in Space werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 10. Januar 2018

11 besondere Konzerte 2017 für mich (Michael)

0 Kommentare
70 Konzerte habe ich im letzten Jahr besucht, einige davon in kleinen Clubs und Wohnzimmern. Aber auch zwei Festivals waren darunter, das Kosmonaut mit Fotoerlaubnis, was auch besonders spannend war und das Sound Of Bronkow, die Perle der keinen familiären Festivals in Dresden. Ich habe meine Liste daher auf die besten 11 Konzerte beschränkt, die mir in nachhaltiger Erinnerung geblieben sind. Darunter sind auch 2 Scala-Konzerte, deren Gastgeber ich bin. Die Reihenfolge richtet sich nach dem Datum und stellt keine Wertung dar.


Sons of Noël & Adrian, Beatpol Dresden, 17.02.2017




Sons of Noël & Adrian füllen den morbiden Saal mit einer ausufernden Performance. Der Raum passt zur Stimmung, die Band holt die 1970er mit ihren langen Titeln zurück auf die Bühne.
Was mir besonders gefällt: sie haben keine typische Struktur in ihren Songs, dafür bizarre Wechsel und Harmonien, das Konzert ist ein Erlebnis weit jenseits der Studioatmosphäre.


Faber, Atomino Chemnitz, 30.04.2017

Ich habe Faber auf der 2015er Tour von Sophie Hunger kennengelernt, damals spielte Faber als Support. Diesmal steht er in einem ausverkauften Atomino. So um die 250 Leute mögen es sein, die Fans und Fanninen sind lauthals und gleich von Anfang aktiv dabei. Fabers Stimme ist schon einzigartig und die Musik hat sich weiter geöffnet seit dem Herbst 2015, es ist gibt Drive mit Balkaneinflüssen und die Texte bieten mehr Abgründiges, Böseres an diesem schweißtreibenden Abend.


Apples in Space, Scala Adorf, 13.05.2017






Sie sind eine unserer Familienbands, wie wir sie hier bezeichnen. Sie sind mit ihrem zweiten Album zum zweiten Mal in unserem Wohnzimmer. Manchmal fahre wir auch zu Konzerten, wenn sie in der Gegend sind oder nach Berlin, wenn das Datum günstig für Berufstätige liegt, einmal auch ans Berliner Ensemble zur letzten Vorstellung von Hamlet, wo Phil und Julie mitgespielt haben. Bei ihnen begeistert mich die Verve, mit denen sie jedes Konzert spielen und die großen Gefühle ihrer Songs auf der Bühne ausleben, wundervoll unterstützt von ihren Bandmitgliedern Jonathan und Janusz.



FJØRT, C Kosmonaut Festival Chemnitz, 17.06.2017




Am zweiten Tag des Kosmonaut-Festivals bin ich extra zeitig vor der Bühne und erlebe einen Vulkanausbruch. Ich bin restlos begeistert, zumal ich progressive Musik sehr mag. FJØRT sind jetzt und hier eine große Überraschung und im Fotograben noch einmal mehr - quasi in der Hölle, durch die die Band die Songs meistens treibt.
Ich freue mich schon auf die anstehenden Konzerte am 22.01.2018 in Dresden oder am 23.01.2018 in Leipzig.


Pet Shop Boys, Elbufer, Dresden, 29.06.2017

Wie hieß es früher im DDR-Fernsehen: Alte Liebe rostet nicht. So geht es mir mit den Pet Shop Boys. Auch sie sind eine meiner vielen musikalischen Wurzeln und mittlerweile erlebe ich sie zum zweiten Mal live. Die Jungs haben auch kleinere Säle zwischendurch bespielt, nun füllen sie das Elbufer zwar nicht ganz aber ganz gut. Es ist ein sommerlich milder Abend mit einer perfekten Show und viel Platz zum Tanzen, Fröhlichsein und Singen.


Martin Kohlstedt, Sendesaal des WDR Köln, 18.08.2017

Zur Popkomm 2017 haben wir uns für den Sendesaal des WDR entschieden und bekommen einen Klavier-Synthesizer Abend geboten. Martin Kohlstedts Musik hat die Faszination des Stillen trotz oder wegen der Töne und damit zieht sie mich immer wieder in ihren Bann. Auch dies ist für mich Konzertmusik und -erlebnis, es fällt mir schwer das im heimischen Wohnzimmer von Konserve so intensiv nachzuerleben.


Hanna Leess, Sound of Bronkow Dresden, 01.09.2017




Im Keller des Societätstheaters nimmt mich Hanna Leess mit kratziger Stimme und zartem Körper mit ihren intensiven Songs gefangen. Was muss sie alles schon erlebt haben, um solche Lieder zu singen. Und welche unerschütterliche Lebensfreude strahlt sie aus!



Hope, Sound of Bronkow Dresden, 02.09.2017




Ich erinnere mich auch an die starke Performance von Christine Börsch-Supan , eine kleine Person mit großer Präsenz und Ausstrahlung. Hope aus Berlin stehen musikalisch laut Wikipedia zwischen Indie, Post-Rock und Ambient/Electronic. Neue Klänge halten Einzug bei Sound of Bronkow, mir gefällts.



Sarah Lesch, Atomino Chemnitz, 08.11.2017

Da war ich doch Ende 2016 so naiv und habe beim Booking-agent nachgefragt, ob Sarah Lesch nicht mal in der Scala spielen könnte. Fabian schrieb, dass sie inzwischen wohl ein paar Nummern zu groß für uns wäre. Naja… Das Atomino war wieder ausverkauft und gefüllt mit einem aufmerksamen Publikum. Sarah wurde nur begleitet von ihrem Gitarristen, sang liebevolle Texte und spielte gefällige Melodien. Da geh ich mal wieder hin.


Hello Piedpiper, Scala Adorf, 17.11.2017




Fabio alias Hello Piedpiper kam nach 4 Jahren zum 2. Mal in die Scala und präsentierte zum 50. Jubiläum sein aktuelles Album mit Band. Für mich große Songs mit sehr viel mediterranem Gefühl in den Liedern. Es war eine Ohrenweide, mit geschlossenen Augen zuzuhören.



Me And Oceans, Boden der Tatsachen Chemnitz 24.11.2017




Dieser Abend fällt in die Rubrik DAS BESONDERE KONZERT. Me And Oceans ist Fabian Schütze und er hat letztes Jahr sein Album „MIR“ veröffentlicht, ein großes Hörerlebnis. Es ist die Vertonung von Briefen an Juri, einen Kosmonauten auf der Raumstation MIR. Es sind Briefe von Freundin, Freunden und Kollegen wie Vorgesetzten. In Szene gesetzt mit einem Projektor, zu den Liedern zeigt Fabian Fotos oder malt Bilder. Beides verfolge ich live über den Projektor auf der Bühnenwand. Dies war definitiv ein einzigartiges Erlebnis in ganz kleinem Kreise in einer Chemnitzer Maisonette.



Montag, 15. Mai 2017

Apples in Space, 13.05.17, Adorf

0 Kommentare

Konzert: Apples in Space
Ort: Scala Adorf
Datum: 13.05.2017
Dauer: 100 min
Zuschauer: 25

Eine Art Heimspiel



Im September 2015 waren APPLES IN SPACE mit ihrem Debütalbum bereits in Bandbesetzung bei uns zu Gast und haben uns einen umjubelten Abend beschert. Damals haben wir sie entdeckt auf Tour mit Element of Crime und seitdem ins Herz geschlossen. Inzwischen sind füllen sie Clubs in ganz Deutschland. Daher war ich sehr stolz, dass die Berliner mit ihrem neuen Album im Gepäck extra für das Scala-Konzert nach Adorf gekommen waren. Und es sollte ein weiterer umjubelter Abend vor vollem Hause werden. In Windeseile waren das Auto entladen, die Bühne aufgebaut und der Soundcheck absolviert. Es blieb noch etwas Zeit für Kaffee und Kuchen, dann füllte sich die Scala bereits und wieder mussten die Bierbänke zusätzlich aus dem Keller geholt werden.


Wie schon vor wenigen Wochen in Leipzig begann die Band ihren Abend mit Songs vom ersten Album mit Ophelia als Opener. Ich hatte noch die Setlist von Leipzig und gab sie Phil als Gedankenstütze, die dann um 1-2 Lieder ergänzt zu einem der längsten Sets der Apples wurde.


Es folgten I was the moon, The old man and the country, Vespa bevor eingeleitet von Shame die neuen Songs an die Reihe kamen. Wieder ergab sich diese Reihenfolge als sehr spannungsreich für diejenigen, die die Alben kennen, da sich so die Erwartung auf die neuen Lieder steigerte. Gleichzeitig wachsen die älteren Songs am Spiel der Band und so klingt das ganze Set am Ende wie aus einem Guss. Frische und abwechslungsreiche Arrangements sorgten ebenso wie die Dramaturgie des Abends für anhaltende Spannung im Publikum. Das ist einfach ganz großes Kino, wie Jonathan nach dem ersten Drittel zu The house is empty now vom Schlagzeug zu den Tasten wechselt und Phil und Julie dann ein akustisches Set abliefern, um dann mit Upon this wave den Abend in kompletter Band souverän und ansteckend nach Hause zu spielen. Was zurückblieb waren Begeisterung und verzückte Blicke, was begann war eine lange Nacht an den Lagerfeuern der Seelen.


Als Phil, Julie, Janusz und Jonathan am Sonntag nach Hause fuhren, war es fast ein bisschen, als wenn die eigenen Kinder das Haus verlassen. Das Schöne an dieser Idee ist, dass sie ganz sicher mal wiederkommen.


Aus unserem Archiv:

Apples in Space, Adorf, 20.09.2015
Apples in Space, Karlsruhe, 13.09.2015
Apples in Space, Köln, 03.03.2015
Apples in Space, München, 10.04.2013




Samstag, 22. April 2017

Apples in Space, Leipzig, 21.04.17

0 Kommentare

Konzert: Apples in Space
Ort: Moritzbastei Leipzig
Datum: 21.04.2017
Dauer: 90min
Zuschauer: ca. 50



Erfrischend und erwachsen


Apples in Space sind eine meiner Lieblingsbands seit ihrem Gastspiel 2015 in unserem Wohnzimmer. Es braucht zur Begründung keine Worte, das Erlebte ist ausschlaggebend. 3 Wochen vor dem nächsten Konzert in der Scala haben Katrin und ich die Chance für einen Überraschungsbesuch in Leipzig genutzt. Die Apples sitzen im Innenhof der Moritzbastei und spielen sich ein. Nach dem kalten Ostern ist es der erste milde Nachmittag. Die Begrüßung ist pure Freude übers Wiedersehen und Freude auf dieses und die nächsten Konzerte. Ich bin heute sehr neugierig auf die Titel des neuen Albums, neugierig auf die Art ihrer Präsentation, bisher kannten wir ja nur den halbakustischen Wohnzimmerauftritt. Und das neue Album zeigt noch so viel mehr musikalische Einflüsse der Kollegen Janusz und Jonathan auf die Songs.



Das Fazit gleich vorweg: Die Apples haben sowohl mit dem neuen Album als auch auf der Bühne eine erstaunliche Entwicklung zu einer großen Band hinter sich. Da sind die Dramaturgie der Setlist, die abwechslungsreich arrangierten Songs des Abends, die die verschiedenen Aufmerksamkeitsspannen des Publikums bedienen und die Spannung immer wieder ansteigen lassen. Schon der Einstieg ins Konzert ist unüblich. Die meisten Bands starten mit Titeln ihres aktuellen Albums und holen dann die Fans mit den bekannten älteren Stücken erst später ab. Die Apples gehen den Abend genau andersherum an und erobern den Saal zunächst gleich mit 3 Titeln des 1. Albums (Apples in Space), bevor sie auf fulminante Art Fahrt mit den ersten Titeln des aktuellen Albums (The Shame Song) aufnehmen.



So geht es temporeich und schweißtreibend zum Mittelteil, den Julie und Phil nach einer Unterstützung von Jonathan an den Tasten dann allein bestreiten und die akustischen Momente Gänsehaut erzeugen (Manor Hotel).



Phil und Julie stehen im Scheinwerferkegel allein mit ihren teilweise herzzerreißenden Songs Paper Town und Upon This Wave. Da werden große Gefühle in eruptive Musik gegossen und ganz leise dargeboten. Ich bin berührt von der bewundernswerten Souveränität, die die beiden mit ihrer hochdramatischen Songarchitektur hier ausspielen. Sie bannen das Publikum dabei mit großen Gesten wie den Ausflügen von Phil und seiner Gitarre vor die Bühne oder Julies schmachtende Blicke in Phils Richtung.



Wieder vereint auf der Bühne treibt die Band den Abend in Richtung Ziel. Bei der Tour de France würde man von einer Bergankunft sprechen – hier zogen die Apples mit den letzten Titeln noch das Tempo an und ließen das Publikum in Nachhall der letzten Songdonner allein zurück im Saal, so schnell verließen sie den Raum.


Sie ließen sich dann auch nicht lange bitten, um für 2 Zugaben wiederzukommen, erst Phil und Julie zu zweit und mit einer ganz ruhigen Fassung von Ophelias Song. Den Schlusspunkt setzte die Band mit Tin Can Odyssey unter den grandiosen Abend einer Band, der ich nur allergrößte Aufmerksamkeit wünsche.



Fazit, zweiter Teil: Alte und neue Songs klangen für uns wie aus einem Guss. Die szenischen Schmankerl waren geschickt gesetzt und zeugten von einem großem Einfühlungsvermögen der Band und ihrer Kenntnis über die Wirkung ihrer Musik. Wie Janusz bestätigte, sind diese Punkte auch Gegenstand längerer Diskussionen, sicher ein Ausdruck der Sorgfalt, die die Band diesbezüglich gegenüber ihrem Publikum umtreibt.
Nach einem Schwatz über die Mühen in den Ebenen des Musikbusiness in der nicht mehr ganz so milden Leipziger Frühlingsnacht, sind Katrin und ich mit einem leuchten im Herzen wieder heimgefahren. Zum Glück für uns sind es diesmal nur 3 Wochen bis zum nächsten Konzerterlebnis mit Apples in Space.


Setlist
01. I Was The Moon *
02. The Old Man & The Country *
03. Vespa *
04. Shame **
05. All My Things **
06. November **
07. The House Is Empty Now *
08. Manor Hotel **
09. The Never Read Letter *
10. Paper Town *
11. Upon This Wave **
12. Because The Nights Are Empty **
13. Technical Failure **
14. Farewell, Little World *
15. Behind Closed Doors **

16. Ophelias Song (Z) *
17. (A Tin Can) Odyssey (Z) **

* vom Album “Apples in Space” (2015)
** vom Album “The Shame Song“ (2016)


Aus unserem Archiv
Apples in Space, Adorf, 20.09.2015
Apples in Space, Karlsruhe, 13.09.2015
Apples in Space, Köln, 03.03.2015
Apples in Space, München, 10.04.2013

Montag, 21. September 2015

Apples in Space, Adorf, 20.09.15

0 Kommentare

Konzert: Apples in Space
Ort: Scala Adorf
Datum: 20. September 2015
Dauer: 75 min
Zuschauer: 20



Eine verträumte Band entstieg dem Tourbus am Nachmittag vor der Scala und freute sich über Apples in cake (and tea). Die Sonne begrüßte unsere Gäste und Adorf zeigte sich trotz herbstlicher Temperaturen von der sommerlichen Seite, so gut es eben an einem 20. September in dieser Gegend geht. Nach den Fotos aus Karlsruhe hatte ich mich entschieden, die Band ebenfalls das große Besteck auflegen und spielen zu lassen. Da die Tour ihren Tribut zollte und Erkältungen die Stimmen ankratzten, haben wir Mixer, alle Kabel und sonstigen technischen Raffinessen zusammengesucht und ein gut verstärktes Set aufgebaut. Lustig zu beobachten, wie dabei eine Hand in die andere greift und in all dem Gewirr und Gewimmel Phil Haußmann schon in der Setlist oder in neuen Melodien träumt.



Ich hatte das selbstbetitelte Album von Apples in Space sehr oft gehört, seit der Termin für das heutige Konzert stand. Phil und Julie Mehlum haben dies noch zu zweit eingespielt und schon diese Stücke machen beim Hören soviel Spaß - was würde aus den Songs erst werden mit Bass- und Schlagzeug-Begleitung. Apples in Space sind nach Aussagen von Phil mittlerweile eine echte vierköpfige Band, sie haben Janusz Hüsges am Bass und Jonathan Sieweck als leisesten Schlagzeuger Deutschlands an den Drums als vollwertige Mitglieder integriert. Wenn man die vier so spielen sieht, wie sie einander beobachten, Zeichen geben und sich in Spielfreude verlieren, so meint man, es sei schon immer so gewesen. Doch das Konzert ist dramaturgisch so aufgebaut, dass Janusz und Jonathan ihre Pause bekommen und Phil mit Julie einige - sehr intensive - Titel allein bestreiten. 



Hier haben sich zwei Menschen gefunden, die ihre engen Bande auf die Bühne bringen und dabei eine Innigkeit verbreiten, die sich als Kokon um das Publikum legt und es in ihren Bann zieht. Es reihen sich Lieder ihres Debütalbums wie auch zwei neue, während der Tour entstandene Songs während des Abends aneinander. Ganz besonders sind Paper Town und Ophelia’s Song aus dem Hamlet am Berliner Ensemble, wo Phil und Julie regelmäßig mit auf der Bühne stehen. Mit November und All My Things kommen die beiden erwähnten neuen Lieder, bevor das Konzert viel zu schnell zu Ende geht. 



Aber ohne Zugaben geht in der Scala keine und keiner von der Bühne und damit bekommen Janusz und Jonathan noch eine Pause. My Love Is A Bullet schreit förmlich nach Quentin Tarantino - Bildern und zu Whiskey In A Tea Cup werden noch einmal alle vier das Haus unter Strom setzen. 



Da es Sonntag ist, leert sich die Scala früher als sonst und am Ende sitzen wir zu acht in der Runde und die Band jammt noch ein bisschen auf neuen Melodien und vertauschten Instrumenten. In den Köpfen kreisen schon die Ideen für eine neue EP und ein neues Album im nächsten Jahr. Ich hoffe sehr darauf, denn was wir heute hier erleben durften, waren Spielfreude, Leidenschaft und wunderschöne Songideen. Bei der nächsten Releasetour stehen die Türen der Scala weit offen für Apples in Space.



01: The Brigde between two shores
02: The old man & the country
03: Johanna's Waltz
04: Elsk meg i morgen fren forbannelse
05: Paper Town
06: Ophelia's Song
07: Vespa
08: The biggest lie
09: I was the moon
10: November
11: All my things
12: The house is empty now
13: Farewell little world

14: My love is a bullet (Z)
15: The never read letter (Z)
16: Whiskey in a tea cup (Z)





Sources:
Video: The Old Man And The Country
Video: Paper Town
Apples in Space Webseite

Aus unserem Archiv:
Apples in Space, Karlsruhe, 13.09.2015
Apples in Space, Köln, 03.03.2015
Apples in Space, München, 10.04.2013


Mittwoch, 16. September 2015

Apples in Space, Karlsruhe, 13.09.15

0 Kommentare
Konzert: Apples in SpaceDatum: 13. September 2015
Dauer: 75 min
Zuschauer: 7


Ich habe mir das so richtig toll vorgestellt: Am letzten Feriensonntag lassen wir es noch einmal so richtig krachen, bevor in den Häusern ringsum der Alltag wieder Einzug hält. Rufen dem Sommer hinterher und halten die Ferien am letzten Zipfel fröhlich fest. Auch in Adorf hatten Michael und ich uns heiß gemacht die nächsten Wohnzimmerkonzerte - jeweils mit Apples in Space.  Das sind die Liederschmiede Phil Haußmann und Julie Mehlum, die zur Zeit unterwegs sind mit Live-Unterstützung durch Jonathan Sieweck an den Drums und Janusz Hüsges am Bass. So weit so gut.


Die vier kamen auch gut gelaunt an, wir saßen im Garten unter der spätsommerlichen Sonne und erstaunlich schnell war der Inhalt des Tourvans in unserem Wohnzimmer in ein Setup mit Stagepiano, Drumset, Bass und Gitarre verwandelt. Unter akustisch hatte ich mir vorher etwas anderes vorgestellt, aber es gab keine PA und keine Mikrofone und insofern war die Performance akustisch, auch wenn das Piano und der Bass natürlich einen Verstärker zum klingen brauchten. So wagten wir uns in das Abenteuer des ersten Wohnzimmerkonzertes für die vier jungen Leute.


Was folgte war wunderbar schwungvoll und mitreißend. Schon beim zweiten Stück konnte ich den Fuß nicht mehr still halten und hatte den ersten Refrain als Ohrwurm übernommen. Die beiden Songs Paper Town und Ophelia sind ja für die laufende Hamlet-Inszenierung am Berliner Ensembel entstanden (wo Julie und Phil am Dienstag den nächsten Gig haben würden) und folglich ein bisschen getragener und melancholisch. Aber das innere Bild, das die beiden hier eine gemeinsame Geschichte zu erzählen haben zog sich als roter Faden durch das Konzert. Sehr gut gefiel mir auch die häufig sehr sparsame und dezente und manchmal auch treibend und übermütige Unterstützung durch die Drums und der coole Mann am Bass - beides Hingucker und Ohrschmeichler.


Mit gereifterem Liedgut wie Vespa und zwei ganz neuen Songs spannten sie selbst den Bogen sehr weit und machten den Eindruck als hätten sie selbst richtig viel Spaß daran, all ihre Lieder an dem Abend mit uns zu teilen. Natürlich ließen wir sie nicht ohne Zugaben ziehen und bekamen noch sehr übermütige Songs um die Backen gehauen. Für die anstehenden Tourdaten gibt es deshalb nur eine Empfehlung: Sehens- und hörenswert.
 

Setlist:
01: The Brigde between two shores
04: Elsk meg i morgen fren forbannelse
07: Vespa
08: The biggest lie
10: November
11: All my things
12: The house is empty now

14: My love is a bullet
15: The never read letter
16: Whiskey in a tea cup


Tourdaten:
09.09. Berlin - Badehaus
10.09. Halle - Kleinkunstbühne/Peißnitzhaus
11.09. Frankfurt - Mousonturm
13.09. Karlsruhe - Wohnzimmerkonzert
16.09. Dresden - Societaetstheater
17.09. Hamburg - Hasenschaukel
18.09. Lübeck - Tonfink
19.09. Leipzig - Noch Besser Leben
20.09. Adorf (bei Chemnitz) - Scala Adorf
21.09. Osnabrück - Zauber von Os


24.10. Chemnitz - Weltecho
25.10. Weimar - Hinterzimmer


20.11. Erlangen - E-Werk/ Kellerbühne
21.11. Soest - Schlachthof
22.11. Würzburg - Wunschlos Glücklich
23.11. Darmstadt - Goldene Krone
25.11. Köln - Kulturcafé Lichtung
27.11. Düsseldorf - Cube



Aus unserem Archiv:
Apples In Space, Köln, 03.03.15
Apples In Space, München, 10.04.13 



Mittwoch, 4. März 2015

Element Of Crime, Köln, 03.03.15

4 Kommentare

Konzert: Element Of Crime
Ort: Palladium, Köln
Datum: 03.03.2015
Dauer: Element Of Crime 110 min, Apples In Space 25 min
Zuschauer: 4.000 (ausverkauft)

 

Daß nicht nur gerade hippe Bands wie alt-J die größte Kölner Konzerthalle unterhalb von Stadion und Arena ausverkaufen, freut mich. Im Falle von Element Of Crime freut es mich nicht nur besonders, weil ich die Musik der Band und das sonstige Werk des Sängers mag, ich schätze insbesondere die Einstellungen von Sven Regener zu Urheberrecht, Streaming und ganz allgemein zum heutigen Verhältnis Kunde / Künstler. Streaming-Dienste seien "Ein-Euro-Shops", seine Band mache da nicht mit, sagte der Sänger und Schriftsteller im Herbst im Deutschlandfunk. Fände ich das aktuelle Album doof, alleine aus musikpolitischen Gründen wäre ich zum Konzert gefahren. "Eine Konzertkarte von Element of Crime kostet 35 Euro - ist auch nicht teuer. Bei den Rolling Stones fangen die bei 150 Euro an und gehen bis 700 Euro hoch. Da brauchen wir nicht zu diskutieren" (Regener im DLF).

Das Palladium war schon früh voll. Element Of Crime Konzertgänger sind im Schnitt gut doppelt so alt wie die von alt-J. Daß alles sehr früh losging, war vielleicht auch diesem Umstand geschuldet. Punkt acht Uhr begann die Vorgruppe Apples In Space, quasi ein Synergie-Support. Die männliche Hälfte der Band (Phil Haussmann) ist Sohn des Herr-Lehmann-Regisseurs Leander. Sven Regener hat Stücke von Apples In Space produziert und förderte die Band bereits 2013 mit Vorgruppenjobs. Im Palladium sagte der Pate seine Schützlinge persönlich an!

Ich kannte nur die Vorgeschichte (da ich Konzerttagebuchleser bin), kannte aber keines der Lieder der Band, deren zweite Hälfte Julie Mehlum aus Oslo ist. Julie und Phil standen nebeinander auf der riesigen Bühne, sie neben einem Piano, er mit akustischer Gitarre. Ihre Lieder sangen sie gemeinsam, jedes Stück, jedes Wort. Dazu spielte Julie anfangs meist nur mit einer Hand Klavier und Phil Gitarre. Die Stücke gefielen mir. Die instrumentelle Begleitung war nicht schrecklich komplex (was ich mochte), die Stimmen harmonieren aber hervorragend. Richtig gut wurde es, wenn beide oder einer laut wurde. My love ist a bullet und Farewell, little world gefielen mir also am besten. Da die Band das nach jedem Lied gemacht hat, sage ich auch noch mal den Namen: Apples In Space.


Setlist Apples In Space, Palladium, Köln:

01: ?
02: Paper town
03: My love is a bullet
04: The never read letter
05: Vespa
06: Farewell, little world

Der Umbau lief irrwitzig schnell ab. Hier böten sich Witze übers Alter an, ich bin aber kein guter Witzeerzähler. Bereits elf Minuten nach dem Abgang von Apples In Space traten Element Of Crime auf. 


Ich hatte die Band zuletzt beim Fest van Cleef 2011 in Trier gesehen (gemeinsam u.a. mit Frank Turner, Thees Uhlmann und Casper). Ob die Besetztung damals die gleiche war, weiß ich nicht mehr, kann man aber nachlesen (würde der Sänger sagen). Neben Sven Regener waren das im Palladium Gitarrist Jakob Ilja, Bassist David Young, Schlagzeuger Richard Pappik und Saxophonist Rainer Theobald.


Die Songauswahl war nicht weiter überraschend. Es ist die Lieblingsfarben und Tiere Tour (oder wie es eventim auf den Tickets schön umdeutete: Lieblingsfarben der Tiere - Elefant (grün), Löwe (pink), Jaguar (blau)?), also spielten Element Of Crime auch alle Lieder der Platte. Obwohl die zehn nicht mal die Hälfte des Konzerts ausmachten, konnte der Rest bei der Menge an Studioalben seit Mitte, Ende der 80er Jahre natürlich nur ein Querschnitt sein. Ich habe keine richtig großen Lieblinge vermisst, irgendwer weiter hinten brüllt aber immer wieder Mittelpunkt der Welt und wurde nicht erhört. 

Obwohl das Konzert fast zwei Stunden dauerte und auf der Bühne ja nicht furchtbar viel passiert - und sich auch bis auf wenige Ausnahmen die Ansagen des Sängers auf die üblichen drei, vier Textbausteine beschränken (die allerdings früher viel häufiger fielen! Statistik für Köln: "stark" - 4x, "Romantik" - 1x, "jetzt kommt noch ein Lied" - 1x), war das Konzert nie langweilig. Richtig packend sind Element Of Crime Auftritte auch nicht, das erwartet man aber nicht. Da böten sich dann u.U. die 700-Euro-Tickets für die Rolling Stones eher an. Aber Element Of Crime Konzerte sind trotzdem sehr unterhaltsam und musikalisch toll, auch wenn sie am äußersten Ende meiner (nicht auf die Zuschauerzahl) bezogenen Indieskala stattfinden.


Mein Liebling war vermutlich das fabelhafte Vier Stunden vor Elbe 1 als eines der sechs Zugabe-Stücke, gespielt nur von Sven Regener, dem Bassisten und eine Klarinette (glaube ich - Rainer Theobald war für mich meist nicht zu sehen, er hatte aber am Anfang eine Klarinette in der Hand, es klang jedoch nach Mundharmonika). Aber auch Immer nur geliebt, das für die Peter-Pan-Imszenierung von ... Leander Haußmann* zu dessen Intendanz-Abschied am Bochumer Schauspielhaus geschrieben wurde, war wundervoll. Man habe dieses 15 Jahre alte Lied nie gespielt, weil der Kontext gefehlt habe. "Peter Pan, das kennt ja doch jeder", also könne man es auch spielen. Im Hintergrund (und auch bei Love and happiness) sangen Apples In Space mit. 


Ach, es war ein schöner Abend. Wir (also die, die keinen Erdkunde Leistungskurs hatten) lernten etwas über die Europäische Wasserscheide, die Element Of Crime bei ihrer Tour überquert haben, über die richtige Betonung von Delmenhorst (auf der letzten Silbe!) und wir hörten viele sehr gute Lieder einer Band, die vermutlich auch noch Konzerte spielen wird, wenn die alt-Js dieser Welt über eine Reunion nachdenken. Alten Resten eine Chance.

Setlist Element Of Crime, Palladium, Köln:

01: Damals hinterm Mond
02: Immer so weiter
03: Am Morgen danach
04: Rette mich (vor mir selber)
05: Mehr als sie erlaubt
06: Gelohnt hat es sich nicht
07: Dunkle Wolke
08: Liebe ist kälter als der Tod
09: Nightmare
10: Schwert, Schild und Fahrrad
11: Am Ende denk ich immer nur an dich
12: Schade dass ich das nicht war
13: Love and happiness
14: Immer nur geliebt
15: Wenn der Wolf schläft müssen alle Schafe ruhen
16: Kaffee und Karin
17: Immer da wo du bist bin ich nie
18: Straßenbahn des Todes
19: Lieblingsfarben und Tiere

20: Weißes Papier (Z)
21: Delmenhorst (Z)

22: Vier Stunden vor Elbe 1 (Z)
23: Draußen hinterm Fenster (Z)

24: Alten Resten eine Chance (Z)
25: Dieselben Sterne (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Element Of Crime, München, 10.04.13
- Element Of Crime, Trier, 10.12.11
- Element Of Crime, München, 18.09.09



Dienstag, 23. April 2013

Element of Crime, München, 10.04.13

2 Kommentare

Konzert: Element of Crime
Vorband: Apples in Space 
Ort: Freiheiz, München 
Zuschauer: etwa 500 (?) (ausverkauft) 
Datum: 10.04.2013 
Dauer: Element of Crime 120 Minuten, Apples in Space 20 Minuten 


von Fabian von Gefuehlsbetont aus Stuttgart 


 „Wir sind kein Bekleidungsgeschäft“ 

“Liedwünsche werden nicht erfüllt. Wenn eine Band 20 Lieder an einem Abend spielt und 50 im Repertoire sind, kann man sich ausrechnen, wie hoch die Chancen sind.” – Sven Regener stellt gleich zu Beginn ironisch lehrerhaft fest, wie die Sache heute im ausverkauften Freiheiz an der Donnersberger Brücke in München aussieht. Die meisten im Publikum sind etwa so alt wie Regener selbst, gemeinsam schauen wir alle gebannt zu ihm hoch. Ich bin wohl mit einer der Jüngsten heute, jedoch beim besten Willen nicht der Einzige meiner Altersklasse, die Element of Crime, ja, vergöttern. Da kenne ich sicher zehn weitere Leute, die ebenfalls im Schnitt 20 Jahre alt sind und das Gleiche empfinden. “too old to die young” ziert einige T-Shirts im Saal – das Gros der Zuschauer bestätigt die langjährige Treue, die wohl auf jeder Tour hinten ihr Bier trinken und mitschunkeln. Hier im Freiheiz ist die Welt in Ordnung. Die “Neuen” rücken spätestens dann nach, wenn man sich von Regeners Texten nicht mehr sattlesen kann – und viel zu oft in größter traurigschöner Melancholie versinkt – oder eben vor Genialität sprachlos ist.

Ebenso genial ist diese gesamte Aufmachung der Tour. Die fünf Herren (zählt man Christian Komorowski als Live-Violonist mit) sorgten vor einigen Monaten mit der Bekanntmachung der Termine für einen Paukenschlag: Wir hängen tagsüber ab und spielen abends im Club ist das Leitmotiv und Motto der Tour, die im März und April 2013 stattfindet. Dabei spielt die Band in fünf Städten 21 (!) Konzerte – am Beispiel Berlin hieße das: Sechsmal hintereinander jeden Abend im Club Lido – von Sonntag bis Freitag. Jeder Tag ist ausverkauft, so auch die gesamte Tour. Besonders eindrücklich ist dabei der Tourplan auf der Startseite ihrer Homepage www.element-of-crime.de – denn bei Bekanntgabe der Termine hatte ich meine Zweifel und Hoffnung, dass es nicht floppt. Ich wurde schnell eines Besseren belehrt und musste mich sogar am Ende ranhalten, um noch ein Ticket für ein Konzert in München zu ergattern. Mit großer Freude sehnte ich dem Termin herbei und war lange gespannt, was Element of Crime spielen würden. Für mich eine der wenigen Bands, bei denen ich irgendwie keine Erwartungen habe. Sie könnten spielen was sie wollen – was sie auch tun- und immer wieder versteckte Hits rauskitzeln – oder längst Vergessenes entstauben um den Glanz wieder zu zeigen. Doch bevor man die Ehre haben darf, haben Element of Crime eine Vorband im Gepäck. 


Dass die Auswahl auf Apples in Space aus Berlin trifft, wundert mich kaum. Der Gitarrist des sehr jungen Duos ist Phil Haußmann, Sohn des Regisseurs Leander Haußmann, der, ja, richtig – mit the one and only Sven Regener nicht nur dessen Bestseller Herr Lehmann verfilmt hat, sondern auch beim aktuellen Kinostreifen Hai-Alarm am Müggelsee mit ihm Regie führte. Da Sven Regener zwei Songs der Band aufgenommen hat, lässt er es sich nicht nehmen, sie im Freiheiz persönlich anzusagen. “Gitarre spielen wie die Wilden”, sollen sie. Auch bei Maike Rosa Vogel, die auf der aktuellen EOC-Tour alle Abende in Hamburg und Berlin eröffnet, war Regener Produzent. Er investiert stets in eigene Projekte, was natürlich viel Sinn macht. Dennoch werde ich nicht wirklich mit ihnen warm – so auch heute bei Apples in Space, die trotz hütender Hand eines Helden mit einem zwanzig minütigen Set weniger beeindrucken. Schlaffe Folksongs in englischer Sprache, wenig Ausbruch oder transportiertes Gefühl. Auch schmiegt sich Haußmanns Stimme kaum seinem guten Gitarrenspiel an. Es wirkt alles etwas verloren, schülerhaft -okay, sie sind jung-, dennoch bekommt die Band viel Applaus. Sicherlich Regener-Jünger, ich zähle mich ja auch dazu, die mehrfach angekündigte “Tour-EP” der Beiden kaufe ich mir dann doch nicht. Prinzipiell bin ich nicht so der Fan von Bands, die ihrem Publikum ständig erzählen, dass sie einen Merchtisch, ein neues Album, hübsche T-Shirts, einen Webshop oder ‘ne tolle Single haben. Ich will nicht einkaufen, ich möchte Musik live hören. Klar müssen junge Bands lauter schreien, aber den Merchtisch direkt neben dem Eingang sollte wohl niemand übersehen haben. Wems gefällt, wird den Weg dahin sicher allein finden. 

Und so schnell die junge Band mit dem ulkigen Namen die Bühne mit erneutem Verweis zum Merch zu gehen *schnarch* verlässt, blitzt der gute Geschmack irgendeines Technikers auf. John K Samson’s Lieder ertönen zur Pausenmusik, gefolgt von Thees Uhlmann. Schicke Playlist, nachdem das Grand Hotel van Cleef auch den Merch für Element of Crime übernimmt.

“Kaufst du Schuhe, nimmst du die mit den Nägeln unten dran und dazu den Arztroman, in dem die blonde Schwester immer, wenn sich ihr der fiese Chefarzt nähert, ihn sich mit dem Injektionsbesteck vom Leibe hält. Wo deine Füße stehen, ist der Mittelpunkt der Welt.” 


Meine Füße stehen wie angewurzelt auf festem Boden, während Element of Crime um 21 Uhr geschlossen die Bühne betreten und von großem Applaus empfangen werden. Sven Regener lächelt, das Licht wird gedimmt – Achtung, jetzt wird es stimmungsvoll. Die Berliner eröffnen mit dem Titeltrack ihres elften Studioalbums Mittelpunkt der Welt, dem Album, das den “kommerziellen Durchbruch” markierte und sie auch zu einem netten Auftritt bei TVtotal führte. Vielleicht auch das Album, das ich Leuten empfehlen würde zu kaufen, wenn sie Element of Crime hören möchten. Schon mit den ersten Zeilen bricht Sven Regener wieder alles auf. Man kann es drehen und wenden wie man will, man macht es nicht mal – dieser Mann schreibt die besten deutschsprachigen Texte. Punkt. Da kann ich noch so sehr Fan sein, diese Behauptung muss ich so vertreten. “Im Lotto spielst du immer nur die Zahlen zwischen fünf und zehn und als Zusatzzahl dein Lebensalter, denn als Lottospieler, sagst du, darf man höchstens 49 Jahre alt sein, später wär’ es schade um das Geld. Wo deine Füße stehen, ist der Mittelpunkt der Welt.” 

Ein starker und konstanter Beginn gibt auch einer Band, die seit knapp dreißig Jahren auf Bühnen unterwegs ist, Sicherheit. So wird man die ersten drei Songs Mittelpunkt der Welt, Deborah Müller und Delmenhorst auf der gesamten Tour in dieser Reihenfolge als Opener hören. Bei Letzterem bricht Sven Regener erneut alle Rock ‘n’ Roll-Gesetze (Macht sonst ja eher Olli Schulz), denn er erklärt – und das macht er heute Abend sehr oft und ausführlich -, dass man als Band den größten Hit immer als erste Zugabe spielen sollte. Heute hört man das Lied über ein Dorf bei Bremen gleich an dritter Stelle. Wunderschön. 

Sven Regener ist ein Fuchs, er kann sich die Freude an seinem Tun nicht verkneifen. Mag er beim einen oder anderen öffentlichen Auftritt wütend oder als arroganter Querkopf erscheinen, vergessen selbst Kritiker all die Schimpferei, wenn er seine Lieder singt. Seine “Wutrede” zum Thema Urheberrecht vor knapp einem Jahr kursierte in den Medien, ließ das wichtige Thema aufflammen. Diese Wut erfachte sich während eines Radiointerviews bei Zündfunk, die das heutige Konzert in München präsentieren. Sicher ist Sven Regener das Zentrum, da er als Sänger, Texter und Sprachrohr auch die größte Bekanntheit innehält, während er von ebenso genialen Musikern umgeben ist. Die Coolness in Person stellen für mich die Seitenflügel dar: Ein lässiger Jakob Ilja begeistert mit gekonntem Gitarrenspiel – er setzt die feinen Melodien auf Regeners straight gespielte Akkorde. David Young auf der anderen Seite zupft mit geschlossenen Augen im karierten Hemd den Bass, singt manchmal leise mit. Er produziert zudem die Element of Crime-Scheiben und gilt für mich als Ruhepol der Band, Sven Regener haut auf den Putz. Ist ja schließlich noch eine Rockband. Und da dort auf den Putz gehauen wird, verschüttet Regener sogar Bier und nimmt sich nicht raus, die Band ein wenig zu führen. Er ist ein Dirigent. Wenn nicht Schlagzeuger Richard Pappik einzählt, bremst er gern die Band aus, da er “Erstmal muss ich was sagen!” sagen muss. Alle verstehen das, er teilt gern etwas mit. Meistens etwas, worüber man gern nochmals nachdenkt oder eben kurz grinsen muss. Still genießen kann zum Beispiel das Pärchen neben mir nicht, die regelmäßig laut auflachen und wirklich hundsmiserable Videos mit dem Smartphone produzieren. Ich würde schon aus diesem Grund dem guten Herrn nicht nur aus Störungsgründen das Gerät aus der Hand schlagen, sondern ihn auch dezent auf die nicht vorhandene Qualität hinweisen. Ich frage mich, ob das irgendjemand danach noch anguckt. Ich gucke die Konzerte lieber mit meinen Augen – und sehe eine Band, der man heute nichts anhaben kann.

Eigentlich kann man Element of Crime nie etwas anhaben. Nachdem Regener das mit den Liedwünschen schon ganz am Anfang klargestellt hat und auch gar nicht auf die provozierenden, wenn auch nett gemeinten Rufe eingeht, überraschen sie mit einem doch sehr speziellen Set voller alter Nummern. Man kann sich nicht beschweren, denn diese Lieder werden sie kaum öfters spielen – auch wenn ich wirklich sagen muss, dass ich mich über mehr Neues (!) und mehr Hits gefreut hätte. So fehlte für mich vor allem Bitte bleib bei mir, Straßenbahn des Todes, Vier Stunden vor Elbe 1 oder auch Immer unter Strom. Aber recht machen kann man’s ja niemandem. Habe mir zudem sagen lassen, dass ‘Elbe 1′ wohl nur in Hamburg gespielt wird. Nightmare als Hommage an einen verstorbenen Kollegen der Band, der dieses Lied immer als größten Hit von Element of Crime bezeichnete. Die Band zeigt ebenfalls Gefühle und spielt den düsteren Song – für mich auch einer der Songs, der für die auffallend vielen englischsprachigen Titel im heutigen Programm steht. Oben genannter Mitfilmfaktor meiner Nachbarn wird im Saal beinahe vertausendfacht, als klar wird, was Element of Crime zur ersten Zugabe spielen. Die Wahl fällt wohl auf ihren zweitgrößten Hit, dem traurigschönen Lied Weißes Papier und bereits mit dem Wechsel zum roten Licht und der spärlich beleuchteten Bühne wird mein Körper zu Stein. Während für mich persönlich Am Ende denk ich immer nur an Dich, das die Band kurz vor Ende des Hauptsets spielte, das neue Weißes Papier ist, da es für mich ähnliche Gefühle hervorruft und der Beleg für aktuelle Werke von Element of Crime ist, die mit einem perfekten Text brillieren, bohrt Sven Regener nun tiefer. Manchmal ist Livemusik oder dieser eine Konzertmoment für einen Augenblick das intensivste Gefühl auf Erden. Heute habe ich bei Weißes Papier diesen Moment, wenn Sven Regener immer energischer vom Schmerz einer gescheiterten Beziehung berichtet. 


Generell dreht sich bei Element of Crime viel über die Liebe. So ausführlich, treffend und mit dem richtigen Grad an Schmerz kann nur Sven Regener “Nicht mal das Meer darf ich wiedersehen, wo der Wind deine Haare vermisst. Wo jede Welle ein Seufzer und jedes Sandkorn ein Blick von dir ist. Am liebsten wär’ ich ein Astronaut und flöge auf Sterne wo gar nichts vertraut und versaut ist durch eine Berührung von dir.” singen. Würde ich auf Konzerten weinen, hätte ich es spätestens jetzt getan. Niemand hätte es mir übel genommen. Sven Regener als Beweis für seine genialen Texte zu zitieren, fühlt sich immer noch seltsam an, da es absolut nicht nötig ist. “Und so ist das.” – wie Sven Regener mit Bring den Vorschlaghammer mit wortwörtlich den Saal ausfegt und die Leute in die Nacht entlässt. Als ich ein paar Tage später gefragt werde, wie es denn so war, bekomme ich kein Wort raus. Muss diese Überwältigung sein.

Setlist Element of Crime, Freiheiz, München:

01: Mittelpunkt der Welt 
02: Deborah Müller 
03: Delmenhorst 
04: Akkordeon 
05: I started a joke 
06: Almost dead 
07: Kaffee und Karin 
08: Fallende Blätter 
09: Zwei Gitarren 
10: Nightmare 
11: No home 
12: Jetzt musst du springen 
13: Am Ende denk ich immer nur an dich 
14: Seit der Himmel 
15: Immer da wo du bist bin ich nie 
16: Weißes Papier (Z)
17: Surabaya Johnny (Z) 
18: Blaulicht und Zwielicht (Z) 
19: Moonlight (Z) 
20: Bring den Vorschlaghammer mit (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Element Of Crime, Trier, 10.12.11
- Element Of Crime, München, 18.09.09


 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates