Posts mit dem Label The Kills werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label The Kills werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 14. November 2011

The Kills, Paris, 13.11.11

0 Kommentare

Konzert: The Kills (Weekend)

Ort: L'Olympia, Paris

Datum: 13.11.2011
Zuschauer: ausverkauft, also etwa 2500

Konzertdauer: The Kills 85 Minuten, Weekend gut 35 Minuten


Erkenntnisse, Fakten, Beobachtungen zum Konzert von The Kills im Olympia:

- Ich bin zu alt für The Kills! Das Zielpublikum schien im Schnitt 16 (15?, 14?) und weiblich zu sein. Mit meinen 40 Jahren kam ich mir wie ein alter Lustmolch vor. Ein beschissenes Gefühl.

- Bluesiger Garagenrock ist im Moment gar nicht mein Fall. Ungünstig, wenn die Band die vorne auf der Bühne steht, einer der Hauptverteter dieser Gattung ist.

- Zu Anfang der 2000er Jahre mochte ich diesen Stil, Gruppen wie die White Stripes, Wolfmother, The Von Bondies, The Vines fand ich toll. Wieso weiß ich gerade nicht mehr...

- Diese banalen Schweineriffs sind aber einfach auch Scheiße. Dumpfbackenmusik. Die White Stripes gehören eigentlich dafür eingesperrt, daß sie Seven Nation Army geschrieben haben. Verflucht, jetzt habe ich wieder dieses perverse Riff in meinen Ohren. Raus da!

- The Kills haben ein paar Lieder, die ähnlich klingen.

- Wo war eigentlich Kate Moss? Ich hätte sie lieber gesehen, als ihren posenden Mann auf der Bühne. Kommt der sich in seinem Alter nicht doof dabei vor, so dämlich zu gucken? Soll das cool sein?

- Alison erinnerte mich dauernd an den Song von Helge Schneider: "Wildes Mädchen, schüttel dein Haar, wildes Mädchen schüttel dein Haupthaar."

- Ihre rosafarbenen Haare (Strähnchen? Perrücke? Ich glaube Strähnchen) stehen ihr nicht.

_ Es gab allen Ernstes Mädchen, die ebenfalls mit rosafarbener Perrücke antanzten. Wie der Herr so's Gescherr.Oder so.

- Das schlimmste Gefühl, daß einem bei einem Konzert überkommen kann ist Langeweile. Bei mir dauerte dieses Feeling 85 Minuten an.

- Da fällt mir gerade Marcel Reich-Ranicki ein, der einmal in seinem Literarischen Quartett sagte: "bei der Lektüre dieses Buches habe ich mich gräßlich gelangweilt!" Passte heute.

- Ich glaube die jungen Mädchen (wie hübsch sie wieder waren! Pariserinnen eben) haben sich wie Bolle amüsiert. Vermutlich wären sie gerne genau so cool und wild wie Alison. Die Freunde dieser Mädels sahen eher gelangweilt aus. Sie wären wahrscheinlich lieber mit ihren Eroberungen ins Kino gegangen. Da kann man gemütlicher fummeln und man sitzt wenigstens.

- Sitzen ist das Stichwort. Oder besser: einen Sitzen haben = besoffen sein. Die Kills können ihr routiniert runtergenudeltes Programm (haargenau gleiche Setlist wie am Vortag an gleicher Stelle!) wohl selbst nur ertragen, weil sie immer einen im Tee haben. Jamie hatte am Ende auch eine Pulle auf seinem Keyboard. Was war das? Whiskey? Wein? Champagner?

- Ach, so, heute gab es zusätzlich Trommler auf beiden Seiten. Talent mussten die für ihre Tätigkeit nicht haben, Ich hätte das auch hinbekommen. Irgendwie sahen die aus, wie die Burschen in dem Depeche Mode Video Master and Servant.

- Die Stimme von Alison klang weitestgehend ätzend. So ähnlich wie Joan Jett bei I Love Rock'n Roll. Knarzig und keifend. Rockröhre hätten wir in den 80 ern gesagt. Igitt.

- Die Höhepunkte waren rar gesäht. Satellite und Black Ballon waren ok, der Tape Song fetzte sogar sehr ordentlich und dann war auch plötzlich Riesenstimmung da.

- Die (gar nicht so schlechte) Ballade The Last Goodbye war eine Art Erlösung. Der Titel deutete schon daraufhin, daß bald Schluß sein würde. So war es dann auch. Hurrah!

- Ich habe The Kills dieses Jahr vier mal gesehen. Zu oft, sie hängen mir zum Halse raus.

- Die Vorgruppe Weekend aus Kalifornien war weitestgehend für die Füße. Die Typen standen saumäßig weit voneinander entfernt, jeder schrammelte in seiner Ecke vor sich hin und der Schlagzeuger knallte auf sein Fell, als wolle er einen ausgebüchsten Sklaven auspeitschen. Shoegaze der mediokren Sorte, Hat man alles schon einmal so ähnlich gehört.

