Montag, 20. August 2007

Wolke & Locas in Love, Köln, 19.08.07


Konzert: Wolke & Locas in Love (c/o pop)

Ort: Köln Rheintriadem
Datum: 19.08.2007
Zuschauer: jeweils etwa 80

Die Veranstaltung der c/o pop, des "urbanen Festivals für elektronische Musik, Indie, Pop- und Clubkultur" (großartiger Name! Hoch lebe die zuständige PR Agentur! Vor allem der bewußt fehlende Bindestrich nach Indie ist toll, also als Aussage!), die mich im Vorfeld am meisten interessiert hat, war die "Clubnacht IndieCityNight" (s.o.). Denn da sollten neben einigen anderen interessanten Bands Locas in Love auftreten, die ich bisher noch nicht gesehen habe, deren Platten mich aber vollkommen begeistern.

Stattfinden sollte diese Clubnacht (usw.) in der Festivalzentrale Rheintriadem, einem neoklassizistischen, ehemaligen Bahngebäude auf der anderen Straßenseite des neogeschmacklosen Musicaldoms, in dem gerade passend das Queensingspiel läuft. Das Gebäude ist erwähnenswert. Natürlich ist die Fassade schon eindrucksvoll. Auch Anfang des
letzten Jahrhunderts verstanden die Bahnchefs offenbar, sich bescheidene Baudenkmäler zu errichten. Innen ist nicht mehr viel des ehemaligen Glanzes vorhanden. Ein paar Bereiche, vor allem eine Bar, die ich für die "Lounge" hielt, in der Locas in Love spielen sollten, waren nach dem neuesten Chill-Standard eingerichtet. Außenrum erinnerte aber vieles an DDR-Bauten aus den 60er und 70er Jahren, auch der Raum, der dann wirklich die "Lounge" war, ein Tagungssaal, der auch zu einer kleinen Sparkasse gehören könnte, schmal und lang, mit fies vertäfelten Decken mit diesen lustigen überkreuz befestigten Lampengittern, die man in allen Sparkassen Konzerenzräumen sieht, hier aber aufgehübscht mit modernen Blinklampen. Hinter der Bühne, die an einer der schmalen Raumseiten aufgebaut war, befand sich ein sensationell abgenutzer Spiegel, der die ganze Wand bedeckte, das hatte Charme und Flair! Man hätte also wirklich keinen treffenderen Begriff als Lounge finden können.

In dieser Lounge traten dann um 21 Uhr Wolke aus Köln, "der hässlichen Stadt mit den schönen Menschen" (Oliver von Wolke), auf. Wolke sind ein hochsympathisches Pop-Duo, das aus Bass (Oliver Minck) und Klavier (Benedikt Filleböck - mit schmalem Oberlippenbart!) besteht. Zusätzlich benutzen die beiden nur noch eine Beatbox. Die Musik ist dadurch natürlich sehr minimalistisch und zurückgenommen. Aber überhaupt nicht
langweilig, denn die beiden haben offenbar ein Gespür für schöne Melodien und Pop-Songs. Ich kenne leider nur die zweite Platte "Möbelstück", die enthält aber eben Perlen wie "Radfahren, lesen, Freunde treffen" oder "Second Hand Gefühl", wirklich wundervolle Lieder. Daß man selbst aus Queen Brauchbares machen kann, zeigt das herrliche Cover "Ich will mich befreien", das auch auf dem aktuellen Album ist.

Die beiden Wolkes wirkten wirklich sehr nett. Oliver bat irgendwann den Tonmann
"Olli", das Klavier etwas von seinem Monitor runterzunehmen. Sein Bandkollege Benedikt verbesserte ihn, der Tonmann heiße anders, und man müsse sich die Namen der Mischer merken (ich kann kein Musiker werden, ich habe den Namen des "falschen" Olivers wieder vergessen). Wolke-Oliver sagt, er hätte ihn sich ja nicht nicht gemerkt, nur eben falsch!

Und weil das ein elektronisches (s.o.) Festival sei - und Wolke da ja eigentlich nicht hingehöre - spielte Benedikt
dann ein kleines Beatbox-Solo. Anschließend, vermutlich auch, um dem Thema des Festivals gerecht zu werden - coverten die beiden "Around the world" von Daft Punk. Auch das war sehr hörenswert. Gegen Ende brachten Wolke noch ein ganz neues Stück, das einzige, das sie bisher von dem Material für die neue Platte spielen könnten. Weil die Hintergrundmusik noch nicht lief und das Publikum eine Zugabe forderte, kam die auch und beendete das einstündige, wirklich sehr schöne Konzert in diesem, nun ja, würdigen Rahmen.

