Donnerstag, 20. März 2008

Tegan and Sara, Köln, 10.03.08

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Konzert: Tegan and Sara

Ort: Gloria, Köln
Datum: 10.03.2008
Zuschauer: ausverkauft


Ich sag es, wie es ist. Meine von mir gehypte Entdeckung der letzten drei Wochen, Tegan and Sara, ist der ganz grosse Geheimtipp nicht mehr. “Platte der 14 Tage” oder so ähnlich heisst die Rubrik der TV Today, die das neue Album der Zwillinge “The Con” in den Kalenderwochen 10 und 11 anführt. Von seichtem Indiepop bis elektrogeschwängertem Folkpop ist die Rede, von Zwillingsschwestern, die 8 Minuten Lebenszeit trennen, und von denen die eine durch Europa reist um Eindrücke zu gewinnen, während die andere in der Heimat den Haushaltsjahresabschluss der Band klarmacht.
In Kanada sind sie bereits kleine Helden, in Europa soll ihnen “The Con” zum Durchbruch verhelfen.

Dass Tegan and Sara zumindest in Köln und Umgebung über eine grössere Fanschaft verfügen zeigen die über 120 “ich-geh-hin” Meldungen bei lastfm. Zum sonntäglichen Cure Konzert in Oberhausen sind es nur unwesentlich mehr Meldungen. Ob lastfm das richtige Barometer ist, darüber lässt sich diskutieren. (Wer nicht so denkt möge hier bitte das Beispiel Amy MacDonald Konzert anfügen, sechs “ich-geh-hin-Meldungen” bei lastfm, das Gebäude 9 war allerdings ausverkauft.) Gestern enttäuschte das lastfm Barometer nicht. Das Gloria war ausverkauft. Als Trost für die, die keine Karten hatten, am 24.06. gibt es ein Tegan and Sara Zusatzkonzert in der Bochumer Zeche. Die DIN A4 Hinweiszettel, die überall klebten, waren unübersehbar.

Gott sei Dank ist es so, dass ein ausverkauftes Gloria bei weitem angenehmer ist als ein ausverkauftes Gebäude 9. Das Raumklima ist hier erheblich frischer, die Warterei wird nicht unnötig zur Qual und wem das nicht genug ist, ausverkauft bedeutet hier nicht engsten Körperkontakt mit dem Nachbarn, sondern immer noch luftiges nebeneinanderstehen. Von dieser Seite her damit allerbesste Voraussetzungen.

Als um kurz nach 20 Uhr Northern State den Abend eröffnen, war das Gloria bereits voll. Und auf den ersten Blick wurde klar, wer hier heute Zielgruppe ist. Unzählige Mädchen um die 20 füllten den ehemaligen Kinosaal. Einige hatten ihren Freund mitgebracht, einige nicht. Es scheint, dass Tegan und Sara mit ihrer ‘Jetzt erst Recht’ Attitüde ein weibliches Indie-Sprachrohr für alle die sind, die zwischen Jugend- und Erwachsensein stehen.

Northern State erinnerten sofort an die Beastie Boys (weil auch aus New York). Und an Lucious Jackson (weil auch drei vier Mädels). Leider ist damit alles gesagt und wenn man weiss, dass die Beastie Boys Northern State produziert haben (übrigens seinerzeit auch Luscious Jackson) dann gibt es überdies keine weiteren Fragen mehr. Keine Frage, sie machen ihre Sache gut, passen prima ins Gesamtbild des heutigen Abends, doch wirklich neu und merkenswert sind Northern State nur bedingt. Dafür klingen sie zu sehr nach ihren Vorbildern.

Da die Quin-Twins rechtzeitig den 1live Absprung geschafft haben, dort waren sie noch um kurz nach acht beim Radiointerview, ging die Umbaupause im normalen Zeitrahmen über die Bühne.

Licht aus, Spot an. Beziehungsweise, 2 Spots an. Die Begleitmusiker bleiben dezent im Hintergrund. Vor dem dunklen Hintergrund sieht man sie kaum. Aber sie müssen da sein. Die Bühne gehört Sara und Tegan. Die eine links, die andere rechts am Bühnenrand. Näher kommen sie sich, wenn eine von beiden die Gitarre aus dem Arm legt und die Keyboards aufsucht. Das geschieht des öfteren und erweist sich vorteilhaft für all die Handy und Digitalkamera- Photographen. Von denen gibt es heute viele. Es blinkt und blitzt in allen Ecken. Generation Fotohandy. So ist es möglich, die Zwillinge gemeinsam grossformatig auf ein Bild zu bekommen. Und wenn alle fair sind, stehen die Bilder bald in Flickr.

Es entwickelt sich ein interessanter und kurzweiliger Abend. Die beiden sind gute Entertainer und ergänzen sich nicht nur beim gedoppelten Gesang, sondern auch in den Zwischenansagen. Diese führen über Sympathiebekündigungen an das Publikum zum Zwischenansagen-Thema des Abends, den Kölner Dom. Besichtigten ihn die drei Mädels von Northern State und erzählten ausgiebig über die Turmbegehung (ich war bis ganz oben!), so legten Tegan und Sara nach und zollten der “scary cathedral” gehörigen Respekt. Die Eindrücke teilt wohl jeder von uns, der den Dom zum ersten mal sieht.

Äusserten die Stars letztens an gleicher Stelle nicht ähnliches über dieses Bauwerk? Da kann man nur hoffen, dass das Kulturamt der Stadt um den prägenden Eindruck des Doms auf kulturhistorisch unbedarfte und unvoreingenommene Nordamerikaner weiss.

