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Dienstag, 11. August 2026

Haldern Pop Festival 2026, Rees-Haldern, 05.08.-08.08.2026

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Konzert: Haldern Pop Festival
Ort: Rees/Haldern
Datum: 05.08.-08.08.2026
Dauer: 4 Tage
Zuschauer: fast ausverkauft



Zum bereits 43. Mal lädt das Dorf am Niederrhein die Welt zu sich ein. Unter  dem Begriff "Pop" wird seine ganz eigene Sicht des diesjährigen Status Quo präsentiert. 

Als einer der Headliner für die drei vollgepackten Tage dieses Vorhabens wurden "The Notwist" ausgewählt. So vorhersehbar und logisch diese Wahl erschien, es steckt etwas mehr dahinter.

"The Notwist" spielen am Freitagabend ein wirklich epochales Konzert auf der Mainstage. Die Band besteht seit 1989, also fast 37 Jahre. Das klingt weder Hip, noch spannend. Genau wie das Festival hat aber auch die Band diverse Häutungen in den ganzen Jahren durchlaufen. Früher wild und ungestüm, dann voller Experimentierfreude und Überraschungen. Es folgten ruhigere Phasen und auch etwas orientierungslos mäanderte es einige Weile vor sich her, bevor es seit der Corona Zeit wieder künstlerisch und live steil bergauf geht. 

1000 Stile, 1000 Melodien, 1000 Talente. Das verbindet diese beiden Lieblingsprojekte. 


Ich weiß nicht, ob "Geordie Greep" (der ehemalige Sänger von "Black Midi") vom Backstage des Spiegelzeltes am Nachmittag schonmal sehen wollte, wer da vor ihm so auftritt. Er hätte vermutlich geschmunzelt, als die Schweizerin "Nathalie Fröhlich" dort ihre ganz eigene Version von Pop präsentierte. 

Das Publikum, wenn auch nicht identisch, feierte beide Auftritte wie eine Messe. Die Eine auf der Bühne im Bikini, die Anderen in gebügelten Hosen und Hemden. 

In der Frage, was Pop ist, zählt für das Haldern Festival nicht, ob es im Studio einen Glücksfall gab oder ein Produzent einen Song zum Hit destilliert hat. 


Wer in Haldern auftreten darf, ist auf der Bühne zu Hause. Er wird jedes Publikum überzeugen, egal ob als ausufernder Prog-Rock oder Solo am Piano in der Kirche. So wächst das Festival immer mehr in der stilistischen Breite, statt auf überteuerte Headliner und mehr Zuschauer zu schielen.

Das macht es aber auch so schwer, neue Besucher*innen für einen Besuch zu begeistern. In der deutschen Monokultur der Festivals muss es eine klare Erzählung geben. Wo Genregrenzen überschritten werden, gibt es oft Unmut und Schulterzucken. 


Wer aber einmal erlebt hat, wie bereichernd es sein kann, hierzulande noch fast unbekannte Acts wie "Heidi Curtis" (Americana Rock), "Erotic Secrets of Pompeii" (Artrock), "Nectar Woode" (Soul) und "Sara Parkman" (Folk aus einer anderen Welt) innerhalb von nur drei Stunden zu erleben, der kann am Zeltplatz viel berichten und zehrt noch lange davon.  


Und so lohnt es sich in den Tagen nach dem Festival noch einmal tiefer in die Playlisten der tollsten Auftritte zu versinken, und die gewonnenen Eindrücke zu vertiefen. "Friko", mit ihrem hymnischen, melodischen und mitreißenden Sound zum Beispiel. Oder die unglaublich talentierten Songschreiber*innen des Kollektivs von "Ugly". Und natürlich, der mit Ansage tolle Auftritt von "Westside Cowboy", deren Platte erst in den nächsten Tagen erscheint. Viele  Vorschusslorbeeren wurden schon verteilt.

Und auch das ist nur in Haldern möglich: "Bonnie Prince Billy", eigentlich gesetzt für den späten Abend auf der Hauptbühne, spielt lieber mittags in der Dorfkirche. In früheren Jahren hätte so eine Entscheidung noch viele Diskussionen in der Community des Festivals ausgelöst. Mittlerweile gibt es so viel anderes zu bestaunen, das die meisten Besucher*innen davon kaum Notiz nehmen müssen.


Für die Postrock Fraktion und die tanzende Meute gab es ebenfalls genug zu erleben. Mit "chest.", "the 113", "Adult DVD", "Bleech 9:3" und vielen mehr, waren fast alle vielversprechenden Bands dieses Jahres am Start.

Dazu die Bands der mittlerweile schier unermüdlichen Talentschmiede des Windmill Club in Brixton. Hier dürfte das Haldern Pop schon lange ein geflügeltes Wort sein. Neben den Headlinern von "Black Country, New Road" schauten dieses Jahr auch ein weiterer "Black Midi " Ableger: "My New Band Believe" (Post-Pop), "1000 Rabbits" und der DJ "Mount Palomar" vorbei. 


Warum dieser mit gleich zwei prominenten Sets, sowohl im Spiegelzelt als auch auf der Hauptbühne bedacht wurde, ist mir allerdings unklar. Während der Auftritt im Spiegelzelt noch intensiv und frisch daherkam, wirkte es auf der großen Bühne dann doch etwas beliebig.

Über die üblichen Beschwerden bei anderen deutschen Festivals braucht man hier gar nicht erst reden. Bis auf etwas Stau bei der Anreise, leistete die größtenteils ehrenamtliche Crew wieder ganze Arbeit. Der Verzicht auf das sonst übliche Becherpfand war sehr entspannend und auch das etwas größere Spiegelzelt klang wesentlich besser und fasste ca. 300 glückliche Besucher mehr pro Konzert.


Und dann war da noch der Auftritt von "The Itch" am Samstagnachmittag. Die Band war live noch nicht ganz an dem Punkt, wo Viele sie bereits verorten, aber in ein paar Jahren werden wir uns erzählen, sie in Haldern schon 2026 gesehen zu haben. 

Wie so viele andere Geschichten, die nur ein Festival schreiben kann, das keine Melodie, kein Genre und kein Talent auslässt.

