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Mittwoch, 25. April 2012

Arlt & Mariee Sioux, Paris, 22.04.12

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Konzert: Arlt & Mariee Sioux

Ort: La Fabrique des Balades Sonores
Datum: 22.04.2012

Zuschauer:mindestens 30, für den kleinen Laden waren das sehr viele
Konzertdauer: jeweils etwa 35-40 Minuten



Arlt gehören zu jener kleinen Gruppe französischer Bands, die ich noch nie gesehen hatte. Viele French-Poper- und Folker sind mir in den letzten Jahren nicht durch die Lappen gegangen und wenn dann hatte ich in der Regel keinen Bock ihre Konzerte zu besuchen.

Bei Arlt war das anders. Die Musik, die ich von ihnen kannte, mochte ich, ich kam lediglich nie dazu, einen ihrer Auftritte zu sehen.

Heute nun endlich die Gelegenheit Versäumtes nachzuholen. Tatort war der kleine Laden der Ballades Sonores, in dem immer häufiger kurze Gratiskonzerte veranstaltet werden. Viele Leute passen in den CD-und Klamottenshop nicht rein und so war es auch heute wieder proppenvoll in der "Fabrique." Aber Arlt bewiesen sehr viel Talent beim Performen auf engem Raum. Sängerin Eloise Decazes sang sogar oft genau vor oder zwischen den Leuten, wobei ihre verträumten Blicke anscheinend ins Leere gingen. Sie verstand sich auf ein sehr theatrales Spiel, agierte wie im Halbschlaf bzw. wie eine Traumwandlerin. Ihre hübschen blaßblauen Augen waren weit geöffnet, schauten aber niemand Bestimmten an. Auch ihr männlicher Partner Sing Sing sang und konterte jeweils ihre Parolen, so daß ein verführerisches Spiel entstand, daß wie ein Liebeswerben erschien. Man neckte und man bezirzte sich, näherte sich an, um dann wieder auf Distanz zu gehen und so weiter und so fort.

Die beiden Franzosen sangen in ihrer Landessprache und erinnerten mitunter an alte Größen des Chanson wie Brassens, Brigitte Fontaine, Barbara oder auch Serge Gainsbourg, obwohl ihrer folkig/bluesigen Musik auch eine moderne und internationale, bisweilen gar noisige Note innewohnte. Sie hatten auch noch einen dritten Musiker dabei, keinen Geringeren als Mocke Depret, der männliche Part des berühmten gemischten Duos Holden, der ganz im Hintergund E-Gitarre spielte, während Sing Sing vorne auf der Akustischen zupfte. Eloise spielte kein Instrument, sie konzentrierte sich auf ihren Gesang und ihre ausdrucksvolle Gestik und Mimik.

Gespielt wurden Chansons von beiden Alben, dem Erstling La Langue (2010) und dem nagelneuen Werk Feu La Figure, dessen Erscheinungstermin auf den 23. April festgelegt ist. Eher spartanisch instrumentierte Lieder, die deshalb auch unter den heutigen Konditionen gut reproduziert werden konnten. Arlt brauchen nicht viel technischen Schnickschnack um ihre Musik zu spielen, da lebt vieles von den beiden Stimmen (ihre sinnlich hoch, seine tief brummelnd), der sinnlich- melancholischen Grundstimmung, dem akutischen Guitarpicking von Sing Sing.


Aber ihre neuen Stücke schienen mir rauer, aggresiver zu sein, mehr Drive zu haben. Le Pistolet z.B, kam ganz schön gepeffert rüber. Die Lieder zum Schwofen wie Chien Mort, Mi Amor sind allerdings geblieben,obwohl die Elektrische von Mocke im Klangbild immer wichtiger zu werden scheint.

Arlt - Chien Mort, Mi Amor (7'' version) by AlmostMusique



Eine älteres Lied namens Je voudrai être mariée hatte einen ganz besonderen Text zu bieten. Da sang Elise eindringlich von dem Wunsch verheiratet und schwanger zu sein, sagte aber hinter schmunzelnd, daß sei nicht umbedingt auf sie anzuwenden.