Setlist The Kills, Paris, Olympia, 13. November 2011:
01: No Wow
02: Future Starts Slow
03: Heart Is A Beating Drum
04: Kissy Kissy
05: U.R.A. Fever
06: DNA
07: Satellite
08: Last Day Of Magic
09: Baby Says
10: Black Ballon
11: Pots And Pans
12: Cheap And Cheerful
13: Tape Song

14: Pale Blue Eyes (The Velvet Underground)
15: Sour Cherry
16: Fuck The People
17: Monkey 23
18: The Last Goodbye


Weitere ausgewählte Konzerttermine der Kills:
27.11.2011: E-Werk, Köln 29.11.2011: Tonhalle, München
30.11.2011: C-Halle, Berlin


Aus unserem Archiv:

The Kills, Paris, 06.04.11
The Kills, Paris, 20.03.11
The Kills, Frankfurt, 17.03.09
The Kills, Paris, 18.03.08

Fotos: Archiv




Samstag, 27. August 2011

Festival Rock en Seine bei Paris, 1. Festivaltag, 26.08.11

0 Kommentare

Konzert: Festival Rock en Seine, erster Tag mit: Foo Fighters, The Kills, Grouplove, CSS, Herman Dune, Funeral Party, Wolf Gang, Biffy Clyro, Smith Westerns, u.v.a.

Ort: Domaine National de Saint Cloud bei Paris
Datum: 26.08.2011
Zuschauer: ausverkauft


"Frühstück" (um viertel nach vier) mit Biffy Clyro, Nachthupferl mit den Foo Fighters. Am ersten Festivaltag bei Rock en Seine wurde mir mein verpoppter Arsch gewaltig versohlt. Nichts für Pussies also das heutige Line-Up, aber auch Softies kamen zumindest teilweise auf ihre Kosten. Warme Brüder erfreuten sich sicherlich am kitschigen Achtziger Jahre-Synthiesound von Wolf Gang (eine abscheuliche Band), während Party Animals bei den Brasilanern CSS abtanzten, Freunde sonniger Melodien bei Herman Dune mitschunkelten, gothische Teenager bei den ziemlich beschissenen Funeral Party voll abgingen, stylische Trendsetter sich am aufgesexten Blues-Rock der Kills ergötzen und Indie Popper ihren Spaß mit Grouplove hatten.

Postkarte von Rock en Seine:

Wetter: bescheiden
Frauen: scharf
Essen: passabel

Klatsch von Rock en Seine:

Alison Mosshart von den Kills süffelt Backstage beim Konzert der Foo Fighters Champagner und amüsiert sich mit einer Freundin wie Bolle, während Jamie Hince (mit Designertuch um den Hals) weit von Alison entfernt in die Luft starrt und sich offensichtlich tierisch langweilt (wo ist Kate Moss??). Dave Grohl spuckt unterdessen rum wie ein Lama und säuft gutes deutsches Becks Bier. Richtig so, die französische Affenpisse, die hier als "bière" verkauft wird, kann man ja auch niemandem anbieten!

Ob Iracema Trevisan, kurz Ira, die ehemalige Bassistin von CSS auch bei Rock en Seine war? Sie läuft uns in unserer U-Bahnstation mit hochhackigen Schuhen über den Weg. Sie wohnt in unserem Viertel, ich weiß es. Ist sie eigentlich noch mit dem Kerl von Air zusammen?



Donnerstag, 7. April 2011

The Kills, Paris, 06.04.11

0 Kommentare

Konzert: The Kills
Ort: Le Bataclan, Paris
Datum: 06.04.2011
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: 65 Minuten


So was nennt man dann wohl Dusel haben. Ich bin aber auch wirklich ein Glücksschwein! Komme einfach mal so vorbeigelatscht, obwohl ich weder Ticket noch Gästelistenplatz für die Kills habe. Stehe etwa 20 Minuten vor dem Pariser Bataclan und glotze den cool gestylten Girls hinterher. Weiß nicht, wie ich da reinkommen soll, denn das Konzert ist seit Wochen ausverkauft und die Herren und Damen des Labels Domino, auf denen die Kills beheimatet sind, grinsen nur höhnisch, als ich sie frage, ob sie mich da nicht irgendwie einschleusen könnten. Und bin dennoch pünktlich zum Beginn der Show drin! Und zwar ohne 50 Euro (oder mehr?) am Schwarzmarkt abgedrückt zu haben. Wie ich das geschafft habe? Zufall. Der Zufall, der dafür sorgt, daß ich einen Bekannten treffe, der im Pariser Kulturleben seit langem eine wichtige Rolle spielt, dies aber mitnichten raushängen lässt. Und stattdessen in seine Jacke greift, eine Gratiskarte rausfischt, sie mir in die Hand drückt und mir ein schönes Konzert wünscht. Saunett.

Drinnen bereue ich dann fast hier zu sein. Es ist bullenheiß und ich schwitze schon aus allen Poren, bevor die Show überhaupt angefangen hat. Ich sehe mich um und stelle fest, daß das Publikum überwiegend weiblich, lässig gestylt und extrem jung ist. Es hängen aber auch ein paar Typen hier rum, die sich obercool aufspielen. Abgewetzte Klamotten, Wuschelhaare, Dreitagebart. Pseudo-Clochard-Look. Alles nur Fassade, um davon abzulenken, daß die Schuhe 35o Euro gekostet haben und sie mit dem BMW von Mama gekommen sind. Hippie-Chic nennt man den Look dieser Arschgeigen in Paris auch, was an sich schon ein Widerspruch ist. Aber egal.