Schöner als "The Notwist" in ihrem Song Teeth kann man es nicht beschreiben: "I won`t sing in vain like all the others".  


Wir sehen uns zum 44. Mal in Haldern vom 11.08.-14.08.2027. Kauft früh eure Tickets und alle bringen eine*n Freund*in mehr mit.    

Spread the word !

Mehr Fotos schon jetzt und in den nächsten Tagen auf Instagram: Konzerttagebuch / folgt uns.... 


Mittwoch, 8. September 2021

Maifeld Derby 2021, Mannheim, 03.-05.09.2021

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Konzert: Maifeld Derby 2021
Ort: Mannheim Reitstadion
Datum: 03.-05.09.2021
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: täglich ca. 1.500


„Der nächste Song handelt von Spaghetti, denn Spaghetti sind ziemlich toll“...Mit dieser liebenswerten Einleitung zu ihrer neuen Single bringt die luxemburgische Künstlerin C`est Karma, das positives Lebensgefühl des Wochenendes auf den Punkt. 


„Toll“ sind nämlich auch Festivals und so langsam nimmt die Branche wieder Fahrt auf. Der Weg zur Jubiläumsausgabe des „Maifeld Derby“ (wenn auch unter Corona- Bedingungen) glich eher einem 3-fachen Ochser als einer flüssigen Dressur (um mal bei den beliebten Pferdevergleichen zu bleiben). Verschiebungen, Absagen, Crowdfunding und andere Hilfen führten aber am Ende doch zum Ziel. Das Festival konnte also, wenn auch mit extrem kurzer Vorlaufzeit, stattfinden. 

Not macht erfinderisch; großes Palastzelt raus, Stühle und neue Bühne am Reitplatz rein. Viel war von den notwendigen Corona-Maßnahmen durch das straffe Programm und die clevere Umsetzung zum Glück nicht mehr zu spüren. Lediglich außerhalb des Sitzplatzes war noch eine Maske notwendig. Ansonsten galten die üblichen 3G-Regeln und das Einloggen mit Luca und Sogar Camping war möglich. Musikalisch gab es viel zu erleben. 

Das Maifeld Derby steht seit Jahren für musikalische Breite. Stilgrenzen werden gedehnt, „Scheuklappen“ gibt es nicht. 

Auffällig waren in diesem Jahr Bands und Künstler: innen, die nah am deutschen Schlager musizieren. Edwin Rosen und Dagobert wagen den Spagat, bringen aber dafür auch schon am Nachmittag das jeweils zahlreiche Publikum zum Tanzen (natürlich nur am eigenen Platz). 


Der Sound von Sofia Portanet ist da variabler. Zwischen 80er Pop, französischem Chanson und rockigeren Tönen zeigt sie, ebenfalls am Freitag, einen starken Auftritt. Genau wie Alex Mayr auf der zweiten, kleineren Biergarten-Bühne. Ihre im Studio mit tollem Wall-of Sound eingespielten Songs führt sie hier in intimeren, etwas schrofferen Tönen auf. Lediglich mit Bass und Schlagzeug als Begleitung verlieren die Stücke aber fast nichts von ihrer traumhaften Leichtigkeit. Besonders „Geisterbahn“ gewinnt live nochmal an Intensität. 



Weitere Gewinner des Freitags sind Schubsen aus Nürnberg mit ihrem charismatischen Frontmann Robert Krupar und punkigen Klänge sowie natürlich Cari Cari aus Österreich. Die beiden überraschen die Zuschauer mit einem elektrischen Didgeridoo und staubigen Wüstensounds (a la Tarantino) und machen den Reitplatz bei praller Sonne zur Westernstadt. 


Lewsberg aus den Niederlanden dagegen haben ihren Sound etwas verändert. Geige statt Schlagzeug macht die Songs etwas ruhiger und der brachiale Sound der Hauptbühne, auf der Drangsal seine rote Latexmaske zur Schau stellt, macht es nicht leichter ihnen zu folgen. 



Am Samstag überzeugt die Hauptbühne dann mit vier starken Auftritten: Zunächst Anika , die betont unterkühlt, mit bewusst unverständlichen Ansagen, der Sonne trotzt. Am Bass brilliert Jil März von der Band Gurr . Danach Sophia Kennedy mit Songs ihres starken, neuen Albums „Monsters“ und einer fantastischen Ausstrahlung, gefolgt von den gefeierten Efterklang , die Hit an Hit reihen. Sänger Caspar Clausen bekommt das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht, soviel Lust hat die Band, wieder auf der Bühne zu stehen. Ein bewegender Auftritt, der beide Seiten strahlend zurücklässt. 



Headliner am Samstag ist dann noch Sophie Hunger , der man in diesem Jahr als Konzertgänger wohl nur schwer entkommen kann. Sie verwandelt ihre Songs von Tour zu Tour mit wechselnder Besetzung ihrer Musiker: innen immer wieder neu. Dieses Mal sind gleich 5 weitere Sänger: innen dabei und schaffen ein wohlige Atmosphäre zwischen Musical und Gospel. Echte Emotionalität soll hier in jeder Phase kreiert werden, mich packt es an diesem Abend leider nicht.



​Am Sonntag wird es dann noch heißer. Zur Mittagszeit bleiben viele Zuschauer auf den Rängen der überdachten Tribüne, was ein großes Loch zwischen Bühne und Rängen erzeugt. Die oben bereits erwähnte C’est Karma bleibt trotzdem cool, auch wenn ihr Laptop mit Sonnenstich aufgibt und sich alles gegen Sie zu verschwören scheint. Ihre Songs sind großartig und hoffentlich hat Sie in naher Zukunft mehr Glück, sich bei großen Festivals zu beweisen.


Erste Jubelrufe und wilde Tanzeinlagen folgen dann bei Dagobert , der hat netterweise seinen Freund Kai Shanghai dabei, dessen einsamer Hit „Ananas“ zum Running Gag des Tages wird. Im Biergarten schwitzen drei junge Bands aus Österreich hintereinander: Culk , Dives und Oehl


Danach senkt sich die Sonne über dem Reitplatz und das große Finale steht an. Besser hätte der Booking-Gott es nicht planen können. De Wolff aus den Niederlanden lassen endlich auch mal die Gitarren krachen. Ähnlich wie bei den Hives stehen hier nicht die Songs, sondern die Performance im Vordergrund. Und die ist, vom roten Cord-Anzug des Sängers bis zum Gitarrensolo, das hinter dem Rücken gespielt wird, perfekt. 


Und dann sind da noch The Notwist , die dem Ganzen die musikalische Absolution erteilen. In einem wilden Ritt durch die Bandgeschichte, erzeugen sie einen Sog aus Sounds, Licht und Melodien, denen sonst wirklich nur Radiohead oder LCD-Soundsystem so auf die Bühne bringen. 


Ein wirklich würdiger Abschluss eines tollen Wochenendes, das mit dem ruhigen und bezaubernden „Consequence“ ein Ende findet. Für das nächste Jahr wird laut Veranstalter schon fleißig am Line-Up gebastelt. Bald soll es bereits Infos zum Ticketverkauf für 2022 geben. Die Vorfreude steigt bereits. 

Alle Fotos: Michael Graef

















 


Mittwoch, 21. Dezember 2016

Lieblingsplatte-Festival / The Notwist, Düsseldorf, 12.12.2016

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Konzert: The Notwist
Ort: ZAKK-Düsseldorf /Lieblingsplatte-Festival 
Datum: 12.12.2016
Dauer: ca.120min
Zuschauer: 800 ausverkauft



Düsseldorf entwickelt sich in den letzten Jahren immer mehr zur Ideenschmiede für neue Festivalkonzepte. Neben dem "New Fall Festival" und dem besonders schönen Freiluftevent "Open Source", dehnt das "zakk" nun die Festivalzeit endgültig von Januar bis Dezember und präsentiert das neue "Lieblingsplatte-Festival". 

Eine ganze Woche stellen deutsche Künstler ihre "wichtigsten" Alben auf der Bühne komplett vor. Wer den Booking-Aufwand für normale Konzerte kennt, kann nur ahnen, wieviel Arbeit und Überredungskunst hier nötig sein durfte, um diese Konzertreihe stemmen zu können.

Die meisten Alben wurden so noch nie auf die Bühne gebracht und entfalten aber gerade durch die noch nie, oder selten gehörten Tracks eine ganz neue Dimension und erinnern an die Hörgewohnheiten früherer Jahre. Gerade bei Notwists "Neon Golden" schießen sofort Gedanken durch den Kopf . Wo und wann hat man dieses Album eigentlich immer gehört ?

Die "Hits" sind bekannt, aber bei den selteneren Songs kommt die Erinnerung erst langsam wieder. "The Notwist" sind eine der wenigen Bands, die ihr Album bereits komplett in dieser Form aufgeführt haben, trotzdem schadet es dem Konzert überhaupt nicht. 

Wiederholung ist für die Band ja noch nie eine Option gewesen und daher ist sowieso jeder Auftritt der Weilheimer eine Premiere. Hier beginnen sie mit dem kompletten Album, allerdings in veränderter Reihenfolge und schnell wird klar, warum diese Band bis heute nichts von ihrer Spannung verloren hat. 

Perfekt eingespielt, nach einer langen Tour und dem gerade erschienenen Live-Album, ist die musikalische Bandbreite fast unerschöpflich. Etwas weniger Gitarren sind im ersten Teil zu vernehmen, doch das ändert sich nach dem Ende von "Neon Golden" schlagartig. 

Wer vermutet hatte, es würde bei dem vorzustellenden Album bleiben, sah sich zum Glück getäuscht. "The Notwist" traten in großartiger Spiellaune an und kamen am Ende auf fast zwei Stunden Spielzeit. 

Auch wenn Markus Acher immer noch aussieht wie der Anti-Frontmann einer Band ist seine Leistung für die deutsche Musikszene, elektronische Sounds und Indierock zu vereinen, unbezahlbar. 

Es muss an diesem Abend oft an Radiohead gedacht werden, so wie er wahlweise die Gitarre bearbeitet und dann wieder, anscheinend gedankenverloren, die traurigsten Liebeslieder in sein Mikro haucht.

Fast alle Hits folgen noch, "One dark love Poem und "Kong" füllen die Halle mit perfekten Arrangements und großartigen Melodienfolgen und entlassen die Besucher mit einem warmen Gefühl im Bauch in die triste Dezember Nacht. 

Den Veranstaltern ist hier ein großer Wurf gelungen. Wenn das Konzept im nächsten Jahr evtl. noch um internationale Acts (Afghan Whigs, Mercury Rev o.ä. würden sich anbieten) erweitert werden kann und auch die Möglichkeit einer Art "Dauerkarte" geboten würde, wäre alles perfekt.


Freitag, 21. März 2014

The Notwist, Köln, 20.03.14

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Konzert: The Notwist
Ort: E-Werk, Köln
Datum: 20.03.2014
Dauer: The Notwist 115 min, Jel 45 min
Zuschauer: nicht ausverkauft



Eigentlich wollte ich nicht zu diesem Konzert gehen. Nicht, weil ich Notwist oder ihr aktuelles Album nicht liebte oder eines der letzten Konzerte dämlich gewesen wäre, im Gegenteil! Allerdings war mir am Ende des Wiesbadener Konzerts von zwei Wochen eben auch klar, daß ich die Bayern kaum noch einmal besser sehen würde. Und, das ist so eine idiotische Musiknerd-Denke, wenn man ein überragendes Konzert gesehen hat, möchte man das ungerne mit einem schlechteren hinterher wieder verwässern. Weil ich aber manchmal über Dinge auch nachdenke, kam ich zu dem Schluß, daß auch ein etwas schlechteres großartiges Konzert eben immer noch großartig ist. Und überhaupt das Leben verflucht kompliziert wird, wenn man sich überall an die auf-dem-Höhepunkt-beenden Regel hält. Ich hätte dann nach dem Verschwinden von Fanta Apfel Anfang der 90er Jahre nie wieder Limonade getrunken und seit Häßler und Littbarski nie mehr FC-Spiele. Lange Rede kurzer Sinn, ich war natürlich da - sonst gäbe es ja auch keinen Anlaß für das hier - und gehe auch wieder hin. Beim nächsten Konzert vermutlich nur eine Ecke später.

In Wiesbaden wurden The Notwist von den tollen Aloa Input supportet. In Köln übernahm Jel diesen Part. Ich würde mich nie trauen, irgendetwas aus dem Notwist Umfeld blöd zu finden, dafür macht die Band einfach viel zu vieles richtig. Aber Jel (der u.a. mit The Notwist 13 & God bildete) war nichts für mich. Alternative Hip Hop ist kein Genre, in dem ich mich auskenne, daher weiß ich nicht, ob Jels Show objektiv gut war. Mich erinnerte ein Lied an Paul Hardcastle. Auch bei diesem Gedanken, kann ich nicht richtig einschätzen, ob das jetzt gut ist. Ich habe fasziniert auf Jels (Jeffrey James Logans) Hände geguckt und beobachtet, wie er damit den Liveteil des Beats erzeugte. Das beschäftigte mich während seines 45 minütigen Spiels recht gut.

Beim Konzert in Wiesbaden war mir neben der herausragend guten Form der Band vor allem aufgefallen, wie gut die Liveversionen der neuen Titel jetzt bereits sind. Schon beim Tourauftakt klang alles perfekt. 

Ich glaube, ich war schon hin und weg, als Markus Acher am Ende des ersten Stücks mit einem kleinen Glöckchen klingelte, das neben seinem Plattenspieler stand. 

Der Beginn war noch gleich wie vor zwei Wochen. Die drei neuen Stücke They follow me, Close to the glass und Kong, dann Boneless und Pick up the phone (vermutlich dafür gedacht, nach den drei unbekannteren Stücken, vertraute Töne zu spielen - vollkommen unnötige Sorge!) und anschließend das sagenhaft gute Into another tune, bei dem die Kirchenorgel schon toll, die erste Instrumentalphase aber einfach grandios ist! 

Spätestens da war das Konzert ein Rausch. Hinterher war zu lesen, die Stimmung im Publikum sei lahm gewesen. Ich hatte keine Zeit, darauf zu achten, ich war zu vertieft in die Musik - aber ich bin ja auch nur Fan. 

Zwei zusätzliche Stücke von Close to the glass standen in Köln auf dem Programm: Signals und 7 hour run. Daß auch nach dem ersten Zugabenblock mit dem Quasi-Medley Neon golden und Pilot (und Different cars and trains) noch keine Hektik geboten war, wusste ich von Wiesbaden. Da hatte die Band sieben Zugaben gespielt. Heute wurden es acht. Neu war My faults von 12, das, da waren wir uns hinterher einig, mit Puzzle das herausragende Stück des Abends war. 

Heute näherten sich die Bayern noch etwas mehr der 2-Stunden-Marke. Ich empfand das Konzert immer als kurzweilig und (vermutlich) keinen Deut schlechter als das in Wiesbaden. Es wäre also schon sehr dämlich gewesen, das auszulassen.

Setlist The Notwist, W-Werk, Köln:

01: They follow me 
02: Close to the glass 
03: Kong 
04: Boneless 
05: Pick up the phone 
06: Into another tune 
07: One with the freaks
08: This room 
09: One dark love poem
10: Signals
11: 7 hour drive
12: Run run run
13: Casino
14: Gravity

15: Neon golden (Z)
16: Pilot (Z)

17: Gloomy planets (Z)
18: Chemicals (Z)
19: Consequence (Z)

20: Puzzle (Z)
21: My faults (Z)
22: Gone gone gone (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:

- The Notwist, Wiesbaden, 24.03.14
- The Notwist, Wiesbaden, 24.02.14
- The Notwist, Düsseldorf, 03.10.12
- The Notwist, Düsseldorf, 03.10.12
- The Notwist, Frankfurt, 22.06.12
- The Notwist, Nijmegen, 22.01.12
- The Notwist, Paris, 20.01.12
- The Notwist, Köln, 14.04.09
- The Notwist, Hamburg, 23.08.08
- The Notwist, Melt!, 19.07.08



Foto: Archiv. Neue kommen.
 

Freitag, 28. Februar 2014

The Notwist, Wiesbaden, 24.02.14

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Konzert: The Notwist
Ort: Schlachthof Wiesbaden
Datum: 24.02.2014
Dauer: The Notwist 110 min, Aloa Input gut 40 min
Zuschauer: ca. 1300


Alle guten Dinge sind vier: The Notwist im Wiesbadener Schlachthof




The Notwist habe ich in den letzten Jahren bereits dreimal live gesehen, genauer gesagt in Frankfurt, Düsseldorf und beim Mannheimer Maifeld Derby. Obwohl mir die Konzerte stets gut gefallen haben, fand ich es immer eher schwierig, etwas Sinnvolles darüber zu schreiben. Nun habe ich meinen vierten Auftritt am vierten Veranstaltungsort erlebt, dieses Mal im Wiesbadener Schlachthof. Das Besondere dieses Mal: Die Band hat mittlerweile ein brandneues Album, Close to the Glass. Einiges daraus konnte man bei den letzten beiden Konzerten schon live auf der Bühne hören, aber jetzt ist das Material komplett und "offiziell". Zum anderen stellte Wiesbaden den Eröffnungstermin einer längeren Tournee da und bot somit quasi die "Premiere" der Platte nach ihrem Erscheinen.




Im Schlachthof begegneten wir zunächst einem altersmäßig etwas fortgeschrittenen Publikum und dann der Vorband Aloa Input. Die drei jungen Männer senkten nicht nur den allgemeinen Altersdurchschnitt, sondern hatten auch eine sehr nette Bühnendeko, die aus drei Aufstell-Leinwänden bestand, auf die Beamer Verschiedenes - wie einstürzende Hochhäuser, wachsende Blumen oder schwimmende Fische - projizierte. Cico Beck, Marcus Grassl und Florian Kreier waren jedoch selbst auf der sehr dunkel gehaltenen Bühne kaum zu erkennen.



Musikalisch wusste die Band auch zu unterhalten und erinnerte mit manchen Songs etwas an They Might Be Giants oder den noch folgenden Hauptact. Ihre Musik wird häufig mit dem Begriff "New Weird Bavaria", umschrieben, jedoch war die Live-Darbietung nicht so schräg und seltsam wie auf ihrem Debütalbum "Anysome". Einen ihrer Songs, "Rubbish", mussten sie allerdings zweimal anfangen. Nach ihrem Set sah ich Aloa Input am Bühnenrand stehen und begeistert den Auftritt der Hauptband beobachten.