Arlt - Je voudrais être mariée by AlmostMusique

Das dicht an dicht stehende Publikum zeigte sich enorm begeistert und applaudierte regelmäßig lang und ausdauernd und stürzte sich auf die neue CD, die es exklusiv bereits hier einen Tag vorher gab. Ich ging allerdings leer aus, alle Exemplare waren ruckzuck ausverkauft.

Arlt muss ich mir unbedingt noch eimal ansehen! Am 16. Mai im Café de la Danse wird hierzu die Gelegenheit sein.


Danach leerte sich der Shop etwas und ein paar Leute zogen schon ab. Da gerade die Sonne schien, bat man die Kalifornierin Mariee Sioux doch einfach draußen vor der Türe zu spielen. Da wiegelte sie aber sofort ab, sie ist wohl wärmere Temperaturen gewöhnt. Statt in der Pariser Aprilkälte zog es die 27 Jährige vor, im kuscheligen Inneren zu bleiben, wo sie es sich auf einer urigen Kommode bequem machte. Ihre beiden männlichen Mitmusiker halfen ihr erneut bei den meisten Liedern aus. Ihr Lebensgefährte Sean Kae spielte Autoharp, der Halbhandschuhe tragende Jeff Mason Bass. Die performten Songs enstprachen weitestgehend denjenigen, die sie auch in anderen Showcases gespielt hatte, allerdings klang kein Set genau wie das andere. Die jeweilige Interpretation wurde immer etwas variiert, so daß es nie langweilig wurde. Ein Stück, daß ihr offensichtlich sehr wichtig war, war Old Magic. Es sei ihrer Heimat Kalifornien gewidmet und handelte textlich von Delphinen, Elch-Zähnen und Schlangen, was ihren starken Bezug zur Natur-und Tierwelt unterstrich (die Lyrics von Mariie Sioux handeln oft von Schlangen, vermutlich auch im übertragenen Sinne).


Einen besonderen Bonus gab es mit Two Tongues. Dieses wundervolle Stück spielte sie im Rahmen ihrer fünf Paris-Konzerte nur hier heute und tat mir damit einen großen Gefallen, denn ich hatte es besonders beim Auftritt im Café de la Danse vermisst.

Insgesamt ein ganz toller Showcase mit zwei Acts, die beide beim hervorragenden französischen Label Almost Musique unter Vertag stehen.

Setlist Mariee Sioux @ Fabrique des Balades Sonores

01: Homeopathic
02: Ghosts On My Heart
03: Swimming Through Stone
04: Flowers & Blood
05: Old Magic
06: Two Tongues

- Sehr lesenswert: das Klienicum zu Arlt.




Samstag, 21. April 2012

Mariee Sioux, Paris, 20.04.12

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Konzert: Mariee Sioux

Ort: Boutique, Fargo, Paris
Datum: 20.04.12
Zuschauer: etwa 40
Konzertdauer: 35-40 Minuten


Noch mal Mariee Sioux, nochmal wundervoll! Am Freitag präsentierte sich die Kalifornierin in der schönen Fargo Boutique und spielte mit ein wenig Unterstützung durch ihre zwei Begleitmusiker ein ganz sanftes Akustik-Set. Zum Davonschweben!

Setlist Mariee Sioux, Showcase Fargo:

01: Ghosts On My Heart
02: Swimming Through Stone
03: Flowers And Blood
04: Tule
05: Old Magic



Mariee Sioux & Matt Elliott, Paris,19.04.12

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Konzert: Mariee Sioux & Matt Elliott
Ort: le Café de la danse, Paris
Datum: 19.04.2012
Zuschauer: etwa 300
Konzertdauer: Mariee Sioux etwa 75 Minuten


Das aktuelle zweite Album Gift For The End war für die amerikanische Folkeuse Mariee Sioux eine ganz schwierige Geburt. Fast fünf Jahre hat es gedauert, bis der Nachfolger für Faces in The Rocks endlich im Kasten war. Dabei waren die Lieder längst geschrieben und wurden auch schon vor zwei Jahren und mehr in Konzerten gespielt, aber erst jetzt hat sich ein (französisches) Label gefunden, das das feine Material veröffentlichte.

