Sonntag, 11. November 2007

Gossip, The Go! Team & Jack Penate, Paris, 10.11.07


Konzert: Gossip, The Go! Team & Jack Penate (& Yelle, Cajun Dance Party), Festival Les Inrocks
Ort: La Cigale, Paris
Datum: 10.11.2007
Zuschauer: ausverkauft und völlig überfüllt!


So'n Mist aber auch! Die aufstrebende Band Cajun Dance Party hätte ich wirklich gerne gesehen, aber die Müdigkeit vom Vortag war noch zu extrem. Erst gegen vier Uhr früh lag ich in den Federn und fünf Bands in der Cigale + anschließend noch einmal drei in der Boule Noire waren wirklich zu viel für mich. Von meinem extrem zähen Konzertgänger- Freund Philippe bekam ich hierfür prompt einen Rüffel: "Wo warst Du?, warum kommst Du jetzt erst?, ich war genauso spät im Bett wie Du!", wetterte er. Zumindest hat er mir aber die Setlist von Cajun Dance Party notiert. Hier ist sie:

01: Colourful Life
02: The Race
03 :Time Falls
04: The Firework
05 :Amylase
06: Buttercups
07 :The Next Untouchable

Auch der Auftritt der jungen Französin Yelle fiel meiner Müdigkeit zum Opfer. Die Frau mit dem schicken Pagenkopf bietet einen stark 80ies angehauchten Elektro-Pop, mit dem sie zumindest in Frankreich schon für so einige Schlagzeilen gesorgt hat. Im Dezember werde ich mir das im Nouveau Casino mal genauer ansehen, heute tanzte sie aber ohne mich ab...

Zu Jack Penate kam ich hingegen noch genau rechtzeitig. Ich war gerade hastig die Treppenstufen hochgelaufen, als mir beim Öffnen der schweren Türe ein polternder, krachender Sound entgegenschlug. Nanu, war ich bei den Arctic Monkeys gelandet? Nicht ganz, aber live ist Jack wesentlich rockiger und roher als auf seiner eher poppig klingenden Platte. Der Opener "Spit At Stars" hatte jedenfalls gewaltig Druck auf dem Kessel. Herr Penate selbst ließ hierzu seine Hüften in bester Elvis-Manier kreisen und schüttelte mir so gleich meine Müdigkeit aus den Gliedern. Die Stimmung im Publikum war von Beginn an ausgezeichnet, ein paar Leute ließen es sich nicht nehmen, mitzutanzen. Auch die beiden Bandmitglieder von Herrn Penate waren guter Dinge und hängten sich ordentlich ins Zeug. Um einen besseren Draht zu den Franzosen herzustellen, bemühte sich der Sänger auch, ein wenig französisch zu sprechen. J'habite à Londres" fing er einen Satz an, beendete diesen aber in seiner Muttersprache: "The next song is about getting robbed continously"". Gemeint war das flotte Stück "Run For Your Life", welches folgen sollte. Nicht nur damit räumte er ab, sondern natürlich auch mit der Hitsingle "Second, Minute or Hour", die im Anschluß kam. Mit höllischem Tempo jagte er über die Bühne und schmetterte den Refrain "She never wanted me". Für die Ballade "We Will Be Here" wurde aber das Tempo deutlich gedrosselt, man hätte fast ein Feuerzeug anzünden können, obgleich diese Bekundung von Romantik immer etwas kitschig rüberkommt. Aufrichtiger schien da schon Jack's Ansage, daß die Cigale für ihn einer der Paris-typischten Räume sei und, daß es für ihn eine große Ehre sei, in Paris zu spielen. Das erinnere ihn an eine CD seines Helden Jeff Buckley. Jeff Buckley à l'Olympia...

Nach dem Verklingen der Schmachtnummer ging es aber in der Folge wieder deutlich schneller weiter, manchmal auch sehr tanzbar und groovy, so z.B. bei dem Cover "Just Be Good To Me", welches bei Liveauftritten immer Bestandteil des Sets ist. Erwähntes Lied ist nicht unbedingt mein Favorit, aber es ist immer noch um Längen besser als das recht doofe Original. Lieber waren mir "Made Of Codes" und natürlich "Torn On The Platform" mit dem ein gelungener und kurzweiliger Auftritt beendet wurde.