Ich habe immer Probleme, wenn mich helle Lichter anblinken, das hatte aber leider vorab niemand The Notwist verraten. Die Bühne war zum einen mit Scheinwerfern dekoriert, die zu verschiedenen Zeitpunkten farbige "Lichtstreifen" an die Decke warfen. Farblich besonders stimmig bei "Neon Golden". Zum anderen gab es auch noch eine Art Stehlampen mit zeitweise blinkenden Leuchtdioden, die zwar eigentlich ganz gut aussahen, deren Licht bei Einsatz mich aber regelmäßig zwang, den Blick zu senken.





Dabei ist The Notwist ja durchaus eine Band, bei der es viel zu sehen gibt: Da werden zwischendurch (etwa bei This Room") Platten aufgelegt (sogar mehrere übereinander), zwei Geigenbögen parallel am Vibraphon eingesetzt, und selbstverständlich nutzte Martin Gretschmann, vor allem bei Titeln aus dem Album "Neon Golden", auch wieder seine modifizierten Wii-Controller zur Steuerung seines Equipments.





Nach den ersten Titeln "They follow me" und "Close to the glass", beide vom neuen Album, folgte mit "Kong" die aktuelle Single, die live beim Publikum sehr gut ankam und deutlich dynamischer war als in der Studio-Version. Wenig später wurde auch das neue "Into another tune" anders, weil sehr lang ausgespielt. Die Evergreens "Neon Golden" und "Pilot" flossen, quasi als Doppellied ohne Unterbrechung, ineinander über, wobei "Pilot" an sich auch munter zwischen der regulären Version und dem "Different Cars And Planes"-Remix hin und her sprang. Hier wurde es mitunter so elektronisch und beat-lastig, dass man sich an Underworld erinnert fühlte. Andererseits steigerten sich "Gloomy planets" und "Gravity" zu gitarrig-noisigen Höhepunkten und zeigten die andere Seite von Notwist auf.





Nach "Gravity" verließ die Band das erste Mal die Bühne, ließ sich aber bereitwillig zurückrufen und spielte noch drei weitere Songs, darunter das hinter mir sehr lautstark geforderte "Consequence". Andere Zuschauer hatten jedoch weitere Wünsche, die ich nicht so recht verstand. Als die Band abermals weggegangen und zurückgekehrt war (die geschriebene Setliste endete nach "Consequence"), wurden wieder besonders laut Liedtitel gerufen, in meiner direkten Nachbarschaft rief jemand "Spielt mal was Lautes, oder seid Ihr dafür zu alt??". Die Band war sichtlich unentschlossen und wechselte Blicke, schließlich sagte Markus Acher, man werde es versuchen (jemand im Publikum rief "Das ist wie Fahrradfahren!"), bei Textschwierigkeiten müsse das Publikum eben helfen. Es folgten mit den krachigen "One dark love poem" und "Puzzle" die mit 19 und 22 Jahren ältesten Titel des Abends. Die Band hatte mit der unvorbereiteten Darbietung, der sich noch "Chemicals" (auch schon 16 Jahre alt) anschloss, offenbar keinerlei Probleme, allerdings gefiel mir dieser Teil des Sets musikalisch am wenigsten - wobei mich die Spontaneität der Band sehr beeindruckte und das Konzert "besonders" machte.





Nachdem das Publikum nun immer noch nicht genug hatte, folgte als allerletzte Zugabe noch das wieder ruhigere "Gone Gone Gone" von "The Devil, You & Me", dann war endgültig Schluss. Wie gesagt, ich finde es immer schwierig, über Konzerte von The Notwist zu berichten, weil ich eigentlich nur ohne viele Worte sagen möchte, dass es prima war. War es nämlich wieder, dieses Konzert war vielleicht sogar mein bestes.




Setliste:

01: They follow me
02: Close to the glass
03: Kong
04: Boneless
05: Pick up the phone
06: Into another tune
07: This room
08: Gloomy planets
09: Neon golden
10: Pilot
11: Casino
12: Gravity

13: One with the freaks (Z)
14: Run run run (Z)
15: Consequence (Z)

16: One dark love poem (Z)
17: Puzzle (Z)
18: Chemicals (Z)

19: Gone gone gone (Z)


Fotos: Dirk von Platten vor Gericht

Links:

- aus unserem Archiv:

- The Notwist, Wiesbaden, 24.02.13 (Christophs Bericht)
- The Notwist, Düsseldorf, 03.10.12
- The Notwist, Düsseldorf, 03.10.12
- The Notwist, Frankfurt, 22.06.12
- The Notwist, Nijmegen, 22.01.12
- The Notwist, Paris, 20.01.12
- The Notwist, Köln, 14.04.09
- The Notwist, Hamburg, 23.08.08
- The Notwist, Melt!, 19.07.08


Bilder: Dirk von Platten vor Gericht

Dienstag, 25. Februar 2014

The Notwist, Wiesbaden, 24.02.14

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Konzert: The Notwist
Ort: Schlachthof Wiesbaden
Datum: 24.02.2014
Dauer: The Notwist 110 min, Aloa Input gut 40 min
Zuschauer: rund 1.300


 
"Am Anfang einer Tour brauchen die immer etwas, um richtig gut zu sein," sagte mir ein Freund, der seit 25 Jahren The Notwist Konzerte sieht. "Lass uns trotzdem nach Wiesbaden fahren!"

Im Schlachthof in Wiesbaden fand das Auftakt-Konzert der Notwist-Tour statt, die die bayerische Band quer durch Europa und anschließend Nordamerika führen wird. 


Meine Erfahrung mit Konzerten der Weilheimer ist weitaus geringer. Aber auch mir ist bewußt, aus wie vielen kleinen Elementen jedes einzelne Stück der Band besteht und wie schwierig es sein muß, diese in der Qualität, die The Notwist an jedes einzelne Fitzelchen ihrer Kunst anlegen, wiederzugeben. Mein kleinstes The Notwist Konzert bisher fand 2012 in Nijmegen statt (naja, beim Lüften-Festival waren auch nicht sehr viel mehr Menschen). Wir standen in dem winzigen Saal so nah an den Musikern, daß wir die immense Arbeit beobachten konnten, die notwendig ist, um die vielen kleinen Geräusche zu erzeugen, aus denen sich die Lieder zusammensetzen.