Setlist Wolke c/o pop:

01: Slow
02: Radfahren, lesen, Freunde treffen
03: Ich will mich befreien
04: Walzer No. 1
05: Kapitän
06: Wir sind da
07: Schlimmer
08: Second Hand Gefühl
09: Tanzen
10: Um die Welt rum (Daft Punk Cover)
11: Liebe
12: Weg ins Nichts

13: ?

Danach wurde es erst einmal mausgrau. Denn nachdem die Mitglieder von Locas in Love ihren Kram aufgebaut hatten, zogen sie sich erst einmal im Nachbarraum um und erschienen bis auf Schlagzeuger Maurizio in hellgrauen Kleidern, Sängerin und Bassistin Stefanie in einem Kleid, die beiden Gitarristen (und Sänger) Björn und Niklas in Anzügen. Mausgrau ist aber so ziemlich das letzte Adjektiv, das ich mit Locas in Love verbinden würde. Die beiden Platten und die EP, die ich kenne, enthalten besten Indierock, anspruchsvolle Lieder, die leider viel zu wenig bekannt sind.

Verstärkt durch Sängerin Claire wird aus Locas in Love Karpatenhund, das mittlerweile sehr bekannte (und hoffentlich erfolgreiche) Projekt der Band. Karpatenhund waren am Freitag noch beim Highfield-Festival, wo ich sie leider verpasst habe. Durch die vielen Tourtermine der neuen Band, treten Locas in Love selten auf. Die c/o pop war daher mein erstes
Konzert der Gruppe. Was mir schon beim ersten Lied auffiel (das war nicht furchtbar schwer), waren die große Lautstärke und Härte der Band. Das war ganz großartig! Schon bei "Sachen" macht vor allem Björn ordentlich Krach. Nach dem Beatboxsolo bei Wolke, kam bei "Sachen" ein Schreisolo des Sängers!

Auch wenn Niklas ankündigte, sie könnten ja noch drei
Stunden spielen, war das Konzert für meinen Geschmack mit elf Liedern viel zu kurz. Ein Großteil der gespielten Stücke kam vom aktuellen Album "Saurus", darunter "Zum Beispiel ein Unfall" oder "Mabuse", bei dem mir Stefanies Stimme zu leise war. Die beiden kleinen Minuspunkte waren aber alles an Kritik, denn das Konzert war toll. Sehr toll! Besonders schön waren auch ein sehr alter Song der Band "Die Apokalypse erreicht Mühlacker" und das Cover "Cruel to be kind". Ein echter Höhepunkt war aber der Abschluß, "Our hearts and the real world", das auf Platte schon in einem ziemlichen Gitarrengeschrammele endet. Live war das eine herrliche Performance. Alle prügelten auf ihre Instrumente ein, nur Stefanie zog sich Richtung Spiegelwand zurück. Björn und Niklas legten dabei das dritte für mich neue Solo des Tages hin: Sie hockten auf dem Boden und spielten ein Pedal-Solo! Björn bearbeitete seine Gitarre mit einem Drumstick, streckte sie zur Decke, schleuderte den Drumstick auf Schlagzeuger Maurizio - und um war es. Leider! Tolles Konzert, tolle Band - und immer noch Ohrendröhnen...

Setlist Locas in Love c/o pop:

01: Sachen
02: Saurus
03: Zum Beispiel ein Unfall
04: Avoid karmic desaster
05: To get things straight
06: Honeymoon is over (if you want)
07: Mabuse
08: Die Apokalypse erreicht Mühlacker
09: Moe Tucker
10: Cruel to be kind (Nick Lowe Cover)
11: Our hearts and the real world

Im Herbst treten Locas in Love in einigen deutschen Städten auf, in Bayern gemeinsam mit Karpatenhund!



4 Kommentare :

Christina hat gesagt…

Irgendwie konnte ich mich dann doch gestern nicht dazu motivieren, das Haus zu verlassen. Dafür habe ich mir am Samstag eine Locas In Love LP gekauft, weil sie in einer lustigen Leinentasche eingepackt war. Ich habe aber noch nicht reingehört. Wenn ich das tue, ärgere ich mich wahrscheinlich, dass ich zuhause geblieben bin....aber es gibt ja noch eine Tour im Herbst (ohne Kölnkonzert, wie ich gerade sehe :( )

Christoph hat gesagt…

In Frankfurt werde ich mir die noch mal ansehen. Es war gestern toll, sehr laut aber leider zu kurz.

Lustig: In Bayern spielen sie gemeinsam mit Karpatenhund!

Kai hat gesagt…

da hab ich wohl etwas verpasst.
aber clickclick war ja auch schön.

aber wenn die locas ja bald durch deutschland reisen werden sie sicher auch nochmal hier im schönen köln spielen.

wirklich schöner bericht

Christoph hat gesagt…

Danke!

Ja, aus meiner Sicht hast Du wirklich was verpasst. Und leider spielen Locas in Love nicht in Köln!

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates