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Donnerstag, 18. Juli 2013

Cat Power, Paris 17.07.13

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Konzert: Cat Power
Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 17.07.2013
Zuschauer: ausverkauft, also etwa 2500
Konzertdauer: 95 Minuten



Etwas seltsam und ärgerlich, daß viele Leute immer gewisse Standardsprüche auf Lager haben, wenn von Konzerten von Pete Doherty und Cat Power die Rede ist. "Der kommt doch eh zu spät, oder der "sagt bestimmt ab" wird dann im Hinblich auf Pete in schöner Regelmäßigkeit in die Welt posaunt und bei Chan heißt es: "die ist doch wieder besoffen oder "die heult garantiert wieder rum."



Richtige Kenner können das jedenfalls nicht sein. Doherty habe ich nun um die 20 mal gesehen, meistens war er pünktlich, zu spät nur manchmal und abgesagt hat er höchstens 2 mal. Marshall wiederum kam statt Wein fast immer mit ihrer großen Teetasse, geweint hat sie bei meinen bisher 7 Konzerten nie und ein richtig schwaches Konzert, bei der sie völlig neben der Kappe stand, habe ich noch nie erlebt.

Die Toleranz für psychisch labile Musiker scheint also nicht sonderlich hoch zu sein. Ein Armutszeugnis für die ach so aufgeschlossene Indiegemeinde, in der man doch eigentlich Verständnis für seelische Leiden erwarten sollte.



Ja, es stimmt, Doherty und Marschall leiden unter Drogen- bzw Alkoholproblemen und den dazugehörigen Symptomen, aber meistens stehen sie trotzdem auf der Bühne und liefern ordentliche Shows ab. Cat Power hat letztens Jahr ihre Tournee absagen müssen, weil es ihr mies ging, das ist richtig. Ist das aber ein Grund, sie deshalb völlig und für immer abzuschreiben?


Heute stand sie jedenfalls wieder auf der Bühne und selbst wenn sie schon mal fitter und attraktiver ausgesehen hat (aber wer von uns wird nicht älter?), war das trotzdem ein respektables, ja ein gutes Konzert. Zwar merkte man ihr an, daß sie nicht vor Lebensfreude strotzte, aber ihre Stimme, ihre Songs und ihre Einsatzbereitschaft stimmten. Anfänglich klang ihr Gesangesorgan etwas rau und ein wenig schlecht geölt, aber mit jedem gespielten Song wurde ihr Singmuskel wämer und geschmeidiger, kamen auch die sanften Töne immer besser zur Geltung. Und wer singt schon so nahegehend und gefühlvoll wie Cat Power? Besonders bei der Pianoballade Bully hatte ich eine gewaltige Gänsehaut und einen Tennisball großen Klos im Hals. Als textlich von Paris die Rede war, jubelte das Publikum, das aber ansonsten deutlich zu ruhig war und die Sängerin und ihre Band nicht ausreichend unterstützte (außer am Ende, als die Leute Blumen haben wollten, als Andenken; Armleuchter!)



Auch Metal Heart kam ganz großartig rüber, klang allerdings anders als in der Studioversion. Gleiches galt für den Opener The Greatest, auch dieser war neu arrangiert worden und dem aktuellen Sound angepasst. Wie der aktuelle Sound ist? Weniger bluesig als noch bei der Dirty Delta Blues Band, wieder ein wenig mehr indierockig, ohne so lofi wie bei You Are Free zu klingen. Die Gruppe, in der neben Cat Power Pianist und Gitarrist Gregg Foreman im Vordergrund stand, machte ihre Sache jedenfalls sehr ordentlich. Es gab phasenweise gleich zwei Schlagzeugerinnen (eine davon war aber unter anderem auch als Bassistin im Einsatz) und zusätzlich eine am äußeren Bühnenrand agierende Gitarristin.



Was die neuen Songs vom aktuellen Album Suns taugten? Eine ganze Menge. Der groovende Hit Cherokee ("never knew love like this) und das bluesig aggressive Silent Machine in der Anfangsphase und das markant, einprägsame 3, 6, 9 im Mittelteil waren schon einmal gute Werbung für den 2012 Longplayer, das stampende, trocken rockende Peace & Love und das enthusiasmierende Ruin ein richtig gelungener Abschluss unter ein 95 Minuten langes Set.



Natürlich schleuderte die in eine ziemlich häßlich gehüllte helle Jeansjacke Cat Power wieder weiße Rosen ins Publikum, salutierte wie eine Soldatin, klopfte sich auf die Brust und warf Kusshände ins weite Rund, bevor der Abgang geprobt wurde. 
  
Das kannten wir alle schon und doch bewegte es uns zumindest ein wenig. Wir wussten: da hat eine als labil geltende Künstlerin wieder ein vernünftiges (ich sage sogar: ein gutes) Konzert abgeliefert  und uns Fans zumindest nicht hängen gelassen. Zwar bemängelten ein paar Leute nicht zu Unrecht, daß es im Mittelteil Längen gab, das Chan recht abwesend wirkte und in ihrer eigenen Welt zu sein schien, aber ein schwaches Konzert wollte keiner gesehen haben. In die Top Ten des Jahres wird es dieser Auftritt dann aber wohl auch bei mir nicht schaffen. Dazu fehlte diese ganz bestimmte Magie, die aus einem guten Gig, einen ganz besonderen werden lässt. Wenn ihr eine Schulnote wollt: 2-. Angesichts der Tatsache, daß dieses Konzert trotz sehr langer Vorverkaufszeit erst am letzten Tag ausverkauft wurde (die Leute hatten Angst vor einer Absage), ist das doch recht erfreulich, oder nicht?

Setlist, klick!



Mittwoch, 14. November 2012

Pulp, Paris, 13.11.12

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Konzert: Pulp
Ort: Olympia, Paris
Datum: 13.11.2012
Zuschauer: 2.000 (nach wenigen Minuten ausverkauft)
Dauer: 120 min



Als Anfang September ein Pulp Konzert für das Pariser Olympia angekündigt wurde, musste ich nicht lange nachdenken. "Ich habe mal zwei Tickets auf Verdacht gekauft, ist sicher schnell ausverkauft," mailte ich meinem Kumpel Oliver in Paris. Seit einigen Monaten hatte ich meinen dort lebenden Freunden versprochen, deren neue Wohnung anzugucken, dies war die perfekte Gelegenheit.


In meinem Bericht vom Comeback-Concert der Britpop-Helden in Barcelona hatte ich die Rolle der Band in meiner musikalischen Welt schon beschrieben. Neben wenigen anderen hatte mich Pulp durch die trostlosen 90er Jahre gerettet. Ich hielt damals Grunge für hemmungslos überbewertet und mochte die Musik dieser langhaarigen Holzfällerhemd-Typen ganz und gar nicht. Meine kleinen Oasen waren vor allem die Smiths, New Order, Galaxie 500, Lush, die Pale Saints, Tweepop (ohne den Begriff zu kennen) und der aufkommende Britpop. Ich mochte Oasis gerne, meine Helden waren allerdings uneingeschränkt Pulp! Das - genauso wie mein Urteil über die langhaarigen Holzfällerhemden-Musik - hat sich bis heute wenig geändert. Es war also nicht nur ein Ticketkauf auf Verdacht, ich meinte das verdammt ernst.

Schwer zu erraten, daß sich der Ausflug gelohnt hat. Ein Entertainer wie Jarvis Cocker mit dem Repertoire einer Hitfabrik wie Pulp in einem der schönsten Konzertsäle, die ich kenne, da konnte nun wirklich nichts schiefgehen!


