Sonntag, 23. August 2015

Alinae Lumr Tag 1, Storkow, 21.08.15


1. Tag Alínae Lumr Festival - meine Auswahl
  The Black Atlantic 45 min
  And the Golden Choir 50 min
  Hundreds (akustik) 70 min
Ort: Kirche in Storkow (Mark)
Datum:  21. August 2015
Zuschauer: für die ersten Sets etwa 200, dann etwa 350


Die Berliner habens schon gut mit ihrem grünen Gürtel von Wäldern und Seen. Auf das Alinae Lumr Festival, das diese Jahr zum ersten Mal im beschaulichen Storkow südöstlich von Berlin stattfindet, bin ich eher zufällig aufmerksam geworden. Ich wollte Sea & Air möglichst in der ersten Woche nach dem Erscheinen des neuen Albums Evropi live sehen und da wir für die letzten beiden Augustwochen Urlaub geplant hatten, kam Tübingen nicht in Betracht. Aber mit diesem herrlichen Festival kam mir die Idee, dass wir doch an einem dieser famosen Seen zuschauen, wie die Berliner so ausspannen. Und - wie sich nun herausstellte - das ganze bei herrlichstem Sommerwetter.


Mit dem Fahrrad erkundeten wir schon am Donnerstag den Weg nach Storkow und meine Vorfreude wuchs, nachdem ich den beschaulichen Ort schon im Normalzustand sehr liebenswert, wenn auch etwas verschlafen fand. Für den Freitag, den ersten Festivaltag, hatte ich mir überlegt, dass ich mir Aufregung erspare - also den Wechsel zu anderen Bühnen, auf denen auch für mich interessantes stattgefunden hätte, komplett weglasse. Statt dessen würde ich mich ganz entspannt für vier Stunden in die Kirche setzen. 


Die freundliche Entspannung begann schon mit dem Eintauschen des Tickets gegen ein Bändchen im Festivalbüro am Markt und als ich 17:30 Uhr an der Kirche eintraf war dort schon alles für die drei Acts des Abends vorbereitet. Ein ziemlich schwerer Duft nach den Lilien verteilte sich vom Altar im Raum und Eva Milner besprach noch ein paar Details für später. Aus der Sakristei klang das Warmspielen von Geert van de Velde für das erste Set. Ein sehr stimmungsvoller Anfang.


Das Festival wurde schließlich 18 Uhr vom Angelusläuten eröffnet, das Geert van de Velde doch ein wenig aus dem Konzept brachte, nachdem es mehr als sechs mal geschlagen hatte. Er kommentierte das anschließend mit Welcome to the Black Atlantic Service - we will talk about Jesus. Aber im Ernst wäre auf der Aufnahme zu dem Lied Haul, das er als erstes spielen würde auch am Schluss der Aufnahme zufällig eine Glocke zu hören. Das Set passte wirklich hervorragend in diesen Ruhe schaffenden Raum. 


Meine heimlichen Höhepunkte waren die beiden ganz besonders innigen Stücke The Aftermath (of This Unfortunate Event) und Fragile Meadow (mit der Ukulele vorgetragen). Mit einigen zum Teil ausführlich erzählenden Passagen (z.B. eine Geistergeschichte über the previous owner aus Schweden) entstand eine sehr intime Atmosphäre, die anscheinend auch von ihm selbst sehr geschätzt wurde, denn er bedankte sich vor dem letzten Stück sehr ausführlich ... and thanks for giving me smiles and stuff.... Ich freue mich besonders, dass wir uns in knapp vier Wochen in Karlsruhe schon wiedersehen werden!


Setlist:
01: Haul
02: Enshrine
03: Sun Battered
04: Madagascar
05: Quiet, Humble Man 
06: The Aftermath (of This Unfortunate Event)
07: Reverence for Fallen Trees
08: Fragile Meadow


Der Umbau zu And the golden choir  verlief eigentlich sehr schnell, obwohl Tobias Siebert allerhand Instrumentarium nötig und dabei hatte. Natürlich seinen Plattenspieler, aber auch ein Harmonium, ein Hackbrett, eine Gitarre und eine Autoharp. Die Begleitung von Schallplatte zog sich als roter Faden durch das Set. Ich fand es ja etwas mutig, in der Aufregung des Konzerts auch noch die Nadel jeweils ruhig an den rechten Platz zu setzen, aber in der Regel klappte das erstaunlich gut. Die meisten der Songs waren hochdramatisch und beim unverstärkten Stück in der Mitte erschien er mir doch so recht als Troubadur. Trotzdem klang das Set mit neueren Stücken sehr tanzbar aus. Mein Höhepunkt in diesem Set war das letzte Stück Angelina. Seinen Rotwein im Altarraum einer Kirche kommentierte er kokett: Ich habe es versucht, aber mein Wasser ist immer gleich zu Wein geworden.


