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Samstag, 22. September 2012

Gossip, Paris, 20.09.12

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Konzert: Gossip
Ort: Le Petit Bain, Paris
Datum: 20.09.12
Zuschauer: etwa 400
Konzertdauer: ungefähr 65 Minuten


Der veranstaltende Radiosender RTL 2 versprach ein concert "très très prive" und bewies damit Fantasie.

 
Kann man privat steigern? Privat, sehr privat, sehr sehr privat? Wieviel "sehr" müsste man vor das privat setzen, um damit auszudrücken, daß man mit Beth Ditto ins Bett darf? Nun, ja, so privat wurde es dann auch nicht. Zumal es auch andere Leute gab, die einen Platz für dieses Konzert ergattert hatten. Karten konnte man nicht kaufen, sondern nur gewinnen. Natürlich hatte ich bei dem Gewinnspiel nicht mitgemacht, so etwas tu' ich nicht. Aber ein Freund von mir reichte mir freundlicherweise sein zweites Einladungskärtchen weiter und so befand ich mich gegen 21 Uhr auf dem äußerst modernen Hausboot Le Petit Bain. Der Bungalow ähnliche Bau ist sehr zweckmäßig und puristisch gestaltet und wenn man drinnen ist, vergisst man glatt, daß man sich auf der Seine befindet. Bet Ditto scherzte später während der Show darüber, daß man auf einem "boat" sei. "Oh, we are on a boat" rief sie mehrfach freudig aus.

Bevor es losging, hatte man aber noch Zeit, ein Bier zum Aufwärmen zu trinken, auch um zu verdrängen, daß man sich zwischen musikalischen Laien befand, die in den meisten Fällen mit dem Werdegang von Gossip nicht vertraut waren. Bis auf meinen Kumpel kannte ich im Publikum keine Sau. Und wenn ich die Leute nicht kenne, dann gehen die nicht auf Konzerte. Egal, die Leute erwiesen sich zwar als etwas schickimicki, aber angenehm friedfertig und auch begeisterungsfähig. Es gab keine Schubsereien, kein unflätiges Gerämpel, keine Aggressionen und dies obwohl musikalisch ganz schön der Punk abging.

 

Um 21 Uhr 15 rockten Gossip nämlich das Haus, ähem das Boot und unterstrichen eindrucksvoll, daß sie eine formidable Band sind, die nicht zu unrecht so groß geworden ist. Gegen die Stimmgewalt der blendend gelaunten Beth Ditto war und ist einfach kein Kraut gewachsen, gegen das hämmernde hochexplosive Schlagzeugspiel der bunt tätowierten Hannah Blilie kommt kaum ein Typ an und auch der Bassist und der schnauzbärtige Gitarrist sind stark drauf. Es klang einfach alles sehr kompakt und auf den Punkt gespielt, was die vier optisch so grundverschiedenen Musiker da ablieferten. Da gab es kaum einmal Leerlauf oder Langeweile zu beklagen und die gute Stunde verging wirklich im Fluge.



Gossip rotzten einen funkig-souligen Indiestampfer nach dem nächsten raus, machten dabei aber immer einen sehr entspannten und souveränen Eindruck. Nie forcierten sie ihr Spiel, legten es auch nicht darauf an, nur Show zu machen. Im Gegenteil, Beth Ditto sang richtig gut und nuanciert, überstrapazierte ihre gewaltige Stimme nicht und holte nur in den entscheidenden Momenten den Presslufthammer raus. Bei den Überhits Heavy Cross und dem unverwüstlichen Standing In The Way Of Control brüllte sie sich natürlich die Seele aus dem Leib, aber ansonsten ließ sie es ruhiger und halsschonender angehen. Ein Spielen mit angezogener Handbremse war das trotzdem nicht, sondern nur Ausdruck der Relaxtheit der Band. Es wurde wahnsinnig viel gealbert und gelächelt, Witzchen mt dem Publikum ausgetauscht (teilweise auf französisch, in einem Falle sogar auf deutsch als Beth Ditto irgendwas von: "sie ist sehr klein" schwadornierte) und auch auf der Bühne geraucht, da interesssiert die Ditto einfach kein Rauchverbot.

In einer amüsanten Szene outete sich Beth als Wähler von Obama, behauptete aber, daß Hannah Blilie Romney wählen würde. Das war natürlich ein Scherz und womöglich dem Weißwein geschuldet, den die pfundige Sängerin trank (während Blilie hinten Kronenbouger Bier süffelte).

Überraschend für mich, daß auch die auf dem letzten Album A Joyful Noise etwas zahnlos klingenden Songs wie Move In The Right Direction oder Get Lost live deutlich fetziger und roher rüberkamen. Die richtigen Kracher waren aber dann letztlich doch die alten Sachen wie Love Long Distance, Listen Up und natürlich die bereits erwähnten Abräumer Heavy Cross und Standing In The Way Of Control.



Nach einer guten Stunde und zwei Liedern als Zugabe war die Show dann schließlich beeendet und alle hatten einen richtig guten Abend erlebt. Beth Ditto hatte sich zwar weder ausgezogen, noch war sie ins Publikum gekommen, aber die Rolle als sympathische und unarrogante Entertainerin stand ihr auch ausgezeichnet. Der Erfolg scheint Gossip nicht über den Kopf gewachsen zu sein, von Allüren gab es keine Spur.

Und um noch einmal auf den Eingangssatz zurückzukommen: so privat werde ich Beth Ditto zumindest in musikalischer Hinsicht wohl so schnell nicht mehr erleben, im November wird sie mit ihrer Band in Paris schon wieder in den großen Hallen spielen.

Setlist Gossip, Le Petit Bain, Paris, klick!




