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Samstag, 28. November 2009

Tegan and Sara, Köln, 28.11.09

2 Kommentare

Konzert: Tegan and Sara
Ort: E-Werk, Köln (verlegt vom Gloria)
Datum: 28.11.2009
Zuschauer: voll, aber vermutlich nicht ganz ausverkauft
Dauer: Tegan and Sara 95 min, Astronautalis 35 min


"Zu Daniel Schumacher oder zu Tegan and Sara?" fragte der Security-Mann vor dem E-Werk. Daniel Schumacher? Der "Super""star", der gerade etwas Pech hat, wie ich heute auf bild.de lesen mußte? Dessen Köln-Konzert sollte also ursprünglich im E-Werk stattfinden, wurde aber in den Februar hochverlegt, während die zunächst im Gloria angesetzten kanadischen Zwillingsschwestern Tegan und Sara Quin nun also im E-Werk spielen durften.

Bevor aber Tegan und Sara beginnen konnten, mußten wir einen echten amerikanischen Rapper ertragen. Eigentlich würde es reichen, es kurz zu machen. Astronautalis war vollkommen unnötige Zeitverschwendung! Der Kerl, der in guten Momenten wie die Streets mit der Stimme von Shane MacGowan von The Pogues klang, gefiel sich ganz ausgezeichnet und versuchte uns das zu vermitteln. Erstaunlicherweise wurde Andy Bothwell nicht von der Bühne gebuht. Als aber irgendwer wohl irgendetwas Kritisches rief, reagierte der coole Rapper schlagfertig: "Tegan and Sara asked me to support them. Perhaps you've missed something!" Ich bin bekanntlich sehr tolerant Vorgruppen gegenüber, höre mir die auch bis zum Schluß an. Der selbstverliebte Astronautalis war allerdings gar nichts für mich. Verpasst hätte ich sicher nichts, wenn ich ihn ausgelassen hätte.

Trotzdem hatte das Konzert zwei lichte Momente: einmal startete er das falsche Lied an seinem Laptop und kommentierte das mit "shup up, band!" Und dann hatte Andy ein Lied damit angekündigt, daß nicht hartes Arbeiten, Fleiß, Pünktlichkeit die richtigen Reaktionen auf die Finanzkrise seien. Wir sollten Freunde und Familie bestehlen. Das nahm eine Frau mit kurzen Haaren und Karohemd gerne auf, guckte nach rechts und nach links und steckte meinen Becher ein. Wir müssen alle unseren Beitrag leisten!

In der kurzen Umbaupause liefen 60er Jahr Lieder; zu Sunshine, lollipops and rainbows von Lesley Gore tauchten dann die beiden Quin-Schwestern auf der Bühne auf. Begleitet wurden sie wie vor zwei Jahren, als ich sie zum ersten Mal gesehen hatte, von drei Musikern. Ob es die gleichen wie im Stadtgarten waren, weiß ich nicht, dafür stand ich zu schlecht. Diesmal wurden Tegan und Sara von Gitarrist Ted Gowans, Schlagzeuger Johnny Andrews und Bassist Shaun Huberts unterstützt. Aber es gibt natürlich nur zwei Hauptdarstellerinnen, die Schwestern.

Vier alte Stücke eröffneten das Konzert, The con und drei Lieder vom vierten - und wie ich finde besten - Album So jealous, bevor der große Sainthood-Block begann. Bis auf Don't rush spielten die Kanadierinnen alle Lieder ihres aktuellen Albums. Als kleine Pause dienten lediglich drei ältere Stücke in der Mitte.

Die Bedenken von Tegan, wir könnten die neuen Sachen nicht kennen und weniger Stimmung machen, waren unbegründet, alle Lieder kamen ähnlich gut an. Bei mir auch; ich mag Sainthood gerne. Tegan and Sara bleiben sich treu und schreiben weiter tolle Indiepop-Songs mit diesem unglaublich charmanten kanadischen Akzent.