Es war ein großartiger Abend. Nach DIIV vorgestern (Bericht folgt noch) waren wir uns sicher, daß wir uns in ein paar Wochen nicht mehr daran erinnern werden. Dies hier wird sehr lange anhalten. Do you remember the last time? Klar!


Wir hatten die Vorgruppe bewußt ausgelassen und waren nach dem großen Ansturm am Olympia. Vor der Tür des berühmten Clubs standen reihenweise Schwarzhändler, die noch Tickets aufkaufen wollten. Ein last-minute Kauf wäre wohl sehr teuer geworden. Hätten wir keine Karten gehabt, hätten wir wohl zu Deep Purple gehen müssen.

Kurzzeitig gab es noch die Information, zwischen (Namen entfallen-) Vorgruppe und Pulp spielten noch Chairlift ein Konzert, weil deren Auftritt am Beginn des Festival Les Inrocks wegen des US-Sturms ausgefallen war. Chairlift wurden aber wieder entstätigt, uns blieb also ein wenig mehr Zeit vor Pulp.


Das Olympia ist deutlich kleiner, als ich es in Erinnerung hatte, allerdings wurde die Zahl von 2.500 Besuchern mehrfach bestätigt. (Nachtrag: laut Wikipedia passen 1.700 bis 2.000 Zuschauer rein). Mir kommt der eigentliche Innenraum nicht sehr viel größer vor als das Kölner Gloria, durch einen großen Balkon-Rang verteilen sich die Zuschauer aber auch angenehm auf zwei Ebenen. Nachdem die Vorgruppe durch war, gab es reichlich Platz bis weit vorne durchzukommen, das "Voll" im Olympia war nicht unangenehm. Wie sich das für ein Theater gehört, verdeckte ein Samtvorhang die Bühne. Nachdem der gelüftet wurde, waren die Instrumente immer noch von einem durchsichtigen Stoffwand verdeckt, Teil des weiteren Vorprogramms. Kurz vor neun nämlich, als es dunkel wurde und man die Bandmitglieder schon auf der Bühne erahnen konnte, begann eine kleine Lasershow (nachdem wir vorher schon Werbung sehen mussten). Lasershows sind das fieseste Nebenprodukt der Weltraumtechnik und nerven mich immer schon wahnsinnig. Diese war sehr kurz und einmal witzig, insofern bin ich milde. Mit grüner Schrift kamen da Animationen wie "ich höre euch nicht" oder "lauter". Muß ich wirklich nicht haben, aber wenn es dem Rest gefällt, nun denn. "Vous voulez un Dauphin?"*,  dem ein Laser Delphinchen folgte, war nett, der Rest glücklicherweise schnell vorbei.
 

Natürlich begann das Konzert mit Do you remember the first time?, vermutlich die Standard-Eröffnung, so läge es zumindest auf der Hand. Das Stück stammt von His 'n' hers, dem 1994er Album, das den ersten größeren kommerziellen Erfolg gebracht hat. Während Do you remember... hatte ich keinerlei Zeit mich umzugucken, es passierte einfach viel zu viel gleichzeitig. Der Boden vibrierte unter dem Gehüpfe der Zuschauer, was wieder zu mehr Hüpfen führte, weil es wirklich heftig bebte! Vorne auf der riesigen Bühne hüpfte ein hochmotivierter Jarvis Cocker vor enormer PULP-Leuchtreklame. Erst nach dem Stück hatte ich Gelegenheit, die Bühne näher anzugucken (in Barcelona stand ich zwischen 60.000 mitten in der Nacht so doof am Rand, daß ich nur den Frontmann sah, wenn er sich am Bühnenrand aufhielt). Zwei Gitarristen, Schlagzeug, Bass und Keyboarderin begleiteten Jarvis. Drei von den fünfen sind die uralte Pulp-Mannschaft Candida Doyle, Nick Banks und Steve Mackey, die schon mindestens seit Separations (3. Platte) gemeinsam spielen. Mark Webber an einer der Gitarren ist seit Different class Pulp-Mitglied.

Ganz sicher sind alle vier (und der andere Gitarrist, bei dem ich keine Idee habe, wer er ist) fabelhafte Musiker, die mehr Aufmerksamkeit verdienten. Allerdings haben sie das Pech (und Glück) neben einem Prototypen einer Rampensau auf der Bühne zu stehen, der jeden Begleiter in den Schatten stellen würde. 

Und Jarvis ist auch ein großer Entertainer! Der Engländer, der lange in Paris lebte, spricht ein untypisch gutes Französisch und begann schnell, die Geschichte von Pulp in Paris zu erzählen. Er nutzte jede Pause, um von Auftritten zu erzählen, um zu fragen, wer bei den Konzerten am 19.10.1991 oder am 04.11.1993 dabei war. Besonders die langen französischen Jahreszahlen sprach Jarvis ganz betont aus. Als er aber zum dritten Mal über den Auftritt von 1991 sprach, war ihm das zu viel, er flüchtete in die englische Kurzform.


Während der Lieder hüpft der schlacksige Musiker, er rennt, zeigt auf einzelne Zuschauer und spricht sie mit "you!" an, klettert auf Boxen und macht all die anderen Dinge, die Rampensäue so machen - ohne aber jemals das Dandyhafte aufzugeben, das bei ihm allgegenwärtig ist.

Das Programm war blockweise aufgebaut. Do you remember... folgten zwei weitere His 'n' hers Lieder, Pink glove und Razzmatazz. Dann viermal Different class, wieder drei von His 'n' hers, zweimal This is hardcore... Es schien also nicht unbedingt alles bis zum letzten durchchoreographiert zu sein, die Setlist scheint eher pragmatischen Überlegungen zu folgen. "Was von This is hardcore können wir noch mal live spielen?"

Es gab auch ruhigere Phasen während des zweistündigen Konzerts, keine Frage, das waren aber die Ausnahmen, typisch waren der rennende Jarvis, das tanzende und mitsingende Publikum und natürlich der bebende Boden. Wow, hat das viel Spaß gemacht! Natürlich zogen Lieder wie Razzmatazz, Disco 2000, Babies, Bar Italia oder Common people noch einmal besonders kräftig, zum Luftholen blieb aber höchstens bei der langen Einleitung von This is hardcore Gelegenheit. Aber da tanzte der Sänger aus Sheffield auf der Box vor uns rum, allerdings beschreibt es das nicht richtig: Jarvis räckelte sich lasziv auf dem Boxenturm und spielte den Song nach.


Nach This is hardcore folgte mit Sunrise das einzige Stück vom siebten Album We love life, bevor die grandiosen Bar Italia und (das immer noch nicht abgenudelte) Common people den reguären Teil nach anderthalb Stunden beendeten. Aber Jarvis hatte ganz am Anfang schon gesagt, sie wollten eine Menge Lieder spielen.

Die erste Zugabe war eine schöne Überraschung, nämlich Countdown vom dritten Album Separations. Bevor es danach mit Little girl (with blue eyes) weiterging, erzählte Jarvis, daß seine Mutter Christine ("it's an english and french name!") Geburtstag habe und 70 würde. "Meine Mutter ist hier, sie ist da oben. Wollen wir ihr ein Geburtstagsständchen singen?" Frau Cocker guckte zwar zuerst ein wenig mürrisch (hätte ich auch), ließ es aber über sich ergehen und stand auf, um sich besingen zu lassen.

Die ersten Zugaben endeten mit Mis-shapes (Different class). Da danach schnell wieder Helfer auf die Bühne kamen, um Gitarren zu stimmen, blieb zumindest noch ein Song. Vor dem (Live bed show) entschuldigte sich der Frontmann dann dafür, daß danach leider Schluß sei, es gäbe sonst Probleme mit dem Hausgespenst.

Zwei Stunden können verflucht schnell umgehen, wenn nur der Inhalt stimmt, und der stimmte sehr! Warum ich in den 90ern Pulp und Oasis Blur vorgezogen habe, habe ich mich seit August oft gefragt, warum mir Pulp so unendlich viel wichtiger als Oasis waren (und als die meisten amerikanischen Zeitgenossen) weiß ich neu aufgefrischt wieder zu deutlich! Grandiose Band, grandiose Lieder, grandioser Sound, grandioser Abend!

Setlist Pulp, Olympia, Paris:

01: Do you remember the first time
02: Pink glove
03: Razzmatazz
04: Something changed
05: Disco 2000
06: Sorted for e's and wizz
07: F.E.E.L.I.N.G.C.A.L.L.E.D.L.O.V.E.
08: Acrylic afternoons
09: Have you seen her lately?
10: Babies
11: Help the aged
12: This is hardcore
13: Sunrise
14: Bar Italia
15: Common people

16: Countdown (Z)
17: Geburtstagsständchen Christine Cocker (Z)
18: Little girl (with blue eyes) (Z)
19: Mis-shapes (Z)

20: Live bed show (Z)

Links:

- Pulp, London, 01.09.11
- Pulp, Barcelona, 27.05.11

* Dauphin ist Delphin aber auch Nachfolger bzw. Thronfolger




Dienstag, 17. Juli 2012

Bon Iver, Paris, 15.07.12

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Concert: Bon Iver (& Poliça)

Lieu: L'Olympia, Paris
Date: 15.07.2012

Spectateurs: complet (environ 2.500)

Durée du concert: environ 75 minutes



Compte rendu par K. Merci beaucoup! (Deutsche Übersetzung unten*)


Bon Iver c'était spectaculaire!



Un début de concert super sympa avec Poliça et son duo de batteur!! J'ai été très étonnée et agréablement surprise! La chanteuse hypnotique avec sa voix et sa gestuelle lancinante..


Et après Bon Iver! Un plateau technique un peu dingo pour un décor super étudié lampes/drap qui rappelle un décor de ''radeau de la méduse" on se serait cru en pleine mer!! Cela dit les lumières projetées étaient un peu de trop à la fin!!

Pour la musique, une set list sans surprise, intro qui envoie une décharge, milieu qui laisse plané, avec des effets plus jazz (que sur album mais également plus jazz qu'au Pitchfork)/conclu et rappel avec ses beaux morceaux romantiques.


Un son impeccable, un Justin Vernon souriant qui fait des blagues, un groupe en apparence détendu..


Enfin au final un concert super beau, quoique.. et là ça n'engage que moi, sans originalité... la salle de l'Olympia ayant une organisation assez rigide, voir Justin Vernon enfourcher sa guitare et s'accorder à la hâte pour faire Skinny Love sans même laissé le public digérer le concert et s'impatienter pour réclamer le rappel... un peu impersonnel tout de même! Le line-up est respecté à la minute prêt, s'en devient déconcertant et on sent que le groupe flippe et s'autorise peu les écarts, et donc se pose la dure question du plaisir à jouer! Même si on sent qu'il se passe bien quelque chose entre eux et le public! On leur impose une rigueur un peu cruelle!

Quoiqu'il en soit ce fut un très beaux concert! Des mélodies de génies, touchantes! Vivement le prochain! Mais je préfèrerais un truc version Blogothèque que version super sonique!


Setlist Bon Iver, Olympia, Paris:

01: Perth
02: Minnesota, WI
03: Michicant
04: Towers
05: Creature Fear
06: Beach Baby
07: Hinnom, TX
08: Wash
09: Holocene
10: Blood Bank
11: re: Stacks
12: Flume
13: Calgary
14: Beth/Rest

Rappel:

15: Skinny Love
16: The Wolves (Act I and II)

* Deutsche Übersetzung von Oliver Peel, Originaltext von K.

Bon Iver, das war spektakulär!

Sehr sympathischer Beginn mit Poliça und ihren zwei Schlagzeugern. Ich war sehr verwundert und angenehm überrascht. Eine Sängerin mit hypnotischem Auftreten und einer durchdringenden Stimme!

Und danach Bon Iver! Eine ziemlich verrückte Bühnendeko* mit fackelartigen Lampen und drapierten Vorhängen, die einen an das Bild "Le Radeau de la Meduse" von Géricault erinnerten, man fühlte sich wie auf offenem Meer. Am Ende war es der Lichtershow gar zu viel des Guten!

Hinsichtlich der Setliste gab es keine großen Überraschungen. Ein kraftvolles Intro, ein verträumter Mittelteil und ein Ende mit zwei romantischen Zugaben, so der musikalische Teil, der insgesamt jazziger ausfiel, als man das vom Album her kennt.

Der Sound war indess sehr gut, Justin Vernon lächelte oft und machte ein paar Witzchen.

Insgesamt also ein sehr schönes Konzert, das allerdings nicht sonderlich originell und intim war. Der strikte Zeitplan im Olympia führte zu einer großen Hetze und ließ Vernon kaum die Zeit, sich vor den Zugaben etwas auszuruhen. Auch für die Band gab es wenig Möglichkeiten, einen Gang runterzuschalten, was die Frage aufwirft, ob es für die Gruppe sonderlich spaßig und relaxt war.

Aber nörgeln wir nicht zu viel, die Melodien waren genial und berührend und ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen. Eine abgespeckte Varante im Stile der Blogothèque Sessions wäre mir allerdings lieber als diese orchestrale und laute Inszenierung.


Aus unserem Archiv:

Bon Iver, Paris, 29.10.11
Bon Iver, Haldern, 15.08.09
Bon Iver, Düsseldorf, 18.05.09
Bon Iver, Paris, 02.10.08
Bon Iver, München, 29.09.08


* gute Fotos hat Robert Gil, klick!



Donnerstag, 1. Dezember 2011

Kaiser Chiefs, Paris, 29.11.11

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Konzert: Kaiser Chiefs (Tribes)
Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 29.11.2011
Zuschauer. geschätzte 1800 (von 2500 maximal möglichen)


Vielleicht habe ich an jenem 29.November 2011 das Konzert des Jahres verpasst. My Brightest Diamond, die im Café de la Danse aufspielte, soll so überragend gewesen sein, daß selbst der ansonsten knausigere Konzertfotografenzar Robert Gil 5 Herzchen für den Auftritt von Shara verteilte. Eine absolute Seltenheit bei ihm. Auch andere Beobachter sprachen von einem Wahnsinnkonzert mit vier Zugabenblocks.

Für My Brightest Diamond hatte ich einen Gästelistenplatz, reichte diesen aber an einen Freund weiter und entschied mich stattdessen für den Gig der Kaiser Chiefs im Olympia. Hauptgrund war, daß ich endlich mal wieder zusammen mit meiner Frau auf ein Konzert gehen wollte und die Band um Ricky Wilson liebt Cécile nun einmal über alles. So kam es also, daß ich mich in Gesellschaft meiner Süßen in einem der prestigeträchtigsten Konzertsäle der Seine-Metropole wiederfand. Entgegen anderslautender Befürchtungen war es keineswegs gähnend leer dort und irgendwie hatten es die vor ein par Jahren ungemein populären Engländer geschafft, Altfans aber auch junge Leute zu mobilisieren.

