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Donnerstag, 25. August 2016

The Last Shadow Puppets, Lowlands Festival, 21.08.2016

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Konzert: The Last Shadow Puppets
Ort: Lowlands Festival
Datum: 21.08.2016
Dauer: 60min
Zuschauer: ca.20.000

Zu den schönsten Momenten bei regelmäßigen Konzertbesuchen gehört noch immer, einer Band zuzusehen, die genauso viel Spaß zu haben scheint wie das Publikum. Solche Abende sind in Zeiten von endlosen Tourneen und ganzjährig stattfindenden Festivals selten geworden, aber es gibt sie noch. 

Die Bühne ist bereitet und die Streicher (ebenfalls bester Laune) spielen sich noch warm, da erschüttert ein donnernder Applaus das Zelt. Die Arctic Monkeys sind in den Niederlanden besonders berühmt und hunderte freundliche Mädchen warteten nicht ohne Grund neben mir, mit ihren armverschränkend, etwas missgelaunten Freunden auf die zwei großartigen Frontmänner Alex Turner (Arctic Monkeys) und Miles Kane (The Rascals).

Die beiden stürmen von rechts auf die Bühne, Miles beginnt noch im Laufen zu spielen, die Streicher steigen ein und die Band beginnt mit einer orchestralen und zugleich stürmischen Version von "Calm like you".

Beide Herren spielen im weiteren einen perfekt auf Ironie und ihre Vorbilder ausgerichteten Set, der aber auch als eigenständiger Auftritt voll überzeugen kann. Gekleidet als eine Mischung aus den jungen "Brian Ferry" und "Robert de Niro", mit schwarzer Buntfaltenhose und blütenweißem Hemd und natürlich dauerhaft Zigarette rauchend, ist Alex Turner noch einen Ticken cooler als der sonst als Modepapst bekannte Kane. Dieser steht am Ende mit blankem Oberkörper unter seinem hellblauen Jacket da, Goldkette inklusive.

Was folgt, ist die vielleicht kurzweiligste Stunde des Festivals. Auch wenn nicht alle Songs zünden, die Hits sind umso größer und die oben angesprochene Spiellaune will nicht enden. Fast in jedem Song wissen die Zwei königlich zu unterhalten. Einmal wickelt sich Turner gar sein Mikrofonkabel wie eine Fessel um die Beine, um sich dann auf die breiten Schienen der Fernsehkameras zu legen, während diese langsam auf ihn zufahren. Ein herrliches Bild.

"Aviation" und "The Age of Unterstanding" folgen recht früh im Set, am Ende wird ein wenig gestreckt und die Streicher sind wegen des Gitarrenlärms kaum noch wahrnehmbar. Da aber alle Mätzchen der Show dienen, (ja, das darf und muss auch mal sein) ist das sehr launige Ende mit einer zerschossenen Version von "In my room" verzeihlich und auch der spontane Spott, (oder die Verehrung) dies wurde nicht ganz klar, gegenüber dem folgenden Headliner LCD Soundsystem ging im Feedback von Kane leider unter.


Trotzdem war es toll diese Musiker außerhalb ihrer sonst starren Bandkonzepte, mit einer derartigen Lust an Ironie und ohne Perfektion aufspielen zu sehen. Ein Triumph, wie ihn wahrscheinlich nur englische Bands bieten können.   

Fotos: Michael Graef



The Last Shadow Puppets, Brüssel, 19.10.08
The Last Shadow Puppets, Paris, 26.08.08

Montag, 28. September 2015

Zentralheizung of Death des Todes (ZHOD), Düsseldorf, 27.09.2015

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Konzert: Zentralheizung of Death des Todes (ZHOD)
Ort: Düsseldorf Sipgate Gelände
Datum: 27.09.2015
Dauer: 60min
Zuschauer: ca.100



Zum zweiten Mal lud das New Fall Festival aus Düsseldorf zu einem kostenlosen Preview-Konzert. Nach dem mehr als gelungenen Auftakt mit Asgeir vor einigen Wochen, fiel die Wahl diesmal auf ZHOD.

Ausgeschrieben bedeutet der Name "Zentralheizung of Death des Todes". Der doppelte Tod ist lt. Bandgeschichte wohl einem eifrigen Veranstalter zu verdanken, der den Teil des Namens selbstständig ins Englische übersetzte. Wer so unprätentiös mit seinem Bandnamen umgeht ist ja schon grundsympathisch.


In diesem Jahr ist das New Fall Festival ja eher mit schönen Klängen besetzt, daher verwunderte die Ansetzung der Erfurter zunächst etwas. Gewinner und Frühbucher versammelten sich wieder pünktlich zu feinen Getränken und Happen aus der Hauskantine am Düsseldorfer Hafen. Die entspannte und tolle Location, sowie der pünktliche Beginn und der Verzicht auf Vorgruppen sollte vielleicht zu einer festen Veranstaltungsreihe werden. An einem Sonntagabend ist ein Konzertende vor 22:00 Uhr ja eher ein Segen.

Dabei sollte dann aber vielleicht der Lichtaufbau noch einmal überdacht werden. Drei monotone Strahler steigern die Atmosphäre leider nicht. Der Wunsch der Band auf Änderung des Lichts wurde mit einem, wie sich später herausstelle, ernst gemeinten "Ich kann nur, An-oder Aus" gekontert. Kein Problem dachte ich, sprachen doch alle vorab von der Band als lustige Dilettanten, denen solche Kleinigkeiten wohl keine Probleme bereiten sollten.



Doch schnell war klar, hier sind alles andere als schrullige Anfänger am Werk. Mag auch alles bisher in Eigenregie auf kleinem Level ausgetüftelt sein, als Musiker treten hier keine Neulinge an. Alles ist bunt, der Sänger trägt einen knallblauen M&M !! (ja die Schokodrops, nicht H&M) Poncho, der Drummer präsentiert einen Schnurrbart der Extraklasse und laut es natürlich auch. Aber eben alles im Rahmen und vor ca. 20 Jahren wäre diese Band nirgendwo besonders aufgefallen mit ihrem schrammeligen Garagenpunk.

Hier und heute ist der Unterschied zum Publikum allerdings zu groß. In einem anderen Club mit tanzwütigen Gleichgesinnten hätte das ganze bestimmt noch eine ganz andere Note. Heute bleibt es eher bei einem Showcase Gig, der allerdings war kurz und knapp und dürfte allen gefallen haben. 



Die Band beendet gerade eine Kurztour, die sie bereits nach England und zum Incubate nach Tilburg geführt hat. Hoffentlich verbreitet sich das gute Echo und wir hören noch öfters von den "Sonic Youth youth". 


Bleibt zu Hoffen das beim New Fall Festival auch in Zukunft der Mut nicht verloren geht, gerade auch die Künstler in die schöne Hallen zu bringen, die sonst diese Chance nicht oft erhalten. Gerade bei Mogwai und Tocotronic hat das in den letzten Jahren ja sehr gut funktioniert. 

Die Segel sind mit den zwei Previews gesetzt, jetzt nimmt das Schiff Fahrt auf und wird in vier Wochen mit voller Besatzung am Düsseldorfer Ufer landen. Wir werden berichten.


Dienstag, 22. September 2015

Mercury Rev, Incubate Festival Tilburg, 18.09.2015, Schouwburg Tilburg,

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Konzert: Mercury Rev
Ort: Tilburg
Datum: 18.09.2015
Dauer: 105min
Zuschauer: 800


Der Abend im Dezember 1991 wird mir immer in Erinnerung bleiben. Der Tipp des besten Freundes "hör mal rein, klingt wie Pink Floyd" erweiterte meinen damaligen musikalischen Horizont um ein Vielfaches. Mercury Rev spielten damals zwar das wohl schlechteste Konzert unserer jetzt fast 25jährigen Beziehung, trotzdem war es ein Meilenstein. 

Der damals noch schwergewichtige Frontman eilte während der ausufernden Songs zur Bars um neue Drinks zu ordern, das Luxor stand im Bühnennebel und entdampfte danach auf die kalte Straße. Die Zeiten änderten sich, Jonathan spielte zeitweise bei den Flaming Lips Gitarre, David Baker konsumierte wohl auch härtere Dinge als Drinks und verließ die Band. Der Sound wurde melodischer und "normale" Songstrukturen rückten stärker in den Vordergrund. Deserter`s Songs wurde Platte des Jahres im NME und alles schien perfekt. 

Leider konnten sich Mercury Rev aber danach nicht mehr in der oberen Liga halten. Obwohl sie live ständig tolle Konzerte gaben waren die Abstände zwischen den Platten einfach zu groß. Immer wieder starteten sie neu und verloren an Kraft. Die letzte CD aus dem Jahr 2008 war für mich das erste Desaster seit ihrer Gründung, sie sollten sich Jahre nicht davon erholen. Umso erstaunlicher dann die Ankündigung des Incubate Festivals in Tilburg: "Mercury Rev mit Orchester im Theatersaal". 

Mit gemischten Gefühlen fuhr ich Freitag in die Niederlande. Würde mich die Band nochmals bezaubern oder ist es das letzte Aufeinandertreffen ?. Der Saal leuchtet beim Betreten in samtigen Rot. Auf der Bühne links ein echtes Orchester, rechts die Band, getrennt durch eine Plexiglaswand. Das Konzert beginnt mit einem Solo für die Streicher, zunächst scheint es ein klassisches Stück zum Auftakt zu sein, doch dann hört man es heraus: Es ist Neil Youngs "A man needs a maid". Jonathan und Grasshopper betreten die Bühne und mein kippenvel (holl. für Gänsehaut) ist sofort aktiviert. Beide wie immer stilvoll gekleidet, drei weitere Musiker an Bass, Keyboard (Querflöte) und Schlagzeug ergänzen den Sound.

Es geht los, und ich merke: Jahre habe ich keine Songs mehr von Mercury Rev gehört. Was für ein Fehler. "The funny bird" eröffnet, die Streicher rasen, Carwash Hair direkt danach in einer ruhigeren Version als früher aber immer noch genau so anmutig. Jonathan erzählt, er erzählt unglaublich viel an diesem Abend. Über Freundschaft, die Probleme in der Band, die Familien, die Kindheit. Alles scheint an diesem Abend von ihnen abzufallen, es ist ihr Abend, das Orchester macht sie und ihre Songs perfekt. 



Er wirkt entwaffnend ehrlich wenn er sagt, dieses Angebot hätte ihr komplettes Jahr gerettet. Von der neuen CD werden nur wenige Songs gespielt, auch sie klingen hervorragend. Er spricht von der Zeit mit den Flaming Lips im Kleinbus und ohne Geld, von Gespenstergeschichten ihrer Kindheit in den Catskill Mountains und wie ihr Sound daraus entstanden ist. Daher folgt auch "Love yer brain" von den Lips, und die Kracher "Holes" und "Opus 40". Letzteres in einer unfassbaren Version mit krachigen Gitarren, einem Irren am Schlagzeug und Streichern die einfach weiterspielen bis Schluss ist. 

Ich würde jedem wünschen dieses Konzert würde auf DVD veröffentlicht, so ein Genuss darf nicht nur mit einem Theater geteilt werden. Die Noten sind geschrieben, vielleicht gibt es ja in Zukunft öfter eine Gelegenheit so aufzutreten.



Zur fälligen Zugabe muss Jonathan dann nochmals weiter ausholen. Er erzählt die traurige Geschichte als ihm jemand durch einen Anruf mitteilte, das sein Freund Mark Linkous gestorben sei. Mark war der geniale und leider auch verrückte Leader der Band Sparklehorse, die ich leider nur einmal erleben durfte. Damals spielte Linkous das komplette Set mit einem Gips im Rollstuhl, bevor er zu den Zugaben ohne Gips auf die Bühne schlenderte. Zu seinen Ehren spielt die Band daher seinen Song "Sea of Teeth". Und Jonathan singt den Text seines toten Freundes als hätte er ihn verfasst : "Can you feel the wind ? Of his soul upon your skin..Oh can you feel the wind ?"

Danach beendet ein kraftvolles und elegisches "Dark is rising" das emotionalste Konzert seit Jahren. Es war kein reines Best of..wie viele erwartet hatten, auch keine sentimentale Rückschau oder eine peinliche Aufführung in neuem Gewand. Es war einfach nur perfekt. 




Hoffen wir, das die ersten Eindrücke der guten, neuen Songs sich auf der CD Bewahrheiten und es wieder einen neuen, diesmal besseren Start in die nächsten Jahre gibt. Mercury Rev sind im Herbst auf Clubtour in Deutschland zu sehen. 

Wer schon lange keine Mercury Rev Platte mehr gehört hat sollte, wie ich seit 3 Tagen, einfach nochmal in sich gehen und seine Lieblingsscheibe auflegen. Bei mir läuft Yerself is steam aus dem Jahr 1991 seitdem wieder ständig. 

Aus unserem Archiv:
Mercury Rev, Barcelona, 28.05.11



Montag, 21. September 2015

Sufjan Stevens - Colosseum Theater, Essen, 19.09.2015

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Konzert: Sufjan Stevens
Ort: Essen
Datum: 19.09.2015
Dauer: 125 min.
Zuschauer: 2.000



Sufjan Stevens Welt scheint ein Paralleluniversum zu sein. Einer der Geister im Showbiz, die einfach unberechenbar bleiben und nicht für den schnellen Erfolg komponieren oder spielen. Vieles was er bisher veröffentlicht hat war mutig, vieles schräg, nicht alles war gut. Doch gerade das macht ihn aus. 

Ein Künstler im wahren Sinne des Wortes. Stevens füllt nun zum zweiten Mal das Collosseum in Essen bis auf den letzten Platz. Eine wirklich schöne, umgebaute Fabrikhalle die immerhin 2.000 Leuten Platz bietet. Die letzte Show war ein wilder, bunter Ritt der alle begeisterte. Doch die Fans wissen das Stevens, wie vielleicht sonst nur noch die Eels, seinen Liedern bei jeder Tour immer wieder neues abverlangt. 

Nicht umsonst wird die Halle sonst eher für Musicalabende gebucht. Ein Drama soll heute hier aufgeführt werden und es wird eine große Oper. Dazu sind Hipster aller Länder zusammengekommen, schöne Menschen und besonders viele Spanier und Niederländer sind zu hören. Die aktuelle Tour durch Europa ist kurz und vielen ist wohl ein Konzert zu wenig. 