“I was nineteen” singen Tegan und Sara im Laufe des Abends. Zugegeben, das ist bei mir schon länger her. Gestern abend dachte ich irgendwann: “An manchen Tagen fühlt man sich älter als an anderen.”

von Frank von Pretty Paracetamol

Links:

- Tegan and Sara live in Köln 2006
- und beim Highfield Festival 2006
- Fotos von den 2006er Konzerten: Köln & Highfield

Konzertbesucher von Tegan and Sara könnten auch mögen:


- Natürlich: The Organ (live in London)
- Pony Up! live in Köln und Frankfurt



Amy MacDonald, Köln, 06.03.08

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Konzert: Amy MacDonald
Ort: Gebäude9, Köln
Datum: 06.03.2008
Zuschauer: ausverkauft


Die erste Überraschung erlebe ich zwei Tage zuvor. Auf der Homepage des Gebäudes 9 ist zu lesen, dass das Konzert ausverkauft sei. Das erstaunt mich, denn ich hätte Amys Bekanntheitsgrad ausserhalb des britischen Eilandes nicht so hoch angesetzt. Das Debut-Album ist hierzulande noch nicht lange auf dem Markt, sie hat keine “Foundation” ähnliche Single auf Dauerrotation im Hörfunk. Gut, in England steht ihr Album auf Platz 2 der Charts, aber England ist weit. Woher kennen die Menschen nun Amy MacDonald?

Zum Beispiel aus dem Vorprogramm der letztjährigen Paul Weller Akkustiktour. Damals spielte sie - zumindest in Köln - gross auf und begeisterte nicht nur mit einer Killers Coverversion sondern mit ihrem gesamten halbstündigen Set. Oder zum Beispiel aus dem Internet und Itunes “Free single of the week” Werbeprogramm. Hier tauchte Mitte letzten Jahres “Youth of today” als gratis-download auf.

Oder einfach aufgrund der Tatsache, dass sich gute Musik auch ohne Werbemaschinerie und Radiopräsenz verbreitet. Schön zu wissen.

Als ich um kurz vor neun am Gebäude 9 ankomme, wundere ich mich, dass keine Menschen im Innenhof stehen. Normalerweise ist es hier vor Konzertbeginn immer recht rege. Man wartet hier im Freien bis die Musik beginnt, denn in der Halle ist oft sehr schnell sehr dicke Luft, der man sich so spät wie möglich aussetzen möchte. Und begonnen hat der Abend auch noch nicht, es dröhnt nichts aus dem Gebäude. Im Vorraum das gleiche Bild, kaum jemand der hier rumlungert. Die Theke ist verwaist. Ist heute alles anders?

In der Halle ist es rappelvoll. Hier geht nichts mehr. Liam Gerner, ein australischer Singer- Songwriterpoet eröffnet den Abend. Er hat leichtes Spiel, musikalisch passt seines gut zu Miss MacDonald und nach wenigen Songs wird klar, dass er darüberhinaus ein guter Entertainer ist. Zwischen den Songs erzählt Liam kleine Dönekes. Der Auftritt lässt mich kurz an Olli Schulz in nicht ganz so albern denken. Das Gebäude 9 fühlt sich vom mann mit der Gitarre gut unterhalten. Bei seinen Songs ist es mucksmäusenstill im Publikum. Man könnte ein Handy vibrieren hören. Die höchste Anerkennung, die eine Vorband vom Publikum bekommen kann.

Um zwanzig vor zehn räumt Liam Gerner die Bühne, doch es scheint als würde er noch länger bleiben wollen. Vor dem vorletzten und letzten Song schaut er kurz nach links. Sagt ihm da eine Stimme aus dem dunklen Off: “Es reicht.”? Es sieht so aus. Nun sind vier Rowdies an der Reihe. Da es keine Instrumente ab- und aufzubauen gibt, alles steht schon bereit, checken sie viermal die Mikrofone, prüfen dreimal jede Gitarre und sehen sehr beschäftigt aus, wenn sie immer wieder die Bühne verlassen um kurz danach mit nichts wieder auftauchen. Das wirkt sehr gross und Mainstagekompatibel und macht sich bestimmt besser bei T in the Park als auf der Bühne des Gebäudes 9. Obwohl noch voll im Umbaupausenzeitsoll wird das Publikum leicht unruhig und scharrt mit den Füssen. Alle sind sehr gespannt. Es liegt dieser typische Geruch von Vorfreude und ich-weiss-nicht-was-mich-erwartet in der Luft, der so oft bei Tourpremieren zu fühlen ist. Jeder hat eine Vorahnung, einen Traum von dem, wie die Künstler live auftreten. Hat man eine Band hingegen schon mal live gesehen, ist dieses Element nicht mehr so stark. Dann weiss man um die Bewegungen, kennt die Bühnenpräsenz.

Um kurz nach zehn betritt hat das Warten ein Ende. Erst betritt ein Laptop die Bühne, kurz darauf die Band und Amy MacDonald.

Amy und Kollegen beginnen rockig. Zwei schnelle Songs stehen am Anfang, ehe zum ersten Mal entschleunigt wird. Hatte ich vom rockigen Beginn überraschen lassen, wirkte es nun vertrauter und kam mehr nach der Konserve. Was nicht heissen soll, dass das rockige Amy nicht gut steht. Im Gegenteil, reine Singer-Songwriter Veranstaltungen ohne Tempo- und Lautstärkenwechsel sind eh etwas dröge, so freut es mich sehr, dass live der Sound mehr nach vorne ist als auf der CD. Selbstverständlich darf auch die Coverversion nicht fehlen, die mich seinerzeit hat aufmerksam werden lassen, der Killers “Mr Brightside”. Als diese in der Mitte des Sets gespielt wurde, musste ich nochmals kurz an die Autofahrt zurückdenken. Bei 1live scheint es eine neue Rubrik zu geben, “Verdeutschung bekannter Hits” nennt sie sich. (Oder so ähnlich.). Die Kölner Wolke covern dort grosse Hits und geben ihnen überdies noch deutsche Texte. Diesmal war “Today” von den Smashing Pumpkins an der Reihe. “Ich brenne mir meine Augen aus, bevor ich rausgeh’.” Naja, das war nicht allzu schwer zu erraten, und ich hätte bestimmt gute Chancen gehabt und diesen abgekarterten Anrufgewinnspielen einen Lolli gewonnen. Da habe ich im September schon länger geknobelt, bis ich Amy MacDonalds Mr Brightside erkannt habe. Und vor allem, bis mir der Titel eingefallen ist. Es ist doch so, man hört ein paar bekannte Textzeilen, sagt sich “halt, das kenn ich doch”, sucht dann man nach der Melodie des Originals, und wenn man sie im Ohr hat, fällt einem doch partout der Titel nicht ein. Geschweige denn die Band.