Alison Mosshart und Jame Hince lassen sich Zeit. Vielleicht weil er noch mit Kate Mosss rumknutscht? Oder sie ihren Leopardenfummel nicht mehr finden kann?

Dennoch, mit etwas Verspätung geht es gegen 21 Uhr 15 los. Alison läuft unruhig auf und ab, wie ein Raubtier, das gerade aus dem Käfig gelassen wurde. Jame steht wie immer nur cool in seiner Ecke rum und läßt seine Elektrische aufjaulen. Wenn er spielt, hat man immer das Gefühl, als würde jemand verzweifelt versuchen, den Wagen mit Vollgas zu starten: "Wroamm, wroamm, wroamm." Seine Gitarre sprüht förmlich Funken. Sie produziert aggressive, knarzige und wütende Donner-Geräusche und stachelt Alison zu ihrem hysterisch-laszivem Gesang auf. James's Gitarre, VVs Stimme und ein pluckernder Drumcomputer, mehr braucht es nicht, um eine Halle in Extase zu versetzen. Das junge Publikum ist trotz der Hitze tanzfreudig und wild und vor allem in den vorderen Reihen geht die Post ab. Bei Lied drei, Heart Is A Beating Drum wird es zum ersten Mal so richtig feurig. Rohe, brachiale Gitarrenriffs und ihr souliger Gesang setzen den Leuten zu. Das Ganze ist so direkt, kompakt, laut und energisch dargeboten, daß es keines richtigen Schlagzeuges bedarf. Am Ende glaubt man fast, Jame würde seiner Gitarre wie einem Gaul die Sporen geben.

Auch bei U.R.A Fever steigt 'ne Party, die Fans erkennen den Klassiker sofort am Telefon-Piepston und singen lauthals die Parolen mit: "you are fever, you are fever, you ain't born typical". Schwül und bleischwer schreitet der Song voran, Jame und VV spielen sich textlich die Bälle zu und ab und zu klingt es nach Maschinengewehrsalven.

Dann kommt ein Zweier-Block mit neuen Songs. Sie kommen beide roher und rockiger als auf dem Album daher. "Oh oh oh oh oh" blökt das Duo bei DNA, "operator, operator, dial her back", keift Alison bei Satelite (kein Lena Cover im Übrigen).

Mit dem Tape Song folgt im Anschluß der absolute Kracher des Abends, er entstammt dem Vorgängeralbum Midnight Boom. Tape Song räumt auf ganzer Linie ab: "you've got to you've got to go straight ahead "der griffige Refrain, das Killerriff, der angrifsslustige Gesang, alles passt. Der Punk geht nun so richtig ab und an diese aufgepeitschte Stimmung kommt später nichts mehr wirklich ran, am ehesten wohl noch Sour Cherry.



Nach nur gut 45 Minuten hauen Jame und Alisonmit dem Verklingen eben jenes Sour Cherry schon Richtung Kabine ab und lassen sich mit dem Zurückkommen so richtig schön Zeit. Natürlich geht es noch weiter, alles andere wäre ja auch eine Frechheit. Die einzige Ballade des Abends, The Last Good Bye, sorgt zwar musikalisch für Abwechslung, aber der langsame Orgelsong wirkt fast kitschig auf mich und erreicht mich auch nicht auf emotionaler Ebene. Die Kills sollten sich aufs Rocken beschränken, das können sie viel besser als Kuschellieder für Romantiker. Bester Beweis dafür ist der alles abschließende Uraltsong Fried My Littlle Brains. Rau wie der Wüstensand, schrammelig wie ein verbeulter Wagen und wuchtig wie die Rechte von Mike Tyson, genauso muss das Ganze klingen.



Ein starker Abschluß eines guten, aber nicht sensationellen Konzertes. Dafür war die Spielzeit mit 65 Minuten einfach zu knapp bemessen. Etwas mehr hätte man sich dann doch fürs Geld gewünscht. Falls man denn seine Karte bezahlt hat...

Setlist The Kills, Le Bataclan, Paris

01: No Wow
02: Futures Starts Slow
03: Heart Is Beating Drum
04: Kissy Kissy
05: U.R.A. Fever
06: DNA
07: Satellite
08: Tape Song
09: Baby Says
10: You Don't Own The Road
11: Sour cherry

12: The Last Goodbye
13: Pots And Pans
14: Fried My Little Brains

- Great english review, brilliant pics and a video at Rockerparis!



Mittwoch, 23. März 2011

The Kills, Paris, 22.03.11

4 Kommentare

Konzert: The Kills

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 22.03.2011
Zuschauer: 600 (ausverkauft)
Konzertdauer: eine knappe Stunde



The Kills in der Flèche d'or und Oliver Peel kriegt noch nicht einmal mit, daß Kate Moss da war!


Paris entwickelt sich immer mehr zur einem der Leader innerhalb der wichtigsten Konzertstädte dieses Planeten. Nachdem dieses Jahr schon PJ Harvey ihre neuen Songs von Let England Shake exklusiv in Paris angetestet hat, waren es nun die Kills, die in der Seinemetropole die neuen Stücke ihres noch nicht erschienenen Albums Blood Pressures zum allerersten Male live einem Publikum präsentierten. Tatort war dieses Mal die nicht sonderlich große Flèche d'or (Zuschauerkapazität 600).