Setlist Jack Penate, Paris, La Cigale, Festival Les Inrocks:

01: Spit At Stars
02: Got My Favourite
03: Cold Thin Line
04: Learning Lines
05: Run For Your Life
06: Second, Minute or Hour
07: Have I Been A Fool?
08: We Will Be Here
09: Just Be Good To Me (SOS Band Cover)
10: Made Of Codes
11: Torn On The Platform

Mit dem nachfolgenden Go! Team aus Brighton/England konnte ich mich bisher noch nicht so recht anfreunden. 2005 hatte ich die mehrköpfige, gemischt-geschlechtliche Band beim Festival in Belfort gesehen und war relativ wenig begeistert. Nach dem famosen heutigen Auftritt frage ich mich allerdings: wieso nicht? Von Anfang bis Ende war die Stimmung im Publikum grandios, es wurde wild getanzt, der Boden in der Cigale bebte und die Lebensfreude , die die Musiker versprühten war ansteckend. Die farbige Sängerin stellte sich als veritables Energiebündel heraus und begeisterte neben ihrem Gesang auch mit den 80er Jahre Stulpen. Überhaupt hatte dies hier einiges von Breakdance und Aerobic, aber ohne den Kitsch der Eighties. Cool war auch die Asiatin am Keyboard, die ein sehr witziges T-Shirt trug: "Dropp pills not bombs" konnte man in bunter Schrift hierauf lesen." Extasy-Pillen brauchte ich aber gar nicht, um gut draufzkommen, die mitreißende Musik des Go! Teams reichte mir schon, um mich gut zu amüsieren. Gespielt wurden Lieder von beiden Alben darunter
"Grip Like A Vice", aber auch "Ladyflash" und "Everybody Is A V.I.P. To Someone" vom alten Album "Thunder, Lightning, Strike".

Fabelhaft war auch, daß oft munter die Instrumenet gewechselt wurden, so spielte die Sängerin z.B. bei einem Stück Schlagzeug und begleitete hierbei einen zweiten Drummer. Ja, richtig gelesen, beim Go! Team gibt es ähnlich wie bei !!! zwei Schlagzeuge. Abgefahren!

Den Gig der Engländer werde ich nicht nur deshalb nicht so schnell vergessen, sie hatten die Cigale nämlich wirklich in einen Dance-Floor verwandelt. Go Go! Team, go!



Review Gossip wird übernommen von der Person, die hier anonyme Kommentare hinterläßt und im Zweifel eh alles besser weiß. Ich warte also auf den detaillierten, selbstverständlich völlig fehlerfreien und bestens recherchierten Bericht! Bitte auch nicht vergessen zu erwähnen, welcher Herr mit Gitarre in der Pause ein bißchen vor dem Vorhang gespielt hat und welche Stargäste da waren. Jarvis Cocker erkannt, na?

Ein ganzer Tag ist vergangen und ich warte immer noch...

So, inzwischen sind mehrere Tage vergangen, ohne daß der /die anonyme Nörgler(in) sich zu Wort gemeldet hat. Das ist typisch und war zu erwarten! Ich übernehme daher den Konzertbericht selbst.

Den Herren mit Gitarre, der in der Pause ein wenig geklimpert hat, habe ich nicht erkannt, er diente aber ohnehin nur als Lückenfüller.

Gossip selbst waren alles andere als Lückenfüller, im Gegenteil. Am Tag zuvor hatte sich noch ein Franzose mir gegenüber darüber beklagt, daß es dem Festival des Inrocks ein wenig an Headlinern mangele,
aber heute wurde schnell deutlich, daß es keinen besseren Namen an erster Stelle der Eintrittskarte geben konnte als Gossip.

Von Beginn an war die Stimmung famos und sehr wild, es war extrem schwierig Photos zu schießen, da man ständig von abtanzenden Fans weggeschubst wurde und auch in schöner Regelmäßigkeit die Hände der Besucher in die Höhe flogen, wenn Beth in der Nähe aufkreuzte. Und dies tat sie oft. Mehr als einmal kam sie in meine Ecke neben der Box und schrie, keifte und röhrte, daß es eine helle Freude war.
Viele Leute hatten das Bedürfnis sie zu berühren und taten sich auch keinen Zwang an. An allen möglichen Stellen wurde sie angetatscht, einmal griff eine Person neben mir gar an ihre Brüste! Im Gegenzug schnappte sie sich in einer denkwürdigen Szene das Handy meiner Nachbarin und tat so als würde sie damit telephonieren. Köstlich! Später borgte sie sich auch eine Kamera aus und schaute sich das Ding erst einmal etwas unbeholfen an, bevor sie losknipste. Das sorgte für so einige Schmunzler, aber die Herzen des Publikums flogen ihr eh' reihenweise zu. Besonders sehr zierliche dünne Mädchen bahnten sich durch das Gewühle den Weg auf die Bühne und umarmten Fräulein Ditto. Das hatte etwas Rührendes, so als wollten die schlanken Mädels ihre Solidarität mit der vollschlanken Sängerin ausdrücken. Recht hatten sie, scheiß auf die krankmachenden Diäten! Wenn dadurch endlich akzeptiert wird, daß es auf der Welt nun einmal dünne und dicke Menschen gibt, dann hat die Toleranz einen großen Sprung nach vorne gemacht! Und auch wenn ich zugegebenermaßen eine zierliche Frau habe, Beth Ditto fand ich trotz ihres Volumens klasse! Diese bildete dann auch den optimalen Resonanzkörper für ihre unglaublich wuchtige, soulige Stimme. Wenn sie in ihr Mikro schrie, bebte wirklich der Boden in der Cigale. Auch Bassist und Gitarrist Brace Paine und Schlagzeugerin Hannah Blilie machten ihre Sache sehr ordentlich, Blickfang war aber selbstverständlich Beth. Die wirbelte an allen Fronten, ließ sich Abschmusen und trieb den bulligen Ordnern die Schweißperlen auf die Stirn. In ihren roten Anoraks müssen sie ohnehin geschwitzt haben wie die Tiere...