Donnerstag, 19. November 2009

Gossip, Köln, 18.11.09

11 Kommentare

Konzert: Gossip
Ort: Palladium, Köln
Datum: 18.11.2009
Zuschauer: ausverkauft (4.000, oder wie viele?)
Dauer: Gossip gut 80 min, SSION 35 min


Als ich 2007 zum ersten Mal Gossip live sah, hätte ich nie gedacht, daß mein übernächstes Konzert der US-Punkpopband im ausverkauften Palladium stattfinden würde. Auch das Cooky's in Frankfurt war damals rappelvoll, das war allerdings eine kleine Bar-Kneipe, in die vielleicht hundert Leute passten. Natürlich sind es nicht alleine die guten Popsongs, die die Band aus Portland in den vergangenen Jahren auch im deutschen Radio plazieren konnten, die den späten Erfolg erklären; Gossip haben schließlich im Januar 2001 ihr erstes Album veröffentlicht. Vielmehr ist die Band in erster Linie wegen ihrer nicht unauffälligen Frontfrau Beth Ditto so bekannt geworden, daß sie den größten Konzertort unter den Sportstätten in Köln an einem Mittwoch restlos ausverkaufte.

Und es war voll! Letzte Woche, als mit den Editors und den fabelhaften Europe (oder
umgekehrt?) gleich zwei Großkonzerte in der Schanzenstraße stattfanden, war Parken vollkommen problemlos möglich, heute überall Massen. Auch wenn ich nicht unbedingt Lust auf die Vorgruppe hatte (ihre Bilder auf myspace hatten mir ein wenig angst gemacht), entschied ich trotzdem, spätestens um acht da zu sein, um wenigstens noch halbwegs in Bühnennähe sein zu können. Das funktionierte ganz gut, und so hatte ich freie Sicht auf das skurrile Eröffnungsstück...

Um kurz vor acht stieg nämlich aus dem Fotograben ein an einen Hauptdarsteller der Oberammergauer Passionsspiele erinnernder Mann, der allerdings eine E-Gitarre umgebunden hatte. Und da stand er dann erst einmal alleine. Kurzzeitig überkam mich Panik, noch eine zweite Vorgruppe sehen zu müssen. Zu dem langhaarigen Gitarristen gesellte sich dann aber
ein Schlagzeuger mit kurzen Haaren und Boy-Kappe. Der Sänger der Band aus Kansas City* erschien zunächst nur auf der Leinwand, die auf der Bühne hing.

Während des ersten Stücks (namens Bullshit) erschien Sänger Cody Critchelos dann auf der Bühne, mit viel Neon am Leib, einer indischen Kappe und lustigem Haarschmuck.

Die Musik der Amerikaner ist vielleicht mit Art-Elektropunk zu beschreiben. Bullshit klang für mich nach den allerersten B-52's Platten mit modernerem Beat, dann hörte sich der Sänger mal nach Prince an oder nach Gogol Bordello elektronisch (obwohl da
nichts Elektronisches auf der Bühne war), und am Ende glaubte ich kurzfristig einen alten Traum in Erfüllung gehen zu sehen, da hätte ich schwören können, Blümchen stünde da oben. Die treibenden Beats des Boy-Schlagzeugers machten SSION extrem tanzbar. Am Anfang fand ich den Auftritt des Trios auch sehr unterhaltsam, das nutzte sich aber schnell ab. Eine gute Pausenunterhaltung boten SSION aber auf alle Fälle. Daran waren auch sicher die Bühnengetränke nicht schuldlos. Cody hatte eine Flasche Gin dabei, aus der er immer wieder ambitionierte Schlucke nahm! Besonders sehenswert war aber der langhaarige Wuschel-Gitarrist! Sein graues Obergewand hatte er schnell abgelegt. Darunter war eine wundervolle mausgraue ausgebeulte Jogginghose hervorgekommen, die er mit Hosenträgern fixiert hatte. Ansonsten trug er nur Tattoos und Haare, ging ab und zu eindrucksvoll auf die Knie und bot etwa das Programm, das ich vermutlich auch bei Europe gesehen hätte. Toll!

Zur tollsten Umbaumusik seit langem (P.I.L, Smiths, Ramones... Stimmung kam aber nur bei 7 Nations Army auf - war ja auch Länderspielabend) baute eine Netzstrumpfhosen-Roadine um. Mich irritierte, daß für vier aufgebaut wurde (war das in Paris auch so, Oliver?), bisher hatte ich Gossip nur in normaler 3er Besetzung erlebt. Jedenfalls war neben Beth, Schlagzeugerin
Hannah Blilie und Gitarrist Brace Pain ein Bassist dabei.** Brace hatte neben sich noch Keyboards aufgebaut. Damit beantwortete sich auch meine Frage nach der Umsetzung des aktuellen Albums, auf dem ja viel Keyboard vorkommt.

Es war da bereits kurz vor halb zehn, die Pause hatte lange gedauert. Dimestore diamond eröffnete das Konzert, von der Sängerin war aber noch nichts zu sehen. Auch als ihre Stimme erklang, weit und breit keine Beth. Irgendwann kam sie dann aber und beeindruckte sofort wieder mit ihrer fabelhaften Live-Stimme. Auch ihr Outfit war irgendwie beeindruckend, für meinen (spießigen Geschmack) allerdings mehr interessant als fabelhaft. Beth hatte ein schulterfreies giftgrünes Kleidchen mit schwarzen Tigerstreifen an, dessen Rock
aufgeplustert war und mich an einen Kürbis erinnerte. Ist ja gerade die Jahreszeit. Irgendwas drunter schien aber nicht richtig zu sitzen, sie griff sich immer wieder beherzt unter den Rock und arrangierte sich neu.