Ich war gespannt wie mir die Kaiser Chiefs heuzutage gefallen würden. In in ihrer Glanzzeit war ich glühender Fan und verpasste keinen ihrer Auftritte, inzwischen war die Leidenschaft aber ziemlich abgekühlt und das neue Album The Future Is Medieval habe ich gar nicht erst mehr gekauft.

Nach einer unfassbar schlechten Vorgruppe names Tribes aus England (dümmlicher Textauszug eines besonders gruseligen Liedes: "my girlfriend don't love me, my haircut don't suit me), kam die Band aus Leeds einmarschiert. Toll, daß die fünf Gründunsgmitglieder noch alle beisammen sind, so etwas sieht man selten in den heutigen Zeiten. Aber es gibt unter ihnen ja viele Freundchaften, die seit Schulzeiten bestehen, so etwas schweißt zusammen.

Entsprechend entspannt war auch heute wieder die Atmosphäre innerhalb der Band, da wurde wieder viel gelacht, geschäkert, geschmunzelt und Blödsinn erzählt. So habe ich die Kaiser Chiefs im Mai 2005 kennen-und lieben gelernt und selbst wenn sich meine Begeisterung heutzutage etwas gelegt hat und der erste Teil des Konzertes ein wenig an mir vorbeiplätscherte, war spätestens mit dem Doppelschlag aus Ruby und The Angry Mob der Knoten geplatzt. Die Stimmung im Publikum war eigentlich genau wie damals: absolut bombig! Das ganze Olmypia sang, hüpfte und jubelte wie bei einem Fußballspiel und zwar durchgängig. Kleinere Hänger gab es lediglich, als die neuen Sachen gespielt wurde. Irgendwie wirkte das aktuelle Material leider nur wie ein Aufguss alter Ideen, ohne jedoch die Zugkraft und Catchyness der ersten Hits zu erreichen. Deshalb war mir auch der zweite Teil des Konzertes (Lied 9 bis 17) wesentlich lieber, denn in dieser Phase gab es mit Starts With Nothing (eher langweilig) und Kinda Girl You Are (passable, sehr flotte Nummer) lediglich zwei Neulinge. Oldies wie I Predict A Riot und Nanananana hatten nichts von ihrer explosiven Wirkung verloren und Take My Temperature war zwar urspünglich nur eine B-Seite, aber immer schon gesetzt. Zu diesem wilden Stück nahm Ricky mal wieder direkten Kontakt zum Publikum auf. Eine Weile lang suchten ihn die Zuschauer auf den Stehplätzen (also da wo ich war) vergeblich, dann aber plötzlich sah man ihn direkt neben den Leuten auf dem Balkon. Alle schossen Fotos wie die Gestörten, um diesen witzigen Moment zu verewigen und auch ich hielt drauf wie so ein Weltmeister.

Ein paar Minuten später war Mister Wilson dann wieder heil zurück auf der Bühne, nur um diese kurze Zeit später erstmalig zu verlassen. Natürlich gab es noch eine Zugabe und diese war wirklich absolut lohnend. Love's Not A Competition, wurde in einer neuen Version mit einer famos herausgearbeiteten Gitarrenmelodie geboten und zu Oh My God begab sich Wilson erneut ins Publikum, bat dieses sich hinzusetzen, nur um etwas später im richtigen Moment wieder aufzuspringen. Ein tausendfach eintrainierter Gag, der aber auch heute fantastisch funktionierte und die Stimmung noch einmal so richtig schön aufheitzte.

Nach etwa 1 1/2 Stunden war dann Schluß und ich um die Erkenntnis reicher, daß mir die Kaiser Chiefs druchaus noch Spaß machen. Es muss nicht immer musikalische Feinkost sein. Manchmal schmecken Bratkartofflen besser als Kaviar...

Setlist Kaiser Chiefs @ Olympia 2011, Paris:

01: Everyday I Love You Less And Less
02: Never Miss A Beat
03:Little Shocks
04: Everything Is Average Nowadays
05: Good Days Bad Days
06: Put Me On The Cover Of Your Magazine
07: The Modern Way
08: Man On Mars
09: Ruby
10: The Angry Mob
11: Na Na Na Na Naa
12: Starts With Nothing
13: I Predict A Riot
14: Kinda Girl You Are
15: Take My Temperature

16: Love Is Not A Competition (But I'm Winning)
17: Oh My God

Aus unserem Archiv:
Kaiser Chiefs, Paris, 27.01.09
Kaiser Chiefs, Köln, 21.01.09
Kaiser Chiefs, Paris, 22.08.08
Kaiser Chiefs, Köln, 05.11.07
Kaiser Chiefs, Offenbach, 02.11.07
Kaiser Chiefs, Hohenfelden, 19.08.07
Kaiser Chiefs, Evreux, 07.07.07
Kaiser Chiefs, Paris, 06.07.07
Kaiser Chiefs, London, 19.06.07
Kaiser Chiefs, Paris, 05.06.07
Kaiser Chiefs, Wuppertal, 05.02.07
Kaiser Chiefs, Paris, 08.11.06
Kaiser Chiefs, Offenbach, 07.03.06
Kaiser Chiefs, Paris, 28.02.06



Montag, 14. November 2011

The Kills, Paris, 13.11.11

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Konzert: The Kills (Weekend)

Ort: L'Olympia, Paris

Datum: 13.11.2011
Zuschauer: ausverkauft, also etwa 2500

Konzertdauer: The Kills 85 Minuten, Weekend gut 35 Minuten


Erkenntnisse, Fakten, Beobachtungen zum Konzert von The Kills im Olympia:

- Ich bin zu alt für The Kills! Das Zielpublikum schien im Schnitt 16 (15?, 14?) und weiblich zu sein. Mit meinen 40 Jahren kam ich mir wie ein alter Lustmolch vor. Ein beschissenes Gefühl.

- Bluesiger Garagenrock ist im Moment gar nicht mein Fall. Ungünstig, wenn die Band die vorne auf der Bühne steht, einer der Hauptverteter dieser Gattung ist.

- Zu Anfang der 2000er Jahre mochte ich diesen Stil, Gruppen wie die White Stripes, Wolfmother, The Von Bondies, The Vines fand ich toll. Wieso weiß ich gerade nicht mehr...

- Diese banalen Schweineriffs sind aber einfach auch Scheiße. Dumpfbackenmusik. Die White Stripes gehören eigentlich dafür eingesperrt, daß sie Seven Nation Army geschrieben haben. Verflucht, jetzt habe ich wieder dieses perverse Riff in meinen Ohren. Raus da!

- The Kills haben ein paar Lieder, die ähnlich klingen.

- Wo war eigentlich Kate Moss? Ich hätte sie lieber gesehen, als ihren posenden Mann auf der Bühne. Kommt der sich in seinem Alter nicht doof dabei vor, so dämlich zu gucken? Soll das cool sein?

- Alison erinnerte mich dauernd an den Song von Helge Schneider: "Wildes Mädchen, schüttel dein Haar, wildes Mädchen schüttel dein Haupthaar."

- Ihre rosafarbenen Haare (Strähnchen? Perrücke? Ich glaube Strähnchen) stehen ihr nicht.

_ Es gab allen Ernstes Mädchen, die ebenfalls mit rosafarbener Perrücke antanzten. Wie der Herr so's Gescherr.Oder so.

- Das schlimmste Gefühl, daß einem bei einem Konzert überkommen kann ist Langeweile. Bei mir dauerte dieses Feeling 85 Minuten an.

- Da fällt mir gerade Marcel Reich-Ranicki ein, der einmal in seinem Literarischen Quartett sagte: "bei der Lektüre dieses Buches habe ich mich gräßlich gelangweilt!" Passte heute.

- Ich glaube die jungen Mädchen (wie hübsch sie wieder waren! Pariserinnen eben) haben sich wie Bolle amüsiert. Vermutlich wären sie gerne genau so cool und wild wie Alison. Die Freunde dieser Mädels sahen eher gelangweilt aus. Sie wären wahrscheinlich lieber mit ihren Eroberungen ins Kino gegangen. Da kann man gemütlicher fummeln und man sitzt wenigstens.

- Sitzen ist das Stichwort. Oder besser: einen Sitzen haben = besoffen sein. Die Kills können ihr routiniert runtergenudeltes Programm (haargenau gleiche Setlist wie am Vortag an gleicher Stelle!) wohl selbst nur ertragen, weil sie immer einen im Tee haben. Jamie hatte am Ende auch eine Pulle auf seinem Keyboard. Was war das? Whiskey? Wein? Champagner?

- Ach, so, heute gab es zusätzlich Trommler auf beiden Seiten. Talent mussten die für ihre Tätigkeit nicht haben, Ich hätte das auch hinbekommen. Irgendwie sahen die aus, wie die Burschen in dem Depeche Mode Video Master and Servant.

- Die Stimme von Alison klang weitestgehend ätzend. So ähnlich wie Joan Jett bei I Love Rock'n Roll. Knarzig und keifend. Rockröhre hätten wir in den 80 ern gesagt. Igitt.

- Die Höhepunkte waren rar gesäht. Satellite und Black Ballon waren ok, der Tape Song fetzte sogar sehr ordentlich und dann war auch plötzlich Riesenstimmung da.

- Die (gar nicht so schlechte) Ballade The Last Goodbye war eine Art Erlösung. Der Titel deutete schon daraufhin, daß bald Schluß sein würde. So war es dann auch. Hurrah!

- Ich habe The Kills dieses Jahr vier mal gesehen. Zu oft, sie hängen mir zum Halse raus.

- Die Vorgruppe Weekend aus Kalifornien war weitestgehend für die Füße. Die Typen standen saumäßig weit voneinander entfernt, jeder schrammelte in seiner Ecke vor sich hin und der Schlagzeuger knallte auf sein Fell, als wolle er einen ausgebüchsten Sklaven auspeitschen. Shoegaze der mediokren Sorte, Hat man alles schon einmal so ähnlich gehört.

Setlist The Kills, Paris, Olympia, 13. November 2011:
01: No Wow
02: Future Starts Slow
03: Heart Is A Beating Drum
04: Kissy Kissy
05: U.R.A. Fever
06: DNA
07: Satellite
08: Last Day Of Magic
09: Baby Says
10: Black Ballon
11: Pots And Pans
12: Cheap And Cheerful
13: Tape Song

14: Pale Blue Eyes (The Velvet Underground)
15: Sour Cherry
16: Fuck The People
17: Monkey 23
18: The Last Goodbye


Weitere ausgewählte Konzerttermine der Kills:
27.11.2011: E-Werk, Köln 29.11.2011: Tonhalle, München
30.11.2011: C-Halle, Berlin


Aus unserem Archiv:

The Kills, Paris, 06.04.11
The Kills, Paris, 20.03.11
The Kills, Frankfurt, 17.03.09
The Kills, Paris, 18.03.08

Fotos: Archiv




Sonntag, 13. November 2011

Anna Calvi & Le Prince Miiaou & Dum Dum Girls & Ema, Paris, 07.11.11

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Konzert: Anna Calvi & Le Prince Miiaou & Dum Dum Girls & Ema
Ort: L'Olympia, Paris

Datum: 07.11.11

Zuschauer: nicht ausverkauft, aber bei Anna Calvi waren viele da, also etwa 2000
Konzertdauer: Anna Calvi 62 Minuten, die anderen etwas kürzer, Ema gut 35 Minuten


Der Aufstieg in den Olymp des französischen Pophimmels kam so schnell und unerwartet, daß selbst die Veranstalter ihre liebe Mühe und Not hatten, sich den kuriosen Bandnamen zu merken. Aus Le Prince Miiaou (mit zwei "i"), machten die für die Leuchtreklame zuständigen Mitbürgerinnen und Mitbürger vom renommierten Olympia Le Prince Miiiaou (mit 3 "i"). Erst auf Reklamation der Künstlerin wurde der Name richtig geschrieben und man fragt sich, ob da ein kleiner Chinese eine hohe Leiter raufklettern musste, um den Fehler zu korrigieren.

Sei es drum, Maud-Elisa Mandeau war nach Anna Calvi Headlinerin dieses wunderbaren Konzertabends im Rahmen des Festival des Inrocks. Eine Sensation, wenn man bedenkt, daß sie ihre allerersten Konzerte in Paris erst 2009 gegeben hat und sie die ersten beiden Alben in Eigenregie verlegte. Kein Label wollte sie signen, allen war wohl die Musik der blonden Sängerin und Gitarristin zu bizarr und zu wenig massenkompatibel. Ich hingegen hielt von Anfang an große Stücke auf Le Prince Miiaou und hatte von ihrem Projekt schon Wind bekommen, bevor sie jemals auf einer Pariser Bühne stand (ich toller Hecht, ich!). Die Musikerin selbst hatte mir bei einem Konzert ihrer Freundin Marie Flore anvertraut, sie mache auch Musik und wenn ich 5 Minuten zu verschwenden hätte, könne ich ja mal ihre Songs bei MySpace anhören.* Ich war auf Anhieb hin und weg und bescheinigte ihr großes Potential.

Ihr Talent blieb mittelfristig nicht unentdeckt und so stürzte sich spätestens nach Erscheinen des dritten Albums Fill The Blank With Your Own Emptiness die Presse auf die junge Frau aus Jonzac (3. 500 Einwohner, Département Charente-Maritime). Sie war plötzlich überall. Im Fernsehen, im Radio, in allen Zeitungen und Zeitschriften: In Be, bei France Inter, bei TV5, im Figaro, Le Mouv, bei Telerama, GQ, L'Express, Glamour, Marie Claire, Biba, Libération, Modzik, Le Parisien, Le Nouvel Observateur, 20 Minutes. les Echos, Grazia, Muteen, Rolling Stone, Marianne und nicht zuletzt auf dem Konzerttagebuch. Insgesamt fünf mal habe ich euphorisch über ihre grandiosen Konzerte berichtet.

Der Zeitschrift Les Inrocks, die dieses Festival veranstaltete, muss man zu Gute halten, daß sie auch sehr früh auf den mit Volldampf fahrenden Zug bei Le Prince Miiaou aufgestiegen sind. Insofern war es nur konsequent, daß sie sie auch auf ihr schönes Festival einluden.

Und Maud-Elisa rechtfertigte diesen Vertrauensvorschuss voll und ganz. Zwar war gerade der Sound am Anfang nicht so toll (ein Zuschauer rief rein: "le son est pourri!"), aber im Laufe des Konzerte besserte sich das und die dürre Blondine wurde immer intensiver und selbstsicherer, glänzte durch ihre tolle und sehr variable Stimme und auch ihre männliche Begleitband an Cello, Gitarre und Schlagzeug spielte groß auf.

Sie startete ganz energisch, genauer gesagt trommelnderweise und performte ihre Single J'ai Deux Yeux. Die besten Stücke kamen aber später. Eine massive Gänsehaut bereitete sie mir mit I Don't Know My Name, dem besten Lied, das Cat Power nie geschrieben hat. Samtweich hier ihre Stimme, aber auch verzweifelt, zornig, rebellisch. Die als Ballade startende Nummer entwickelte sich zu einem fetzigen Rocksong, bei dem Maud so richtig schön die Zähne fletschte. Ich bebte vor Erregung!