Aber ein Konzert der beiden ist natürlich nicht nur Musik. Extrem unterhaltsam sind immer die vielen kleinen Geschichte, die die Zwillinge erzählen. Was sie spontan (es wirkt wenigstens so) an Anekdoten raushauen, ist köstlich! Heute waren es viele Sachen aus ihrer Kindheit, vom ersten Date (mit Jungs!), von unmöglichen Fotos, vom Vater, ach, herrlich! Besonders toll, als Tegan in der Geschichte merkt, daß sie ein deprimierendes Ende hat und feststellt, daß ihr das oft so gehe, wie wolle etwas Komisches erzählen, das dann aber tragisch ende.

Das Konzert endete komisch. Die fünf Musiker wollten nämlich vor den Zugaben nicht von der Bühne gehen. "Wir bleiben hier und reden weiter." Zugaben gab es aber trotzdem, nur eben ohne Pause!

Wie gehabt, ein sehr schönes und lohnenswertes Konzert der beiden Schwestern. Auch wenn ich leider nicht mehr Zeit habe, das ausführlicher zu beschreiben. Aber im Sommer kommen sie wieder, ich sicher auch.

Setlist Tegan and Sara, E-Werk, Köln:

01: The con
02: Walking with a ghost
03: I bet it stung
04: Where does the good go
05: Arrow
06: Sentimantal tune
07: The ocean
08: Paperback head
09: Alligator
10: Someday
11: So jealous
12: Nineteen
13: Soil, soil
14: Night watch
15: Hell
16: On directing
17: Red belt
18: The cure
19: Northshore
20: Speak slow
21: Living room (Z)*
22: Back in your head (Z)
23: Call it off (Z)

* Die letzten drei Stücke gaben die beiden als Zugaben aus, ohne aber die Bühne verlassen zu wollen. Die Zeit wollten sie sinnvoller nutzen und uns Geschichten erzählen. Aber Zugaben waren es nun mal...

Links:

- aus unserem Archiv:
- Tegan and Sara, Paris, 18.11.09
-
Tegan and Sara, Köln, 10.03.08
- Tegan and Sara, Köln, 25.08.07
- Tegan and Sara, Highfield Festival, 19.08.07





Donnerstag, 19. November 2009

Tegan & Sara, Paris, 18.11.09

0 Kommentare

Konzert: Tegan & Sara
Ort: Theatre de l'Alhambra
Datum: 18.11.2009
Zuschauer: restlos ausverkauft
Konzertdauer: stolze 100 Minuten brutto (netto weniger, es wurde zwischendurch
viel geplaudert)

Chronique en français à venir! Promis!




An diesen kurzen Novembertagen muss man den Serotoninspiegel ein wenig ankurbeln, will man nicht in bluesige Stimmung geraten. Patrick Watson und sein (auf hohem Niveau stattfindendes) niederschmetterndes Katzengejammer schien mir da ziemlich ungeeignet. Ich bevorzugte heute deshalb andere Muntermacher. Tegan & Sara kommen zwar wie Watson aus Kanada, machen aber deutlich unprätentiösere und fröhlichere Musik. Da musste ich hin!

Wie schon beim Gig von Gossip kam aber keiner meiner Konzertjunkie-Freunde auf die gleiche Idee. Im Publikum erkannte ich kein einziges bekanntes Gesicht. Wo waren die Pappnasen denn? Etwa alle bei Herrn Watson?

Egal, so fand ich mich eben ganz alleine in der Pariser Lesbencommunity wieder. Als Mann war ich ganz klar in der Unterzahl und umringt von knabenhaft aussehenden Mädchen, die romantisch Händchen hielten und sich abschmusten. Optisch herrschte ein ziemlich einheitlicher äußerlicher Kodex. Die Haare waren kurz gehalten, aber oft struwelig über die Schläfen gekämmt. Längere Strähnen und Asymetrie waren der Renner! Lippenstift drucken die Mädels keinen, dafür aber gerne mal ein Piercing oder auch ein Oberarmtattoo. Im Grunde genommen galt die alte Regel: Das Publikum sieht genauso aus, wie die Band, die auf der Bühne steht. Bloß, daß die wenigsten so süße Gesichter hatten wie Tegan and Sara, die einfach von der Natur begünstigt sind.