Das Kleid sollte in den folgenden 80 Minuten aber auch immer wieder kräftig beansprucht werden, die Sängerin rannte über die Bühne, bleib kaum einmal einen Moment ruhig stehen und unterstützte ihre schnellen lauten Songs damit, als wollte sie die noch überholen. Daß Beth Ditto dabei bis zum Ende eine so klare und umfangreiche Stimme hat, ist immer wieder hochgradig faszinierend. Die kleine Frau mit der ketchupfarbenen Frisur ist eben
nicht nur Modepüppchen und Klatschpresse-Liebling, sie ist vor allem eine ausgezeichnete Musikerin!

Irgendwann (bei Men in love, um genau zu sein) gab es Probleme mit einem von Beths beiden Mikros. Während die Mikroständer bei SSION noch einen konkreten Nutzen hatten (sie wurden weggetreten), brauchte die Gossip-Frau sie nicht. Sie stand ja nie. Das eine Mikro funktionierte dann aber mitten im Lied nicht mehr. Einer der aufmerksamen Helfer war sofort da und tauschte es aus, zum Dank (hmm...) durfte er dann auch ein paar Takte singen, als es wieder klappte. Ein anderes Mal, als er gerade wieder etwas richtete, kam Beth zu ihm und rieb Rücken und Po an den armen völlig überrumpelten Roadie. Nein, ruhig und zurückhaltend ist die Sängerin wirklich nicht.

Diese Erfahrung haben auch sicher die Interviewer gemacht, die am Nachmittag das Vergnügen mit den drei Gossips hatten. "You know I'm a fat person and I'm really into this!" Alle Interviewer hätten sie auf ihren angeblichen Wunsch abzunehmen
angesprochen. Das habe die InTouch berichtet. "I never wanted to lose weight less in my life." Sie wolle jetzt vielmehr erst recht beweisen, daß man dick und schön und gesund sein könne. Und da sage noch mal einer, Klatsch-Magazine haben keinen Einfluss!

Das Set bestand zum Großteil - noch mehr als Paris - aus Liedern des aktuellen Albums Music for men. Den Rest füllten Stücke des Vorgängers Standing in the way of control. Lediglich ein älterer Titel (Fire/Sign) war heute Teil des Programms. Schade, daß Yesterday's news und (Don't make) waves im Palladium fehlten!

Dafür gab es wieder das kleine deutsche Lied, eine kurze Darbietung eines Stücks namens Milch und Fleisch (ganzer Text: "Milch und Fleisch, Milch und Fleisch,
Cologne besteht aus Fleisch und Milch"), das sie aber angeblich extra neu geschrieben habe.

Nach einer sehr energiereichen Stunde war mit Heavy cross zunächst Schluß. Aber es sollten ja noch die gute und die beiden schlechten Zugaben folgen. Daß mich noch ein Tina Turner und ein Queen Cover erwarten würden, hatte ich aus Paris gelesen. Viele fremde Songs zu spielen, finde ich bei Gossip toll. Auch die vielen Cover-Stückchen in ihren Liedern, Psycho killer und Lady Marmalade in Listen up. Aber aus Tina Turner und Queen kann man ja nicht viel rausholen, mir gefiel also nur die mittlere Zugabe Standing in the way of control, das immer noch tollste Stück der Amerikaner. Und natürlich kletterte Beth dazu auch wieder ins Publikum und lief quer durchs Palladium. Ihre
Helferin stand mit Mikrokabel am Bühnenrand und schien sie richtiggehend zurückzuangeln, sie zog kräftig am Kabel, als Beth zurück zur Bühne wollte.

Bei der letzten Zugabe konnte eigentlich nichts schiefgehen (We are the champions kann jeder gröhlen). Beth hatte sich auch vorher einige Male erkundigt, ob wir English verstünden, ihr Deutsch sei leider schlecht geworden. Sie bat dann um eine Ansage aus dem Publikum, daß alle mit ihr mitsingen sollten. Die erste gefragte Frau verstand, sie solle ein Lied anstimmen. Also Viva Colonia. Eigentlich eine nette Idee, allerdings nicht das, was Frau Ditto wollte. Ein
zweiter Versuch. Die Frau deutete es aber so, daß sie ein schöneres Lied singen solle. Sie versuchte es. Beth stoppte auch das höflich und erklärte erneut, daß wir ein Lied mit ihr singen sollten. Eins, das sie ausgesucht habe, nämlich das unvermeidliche Champions Dings. Das ging dann auch vorbei, schmälerte aber nicht den hervorragenden Konzertabend.

Gossip verdienen den sicher auch für sie überraschenden Erfolg! Die Band ist live extrem sehens- und hörenswert, das ist mir heute wieder mehr als deutlich geworden!

Setlist Gossip, Palladium, Köln:


01: Dimestore diamond
02: Pop goes the world
03: 2012
04: Yr mangled heart
05: Men in love
06: Fire/sign
07: Coal to diamonds
08: Love long distance
09: 8th wonder
10: Vertical rhythm
11: Listen up
12: Four letter word
13: Milch und Fleisch
14: Heavy cross

15: What's love got to do with it? (Tina Turner Cover) (Z)
16: Standing in the way of control (Z)
17: We are the champions (Queen Cover) (Z)

Links:

- Gossip, Paris, 15.11.09
-
Gossip, Cergy Pontoise, 05.07.09
- Gossip, Köln, 26.08.08
- Gossip, Paris, 25.08.08
- Gossip, Evreux, 28.06.08
- Gossip, Paris, 18.03.08
- Gossip, Paris, 10.11.07
- Gossip, Frankfurt, 28.08.07
- mehr Fotos von Gossip aus dem Palladium

* unnützes Konzerttagebuch-Wissen: das nicht in Kansas liegt
** an den ich mich hätte erinnern können...






Sonntag, 15. November 2009

Gossip, Paris, 15.11.09

9 Kommentare

Konzert: Gossip

Ort: Le Bataclan, Paris
Datum: 15.11.2009
Zuschauer: ausverkauft und brechend voll
Konzertdauer: etwa 70 Minuten



Chronique en français en-bas.