Ebenfalls ein ganz großes Highlight in ihrem Set war das französische Lied No Compassion Available, bei dem der Cellist besonders positiv auffiel und unwahrscheinlich einfühlsam fiedelte. Ein Song mit einem total wirren, aber enorm nahegehenden Text. Hypnotisch. Und als Maud am Ende sinnlich "empty" hauchte und schrie: "je voudrais que tu rentres" = ich will, daß du rein kommst (worein überhaupt??), war es wieder einmal um mich geschehen. Mein Herz raste, ich hatte einen Plus von 120 und wollte am liebsten auf die Bühne springen, tanzten, postrocken. Es war einfach nur geil, geil, geil.



Zum tanzbaren Turn Me Off verteilte Maud schließlich mehrere bunte Flöten. Sie schmiss die Dinger ins Publikum und wollte, daß die Zuschauer mitspielen, was sie auch prompt taten. Aus mehreren Ecken piepste es nun und alle grinsten blöd.

Ganz zum Schluß kamen sogar noch die Fans des Turnsports auf ihre Kosten, denn Le Prince Miiao kam plötzlich bei We Both Wait auf die Idee, mit dem Rücken zum Publikum auf einem Bein Gitarre zu spielen. Das andere hob sie immer höher und höher und hielt diese akrobatische Position richtig lange, fast bis sie einen Krampf bekam. Unbewegliche Leute wären an ihrer Stelle auf die Fresse gefallen (vor allem bei dem Stress!), aber sie feixte nur rum, nahm irgendwann wieder ihr Beinchen runter und rockte noch einmal so richtig ab. Der abschließende Applaus war wahnsinnig tosend und ich bin mir sicher, daß die Künstlerin hier im Olypia nicht das letzte Mal aufgetreten ist. Ich traue ihr locker zu, daß sie hier auch einmal Headlinerin wird und glaube ohnehin, daß sie zum Weltstar taugt. Sie wird über kurz oder lang auch Indie-Deutschland erobern, da kann man einen drauf lassen!

Setlist Le Prince Miiaou, Festival des Inrocks, Olympia, Paris

01: J'ai Deux Yeux
02: Be Silent
03: I Don't Know My Name
04: Frénésies Horizontales
05: Football Team
06: Hollow Hero
07: No Compassion Available
08: Turn Me Off
09: We Both Wait


Aus unserem Archiv:
Le Prince Miiaou, Paris, 03.05.11
Le Prince Miiaou, Paris, 10.03.10
Le Prince Miiaou, Paris, 30.01.10
Le Prince Miiaou, Paris, 03.10.09
Le Prince Miiaou, Paris, 28.03.09

* diese Ankedote erzähle ich jedesmal. Always the same shit. Aber sie gefällt mir einfach so gut!


Berichte A. Calvi, Dumme Girls und EMA etwas später. Servus!



Mittwoch, 11. Mai 2011

Sufjan Stevens, Paris, 10.05.11

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Konzert: Sufjan Stevens

Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 10.05.2011
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: 2 Stunden 25 Minuten!


Meine Pariser Konzertfreunde erzählen sich sagenhafte Dinge vom Auftritt von Sufjan Stevens im legendären Olympia. Vielen hat besonders die opulente Bühnenshow enorm gefallen. Wir haben gute Chancen in Kürze einen Gastbericht zu bekommen, ich fand aber bereits die Kommentare meiner Freunde bei Facebook stark. Am prägnantesten sicherlich: "Hier j'ai vu Dieu", gestern habe ich Gott gesehen. Erwähnenswert auch, daß ein Bekannter angewidert die Show frühzeitig verlassen hat, weil ihn Sufjan an Robbin Williams (!) erinnerte...

Hier ein Auszug der Kommentare: (ich denke, daß man nicht besonders gut französisch beherrschen muss, um das zu verstehen):


Marguerite:" Magnifique!!!! Opéra cosmique!!! ca.2h25min, 15 titres, 5 costume changes. Des ballons,des paillettes,des danseuses, une brass section, du r'n'b!"


Sarah: "jamais je n'ai vécu un concert aussi spectaculaire, Sufjan nous a pris aux tripes...!! enchanting ghost;) "

Julien: "C'était génial le concert! L'un des meilleurs auxquels il m'a été donné d'assister!"

Sophie: "Je ne regrette vraiment pas de l'avoir vu, ce mec est complètement barré et il te fait partager son univers." Bref plus de 2h de délire entrecoupées de qq balades et un rappel superbe avec d'anciennes chansons.

Laurence: "Hier j'ai vu Dieu."

Que dites vous??

Setlist Sufjan Stevens, Olympia, Paris (merci à Philippe D.)

01: Seven Swans
02: Too Much
03: Age Of Adz
04: Enchanting Ghost
05: I Walked
06: Now That I'm Older
07: Vesuvius
08: Get Real Get Right
09: Heirloom
10: I Want To Be Well
11: Futile Devices
12: Impossible Soul

13: Concerning The Ufo Sighting Near Highland, Illinois
14: John Wayne Gacy, Jr.
15: Chicago

- Regardez les très belles photos de Sufjan Stevens @ Olympia par Sarah Bastin, ici

Aus unserem Archiv:

Sufjan Stevens, Köln, 10.11.06
Sufjan Stevens, Paris, 09.11.06
Sufjan Stevens, Berlin, 07.05.11




Mittwoch, 30. März 2011

Syd Matters, Paris, 29.03.11

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Konzert: Syd Matters

Ort: L'Olympia, Paris (!)
Datum: 29.03.2011
Zuschauer: fast ausverkauft
Konzertdauer: etwa 2 Stunden



Unglaublich bewegende Szenen, die sich während und nach dem sensationellen Konzert von Syd Matters im und vor dem Olympia in Paris abspielten. Sänger und Songwriter Jonathan Morali, der kurz vor Schluß sein Herz öffnet und von den Albträumen erzählt, die ihn in den Wochen vor diesem Auftritt heimgesucht haben. Vor allem von der Wahnvorstellung, daß er und seine Band vor fast leerem Hause spielen würden. Sich dann aber ob des regen Andrangs sichtlich erleichtert herzlich bei seinen Großeltern fürs Kommen bedankt und Richtung Loge zeigt, wo die alten Herrschaften sitzen. Gitarrist Remi Alexandre, der bei der Verabschiedung der Band seine ganze Anspannung herausschreit und über beide Ohren grinst. Pianist und Gitarrist Olivier Marguerit, der sich sehr höflich, ja fast demütig, beim Publikum bedankt und ein wunderbares Glänzen in seinen blauen Augen hat. Die beiden hübschen Backgroundsängerinnen, die ihr schönstes Lächeln zeigen. Drummer Clement und Bassist Yean-Yves, die wie immer mannschaftsdienlich, aber hocheffizient gespielt haben und sich auch bei der Verabschiedung dezent zurückhalten. Stéphan Milochevitch aka Thousand, der nicht nur als zweiter Drummer zum Einsatz kam, sondern auch das feine Artwork der CD und der exklusiven Poster gestaltet hat. Und natürlich nicht zu vergessen das Publikum, das den Helden des Abends minutenlange Ovationen bereitet und mit Schmetterlingen im Bauch den Saal verlässt.

Draußen vor der Tür geht es dann emotional aufgeladen weiter. Alle sind begeistert, alle schwärmen in höchsten Tönen. Sylvain, der selbst in einer Band (Game & Watch) spielt und Syd Matters so einige Male gefilmt hat und sagt, daß Jonathan Morali und seine Jungs die Allerbesten in Frankreich sind. Dorothée von The Rodeo, die neidlos die große Klasse von Syd Matters anerkannt. Laurie, die Duopartnerin von Gitarrist Olivier Marguerit, die gekommen ist, obwohl (bestätigten) Gerüchten zu Folge, die Partnerschaft und das musikalische Projekt mit Olivier (My Girlfriend Is Better Than Yours) beendet ist.

Vor allem aber die Eltern von Olivier Marguerit, die einfach rührend sind. Obwohl ihr Sohn drinnen mit seinen Bandkumpels anstößt und feiert, harren sie noch eine halbe Stunde aus, zeigen sich gegenüber ihren Bekannten keine Spur eingebildet oder überheblich, sondern können selbst kaum fassen, daß ihr Sohn im Olympia, dem prestigeträchtigsten Konzertsaal Frankreichs, gespielt hat. Der Vater scheint das Ganze noch gar nicht so recht glauben zu wollen, schießt immer wieder mit seinem Handy Fotos von der Leuchtreklame. Dort steht auf roten Lettern vor schwarzem Hintergund: Syd Matters. Oben strahlt in weißen Buchstaben: Olympia

Ja, sie haben es wirklich geschafft, sind im Olymp des Pophimmels angekommen. Ganz ohne Medienrummel, Majorlabel, Werbekampagnen, Fernsehauftritte, Powerplay im Radio und ähnliche Dinge. Einfach nur, weil ihre Musik überragend gut ist und für sich selbst spricht. "Hier wollte ich schon als kleiner Junge hin" hatte Jonathan Morali in einer der bewegendsten Szenen sichtlich gerührt zugegeben. Aber sie haben nicht nur hier gespielt, sondern das beste Konzert geboten, das ich hier je sehen durfte. Es war grandios und einfach irreal stark. Auf einen Sportler gemünzt: sie haben nicht nur an den olympischen Spielen teilgenommen, sondern sogar die Goldmedaille gewonnen.

Bevor ich das Konzert zusammenfassen kann, muss ich aber erst einmal eine Nacht drüber schlafen. Zu viele, zu überwältigende Emotionen. Ich bin erst einmal sprachlos. Ich glaube ich habe an jenem 29. März die beste Band der Welt gesehen...

P.S: Super der Kommentar einer Besucherin auf der Facebook Seite von Syd Matters: "Ihr habt mich schlicht und einfach umgehauen! Super Sound, diabolisch gutes Licht und ihr mit zwei Backgroundsängerinnen. Einfach nur eine perfekte Nacht! Wahnsinn dieses Konzert! Danke von ganzem Herzen. I Love Syd Matters."







Donnerstag, 24. Februar 2011

PJ Harvey, Paris, 24.02.11

7 Kommentare

Konzert: PJ Harvey

Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 24.02.2011
Zuschauer: ausverkauft (2.500)
Konzertdauer: 90 Minuten


"Wos willst'n do besser moch'n, do konnst nix sogen."

So oder so ähnlich reagiert der bayrische Sternekoch Alfred Schuhbeck, wenn er bei "Lanz kocht" ein Gericht eines Kollegen kostet und 100 % zufrieden ist. Auf PJ Harvey im Olympia bezogen: was soll es da noch auszusetzen geben, wie will man das toppen, was die Engländerin heute abgeliefert hat? Nur Erbsenzähler fanden noch ein Haar in der Suppe, bemängelten die kühle Atmosphäre und die nichtextistente Kommunikation mit dem Publikum.

Allzu gerne würde ich in schön formulierten Sätzen meine Eindrücke wiedergeben, da ich aber mit meiner Arbeit, mit meiner Bloggerei, mit den Konzertgängen, den Fotos, den Vorbereitungen für die Oliver Peel Sessions und meiner neuen (unbezahlten ) Tätigkeit als Konzertbooker mehr als ausgelastet bin, hier nur Stichworte.

Erkenntnisse, Beobachtungen, Fakten zum Konzert von PJ Harvey im Pariser Olympia:

- "Du sollst keine anderen Götter neben mir haben", steht schon in der Bibel (die 10 Gebote). Polly Jean ist die Göttin und deshalb braucht es keine zweite neben ihr, also keine Vorgruppe.

- Das Konzert wurde auf 20 Uhr 30 angesetzt und beginnt pünktlich auf die Minute. Das nenne ich Professionalität. Man könnte das natürlich auch mangelnde Spontaneität nennen, aber wir wollten ja keine Erbsen zählen, oder?

- Polly Jean trägt ein schlichtes schwarzes (manchmal bräunlich schimmerndes) Kleid mit einer Ledercorsage und auf dem Kopf einen schwarzen Federkranz. Sie ist dürr, aber elegant. Wie immer.

- Was sie trinkt? Stilles Wasser! Zwei oder drei Gläser im Laufe des Abends.

- Sex, Drugs and Rock'n Roll sind out oder wie? Nö, aber es muss ja nicht jeder soviel saufen wie die Typen von Deer Tick, der Sänger von The Soundtrack Of Our Lives oder Matt Berninger von The National.

- Die ersten vier bis fünf Lieder bestreitet PJ auf der Autoharp (wie heißt das auf deutsch? ich weiß es wirklich nicht). Ein göttliches Instrument (mit einer Rosenintarsie, die Rose steht sicherlich für England), das manchmal wie eine Harfe, manchmal wie eine Gitarre klingt, je nachdem wie man es einsetzt.

- Ihre Stimme ist sensationell. Durchgängig. Mal kindlich naiv, mal trotzig frech, mal ätherisch verhallt, immer aber auf höchstem Niveau.

- Das Publikum ist erstaunlich ruhig und unbeweglich. Durchgängig. Laut wird es nur, wenn nach den Songs tosender Applaus aufbrandet. Alle hören fast christlich zu. Nun ja, das Album wurde schließlich in einer Kirche in Dorset aufgenommen, das passt ja dann irgendwie.

- Ab und zu gibt es" PJ. we love you Rufe" und Ähnliches. Die Künstlerin reagiert nie darauf.

- Ohnehin sagt PJ Harvey 75 Minuten lang kein einziges Sterbenswörtchen zwischen den Liedern. Sie ist hochkonzentriert und lässt sich durch nichts ablenken.

- Als PJ Harvey und ihre dreiköpfige Begleitband zu den Zugaben zurückkommen, spricht sie die einzigen Silben des Abends: "Thank you very much, merci beaucoup." Das ist alles.

- Dafür lässt die Engländerin ihre Songs sprechen. Sie strahlen Eleganz, Würde, innere Kraft, Anmut, Weltklugheit, Beobachtungsgabe und atemberaubende Schönheit aus.

- Nichts wird forciert, weder die Stimme noch die feinen Arrangements. Alles wirkt lässig aus dem Ärmel geschüttelt. Allein wie PJ Gitarre spielt, so locker leicht, schwungvoll. Wie Tennis-Mozart Roger Federer Tennis zelebriert, so performt Harvey ihre Musik. Souverän und meisterhaft. Das nenne ich Klasse!

- John Parish agiert auch wahnsinnig lässig. Eine coole Sau, der Typ. Wie nonchalant der Gitarre spielt und dabei die schönsten Melodien aus seinem Instrument kitzelt, Donnerwetter!