Schon seltsam, daß eine solch gute Musikerin wie Sioux solche Probleme hat, ihr Werk herauszubringen. Da fragt man sich doch erneut, warum so viel Mist in den Plattenläden steht, aber solch erlesene Sachen durchs Sieb fallen.

Aber sei's drum, Gift For The End kann man nun endlich physisch erwerben und auch in Vinyl ist das Opus zu haben.

Natürlich spielte Mariee deshalb auch heute im Pariser Café de la danse das neue Werk von A bis Z, bzw. 1-8 und ließ, wenn ich gut aufgepasst habe, keinen einzigen Titel davon aus.


Und im Unterscheid zu damals hatte sie heute eine kleine Band dabei. Ihr Lebensgefährte Sean spielte Autoharp, Gitarre und mitunter im Stehen Schlagzeug, Jeff Manson Bass und in einem Fall auch Piano. Diese stärkere, glücklicherweise aber angemessen subtile Instrumentierung trug entscheidend mit zum Erfolg dieses Konzertes bei. Die beiden Männer gaben den reduzierten Liedern mehr Tiefe und Volumen, aber auch mehr Wärme und Anschmiegsamkeit. Aus den kargen Folksongs wurden atmosphärische Dream Pop Stücke, die aber keineswegs Mariies zarte Stimme in den Hintergrund stellten. Die beiden Kerle verstanden es meisterhaft, der Chefin genug Raum für ihren äußerst fragilen Gesang zu lassen. Eine Weiterentwicklung im Klangbild, die absolut zu begrüßen ist, weil sie nicht Richtung Kommerz und Mainstream geht, sondern lediglich mehr Farben und Nuancen zulässt.

Ein älteres Lied erfuhr ein besonders schönes und gelungenes Liftung. Flowers And Blood kam in der neuen Version so unbeschreiblich schön rüber, daß sich allein hierfür der Weg ins Café de la Danse gelohnt hatte. Super dabei auch, daß die beiden Männer auch ein wenig im Background mitsangen und so einen hübschen Kontrast zu Mariees Stimme bildeten. Fünf Minten lang kostete ich jede Zeile dieses Juwels aus und hätte mir fast gewünscht, es noch einmal als Zugabe serviert zu bekommen. Stattdessen gab es aber als Zugabe ebenfalls ein altes Stück von Faces In The Rocks und zwar Burried in Teeth, vorgetragen allein von Mariee und ihrer Akustischen.



Vorangegangen war aber ein mit aktuellen Titeln gespicktes Konzert. Ein großes Highlight hierbei sicherlich Ghosts In My Heart. "Little kids mamas have your name in their mouths" sang Mariee und später dann im Refrain langgezogen und schwebend: "in her mouth, In her mouth, In her mouth." So was von göttlich, Freunde! Das Fingerpicking erste Sahne, die Autoharp betörend, die Atmosphäre warm und weich wie ein Babyarsch.



Ebenfalls besonders hervorgehoben werde muss Homeopathic, das Mariie schon einmal in meinem Wohnzimmer gespielt hatte. Heute waren die Bedingungen aber freilich besser, der Sound gestochener und noch bis in den letzten Winkel der schönen Loction gelangend. Es handele von den "inner struggles" so die Künstlerin und dauerte dann fast 9 Minuten, in denen Mariee in ein paar Szenen stimmlich sehr sehr hoch (himmelhochjauchzend) intonierte und sich immer wieder mit ihren Fußspitzen nach oben drückte, so als hielte sie es auf dem Stuhl nicht mehr aus.

Schließlich möchte ich auch Old Magic nennen, bei denen ein paar Pianoklänge das Lied schmückten und so ein wenig John Lennonsche Melancholie mit hinzuzauberten. Bei Old Magic sangen die beiden Sänger besonders aktiv mit und schufen zusammen mit der schwarzhaarigen Schönheit Harmoniegesänge, die ... nun ja, magisch klangen! Logisch! Das Stück endete rein a' cappella und wurde vom Publikum mit stürmischen Beifall bedacht, der die vorbildliche Ruhe in den Zuschauerreihen vorübergehend auflöste.



Etwa 75 Minuten wurde ausgewogen harmonisch, friedvoll und mit viel Liebe zum Detail musiziert, bevor wir von dem sympatischen Trio Abschied nehmen mussten. Eingefleischte Fans haben aber die Möglichkeit, Mariee Sioux am Sonntag noch einmal in einem Gratis-Showcase bei den Balades Sonores zu erleben.

Setlist Mariee Sioux, Café de la Danse, Paris 2012:

gespielt wurde das komplette Album Gift For The End + Wizard Flurry Home, Flowers & Blood und als Solo-Zugabe Buried in Teeth.

Sehr lesenswerte Albumkritik zu Gift For The End von Ober-Indianer Eike-Klienicum, klick!

Deutsche Konzerttermine Mariee Sioux:

17.05.2012: Steinbruch, Duisburg
18.05.2012: King Georg, Köln
19.05.2012: Hafen 2, Offenbach mit Masha Qrella
20.05.2012: Schaubude, Dresden
21.05.2012: Zentrale, Hamburg
22.05.2012: Comet Club, Berlin




Donnerstag, 19. April 2012

Mariee Sioux, Paris, 18.04.12

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Konzert: Mariee Sioux

Ort: Showcase Gibert Joseph, Paris
Datum: 18.04.2012

Zuschauer: etwa 20

Konzertdauer: vielleicht 25 Minuten




Eine Karriere als Rechtsanwalt wie einige meiner damaligen Kommilitonen habe ich nicht gemacht, aber ein paar der besten Folksängerinnen der Welt kennen mich und grüßen mich von der Bühne aus. Auch nicht schlecht, oder? Ich jedenfalls freue mich darüber, man muss sich schließlich an den kleinen Dingen des Lebens aufrichten.

In den letzten zwei Wochen ist es mir sogar dreimal pasiert, daß ich von den Folkeusen während eines Konzertes herzlich begrüßt wurde. Julie Doiron hatte mir in der Maroquinerie von oben zugezwinkert, Laura Gibson beim Showcase im Rough Trade Store nette Blicke zugeworfen und heute war es nun Mariee Sioux, die sich in der Pause zwischen den Liedern gleich zwei mal erkundigte, wie es mir ginge.

Ich hatte Mariee seit zwei Jahren nicht mehr gesehen. Eine lange Zeit, vor allem wenn man bedenkt, daß die Kalifornierin damals teilweise Wochen und Monate lang in Paris wohnte und regelmäßig anzutreffen war. Inzwischen ist sie wohl ziemlich fest liiert, wohnt in Oakland und hat aktiv bei der Occupy-Bewegung mitgewirkt. Ihr Freund kam sogar bei einer Veranstaltung für eine Nacht ins Gefängnis. Als ich dies auf Facebook las, machte ich mir schon Sorgen um das zierliche Persönchen, man weiß schließlich nie, wie Polizisten bei Demos reagieren.

Zum Glück ist sie aber wohlauf und machte einen frischen und ausgeglichenen Eindruck in Paris. Im Plattenladen Gibert Joseph promotete sie ein wenig ihr neues Album Gift For The End und spielte im Flur neben der Rolltreppe vier Tracks dieses neuen Werkes. Ein ziemlich räudiger Ort für Konzerte. Kunden kommen rein und raus, machen viel Lärm und die wenigsten interessieren sich für den Musiker, der in der kleinen Ecke zwischen CDs und Dvs akustisch aufspielt. So war es dann auch heute eigentlich wieder viel zu laut für die äußerst fragilen Songs von Mariie Sioux. Zum Glück saß ich aber so nah dran, daß ich die Hintergundgeräusche weitestgehend ausblenden konnte. Unglaublich subtil und sanft ging die Amerikanerin zu Werke, zupfte ganz weich an den Saiten ihrer Gitarre und sang sehr sehr leise, aber wunderschön.

