Posts mit dem Label Operator Please werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Operator Please werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 21. Juli 2008

Operator Please, Melt! Festival, 19.07.08

1 Kommentare

Konzert: Operator Please!

Ort: Gemini Stage, Melt! Festival Gräfenhainichen
Datum: 19.07.2008
Zuschauer: viele, da man in dem Zelt vor dem Regen geschützt war
Konzertdauer: knapp 40 Minuten


Um 21 Uhr am heutigen Samstag sollten eigentlich Friendly Fires (auf der Gemini Stage) parallel zu Notwist (auf der Hauptbühne) spielen.

Das ärgerte mich etwas, denn ich wollte beide Bands sehen. Allerdings gab es die Möglichkeit , nach dem Ende von Friendly Fires schnell rüberzusprinten, denn Notwist wurde ursprünglich eine Spielzeit von 1 Stunde eingeräumt, während sich die jungen Engländer von Friendly Fires mit 35 Minuten begnügen sollten. Es kam aber alles ganz anders. Nach lediglich einem Song von Friendly Fires gab es einen solch gewaltigen Regenschauer, dass auf der Gemini Stage wegen eines Stromausfalls abgebrochen werden musste. Und Notwist hatten auf der Hauptbühne noch nicht einmal angefangen. Der ganze Zeitplan kam durcheinander...

Irgendwann konnten die Friendly Fires dann aber weitermachen und brachten das Konzert auch ohne weitere Zwischenfälle zu Ende. Auf der Hauptbühne hatten Notwist immer noch nicht angefangen und auf der
Gemini Stage ließen nun Operator Please! ein wenig auf sich warten. Ich hatte also die Gelegenheit, kurz mal Richtung Hauptbühne zu laufen und die ersten drei Songs von Notwist anzuhören, die nun endlich begonnen hatten.

Danach ging es aber sofort wieder rüber in das
regengeschützte Zelt, die Gemini Stage. Den blutjungen Australiern von Operator Please! konnte das Unwetter nur recht sein, „ihr“ Zelt war nämlich jetzt voll!

Die Senkrechtstarter nutzten ihre Chance und zeigten von Beginn an, dass man mit ihnen in Zukunft rechnen muss. Hochexplosiv und irre schnell starteten die Küken in ihr
flottes Set, stellten sich auf deutsch als: „Wir sind Operator Please!" vor und jagten polternde Basslinien, hochmelodische Turbo-Geigen, ein wuchtiges Schlagzeug und heulende Gitarren quer durchs Zelt. Der Laden bebte!

Fast 20 Minuten lang ging ein jugendlich ungestümer Donnerhagel hernieder, initiiert von der wuchtbrummigen Sängerin und Gitarristin Amanda, die mehr Energie als 10 kräftige Möbelpacker zusammen hat. Taylor, die süße blonde Geigerin mit dem niedlichen Lächeln, bildete den perfekten Gegenpol zu der
Wucht von Amanda, ihre grazilen und sinnlichen Bewegungen gepaart mit ihrem enorm schnellen Violinenspiel, brachten Subtilität und Finesse in die Sache.

Auf keinen Fall vergessen darf man aber den Bassisten mit dem Popperscheitel und
den engen Jeans. Mit seinen markanten und präzisen Bassläufen würde er noch bei den Arctic Monkeys eine gute Figur machen. Den extrem jung aussehenden blonden Schlagzeuger (er ist 18, sieht aber aus wie 16) sah man leider zu selten, er war meistens von der kräftigen Amanda verdeckt.

Zu den Songs:

Die ersten Lieder, darunter die Singleauskopplung „Get What You Want“ und das schmissige „Yes Yes“ (bei dem in der Mitte auf deutsch von 1 bis 8 gezählt wurde) kamen allesamt in atembraubendem Speed daher, bevor mit 6/8 zum ersten und
einzigen Mal der Fuß vom Gaspedal genommen wurde. Amanda zeigte hier besonders genau, welch schöne soulig-punkige Stimme sie hat und Taylor fiedelte mich in den siebten Himmel. Toll!

Nach 6/8 dann eine riesige Überraschung, es gab nämlich ein Cover der Hip Hop
Band Salt'N'Pepa. Taylor entledigte sich ihrer Geige und legte zusammen mit Amanda ein scharfes Tänzchen aufs Parkett. So lasse ich mir Hip Hop gefallen!

Auch das Finale war noch einmal fulminant, mit den Hits „Leave It Alone“ und „Just A Song About Ping Pong“ schossen die jungen Australier den Vogel ab und gewannen die Herzen der Festivalbesucher im Sturm.

Ein kleiner Triumph!

Setlist Operator Please!, Melt! Festival:

01: Get what you want
02: Terminal Disease
O3: Ghost
04: Icicle
05: Yes Yes
06: 6/8
07: Push It (
Salt'N'Pepa Cover)
08: Cringe
09: Leave It Alone
10: Just A Song About Ping Pong
11: Zero Zero

Links:

- aus unserem Archiv:
- Operator Please, Köln, 18.03.08
- Operator Please, Paris, 21.02.08
- Operator Please, Paris, 17.10.07
- mehr Fotos von Operator Please beim Melt! Festival
- Interview mit Operator Please folgt!









Mittwoch, 19. März 2008

Operator Please, Köln, 18.03.08

4 Kommentare

Konzert: Operator Please
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 18.03.2008
Zuschauer: 70 vielleicht, gut gefüllt
Dauer: 40 Minuten


Zum ersten Mal von Operator Please gelesen habe ich im vergangenen Oktober. Da hatte jemand von einem Konzert der jungen Australier in Paris geschrieben. Die Lieder, die es im Netz zu kaufen gab, gefielen mir sehr gut, das waren flotte, fröhliche Popsongs mit einem Hauch Punk und einer sehr reif klingenden Sängerin.

Jetzt waren Operator Please erstmals in Deutschland (zumindest erstmals von mir wahrgenommen), unter anderem auch am Tag nach der europaweiten Veröffentlichung ihres Debüt-Albums im Studio 672, das zum Stadtgarten in Köln gehört. Bisher habe ich in Stadtgarten und Studio 672 nur gute Konzerte gesehen, es konnte also eigentlich nichts schiefgehen. Um die Quote der guten Eindrücke nicht
zu versauen, kamen wir nach der Vorgruppe. An anderer gut informierter Stelle hatte ich gelesen, daß ich damit wohl nichts verpassen würde. Wir kamen dann pünktlich zum Abbau von Herrenmagazin an und der Saal - das Räumchen - war schon ziemlich gut gefüllt.

Um halb zehn hatte der Roadie fertig aufgebaut, und es konnte losgehen. Die Gruppe um Sängerin Amandah Wilkinson kam wie im Studio 672 üblich durch die Bar und legte direkt sehr ordentlich los. Eröffnungssong war gleich die Single "
Get what you want", die in den britischen Indiecharts auf Platz eins war. Operator Please bestehen (zur Zeit) aus fünf Personen, wobei Amandah als Sängerin und Gitarristin gnaz eindeutig im Mittelpunkt steht. Neben ihr standen eine Keyboarderin (ist das noch Sarah Gardiner?), Violinistin Taylor Henderson, Bassist Ashley McConnell und Schlagzeuger Tim Commandeur.

Was musikalisch gleich auffiel, ist die
Amandahs großartige Stimme. Die Vergleiche mit Gossip oder den Noisettes sind vollkommen zutreffend, die junge Australierin muß da keinen Vergleich scheuen. Ihr Gesang klingt unglaublich reif und ausgebildet, dabei ist die Frau gerade mal 19 Jahre alt. Das zweite dominierende Element ist die Geige, die eine ganz andere Rolle als bei Los Campesinos! (die naheliegend als Referenz genannt werden) zum Beispiel spielt. Hier hat sie ganz klar mehr melodiöse Funktionen, ist neben der Gitarre das tragende Instrument. Taylor (diese Australier müssen alles andersrum machen, ich hätte bei Taylor eher an einem Mann gedacht, bei Ashley trotz doppelter Nutzung eher an eine Frau) beherrscht für meine Amateuraugen und -ohren ihr Instrument ganz ausgezeichnet. Da scheint eine klassische Ausbildung stattgefunden zu haben. Die Violinistin fiel mir daneben vor allem wegen ihrer unglaublich guten Laune auf, sie lächelte, grinste und lachte ununterbrochen, es war herrlich. Aber auch die anderen schienen viel Spaß an diesem Auftritt zu haben, Amandah genoß auch sichtlich, wie gut ihr Programm ankam.

Das Set war kurz und knackig. Operator Please spielten zehn Lieder ihres Albums, "Icicle", das B-Seite auf den Singles "
Leave it alone" (Großbritannien) und "Get what you want" (Australien) war, sowie das Devo-Cover "Whip it". Die Songs der Australier sind fröhliche und schnelle Poplieder, die für ordentlich Stimmung sorgen. Ich weiß nicht, wie viele der Besucher die Platte schon kennen (ich nicht, ich kenne nur Singles und ein paar andere Sachen), es wirkte aber so, als käme alles prima an. Mir hat die Band sehr viel mehr Spaß gemacht, als ich gedacht hätte. Mir war klar nach dem, was ich von ihnen gehört habe, daß das eine Musik für mich ist, live haben sie mich aber deutlich mehr erwischt. Kein Wunder, daß die Band von der Goldküste bereits einige große Festivals gespielt hat (Leads, Reading zum Beispiel) und viele bekannte Bands supportet hat (Arctic Monkeys, Kaiser Chiefs, Bloc Party, Maximo Park...). In Deutschland werden Operator Please nach der aktuellen Kurztour im Sommer beim Hurricane- und Southside-Festival zu sehen sein. Da bitte keine Mittagspause einlegen.

Deutsch spricht Amanda schon akzentfrei. Die wenigen Ansagen waren wirklich sehr gut. Sie hatte dabei allerdings ein wenig Hilfe, denn vor ihr lag ein Zettel mit einigen Sätzen auf Deutsch, in australiengerechter Lautschrift ("veer zind Operator Please"). Mein liebster Moment des Konzerts!


Setlist Operator Please Studio 672, Köln:

01: Get what you want
02: Ghost
03: Terminal disease
04: Other song
05: Icicle
06: Yes! Yes! Vindictive
07: 6/8
08: Cringe
09: Whip it (Devo Cover)
10: Leave it alone
11: Just a song about Ping Pong
12: Zero zero

Links:

- Operator Please in Paris 2008
- und in Paris im Oktober 2007
- mehr Fotos aus Köln
- Fotos von Operator Please aus Paris
- und noch mehr Fotos aus Paris

Konzertbesucher von Operator Please könnten auch mögen:

- Los Campesinos! in Paris 08
- bei einem Radiokonzert in Paris
- in Haldern und im Luxor in Köln
- in Brüssel, Paris und London 2007
- die Noisettes in Paris und in Köln
- The Gossip in Paris z.B. und in Frankfurt



Freitag, 22. Februar 2008

Foals, Operator Please!, Paris, 21.02.08

7 Kommentare

Konzert: Foals, Operator Please! (Inrocks Indie Club)

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 21.02.2008
Zuschauer: ausverkauft


Christoph hatte im Rahmen seiner The Verve-Berichterstattung mal davon geschwärmt, wie viele namhafte bzw. vielversprechende Bands in London innerhalb weniger Tage so auftreten (weshalb er die scheußlichen Spice Girls mitaufzählte, ist mir allerdings bis heute nicht klar). Keine Frage, seine Liste war beeindruckend! Ich denke aber, Paris kann da durchaus mithalten, gerade in dieser Woche und besonders im Hinblick auf Gruppen, von denen man 2008 noch viel hören wird. Ihr wollt Namen zum Beweis? Kein Problem! Innerhalb von 8 Tagen spielten folgende Acts in Paris: Frank Black (Black Francis), Simian Mobile Disco, The Whip, Born Ruffians, Nada Surf, The Kills, Oh No! Oh My!, Pluramon, The Duke Spirit, Cut Off Your Hands, Yeasayer, Tunng, Operator Please!, Foals, Dirty Pretty Things, Jack Penate, Moriarty, Tiny Masters Of Today, Jose Gonzales, Chris Garneau, Caribou. Nicht schlecht, oder?

Für mich stellte sich an diesem Donnerstag das Problem, wem ich den Vorzug geben sollte: Yeasayer, die Im Nouveau Casino angesetzt waren, den vorzüglichen Elektro-Folk Barden Tunng, die im Point FMR zauberten, oder doch den gehypten Foals, die auch noch Operator Please! in die Maroquinerie mitgebracht hatten? Schwierig, schwierig, aber letzlich fiel doch die Wahl auf den Inrocks- Indie- Club mit Foals, weil ich schlicht und einfach für dies Veranstaltung seit langem Karten hatte.

Als ich in der rue Oberkampf den Bus 96 Richtung Maroquinerie nahm, guckte ich noch einmal ein wenig sehnsüchtig auf die Menschenschlange, die im Nouveau Casino auf Einlaß in das Yeasayer-Konzert wartete, konzentrierte mich aber in der Folge auf "mein" Konzert. In der Maroquinerie angekommen, zappelte gerade ein Typ mit einer unglaublich dämlich aussehenden Brille auf der Bühne rum. Kennedy nannte sich der Witzbold, der weder mit dem erschossenen Präsidenten noch mit geschmackvoller Musik etwas zu tun hat. Pop/Hip Hop/ Classic Rock kann man auf seiner MySpace Seite lesen. Nein danke! Selten, so etwas fürchterlich Trashiges gesehen! Da konnte ich noch nicht einmal drüber lachen. Ich war froh, als der Kerl endlich verschwand und talentierteren und schöneren Menschen die Bühne überließ. Zwei der Mädels (die süße Violinistin Taylor und die Keyboarderin Sarah) von Operator Please! waren komischerweise schon zu einem Gast-Auftritt bei diesem seltsamen Kennedy erschienen, aber als sie wiederkamen, war auch noch der Rest der jungen Bande dabei. Als da wären Amandah, die stämmige Sängerin und Gitarristin mit der wuchtigen Soul/Punk-Stimme, der blutjung aussehende Schlagzeuger Timmy mit seinen Engelslöckchen und der spindeldürre Bassist Ashley. Bei der Keyboarderin war ich mir allerdings nicht sicher, ob das noch die Gleiche war, die ich in der Flèche d'or bei meinem ersten Operator Please! - Konzert erlebt hatte. Ich denke, daß da bereits ein Wechsel stattgefunden hat. Wie auch immer, die "Neue" war auch schnuckelig, obwohl man ihr mal sagen müßte, daß man diese schwarze Lippenumrandung in Paris nur in der Banlieue trägt...

Der Anfang des Sets war erstaunlich punkig, ich hatte das Ganze poppiger in Erinnerung gehabt. Was man da so hörte, klang fast wie Gossip oder auch wie...die Arctic Monkeys. "Get What You Want" stelle ich sogar unter den Verdacht des Plagiats, denn einen markanten Melodiebogen haben sie bewußt, oder unbewußt von "A Certain Romance" übernommen! War aber nicht schlimm, da sowieso irgendwann in der Zunkunft jede Melodie und jedes Gitarrenriff einmal vorgekommen sein wird.

Die folgenden Titel kannte ich mehrheitlich noch nicht, da das Debütalbum der Australier, "Yes Yes Vindictive" erst im März in Europ in den Läden stehen wird. Die Besucher in der Maroquinerie bekamen aber einen guten Vorgeschmack auf das, was einen da erwarten wird: Frecher, jugendlich ungestümer Indie-Rock mit Hitpotential! Und viel Charme, den man vor allem live erlebt, dann nämlich, wenn man einen oder mehrere Blicke auf die unglaublich süße Violinistin Taylor wirft! Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, mich davon nicht beeinflussen zu lassen, um die musikalischen Qualitäten einigermaßen fair bewerten zu können, aber ich kam nicht umhin, die Blondine immer wieder anzustarren. Da sie zudem noch jedes Lied mit einem zauberhaften französischen Akzent ansagte, war die Befangenheit perfekt. Insofern bin ich mir nicht ganz sicher, ob das Album durchgängig gelungen sein wird. Eines kann ich aber eindeutig sagen: "Leave It Alone" ist ein Smash-Hit, der 2008 noch so manchen Indie-Club rund um den Globus aufmischen wird! Auch in der Maroquinerie schlug das Teil wieder ein wie eine Bombe und die ersten Crowdsurfer gleiteten über die Köpfe der Leute in den ersten Reihen hinweg. Mit "Just A Song About Ping Pong" konnte die Intensität spielend gehalten werden und die häufigen Tempwechsel erwischten einige Tänzer auf dem falschen Fuß. Zum Abschluß gab' s dann noch "Zero Zero" und 40 dynamische und mitreißende Minuten lagen hinter Band und Publikum.

Setlist Operator Please!, La Maroquinerie, Paris

01: Get What You Want
02: Ghost
03: Terminal Disease
04: Other Song
05: Icicle
06: Yes! Yes! Vindictive
07: 6/8
08: Cringe
09: Whip It
10: Leave It Alone
11: Just A Song About Ping Pong
12: Zero Zero

Konzertdauer: 40 Minuten

Konzerttermine Operator Please:

12. März 2008: Brüssel
13. März 2008: Rotterdam
14. März 2008: Amsterdam
15: März 2008: Utrecht
17. März 2008: München (Atomic Café)
18. März 2008: Köln (Studio 672)
19. März 2008: Berlin (Magnet)
20. März 2008: Hamburg (Molotow Rock n Roll Circus)

Noch viel mehr Fotos von Operator Please hier

Zum Abschluß dann Foals, die Headliner des Abends. "Salut, Salut" riefen sie in die erwartungshungrige Menge um dann erst einmal knapp vier Minuten lang nur die Instrumente sprechen zu lassen. Es zirpte, rumpelte, klimperte und mathrockte wie bei Battles den Amerikanern. Bei "French Open" dann zum ersten Mal etwas Gesang. Hierfür verantwortlich: Yannis Philippakis, der kleingewachsene, schwarzhaarige Kerl, der meistens ziemlich grimmig dreinblickte und zudem Gitarre spielte. Mußte er sich auf seinen stark an "Robert The Cure Smith" erinnernden Gesang konzentrieren? Dieses wehklagende Stimmchen des unverstandenen und orientierungslosen Jugendlichen kennt man ja noch aus der Post-Punk Ära (wenn man so ein alter Knochen ist wie ich), oder hat es spätestens bei Bloc Party kennengelernt. Das nervte schon einmal! Zumindest mich! Das überwiegend sehr junge Publikum hingegen ging wahnsinnig ab. "Wie unglaublich toll und kreativ das ist!", werden die grünschnäbeligen Menschen wohl gedacht haben und tanzten sich in einen Rausch. Manche hatten sich diese wieder in die Mode gekommenen Neon-Leuchtstäbchen hinter die Ohren geklemmt, oder wedelten wild mit ihnen durch die Luft und dirigierten so die Musiker, die wie ein Hühnerhaufen über die Bühne jagten. Warum finden die das alle so toll?, fragte ich mich. Das hat man doch schon so ähnlich von diesen komischen Test-Icicles (oder auch Forward Russia) gehört! Klar, die extrem kurz angerissenen Gitarrenriffs, die fast wie Synthesizer klangen, der knarzige Bass und die plötzlichen Rhythmuswechsel hatten schon etwas Berauschendes. Aber deshalb gleich nach einer neuen Sensation rufen? Wo blieben die richtigen Songs, mit einer irgendwie gearteten Struktur? Oder schöne Melodien? Warscheinlich war ich zu alt und verknöchert, um das zu verstehen...

Das Publikum fraß allerdings den Musikern aus der Hand und nahm dem kleinen Jannis auch ab, daß er Paris für seine "Favorite City" halte und er bis zum nächsten Mal französisch gelernt habe ("I dropped that at school"). Nun gut, ob ich das mit den Sprachkenntnissen überprüfen werde, weiß ich noch nicht, sicher bin ich aber, daß ich mir das demnächst erscheinende Debütalbum nicht zulegen werde. Es wird mit ganz großer Wahrscheinlichkeit mit glänzenden Kritiken überhäuft werden, der NME wird bestimmt mindestens 9/10 Punkte springen lassen und alle werden schreien:
"Das ist die kreativste Band 2008 und live sind die sooo geil!"