Aber zurück nach 2008. Nach guten 45 Minuten verschwanden die vier Jungs und Amy von der Bühne. Wie ich es vermutet hatte, endete das reguläre Set mit “Let’s start a band”, diesem rasanten Stück, das zum Ende hin immer ausufernder wird. Da kann man sich noch einmal so richtig austoben. Der perfekte Schlusssong.

Und um das andere Thema abzufrühstücken: “Foundation”, na klar, der Kate Nash Vergleich darf nicht ausbleiben. Er passt ja auch ach so wunderbar: beide Mädels sind Anfang 20, beide kommen von der Insel, haben diese typische Seitenscheitelmädchenfrisur und sind do-it-yourself Künstlerinnen. In Nuancen hinkt es aber gewaltig. Amy ist mehr Singer- Songwriterin. Bei ihr fliessen traditionelle Musikstrukturen ein. Manchmal meint man für ein zwei Takte ein schottisches Heimatlied zu hören. Und während Kate Nash über Pickel, die erste Liebe, Boyfriends und gibbeligen Mädchenkram singt, heissen Amys Themen eher “was will ich im Leben” (”This is the life”), und drehen sich um mehr als den eigenen oder Freundeskreis- kosmos (wie in “Footballer’s wife”). Das lässt ihre Songs erwachsener und reifer klingen, und spricht damit scheinbar auch ein älteres Publikum an, wie im Gebäude 9 zu beobachten war. Kein Teenagerpublikum wie seinerzeit in der Kantine, eher das Mitt-/ Endzwanziger Publikum mit Peaks Richtung älter.

von Frank von Pretty Paracetamol

Links:

- Amy MacDonald live im Barrowland Ballroom in Glasgow
- als Support von Paul Weller in Frankfurt



Alela Diane, Paris, 19.03.08

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Konzert: Alela Diane ( und Mariee Sioux)

Ort: La Cigale, Paris
Zuschauer: ausverkauft!
Konzertdauer: 75 Minuten

Das Publikum bei Folk-Konzerten ähnelt ja immer ein bißchen einem Parteitag der Grünen.

Bei den Frauen erfreuen sich Halstücher großer Beliebtheit, die Haare werden offen, oder sehr kurz getragen und an den Ohren baumeln meist diese langen Ohrringe. Von den Schuhen rede ich lieber nicht. Die Herren Folkkonzertgänger mögen hingegen sehr gerne Vollbärte und gegen Kontaktlinsen scheinen die Burschen (die Frauen allerdings auch) eine große Abneigung zu haben. Das war auch heute nicht anders und so stylish wie bei den Kills gestern ging es heute definitiv nicht zu.

Aber ein Konzert ist ja keine Modenschau und der Folk-Fan mag es halt gerne natürlich, geerdet und unprätentiös. Das Hauptaugenmerk gilt hier der Persönlichkeit des Künstlers, seiner Ausstrahlung, seinen Texten und natürlich der Stimme. Äußerst gebildete und kultivierte Menschen sind das, diese Folk-Freaks, leise, ruhig und rücksichtsvoll. Insgesamt sehr angenehm. Manche von diesen Ökos sind aber auch recht bärbeißig drauf. Ihr wißt, welchen Typus ich meine? Ja genau diese verbiesterten Existenzen, die zwar lautstark Toleranz einfordern, aber in ihrer verbitterten Art ähnlich reaktionär und spießig daherkommen wie die Leute, die sie eigentlich hassen. Ein ganz besonders schreckschrulliges Exemplar dieser Spezies Mensch ist mir heute beim Konzert von Alela Diane begegnet.

"Gehen sie demnächst lieber zu Rock-Konzerten, sie haben ja ständig rumgeknipst und bestimmt 250 Bilder geschossen. Das passt nicht zu der subtilen Folk-Atmosphäre und stört ungemein!" Au weia, das war aber ein Anschiß! Verpasst bekommen hatte ich diesen von einer circa. 45 jährigen rotblonden Furie mit einer häßlichen roten Brille, die wild gestikulierend glaubte, mich nach dem Konzert zurechtweisen zu müssen. Ihr Akzent verriet allerdings, daß sie nicht aus Frankreich stammte, vermutlich war sie Engländerin. Ich hörte mir die Standpauke in der mir eigenen Seelenruhe an und bekam kurz später eine wahre Welle von Symphatiebezeugungen von französischer Seite mit. "Also ich finde ihre Fotos wunderschön" sagte prompt eine Pariserin, die die Szene mitbekommen hatte und links von mir stand. "Was will denn die alte Schrulle" stärkte mir ein Franzose rechts von mir den Rücken. "Die soll sich nicht so haben, was fällt der überhaupt ein, sie so anzuscheißen." Ich war von diesen Reaktionen irgendwie gerührt, identifizierte sie aber kurz später als sehr französisch. In Frankreich mag man es überhaupt nicht, jemanden zu belehren, das ist zutiefst verpönt. Wenn zum Beispiel Leute nach wie vor in öffentlichen Räumen rauchen, wie das gestern beim Konzert im Olympia der Fall war, dann verkneift man sich einen Kommentar. Man spielt sich nicht als Staatsanwalt, oder Saubermann auf, dafür sind Ordungskräfte da. Und das gleiche gilt übrigens auch für das Verhalten in der Metro: Wenn man jemanden sieht, der ohne Fahrschein über die Absperrung klettert, läßt man ihn gewähren und schaut weg. Auf keinen Fall würde der normale Pariser sagen, daß sich sowas nicht gehört!

Mir allerdings tat es ja schon etwas leid, daß ich während des Konzertes ständig fotografiert hatte. Das Abknipsen von Folk-Künstlern gehört zum Unangenehmsten, was man sich im Bereich Konzertfotografie vorstellen kann. Wenn man dem Sänger oder der Sängerin da unverblümt ins Gesicht schießt, fühlt man sich immer ein wenig wie ein Voyeur, der jemanden bei der Ausübung einer intimen Tätigkeit beobachtet. Aber was will man machen, schließlich will man ja ein paar schöne Fotos haben (für diesen Blog zum Beispiel) und gerade in den Pausen zwischen den Liedern legen die Musiker oft ihr schönstes Lächeln an den Tag. Und ein schönes Lächeln hatten wirklich beide Sängerinnen heute abend, vor allem natürlich Alela, die mich damit regelrecht verzauberte.

Zuvor war allerdings ihre Kindheitsfreundin Mariee Sioux dran. Die brünette und schüchtern wirkende Kalifornierin hatte die Ehre, für die inzwischen deutlich bekannterer Alela zu eröffnen. Circa. ein halbes dutzend wunderbare Lieder wurden ihr zugestanden (welche genau werde ich nachliefern), die sie samt und sonders ganz alleine mit ihrer Gitarre vortrug. Ihr Fingerspiel war bemerkenswert, sehr filigran und zart, genau wie ihre Hände, deren Finger allerdings recht kurz waren. Sie trug ein wunderbares, luftiges und geblümtes Kleid, welches amüsanterweise recht gut zu den Intarsien auf ihrer Klampfe passte. An ihren Füßen konnte man milchkaffebraune Schuhe erkennen. Kurzum eine Augenweide, die Süße!

Am faszinierendsten war aber natürlich ihre serenenhafte Stimme, die einen interessanten Nachhall hatte. Manchmal trällerte sie lieblich wie ein Vogel und ich stellte mir vor, wie sie mich sanft in den Schlaf singt. Ein paar Leute hatten in der Tat ihre Augen geschlossen und lauschten den melancholischen Kompositionen der jungen Squaw, die 2007 das bereits von Bloggerfreund Eike gepriesene Album "Faces In The Rocks" vorgelegt hatte. In bester Tradition von Folk-Legende Joni Mitchell stehend, gab sie ein verblüffendes Zeugnis von Reinheit, Schönheit und Intimität ab.

Dann war Alela dran. Mit einem erfrischenden Lächeln auf ihren hübschen Lippen begrüßte sie sich artig und bekam hierfür prompt einen warmen und langanhaltenden Applaus vom Pariser Publikum gespendet. Die Kulturzeitschrift "Les Inrockuptibles" hatte Alela mit euphorischen Berichten zu Recht ziemlich stark gepusht und mit dafür gesorgt, daß die nicht gerade kleine Cigale restlos ausverkauft war. Schön zu sehen, daß auch mal Musiker ohne großen Krawumm und ohne lautes Gitarrengeheule eine Hütte wie die Cigale füllen können!

Fräulein Diane legte zunächst solo los. "Clickity Clack", meinte sie damit meine Kamera? Wohl kaum, die war auf geräuschlos gestellt. "Because I like the wind in trees and the sunlight in the afternoon" sang Alela auf sanfte und wehklagende Weise und ich war schnell in ihren Bann gezogen. Kaum war das schöne Lied verklungen, toste auch schon ein riesiger Applaus los. "Thank you so much for coming out tonight, merci beaucoup!", bedankte sie sich herzlich für den warmen Empfang.

Auch das melancholische "Pieces Of String" intonierte sie noch alleine, dann stießen zwei Herren dazu.
"C'est mon père, this is my dad", stellte Alela den schnauzbärtigen Mann mit der weißen Hose und der Gitarre zu ihrer Linken vor. "His Name Is Tom". "And this is Matt", und die Sängerin zeigte nach links auf einen Nick Oliverie - Klon (aber ohne dessen Agressionspotential) an der Madoline. Zu dritt schmetterten sie den Hit "My Tired Feet", ein frühes Highlight. Das Konzert war wunderbar in Fahrt gekommen.

"This is a traditional american folk-song, it's called the Cuckoo".
Und dieses "Cuckoo" hatte es wirklich in sich. Auf herrliche Art und Weise harmonierten die beiden Gitarren mit der Mandoline und schufen so eine Western-Atmosphäre. Dazu dann noch die sehr feste und eindringliche Stimme von Alela und mein Glück war perfekt. Auch Mademoiselle Diane war "Happy to Be Here", wie sie mehrfach betonte...

Sehr froh war die natürliche Schönheit auch darüber, daß ihre Kindheitsfreundin Mariee Sioux wieder hinzugekommen war und zu "Tatted Lace" im Background mitsang.
Kurze Zeit später stand Matt Bauer im Mittelpunkt, denn von ihm stammte das gospelige "Sea Lion Woman", man könne es auch auf seiner CD finden, aber für Alela habe er eine eigene Version geschrieben. "Sea Lion Woman" war wirklich vorzüglich, es erinnerte mich angenehm an Iron & Wine.

Zu "Blame The Sky?" spielte ihr Vater dann Mandoline, ein Instrument, daß ich schon immer geliebt habe. Witzig war, daß Alela sich an das Publikum wandte und ankündigte "For this song my father is playing Mandoline", nur um dann hinterherzuschicken : "Obviously", denn Daddy hielt schon die Mandoline einsatzbereit in der Hand. Wirklich eine humorvolle junge Frau, diese Miss Diane. Und dann immer dieses entzückende Lächeln!

Nach "My Brambles" dann der Höhepunkt des Konzertes: "The Pirate's Gosple" riß die gesamte Cigale von den Sitzen und jeder klatschte. Kein Wunder, der Hit wurde äußerst schwungvoll gebracht, das Banjo klang wundervoll und es kamen auch Percussions zum Einsatz. "Johoh, joho, johoho, sing the Pirate's Gosple", der Gesang erfüllte den gesamten Saal. Irgendwann setzte das Mitgeklatsche aus, was Alela dazu veranlasste, die Leute zum erneuten Mitmachen zu animieren. Das funktionierte, jeder setzte sich ein und alle wippten im Takt.

Danach schien die Zeit wieder wie im Fluge zu vergehen, "Dry Grass", "White As Diamonds" und "To Be Still" folgten und gerade bei "Dry Grass" zeigte Alela's Stimme neue, interessante Schattierungen.

"The Rifle" beendete schließlich den regulären Teil, bevor Alela alleine zurückkam und solo "Oh! My Mama" vortrug. Zu "Lady Divine" kam noch einmal Pappi mit seiner Gitarre zurück und das war's dann. Der massive und langanhaltende Applaus sorgte schließlich nur noch dafür, daß die Protagonisten kurz wiederkamen und sich verneigten, allerdings keinen neuen Song mehr anstimmten.

Großartig!

Setlist Alela Diane, La Cigale, Paris:

01: Clickity Clack
02: Pieces Of String
03: Tired Feet
04: The Cuckoo
05: Sister Self
06: The Red Tail Hawk
07: Tatted Lace
08: Sea Lion
09: Blame The Sky?
10: My Brambles
11: The Pirate's Gospel
12: Dry Grass
13: White As Diamonds
14: To Be Still
15: The Rifle

16: Oh! My Mama
17: Lady Divine

Konzertbesucher von Alela Diane und Mariee Sioux könnten auch mögen:

- Marissa Nadler in Paris (zusammen mit Lara Veirs)
- Nina Nastasia in Paris
- This The Kit in Paris (zusammen mit Findlay Brown)
- Iron & Wine in Paris
- Woven Hand in Paris
- Moriarty in Paris
- Moriarty in Sanois
- Joanna Newsom in Paris
- PJ Harvey in Paris
- Rickie Lee Jones in Paris
- My Brightest Diamond in Paris (Maroquinerie)
- My Brightest Diamond in Paris (Point FMR)


Neue (ausgewählte) Konzerttermine von Alela Diane im Spätherbst 2008:

01.11.2008: Babylon Theater, Berlin
02.11.2008: Studio 672, Stadtgarten, Köln
03.11.2008: Rote Sonne, München
05.11.2008: Salle Communale, Genf
10.11.2008: Trinitaires, Metz
12.11.2008: Olympia, Paris, Festival des Inrocks
19.11.2008: Vooruit, Gent
20.11.2008: Crossing Border Festival, Den Haag


Videos:

- Alela Diane, The Rifle, gespielt vor einer Pariser Kirche und ein kleines Kind mit Schnuller schaut zu!
- The Pirate's Gospel, intime Session von Le Cargo




Mittwoch, 19. März 2008

Gossip, The Kills, Paris, 18.03.08

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Konzert: Gossip und The Kills (Pete & The Pirates, The Blakes)

Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 18.03.2008
Zuschauer: ausverkauft

Gossip und The Kills in der Stadt der Liebe?! - Ein Pflichttermin für alle, die es laut, wild und sexy lieben. Da war ich also genau richtig!

Was für eine Kombi, die gertenschlanke Alison "VV" Mosshart von den Kills und die wuchtbrummige Beth "Gossip" Ditto sollten sich also heute in Paris die Klinke (das Mikro) in die Hand geben. Wow! Beides Sexbomben, bloß eben jede auf ihre Weise. Da war für jeden Geschmack etwas dabei. Und für die Frauen gab es unter anderem den neuen "Mister Kate Moss" zu bewundern und zwar Jamie "Hotel" Hince, der bei den Kills den männlichen Part gibt. Vor diesem Cocktail aus Sex, Schweiß, Gitarren und heißen Posen ging es aber zunächst jugendfrei los.

Die eher braven Engländer Pete & The Pirates hatten die Ehre diesen Konzertabend auf charmante Weise einzuläuten.
Es war noch recht früh, ungefähr 19 Uhr, als die 5 jungen Kerle auf die hellerleuchtete Bühne traten. Die grelle Beleuchtung gab es deshalb, weil heute alles gefilmt wurde , das komplette Konzert soll nämlich bald bei dem Privatsender Canal + zu sehen sein. Und die Piraten gaben sich auch trotz dieses medialen Drucks keine Blöße. Äußerst frisch und flott ließen sie ihren melodiösen Gitarren freien Lauf und gefielen mir auf Anhieb. Meine Befürchtung von der x-ten Gitarrenpop-Band aus Großbritannien gepflegt gelangweilt zu werden, stellte sich schnell als unbegründet heraus. Klar, den Sound hat man in den letzten Jahren so, oder so ähnlich, von den Strokes, den Futureheads und etlichen anderen Gruppen bereits gehört, aber dennoch waren einzelen Lieder so ohrwurmig, daß dies weniger ins Gewicht fiel.. Besonders toll fand ich, daß der Sänger manchmal nach Stuart "Belle & The Sebastian" Murdoch klang, bloß daß das Ganze hier wesentlich schneller gebracht wurde. Insgesamt also eine bunte Mischung aus persönlichen Lieblingsgruppen, die gut durchgeschüttelt einen wohlschmeckenden Cocktail ergab. Das Publikum interessierte sich allerdings kaum für die Briten, bloß am Ende klatschten ein paar Hände mit. Schade, aber irgendwie passte der Power Pop von Pete & The Pirates auch nicht so recht zum bluesig-punkigen Garagenrock der darauffolgenden Bands.

Setlist Pete & The Pirates, Paris, Olympia:

01. Bright Lights
02. This Thyme
03. Lost In The Woods
04. Knife
05. Bears
06. The Wrong Man
07. Cold Black Kitty
08. Knots
09. She Doesn't Belong To Me
10. Mr Understanding
11. Come On feet


Warum man allerdings die drei Typen von den Blakes für den heutigen Abend engagiert hatte, bleibt mir ein Rätsel. Schon rein optisch (die seitlich ausgefransten Haare) erinnerten sie an Bands wie Jet und Oasis und genau wie diese machten sie auch auf dicke Hose, bloß daß sie keinen einzigen gekonnten Song zu bieten hatten. Dabei durften sie sogar 12 Lieder lang zeigen, daß sie außer den üblichen Rockstar- Posen und den engen Lederjacken nicht viel drauf hatten. Ihr äußest banaler Garagen-Rock in der Tradition von Iggy & The Stooges (eigentlich eine Beleidung für Herrn Pop, dieser Vergleich!), langweilte mich gräßlich und machte mir noch einmal deutlich wie gut eigentlich die Kings Of Leon sind, die ebenfalls im Hinblick auf den Gesang weitgehend talentfrei imitiert wurden. Mit dem abschließenden "Streets" hatte es sich aber zum Glück irgendwann ausgeblakt.

Setlist The Blakes, Paris, Olympia:

01: Picture
02: Don't Want That Now
03: Don't Bother Me
04: Basket
05: Vampire
06: Pistol Grip
07: Run
08: Magoo
09: Two Times
10: Lie Next To Me
11: Little Whispers
12: Streets

Danach war ein 20-minütiges Päuschen angesagt. Zahlreiche Konzertbesucher nutzten die Gelegenheit, skrupellos ihre Zigarettchen rauszuholen und loszuqualmen. Rauchverbot in allen öffentlichen Räumen seit dem 1. Januar 2008? War da was? Ach was, Gesetze werden in Frankreich im Gegensatz zu Deutschland einfach nicht sklavisch befolgt! Einerseits bewunderswert, andererseits aber auch störend, dann nämlich, wenn man wie ich Nichtraucher ist. Hinzu kam, daß das rauchende Arschloch vor mir auch noch 2 Meter groß war! Wie kann man so ein Pech haben? Der normale Franzose ist selten länger als 1,75 m und ich habe ausgerechnet den größten Hünen vor mir. Das half nur ein Platzwechsel, schließlich wollte ich das wilde Biest Alisson Mosshart in voller Pracht sehen. Und dann kam die Raubkatze auch und zwar in einem Leopardenmantel! Allerdings trat zunächst der neue Macker von Kate Moss, Mister Jamie Hince auf die Bühne. Er schien gut gelaunt zu sein und winkte den johlenden Zuschauern spontan zu. Die Kills sind aber auch wirklich ein stylishes Pärchen, die Klamotten, die sie tragen, sind so ziemlich der heißeste und angesagteste Fummel, den man finden kann! Aber ich war in erster Linie wegen der Musik hier, wenngleich ich gegen den Anblick hübscher Menschen überhaupt nichts einzuwenden habe.

Gestartet wurde mit einer neuen Single "U.R.A. Fever", die auf dem neuen Album "Midnight Boom" vertreten ist. Von Beginn aber wummerte, krachte und schepperte es. Häufig waren die Rhythmen leicht monoton, langsam und repetitiv, aber diese einfache Formel stellte sich als sehr effektiv heraus, sie unterstrich die lasziven Gesten der beiden Musiker. Diese lieferten sich heiße, erotische Szenen, man hätte sie für ein Paar halten können, daß um den jeweils anderen mit provokativen Gesten wirbt. Besonders heiß: Das gemeinsame Benutzen des gleichen Mikros, ein Zungenkuß lag in der Luft! Nach solchen Annäherungen entfernten sie sich aber wieder voneinander und zogen in ihrer jeweiligen Ecke ihre Show ab. Natürlich war das klischeebeladen bis zum geht nicht mehr, aber sie hatten dieses eigentlich abgedroschene Spielchen so perfekt drauf, daß es wirklich knisterte. Die Atmosphäre war schwül und heiß, Jamie schwitzte wie ein Schwein und verblüffte mich mit so manchen irren Blicken. Alison wiederum zog alle Register des Anmachlehrbuchs, sie fuhr sich erotisch durch die Haare, bückte sich nach vorne, ließ ihre Hüften kreisen und heizte den Leuten in den ersten Reihen mit ihrer keifenden Stimme ein. Ein paar Zuschauern in meiner unmittelbaren Nähe wurde das Gepose jedoch schnell zu bunt. "Aux chiottes" - in den Abfluß damit, schrie ein Typ wie ein Gestörter nach jedem Lied herein. "Ihr seid Scheiße, haut ab, Sonic Youth bitte!", machte er ständig weiter. Das empfand nicht jeder im Olympia so, viele gingen ab wie Schmidt's Katze, aber The Kills polarisieren halt eben.

Auch ich war nicht von jedem Lied gleichermaßen begeistert, aber "No Wow" hatte schon was, das kam wirklich gut. "The Good Ones" war ebenfalls herausragend und räumte ab, aber nicht nur Stücke vom Vorgängeralbum zogen. Auch das neue "Cheap And Cheerful" hatte Hitqualitäten. So schwitzten, keiften und räkelten sich die Kills schließlich durch ein circa. einstündiges Set und wurde unter tosendem Applaus verabschiedet.

Setlist The Kills, Olympia, Paris:

01: U.R.A Fever
02: Pull Au
03: Sour Cherry
04: Tape Song
05: No Wow
06: Alphabet
07: Wait
08: Last Day Of Magic
09: Kissy Kissy
10: The Good Ones
11: What N.Y. Used To Be
12: Cheap + Cheerful
13: Fried My Littel Brains
14: Good Night Bad Morning

Und dann hatten Beth Ditto und Gossip ihren großen Auftritt. "Hello, we are Gossip", stellte die Wuchtbrumme sich und ihre Band überflüssigerweise vor. Vielen Leuten im Publikum war der unfassbar explosive Auftritt des amerikanischen Trios vom letzten November in der Pariser Cigale noch in bester Erinnerung. Da hatte Beth Ditto sprichwörtlich alles platt gemacht, was ihr in den Weg kam und die Sympathien der Pariser im Sturm erobert. Würde sie heute wieder so triumphieren?

Daran bestand für mich kein Zweifel, schließlich hat Beth eine solche Energie und Wucht, daß sie glatt den Eifelturm zum Einstürzen bringen könnte.
Gleich beim Opener "Eyes Open" bebte der Boden im altehrwürdigen Olympia. Genau wie in der Cigale entwickelt dieser nämlich bei heftiger Bewegung einen Trampolineffekt, so daß man gezwungenermaßen kräftig durchgeschüttelt wird und auf-und abwippt, ob man will oder nicht. Mademoiselle Ditto hatte sich extra für den Abend in Schaale geworfen und trug ein enganliegendes, bedrucktes gelbes Kleid, das gegen Ende immer höher rutschte und so den Blick auf ihre Orangenhaut an den Oberschenkeln freigab. Das mögen einige als abstoßend empfinden (andere wiederum ganz toll finden), aber egal wie man das beurteilt, fest steht, daß diese Art der Freizügigkeit mutig ist. Warum sollen auch nur dünne Frauen Haut zeigen? Nein, nein, ein übertriebenes Schamgefühl ist nicht Frau Ditto's Sache und sie mag es auch gerne ungeniert. Zum Beweis rülpste sie fast nach jedem Lied, entschuldigte sich aber gleich im Anschluß auf französisch: "Excusez-moi, je suis désolée!"

Überflüssig zu sagen, daß ihr hier niemand die Rülpserei übel nahm, dafür ist sie einfach in Paris viel zu beliebt. So beliebt, daß nach einer gewissen Zeit, Fans wieder das unwiderstehliche Bedürfnis hatten, die mollige Frau anzufassen und zu ihr auf die Bühne zu kommen. Irgendwann stand dann das halbe Olympia um sie rum, und die Security ließ das Publikum die Bühne erobern. Es wurde eine ganz wilde Party gefeiert, die einzelnen Songs gerieten da fast zur Nebensache. Einige Titel ragten aber heraus, "Jealous Girls" zum Beispiel rockte wie Hölle und verleitete manche zum Crowdsurfen, da gab es kein Halten mehr. Aber auch der Rest, zum Teil altes Songmaterial, kam gut an, selbst wenn nicht jedes Lied bei Licht betrachtet hochkarätig war. Kleine Hänger wurden einfach durch die gewaltige Show, die da abgezogen wurde, kompensiert. Zu dem Gelingen des Spektakels trugen natürlich auch die coole und reichlich tätowierte Drummerin und der unscheinbar wirkende Gitarrist bei, aber heute gab es sogar noch einen vierten Musiker auf der Bühne, in der Form eines neuen Bassisten, der bei einigen Liedern mitmischte und sich köstlich zu amüsieren schien.

Eine gute Stunde wurde so das Publikum glänzend bei Laune gehalten und bei der 2. Zugabe, dem unglaublichen Smash-Hit "Standing In The Way Of Control" schien das Olympia zusammenzubrechen.
So wild hatte ich es in dem Saal, in dem ansonsten auch Schlagerfuzzis wie Mireille Mathieu auftreten, noch nie erlebt!

Aber das Ganze wurde noch getoppt: Beth griff sich das Mikro, wanderte Richtung Bühnenrand und forderte das Publikum auf, "La Vie En Rose" zusammen mit ihr zu singen. Die Begeisterung war unbeschreiblich, so etwas lieben die patriotischen Franzosen halt eben sehr. Beth Ditto und Gossip hatten Paris erneut im Sturm erobert!

Setlist Gossip, Paris, Olympia:

01: Eyes Open
02: Yr Mangled Heart
03: Jason's Basement
04: Coal To Diamonds
05: Jealous Girls
06: Don't Make Waves
07: AALIYAH
08: Heavy Cross
09: Fire/Sign
10: Night
11: Keeping You Alive

12: Yesterdays News
13: Listen Up!

14: Careless Whisper (George Michael Cover)
15: Standing In The Way Of Control
16: La Vie En Rose (Edith Piaf)


- Fotos von Pete & The Pirates hier
- Fotos von den Blakes hier
- Fotos von den stylishen Kills mit der heißen Sängerin hier
Hier gibt es schon einmal ein paar Bilder von Beth Ditto und Gossip

- Gossip beim Festival des Inrocks in Paris, November 2007 hier
- Gossip im Cooky's in Frankfurt 2007, hier



Operator Please, Köln, 18.03.08

4 Kommentare

Konzert: Operator Please
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 18.03.2008
Zuschauer: 70 vielleicht, gut gefüllt
Dauer: 40 Minuten


Zum ersten Mal von Operator Please gelesen habe ich im vergangenen Oktober. Da hatte jemand von einem Konzert der jungen Australier in Paris geschrieben. Die Lieder, die es im Netz zu kaufen gab, gefielen mir sehr gut, das waren flotte, fröhliche Popsongs mit einem Hauch Punk und einer sehr reif klingenden Sängerin.