Als die ersten drei Lieder gespielt waren - They follow me, Close to the glass und Kong vom neuen Album - waren meine Bedenken weg. Die Notwist-Masterminds müssen mit sich zufrieden gewesen sein, alles klang perfekt! Von fehlender Routine mit dem neuen Material war nichts zu spüren. Der Abend würde also toll werden!

Und das wurde er, oh ja!


Die neue Platte, an der die Band 18 Monate gearbeitet habe, ist wieder einmal ein großer Wurf. Ein paar der Stücke sind seit einer Weile Teil des Liveprogramms (Casino z.B. und wahrscheinlich auch They follow me). Der Rest - vier weitere Stücke - überzeugten genauso. Ganz fantastisch ist Kong, mir gefiel aber Into another tune mit seinem unwiderstehlich treibenden Rhythmus und dem nochmal toller treibenden anderen Rhythmus am Ende am besten. Nicht unbedingt ein Stück aus der ersten Reihe aber eine sagenhafte Perle!


Nach dem Dreierblock zu Beginn kamen viele der großen Songs der neueren Band-Phase. Besonders auffällig dabei waren die ineinander gespielten Neon golden (dessen Liveversion mir nicht so gut wie ältere gefiel) und Pilot. Aber herausragend in dieser Konzertphase war das wunderschöne Gloomy planets.

Daß das alles schon ein solch großes Vergnügen war, liegt natürlich in allererster Linie an der Band. Der perfekte Sound und das tolle Licht sorgten aber dafür, daß deren Kunst nicht verpuffte. Ich war noch nie in der (nicht mehr ganz so) neuen Halle des Schlachthofs und sie begeisterte mich sofort. Das Rhein-Main-Gebiet ist nicht bekannt für gute mittelgroße Konzertsäle (die Stadthallen des Umlands sind gruselig!), die Wiesbadener Schlachthofhalle ist ein echter Qualitätssprung! Weil die Halle schön breit ist, staute es sich auch nicht so fies wie beispielsweise in der Live Music Hall oder schlimmer in der Essigfabrik in Köln.

Mit Gravity endete nach gut 65 min der erste Teil. Daß es Zugaben geben würde, war klar. Wie viel Spaß The Notwist dieser Abend offenbar bereitete, erst nach und nach. 

Es ging weiter mit One with the freaks, bevor mit Run run run das letzte neue Stück gespielt wurde. Run run run hat einen tollen Vibraphon-Beginn, überzeugte aber auch danach voll und ganz...! Danach noch Consequence und niemand wäre auch nur ansatzweise unzufrieden gewesen, wenn die Saalmusik angegangen wäre.


Aber die Bayern kamen zurück, wussten aber nicht recht, was sie spielen sollten. "Wir könnten ein älteres Stück spielen, das wir lange nicht gespeilt haben. Wenn ich den Text nicht mehr weiß, müßt ihr laut mitsingen," warf Sänger Markus Acher ein. Bruder Michael entgegnete "das ist doch wie Fahrrad fahren!" Das Lied - One dark love poem von Nook - funktionierte ausgezeichnet! Das ließ sie offenbar verwegen werden, es ging nämlich noch weiter. Mit Puzzle von 12 mit genauso vielen lauten Gitarren und Chemicals von Shrink. Und dann war Schluß. Jedenfalls für viele, die den Saal verließen. Da aber weder Licht noch fremde Lieder angingen, blieben wir und bekamen als siebte Zugabe das wundervolle Gone gone gone

Nein, The Notwist können auf dieser Tour nicht mehr besser werden. Aber jedes Konzert, bei dem sie halbwegs so gut wie beim Auftakt sein werden, ist ein grandioses!

Daß das extrem empfehlenswerte Phono Pop Festival in Rüsselsheim The Notwist am frühen Abend als Headliner bekanntgegeben hatte, war dann noch das Sahnehäubchen auf einem sagenhaften Eisbecher!

Setlist The Notwist, Schlachthof, Wiesbaden:

01: They follow me
02: Close to the glass
03: Kong
04: Boneless
05: Pick up the phone
06: Into another tune
07: This room
08: Gloomy planets
09: Neon golden
10: Pilot
11: Casino
12: Gravity

13: One with the freaks (Z)
14: Run run run (Z)
15: Consequence (Z)


16: One dark love poem (Z)
17: Puzzle (Z)
18: Chemicals (Z)

19: Gone gone gone (Z)

Vergessen habe ich noch die ausgezeichnete Vorgruppe Aloa Input, die mir viel Spaß gamecht haben und die hier besser beschrieben werden, als ich es könnte!

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Notwist, Düsseldorf, 03.10.12
- The Notwist, Düsseldorf, 03.10.12
- The Notwist, Frankfurt, 22.06.12
- The Notwist, Nijmegen, 22.01.12
- The Notwist, Paris, 20.01.12
- The Notwist, Köln, 14.04.09
- The Notwist, Hamburg, 23.08.08
- The Notwist, Melt!, 19.07.08



Dienstag, 4. Juni 2013

Maifeld Derby Tag 1, Mannheim, 31.05.13

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Meine Konzertauswahl:  
  Garda (35min), 
  Scout Niblett (45min), 
  Daughter (60min), 
  Sea & Air (45min), 
  Enno Bunger (50min), 
  The Notwist (80min)

Ort: Mannheim Reitstadiumgelände/Maimarkt
Datum: 31. Mai 2013 (Freitag, erster Festivaltag)




Ich bekenne: Ich habe für dieses Jahr Maifeld Derby ein Scheuklappenticket gekauft. Das heißt, ich habe den Organisatoren des Festivals blind vertraut.  Seit den allerersten Namen der Headliner bis hin zu dem später aufgemachten großen Sack Ankündigungen war ich großartig für dieses Vertrauen belohnt worden und freute mir ein Loch in den Bauch. Das einzige Problem in den drei Tagen würde wohl sein, dass ich nicht alle Bands sehen können würde, die ich wöllte, da sie auf zwei Areale verteilt zum Teil zur gleichen Zeit auf der Bühne sein würden (es gibt noch ein drittes Areal, da war zum Glück für mich keine Dopplung dabei). Nun gut, damit würde ich leben müssen - auch damit, dass das Festival wohl eigentlich nicht ganz in meine Wohlfühlgröße fällt. Dafür aber nah und mit der Aussicht, in der Regel nach Hause fahren zu können über Nacht. Und natürlich mit diesem grandiosen Lineup.