Um beim Thema zu bleiben: Mir ging davon keiner ab! Und daß, obwohl die letzte Einlage, bei der Klein-Yannis auf ein stehendes Drumm einprügelte und die anderen mit ihren Gitarren und Bässen wie Hexen auf einem Besen rumhüpften, gar nicht so übel war.

Setlist Foals, La Maroquinerie, Paris:

01: XXXXXX
02: The French Open
03: Cassius
04: Olympic Airwaves
05: Balloons
06: Heavy Water
07: Two Steps, Twice
08: Hummer
09: Red Socks Pugie
10: Mathletics

11: Electric Bloom

Konzertdauer: 45 Minuten







Donnerstag, 18. Oktober 2007

Good Shoes, Operator Please, u.a., Paris, 17.10.07

2 Kommentare

Konzert: Good Shoes, Operator Please & Hatcham Social
Ort: La Flèche D'or, Paris
Datum: 17.10.2007
Zuschauer: am Ende voll, also 500


An einem Tag, an dem viele Pariser Brit-Rock Fans vergeblich auf einen Gästelistenplatz für das Fernseh - Konzert von Pete Doherty und seinen Babyshambles hofften, gab es auch jenseits der Studios von Canal + interessante Musik zu hören. Ohne Eintritt zahlen zu müßen, kam man nämlich in der Flèche d'or in den Genuß eines ungemein guten und abwechslungsreichen Programms. Die jungen britischen Waver Hatcham Social (Namen merken!) waren als erste vorgesehen, danach die noch jüngeren Australier von Operator Please und zum Abschluß, die bereits recht etablierten Good Shoes.

In der Flèche d'or standen um halb neun aber lediglich ein paar Leutchen rum, die wie ich gar nichts verpassen wollten. Und die Zuspätgekommenen wurden in der Tat vom Leben bestraft, denn das Trio Hatcham Social hatte so einiges zu bieten! Als erstes stach der Look der jungen Typen ins Auge: Schlagzeuger Finn war schon vorher mit langem Trenchcoat und Poppertolle durchs Publikum geschlurft, sein singender Bruder Toby Kidd trug graue Skinny Jeans, die dazu passenden spitzen Schuhe und ebenfalls einen Seitenscheitel. Auch Bassist Dave war mit seinem 20er Jahre Tennispullover und seiner ebenfalls hautengen Jeans sehr fesch. Das Styling war also schon einmal perfekt, aber es sollte sich schnell herausstellen, daß Hatcham Social auch musikalisch interessant sind. Meine erste Assoziation waren die legendären Talking Heads, wegen des artpunkigen Einschlags, aber auch Clap Your Hands Say Yeah! hörte ich heraus. Wenn man aber die MySpace Seite der Newcomer anguckt, liest man da vor allem den Namen der Insidern bekannten Band Orange Juice, von denen es in den letzten Jahren ein interessantes Reissue gab. Aber ganz egal wo man das Ganze stilistisch verorten will, es klang aufregend und auch eigenständig. Jammerschade, daß so wenige Leue den extrem kurzen Auftritt mitbekommen haben; nach circa. einer handvoll Lieder und geschätzten 15-20 Minuten war nämlich schon Schluß. Wahrscheinlich hatten die Engländer einfach noch nicht mehr Lieder im Repertoire...

Setlist Hatcham Social (mit Dank an Philippe von Soundofviolence!):

01: Alice (Intro)
02: Jojo Happy Making
03: Till The Dawn
04: Berlin
05: Snap My Hands
06: Penelope (Under My Hat)

Links: Video, Hatcham Social, Live @ Barfly
mehr Bilder von Hatcham Social

Ein Weilchen später durften Operator Please aus Australien zeigen was sie können. Und das war eine ganze Menge! Fast unmittelbar verwandelte sich die merklich voller gewordene Flèche D'or in einen Dancefloor. Kein Wunder, dem Charme und reichlich vorhandenen Talent der so unglaublich jung aussehenden Band konnte sich keiner entziehen. An der Spitze der Truppe agierte die recht füllige Amandah, die aber ein solch kraftvolle und soulige Stimme hatte, daß ich gleich an Shingai Shoniwa von den Noisettes denken mußte. Blickfang war vor allem die extrem niedliche blonde Violinistin Taylor, die zur Freude des Publikums die meisten Lieder auf französisch ansagte. Hierbei schlug sie sich beachtlich, obwohl sie behauptete, sie könne eigentlich kein französisch. Dritte Dame im Bunde war die zierliche und quicklebendige Sarah am Keyboard, die ihr Instrument oft hüpfend spielte. Komplettiert wurde die Besetzung durch den wavig aussehenden Ashley (ein Junge!) am Bass und den mordsagilen Schlagzeuger Timmy, der aussah, als sei er 14, aber wohl schon 17 war. Oft kam mir der Spruch mit dem "Sack Flöhe hüten" in den Sinn, die Rasselbande war wirklich in ihrem Elan nicht zu bremsen.

Machen wir es kurz: Operator Please sind für mich die große Entdeckung des Jahres. Ähnliche Begeisterung bezüglich einer Nachwuchsband kam bei mir nur bei Los Campesinos! in London auf. Wenn die Australier nicht durchstarten und spätestens 2008 das große Ding werden, verstehe ich den Musikzirkus wirklich nicht. Das Album würde ich jedenfalls blind vorbestellen!

Von der handgeschrieben Setlist von Operator Please entziffere ich folgendes:

01: Get What You Want
02: Ghost
03: Terminal Disease
04: Two For My Seconds
05: Yes! Yes! Vindic
06: 6/8
07: Cringe
08: Leave It Alone
09: Pantomime
10: Just A Song About Ping Pong
11: Zero! Zero!

Links: Video zu Crash Magic
Video: die Band stellt sich vor

Viel mehr Bilder von Operator Please

Operator Please hatten also für mächtig Stimmung gesorgt, die auch durch die sehr lange Pause danach nicht abriß. Die stylishen Jungen und Mädchen im Publikum schienen jedenfalls bester Laune. Was konnten die Good Shoes da noch draufsetzen, sind sie nicht inzwischen fast schon wieder out im Vergleich zum dem was da so nachkommt? - Nein sind sie nicht, auch ca. 10 Monaten nachdem ich sie das erste Mal erlebt habe, wirken sie noch frisch, flott und euphorisierend. Lediglich Sänger sah wesentlich fülliger, fast aufgedunsen auf. Vielleicht sollte er das Biersaufen etwas einschränken? Seine langen Haare hat er sich gestutzt und so kamen deutlich sichtbare Geheimratsecken zum Vorschein. Hinderte ihn aber mitnichten daran, Dampf zu machen. Gleich mit dem an zweiter Stelle gebrachten "Never Meant To Hurt" kam die Party in Gang. Die ersten Leute fingen an Pogo zu tanzen und im Laufe des Sets wurde der Raum vor der Bühne zu einer einzigen wilden Tanzfläche. Entsprechend motiviert trauten sich die Good Shoes auch ein neues Lied miteinzubauen, es hieß "Talk" war aber nicht ganz so gut wie der Rest der Stücke, z.B. "Nazanin" ("I love my insecurities"), oder "Small Town Girl" ("Everything is ok. everything is alright"). Die absolut beste Stimmung kam jedoch mit "Morden", ihrem Wohnort auf. Phasenweise wurde es so wild, daß ich um meine Kamera fürchtete, aber den Spaß mitzutanzen, wollte ich mir auch nicht nehmen. Spaßig war danach auch das anfängliche "Gitarrenduell" bei "We Are Not The Same", einem weiteren Highlight. Mit "All In My Head" beendete die junge Band dann ihr - nach eigenen Worten- bestes Paris-Konzert. Ich kann dem nur beipflichten. So steppte bei den guten Schuhen wirklich noch nie der Bär!

Setlist Good Shoes, Paris:

01: The Photos On My Wall
02: Never Meant To Heart You
03: Wait
04: Talk
05: Ice Age
06: Blue Eyes
07: Nazanin
08: Everybody's Talking
09: Small Town Girl
10: Morden
11: We Are Not The Same
12: All In My Head



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates