Mittwoch, 9. September 2015

SEEED, Köln, 08.09.15


Konzert: SEEED
Ort: Köln
Datum: 08.09.2015
Dauer: 75min
Zuschauer: 4.000 ausverkauft


Der Musikkonsum der eigenen Kinder führt regelmäßig in vielen Familien zu langen Diskussionen über Geschmack und künstlerischer Güte. Meistens geht es dabei von Kinderseite ja gar nicht um die Musik sondern um Abgrenzung gegen die Eltern. Ausgeübter Druck in eine vermeintlich "gute" Richtung bringt da gar nichts. Helden der Jugend lassen sich nicht durch Gespräche mit den Eltern wegdiskutieren.  

In dieser Hinsicht habe ich bisher Glück gehabt. Als einzige Veränderung besuche ich zur Zeit mit meinem älteren Sohn häufiger deutschsprachige Konzerte, bei denen es zum Glück musikalisch nicht all zu viel zu meckern gibt. Das allerdings mit Deichkind, Kraftklub und SEEED drei seiner Lieblinge in 2 Wochen auftraten, war so eigentlich nicht geplant. Egal, SEEED geben ein Überraschungskonzert im für sie "kleinen" Palladium, die Karten fliegen über den Markt und sind für Familienfreundliche 29,-EUR kurzzeitig erhältlich.  

Auf der Hinfahrt erinnere ich mich dann, das ich ja doch noch eine Geschichte zur Band auf Lager habe. SEEED traten damals beim legendären R.E.M. Konzert vor dem Dom als Vorgruppe auf. Die erste Platte war noch nicht erschienen, und doch strahlte die Band schon dort eine Stärke aus, die mir noch lange in Erinnerung blieb.  

Also höchste Zeit nochmal nachzuschauen was sich in den letzten Jahren auf dem Weg zur Stadionband alles verändert hat. Das Palladium ist mehr als gut gefüllt, das Publikum mehr als bunt gemischt. Von echten Reggae Fans ist wenig zu spüren, SEEED sind komplett im Mainstream angekommen. Das zeigt sich vor allem, als anstatt einer Vorband ein DJ den Anheizer übernimmt und versucht mit puren Reggaeklängen die Zuschauer zum Tanzen zu bewegen. Reaktion: 0  

Danach eine kurze Pause ohne Saallicht und dann dröhnt das Intro aus den Boxen. In letzter Zeit habe ich viele, fast zu leise Konzerte erlebt...hier war das ganz anders. Eigentlich klang es als hätte die Band die komplette Festival-PA in den Saal gehangen. Der Bass war von der Zehe bis in die Haarspitze spürbar, die Bläser hatten Druck wie Presslufthämmer. 


Dem Sound der Band tat dies allerdings sehr gut. Trotz der Lautstärke war der Sound glasklar und Peter Fox gab sofort den Takt des Abends vor...es sollte keine Pause mehr geben.  

Wer allerdings auf viele neue Stücke gehofft hatte, die Band war schließlich 1 Jahr abgetaucht, wurde nicht belohnt. Geboten wurde der klassische Festivalauftritt mit ca. 75min. Dies war aber auch der Sinn der Sache, da dieses Konzert ja der Warm-Up Gig für das nächste Woche in Berlin stattfindende Lollapalooza-Festival sein sollte. 

So haben SEEED den Luxus eigentlich nur Hits zu spielen. Alte Platten oder Songs die es nicht zur Single geschafft haben sucht man fast vergeblich. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass die Band auch die besten Songs von Peter Fox präsentiert. Normalerweise unüblich, ist doch eine erfolgreiche Soloplatte immer eher eine Gefahr für die "Stammband". 


Alle Elemente der Show sind zwar straff organisiert, trotzdem wirkt es nicht zu perfekt Besonders wenn, sogar hier, die Showtruppe von Cold Steel den Saal entert und fast 20 Leute ein mittleres Chaos auf der treppenförmigen Bühne verbreiten. 

Jetzt wird der Sound noch druckvoller, die drei Shouter wirbeln hiund her über die Bühne und mit "Ding" endet der Set in einem langen Finale. 

Danach noch 3 Zugaben, nach Aufstehn! Ist endgültig Schluss. Vor der Bühne löst sich eine schweißnasser Pulk von Menschen, die anderen überprüfen ihre Hörfunktion und schon ist der Abend vorbei.  
           
SEEED sind völlig zurecht eine der größten deutschen Bands. Mögen die Texte fast immer nur auf Partyniveau sein, Peter Fox Solosongs zeigen dass er noch mehr kann. Musikalisch ist das ganze eine einzige Dancehall-Party die wohl auf jedem Fleck der Erde funktionieren würde. 


Bleibt für mich zu hoffen, dass  die echte Pubertät noch etwas auf sich warten lässt. Zumindest solange wie ich die Konzerte begleiten muss. Dieser Abend jedoch war mehr als eine Pflichtveranstaltung. Er war, ein für seine Erwartungen, richtig toller Konzertabend.  


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