Jetzt waren Operator Please erstmals in Deutschland (zumindest erstmals von mir wahrgenommen), unter anderem auch am Tag nach der europaweiten Veröffentlichung ihres Debüt-Albums im Studio 672, das zum Stadtgarten in Köln gehört. Bisher habe ich in Stadtgarten und Studio 672 nur gute Konzerte gesehen, es konnte also eigentlich nichts schiefgehen. Um die Quote der guten Eindrücke nicht
zu versauen, kamen wir nach der Vorgruppe. An anderer gut informierter Stelle hatte ich gelesen, daß ich damit wohl nichts verpassen würde. Wir kamen dann pünktlich zum Abbau von Herrenmagazin an und der Saal - das Räumchen - war schon ziemlich gut gefüllt.

Um halb zehn hatte der Roadie fertig aufgebaut, und es konnte losgehen. Die Gruppe um Sängerin Amandah Wilkinson kam wie im Studio 672 üblich durch die Bar und legte direkt sehr ordentlich los. Eröffnungssong war gleich die Single "
Get what you want", die in den britischen Indiecharts auf Platz eins war. Operator Please bestehen (zur Zeit) aus fünf Personen, wobei Amandah als Sängerin und Gitarristin gnaz eindeutig im Mittelpunkt steht. Neben ihr standen eine Keyboarderin (ist das noch Sarah Gardiner?), Violinistin Taylor Henderson, Bassist Ashley McConnell und Schlagzeuger Tim Commandeur.

Was musikalisch gleich auffiel, ist die
Amandahs großartige Stimme. Die Vergleiche mit Gossip oder den Noisettes sind vollkommen zutreffend, die junge Australierin muß da keinen Vergleich scheuen. Ihr Gesang klingt unglaublich reif und ausgebildet, dabei ist die Frau gerade mal 19 Jahre alt. Das zweite dominierende Element ist die Geige, die eine ganz andere Rolle als bei Los Campesinos! (die naheliegend als Referenz genannt werden) zum Beispiel spielt. Hier hat sie ganz klar mehr melodiöse Funktionen, ist neben der Gitarre das tragende Instrument. Taylor (diese Australier müssen alles andersrum machen, ich hätte bei Taylor eher an einem Mann gedacht, bei Ashley trotz doppelter Nutzung eher an eine Frau) beherrscht für meine Amateuraugen und -ohren ihr Instrument ganz ausgezeichnet. Da scheint eine klassische Ausbildung stattgefunden zu haben. Die Violinistin fiel mir daneben vor allem wegen ihrer unglaublich guten Laune auf, sie lächelte, grinste und lachte ununterbrochen, es war herrlich. Aber auch die anderen schienen viel Spaß an diesem Auftritt zu haben, Amandah genoß auch sichtlich, wie gut ihr Programm ankam.

Das Set war kurz und knackig. Operator Please spielten zehn Lieder ihres Albums, "Icicle", das B-Seite auf den Singles "
Leave it alone" (Großbritannien) und "Get what you want" (Australien) war, sowie das Devo-Cover "Whip it". Die Songs der Australier sind fröhliche und schnelle Poplieder, die für ordentlich Stimmung sorgen. Ich weiß nicht, wie viele der Besucher die Platte schon kennen (ich nicht, ich kenne nur Singles und ein paar andere Sachen), es wirkte aber so, als käme alles prima an. Mir hat die Band sehr viel mehr Spaß gemacht, als ich gedacht hätte. Mir war klar nach dem, was ich von ihnen gehört habe, daß das eine Musik für mich ist, live haben sie mich aber deutlich mehr erwischt. Kein Wunder, daß die Band von der Goldküste bereits einige große Festivals gespielt hat (Leads, Reading zum Beispiel) und viele bekannte Bands supportet hat (Arctic Monkeys, Kaiser Chiefs, Bloc Party, Maximo Park...). In Deutschland werden Operator Please nach der aktuellen Kurztour im Sommer beim Hurricane- und Southside-Festival zu sehen sein. Da bitte keine Mittagspause einlegen.

Deutsch spricht Amanda schon akzentfrei. Die wenigen Ansagen waren wirklich sehr gut. Sie hatte dabei allerdings ein wenig Hilfe, denn vor ihr lag ein Zettel mit einigen Sätzen auf Deutsch, in australiengerechter Lautschrift ("veer zind Operator Please"). Mein liebster Moment des Konzerts!


Setlist Operator Please Studio 672, Köln:

01: Get what you want
02: Ghost
03: Terminal disease
04: Other song
05: Icicle
06: Yes! Yes! Vindictive
07: 6/8
08: Cringe
09: Whip it (Devo Cover)
10: Leave it alone
11: Just a song about Ping Pong
12: Zero zero

Links:

- Operator Please in Paris 2008
- und in Paris im Oktober 2007
- mehr Fotos aus Köln
- Fotos von Operator Please aus Paris
- und noch mehr Fotos aus Paris

Konzertbesucher von Operator Please könnten auch mögen:

- Los Campesinos! in Paris 08
- bei einem Radiokonzert in Paris
- in Haldern und im Luxor in Köln
- in Brüssel, Paris und London 2007
- die Noisettes in Paris und in Köln
- The Gossip in Paris z.B. und in Frankfurt



 

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