- Die singenden Männer, John Parish und Mick Harvey machen ihren Job auch in dieser Hinsicht gut. Ihre tiefen Stimmen harmonieren wunderbar mit dem hohen Organ von PJ und die Typen singen sich auch nie in den Vordergrund, überlassen gentlemenlike immer der Chefin die Show.

- Soll ich euch was verraten? Ich habe das neue Album Let England Shake noch kein einziges Mal zuvor gehört, aber die Lieder gefallen mir in der Liveversion auf Anhieb ganz ausgezeichnet. Catchy und kein bißchen sperrig, aber trotzdem keineswegs flach oder auf Mainstream-Banalität gebürstet. Wahnsinn, wie PJ diesen Spagat hinbekommt, das können nicht viele. Massentauglich werden, aber dabei nicht von dem künstlerischem Anspruch abrücken.

- Ab Lied 5 greift PJ zum ersten Mal in die Saiten ihres weißen E-Gitarre, (Gibson oder Gretch?) die farblich super zu dem schwarzen Kleid passt. Viel wichtiger als diese modischen Aspekte sind aber die produzierten Riffs und die Harvey an der Gitarre ist einfach brillant und cool.

- Später spielt sie übrigens noch auf einer braunen E-Gitarre und einer beigefarbenen (gelben?) Akustikklampfe. Technische Fehler kann nich nicht heraushören, der Vortrag ist für meine Ohren perfekt.

- Der Sound ist klar und gut ausbalanciert. Nicht sehr laut eigentlich, aber dafür keine Spur breiig. Aufgrund der nicht sehr hohen Lautstärke klingt das Ganze allerdings nicht nach einem wilden Rockkonzert.

- Aber PJ muss ja in ihrem Alter (41) nicht mehr die wilde Rockröhre raushängen lassen.

- Sie ist natürlich trotzdem nach wie vor 100 mal rauer und unpolierter als es die Killers oder Muse je waren.

- Es ist schon erstaunlich, wie umfassend das Repertoire der Engländerin ist und wie viele stilistische Seiten sie abdeckt. Sie klingt ein wenig nach vielen anderen großartigen Künstlern, ohne sie auch nur im Geringsten zu kopieren. Sie vereint die allerbesten Musiker und Bands der letzten 30 Jahre in einer einzigen Person. Joanna Newsom, Cat Power, Feist, Björk, Patti Smith, Sonic Youth, Pixies, Kate Bush, Cocteau Twins, Nirvana, Sleater-Kinney, Hole, Throwing Muses, Nick Cave, Scout Niblett, Tori Amos, Siouxsie and The Banshees, Kristin Hersh, Beth Gibbons, Mazzy Star etc.

- Mal ein paar Worte zu ihrer Begleitband. Die spielt sehr diskret, aber punktgenau. Das Schlagzeug ist nicht sehr powervoll, sondern dezent und hintergründig. Der Drummer trägt einen französischen Namen, ich weiß aber nicht mehr genau wie er hieß.

- Mick Harvey spielt Keyboard und Gitarre und singt auch ein Lied (The Colour Of The Earth) in führender Rolle. Der weißhaarige Typ ist nicht mit Polly Jean verwandt oder verschwägert. Er war früher bei Nick Cave und den Bad Seeds.

- Die Männer in der Band gucken alle ein wenig grimmig, aber die wollen nur spielen (wie der Pitbull der Nachbarin).

- Die Lichtshow ist ebenfalls vornehm zurückhaltend. Es gibt keine großen Effekte, schon gar keine Laser (Hilfe!), sondern nur ziemlich häufig Nebel, der aber im hinteren Bühnenteil nach oben schwebt, ohne Polly Jean zu verhüllen. Man kann ihr Gesicht also meistens sehr gut sehen. Manchmal bleibt aber alles ziemlich düster und man sieht nur die Umrisse der schwarzgekleideten Künstlerin, was fast ein wenig gruselig ist.

- wenn man bösartig wäre, könnte man sagen, PJ sähe heute aus wie eine Vogelscheuche oder wie eine Hexe.

- Ich mag Hexen.

- Vogelscheuchen sind mir egal.

- Aber was sind eigentlich die besten Songs des 90 minütigen Sets?

- Puh, nicht leicht, es gibt nämlich keinerlei Aussetzer oder Rohrkrepierer.

- Die ersten zwei Lieder sind auf jeden Fall schon mal herausragend, die Stimme so herrlich, das Harfenspiel so anmutig, die Melodien so feinperlend.

- In der Presse liest man, daß es Harvey diesmal besonders auf die (politischen) Texte ankam. Kein Wunder, wenn man sich mit seiner Heimat und ernsten Themen wie Kriegen (z. B. dem in Afghanistan) auseinandersetzt. Gelobt wird aber wie feinfühlig und wenig anklagend sich Harvey textlich äußert. Sie beobachtet, beschreibt, versucht zu verstehen und hat sicherlich auch nicht die allein gültige Antwort auf alles. Im Song England singt sie aber" you leave a taste, a bitter one"

Was ich besonders schön finde: PJ Harvey sagte in einem Interview, sie sei Optimistin und glaube an die Kraft der Hoffnung, an die Fähigkeit der Menschen sich zu ändern, sich widrigen Umständen bewußt zu werden und Verantwortung zu übernehmen. So was liest man selten. Eine kluge Frau.

- Im letzten Drittel kommen etliche Granaten. Down By The Water (das vom Publikum mitgesungen wird), On Battleship Hill, Written on The Forehead, Big Exit (von ihrem vermeintlich besten Album Stories From The City, Stories From The Sea).

- Die Zugaben sind deutlich rockiger und grungiger als das vorher gehörte. Meet Ze Monsta vom 1995 er Output To Bring You My Love zeigt eine angriffslustige Polly. Angeline kennt man als Opener von Is This Desire? und Silence zeigt die sanfte, gefühlige PJ vom Piano geprägten Vorgänger-Album White Chalk.

- Danach ist Schluß, PJ lächelt nett Richtung Publikum, man verneigt sich und zischt ab.

- Das Publikum klatscht eine viertel Stunde lang rum wie gestört, bekommt aber keine weitere Zugabe geboten. In den Jubel mischen sich Buhrufe, aber das ist nur Spaß. So sind die Franzosen halt eben.

- Ein gutes Publikum im Übrigen. Leise und fachkundig, respektvoll und bunt gemischt. Die Gay-Gemeinde (die ich mag und moralisch unterstütze) ist präsent. Seit Tegan & Sara habe ich nicht mehr so viele lesbische Pärchen gesehen.


- Unter dem Strich: fabelhaft! Polly Jean, die Queen of England. Bejubelt von den Franzosen. Yeah, baby!!!

- PJ Harvey hat bei diesem unbekannten John Peel mal ein paar Peel Sessions gespielt. Wann kommt sie zu Oliver Peel? Mein Wohnzimmer steht ihr offen.

Setlist PJ Harvey, Olympia, Paris, 24.02.11:*

01: Let England Shake
02: The Words That Maketh Murder
03: All & Everyone
04: The Guns Called Me Again
05: Written On The Forehead
06: In The Dark Places
07: The Devil
08: The River
09: The Sky Lit Up
10: The Glorious Land
11: The Last Living Rose
12: England
13: Bitter Branches
14: Down By The Water
15: C'mon Billy
16: Hanging In The Wire
17: On Battleship Hill
18: Big Exit
19: The Colour Of The Earth

20: Met Ze Monsta
21: Angeline
22: Silence

* es ist haargenau die gleiche wie kürzlich im Admiralspalast zu Berlin. Schade.

Aus unserem Archiv:

PJ Harvey, Paris, 16.11.07

 

Konzerttagebuch © 2010

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