Dann geht es endlich los. Und es startet wie ein leiser Rausch, wie eine Ouvertüre. Drei ganz ruhige Songs eröffnen den Zyklus, darunter das unsagbar schöne "Should have known better" der aktuellen Platte. Die Lichtshow ist gewaltig, die Spots kreisen durch das Auditorium wie sonst nur bei Stadionkonzerten, allerdings nur über den Musikern. Auf der in Streben geteilten Leinwand laufen dazu parallel Videos und geben das Motto des Abends vor. Einzeln Bruchstücke, ergeben sie zusammen doch ein klares Bild. Genauso wie Stevens seine Kindheit und die Beziehung der Eltern auf seiner neuen CD umschreibt. 



Im weiteren folgen immer mehr neue Songs, fast alle bekommen gegen Ende ein elektronisches Gewand. Tanzbar wirken sie, aber immer ist nur ein Ansatz erkennbar. Die Band spielt weitestgehend im Dunkeln, ist für die Zuschauer leider kaum zu erkennen, aber sie leistet perfekte Arbeit. Unzählige Instrumente werden gespielt und getauscht, Stevens spielt abwechselnd am Piano, Keyboard oder der Gitarre. Dazu seine etwas kindliche, aber glasklare Stimme. Überhaupt der Sound, öfter wünschte man sich hier Konzerte.

Es gibt keine Ansagen, keine Unterbrechungen in diesen ersten 95 Minuten. Das ist anstrengend, es erfordert höchste Aufmerksamkeit denn man möchte ja nichts verpassen. Ein normales Konzert ist es nicht. Einzelne ältere Lieder werden eingestreut, kaum auszumachen in des Königs neuen Kleidern. Immer öfter bricht sich jetzt die Elektronik Bahn und übernimmt den Rhythmus. Die Versionen werden länger, das Licht wieder dunkler und die Stimmung düster. "Vesuvius" und "I want to be well" deuten das Ende an, das Publikum gefesselt während der Lieder möchte jetzt gerne mehr teilhaben an der Show, etwas "echtes" von ihrem Künstler hören oder sehen. Die Perfektion wird kurzzeitig zum Fluch. 

"Blue Bucket of Gold" bildet den Schlussakkord, und er dauert zu lange. 15 Minuten quält sich der Song in einer Mischung aus gekonnter Sigur Ros Emotionalität und zutiefst nervigem Krautrock. Stevens geht hier zu weit, überschätzt sein Publikum oder fordert es extra heraus. Wer kann es wissen. Natürlich ist der Applaus trotzdem riesig, als das Licht zum ersten Mal den Saal erleuchtet. Zu gut waren die ersten 80 Minuten. 



Erst jetzt wirkt Stevens gelöst, lacht und winkt ins Publikum. Ein toller Twist dann bei den Zugaben. Hier spielt die Band in gleißendem, weißen Licht sonst sperrige Songs im einfachen Gewand des Folk. Die genaue Umkehrung des ersten Sets. Das ist fabelhaft und bietet Raum für abendliche Songwechsel. Heute spielt er unter anderem "The Dress looks nice on you" und "Chicago". 

Stevens kündigt seine famose Band an und bezeichnet sich und die anderen als "..hardest working Band in Showbiz". Er sagt es als Witz, doch die Kunst dahinter wird genauso aussehen. 

Natürlich ist es leichter jedes Jahr Hauptstadtfestivals mit seiner Best of..Show zu beglücken. Echte Kunst kommt von können und oft auch von zwanghaftem müssen. Sufjan Stevens Show ist live nichts anderes als echte Kunst. Vielleicht wird er deshalb als Musiker auch nie ein Weltstar. Die Zuschauer heute wissen aber, er hat ein Kunstwerk für sie geschaffen. Auch wenn es nur für einen Abend war. 

Aus unserem Archiv:
Sufjan Stevens, Barcelona, 26.05.11
Sufjan Stevens, Berlin, 07.05.11
Sufjan Stevens, Köln, 10.11.06
Sufjan Stevens, Paris, 09.11.06



Sonntag, 20. September 2015

Incubate Festival, Tilburg, 18.09.15

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Konzert: Incubate Festival
Ort: Tilburg
Datum: 18.09.2015
Dauer: 1 Tag
Zuschauer: 20-1.000

Festivalsaison ist immer. Ähnlich wie Südfrüchte sind Festivals mittlerweile ganzjährig erhältlich. In diesem Fall sogar ein Mix aus Indoor-und Outdoor Veranstaltungen. Das Incubate Festival in Tilburg ist ein Fass ohne Boden aus unzähligen Clubgigs, Minifestivals auf einer Naturbühne, DJ Sets und Kino sowie Theateraufführungen in der gesamten Stadt. Die Länge von einer Woche und die Bandbreite der Stile von Deathmetal bis Folk machen das Ganze nicht übersichtlicher. Zum Glück gibt es auch Tages-und Wochendtickets, als Schnupperstunde sozusagen. Die holländische Kulturförderung macht es möglich.

Tilburg, eine Stadt mit nur etwas mehr als 200.000 Einwohnern bietet so viele neue, schöne und zweckhafte Kultureinrichtungen wie bei uns keine Millionenstadt. An einem Tag besuchte ich ca. 8 Locations die allesamt nicht nur über beste Tontechnik und tolle Sicht verfügten, sondern auch fast neuwertig waren. Das hier noch am ehesten bekannte, ebenfalls neu umgebaute 013 mit diversen Sälen war dabei noch nicht einmal beteiligt. 

Eigentlicher Auslöser für meinen Besuch war ein weltweit exklusives Konzert von Mercury Rev mit Orchester über das ich ausführlich in einem eigenen Bericht schreiben werde. Bei näherer Betrachtung des Programms ergaben sich jedoch weitere interessante Acts, so dass sich der Tag auch wie ein Festival anfühlte. Nach einem Besuch des Incubate eigenen Pop-Up Stores mit diversen Vinyl-und CD Ausgaben der beteiligten Bands und Label, führte der erste Besuch in die Studiobühne des Theaterkomplexes. Hier gaben Errors einen guten Einstand in den Abend. Die Band war ja vom Mogwai eigenen Label verpflichtet worden, daher war die Richtung klar.


Noisiger Pop mit leichten Kraftausbrüchen aber durchaus melodisch. Das neue Album Lease of life kam bei nur 45min Spielzeit nicht voll zur Geltung. Der Sound, hier unterstützt durch eine junge Sängerin war gefällig und am Ende der Saal auch gut gefüllt und begeistert. Danach nur 100m weiter rechts in einen imposanten Innenhof, der einer Open-Air Bühne inclusive Essens-und Getränkeständen Platz bot. 

Hier zeigte sich leider der Nachteil des unübersehbaren Programms. Die tolle Band Husky (siehe Bericht vom Maifeld-Derby), schlich müde auf die riesige Bühne vor der sich gerade einmal 20-30 Leute eingefunden hatten.


Die Müdigkeit war, laut eigener Aussage der Band, einer 8-stündigen, nervigen Busfahrt von Berlin am gleichen Tag geschuldet. Dazu jetzt dieser trostlose Auftritt nach einer heftigen Schauer, es roch nach Mitleid. Doch Husky kamen mit jedem Song besser in Fahrt, bedankten sich in ihrer fast zu netten Art noch für die Zuschauer die gekommen waren. Wer Folk mag, muss dieses Jahr Husky's Ruckers Hill CD hören. Nicht umsonst sind sie bei Sub Pop als Qualitätslabel untergekommen. Der Sänger heißt übrigens wirklich Husky Gawenda

Aus purer Neugier danach kurz in den wohl schönsten Saal der Stadt. Der "kleine" Theatersaal ist ein futuristischer, weißer Quader mit fantastischen Logen und bunter Neonlichtkunst an der Decke. Der Sound von Burial Hex war für mich natürlich nicht länger als 10 Minuten zu ertragen (Künstler die ihre Musik selber als Funeral Doom beschreiben sind einfach nicht mein Fall), der Saal aber war sehr gut mit den, im positiven Sinne, verrücktesten Menschen gefüllt.


Nach dem so nicht ganz erwarteten Höhepunkt von Mercury Rev dann noch zu Camera. Eine Berliner Band die hier mit ihrem typisch, stoischen Gitarren-und Schlagzeugsound viele Niederländer kurz zum smoken vor die Tür lockte, um dann mit verträumten Augen den Auftritt weiter zu verfolgen. Zu sehen gab es einen einstündigen Song/Vortrag mit nach unten gesenkten Köpfen und einem stehenden Drummer mit Minikit (die Band hat so früher immer spontan in der Berliner U-Bahn gespielt). 

Sehr hypnotisch das ganze, so gar nicht deutsch und hier definitiv in der Nacht perfekt besetzt. Die CD Radiate bildet das ganze für zu Hause etwas runder ab und ist wirklich zu empfehlen. 

Danach zeigen die bisherigen 8 Stunden Programm sowie die Einladung netter Tilburger zu gefährlichen, belgischen Trappistenbieren Wirkung. Daher nur noch ein kurzer Abstecher zum Damenbandabend in die Tilburger Altstadt. Peach Kelli Pop waren schon fertig und La Luz hatte ich bereits dieses Jahr beim Best Kept Secret Festival gesehen. Der überfüllte Club bot da keinen neuen Anreiz. Nebenan im Midi mussten es zu später Stunde mal wieder die deutschen Techno DJ's richten, ein Markt der in den Niederlanden wohl nie enden wird. 

Alles in allem ein wahrlich imposantes Mini-Festival, eingebettet in ein wunderschönes Stadtbild mit lauter netten und entspannten Menschen. 6 Tage am Stück natürlich für kaum jemand machbar, aber für einzelne Tage und die exklusiven Highlights im Programm sollte man das Festival definitiv einplanen. (An anderen Tagen spielten u.a. Sophia, The Knife, Cabaret Voltaire, 2x die Melvins und unzählige Metalbands)

Aus unserem Archiv
Husky, Mannheim, 24.05.15 


Freitag, 11. September 2015

U2, Amsterdam, 09.09.15

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Konzert: U2
Ort: Amsterdam -  Ziggo Dome
Datum: 09.09.2015
Dauer: 130min
Zuschauer: 4x16.000




U2 Bashing (öffentliche Beschimpfung) ödet mich an. An jeder Ecke eines Konzertsaals oder einem Musikgespräch unter Freunden muss man es sich anhören. Kein neues Phänomen. Das Lebenswerk eines Künstlers/Band wird durch Parodien und Überhöhungen so karikiert, das nur noch Hohn und Spott übrigbleiben.

Fakten oder persönliche Erfahrungen sind unerwünscht, aber das kennt man ja auch aus anderen Debatten. Oft scheint es mir auch ein gewisser Neid zu sein, nie so eine Band fürs Leben gefunden zu haben. Ein Livekonzert von U2 hat keiner von ihnen bisher gesehen und da liegt das Problem.

Es ist einfach sich über U2 lustig zu machen. Die meisten Fans interessiert aber nicht der Teil der Band der in den Medien vermittelt wird. Charity Veranstaltungen, schauspielende Töchter und Bonos Brillen sind nicht U2.

Zu U2 Konzerten gehen die Menschen seit vielen Jahren weil sie die Magie einer Band auf der Bühne erleben wollen. Und vielleicht ist es die letzte große Band die diese Magie transportieren kann. Es geht darum wie vier so unterschiedliche Individuen auf der Bühne zu etwas verschmelzen das soviel größer ist als ihre Talente und Meinungen.

Vier Musiker die alle völlig verschieden sind und doch seit über 30 Jahren ohne Streit als Band existieren. Wenn Larry am Schlagzeug gelangweilt auf seine Uhr schaut, während Bono gerade versucht ein politisches Thema auf die Bühne zu transportieren, ist das einfach nur der Beweis einer ewigen Freundschaft und nicht ein Zeichen von Verachtung.

Der Mut der Band immer wieder alles zu riskieren, die höchste Fallhöhe in Kauf zu nehmen, gegen eigene Überzeugungen vom englischen Mofa auf die Harley, danach in den Trabi und später noch in die Stretchlimo zu steigen ist einzigartig.

Für viele mag es Ansporn für ihr eigenes Leben gewesen sein, nie satt zu sein, immer wieder bei null zu beginnen um etwas noch größeres oder zumindest anderes zu erschaffen.

Die letzten CDs halten diesem Anspruch nicht mehr stand, das ist klar. Daher ist das Konzerterlebnis bei U2 immer noch das prägendste bei dieser Beziehung. Die immer sichtbare, unbändige Lust zu spielen und der Vorsprung durch Technik als Bühne waren immer beeindruckend.

Und so trifft man vor der Halle zwar immer wieder andere Fans, aber eigentlich sind sie immer gleich. Die Kroaten, die Italiener, die Spanier, alle sind sie wieder da: Freunde fürs Leben wie die Band selber. Infiziert, spätestens seit der ZOO-TV Tour die damals alles veränderte.

U2 ist die letzte, große Band die ich Verehre. Fast immer habe ich vorab keine Lust auf das Konzert. Zu schwach finde ich die aktuellen Platten, zu beschwerlich gestaltet sich oft der Vorverkauf für gute und bezahlbare Karten.

Aber wieder sind vier Jahre vergangen und seit Ewigkeiten wird auch in Europa wieder eine Hallentour geboten. Das neue Album hat intimere Songs, handelt von der Jugend und wieder ist der Aufbruch das Thema, diesmal der zum Erwachsen werden.




Die Band spielt daher 2-4 Gigs pro Stadt. Der zunächst angedachte Ansatz, je 1-2 Abende komplett akustisch und den Rest als Rockkonzert zu präsentieren wurde verworfen. Als Alternative gibt es zum ersten Mal keine Vorgruppe (die hatten es bei U2 sowie immer schwer), stattdessen wird der Set in zwei Teile geteilt, allerdings ohne echte Pause mit Saallicht.

Die 360 Tour muss vor 5 Jahren der Schock für alle Veranstalter gewesen sein. Eine Bühne, halb so groß wie ein Fußballfeld mit riesiger Stahlkonstruktion, das konnte und wollte bis heute keiner kopieren. Nun für die Halle ein neues, für Fans nicht enttäuschendes Konzept zu kreieren war mit Sicherheit ein große Herausforderung.

Gelöst wurde sie mit den Anfangsbuchstaben des Mottos der Tour: I (für innoncence) und E (für experience). Diese beiden Buchstaben bilden zwei Bühnen, die jeweils an den Enden des Innenraums der Halle platziert werden. Als Verbindung dient ein Steg der das Publikum teilt. PA und eine riesige, absenkbare Leinwand hängen über diesem Steg in der gesamten Länge der Halle.

Somit bester Sound und Sicht für jeden, und wieder fragt man sich warum nicht schon vorher jemand darauf gekommen ist. Leinwand wäre allerdings eine Beleidigung für dieses Konstrukt, die Band spielt in, auf und neben dem Screen alles ist ständig in Bewegung.

Aber seien wir auch einmal objektiv. Bono sieht nicht gut aus. Abgesehen von modischen Ausrutschern wie blondierte Haare und Jackett auf der Bühne scheint der schwere Fahrradunfall noch nicht vollständig verheilt. Langsamer als sonst bewegt er sich, schwerfällig wirken die Bewegungen, das Gitarrenspiel ist sowie auf Dauer nicht mehr möglich.

Der Rest dagegen zeigt sich agil wie immer, besonders Adam wirkt mit seinen wilden, grauen Haaren und seinem Buzzcocks T-Shirt extrem cool gealtert.

Für echte Fans beginnt das Konzert fast zu gut. Nach dem neuen "The Miracle" folgen mit "Gloria" !!, "Vertigo" und "I will follow" drei Kracher im wahrsten Sinne des Wortes. Gitarre und Bass kommen in einem für Arena-Konzerte unglaublich dreckigen, punkigen Krach durch die Boxen. Edge klingt mutig, nicht wie sonst auf absolute Perfektion bedacht und hat Spass an seiner neuen Rolle. Hier ist klar, es geht um eine Zeitreise zurück zu den Wurzeln.

Dies wird mit den neuen Songs dann in der Folge weitergeführt. Hier gilt wie immer bei U2, die schwächeren Songs werden mit den besten Showeinlagen versehen, das hält die Stimmung hoch. Und so läuft Bono hier sogar passend zu den Visuals IN der Leinwand durch seine Jugend in Irland. Ein starkes Bild.



Am Ende des ersten Teils dann noch das immer zündende "End of the world" im Strobonebel. Danach folgt eine kurzes Intermezzo mit Fly-Remix damit die Bühne aufbereitet werden kann und mit "Invisible" startet der zweite Teil. Der Song wirkt hier stimmiger und zwingender als der Studiotrack, jetzt spielt die komplette Band IN der Leinwand.

Dann geht es ab auf die kleine B-Bühne und U2 machen das was sie am meisten auszeichnet, nämlich unberechenbar zu sein. Erst wird zum Akustikteil ein Fan auf die Bühne geholt, dann spielt ein weiterer Gitarre. Es wird gelacht, getanzt und der Fan (nicht der beste Gitarrenspieler) bekommt spontan als Geschenk die Gitarre zum Üben geschenkt. Alles wirkt ausgelassen und so gar nicht einstudiert, obwohl die Songauswahl hier mit "Desire" und "Angel of Harlem" heute leider Standard ist. 


Danach misslingen "Every breaking wave" und ein kurzes "Oktober" leider völlig, da kann auch The Edge am Piano nichts retten. "Bullet the blue sky", ein Song den sich wohl die meisten Fans seit Jahren aus dem Programm wünschen, folgt und ist leider wie immer brandaktuell. Hier wird er seit langer Zeit zum Höhepunkt im Set da hier Show / Botschaft und Version des Songs die perfekte Kombination ergeben. Wenn Bono mit Megaphon zynisch die Europahymne lallt, während Edge die Gitarre wie Neil Young bearbeitet und auf der Leinwand ein Stakkato von Krisenbildern läuft ist der Klimax erreicht.

Danach kommt das Best-Of für die teuren Plätze..One wird heute ausgelassen, "Blinding Lights" hat meiner Meinung nach im Zugaben Block nichts verloren und "Beautiful Day" bleibt heute ohne Snippets auch schwächer als sonst.

Am Ende verschwindet die Band wie Bono gekommen war, durch den Hinterausgang, während noch "Still haven`t found" gespielt wird und die Zuschauer den Song zu Ende singen und das Saallicht angeht.

Wie immer bei U2 ist die Tour am Anfang an einigen Stellen noch holprig. Diese Schwachstellen sollten aber bis zu Deutschland-Konzerten behoben sein. Die Show ist sehenswert, auch wenn U2 nach der letzten Tour kaum noch eine Steigerung möglich war. Daher ist der Schritt zurück in die Hallen zunächst die einzige, sinnvolle Option.

Ich freue mich schon auf die Konzerte in Köln, hoffentlich mit vielen anderen Songs und Fans aus ganz Europa, denen U2 live so viel bedeutet wie mir.

Mittwoch, 9. September 2015

SEEED, Köln, 08.09.15

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Konzert: SEEED
Ort: Köln
Datum: 08.09.2015
Dauer: 75min
Zuschauer: 4.000 ausverkauft


Der Musikkonsum der eigenen Kinder führt regelmäßig in vielen Familien zu langen Diskussionen über Geschmack und künstlerischer Güte. Meistens geht es dabei von Kinderseite ja gar nicht um die Musik sondern um Abgrenzung gegen die Eltern. Ausgeübter Druck in eine vermeintlich "gute" Richtung bringt da gar nichts. Helden der Jugend lassen sich nicht durch Gespräche mit den Eltern wegdiskutieren.  

In dieser Hinsicht habe ich bisher Glück gehabt. Als einzige Veränderung besuche ich zur Zeit mit meinem älteren Sohn häufiger deutschsprachige Konzerte, bei denen es zum Glück musikalisch nicht all zu viel zu meckern gibt. Das allerdings mit Deichkind, Kraftklub und SEEED drei seiner Lieblinge in 2 Wochen auftraten, war so eigentlich nicht geplant. Egal, SEEED geben ein Überraschungskonzert im für sie "kleinen" Palladium, die Karten fliegen über den Markt und sind für Familienfreundliche 29,-EUR kurzzeitig erhältlich.  

Auf der Hinfahrt erinnere ich mich dann, das ich ja doch noch eine Geschichte zur Band auf Lager habe. SEEED traten damals beim legendären R.E.M. Konzert vor dem Dom als Vorgruppe auf. Die erste Platte war noch nicht erschienen, und doch strahlte die Band schon dort eine Stärke aus, die mir noch lange in Erinnerung blieb.  

Also höchste Zeit nochmal nachzuschauen was sich in den letzten Jahren auf dem Weg zur Stadionband alles verändert hat. Das Palladium ist mehr als gut gefüllt, das Publikum mehr als bunt gemischt. Von echten Reggae Fans ist wenig zu spüren, SEEED sind komplett im Mainstream angekommen. Das zeigt sich vor allem, als anstatt einer Vorband ein DJ den Anheizer übernimmt und versucht mit puren Reggaeklängen die Zuschauer zum Tanzen zu bewegen. Reaktion: 0  

Danach eine kurze Pause ohne Saallicht und dann dröhnt das Intro aus den Boxen. In letzter Zeit habe ich viele, fast zu leise Konzerte erlebt...hier war das ganz anders. Eigentlich klang es als hätte die Band die komplette Festival-PA in den Saal gehangen. Der Bass war von der Zehe bis in die Haarspitze spürbar, die Bläser hatten Druck wie Presslufthämmer. 


Dem Sound der Band tat dies allerdings sehr gut. Trotz der Lautstärke war der Sound glasklar und Peter Fox gab sofort den Takt des Abends vor...es sollte keine Pause mehr geben.  

Wer allerdings auf viele neue Stücke gehofft hatte, die Band war schließlich 1 Jahr abgetaucht, wurde nicht belohnt. Geboten wurde der klassische Festivalauftritt mit ca. 75min. Dies war aber auch der Sinn der Sache, da dieses Konzert ja der Warm-Up Gig für das nächste Woche in Berlin stattfindende Lollapalooza-Festival sein sollte. 

So haben SEEED den Luxus eigentlich nur Hits zu spielen. Alte Platten oder Songs die es nicht zur Single geschafft haben sucht man fast vergeblich. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass die Band auch die besten Songs von Peter Fox präsentiert. Normalerweise unüblich, ist doch eine erfolgreiche Soloplatte immer eher eine Gefahr für die "Stammband". 


Alle Elemente der Show sind zwar straff organisiert, trotzdem wirkt es nicht zu perfekt Besonders wenn, sogar hier, die Showtruppe von Cold Steel den Saal entert und fast 20 Leute ein mittleres Chaos auf der treppenförmigen Bühne verbreiten. 

Jetzt wird der Sound noch druckvoller, die drei Shouter wirbeln hiund her über die Bühne und mit "Ding" endet der Set in einem langen Finale. 

Danach noch 3 Zugaben, nach Aufstehn! Ist endgültig Schluss. Vor der Bühne löst sich eine schweißnasser Pulk von Menschen, die anderen überprüfen ihre Hörfunktion und schon ist der Abend vorbei.  
           
SEEED sind völlig zurecht eine der größten deutschen Bands. Mögen die Texte fast immer nur auf Partyniveau sein, Peter Fox Solosongs zeigen dass er noch mehr kann. Musikalisch ist das ganze eine einzige Dancehall-Party die wohl auf jedem Fleck der Erde funktionieren würde. 


Bleibt für mich zu hoffen, dass  die echte Pubertät noch etwas auf sich warten lässt. Zumindest solange wie ich die Konzerte begleiten muss. Dieser Abend jedoch war mehr als eine Pflichtveranstaltung. Er war, ein für seine Erwartungen, richtig toller Konzertabend.  


 

Konzerttagebuch © 2010

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