Setlist:
01: Holy Diamond 
02: The Transformation 
03: Brother´s Home 
04: Another Half Life 
05: Corpus Cristi Carol 
06: My Heaven Is Lost 
07: It´s Not My Life 
08: In Heaven 
09: The Queen Of Snow 
10: In Rain 
11: Angelina

 
Als letzter Punkt des Tages für mich stand Hundreds mit einem akustischen Set auf dem Programm. Unsere Wege hatten sich an diesem Tag schon mehrfach gekreuzt. Ich finde es ja toll, wenn Bands selbst auch ein bisschen die Festivals genießen können, auf denen sie selbst auftreten. Während ich die Umbaupause noch für ein Bierchen nutzte, begegneten wir uns z.B. in der Pizzeria und vor dem Set durfte noch Junior alles inspizieren (er saß dann später sehr aufmerksam und mucksmäuschenstill fast bis zum Ende des Konzertes in der ersten Reihe). Inzwischen war auch die Sonne in Glanz und Glorie untergangen und die Kirche lag in verheißungsvollem Dunkel. Auf die letzten Minuten füllten sich alle Bänke und die Empore und schließlich auch alle Ecken, Gänge und Nischen bis auch der letzte Winkel voller vorfreudiger Menschen war.


Auch wenn das Set akustisch heißt, wurde natürlich verstärkt. Philipp Milner saß links vor zwei übers Eck gestellten Tasteninstrumenten, Xylophon und einem Computer, rechts war ein komplettes Schlagzeug für Florian Wienczny aufgebaut und natürlich sang Eva Milner durch ein Mikrophon. Es begann sehr getragen und ruhig mit nur Piano und erst danach Gesang. Der Schlagzeuger hatte noch ein bisschen Pause (bis zum dritten Stück). Nachdem die Snare auch festgezogen war, war der Sound ergreifend schön. Höchstwahrscheinlich eine Meisterleistung am Mischpult, das in dem Kirchenraum stabil zu kriegen und vielleicht auch etwas ungewohnt, aber sogar in der ersten Reihe hatte ich einen herrlichen Eindruck und habe das sehr genossen. Das Publikum war auch wirklich ganz ruhig und aufmerksam und honorierte die Stücke mit herzlichem in enthusiastischem Applaus.


Besonders in mein Herz drangen an diesem Abend Please rewind in all seiner Melancholie und das sich anschließende Stück - das sich wie eine Musik für einen inneren Film anfühlte. Das Björk-cover (ohne drums) Who is it fand ich sehr gelungen (was ich nicht unbedingt erwartet hätte, nachdem es angesagt worden war, denn - seine wir ehrlich - Björk ist schon sehr speziell!) Für das letzte Stück musste Florian mit an die Tasten und es war ein tolles Bild, wie im Dunkel der Bühne alle drei Künstler auf engstem Raum ihr Klankunstwerk schufen. Es gab tosenden Applaus und deshalb schließlich auch eine Zugabe: It's a wonderful live wirkte auf mich  wirklich irgendwie das an diesem Ort gebotene Gehet-hin-in-Frieden-Ding. Und natürlich musste ich den Refrain mitsingen ... Dank sei Gott dem Herrn ...


Leider hing es mir den ganzen nächsten Tag noch im Ohr.

Setlist:
folgt

Alle Fotos vom Festival:



Aus unserem Archiv:
Tag 2
Tag 3
The Black Atlantic, Düsseldorf, 07.10.12
The Black Atlantic, Karlsruhe, 24.01.13
The Black Atlantic, Köln, 28.01.12
The Black Atlantic, Paris, 06.06.10

And The Golden Choir, Stuttgart, 08.04.13
And The Golden Choir, Köln, 13.01.14 

Hundreds, Mannheim, 31.05.14
Hundreds, Köln, 20.03.14
Hundreds, Frankfurt, 14.11.11
Hundreds, Mannheim, 21.05.11



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