Ich rede wieder zuviel über Äußerlichkieten? Hmm, vielleicht habt ihr Recht. Davon abgesehen stellen wir uns hier auf dem Konzerttagebuch selbstredend hinter die Schwulen und Lesben. Ohne homosexuelle Künstler wäre die Musikszene armseelig und die juristische Gleichstellung von Homoesexuellen bei Ehe und Adoption halte ich für zeitgemäß und selbstverständlich.

Aber jetzt sofort mal ein Wort zur Stimmung. Die war nach und zwischen den Liedern blendend, hätte aber während des Abspulen der Songs wesentlich lebhafter sein können. Wahrscheinlich lag es einfach daran, daß die Mädels permanent Fotos mit ihrem I-Phone von ihren Idolen schoßen, so daß sie die Aufnahmen nicht verwackeln wollten. Wenn aber Tegan, oder auch Sara (was etwas seltener vorkam), lustige Ansagen machte und Anekdoten erzählte, waren die Fans deutlich lauter. Dankbar wurden die Witze von Tegan mit Lachern quittiert und das Aufsagen einzelner französischer Wortfetzen wurde wie so oft euphorisch aufgenommen. Der Franzose, ob Männlein oder Weiblein, liebt es eben, wenn Amis französisch reden. Dann fühlen sich die Froschfresser geehrt und umschmeichelt. Funktioniert immer! Viel war es jedoch nicht, was die beiden Zwillinge auf französich zu sagen wußten, da merkte man doch deutlich die Sprachgrenzen in Kanada.

Ebenfalls entzückt war das Publikum, als Sara erzählte, daß es toll wäre, wenn man eine dieser Dating Shows im Fernsehen mit Französinnen haben könnte. Außerdem sei sie, Sara, ja auch noch zu haben, im Gegensatz zu Tegan, die sofort abwinkte und hinzufügte: "Bin vergeben!"


In einer anderen Plauderpause zwischen den Titeln ging es auch um das Thema Twittern. Wenn man seinem Partner vollkommen treu sein wolle, müße man in heutigen Zeiten erklären: "Ok, versprochen, ich lese ab jetzt nur noch Deine Tweeds. "

Die Geschichte mit Twitter schien sie ohnehin zu amüsieren, an mehreren Stellen ging es um diese moderne Kommunikationsform und es wurde dem Publikum geraten, Tegan & Sara bei Twitter zu folgen.


Weitereres wichtiges Anliegen war es den Musikerinnen, daß die Leute ihre neue CD (z.B. als Weihnachtsgeschenk für gute Freunde) kaufen sollten, damit sie selbst nicht verarmen würden. Europa, speziell Paris, sei so teuer, daß es sich für sie kaum lohnen würde. Eigentlich würden sie die Tour nur machen, um sich bei den europäischen Fans zu bedanken. Bei einem ihrer ersten Konzerte in der französischen Metropole (das war in der Maroquinerie) hätten sie so wenig Geld gehabt, daß sie nach dem Gig mit ihrem Van aus der Stadt herausgefahren seien und mit offener Tür (sie hätten keine Klimaanlage gehabt) Frankreich durchquerten. Mein Mitleid hielt sich aber ehrlicherweise in Grenzen, denn so voll wie heute hatte ich das Alhambra noch nie erlebt und das neue Album Sainthood erreichte laut Plattenvorgericht immerhin Platz vier der kanadischen und Platz 21 der amerikanischen Charts. Zumindest genug Geld, um von ihrer Musik zu leben, sollten sie also haben. Ein Privileg, daß nicht jede gute Indieband hat!

Und um den außermusikalischen Teil meiner Berichterstattung zu beenden, muss auch noch etwas zum Vorstellen der männlichen Begleitmusiker gesagt werden. Diese Vorstellung war nämlich äußerst amüsant und charmant. Tegan nannte die Namen der drei Burschen, die an Bass, Schlagzeug und Keyboard (bzw. Gitarre) tätig waren und fragte jeweils, wie viele Fehler sie im Laufe des Sets gemacht hätten. Ganz offen gab beispielsweise der Keyboarder Ted zu, daß er gleich beim ersten Lied gepatzt hatte. Ich hatte das nicht gemerkt, fand die Offenheit aber entwaffnend. Außerdem wollte Tegan auch von jedem einzelnen wissen, wie ihnen Paris gefalle und ob sie schon einmal Pott geraucht hätten. Die Antworten waren einheitlich: Jeder der drei Kerle fand Paris wundervoll (bloß zu teuer), keiner aber hatte je Pott geraucht. Gerade der letzte Teil verwunderte Tegan: "Was seit ihr denn für Nerds? Ihr wart wirklich immer so brav? Deshalb macht ihr so wenige Fehler! Ich selbst habe mir schon meine Gehirnzellen durch ungesunde Lebensweise ruiniert!"...

Natürlich war das übertreiben, denn Tegan spielte und sang genau wie Sara ganz hervorragend! Mit viel Herzblut und ihren typischen Mickie-Maus Stimmen (nehmen sie vorher Heliumgas zu sich?) schmetterten sie alte und neue Hits und ließen keinerlei Langeweile aufkommen. Das war zackig, eingängig und frisch. Alles ohne viele Schnörkel, genau wie die beiden Zwillinge selbst. Und live ist das Ganze natürlich wesentlich rockiger und lauter als auf den Alben, da wird aus Indie Pop schnell mal fast noisiger Indie Rock.

Einzelne Lieder besonders hervorzuheben fällt mir hingegen schwer, die beste Phase hatte das Konzert aber für mich, als hintereinander weg die ungemein ohrwurmigen Stücke Nineteen und Where Does The Good Go performt wurden. Von den neuen Tracks zog natürlich Hell besonders gut.

Letztlich sind Tegan and Sara nicht so komplex wie Built To Spill, nicht so kompromissloss noisig wie Sonic Youth und auch nicht so innovativ wie Kaki King, aber dennoch eine ganz wichtige Band der nordamerikanischen Indieszene.

Kaum jemand ist nämlich so catchy, charismatisch und liebenswürdig wie die beiden Zwillinge!


Setlist Tegan & Sara, Alhambra, Paris:

01: The Con
02: Walking With A Ghost
03: I Bet It Stung
04: Speak Slow
05: So Jealous
06: Arrow
07: Hell
08: On Directing
09: Red Belt
10: The Cure
11. Northshore
12: Night Watch
13: Soil, Soil
14: Knife Going In
15: Like Oh, Like H
16: Nineteen
17: Where Does The Good Go
18: Alligator
19: Paperback Head
20: The Ocean
21: Sentimental Tune
22: Someday
23: Back In Your Head
24: Living Room
25: Call It Off

Zusätzlich wurde My Number akustisch angestimmt und überwiegend vom Publikum gesungen, daß sich diesen Titel gewünscht hatte. Eine Amerikanerin im Publikum wollte unbedingt Come On hören, wurde aber mit anderen Songs vertröstet.

- Mehr Fotos von Tegan and Sara vom Pariser Alhambra hier

Links: Hervorragende Pics von Tegan & Sara in Glasgow (2008) hat meine Flickr Freundin Sarah Bastin. Klick!
- Und noch viel aktueller sind ihre brillianten Fotos von Tegan in Sara in Victoria vom 25.09.2009

Aus unserem Archiv:

Tegan and Sara, Köln, 10.03.08
Tegan and Sara, Köln, 25.08.07
Tegan and Sara, Hohenfelden (Highfield Festival), 19.08.07





Donnerstag, 20. März 2008

Tegan and Sara, Köln, 10.03.08

4 Kommentare

Konzert: Tegan and Sara

Ort: Gloria, Köln
Datum: 10.03.2008
Zuschauer: ausverkauft


Ich sag es, wie es ist. Meine von mir gehypte Entdeckung der letzten drei Wochen, Tegan and Sara, ist der ganz grosse Geheimtipp nicht mehr. “Platte der 14 Tage” oder so ähnlich heisst die Rubrik der TV Today, die das neue Album der Zwillinge “The Con” in den Kalenderwochen 10 und 11 anführt. Von seichtem Indiepop bis elektrogeschwängertem Folkpop ist die Rede, von Zwillingsschwestern, die 8 Minuten Lebenszeit trennen, und von denen die eine durch Europa reist um Eindrücke zu gewinnen, während die andere in der Heimat den Haushaltsjahresabschluss der Band klarmacht.
In Kanada sind sie bereits kleine Helden, in Europa soll ihnen “The Con” zum Durchbruch verhelfen.