Zum Vortrage kamen ausschließlich Lieder von Gift For The End, darunter Swimming Through Stone und Old Magic.

Eine veritable Perle und tatsächlich magisch, dieses Old Magic. Mit ihrer unverwechselbaren Hauchstimme performte Mariie diesen reduzierten und wunderbar melodiösen Song und brachte ein wenig Americana- Feeling in das schnöde Plattengeschäft.

Insgesamt spielte Mariie aber lediglich etwa 25 Minuten, denn dieser Instore Gig war nur als Appetizer für ihr "richtiges" Konzert mit Band im Café de la Danse am 19. April gedacht.

Da werde ich dann natürlich auch wieder dabei sein!


Setlist Mariee Sioux, Gibert Joseph,Paris:

01: Homeopathic
02: Ghosts In My Heart
03: Swimming Through Stone
04: Old Magic




Montag, 20. Dezember 2010

Rrose Tacet & Mariee Sioux, Paris, 19.12.10

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Konzert: Rrose Tacet & Mariee Sioux

Ort: L'International, Paris
Datum: 19.12.2010

Zuschauer: 150 vielleicht?
Konzertdauer: 45 Minutem Rose Tacet


Lady Gaga (wer?) musste ihr heutiges Konzert in Paris-Bercy absagen, weil die schweren Lastwagen, die das gesamte oppulente Equipment tragen sollten, wegen der schwierigen Witterungsverhältnisse für den Verkehr gesperrt worden waren und nicht nach Paris durchkamen. Aber wen interessiert das überhaupt? Mich jedenfalls nicht. Ein non-event. Viel ärgerlicher war da schon, daß die kalifornische Folksängerin Mariee Sioux ebenfalls irgendwo im Schnee steckengeblieben war und deshalb ihren geplanten Auftritt im International canceln musste. Dabei hatte ich mich so auf dieses Konzert gefreut! Mais c'est la vie! "Annulé pour cause d'intempéries. Toutes nos excuses, L'International", konnte man auf einem an der Eingangstür befestigten Zettel lesen und das verstehen sicherlich auch Leute, die des Französischen nicht mächtig sind. Schade, schade!



Daß es dennoch ein versöhnlicher Jahresabschluss (mein vermutlich letztes Konzert 2010) wurde, lag an den frisch und innovativ aufspielenden Franzosen Rrose Tacet. Ein musikalisch wirklich spannendes Quartett, daß sich sowohl vom deutschen Krautrock (Can) als auch vom schrägen amerikanischen Folkrock (Akron/Family) und experimentellen Bands wie Animal Collective und Berg Sans Niple beeinflusst fühlt. Ein weites musikalisches Feld also, was die Jungs da abstecken und erfreulicherweise konnten sie dem Gebräu ihre ganz eigene Note beifügen. Schöne Chorgesänge, bisweilen zwei Schlagzeuge gleichzeitig und kreative elektronische Samples sorgten für eine gute Atmosphäre im Publikum und ließ die Leute zumindest für die Zeit des Auftritts, das Fernbleiben von Mariee Sioux ein wenig vergessen. Als Rrose Tacet allerdings mit ihrem gelungen Set durch waren, blieb dennoch ein wenig Wehmut zurück. Aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr ich, daß Mariee Sioux 2011 wohl erst im September wieder auf Pariser Bühne zu erwarten ist. Eine lange Zeit. Aber geht es den deutschen Folkfans besser? Wann ist die gute Mariee in Germany denn überhaupt mal aufgetreten? Sicherlich nicht sehr oft.

Aus unserem Archiv:

Mariee Sioux, Paris, 31.10.09
Mariee Sioux, Paris, 14.07.09*
Mariee Sioux, Paris, 13.10.08
Mariee Sioux, Paris, 26.06.08
Mariee Sioux, Paris, 19.03.08



Sonntag, 1. November 2009

Mariee Sioux & Matt Bauer, Paris, 31.10.09

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Konzert: Mariee Sioux & Matt Bauer & Declan de Barra

Ort: Café de la danse, Paris
Datum: 31.10.2009
Zuschauer: viele. So gut wie ausverkauft
Konzertdauer: insgesamt gut 3 Stunden



Mal eine Frage an unsere verehrten Leser. Was haltet ihr eigentlich von Halloween? Ist das totaler Käse, der seit ein paar Jahren von den USA nach Kontinental-Europa übergeschwappt ist, oder ist das ein ein ganz wunderbares Fest, bei dem man sich nach Lust und Laune schminken, gruselig anziehen und eine Kürbislaterne durch die Gegend tragen kann?

Was das mit dem Konzert zu tun hat? Nun, der Ire Declan De Barra, der heute im Café de la danse spielte, kommt aus dem Land, in dem Halloween seinen Ursprung hat. Irische und schottische Immigranten haben diesen Brauch erst in die Vereinigten Staaten gebracht, wahrscheinlich um die Kürbisindustrie anzukurbeln...

Auf jeden Fall war Halloween am 31. Oktober im Café de la danse ein großes Thema, welches die beteiligten Musiker gerne aufgriffen. Declan de Barra selbst hatte seinen Look nicht verändert, Mariee Sioux und vor allem Matt Bauer erschienen aber mit gruseligster Schminke und hätten damit glatt in einem Horror Film auftreten können!

Wie das Konzert war? Keine Ahnung, Halloween ist doch das Fest der Toten. Ich bin tot. Dies war mein letzter Konzertbericht. Goodbye...

Und dann bin ich doch von den Toten wiederauferstanden! Wunder geschehen...

Also mal von vorne. Der schaurig-schöne Abend des 31. Oktober begann bereits um 19 Uhr 30. Im Café de la danse heißt es früh sein, will man alle Acts komplett sehen. Ausnahmsweise habe selbst ich es geschafft, pünktlich auf der Matte zu stehen. Der hörsaalähnliche Raum mit der hohen Decke war schon sehr gut gefült, als ich eintrat. Das freute mich enorm, denn ich gönne Matt und Mariee wirklich so viel Zuhörer und Zuseher wie möglich. Nicht nur weil sie wunderbare und betörende Musik machen, sondern weil sie auch zu den liebenswürdigsten Musikern gehören, die ich in den letzten Jahren getroffen habe. Diese menschlichen Qualitäten sind auch dem Iren Declan de Barra nicht entgangen, der während seines Konzertes vom Charakter von Matt und Mariee in den höchsten Tönen schwärmte.

Aber auch Declan selbst ist ein besonderer Typ. Er ist ungemein kommunikativ, charismatisch und direkt. Jemand, der im Nu das Publikum auf seine Seite ziehen kann. Als ich ihn 2008 zum ersten Mal live gesehen hatte, war ihm das in musikalischer Hinsicht allerdings nicht gelungen. Ich empfand es als störend, daß er mit seiner Stimme immer Vollgas gibt und sich die Seele aus dem Leib schreit. Heute aber hat er mich gerade eben damit in seinen Bann gezogen! Mit unbeschreiblicher Kraft und Inbrunst schmetterte er Lieder wie das hervorragende Throw Your Arms Around Me und traf damit in mein Herz. Schon seltsam, daß mich das damals nicht berührt hatte, "Throw your arms around me, I'll be right here if you fall, Ill be right here if you need me", als er diese Zeilen sang, hatte das eine ungemein tröstliche Wirkung auf mich. Hinzu kam, daß seine französische Cellistin so unglaublich schön und einfühlsam spielte, daß ich dahinschmolz. Hach, war das schön! Und gegen Ende kamen mit Until The Morning Comes und Red Forests auch noch zwei weitere Schmuckstücke.

Ein prima Auftritt, gespickt mit witzigen Dialogen ("In Irland wird man an Halloween von den Damen geküsst. Vergesst das nicht, Ladies, ich warte hinterher am Merch auf Euch!" oder: "Ich bin zu dick für die engen Pariser Wohnungen, jedesmal stoße ich mich und habe überall blaue Flecke!") und wundervollen Songs.