In musikalischer Hinsicht waren "Jealous Girls" und "Listen Up"! herausragend und verdeutlichten,
daß die Amerikaner kein reines One-Hit Wonder sind. Nichts, aber auch wirklich gar nichts kam jedoch gegen die urwüchsige Kraft von "Standing In The Way Of Control" an. Eingeleitet mit ein paar Zeilen von "What's Love Got To Do With It", verpasste mir dieser punkige Smash Hit einen solch monumentalen Kinnhaken, daß mir die Spucke wegblieb. Wenn man die Schlagkraft einer Stimme wie einen Aufschlag im Tennis messen könnte, dann wäre Beth Ditto mit Sicherheit auf einer Stufe mit dem Kanonier Greg Rusedski anzusiedeln, der auch immer die Bälle weich geprügelt hat! Zwischenzeitlich hatte ich sogar Angst, daß der Boden einbricht, vom wilden Getanze bebte er nämlich ganz massiv. Ähnlich rohe Kraft hatte ich dieses Jahr höchstens bei Iggy Pop erlebt.

Gossip hatten ihre Rolle als Headliner eindrucksvoll unterstrichen.

Auszüge aus der Setlist Gossip:

- Yr Mangled Heart
- Fire With Fire
- Jealous Girls
- Coal To Diamonds
- Listen Up!
- intro: What's Love Got To Do With It (Tina Turner) übergehend in
- Standing In The Way Of Control (Konzertsong des Jahres! Ein Event!)

- Careless Whisper (George Michael Cover) (Z)

Photos von Gossip, La Cigale, Paris hier
Photos von Gossip mit Fans hier



8 Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Erster Song von Jack war aber "spit at stars"!

oliver r. hat gesagt…

Danke für den Hinweis.Ist korrigiert.

Dann habe ich also doch wohl nichts verpasst, als ich reinkam lief nämlich gerade "Spit At Stars" und auf meine Nachfrage sagte man mir, daß es das zweite Lied sei...

oliver r. hat gesagt…

Bei der Setlist von Jack ist in der Tat etwas durcheinander gekommen, eine Seite mit Notizen war verschwunden.

Jetzt sollte es aber stimmen, 11 Lieder und "Second, Minute Or Hour" an siebter Stelle!

oliver r. hat gesagt…

"Second, Minute Or Hour"an sechster Stelle sollte es natürlich heißen!

Anonym hat gesagt…

Auf dem Shirt stand "Drop Acid not Bombs" (sieht man auf dem Bild doch auch recht gut!) ;-)

oliver r. hat gesagt…

Hier sieht jemand wohl alles besser...

Könnte die anonyme Person bitte die nächsten Artikel für mich übernehmen, damit die Leute auch mal was Fehlerfreies zu lesen bekommen?

oliver r. hat gesagt…

So,Herr/Frau anonym soll bitte dann Gossip für mich schreiben. Aber ich will bitte genau wissen, wie die Farbe der Fußnägel von Beth Ditto war. Sie hatte nämlich keine Schuhe an. Waren die nun blau (wie die Fingernägel), oder schwarz? Außerdem bitte ich um die komplette und vollständige Setlist, etc.

Danke!

Anonym hat gesagt…

"So, inzwischen sind mehrere Tage vergangen, ohne daß der /die anonyme Nörgler(in) sich zu Wort gemeldet hat. Das ist typisch und war zu erwarten!"

--> Habe besseres zu tun, als staendig in diesen eher unwichtigen Blog zu schauen. Sehe aber, dass du so manche Dinge, bei denen du mich anonymen Besserwisser nicht brauchen wuerdest, selbst nicht auf die Reihe bekommst, obwohl doch deine glasklaren Bilder die eindeutige Bestaetigung bringen. Stichwort: T-Shirt Go! Team-Dame.

 

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