Beth Ditto und ihre Band sind längst zum feisten Mainstream geworden. Selbst meine Schwester, die keinen blassen Schimmer von der aktuellen Musikszene hat und sträflicherwiese nie das Konzerttagebuch liest, möchte demnächst eines ihrer Berliner Konzerte besuchen. Das sagt alles.

Was natürlich keineswegs heißt, daß wir uns automatisch von Gossip abwenden. Zwar möchten wir den Schwerpunkt weiterhin bei kleinen Indiekonzerten belassen, größere Hallen meiden wir aber trotzdem nicht zwangsläufig. Meine Pariser Konzertgängerfreunde - ähnlich verrückte Junkies wie ich, denken da vielleicht schon anders. Im Publikum war keine einzige Sau, die ich kannte! Mit Ausnahme von Rockerparis vielleicht, aber der geht ja auch zu AC/DC, Muse und anderen schauderhaften Acts...

Ist aber auch völlig egal, denn das Konzert war trotzdem stark! Beth Ditto hat es bisher noch jedesmal geschafft, die Halle zum Beben zu Bringen und der heutige Gig, der erste im Rahmen einer dreitägigen Vereinnnahmung des Bataclan, machte da keine Ausnahme. Gegen die Wucht und Intensität der Ditto ist nämlich einfach kein Kraut gewachsen. Nicht nur körperlich kann sie bei den Schwergewichtsboxern antreten, auch stimmlich verteilt sie Haken, mit denen sie Elefanten umhauen könnte. Wenn sie losbrüllt, hat man immer Angst, daß die Stimmbänder reißen könnten, aber das passiert seltsamerweise nie. Oft klingt es wie bei einem Auto, das überdreht ist. Die Nadel schlägt im roten Bereich aus, ein untrügliches Anzeichen dafür, daß man bremsen sollte. Nicht so die Ditto, die gibt immer Vollgas, bis die Schwarte kracht! Dass sich dabei schon etwas Routine eingeschlichen hat, ist verständlich. Den Gag mit dem Psychokiller- Intro kennen Stammgäste schon in und auswendig, das Covern von Tina Turner (Whats's Love Got To Do With It) hatten wir auch schon einmal und das völlig überflüssige Anstimmen der ekelerregenden Stadionhymne We Are The Champions bracht nun auch wirklich kein Aas. Dennoch verblüffen Ditto und ihre Mitstreiter weiterhin auch abgebrühte Hasen mit ihren urwüchsigen Kräften. Das Ziel, das Publikum zum Tanzen zu bringen, erreichen Gossip immer spielend. Am besten gelingt das, wenn die zwei größten Zugnummern angestimmt werden. Heavy Cross, das Ass vom aktuellen Album, das immer aus dem Ärmel gezogen wird, um den offiziellen Teil mit Donnerhagel zu beenden und Standing In The Way Of Control , der Gassenhauer vom gleichnamigen Werk, der Gossip bekannt gemacht hat. Fast schon Standard, daß Beth hierbei einen Abstecher durch das aufgepeitschte Publikum macht (Rockerparis hat diesbezüglich ein super Foto!) und jedem mal "hallo" sagt. Dann merkt man, wie kleingewachsen die zur Zeit rothaarige Amerikanerin ist. Knapp 1,60, höher dürfte sie auf keinen Fall sein. Von der Breite reden wir hier nicht, zumal sie ja nach neuesten Klatschberichten abnehmen möchte. Leute, die auf gemütliche Frauen stehen (und davon gibt es ja gerade in Deutschland eine ganze Menge), werden entsetzt sein. Bitte, Beth, bleib so wie Du bist!, werden sie ausrufen. Recht haben sie, denn ich wüßte auch nicht, warum sie etwas ändern sollte. Weder an ihrem Aussehen, noch an der Musik. "Never change a winnig team!"

Setlist Gossip, Bataclan, Paris, 15/11/2009

01: Dimestore Diamond
02: Pop Goes The World
03: 2012
04: Waves
05: Yr Mangled Heart
06: Men In Love
07: Fire /Sign
08: Love Long Distance
09: 8th Wonder
10: Four Letter Word
11: Yesterday's News
12: Heavy Cross

13: What's Love Got To Do With It (Tina Turner Cover)
14: Standing In The Way Of Control
15: We Are the Champions (Queen Cover)

Fotos folgen!

Pour nos lecteurs français:


Gossip (ne pas dire The Gossip, please) sont devenus grand public, il n'y a aucun doute là-dessus. Même ma soeur, qui n'y connait rien en musique actuelle veut aller voir un de ses concerts, ça dit tout! C'est peut-être pour ça aussi que mes copains, psychopathes de concerts comme moi, n'étaient pas présents ce soir là. Je ne connaissais personne, c'est rare.

Quoi qu'il en soit, c'était un bon concert de Beth Ditto et ses accolytes. Je les voyais pour la sixième foix, et il n'y a jamais eu de concert, où il n'ont pas mis le public dans leur poche. Dès que la Ditto commence à hurler, la salle tremble et tout le monde saute! Le concert ce soir au Bataclan ne faisait pas exception à cette règle. Tel un rouleau compresseur bien huilé Gossip écrase tout sur leur chemin et ne laisse aucun doute sur leurs ambitions futures. Grâce à plusieurs apparitions à Paris, Beth parle de mieux en mieux français et connait des expressions telles que "Oh zut!", ou bien "je suis désolée (ça lui plaisait, elle l'a répété plusieurs fois ce soir) et a de moins en moins d'accent. Une fille bien ronde, certes, mais qui sait charmer, meme si elle ne correspond pas aux canons convenus de la beauté. Elle est admiré par la communité gay, mais aussi des filles hétéros et minces. Une star universelle donc, qui possède la voix la plus puissante de la planète et qui fortifie avec le nouvel album Music For Men le statut que le groupe a obtenu depuis le succès du prédécesseur Standing In The Way Of Control. Et les nouveaux morceaux marchent vraiment pas mal, Pop Goes The World et 2012 en sont la preuve. Un son sec et lourd, des riffs tranchants , une batterie explosive et hop, c'est parti! Il ne fallut pas très longtemps pour chauffer une salle déjà pleine comme un oeuf. C'était infernal! Heureusement que la Ditto pense à ses fans et distribue généreusement des bouteilles d'eau.