Über das Wetter rede ich hier explizit nicht auch wenn es am ganzen Freitag viele Dinge deutlich beschwerlicher machte. Im Großen und Ganzen kam ich noch gut davon und hatte für die Fahrradstrecken nur mit wenig Regen zu tun. Mein erstes Abenteuer mit Bezug zum Festival war es, mit meinem Fahrrad in den Zug einzusteigen (im ersten Versuch keine gute Tür erwischt, das aber beim nächsten Halt per Sprint korrigiert). Anschließend stellte ich mich der Herausforderung, den richtigen Weg von Mannheim-Neckarau zum Maifeld zu finden. Ich lade herzlich ein, sich das mal auf google maps anzusehen. Es sind keine 3 km, aber es liegen mehrere vierspurige Straßen, eine Autobahn und ein gigantisch breiter Güterbahnhof dazwischen. Zum Glück gibt es tatsächlich einen Radweg mit Brücken und Unterführungen, aber natürlich keine Ausschilderung und vor Ort sah alles doch etwas anders aus als ich nach den Bildern erwartet hatte. Ich muss aber einen sehr selbstsicheren Eindruck gemacht haben, denn an einer Ampel wurde ich von zwei anderen Radlerinnen angesprochen, ob ich den Weg zum Maifeldgelände wüsste. Zusammen haben wir das dann auch ohne große Umwege echt gut hingekriegt! 


Auf dem Gelände angekommen war ich positiv überrascht, dass es tatsächlich eine Art bewachten Fahrradparkplatz gab (mein Fahrrad war das Erste!) aber richtig durchdacht war es nicht, denn man konnte die Räder nur an die Gitterwand stellen und es war viel zu wenig Platz vorgesehen. Zum Glück war mieses Wetter, sonst hätte ich wohl mein Fahrrad abends nie wieder ausgegraben bekommen. Auch so wurde es tatsächlich eng! Einlass ging flott, aber es traf mich einigermaßen hart, dass ich mein Anglerhöckerchen (so ein superleichtes mini-Dreibein, das man eins-fix-drei wieder zusammenschiebt und dann ist es nicht größer als eine große Taschenlampe) aus Sicherheitsgründen nicht mit aufs Gelände nehmen durfte. Wie sollte ich bei dem Konzertmarathon bittesehr auch einmal verschnaufen können? Da trafen brutal zwei Welten aufeinander: Security (ich mach das schon 20 Jahre und bei Rock am Ring usw.) und ich (100 Konzerte pro Jahr und habe noch nie diesen Hocker abgeben müssen). Ich brauche nicht zu sagen, wer am längeren Hebel saß.



Auf dem Gelände war schon einiges los, obwohl gerade erst die erste Band (Waterford) ihr Set auf der Open Air Bühne begann. Superschön war es, gleich vielen bekannten Gesichtern zu begegnen, ein Schwätzchen zu halten, auch überrascht zu werden: Du hier! Darüber hinaus schon gleich viele Musiker im Publikum entdeckt. Und als Garda ihr Set begannen, war ich glücklich und angekommen und gespannt. Ich wusste von einer Unterwegsmeldung, dass sie heut zu viert spielen würden. Das war aber wohl nicht so geplant gewesen. Zwei Garda Musiker hatten sich der fiebrigen Rüsselpest ergeben müssen und die Viererbande auf der Bühne 

Kai Lehmann ~ Guitars, Vocals
Ronny Wunderwald ~ Drums, Percussions
Frank Heim ~ Guitars, Pedal Steel
Karsten Pretschner ~ Bass


musste nun erst recht beweisen, dass sie Open-Air-Festivaltauglich aufspielen können.  Mit einem regelrechten Trommelfanal gleich zu Beginn ließen sie daran auch keinen Zweifel und zeigten expressive Emotionen und Druck. Die mir ja gut bekannten Lieder wieder in einem neuen gut passenden Gewand! Die Ansagen und das Partyprogramm bekamen dafür nicht so viel Zeit eingeräumt, damit in die vorgesehenen 35 min möglichst viel Musik passte. Für sie selbst fühlte es sicher nur wie ein Kompromiss an, aber vor der Bühne war ich mit dem Auftritt als persönlichem Auftakt mehr als zufrieden. Es war schon mal eine sichere Bank: das Kommen hatte sich wirklich gelohnt! 

Setlist Garda
1) Chest
2) Upper lower water course
3) Oh Euphoria, my dear
4) A guilty conscience needs no accuser
5) Vessels
6) This city is ours
7) 00:00
8) State



Ich wollte dieses schöne Erlebnis auch nicht mit Stichproben anderer Konzerte zudecken, sondern blieb gleich vor der Bühne für die sehnlichst erwartete Scout Niblett stehen. Habe also den ganzen Umbau beobachtet und die Vorfreude wachsen lassen. Über den Auftritt hat Christoph einen ausführlichen Bericht verfasst, dem ich mich vollinhaltlich anschließen kann. Ich fand die 45 min auch sehr stark und sie werden mir in Erinnerung bleiben und zu weiteren Konzertbesuchen anstacheln. Sie ist eine eindrückliche Person mit zwar sehr kantigen und teilweise zornigen Liedern, aber darin doch nahbar und einladend.



Anschließend gab es meinen ersten Ausflug ins Palastzelt. Der erste Eindruck war einfach umwerfend und WOW. Bisschen dunkel vielleicht, aber ein toller Raum für Konzerte. Da konnte sich auch jeder einen genehmen Platz suchen und sich vor der Bühne drängeln oder mit Abstand zum restlichen Publikum aufstellen. Wirklich eine Supersache so ein Konzert im Zelt. Die Lobeshymnen auf Daughter singen hier im Konzerttagebuch ja auch andere laut und schön. Für mich war es mehr so ein: bei dieser Gelegenheit muss ich mir das wenigstens auch einmal anschauen. Es war ein guter Eindruck, aber für mich (auch im Vergleich zum gerade erlebten) nicht  mitreißend genug für ein Aufmerken. Wobei die Sängerin als Person schon auch für mich faszinierend anzusehen war.