Dass Tegan and Sara zumindest in Köln und Umgebung über eine grössere Fanschaft verfügen zeigen die über 120 “ich-geh-hin” Meldungen bei lastfm. Zum sonntäglichen Cure Konzert in Oberhausen sind es nur unwesentlich mehr Meldungen. Ob lastfm das richtige Barometer ist, darüber lässt sich diskutieren. (Wer nicht so denkt möge hier bitte das Beispiel Amy MacDonald Konzert anfügen, sechs “ich-geh-hin-Meldungen” bei lastfm, das Gebäude 9 war allerdings ausverkauft.) Gestern enttäuschte das lastfm Barometer nicht. Das Gloria war ausverkauft. Als Trost für die, die keine Karten hatten, am 24.06. gibt es ein Tegan and Sara Zusatzkonzert in der Bochumer Zeche. Die DIN A4 Hinweiszettel, die überall klebten, waren unübersehbar.

Gott sei Dank ist es so, dass ein ausverkauftes Gloria bei weitem angenehmer ist als ein ausverkauftes Gebäude 9. Das Raumklima ist hier erheblich frischer, die Warterei wird nicht unnötig zur Qual und wem das nicht genug ist, ausverkauft bedeutet hier nicht engsten Körperkontakt mit dem Nachbarn, sondern immer noch luftiges nebeneinanderstehen. Von dieser Seite her damit allerbesste Voraussetzungen.

Als um kurz nach 20 Uhr Northern State den Abend eröffnen, war das Gloria bereits voll. Und auf den ersten Blick wurde klar, wer hier heute Zielgruppe ist. Unzählige Mädchen um die 20 füllten den ehemaligen Kinosaal. Einige hatten ihren Freund mitgebracht, einige nicht. Es scheint, dass Tegan und Sara mit ihrer ‘Jetzt erst Recht’ Attitüde ein weibliches Indie-Sprachrohr für alle die sind, die zwischen Jugend- und Erwachsensein stehen.

Northern State erinnerten sofort an die Beastie Boys (weil auch aus New York). Und an Lucious Jackson (weil auch drei vier Mädels). Leider ist damit alles gesagt und wenn man weiss, dass die Beastie Boys Northern State produziert haben (übrigens seinerzeit auch Luscious Jackson) dann gibt es überdies keine weiteren Fragen mehr. Keine Frage, sie machen ihre Sache gut, passen prima ins Gesamtbild des heutigen Abends, doch wirklich neu und merkenswert sind Northern State nur bedingt. Dafür klingen sie zu sehr nach ihren Vorbildern.

Da die Quin-Twins rechtzeitig den 1live Absprung geschafft haben, dort waren sie noch um kurz nach acht beim Radiointerview, ging die Umbaupause im normalen Zeitrahmen über die Bühne.

Licht aus, Spot an. Beziehungsweise, 2 Spots an. Die Begleitmusiker bleiben dezent im Hintergrund. Vor dem dunklen Hintergrund sieht man sie kaum. Aber sie müssen da sein. Die Bühne gehört Sara und Tegan. Die eine links, die andere rechts am Bühnenrand. Näher kommen sie sich, wenn eine von beiden die Gitarre aus dem Arm legt und die Keyboards aufsucht. Das geschieht des öfteren und erweist sich vorteilhaft für all die Handy und Digitalkamera- Photographen. Von denen gibt es heute viele. Es blinkt und blitzt in allen Ecken. Generation Fotohandy. So ist es möglich, die Zwillinge gemeinsam grossformatig auf ein Bild zu bekommen. Und wenn alle fair sind, stehen die Bilder bald in Flickr.

Es entwickelt sich ein interessanter und kurzweiliger Abend. Die beiden sind gute Entertainer und ergänzen sich nicht nur beim gedoppelten Gesang, sondern auch in den Zwischenansagen. Diese führen über Sympathiebekündigungen an das Publikum zum Zwischenansagen-Thema des Abends, den Kölner Dom. Besichtigten ihn die drei Mädels von Northern State und erzählten ausgiebig über die Turmbegehung (ich war bis ganz oben!), so legten Tegan und Sara nach und zollten der “scary cathedral” gehörigen Respekt. Die Eindrücke teilt wohl jeder von uns, der den Dom zum ersten mal sieht.

Äusserten die Stars letztens an gleicher Stelle nicht ähnliches über dieses Bauwerk? Da kann man nur hoffen, dass das Kulturamt der Stadt um den prägenden Eindruck des Doms auf kulturhistorisch unbedarfte und unvoreingenommene Nordamerikaner weiss.

“I was nineteen” singen Tegan und Sara im Laufe des Abends. Zugegeben, das ist bei mir schon länger her. Gestern abend dachte ich irgendwann: “An manchen Tagen fühlt man sich älter als an anderen.”

von Frank von Pretty Paracetamol

Links:

- Tegan and Sara live in Köln 2006
- und beim Highfield Festival 2006
- Fotos von den 2006er Konzerten: Köln & Highfield

Konzertbesucher von Tegan and Sara könnten auch mögen:


- Natürlich: The Organ (live in London)
- Pony Up! live in Köln und Frankfurt



Samstag, 25. August 2007

Tegan and Sara, Köln, 25.08.07

7 Kommentare

Konzert: Tegan & Sara

Ort: Stadtgarten Köln
Datum: 25.08.2007
Zuschauer: knallvoll


Wenn das ZDF nicht so schändlich mit einer seiner größten Perlen umgehen würde, hätte das heutige Konzert der kanadischen Zwillingsschwestern Tegan Rain und Sara Kiersten Quin (Rain!) vermutlich nicht im Stadtgarten sondern im Gebäude 9 oder im Gloria stattgefunden. Weil aber niemand wahrnimmt, daß im Zweiten die fabelhafte und sehr coole Serie "Veronica Mars" läuft, hat auch niemand mitbekommen, daß da zwei Lieder von Tegan and Sara liefen ("So jealous" und "I know I know I know"). So waren nur wirklich große Fans der Band im Stadtgarten anwesend, nicht das normale Indie-Publikum, zumindest hatte ich den Eindruck.

Das Konzert war schon ewig ausverkauft. Beginn sollte laut Ticket pünktlich um 19.30 Uhr sein, schrecklich früh für einen Samstag abend. Es wurde dann aber doch
acht, bis ein einzelner Musiker, der sich dann als Karl Larsson aus Schweden vorstellte, die Bühne betrat. Karl ist offenbar Singer/Songwriter und machte ganz annehmbare Musik, die mich aber nicht vom Hocker riß. Larsson hat Tegan und Sara in Australien kennengelernt und supportete sie auf ihrer Europatour. Köln war die letzte Station seiner Begleitung. Irgendwie schien er es aber furchtbar eilig zu haben, denn zwischen den acht gespielten Lieder gab es kaum eine Pause. Die acht Stücke spielte er in einer knappen halben Stunde runter und wurde dann nett verabschiedet.

Fünfzehn Minuten später kamen die Hauptdarstellerinnen auf die Bühne. Tegan und Sara
wurden dabei von drei anderen Musikern begleitet, einem Bassisten, einem Gitarristen und einem Flip-Flops tragenden Schlagzeuger! Sara und Tegan (so hieß die Band früher) waren zwar nicht gleich gekleidet, immerhin aber beide in schwarz, sind aber unverkennbar Zwillinge. Mir sind nur zwei Unterschiede aufgefallen: Sie tragen unterschiedliche Tattoos auf den Armen und den Scheitel in unterschiedliche Richtungen! Saras Scheitel geht nach rechts, Tegans nach links.

Die beiden Schwestern spielen Gitarre und singen gemeinsam, wobei in der Regel eine der beiden den Hauptpart singt, das wechselt
aber. Tegan, die ältere der beiden, spielt zusätzlich Keyboard.

Das Set der beiden war sehr ungewöhnlich. Das Konzert begann mit drei Liedern vom 2004er Album "So jealous", dem tollen Ohrwurm "You wouldn't like it", "Where
does the good go" und "Speak slow." Danach folgten neun (!!!) Stücke vom in Deutschland laut Tegan noch nicht erschienenen Album "The con" (laut Internet schon). Sie vermutete aber, daß wir alle die CD schon hätten, denn es gäbe da dieses Internet, was ihre Plattenfirma nicht kapiere. Ich hatte irgendwo mal gelesen, daß früher, als sie noch nicht viele Lieder hatten, Konzerte der beiden auch aus vielen Geschichten bestehen, die Tegan und Sara immer wieder zwischen den Liedern erzählen. Trotz einiger Platten in der Zwischenzeit, ließen es sich die Schwestern nicht nehmen, viel zu reden - und zwar sehr unterhaltsam. Sara erzählte davon, mal auf den Dom geklettert zu sein, und das sei ungewöhnlich ("we don't walk very often in North America"), davon, daß die Leute so nett seien, sie zwar nicht wisse, ob sie jemand verstehe aber es wirkte alles so nett, sie sei aber eine "fucking bitch."

Schwester Tegan redete lieber über ihre Vorliebe, die ganze Nacht in der Löffelchen-Stellung zu verbringen. Sara konnte das überhaupt nicht nachvollziehen. Sie hätte das Bett gerne alleine, das läge vermutlich daran, daß sie acht Minuten jünger und damit neidisch auf ihre Schwester und deren Vorsprung im Bett
sei.

Zwischen den Ansagen wurde aber natürlich musiziert. Und das war wirklich toll! Tegan und Sara machen Indie-Pop (früher wäre das als Punk durchgegangen) mit
schönen Melodien, die durch die guten Stimmen, oft eben gemeinsam, richtig gut zur Geltung kommen. Mich hat nur ein wenig gestört, daß das Schlagzeug zu laut war. So kamen nämlich gerade die Stimmen manchmal technisch bedingt zu wenig zur Geltung. Insgesamt war es aber wirklich sehr gut! Die neuen Lieder kommen gut an. Und natürlich kannte fast jeder im Saal sie. Dieses Internet-Dings halt. Mir gefällt "The con" zwar nicht so gut wie "So jealous", aber die Hits "The con", "Like O like H" oder "Back in your head" und "Hop a plane" sind wirklich aufregend gut, davon haben die Schwestern mich heute überzeugt!

Nach der Phase der Lieder vom neuen Werk folgten mit den beiden großen Hits "So jealous" und "Walking with a ghost" (das ja sogar die White Stripes gecovert haben) von "So jealous" und "Living room" vom Vorgänger "If it was you" die letzten drei sehr umjubelten Stücke des regulären Sets.

Natürlich gab es Zugaben. Sowohl Lieder als auch Geschichten. "Monday, monday,
monday" kündigte Sara mit der Geschichte der Entstehung des Lieds an. Am Tag, als sie den Song geschrieben hat, wachte Sara nach einer durchzechten Nacht auf und bemerkte, als sie ihre Kleidung vom Vorabend sah, daß sie da wohl wie eine explodierte Erdbeere ausgesehen hatte, weil sie einen Erdbeer Daiquiri verschüttet hatte. Die Geschichte habe zwar nichts mit der Entstehung des Lieds zu tun, beweise aber, daß sie auch eine lustige Story erzählen könne...

Zwei weitere Lieder von "So jealous" beschlossen das Konzert nach etwas mehr als 70 Minuten. Ich bereue keine davon, es war alles hoch unterhaltsam! Natürlich kommen Tegan und Sara nicht an The Organ ran, eine gute Ersatzdroge sind die Schwestern allerdings schon. Und das Konzert war ein ganz großer Spaß!


Setlist Tegan & Sara Köln:

01: You wouldn't like me
02: Where does the good go
03: Speak slow
04: The con
05: Like O like H
06: Dark come soon
07: Back in your head
08: Hop a plane
09: Burn your life down
10: Nineteen
11: Knife going in
12: Are you 10 years ago
13: So jealous
14: Walking with a ghost
15: Living room

16: Monday, monday, monday
17: Take me anywhere
18: I know I know I know

Links:

- Tegan and Sara beim Highfield-Festival
- mehr Fotos




 

Konzerttagebuch © 2010

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