Mittwoch, 19. August 2015

Laura Marling, Haldern, 15.08.15


Konzert: Laura Marling
Ort: Haldern-Pop Festival (Hauptbühne)
Datum: 15.08.2015
Zuschauer: nur etwa 1.500



von Dirk aus Mönchengladbach

Hein Fokker kündigt Laura Marling an. So könnte ein guter Witz beginnen und enden, denn obwohl Fokker vielleicht die bisher größere Lebensleistung der beiden vollbracht hat, ist der Anblick der beiden, die sich für einen Sekundenbruchteil auf der Bühne treffen, köstlich. Fokker wie immer im klassischen, zeltartigen Spongebob T-Shirt mit Neonshorts, Laura (selbst für eine Diva fast zu gut gekleidet) in einer Art beigen Kaschmir Lodenmantel incl. einem fünf Meter langem Schal. 

Dies deutet auf eine große Tour-Garderobe hin, hätte sie dieses Outfit zwei Stunden zuvor bei noch strahlendem Sonnenschein wohl noch nicht gewählt. Jetzt aber regnet es, eigentlich ist es eine Flut, die nicht enden will. An dieser Stelle sind bei Festivals Entertainer gefragt, die Hives kämen jetzt beim Publikum sicher super an, aber der Ablauf hat Laura Marling vorgesehen. 

Bisher war ich kein Fan, habe auch Konzerte ignoriert. Trotz großer Berichte in allen Magazinen. Der Funke sprang nicht über, zu reserviert die Person, zu kantig waren mir die Songs. Doch die neue Platte gefällt mir besser, Ironie findet Platz zwischen all dem Moll, mehr Gitarren sind zu hören und die Songs sind runder (poppiger). Das mag Puristen der ersten Stunde nicht gefallen, ich kann Short Movies als Album sehr empfehlen. 

Laura Marling wird sich während ihres einstündigen Auftritts nur einmal an das völlig durchgeweichte Publikum wenden, vor dem letzten Song. Auch ihre Band wird sie keines Blickes würdigen, eine Vorstellung der Musiker scheint völlig ausgeschlossen. Es werden nach fast jedem Song neue, sehr teuer aussehende Gitarren vom Bühnenrand gereicht. Lauras Bewegungsradius nach Betreten der Bühne liegt bei höchstens einem Meter. Das Konzert beginnt mit einem ca. zehn Minuten langen Stück. 

Klingt langweilig, arrogant und untragbar für eine junge Künstlerin die zur besten Zeit auf der Hauptbühne spielen darf ? Ja, klar, aber dafür mag ich die Hives nicht. 

Laura Marling ist eine Songwriterin im besten Sinne. Die Songs werden perfekt in ihrer „Schlichtheit“ vorgetragen, Bob Dylan oder Joni Mitchell springen auch nicht über die Bühne. Ihre Erzählweise ist die der großen amerikanischen Liedermacher(-innen). Es ist ein ernster, musikalisch aber hochwertiger Vortrag und das Set ist genau auf die zur Verfügung stehenden 60 Minuten ausgelotet. 

Leider bleibt wenig Platz für die neuen Stücke, evtl. folgt dies erst auf der nächsten eigenen Tournee. Hier war Laura Marling vielleicht auf Grund der äußeren Umstände am falschen Tag am falschen Ort. Das Lebenswerk hat die talentierte Künstlerin hoffentlich noch vor sich, nach fünf Soloalben und erst 25 Lebensjahren bleibt noch viel zu erwarten. 

PS: Selbst der Rockpalast hatte das Nachsehen. Gefilmt worden ist das Konzert als eines der wenigen auf der Hauptbühne nicht.


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