Mein nächster Termin waren Sea & Air im sogenannten Parcours d'amour. Sie waren noch beim Soundcheck, aber ich konnte mir einen guten Platz unmittelbar vor der Bühne sichern. Oben wollte ich mir noch einen lokalen weißen Wein mit auf meinen Platz nehmen. Zum Glück hatte jemand Getränkebons übrig und hat mir die nötige Zahl weiterverkauft, dass der Plan umsetzbar war. Zu einer Wechselstelle im großen Gelände zurück zu laufen, kam unter den Tagesbedingungen gerade nicht in die Tüte...

Hier war er, der Moment, wo ich ganz selbstvergessen bei mir und der Musik sein konnte. Der persönliche Höhepunkt des Tages, der einen eigenen Bericht verdient. Noch ganz geflasht wollte ich hinterher warten bis die Massen die Tribüne verließen, um dann (heiß ersehnt!) Cocorosie im Zelt zu sehen. In der Zwischenzeit bauten Enno Bunger auf 


und ... auf einmal war mir nach sitzen bleiben. Schade um Cocorosie, aber schade auch um Enno Bunger und dass sich die Entscheidung für mich als richtig erwies, ist hier schon dokumentiert. Der Parcours mit Sitzplätzen und ohne drängeln war einfach zu schön und das Programm sowieso.


Ein bisschen wehmütig trennte ich mich dann währned des Soundchecks von Kat Frankie. Aber ich MUSSTE jetzt etwas essen. Seit 12 Uhr hatte ich nichts mehr gehabt und mittlerweile war es immerhin 22 Uhr. Leider war das kein guter Plan. Erst verwzeifelte ich fast darüber, im Dunkeln und im Schlamm den Ort für die Pfandrückgabe zu finden und dann stand am Essen so eine lange Schlange, dass ich bis zu The Notwist nicht mehr dran gekommen wäre. 


So drehte ich ab ins Zelt, sah noch bei den letzten Handgriffen des Soundchecks zu und ließ mich dann bei The Notwist einpuckern. Darauf hatte ich mich auch ganz besonders gefreut. Seit dem Konzert in Düsseldorf habe ich zumindest von der Neon Golden Scheibe viele Songs aus dem Kopf drauf. Nicht umsonst gab es hinterher eine Statusmeldung in meinem Freundeskreis: Vielen Dank für das schöne Mitgrölkonzert. Klingt erst einmal etwas seltsam, zumal die Live-Umsetzung noch viel frickeliger und Beat-lastiger war als auf der Konserve gewohnt. Zum Tageshöhepunkt wurde das Konzert dann aus mehreren Gründen doch nicht so recht. Erstens war ich wirklich kaputt und vermisste sehnlichst meinen Hocker. Zweitens waren ringsum viele Raucher, und drittens zu viele so angetrunken, dass sie sich vor lauter Freudentaumel vergaßen oder total hemmungslos durchs ganze Konzert schwatzten und lachten. Hinter mir stand einer, der mir jedes Mal direkt ins Ohr kreischte und mich ständig rumschubste. Er hat das einfach nicht mehr mitgekriegt. Ringsum schaute ich in viele selbstvergessene und glückliche Gesichter, aber mir war es einfach nur noch anstrengend.


Es ist nicht so einfach, ein ehrliches Fazit zu ziehen, das nicht nur Plattitüden liefert, und trotzdem nicht kleinlich wirkt. Vielleicht so viel: Die Fahrt nach Mannheim hat sich an diesem Tag mehr als gelohnt. Dafür ein riesiges Dankeschön an die Organisatoren! Als Kleinode für das ganze Konzertjahr bleiben sicher meine beiden Shows im Parcours d'amour. Dazu hat mir das Festival den persönlichen Gefallen getan, endlich Scout Niblett zu sehen und sie hat ein wirklich tolles Konzert gespielt. Dazu ein Wiedersehen mit Garda (bisher immer Highlight-Garant) in toller Form. Und die ersehnten The Notwist. Kein einziger Timeslot blieb nicht aufs beste musikalisch gefüllt - echt nur Qual der Wahl.

Andere Sachen waren nicht so gut. Eigentlich hat man als normaler Mensch wirklich keine Chance, das ganze Lineup zu sehen, weil es keine Möglichkeit gibt, sich zwischendurch mal zu verschnaufen. Auf den Boden setzen war nun mal leider keine wirkliche Option. Im Ernst hätte ich mir The Notwist eigentlich schenken können, weil ich total kaputt war. Das klingt jetzt sehr kritisch. In Wirklichkeit ist es ja so, dass die meisten total geflasht und glücklich dastanden und eine Aura des Glück um sich hatten, die einfach nur ansteckend war. Aber es reicht dann ein Idiot auf 20 Leute, der rücksichtslos ist und das nicht merkt und auch auf Hinweise nicht mehr reagieren kann und meine Aura des Glücks ist dahin. 

Zweite Kritik betrifft Essen und Trinken. Durch das sagenhafte Lineup bleibt eigentlich keine Zeit dafür. In keinem Fall aber bleibt Zeit, um sich an eine riesige Essens-Schlange anzustellen oder im Dunkeln mit einem Pfandbecher durch knöcheltiefen Matsch sinnlos herumzulaufen um herauszufinden, wo ich den wieder los werde.

Mehr Maifeld Derby 2013 aus unserem Archiv:
Gudruns Bericht Tag 1
Gudruns Bericht Tag 2
Gudruns Bericht Tag 3
Thees Uhlmann (Tanita)
Útidúr 
Kevin Devine (Christoph) 
Enno Bunger
Daughter (Christoph)
Scout Niblett (Christoph)
es folgen noch Berichte zu The Notwist, Efterklang und Sea & Air
 
Weitere Fotos vom ersten Maifeld Derby Tag:


 

Konzerttagebuch © 2010

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