À la fin tout le monde est mouillé et paraît sortir de la douche. Le final fut époustoufflant. Heavy Cross était une bombe sonique et avec Standing In The Way Of Control elle mettait tout le monde au pas, descendant dans la fosse pour chanter. Beth est si attachante qu'on lui pardonne même ses reprises de l'affreuse Tina Turner et de faire chanter par le public l'abominable hymne de Queen We Are The Champions.

Read an english review here

Aus unserem Archiv:

Gossip, Cergy Pontoise, 05.07.09
Gossip, Köln, 26.08.08
Gossip, Paris, 25.08.08
Gossip, Evreux, 28.06.08
Gossip, Paris, 18.03.08
Gossip, Paris, 10.11.07
Gossip, Frankfurt, 28.08.07




Montag, 6. Juli 2009

Gossip, Mogwai, u.a., Furia Sound Festival, 05.07.09

1 Kommentare

Konzert: Furia Sound Festival, 2. und letzter Tag, mit: Tunng, Mono, Herman Dune, Isis, Emiliana Torrini, Gossip, Mogwai, Dillinger Escape Plan, Suicidal Tendencies
...
Ort: Cergy Pontoise bei Paris
Datum: 05.07.2009
Zuschauer. tausende



Kurzzusammenfassung:

Tunng: Leider habe ich einen Großteil des Konzertes verpasst, weil die Anreise von Paris fast 1 1/2 (!) Stunden gedauert hat. Vor allem das abschließende Bullets war aber großartig und sorgte für gute Stimmung. Vermutlich 7,5/10 Punkte

Setlist Tunng:

01: Take
02: Bodies
03: Beautiful And Light
04: Woodcat
05: Tale From Black
06: King
07: Jenny Again
08: Hustle
09: Soup
10: Bricks
11: Bullets

Mono: fabelhafte Entdeckung! Himmelhochjauchzender Postrock aus Japan. Melodisch, dramatisch, packend. Klare Konzertempfehlung: 8/10

Herman Dune: Eine leichte Enttäuschung vor allem für einen Fan wie mich. Das war nicht wirklich aufregend und nur My Home Is Nowhere Without You in einer ziemlich rockigen Version ragte heraus. 6,5/10

Auszug aus der Setlist: Try To Think About Me, Next Year In Zion My Home Is Nowhere Without You, When The Water Gets Cold And Freezes On The Lake

Konzerttermine Herman Dune:

09.07.2009: Ardentes Festival, Liège (Lüttich)
16.07.2009: Montreux Jazz Festival
20.07.2009: Thau Festival
22.07.2009: Bregenz Festival
23. 07.2009: Registratur, München
24.07.2009: Festsaal Kreuzberg, Berlin
25.07.2009: Knust, Hamburg

Isis: Brutal hart, aber dennoch melodisch und euphorisierend. Wäre der diabolische Gesang nicht (wer brüllt da, der Teufel persöhnlich?), würden mir Isis noch deutlich besser gefallen. Aber auch so verbuche ich ihren Auftritt als gelungen: 7/10 Punkte


Konzerttermine Isis:

06.07.2009: Effenaar, Eindhoven
08.07.2009: BHF Langendreer, Bochum
09.07.2009: Wagenhallen, Stuttgart
10.07.2009: Beatpol, Dresden
11.07.2009: Feierwerk, München
12.07.2009: Dachstock, Bern
13.07.2009: Spaziale Festival, Turin
15.07.2009: Exaus Open Air, Trier
16.07.2009: Dour Festival

Emilian Torrini: Gähn! Über weite Strecken zum Einschlafen! Leider! Von der kessen Isländerin hatte ich mir deutlich mehr versprochen, das hier war lediglich halbwegs gefälliger Pop/Rock, der niemandem weh tut. 5,5/10 Punkte

Setlist Emiliana Torrini:

01: Fireheads
02: Heartstopper
03: Big Jumps
04: Nothing Brings me Down
05: Today Has Been OK
06: Sunny Road
07: Me And Armani
08: Birds
09: Ha Ha
10: Gun
11: Jungle Drum

Konzerttermine von Emiliana Torrini:

09.07.2009: Les Ardentes Festival, Lüttich
10.07.2009: Fritz Im Freien, Zitadelle Berlin
20.07.2009: Zeltival Festival, Karlsruhe
24.07.2009: Kulturarena, Jena
25.09.2009: Reeperbahn Festival, Hamburg
29.09.2009: Olympia, Paris (unglaublich, aber wahr!)
04.10.2009: Muffathalle, München
06.10.2009: Live Music Hall, Köln
07.10.2009: Central Station, Darmstadt
08.10.2009: Alter Schlachthof, Dresden

Dillinger Escape Plan:

Deutlich zu viel Gebrüll. Klingt als würde eine Sau geschlachtet. Wir sind hier auf dem Konzerttagebuch, Dillinger Escape Plan überlassen wir der Visions. Ohne Wertung.


Gossip:

Grandios! Beth Ditto ist der größte Rockstar unserer Zeit! Ein fulminanter, hochspektakulärer Festivalauftritt, der kaum zu toppen war. Beim Furia Sound Festival habe ich in den letzten Jahren schon Granaten wie Sonic Youth und Queens Of The Stone Age in Aktion gesehen, aber gegen die urwüchsige Kraft von Beth sind das alles nur kleine Fische. Gossip spielten heute alles in Grund und Boden und walzten platt, was ihnen in den Weg kam. Die Ditto rammte mich mit ihrer unfassbar lauten und durchdringenden Stimme ungespitzt in die Wiese und hinterher fühlte ich mich als hätte mich ein Bus gestreift. Ein tolles Gefühl! Wer kann Beth auf dem Weg nach ganz oben noch aufhalten? Ich sehe da niemanden, die Frau ist ein Vulkan, eine Naturgewalt, ein Weltwunder (deshalb der Titel 8th Wonder?) !!! 10/10 Punkte


Gespielte Songs (Auszug): 8th Wonder, Love Long Distance, ein Auszug von Psycho Killer (Talking Heads Cover, Textzeile "Psycho Killer, qu'est-ce que c'est?"), Listen Up, Yr Mangled Heart, Jealous Girls, Standing In The Way Of Control und zum Abschluß Heavy Cross

Gossip spielen in Deutschland beim Melt! Festival (17. Juli) und am 9. Juli in Hamburg, Docks.

Mogwai:

Majestätisch, dramatisch, brilliant. Präziser und packender kann Instrumentalmusik nicht zelebriert werden. Mein drittes Mogwai Konzert war mit Abstand das beste. Es passte alles: Die Uhrzeit (22 Uhr 20, ideal für diese Art von Musik), die Songauswahl und die Lichtshow. Die Schotten waren sensationell gut und ließen desöfteren meinen Atem stocken! Wie bekifft taumelte ich am Ende mit tauben Ohren über den Rasen und konnte kaum fassen, was ich da zuvor erlebt hatte. Wie ist es möglich, daß solch brachiale Musik gleichzeitig so wunderschön ist? Und wie kann es sein, daß man ohne Texte soviel aussagen kann? Eine essentielle Band, ich würde gerne über die Rauhbeine eine Biografie schreiben, so fasziniert bin ich von ihnen!

9,5/10 Punkte

Setlist Mogwai, Furia Sound Festival, Cergy Pontoise 2009 (Merci à Stéphane!)

01: Friend Of The Night
02: Killing All The Flies
03: I'm Jim Morrison, I'm Dead
04: You Don't Know Jesus
05: Hunted By A Freak,
06: Mogwai Fear Satan
07: Batcat



Suicidal Tendencies: Überlassen wir ebenfalls der Visions und ihren Lesern.

Zum Abschluß hätte ich auch noch einen Geheimtipp des Furia Sound Festivals zu bieten: Yo Yo Acapulco kommen aus Norwegen, lieben den Klang von Ukulelen und sind musikalisch irgendwo zwischen Herman Dune, den Moldy Peaches und Coming Soon anzusiedeln, mit denen sie auch das französische Label Kitchen Music teilen. Charmant!




Mittwoch, 27. August 2008

Gossip, Köln, 26.08.08

8 Kommentare

Gossip im Palladium am 18.11.09: hier klicken

Konzert: Gossip
Ort: Gloria, Köln
Datum: 26.08.2008
Zuschauer: 750
Dauer: Adept 25 min., Gossip gut 60 min.


Dienstag war Domino-Day. Also der Tag, an dem die ersten Dominosteine im Supermarkt zu finden waren. Auf den ersten Blick* hat Gossip-Sängerin Beth Ditto Ähnlichkeit mit dem Weihnachtssüßkram, sie ist auch klein und würfelförmig. Nur was die Vielschichtigkeit (und die Süße) betrifft, scheue ich mich vor dem Vergleich. Denn - ganz ehrlich - wahnsinnig originell sind Gossip musikalisch nicht. Auch unterscheiden sich die Lieder nicht besonders stark voneinander.

Aber darum geht es bei Gossip nicht. Im Mittelpunkt steht die wilde Liveperformance der Frontfrau der Amerikaner. Im vergangenen Jahr konnte ich mich davon im Frankfurter Mini-Club Cooky's überzeugen. Damals war so unglaublich viel Energie in dem kleinen Laden, wie ich es selten bei Konzerten erlebt habe. Beth Ditto rockte das Cooky's in Grund und Boden. Dieser Auftritt wird nicht der Grund dafür sein, daß es im Cooky's zumindest zur Zeit keine Konzerte mehr gibt - es wäre aber eine zu schöne Geschichte.

Wir kamen spät, bewußt in Kauf nehmend, die Vorgruppe zu verpassen. Adept aus
den Niederlanden tat uns den Gefallen aber leider nicht, schon gespielt zu haben. Die vierköpfige holländische Kreuzung aus Battles und einer menschlichen Beatbox war schrecklich unhörbar und gefiel im Gloria genau zwei Personen: dem Mann zwei Meter vor mir, der wild tanzte, und Brace Paine, dem Gossip Gitarristen, dessen Wunsch-Support Adept waren. Wenn ich den jungen Niederländern einen Ratschlag nach 25 Minuten Konzert mitgeben dürfte, wäre das, nicht auf Freunde und Brace zu hören. Behaltet Eure Jobs, verlaßt Euch nicht auf eine Musikkarriere!

Irgendwann kamen die Ramones vom Band - und dann Gossip. Brace mit einem
unglaublich fiesen Schnauzbart, Schlagzeugerin Hannah mit kaum einer Hautstelle, die die ursprüngliche Farbe hat und Beth mit einem Kleid und einem Hut, der aber sofort in eine Ecke flog.

Das Programm überraschte mich nicht, Gossip spielten das gleiche Set wie am Vortag
in Paris. Auch wie erwartet war die unglaubliche Energie der Sängerin. Beth rannte von rechts nach links, von vorne nach hinten, so als würde sie nach absolvierten Kilometern bezahlt.

Anders als erwartet war die eher zurückhaltende Stimmung. Vielleicht war es dafür vorne zu wenig dicht gedrängt, obwohl das wundervolle Gloria fast ausverkauft
war. Jedenfalls fehlte komplett diese wilde Stimmung, die ich erwartet hatte. Es war schon viel los, keine Frage, es war aber nicht ausgelassen, wie die Sängerin vorne auf der Bühne.

Und Beth gibt wirklich alles, auch gesanglich. Ihr großartige Stimme schont die kleine Amerikanerin keine Minute. Ganz typisch an Gossip (Live-) Liedern ist ein recht r
uhiger Start - und dann irgendwann ein Ausbruch, eine Explosion von Beth. Irre! Zum ersten Mal fiel mir das bei Jealous girls auf, dem dritten Lied des Abends.

Etwas anderes, sehr Typisches für Gossip Auftritte sind die kurzen eingebauten
Coverversionen. Im Gloria waren das zum Beispiel Psycho Killers oder ein Stück von Daft Punk. Oft ist es schwierig, diese Liedfetzen zu identifizieren.

Einer meiner Lieblinge ist Coal to diamonds, das auch live sehr anhörlich ist. "To my deutsch friends", widmet Beth diesen Song des letzten, mittlerweile ziemlich in die Jahre gekommenen Albums.

Aber Gossip spielten auch neue Stücke. Bei den meisten dieser neuen Songs verließ Gitarrist Brace seinen Platz und spielte Keyboard. Das scheint ein deutliches
Kennzeichen der neuen Platte zu sein, es wird wohl ein wenig elektronischer, was der Musik gut tun wird, ohne Frage. Kurz vor einem der neuen Lieder (Sad songs) fragte Beth Brace: "Nervous?"

Ein weiteres unbekanntes Stück (Love long distance) prägte einen vollkommen neuen Trend. Vergeßt Afro Beat, Sino Beat ist der Trend 2009! Dieses auch wieder elektronische Lied enthielt deutlich chinesische Elemente, so als seien die Spiele des Himmlischen Friedens noch nicht beendet.

Zwischendurch immer wieder ein paar Versuche, magere Deutschkenntnisse anzubringen - und das Versprechen, es beim nächsten Mal besser zu können. Spektakulär (musikalisch und anders) wurde es dann gegen Ende. Mit Your mangled
heart spielten Gossip ihr zweitbestes Lied als letztes vor den Zugaben. Nach der Klatschpause folgte dann das erwartete Standing in the way of control, unbestritten ein Riesenhit!

Und dann flog eine Kappe nach vorne, die Brace aufsetzte. Irgendwann wollte oder durfte dann aber auch Beth. Sie setzte das Cappy schief auf und sah im Gegensatz zum durchschnittlichen Jugendlichen damit nicht ausgemacht dämlich aus. Ein Mützentyp!

Das Ding flog dann aber wieder irgendwo hin, denn Beth wollte wandern. Sie kletterte
von der Bühne, lief singend durch die Reihen, ließ sich abklatschen, zum Schluß sogar auf Händen tragen.

Gossip sind eine atemberaubende Liveband. Leider sind ihre
Lieder aber nur teilweise ähnlich aufregend. Sei's drum, wir waren ja bei einem Konzert und nicht bei einem gemeinsamen Plattenhören. Spaß hat der Abend gemacht, mit dem "Aber", daß ein grandioses Konzert wie mein erstes mit den Amerikanern, eben alle anderen auch ein wenig versaut.

Setlist Gossip, Gloria, Köln:

01: Pop goes the world
02: Listen up!
03: Jealous girls
04: Coal to diamonds
05: 8th wonder
06: Sad songs
07: Eyes open
08: Fire/Sign
09: Love long distance
10: Yesterday's news
11: Heavy cross
12: Aaliyah
13: Your mangled heart

14: Standing in the way of control (Z)

15: I wanna be your dog (Stooges Cover) (Z) - da waren wir aber schon weg...

Links:

-Gossip, Paris, 25.08.08
-Gossip, Evreux, 28.06.08
-Gossip, Paris, 18.03.08
-Gossip, Paris, 10.11.07
-Gossip, Frankfurt, 28.08.07


* Entschuldigung. Es gibt sicher noch bessere Überleitungen, ich konnte aber nicht widerstehen.




Dienstag, 26. August 2008

Gossip, Paris, 25.08.08

5 Kommentare

Konzert: Gossip (Vorgruppe Ra Ra Riot)

Ort: Casino de Paris, Paris
Datum: 25.08.2008
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: 70 Minuten



Obwohl die Festivalsaison für mich noch nicht ganz zu Ende ist (es folgt Rock en Seine am Wochenende), ging es heute zum ersten Mal seit langem wieder in die Halle. Genauer gesagt ins Theater. Casino de Paris heisst die hübsche Location, in der ich zuletzt Nick Cave gesehen habe. Trotz recht mässiger Außentemperaturen war es drinnen fast unerträglich heiß. Vielleicht lag es an der feurigen Beth Ditto und ihrer urwüchsigen Show, dass das Thermometer in die Höhe schnellte?!

Die Chefin von Gossip (die Band die früher mal The Gossip hieß, heute spart man sich allerdings das "The") erschien mit rotgefärbtem Pagenkopf und - wie immer - mit Overall. Das Modell, das sie heute trug, war schwarz und hatte zur Zierde weisse Punkte. Ein wunderschönes Kleidungsstück, ein echter Hingucker! Alle Pariserinnen im Publikum waren neidisch darauf und fragten sich, wo man so etwas kaufen könne. Aber ich denke, das wird eine Maßanfertigung sein, die man im Laden nicht finden kann...

Maßgeschneidert war dann auch gleich schon der Beginn der explosiven Show. Nach dem mir unbekannten Opener kam nämlich mit Listen Up! bereits eines der Sahnestücke der amerikanischen Band. Das Publikum ihm stickigen und überfüllten Casino de Paris war im Nu warm und ließ sich nicht zweimal zum Tanze bitten! Sofort waren die Hände oben und die Hüften wippten im Takt der pulsierenden Musik. Gerade die Zuschauer, die Festivals nicht ausstehen können und deshalb seit langer Zeit kein Konzert mehr gesehen haben, schienen regelrecht Heißhunger auf einen solchen Solo-Auftritt zu haben. Heißhunger war auch bei mir persönlich der Grund dafür, warum ich die Vorgruppe Ra Ra Riot verpasst hatte. Ich musste mir einfach die Zeit nehmen, um mich zu stärken und kam deshalb erst zur Hauptgruppe an. Aber wer braucht schon eine Vorgruppe, wenn die Frontlady da vorne innerhalb von 10 Minuten den Saal zum Kochen bringt? Niemand, eben!

Was für ein Vollweib, diese Beth Ditto! In ihr dürften gleich mehrere Vulkane brodeln und wehe, die brechen aus! Dann kriegt das Publikum geballte Frauenpower zu spüren und das Parkett bebt unter den Füssen! Eigentlich ist es fast egal, was gerade gespielt wird, am Faszinierendsten ist es ohnehin, Beth zu boebachten, wie sie von der Seite den Leuten einheizt, die Bühne von links nach rechts abschreitet und in ihr Mikro brüllt, als wolle sie ins Guiness Buch der Rekorde in der Kategorie "Sängerin mit der lautesten Stimme der Welt". Zwangsläufig verkommen da die anderen Bandmitglieder zu Statisten, obwohl es lohnt, auch diese zu beäugen. Hannah Blilie, zum Beispiel, die integral tätowierte Drummerin, zeigt sehr oft ihr schönstes Lächeln, wahrscheinlich, weil sie sich köstlich darüber amüsiert, was vor ihr so abgeht. Auch Brace Paine, der oberlippenbärtige Gitarrist mit der Brille ist ein witziger Vogel und der farbige Neue scheint inzwischen auch fest zur Band zu gehören.

Letztlich verfolgt aber jeder Zuschauer gebannt, was Beth wieder so alles anstellt. Die ist schließlich bekannt dafür, jeden Blödsinn mitzumachen. Und man mußte auch heute nicht lange auf eine spassige Einlage warten. Offensichtlich beeindruckt von dem großen Rohr eines Fotografen, schnappte sich die heißblütige Dame prompt das "Geschoss" und versuchte sich selbst als Fotografin. Ob ihr Bild von dem Publikum etwas geworden ist, wird man wohl nie erfahren, fest steht aber, daß Beth dieser Gag perfekt gelungen ist!

Zum jetzigen Zeitpunkt aber noch unklar ist, ob auch die neuen Songs (sechs an der Zahl!) perfekt gelungen sind. Mit 8th Wonder und Sad Songs kamen davon gleich zwei hintereinander im Mittelteil und irgendwie hatte ich das Gefühl, das zu diesem Zeitpunkt die Luft ein wenig raus war. Aber was heißt das schon? Eine Verschnaufpause bei einem Gossip Konzert bedeutet lediglich, dass man sich kurzfristig schont, um später wieder Vollgas geben zu können. Beim heutigen Konzert war das spätestens bei Your Mangled Heart der Fall. Noch einmal wurden sowohl bei dem Publikum als auch der Band alle Kräfte mobilisiert, die Arme nach oben gerissen und so laut wie möglich mitgesungen. Dann war Schluss!

Aber ohne Krimi geht die Mimmi nie zu Bett und ohne Standing In The Way Of Control geht auch kein Gossip-Fan nach Hause! Eingeleitet mit ein paar Zeilen von We Are The Champions von den unsäglichen Queen, liessen es Gossip noch einmal so richtig krachen und die Frontfrau ließ es sich auch nicht nehmen, durch das gesamte Publikum zu marschieren! Fräulein Ditto, die noch nicht einmal 1,60 Meter hoch sein dürfte, wurde geküsst und gedrückt, als hätte sie gerade eine olympische Goldmedaille gewonnen, drehte eine Runde und wurde auf den Händen des Publikums wieder Richtung Bühne katapultiert. Das Casino de Paris stand Kopf! Jetzt kam plötzlich wieder eine kurze Einlage von Queen (was war das noch mal? Egal, die Scheußlichkeiten von Freddie Mercury sollte man eh schnell aus seiner Ohrmuschel vertreiben!) und dann hatte es sich nach circa. 70 explosiven Minuten ausgegossipt...

Ob Beth wirklich Queen mag, ist mir nicht ganz klar. Sie scheint es aber zu lieben, Klassiker aus dem Bereich Mainstream zu verwursten. Jeder Fan kennt sicherlich die George Michael Coverversion von Careless Whisper (die heute fehlte) und wer gut aufgepasst hatte, dem wird auch aufgefallen sein, dass an einer Stelle All Through The Night von Cyndi Lauper angestimmt wurde und darüber hinaus auch die Melodie von One More Time von Daft Punk. Aus "One More Time" machte Beth Ditto übrigens kurzerhand "One More Song". Witzig...

Setlist Gossip, Casino de Paris, Paris:

01: Pop Goes The World
02: Listen Up!
03: Jealous Girls
04: Coal to Diamonds
05: 8th Wonder
06: Sad Songs
07: Eyes Open
08: Fire/Sign
09: Love Long Distance
10: Yesterday's News
11: Heavy Cross
12: Aaliyah
13: Your Mangled Heart

14: Standing In The Way Of Control (Z)

Links:


-Gossip, Evreux, 28.06.08
-Gossip, Paris, 18.03.08
-Gossip, Paris, 10.11.07
-Gossip, Frankfurt, 28.08.07




 

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