Erneut wurde das Konzert per Livestream von verschiedenen Internetseiten (vor allem vom Initiator sfr.fr) in die Wohnzimmer dieser Welt gesendet. Aber selbst vor Ort zu sein, ist nach wie vor allemal spannender, wenngleich ich mir die Schwitzerei in der bullenheißen Location gerne erspart hätte. Aber die schwüle, schweißdurchtränkte Atmosphäre, passte genau zum flirrenden, staubtrockenen Wüstensound der Kills. Diese scheinen bei den jungen, trendigen Leuten eine der coolsten Bands der Welt zu sein, zumindest hatte dies heute abend für mich den Anschein. Wobei auch Kritik darüber laut wurde, daß von den 600 Plätzen nur 350 in den freien Handel kamen, während 250 geladene Gäste auf Listen vermerkt waren. Ich gehörte zu jenen Auserwählten, die hier gratis rein kamen und musste nicht am Tage x pünktlichst hinter dem Computer hängen, als innerhalb von 10 Minuten sämtliche Karten weggingen wie die warmen Semmeln.

Ganz relaxt konnte ich somit mit meinem schicken Gratisticket (hat mir Kate Moss geschenkt; nö, ein Witz!) auf wichtig machen und problemlos die bulligen Türsteher passieren. Drinnen war es schon ordentlich voll, aber es standen auch noch ein paar süchtige Mitbürger draußen rum und rauchten Zigaretten. Eine Vorgruppe gab es keine, getreu dem Motto: "du sollst keine anderen Götter neben mir haben." Und diese Götter der Coolness waren natürlich Alison Mosshart und Jamie Hince.

Gegen 21 Uhr kamen sie auf die Bühne geschlurft und Alison verkündete, daß sie heute abend ein paar Neuheiten testen würden. Diese Ansage sollte einer der wenigen des einstündigen Sets bleiben, ansonsten wurde die brünette Rocklady nur noch einmal gesprächig, als sie etwa in der Mitte des Konzertes inständig und mit Nachdruck darum bat, die Lichter runterzudrehen ("turn it down, seriously I mean it"), sie hätten keinen Bock auf Fotos, auf denen man sie verschwitzt sehen könne. Für viele Fans eine gewissse Enttäuschung, denn jeder wollte die beiden heißen Rockstars mit seiner Kamera ablichten und das Fotografierverbot wirkte ernüchternd. Zudem sorgten die Aufpasser vor der Bühne dafür, daß bloß keiner mehr knipste.

Aber vielleicht auch gar nicht schlecht so, denn nun konnte man sich auf die Musik konzentrieren, ohne den Ellenbogen seines Vordermannes, bei dessen Versuch einen Schnappschuss zu landen, in die Rippen zu kriegen. Ohnehin hätte die Stimmung wesentlich ausgelassener und wilder sein können. Obwohl vorne laut und roh gerockt wurde, wirkten die Hitze und die Enge lähmend auf die Besucher und kaum jemand bewegte sich großartig zu den rasiermesserscharfen Gitarrenriffs und dem greinenden Gesang von Alison. Die Hüftsteife kann natürlich auch daran gelegen haben, daß so viel neues, unbekanntes Material gespielt wurde. Material, das allerdings schon nach dem ersten Mal Livehören zu gefallen wusste. Die tyischen Merkmale des Killschen Sounds sind geblieben. Eine düster polternde, bedrohlich wirkende Gitarre, die jederzeit ausbrechen und höllisch laut werden kann, eine Alison Mosshart, die sexy und lasziv singt, als würde sie gerade von hinten genommen, und ein Jamie Hince, der mit seiner tiefen Mark Knopfler Stimme einen schönen Kontrast zu Alisons Gezwitschere bildet. Wie immer natürlich so rockstarlike performt wie es im Lehrbuch steht. Er ganz lässig mit seiner Elektrischen posend und nie zu viel Energie verschwendend, sie wild wie eine Furie und fast genauso wie man es aus dem Helge Schneider Song Baby Es Gibt Reis kennt: "wildes Mädchen, schüttel dein Haar für mich, Baby Baby schüttel dein Haupthaar für mich."



Welches neue Lied jetzt im Einzelnen wie gut ist, vermag ich freilich noch nicht zu sagen, aber zumindest die Mutter von Alison hat sich schon auf einen Favoriten festgelegt: ein Lied, bei dem eine Orgel zum Einsatz kam (ich glaube das war Lost Goodbye) und das rockige Moment ein wenig in den Hintergrund rückte. Mir persönlich hatte es aber am meisten ein Stück angetan, bei dem Jamies Gitarre ausnahmsweise auch einmal sehr melodische Töne anschlug und insgesamt eine poppigere Grundstimmung herrschte (weiß der Geier, wie der Song hieß).

Letztlich war die ganze Sache aber ziemlich schnell vorbei. Nach höchstens 50 Minuten verließen die beiden Sexysmbole die Bühne, bevor es noch zwei Zugaben gab, bei denen die Fesseln im Publikum gelöst wurden. Plötzlich war Crowdsurfen angesagt und viele Fanhände flogen in die Luft. Eine ausgelassene Stimmung, die ich mir so schon eher gewünscht hätte, aber vielleicht war es zum Dauertanzen einfach zu heiß heute.

Wie auch immer, das Konzert war gut, wenngleich nicht unbedingt weltbewegend. Es erfüllte auf jeden Fall seine Rolle: Lust darauf zu machen, sich demnächst "offiziellere" und längere Konzerte als das heutige anzusehen.

Und wo war jetzt Kate Moss? Laut Aussagen meiner aufmerksamen Freunde gleich rechts am Bühnenrand stehend und angeblich so hübsch, wie man das von einem Topmodel erwartet. Mit ihrem Lover Jamie Hince ging es nach der Show ins Hotel Ritz, wo sie unbedingt pennen wollte, obwohl eigentlich schon das der Location gleich gegenüber liegende Hotel gebucht worden war.

Setlist The Kills, La Flèche d,'or, Paris:

01: Future Starts Here
02: Satellite
03: Heart Is A Beating Drum
04: No Wow
05: Kissy Kissy
06: DNA
07: Baby Says
08: The Last Goodbye
09: You Don't Own The Road
10: Pots And Pan

11: Fried My Little Brains (Z)
12: Sour Cherry (Z)

Links:

- The Kills, Frankfurt, 17.03.09
- The Kills, Paris, 18.03.08




Mittwoch, 18. März 2009

The Kills, Frankfurt, 17.03.09

1 Kommentare

Konzert: The Kills
Ort: Mousonturm, Frankfurt
Datum: 17.03.2009
Zuschauer: annähernd ausverkauft
Dauer: The Kills 60 min


Als ich am Mousonturm ankam, war ich erst einmal erleichtert. Der Tourbus der Kills stand auf dem Gelände des Kulturzentrums. Puh! Im Oktober vegangenen Jahres war dem englisch-amerikanischen Duo auf einer US-Tour Bus inklusive Fahrer abhanden gekommen. Das Gefährt tauchte kurz danach wieder auf, der Busfahrer erst im Februar, als er wegen Raubs in Florida verhaftet wurde. Lustiges Rockerleben!

Sie waren also da. "Sie" sind Alison Mosshart und Jamie Hince, das ziemlich spektakuläre Musikerduo. Obwohl die Musik der beiden hochgelobt wird, standen sie in letzter Zeit eher in den Indieklatschspalten; Jamies Preis dafür, eine berühmte Freundin zu haben. Weil Kate Moss sich auch in der Band ihres Boyfriends musikalisch betätigen wollte, gab es Ärger mit Jamies Kollegin (und fast Namensbase) Alison. Dabei hätte ich einen Gastauftritt des Models gerne erlebt - über ein Duett mit Pete Doherty in Paris hatten wir bereits geschrieben.

Alison dagegen machte Schlagzeilen, weil sie einer neuen Supergroup (The Dead Weather) um Jack White angehört. Aber all das war heute egal, denn es ging ausschließlich um ein Konzert der Kills, das aber auch vollkommen ausreichte, um eine beträchtliche Zuschauermenge an einem kalten Dienstagabend in den Mousonturm zu locken.

Die Vorgruppe verpassten wir zum Großteil. Schlimm war das aber auch nicht, denn Boo Hoo schafften es nicht, mich mit zwei Liedern zu überzeugen, und das, obwohl ein Glockenspiel im Einsatz war, und der Sänger ein wenig wie Pelle Carlberg klang (ein wenig - der Schwede trifft mehr Töne).

Die Stimmung im Mousonturm beeindruckte mich enorm. Ich war schon einige Abende in diesem wundervollen Konzertsaal (zum Beispiel beim besten Gig 2008!), heute fiel mir aber eine Atmosphäre auf, die voller Spannung war. In dieser wirklich eindrucksvollen Stimmung fiel das Warten auf die Hauptgruppe überhaupt nicht schwer.

Um zehn erschienen Alison und Jamie dann schließlich. Vor ihnen begann aber erst einmal ein Intro und das dritte Bandmitglied, der Drumcomputer. Anhand der Töne aus dem Off war klar, daß der erste Song des gar nicht mehr richtig aktuellen Albums Midnight Boom Eröffnungslied war. Ich bin überzeugt, daß mindestens 50% meiner besuchten Konzerte mit dem ersten Titel der letzten Platte beginnen. Das muß doch genauso im großen Handbuch für Rock 'N' Roll Stars stehen und kann kein Zufall sein...

Die knisternde Spannung fand dann auf der Bühne ihre Fortsetzung. Alison sah aus wie auf allen Live-Bildern, die ich gesehen habe. Sie trug diesen Leoparden-Kram und sah nach einem Design-Punk aus. Passend zur Bluse tigerte (Entschuldigung! Sehr schlechter Wortwitz - aber ich konnte nicht anders) die gebürtige Amerikanerin über die Bühne wie Raubtiere in zu kleinen Zoo-Käfigen.

Dazu krachten die Punk-Gitarren mit allen dazu gehörenden Gesten - all das erzeugte eine sensationelle, energiegeladene Stimmung. Das Publikum bzw. dessen Reaktion passte perfekt dazu. Gestern in Berlin gab es wohl Crowdsurfer, in Frankfurt nur tanzende oder hüpfende und ansonsten gebannt beobachtende Zuschauer.

Bei der Musik der Kills muß ich so aufrichtig sein, daß ich bei weitem nicht alles mag. Einige Lieder sind mir zu unbesonders, was bei den Songstrukturen nicht furchtbar
schwer ist. Solche langweiligeren kamen auch im Frankfurter Set vor. Aber eben auch viele echte Perlen. Sour cherry, das wundervolle Black balloon und der Tape song waren wohl meine Lieblinge. Aber auch die schwächeren Songs wurden von der irren Atmosphäre locker abgefangen, gar keine Frage.

Nach der üblichen Dreiviertelstunde war Schluß. Nach drei, vier Minuten kamen die beiden Kills wieder. Neben Wait und der B-Seite
Dropout Boogie spielten Alison und Jamie ein fabelhaftes Cover. I put a spell on you gehörte ganz sicher zu den musikalischen Höhepunkten des Abends!

Die eine Stunde The Kills hat mir gefallen; das Konzert hatte etwas Besonderes,
obwohl es musikalisch nicht umwerfend war. Daß ich es mochte, liegt aber auch daran, daß ich den ganzen Abend, wenn der Drumcomputer mit dem immer gleichen Beat loslegte, erfolgreich den Badesalz-Gag mit dem Lambada verdrängen konnte. Des is aber jetzt de Lambada?!

Am meisten Probleme, ernst zu bleiben, hatte ich aber irgendwann am Anfang. Die so viel mit ihrem sexy Image spielende Alison spuckte, nein rotzte, in allerbester Fußballermanier mit Schwung auf die Bühne. Alison is a punk rocker...

Setlist The Kills, Mousonturm, Frankfurt:

01: U.R.A fever
02: Pull a u
03: Sour cherry
04: Tape song
05: No wow
06: Alphabet pony
07: Last day of magic
08: Kissy kissy
09: Black balloon
10: Hook and line
11: Getting down
12: Cheap & cheerful
13: Fried my little brains

14: Wait (Z)
15: I put a spell on you (Sreamin' Jay Hawkins Cover) (Z)
16: Dropout Boogie (Z)

Links:

- The Kills vor fast genau einem Jahr in Paris



Mittwoch, 19. März 2008

Gossip, The Kills, Paris, 18.03.08

0 Kommentare

Konzert: Gossip und The Kills (Pete & The Pirates, The Blakes)

Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 18.03.2008
Zuschauer: ausverkauft

Gossip und The Kills in der Stadt der Liebe?! - Ein Pflichttermin für alle, die es laut, wild und sexy lieben. Da war ich also genau richtig!

Was für eine Kombi, die gertenschlanke Alison "VV" Mosshart von den Kills und die wuchtbrummige Beth "Gossip" Ditto sollten sich also heute in Paris die Klinke (das Mikro) in die Hand geben. Wow! Beides Sexbomben, bloß eben jede auf ihre Weise. Da war für jeden Geschmack etwas dabei. Und für die Frauen gab es unter anderem den neuen "Mister Kate Moss" zu bewundern und zwar Jamie "Hotel" Hince, der bei den Kills den männlichen Part gibt. Vor diesem Cocktail aus Sex, Schweiß, Gitarren und heißen Posen ging es aber zunächst jugendfrei los.

Die eher braven Engländer Pete & The Pirates hatten die Ehre diesen Konzertabend auf charmante Weise einzuläuten.
Es war noch recht früh, ungefähr 19 Uhr, als die 5 jungen Kerle auf die hellerleuchtete Bühne traten. Die grelle Beleuchtung gab es deshalb, weil heute alles gefilmt wurde , das komplette Konzert soll nämlich bald bei dem Privatsender Canal + zu sehen sein. Und die Piraten gaben sich auch trotz dieses medialen Drucks keine Blöße. Äußerst frisch und flott ließen sie ihren melodiösen Gitarren freien Lauf und gefielen mir auf Anhieb. Meine Befürchtung von der x-ten Gitarrenpop-Band aus Großbritannien gepflegt gelangweilt zu werden, stellte sich schnell als unbegründet heraus. Klar, den Sound hat man in den letzten Jahren so, oder so ähnlich, von den Strokes, den Futureheads und etlichen anderen Gruppen bereits gehört, aber dennoch waren einzelen Lieder so ohrwurmig, daß dies weniger ins Gewicht fiel.. Besonders toll fand ich, daß der Sänger manchmal nach Stuart "Belle & The Sebastian" Murdoch klang, bloß daß das Ganze hier wesentlich schneller gebracht wurde. Insgesamt also eine bunte Mischung aus persönlichen Lieblingsgruppen, die gut durchgeschüttelt einen wohlschmeckenden Cocktail ergab. Das Publikum interessierte sich allerdings kaum für die Briten, bloß am Ende klatschten ein paar Hände mit. Schade, aber irgendwie passte der Power Pop von Pete & The Pirates auch nicht so recht zum bluesig-punkigen Garagenrock der darauffolgenden Bands.

Setlist Pete & The Pirates, Paris, Olympia:

01. Bright Lights
02. This Thyme
03. Lost In The Woods
04. Knife
05. Bears
06. The Wrong Man
07. Cold Black Kitty
08. Knots
09. She Doesn't Belong To Me
10. Mr Understanding
11. Come On feet


Warum man allerdings die drei Typen von den Blakes für den heutigen Abend engagiert hatte, bleibt mir ein Rätsel. Schon rein optisch (die seitlich ausgefransten Haare) erinnerten sie an Bands wie Jet und Oasis und genau wie diese machten sie auch auf dicke Hose, bloß daß sie keinen einzigen gekonnten Song zu bieten hatten. Dabei durften sie sogar 12 Lieder lang zeigen, daß sie außer den üblichen Rockstar- Posen und den engen Lederjacken nicht viel drauf hatten. Ihr äußest banaler Garagen-Rock in der Tradition von Iggy & The Stooges (eigentlich eine Beleidung für Herrn Pop, dieser Vergleich!), langweilte mich gräßlich und machte mir noch einmal deutlich wie gut eigentlich die Kings Of Leon sind, die ebenfalls im Hinblick auf den Gesang weitgehend talentfrei imitiert wurden. Mit dem abschließenden "Streets" hatte es sich aber zum Glück irgendwann ausgeblakt.

Setlist The Blakes, Paris, Olympia:

01: Picture
02: Don't Want That Now
03: Don't Bother Me
04: Basket
05: Vampire
06: Pistol Grip
07: Run
08: Magoo
09: Two Times
10: Lie Next To Me
11: Little Whispers
12: Streets

Danach war ein 20-minütiges Päuschen angesagt. Zahlreiche Konzertbesucher nutzten die Gelegenheit, skrupellos ihre Zigarettchen rauszuholen und loszuqualmen. Rauchverbot in allen öffentlichen Räumen seit dem 1. Januar 2008? War da was? Ach was, Gesetze werden in Frankreich im Gegensatz zu Deutschland einfach nicht sklavisch befolgt! Einerseits bewunderswert, andererseits aber auch störend, dann nämlich, wenn man wie ich Nichtraucher ist. Hinzu kam, daß das rauchende Arschloch vor mir auch noch 2 Meter groß war! Wie kann man so ein Pech haben? Der normale Franzose ist selten länger als 1,75 m und ich habe ausgerechnet den größten Hünen vor mir. Das half nur ein Platzwechsel, schließlich wollte ich das wilde Biest Alisson Mosshart in voller Pracht sehen. Und dann kam die Raubkatze auch und zwar in einem Leopardenmantel! Allerdings trat zunächst der neue Macker von Kate Moss, Mister Jamie Hince auf die Bühne. Er schien gut gelaunt zu sein und winkte den johlenden Zuschauern spontan zu. Die Kills sind aber auch wirklich ein stylishes Pärchen, die Klamotten, die sie tragen, sind so ziemlich der heißeste und angesagteste Fummel, den man finden kann! Aber ich war in erster Linie wegen der Musik hier, wenngleich ich gegen den Anblick hübscher Menschen überhaupt nichts einzuwenden habe.

Gestartet wurde mit einer neuen Single "U.R.A. Fever", die auf dem neuen Album "Midnight Boom" vertreten ist. Von Beginn aber wummerte, krachte und schepperte es. Häufig waren die Rhythmen leicht monoton, langsam und repetitiv, aber diese einfache Formel stellte sich als sehr effektiv heraus, sie unterstrich die lasziven Gesten der beiden Musiker. Diese lieferten sich heiße, erotische Szenen, man hätte sie für ein Paar halten können, daß um den jeweils anderen mit provokativen Gesten wirbt. Besonders heiß: Das gemeinsame Benutzen des gleichen Mikros, ein Zungenkuß lag in der Luft! Nach solchen Annäherungen entfernten sie sich aber wieder voneinander und zogen in ihrer jeweiligen Ecke ihre Show ab. Natürlich war das klischeebeladen bis zum geht nicht mehr, aber sie hatten dieses eigentlich abgedroschene Spielchen so perfekt drauf, daß es wirklich knisterte. Die Atmosphäre war schwül und heiß, Jamie schwitzte wie ein Schwein und verblüffte mich mit so manchen irren Blicken. Alison wiederum zog alle Register des Anmachlehrbuchs, sie fuhr sich erotisch durch die Haare, bückte sich nach vorne, ließ ihre Hüften kreisen und heizte den Leuten in den ersten Reihen mit ihrer keifenden Stimme ein. Ein paar Zuschauern in meiner unmittelbaren Nähe wurde das Gepose jedoch schnell zu bunt. "Aux chiottes" - in den Abfluß damit, schrie ein Typ wie ein Gestörter nach jedem Lied herein. "Ihr seid Scheiße, haut ab, Sonic Youth bitte!", machte er ständig weiter. Das empfand nicht jeder im Olympia so, viele gingen ab wie Schmidt's Katze, aber The Kills polarisieren halt eben.

Auch ich war nicht von jedem Lied gleichermaßen begeistert, aber "No Wow" hatte schon was, das kam wirklich gut. "The Good Ones" war ebenfalls herausragend und räumte ab, aber nicht nur Stücke vom Vorgängeralbum zogen. Auch das neue "Cheap And Cheerful" hatte Hitqualitäten. So schwitzten, keiften und räkelten sich die Kills schließlich durch ein circa. einstündiges Set und wurde unter tosendem Applaus verabschiedet.

Setlist The Kills, Olympia, Paris:

01: U.R.A Fever
02: Pull Au
03: Sour Cherry
04: Tape Song
05: No Wow
06: Alphabet
07: Wait
08: Last Day Of Magic
09: Kissy Kissy
10: The Good Ones
11: What N.Y. Used To Be
12: Cheap + Cheerful
13: Fried My Littel Brains
14: Good Night Bad Morning

Und dann hatten Beth Ditto und Gossip ihren großen Auftritt. "Hello, we are Gossip", stellte die Wuchtbrumme sich und ihre Band überflüssigerweise vor. Vielen Leuten im Publikum war der unfassbar explosive Auftritt des amerikanischen Trios vom letzten November in der Pariser Cigale noch in bester Erinnerung. Da hatte Beth Ditto sprichwörtlich alles platt gemacht, was ihr in den Weg kam und die Sympathien der Pariser im Sturm erobert. Würde sie heute wieder so triumphieren?

Daran bestand für mich kein Zweifel, schließlich hat Beth eine solche Energie und Wucht, daß sie glatt den Eifelturm zum Einstürzen bringen könnte.
Gleich beim Opener "Eyes Open" bebte der Boden im altehrwürdigen Olympia. Genau wie in der Cigale entwickelt dieser nämlich bei heftiger Bewegung einen Trampolineffekt, so daß man gezwungenermaßen kräftig durchgeschüttelt wird und auf-und abwippt, ob man will oder nicht. Mademoiselle Ditto hatte sich extra für den Abend in Schaale geworfen und trug ein enganliegendes, bedrucktes gelbes Kleid, das gegen Ende immer höher rutschte und so den Blick auf ihre Orangenhaut an den Oberschenkeln freigab. Das mögen einige als abstoßend empfinden (andere wiederum ganz toll finden), aber egal wie man das beurteilt, fest steht, daß diese Art der Freizügigkeit mutig ist. Warum sollen auch nur dünne Frauen Haut zeigen? Nein, nein, ein übertriebenes Schamgefühl ist nicht Frau Ditto's Sache und sie mag es auch gerne ungeniert. Zum Beweis rülpste sie fast nach jedem Lied, entschuldigte sich aber gleich im Anschluß auf französisch: "Excusez-moi, je suis désolée!"

Überflüssig zu sagen, daß ihr hier niemand die Rülpserei übel nahm, dafür ist sie einfach in Paris viel zu beliebt. So beliebt, daß nach einer gewissen Zeit, Fans wieder das unwiderstehliche Bedürfnis hatten, die mollige Frau anzufassen und zu ihr auf die Bühne zu kommen. Irgendwann stand dann das halbe Olympia um sie rum, und die Security ließ das Publikum die Bühne erobern. Es wurde eine ganz wilde Party gefeiert, die einzelnen Songs gerieten da fast zur Nebensache. Einige Titel ragten aber heraus, "Jealous Girls" zum Beispiel rockte wie Hölle und verleitete manche zum Crowdsurfen, da gab es kein Halten mehr. Aber auch der Rest, zum Teil altes Songmaterial, kam gut an, selbst wenn nicht jedes Lied bei Licht betrachtet hochkarätig war. Kleine Hänger wurden einfach durch die gewaltige Show, die da abgezogen wurde, kompensiert. Zu dem Gelingen des Spektakels trugen natürlich auch die coole und reichlich tätowierte Drummerin und der unscheinbar wirkende Gitarrist bei, aber heute gab es sogar noch einen vierten Musiker auf der Bühne, in der Form eines neuen Bassisten, der bei einigen Liedern mitmischte und sich köstlich zu amüsieren schien.

Eine gute Stunde wurde so das Publikum glänzend bei Laune gehalten und bei der 2. Zugabe, dem unglaublichen Smash-Hit "Standing In The Way Of Control" schien das Olympia zusammenzubrechen.
So wild hatte ich es in dem Saal, in dem ansonsten auch Schlagerfuzzis wie Mireille Mathieu auftreten, noch nie erlebt!

Aber das Ganze wurde noch getoppt: Beth griff sich das Mikro, wanderte Richtung Bühnenrand und forderte das Publikum auf, "La Vie En Rose" zusammen mit ihr zu singen. Die Begeisterung war unbeschreiblich, so etwas lieben die patriotischen Franzosen halt eben sehr. Beth Ditto und Gossip hatten Paris erneut im Sturm erobert!

Setlist Gossip, Paris, Olympia:

01: Eyes Open
02: Yr Mangled Heart
03: Jason's Basement
04: Coal To Diamonds
05: Jealous Girls
06: Don't Make Waves
07: AALIYAH
08: Heavy Cross
09: Fire/Sign
10: Night
11: Keeping You Alive

12: Yesterdays News
13: Listen Up!

14: Careless Whisper (George Michael Cover)
15: Standing In The Way Of Control
16: La Vie En Rose (Edith Piaf)


- Fotos von Pete & The Pirates hier
- Fotos von den Blakes hier
- Fotos von den stylishen Kills mit der heißen Sängerin hier
Hier gibt es schon einmal ein paar Bilder von Beth Ditto und Gossip

- Gossip beim Festival des Inrocks in Paris, November 2007 hier
- Gossip im Cooky's in Frankfurt 2007, hier



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates