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Dienstag, 30. Oktober 2018

Hundreds, New Fall Festival 2018, Düsseldorf 26.10.2018

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Konzert: Hundreds + Joco
Ort: Johanneskirche, Düsseldorf, New Fall Festival
Datum: 26.10.2018
Dauer: 65 min.
Zuschauer: ca. 600


Eva und Philipp Milner bilden als Geschwisterpaar das Gerüst der Hamburger Elektropop-Band Hundreds, die beim New Fall Festival ebenfalls in der mächtigen Johanneskirche in Düsseldorf ein Konzert geben.

Teilweise angekündigt als "Akustik-Gig", werden sich wohl viele die Augen gerieben haben, als die ersten mächtigen Soundwellen aus den Boxen schwappten. 

Egal wie man diese Art der Aufführung nun bezeichnen möchte, zumindest gibt es vom aktuellen Album der Band einen "akustischen" Nachschlag auf CD. 



Begleitet wird das Duo heute ansonsten nur von einem Schlagzeuger. Im Laufe des Abends werden aber immer wieder die Instrumente getauscht, auch Sängerin Eva bedient eine Art elektrische Zitter und schaltet die Beatbox auch schon mal von Hand ein und aus.



Passender, als mit den immer etwas entrückt düsteren Elektroklängen der Band kann man in einer Kirche eigentlich kein Konzert geben. Eva singt abwechselnd mit ihrer kristallklaren Stimme oder tänzelt im Schattenspiel auf dem Altar-Podest träumerisch vor sich hin. 

Die besten Momente hat der Wall of Sound, wenn der Bruder die antiken Synthesizer wie den alten "Blade Runner" Soundtrack wummern lässt. So gar nicht deutsch klingt diese Musik und obwohl die Alben der Band eine konsequente Weiterentwicklung hörbar machen, ist der Klang hier in der Kirche wie aus einem Guss. 


Einzig "Spotless", als Zugabe, klingt hier etwas zu sehr nach Musical, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch. Nach viel zu kurzen 65 Minuten ist leider schon alles vorbei. Endlich sieht man auch bei Philipp ein Lächeln auf dem Gesicht und Festivalleiter Hamed persönlich überreicht die Blumen.

Die Entscheidung der New Fall Macher, das Programm streng nach künstlerischer Klasse und besonderen Orten auszuwählen, erweist sich an diesen Abenden wieder als wegweisend und goldrichtig.



Sowie Scott Matthew als auch Hundreds passten perfekt in diesen Kirchenrahmen und wurden zurecht gefeiert. Der Termin für 2019 steht bereits fest. Zwischen dem 10.und 13.10.2019 wird es wieder Zeit einen Kirchenbesuch einzuplanen.              

Fotos: Michael Graef


Sonntag, 23. August 2015

Alinae Lumr Tag 1, Storkow, 21.08.15

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1. Tag Alínae Lumr Festival - meine Auswahl
  The Black Atlantic 45 min
  And the Golden Choir 50 min
  Hundreds (akustik) 70 min
Ort: Kirche in Storkow (Mark)
Datum:  21. August 2015
Zuschauer: für die ersten Sets etwa 200, dann etwa 350


Die Berliner habens schon gut mit ihrem grünen Gürtel von Wäldern und Seen. Auf das Alinae Lumr Festival, das diese Jahr zum ersten Mal im beschaulichen Storkow südöstlich von Berlin stattfindet, bin ich eher zufällig aufmerksam geworden. Ich wollte Sea & Air möglichst in der ersten Woche nach dem Erscheinen des neuen Albums Evropi live sehen und da wir für die letzten beiden Augustwochen Urlaub geplant hatten, kam Tübingen nicht in Betracht. Aber mit diesem herrlichen Festival kam mir die Idee, dass wir doch an einem dieser famosen Seen zuschauen, wie die Berliner so ausspannen. Und - wie sich nun herausstellte - das ganze bei herrlichstem Sommerwetter.


Mit dem Fahrrad erkundeten wir schon am Donnerstag den Weg nach Storkow und meine Vorfreude wuchs, nachdem ich den beschaulichen Ort schon im Normalzustand sehr liebenswert, wenn auch etwas verschlafen fand. Für den Freitag, den ersten Festivaltag, hatte ich mir überlegt, dass ich mir Aufregung erspare - also den Wechsel zu anderen Bühnen, auf denen auch für mich interessantes stattgefunden hätte, komplett weglasse. Statt dessen würde ich mich ganz entspannt für vier Stunden in die Kirche setzen. 


Die freundliche Entspannung begann schon mit dem Eintauschen des Tickets gegen ein Bändchen im Festivalbüro am Markt und als ich 17:30 Uhr an der Kirche eintraf war dort schon alles für die drei Acts des Abends vorbereitet. Ein ziemlich schwerer Duft nach den Lilien verteilte sich vom Altar im Raum und Eva Milner besprach noch ein paar Details für später. Aus der Sakristei klang das Warmspielen von Geert van de Velde für das erste Set. Ein sehr stimmungsvoller Anfang.


Das Festival wurde schließlich 18 Uhr vom Angelusläuten eröffnet, das Geert van de Velde doch ein wenig aus dem Konzept brachte, nachdem es mehr als sechs mal geschlagen hatte. Er kommentierte das anschließend mit Welcome to the Black Atlantic Service - we will talk about Jesus. Aber im Ernst wäre auf der Aufnahme zu dem Lied Haul, das er als erstes spielen würde auch am Schluss der Aufnahme zufällig eine Glocke zu hören. Das Set passte wirklich hervorragend in diesen Ruhe schaffenden Raum. 


Meine heimlichen Höhepunkte waren die beiden ganz besonders innigen Stücke The Aftermath (of This Unfortunate Event) und Fragile Meadow (mit der Ukulele vorgetragen). Mit einigen zum Teil ausführlich erzählenden Passagen (z.B. eine Geistergeschichte über the previous owner aus Schweden) entstand eine sehr intime Atmosphäre, die anscheinend auch von ihm selbst sehr geschätzt wurde, denn er bedankte sich vor dem letzten Stück sehr ausführlich ... and thanks for giving me smiles and stuff.... Ich freue mich besonders, dass wir uns in knapp vier Wochen in Karlsruhe schon wiedersehen werden!


Setlist:
01: Haul
02: Enshrine
03: Sun Battered
04: Madagascar
05: Quiet, Humble Man 
06: The Aftermath (of This Unfortunate Event)
07: Reverence for Fallen Trees
08: Fragile Meadow


Der Umbau zu And the golden choir  verlief eigentlich sehr schnell, obwohl Tobias Siebert allerhand Instrumentarium nötig und dabei hatte. Natürlich seinen Plattenspieler, aber auch ein Harmonium, ein Hackbrett, eine Gitarre und eine Autoharp. Die Begleitung von Schallplatte zog sich als roter Faden durch das Set. Ich fand es ja etwas mutig, in der Aufregung des Konzerts auch noch die Nadel jeweils ruhig an den rechten Platz zu setzen, aber in der Regel klappte das erstaunlich gut. Die meisten der Songs waren hochdramatisch und beim unverstärkten Stück in der Mitte erschien er mir doch so recht als Troubadur. Trotzdem klang das Set mit neueren Stücken sehr tanzbar aus. Mein Höhepunkt in diesem Set war das letzte Stück Angelina. Seinen Rotwein im Altarraum einer Kirche kommentierte er kokett: Ich habe es versucht, aber mein Wasser ist immer gleich zu Wein geworden.


Setlist:
01: Holy Diamond 
02: The Transformation 
03: Brother´s Home 
04: Another Half Life 
05: Corpus Cristi Carol 
06: My Heaven Is Lost 
07: It´s Not My Life 
08: In Heaven 
09: The Queen Of Snow 
10: In Rain 
11: Angelina

 
Als letzter Punkt des Tages für mich stand Hundreds mit einem akustischen Set auf dem Programm. Unsere Wege hatten sich an diesem Tag schon mehrfach gekreuzt. Ich finde es ja toll, wenn Bands selbst auch ein bisschen die Festivals genießen können, auf denen sie selbst auftreten. Während ich die Umbaupause noch für ein Bierchen nutzte, begegneten wir uns z.B. in der Pizzeria und vor dem Set durfte noch Junior alles inspizieren (er saß dann später sehr aufmerksam und mucksmäuschenstill fast bis zum Ende des Konzertes in der ersten Reihe). Inzwischen war auch die Sonne in Glanz und Glorie untergangen und die Kirche lag in verheißungsvollem Dunkel. Auf die letzten Minuten füllten sich alle Bänke und die Empore und schließlich auch alle Ecken, Gänge und Nischen bis auch der letzte Winkel voller vorfreudiger Menschen war.


Auch wenn das Set akustisch heißt, wurde natürlich verstärkt. Philipp Milner saß links vor zwei übers Eck gestellten Tasteninstrumenten, Xylophon und einem Computer, rechts war ein komplettes Schlagzeug für Florian Wienczny aufgebaut und natürlich sang Eva Milner durch ein Mikrophon. Es begann sehr getragen und ruhig mit nur Piano und erst danach Gesang. Der Schlagzeuger hatte noch ein bisschen Pause (bis zum dritten Stück). Nachdem die Snare auch festgezogen war, war der Sound ergreifend schön. Höchstwahrscheinlich eine Meisterleistung am Mischpult, das in dem Kirchenraum stabil zu kriegen und vielleicht auch etwas ungewohnt, aber sogar in der ersten Reihe hatte ich einen herrlichen Eindruck und habe das sehr genossen. Das Publikum war auch wirklich ganz ruhig und aufmerksam und honorierte die Stücke mit herzlichem in enthusiastischem Applaus.


Besonders in mein Herz drangen an diesem Abend Please rewind in all seiner Melancholie und das sich anschließende Stück - das sich wie eine Musik für einen inneren Film anfühlte. Das Björk-cover (ohne drums) Who is it fand ich sehr gelungen (was ich nicht unbedingt erwartet hätte, nachdem es angesagt worden war, denn - seine wir ehrlich - Björk ist schon sehr speziell!) Für das letzte Stück musste Florian mit an die Tasten und es war ein tolles Bild, wie im Dunkel der Bühne alle drei Künstler auf engstem Raum ihr Klankunstwerk schufen. Es gab tosenden Applaus und deshalb schließlich auch eine Zugabe: It's a wonderful live wirkte auf mich  wirklich irgendwie das an diesem Ort gebotene Gehet-hin-in-Frieden-Ding. Und natürlich musste ich den Refrain mitsingen ... Dank sei Gott dem Herrn ...


Leider hing es mir den ganzen nächsten Tag noch im Ohr.

Setlist:
folgt

Alle Fotos vom Festival:



Aus unserem Archiv:
Tag 2
Tag 3
The Black Atlantic, Düsseldorf, 07.10.12
The Black Atlantic, Karlsruhe, 24.01.13
The Black Atlantic, Köln, 28.01.12
The Black Atlantic, Paris, 06.06.10

And The Golden Choir, Stuttgart, 08.04.13
And The Golden Choir, Köln, 13.01.14 

Hundreds, Mannheim, 31.05.14
Hundreds, Köln, 20.03.14
Hundreds, Frankfurt, 14.11.11
Hundreds, Mannheim, 21.05.11



Freitag, 6. Juni 2014

Maifeld Derby 2014, Tag 2

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Konzert: Moscow Metro, Solander, Charity Children, Spaceman Spiff, Get Well Soon, Lambert, Warpaint, Motorama, Hundreds
Ort: Maifeld Derby, Mannheim
Datum: 31.05.2014
Dauer: Moscow Metro ca. 40 Minuten, Solander ca. 45 Minuten, Charity Children ca. 45 Minuten, Spaceman Spiff ca. 50 Minuten, Get Well Soon ca. 65 Minuten, Lambert ca. 50 Minuten, Warpaint ca. 80 Minuten, Motorama ca. 60 Minuten, Hundreds ca. 50 Minuten
Zuschauer: unterschiedlich




Was für ein Tag! Irgendwie hatten es die Maifeld Derby-Organisatoren versäumt, sich nach meinen persönlichen Präferenzen zu richten, als sie den konkreten Zeitplan des Drei-Tages-Festivals zusammenstellten. Schon bald wurde klar, dass der Samstag ein langer und harter Tag werden würde. Und dabei musste ich nicht einmal mit den jungen Leuten zelten, sondern mich nach der überstandenen Dauerbeschallung nur in das am Rande des Maimarkts gelegene Billighotel schleppen. Was schwierig genug war, aber genug gejammert. Die Veranstalter haben mich ja nicht gezwungen, neun Bands anzusehen! Aber da war ja noch mein Freund...



Los ging der Festivalsamstag für mich am Nachmittag mit Moscow Metro. Die junge irische Band trat im Palastzelt auf, was auch besser zu den schwarz gekleideten Musikern passte als der an diesem Tag gleißende Sonnenschein draußen. Einige der relativ zahlreichen Zuschauer waren sicher erschienen, weil die Musik der Band einen der Derby-Trailer musikalisch untermalt hatte. Die Band hat erst eine EP veröffentlicht, und so kannten wir die meisten der gespielten Songs noch nicht. Bezüglich des Gesangs wechselten sich der Gitarrist und der Bassist ab. Der Auftritt litt ein wenig darunter, dass die Gitarre irgendwann nicht mehr funktionierte und sich nur nach längeren Bemühungen wieder in Gang bringen ließ. „Where It All Ends“ wurde deshalb auch nur angespielt und dann schlussendlich zum nächsten Song übergegangen.



Die Band war sichtlich frustriert über die eigenen technischen Probleme, die das ohnehin kurze Set weiter zusammenschrumpfen ließen. Für einen ersten Eindruck vom Joy Division-Sound der Iren hat es bei mir dennoch gereicht.

Setliste:
Headlights
Future Fades
Cosmos
Where It All Ends (entfallen)
King Of The Knives
Spirit Of A City
Stranger In My Blood
Resurrect Yourself
Revelation Nightdrive


Nach diesen düsteren Klängen traten wir blinzelnd ins Sonnenlicht und wanderten herüber zum Parcours d’Amour, wo als nächstes die Band Solander - bei der es sich streng genommen um ein Soloprojekt mit Zusatzmusikern handelt - aufspielen sollte. Die Schweden spielten ein stimmungsvolles Set, das beim Publikum hervorragend ankam, nur nicht bei den Schwätzern vor uns… An und für sich herrschte im Parcours um mich herum stets gespannte Aufmerksamkeit, nur bei diesem Konzert hatte ich Pech mit der Nachbarschaft. Sänger Fredrik Karlsson bedauerte, dass die Band direkt nach ihrem Auftritt zu einem anderen Festival nach Esslingen weiter reisen musste, weil man gerne geblieben wäre, um sich Warpaint und The National anzusehen. So konnte er nur anbieten, uns quasi im Wegfahren noch CDs zu verkaufen.


Den Countrysong „Black Rug“ spielte er exklusiv für einen Freund, der diese Art Musik besonders mag. Ein toller Auftritt, der viele Zuschauer begeisterte, insbesondere der Harmoniegesang beim älteren Song „Flight“ wusste zu gefallen.

Setliste:
The Woods Are Gone  
Monday Afternoon
Flight
Black Rug
All Opportunities
Huckleberry Finn
Social Scene
Monochromatic Memories
Lighthouse


Nach Solander blieben wir einfach sitzen für das Berliner Duo Charity Children, bei dem es sich eigentlich um Straßenmusiker aus Neuseeland handelt. Für den Auftritt hatten die beiden Verstärkung von vier weiteren Musikern, das Paar stand vorne an einem Doppelmikro und sang sich gegenseitig an, wobei sie selbst auch verschiedene Instrumente, beispielsweise ein Miniakkordeon, ein Banjo und eine Mundharmonika bedienten.


Ich fand das Ganze zweifellos inbrünstig, aber so richtig mein Fall war es nicht. Im Publikum vor uns wurde immer wieder begeistert aufgesprungen und mitgetanzt, aber mir ging das gegenseitige Angesinge innerhalb kurzer Zeit auf die Nerven. Interessant war allerdings, dass die mit einer Art Samtzelt bekleidete Sängerin aussah, als sei sie Natalie Portmans Schwester.


Am Ende von Charity Childrens Set zeigte sich ein Trend des Festival-Samstags, denn hatte man am Vortag noch recht streng auf Einhaltung des Zeitplans bestanden, durfte nun so gut wie jede Band ein Extralied spielen – im Falle von Charity Children den neuen Song „Anthem For All The Dead Dogs“.

Setliste:
You Want Me
Butterflies
To See You Smile
Empty Vicious Nights
Till The Day I Die
Holy War
Killing Time
Elizabeth
Everything You Wanna Give
Whispering Still

Anthem For All The Dead Dogs


Wiederum blieben wir einfach sitzen, und als nächstes kam mit Spaceman Spiff ein einzelner junger Mann mit Gitarre auf die Bühne, der als erstes einen Tischtennisschläger an den Mikrophonständer klebte. Nach einigen seiner textlastigen, melancholischen Songs bekamen wir auch erklärt, was es mit der Dekoration auf sich hatte: Am Vorabend hatte Spaceman Spiff in Bremen gespielt, es war irgendein Missgeschick passiert und er hatte sich beklagt, dass er kein Tischtennisspieler sei, denn diese würden, wenn etwas schief ginge, immer irritiert ihren Schläger ansehen. Innerhalb von Sekunden sei daraufhin der Tischtennisschläger auf die Bühne geflogen, und er habe beschlossen, diesen zukünftig als Talisman einzusetzen.


Leider war ihm aber bereits zu Beginn der Geschichte beim Gestikulieren die Gitarre herunter gefallen, so dass sich der Tischtennisschläger bereits bei seinem ersten Einsatz als komplett nutzlos in seiner Rolle als Unglücksvermeider erwiesen hatte und in die Ecke gepfeffert wurde.

Spaceman Spiffs Musik erinnerte mich frappierend an Enno Bunger, was jetzt gar nicht negativ gemeint ist. Wo Enno kalauert und mit seinem Liebeskummer kokettiert, wirkt Spaceman Spiff aber authentisch-sympathisch ungeschickt. So erzählte er etwa, dass er normalerweise mit Band auf Tour sei, diese heute aber anderweitig beschäftigt sei, beziehungsweise in einem Fall auch gerade im Publikum sitze: „Es ist heutzutage so schwierig, gutes Personal zu finden!“ Außerdem konnte er seine Setliste nicht mehr lesen, nachdem er darauf getreten war, und überließ die weitere Songauswahl dann vertrauensvoll einem Publikumsmitglied.


Er wirkte auch ehrlich überrascht und gerührt über die große Aufmerksamkeit , die ihm und seiner Musik entgegen gebracht wurde – sogar seitens der Stage Crew, die nach einer Zugabe ("Straßen") noch auf einen weiteren, akustisch im Publikum dargebotenen Song ("Gedankenstriche") drängte. Dazu wurde Hannes nahezu von der Crew auf die Tribüne geschoben.

Setliste:
Milchglas
Hier und der Wahnsinn
Zeit zu bleiben
Oh Bartleby      
Der Tag, an dem ich nicht verrückt wurde
100.000 Kilometer
Han Solo
Egal
Mit Scherenhänden
Hamburg
Teesatz

Straßen

Gedankenstriche (akustisch)


Weiter ging es nun, nach kurzer Essenspause und einer noch kürzeren Stippvisite bei dem Musiker Sohn, für uns im Palastzelt, wo Get Well Soon ihren ersten Derby-Auftritt seit der Premiere des Festivals vor der Jahren absolvieren sollten, dieses Mal mit klassischem Orchester, bestehend aus 4 Streichern und 4 Bläsern.

Nachdem wir uns relativ früh eingefunden hatten, um Plätze vor der Bühne zu ergattern, konnten wir vorab noch den recht aufwändigen Soundcheck sämtlicher Instrumente beobachten. Konstantin Gropper, den man tagsüber bereits als Festivalgast hatte beobachten können, hatte sich in einem schwarzen Anzug geworfen, seine Schwester Verena trug ein kleines Schwarzes, die restliche Band erschien ebenfalls in schwarz und grau.


Als das Konzert dann begann, machten wir gleich mehrere positive Entdeckungen: Zum einen konnte man hier, anders als etwa bei Woodkid in Düsseldorf, den Effekt der Streicher und Bläser auf die Musik tatsächlich hören. Zum anderen hatte die Band sich – anders als bei der Derby-Premiere vor drei Jahren, für eine Festival-passende Auswahl ihrer schnelleren Songs entschieden. Und drittens war das Publikum um uns herum, wiederum anders als vor drei Jahren, aufmerksam und begeistert – damals hatten meine Begleiter und ich uns sehr über Schwätzer geärgert.

Nachdem jede Menge Streicher anwesend waren, verzichtete Verena bei diesem Auftritt auf ihre Geige, sie konnte sich auf ihren Gesang konzentrieren, sowie auf das gelegentliche Trommeln und Becken schlagen.


Gesprochen wurde bei diesem Auftritt nicht allzu viel. Einmal erwähnte Konstantin, er freue sich, dass es uns gefalle, wir hätten aber nicht wirklich eine Wahl, da durch den in der Nähe stattfindenden Marathon niemand das Gelände erreichen oder verlassen könne, wir säßen also alle in einem Boot. Ein andermal erklärte er, er freue sich, dass Bandmitglied Timo Kumpf das Festival ins Leben gerufen habe, und das auch noch in seiner Heimatstadt Mannheim und gab dem Publikum die Möglichkeit, dem Organisator zu applaudieren – die natürlich ausgiebig genutzt wurde.

Die Opulenz, die Get Well Soons Musik ohnehin auszeichnet, gewann durch die Anwesenheit der Zusatzmusiker nochmals dazu, insbesondere „Burial at sea“ klang in dieser Version ausgesprochen beeindruckend. Die regulären Get Well Soon-Musiker legten sich ebenfalls mächtig ins Zeug und die meisten Songs endeten in einem Instrumentefeuerwerk mit geradezu schreiendem Gesang.
Auch Get Well Soon durften nach diesem wirklich sehr beeindruckenden Set natürlich eine Zugabe spielen, bevor wir uns nach „We are Ghosts“ wieder zum Parcours d’Amour begaben.


Setliste:
?
Seneca's Silence
The Last Days Of Rome
5 Steps / 7 Swords
A Voice In The Louvre
Roland, I Feel You
Werner Herzog Gets Shot
Listen! Those Lost At Sea Sing A Song On Christmas Day
A Burial At Sea
Angry Young Man
You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)

We Are Ghosts


Dort saß bereits der skurrile Musiker Lambert am Klavier uns spielte mit einer Antilopenmaske seine selbst komponierten Klavierstücke, die irgendwo zwischen Klassik und Soundtrack lagen. Wie bereits Spaceman Spiff war auch dieser Musiker von der ihm im Parcours entgegen gebrachten Aufmerksamkeit beeindruckt und erzählte, er sei am Vorabend die Vorband für Bonaparte gewesen, deren Publikum auf Radau aus gewesen sei. Das Sprechen mit der Maske sowie das Lesen der Setliste fielen dem Künstler schwer, wobei diese Umständlichkeiten auch komödiantische Aspekte hatten.

Wenn Lambert mit seinem Antilopenkopf nickte, klackerten die Enden der Hörner teils rhythmisch zusammen, was das Publikum bei einem seiner Lieder als Aufforderung zum Mitklatschen annahm – laut dem Musiker eine Weltpremiere. Und auch er durfte selbstverständlich noch eine Zugabe geben. Bezüglich der Setliste kann ich nur berichten, dass einer seiner Songs „Slow slow“ hieß und von seinem alljährlichen Versuch, zu joggen, handelte.


Weiter ging es zurück ins Palastzelt zum Headliner Warpaint. Ich hatte das Damenquartett aus Los Angeles bereits vor einigen Jahren live gesehen und doof gefunden, nahm mir aber vor, den neuen Auftritt neutral anzugehen. Leider fand ich aber ein weiteres Mal keinerlei Zugang zu den Songs, konnte ihnen nicht folgen und verfiel schon bald in Langeweile. Übrigens schien auch das restliche Publikum nicht sonderlich begeistert zu sein.


Im starken Nebel, der die Bühne umwaberte, konnte ich die Musikerinnen kaum sehen und nur erkennen, dass Emily Kokals blaue Haare einen gewaltigen Ansatz aufwiesen und Jenny Lee Lindbergs Frisur pink war. Die schlechte Sicht verdarb mir dieses Mal sogar die Chance, über die Kleidung der Musikerinnen zu lästern. Schemenhaft konnte man im Hintergrund der Bühne das Cover des aktuellen Albums „Warpaint“ erkennen. Kurz nachdem Emily darum gebeten hatte, die an der Decke des Zelts befestigte Discokugel anzuschalten, sich über den Effekt gefreut und darum gebeten hatte, sie für den Rest des Sets anzulassen, beschlossen wir, das Konzert zu verlassen und brachen zum neuen Brückenaward-Zelt auf.

Setliste:
Intro
Keep It Healthy
Bees
Hi
Undertow
Feeling Alright
Biggy
Love Is to Die
No Way Out
Disco//Very
Drive
Ashes To Ashes (David Bowie cover)
Elephants

Diese Bühne hatte gegenüber früheren Jahren, in denen sie sich in einem schlichten Bierzelt befunden hatte, ein gewaltiges Upgrade erfahren und sah nun aus wie eine Miniaturversion des Palastzeltes. Für eine professionelle Lichtausstattung hatte das Budget dann aber doch nicht mehr gereicht, und so bot sich ein etwas kurioses Bild: Mehrere Overheadprojektoren warfen Bilder auf die Zeltdecke, auf die Bühne waren zwei Diaprojektoren gerichtet, vor denen der beschäftigte Lichtmann während des ganzen Konzertes (oder gar des gesamten Festivals?) mit der Hand bunt bemalte Drehscheiben bewegte.



Eigentlich waren wir aber nicht gekommen, um die Lichtausstattung zu bewundern, sondern um Motorama zu sehen. Die russische Band wird von allen Seiten hoch für ihre Liveauftritte gelobt, weshalb ich ziemlich gespannt war. Leider zog sich der Beginn des Auftritts aber ziemlich hin (wäre mir an dem Warpaint-Auftritt mehr gelegen, hätte es mich sicher geärgert, diesen umsonst früher verlassen zu haben), so dass ich letztlich nur ein paar Songs der Band hören konnte, bevor wieder der Aufbruch zum nächsten Konzert angesagt war, und auch keine Hinweise auf das anscheinend als exzentrisch bekannte Konzertverhalten des Sängers mitbekam.


Es war nämlich nun Zeit für das letzte Konzert des Abends, zur Abwechslung wieder im Palastzelt. Hundreds hatte ich beim ersten Maifeld Derby das erste Mal gesehen, und es ist eine der wenigen Bands, die mich ohne Vorkenntnisse ihrer Musik auf Anhieb mit einem Konzertauftritt schwer beeindruckt haben.


Meine letzte Begegnung mit der Band war erst einige Monate her, und das Setup der Bühne entsprach genau dem, was ich bereits in Köln gesehen hatte: Links ein Synthesizer“schrank“ für Philip, rechts Percussioninstrumente für den namentlich nicht bekannten Zusatzmusiker, als Dekoration aufrecht stehende Leuchtstoffröhren. Zuerst trat der Percussionist auf, dann kam Philip dazu, und erst nach einem Intro betrat auch Eva die Bühne. In Köln hatte sie ein schwarzes Kleid getragen, das beim Maifeld Derby war weiß, dazu hatte sie in der Garderobe offenbar den Glitzerlidschatten der Band Fenster vom Vortag vorgefunden.


Das Hundreds-Set dieses Abends enthielt im Gegensatz zum Kölner Konzert viele ältere Lieder, die tanzbarer als gewohnt umgesetzt waren. Obwohl der Abend mittlerweile weit fortgeschritten war, hatte sich das Zelt nochmals recht gut gefüllt, was Eva, ansonsten sehr wortkarg, erfreut anmerkte. Auch dieser Auftritt von Hundreds, mein insgesamt vierter, war wieder ein Vergnügen. Anschließend ging es nach schlappen acht Stunden Festival zurück ins Hotel.


Setliste:
Intro
Beehive
Rabbits On The Roof
Fighter
Aftermath
Happy Virus
Circus
Our Past
Let's Write The Streets
Grab The Sunset

Song For A Sailor

Links: Fallen angesichts der Bandfülle dieses Mal aus, andere Berichte lassen sich aber leicht über die Labels finden.

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht

Mittwoch, 26. März 2014

Hundreds, Köln, 20.03.14

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Konzert: Hundreds, DNKL
Ort: ARTheater, Köln
Datum: 20.03.2014
Dauer: DNKL ca. 25 Minuten, Hundreds ca. 90 Minuten
Zuschauer: ca. 120 (ausverkauft)






Ach, was kam ich mir am Donnerstag schlau vor! Von Frankfurt wollte ich nach der Arbeit direkt nach Köln-Ehrenfeld fahren, um dort die Hamburger Band Hundreds zu sehen, aber meine Kamera lag noch daheim in Montabaur. Kein Problem, ich schrieb schnell meinem Freund eine SMS, er möge die Kamera bitte einpacken, und dachte, die Sache sei erledigt.

Das war aber ein Trugschluss, denn als ich kurz, nachdem wir Plätze in der ersten Reihe des winzigen Konzertsaals im ARTheater ergattert hatten, ein Bild von der herumliegenden Setliste machen wollte, ließ sich die Kamera nicht anschalten - der Akku war nämlich zwar frisch geladen, aber ich hatte ihn daheim offenbar nicht zurück in die Kamera geschoben. Folglich gab es dann doch nur Handyfotos.


Um kurz nach 8 Uhr erklommen dann zunächst nicht Hundreds, sondern die dreiköpfige schwedische Band DNKL die Bühne. Die sehr jung aussehenden Musiker haben für Hundreds einen Remix gemacht, so lernte man sich kennen, und nun sind sie deren Vorband - wobei der Kölner Auftritt nach eigenen Angaben ihr dritter überhaupt war. Das Trio machte melodischen Synthie-Pop mit leisem Gesang, für mich als alten Depeche Mode-Fan durchaus angenehm. Die Single "Hunt" wurde als einzige mit Titel angesagt, beim späteren Recherchieren stellte ich dann feste, dass es der Song immerhin bereits geschafft hat, vom britischen "Guardian" vorgestellt zu werden. Die Band verwies am Ende des Sets darauf, dass man am Merchandise-Stand ihre CD kaufen könne, die jedoch nur zwei Titel enthielt. 


Hundreds, also das Geschwisterpaar Eva und Philip Milner, hatte ich bereits zweimal live gesehen, einmal beim Maifeld Derby und später nochmals in der Frankfurter Brotfabrik. Damals gab es von den beiden nur ihr Debütalbum, mit dem sie sehr ausgiebig auf Tour waren, nun erschien vor wenigen Tagen das Nachfolgealbum "Aftermath". Diese zeichnet sich anders als der Vorgänger "Hundreds" durch eine "natürlicher" klingende Instrumentierung aus - neben Synthesizern und Evas Stimme hört man nun auch häufig Bläser, Streicher oder auch Backgroundgesang. 

Wir warteten also gespannt, ob Hundreds die winzige Bühne vielleicht mit einer stark erweiterten Band erklimmen würden, tatsächlich hatte das Duo aber nur einen Zusatzmusiker dabei, der sich hauptsächlich um die Percussion kümmerte. Der Rest der Instrumente kommt also live nach wie vor aus dem Synthesizer, aber wer weiß: Hundreds touren nun ja sicherlich wieder länger, und vielleicht ändert sich das Live-Lineup ja im Lauf der Zeit noch, denn möglicherweise stehen im Laufe des Jahres ja auch noch größere Hallen auf dem Plan.


Bei den beiden früheren Konzerten hatte Eva stets einen asymmetrischen Overall und ein Cape getragen, außerdem war sie immer barfuß gewesen. Auch an diesem Abend blieb sie barfüßig*, trug aber nun ein schwarzes Kleid mit weißen Umsäumungen. Das bekamen wir aber erst nach dem instrumentalen Intro zu sehen, das Philip und der unbekannte Zusatzmusiker allein spielten, erst dann betrat Eva die Bühne - ich erinnerte mich, dass das bei früheren Konzerten auch schon so abgelaufen war.

Die Bühne des ARTheaters war mit aufrecht stehenden Neonröhren dekoriert, die jeweils mit einem schwarzen Stoff überzogen worden waren. Zu einigen Songs gab es zusätzlich Projektionen, etwa Kisten bei "Happy Virus", in dessen Refrain ja von "happy little boxes" die Rede ist. Dazu kamen Evas Tanzeinlagen, die sich gegenüber den vorangegangenen Auftritten stilistisch nicht sehr verändert haben, wobei ich glaube, dass jeder Song seine eigene Choreographie hat.


Die Setliste dieses Abends, den Eva als "Record Release Party" bezeichnete, wurde selbstverständlich, vor allem in der ersten Hälfte, von "Aftermath" bestimmt. Altbekanntes wurde auch gespielt, aber häufig neu interpretiert dargeboten, so klang etwa "Fighter" deutlich anders als auf dem ersten Album. Später sang Philip bei "Grab the Sunset" mit - ich konnte mich nicht erinnern, das bereits in der Vergangenheit erlebt zu haben. Die neuen Songs "Rabbits on the Roof" und "Please Rewind" hatten wir, obwohl sie erst auf "Aftermath" veröffentlicht wurde, auch bei früheren Konzertbesuchen bereits live gehört.

Die Kommunikation mit dem Publikum fiel wie gewohnt freundlich, aber eher spärlich aus. Lediglich, als sich vor "Happy Virus" zeigte, dass irgendetwas nicht richtig angeschlossen war, erklärte Philip kurz "Ich muss da was nachsehen" und unterbrach so den Ablauf. Eva fragte ins Publikum "Hm, hat vielleicht jemand eine Frage?", worauf prompt "Seit wann kann Philip sprechen?" zurück kam. Eva entgegnete: "Weiß ich nicht so genau, mit mir spricht er auch nicht so viel!" und Philip ergänzte: "Ich rede nur, wenn es ein Problem gibt." Diese ließ sich aber zum Glück durch ein weiteres Abtauchen hinter den Synthesizerschrank beheben.


Als letzte Songs kündigte Eva noch zwei ruhigere Songs an, nämlich "Foam Born", eine Komposition von Touchy Mob - den ich nur deshalb kenne, weil er in der Brotfabrik im Vorprogramm von Hundreds aufgetreten war - und "Stones". 

Nach dem regulären Set gab es noch zwei Zugaben, insgesamt drei Songs vom ersten Album. Zunächst wurden "Song For A Sailor" und "Let's Write The Streets" dargeboten, dann kehrten Eva und Philip noch für "Little Heart" zurück.

Auch mit ihrem neuen Album wussten Hundreds live zu überzeugen, was auch das restliche Publikum so zu sehen schien, denn es gab viel Applaus und "Circus" wurde mit dem Zwischenruf "Wunderbar!" bedacht. Trotz der weiten Entfernung von Köln zu Hamburg schienen auch viele Bekannte der Musiker anwesend zu sein, denn diese wurden vor und nach dem Auftritt von einigen, vor allem auch älteren Gästen umarmt.

Ich werde Hundreds in etwa zwei Monaten beim Maifeld Derby wiedersehen und bin schon gespannt, was es dann zu sehen und hören gibt.

Setliste Hundreds, ARTheater, Köln:

Intro
Aftermath
Fighter
Beehive
Circus
Ten Headed Beast
Our Past
Please Rewind
Rabbits On The Roof
Happy Virus
Grab The Sunset
Foam Born
Stones

Song For A Sailor
Let's Write The Streets

Little Heart

* Im TV Noir-Interview erklärte Eva, dass sie immer barfuß auftritt, weil sie sonst das Gefühl hat, umzukippen, wenn sie die Augen schließt.

Links:
- aus unserem Archiv:
- Hundreds, Maifeld Derby, 21.05.11
- Hundreds, Frankfurt, 14.11.11

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht




Dienstag, 15. November 2011

Hundreds, Frankfurt, 14.11.11

1 Kommentare

Konzert: Hundreds
Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 14.11.2011


Alles voller Mädchen: Hundreds in der Frankfurter Brotfabrik
von Ursula von neulich als ich dachte

"So bekommt man also diese Brotfabrik voll", dachte ich mir gestern Abend überrascht, als wir beinahe pünktlich zum Konzert des deutschen Elektroduos Hundreds eintrafen. Momentan finden mehr und mehr Konzerte in diesem Konzertsaal im abgelegenen Hausen statt, und egal, ob ich dieses Jahr nun bei Dear Reader, Dan Mangan oder Gruff Rhys war: Die Zuschauerzahl schwankte stets nur zwischen "peinlich leer" und "sind ja doch noch einige gekommen". Gut, von gequetschter Enge konnte man gestern - zum Glück - immer noch nicht sprechen, aber so voll hatte ich den Raum noch nie erlebt.

Und noch etwas fiel beim Blick auf die Zuschauer sofort auf: Junge Frauen waren heute ganz klar in der Mehrheit und stellten etwa zwei Drittel der Zuschauer(innen) dar. Während die "Vorband", der Solokünstler Touchy Mob, auftrat, quakten alle noch munter durcheinander, was nicht sonderlich schlimm war: Der extrem bärtige, extrem topfschnittige Künstler beeindruckte eigentlich nur durch den Kontrast zwischen seiner Optik (definitiv ein Folkmusiker) und seiner Musik (Synthesizergefrickel). Seine Lieder wirkten dabei so, als würde er sie soeben spontan komponieren. Lustig war allerdings die Selbstvorstellung: "Hallo, ich bin Touchy Mob und schlafe bei Hundreds im Bus!"

Hundreds selbst hatte ich dieses Jahr - damals glaube ich, ohne ihr Album zu kennen - bereits beim Maifeld-Derby gesehen und war angenehm überrascht von der gleichermaßen so "unkühlen" Elektromusik gewesen. Oft haben Synthesizer-lastige Bands in meinen Augen das Problem, dass ihre Musik live einfach sehr distanziert wirkt (um noch einen Link zu setzen: Ladytron wären ein Paradebeispiel) - bei Hundreds ist das nicht so.

Zu Beginn war vieles ähnlich wie beim Maifeld-Auftritt: Phillip eröffnete zunächst allein das Konzert mit „Intro“ (einer langgestreckten Variation von „Walking On Rails“) zu Evas gesampelter Stimme, dann betrat seine Schwester persönlich die Bühne und trug den gleichen, asymmetrischen Overall (Ob sie von denen wohl eine ganze Kleiderstange voll hat?) und darüber ihr gefaltetes Kapuzencape, das sie nach den ersten paar Liedern fortwarf. Philipp blieb hinter seinen Instrumenten und überließ die Publikumsbespaßung Eva. Allerdings waren die Geschwister Milner dieses Mal allein auf der Bühne: In Mannheim hatten sie zwei Schlagzeuger dabei gehabt. Hinter der Bühne wurden verschiedene Muster und geometrische Formen auf die Wand projiziert.

Vielleicht wegen der optischen Ähnlichkeit war ich zu Beginn des Auftritts ein wenig skeptisch: Die sicherlich einstudierten Barfußtänze kannte ich ja nun bereits, und da Hundreds erst ein Album veröffentlicht haben, war auch klar, dass die Setliste ähnlich sein würde. Musste man das wirklich zweimal sehen?

Man musste, denn dieser Abend entwickelte schon bald seinen eigenen Reiz: Dadurch, dass ich das Album mittlerweile recht gut kannte, konnte ich auch erkennen, dass die Live-Versionen verschiedener Lieder anders waren als auf Platte - zum Beispiel wurde „Grab The Sunset“ deutlich länger und beatlastiger dargeboten. Dann war da noch das intensiv (und schweigend) lauschende Publikum und die über die Begeisterung sichtlich gerührte Band. Live konnte man außerdem nochmals feststellen, dass Frau Milner wirklich gut singen kann. Und schließlich wurden mit "Please Rewind" und "Rabbits To The Roof" auch zwei Songs gespielt, die sich nicht auf dem Debütalbum befinden.

Bei der ersten Zugabe kam Eva zunächst allein auf die Bühne und nahm den bis dahin verwaisten zweiten Synthesizerplatz ein - so begleitete sie sich zu "Winding Road" selbst. Sehr schön war auch der Moment, als sich am Ende des als Piano-Ballade dargebotenen "Little Heart" Bruder und Schwester kurz gegenseitig ansangen.

Als nach der zweiten Zugabe endgültig Schluss war, konnte man sich am Merchandise-Stand unter anderem - etwa drei Wochen vor dem Verkaufsstart - das neue Hundreds-Werk kaufen - bei dem es sich allerdings lediglich um Remixe und Coverversionen der Lieder vom Debütalbum handelt, die unter anderem Get Well Soon, Bodi Bill und Touchy Mob aufgenommen haben.

Setlist Hundreds, Brotfabrik, Frankfurt:

01: Intro
02: Please Rewind
03: Wait For My Raccoon
04: Machine
05: Fighter
06: I Love My Harbour
07: Rabbits To The Roof
08: Song For A Sailor
09: Happy Virus
10: Let's Write The Streets

11: Winding Road (Z)
12: Grab The Sunset (Z)

13: Little Heart (Z)




 

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