Dann war Matt Bauer an der Reihe. Der Bursche hatte mich schon erschreckt, als er mit seiner Zombie-Schminke zum Soundcheck auf die Bühne kam. Wahnsinn, diese Adern auf der Glatze und dann auch noch die schwarzumrandeten Augen! Auf seine warme und reduziert instrumentierte Musik hatte das allerdings keine Auswirkungen. Wie gewohnt spielte er sehr zurückgenommen und unaufdringlich und brillierte durch seine virtuosen Künste am Banjo. Die meisten Stücke trug er jedoch auf der Gitarre vor, obwohl ich der Meiung bin, daß das Banjo seine Paradedisziplin ist und daß die Mehrzahl seiner Lieder auf diesem Instrument vorgetragen werden sollten. Aber wie auch immer, Matt's Songs sind auch auf der Gitarre schön. Zum ersten Mal überhaupt sah ich in live in Begleitung von Musikern. Er hatte einen schlanken, ebenfalls geschminkten E-Gitarristen dabei, der allerdings nur bedingt für Lautstärke sorgte. Zusätzlich gab es bei 2 bis drei Stücken einen französischen Violinisten, der das Konzert bereichterte. Am tollsten war es aber, als zum besten Song von Matt, dem brillianten Rose and Vine, Mariee Sioux mit hinzustieß. Ihr Backgroundgesang war so lieblich und harmonierte so perfekt mit der trockenen Rotweinstimme von Matt, daß sich mir die Nackenhaare aufstellten!

Mariee Sioux durften die Zuschauer also schon vor ihrem eigentlichen Auftritt genießen, aber ganz alleine und mit ihren eigenen Stücken ist das Ganze natürlich noch entzückender. Sie performte große Teile ihres zu recht hochgelobten Albums Faces In The Rocks, begeisterte mit interessanten Texten (in denen es immer wieder um Tiere ging: Rattlesnakes, Watersnaks, Grizzlybears, Hummingbirds, etc, eine naturverbundene Person, die Marie!) und kristallklarer Stimme und bot auch Neuheiten. Old Magic zeiget sie von ihrer sinnlichen und sirenenhaften Seite und offenbarte eine Stimme, die noch befreiter und schöner klang als zuvor. Die junge Frau hat an Selbstsicherheit und Bühnenpräsenz gewonnen, so viel ist klar. Schön, daß sie trotzdem ihre niedliche Schüchternheit beibehält, die sie so anziehend wirkt und Beschützerinstinkte bei Männern auslöst. Verblüffend auch ihr Gitarrenspiel. Ihre Spielhand bearbeitet die Klampfe wie eine Spinne, alle Finger sind permanent in Bewegung, es sieht fast so aus, als würde sie einen Hund streicheln. Da wäre man gerne Hund!

Die zweite Neuheit Swimming Through Stone ist in Paris enstanden. Sie habe immer solch seltsame Träume bei ihrer französischen Bookerin gehabt, was sie sich mit etlichen Veränderungen in ihrem Leben erklärte. Schön zu sehen, daß Träume nicht immer Schäume sein müssen und daraus wunderbare Lieder werden können!

Bewegendster Moment des Abends war aber das Vortragen von Homeopathic. Nachträglich hat sie diese Lied ihrer in diesem Jahr verstorbenen Freundin Ashley Taylor gewidmet, mit der sie gemeinsam bereits auf Tour war. Ich hatte einen Kloß im Hals und fragte mich, warum eine so junge Künstlerin wie Ashley Taylor so früh von uns gehen musste. Wenn ihr diesen herzzereißenden Clip, aufgenommen in einem Gitarrenladen in Rouen anschaut, wisst ihr warum es nicht nur in menschlicher, sondern auch in musikalischer Hinsicht sehr traurig ist, daß Ashley tot ist...

Video Old Magic live




Setlist Declan de Barra:

01: Swan
02: Throw Your Arms Around Me
03: Johanna
04: Curfew/Ghetto 101
05: Leaves In The Autumn
06: Until The Morning Comes
07: Breadcrumb Trail
08: Brightest Star
09: Welcome
10: On And On
11: Beautiful One
12: Apple Tree
13: Diamonds
14: You Will Overcome
15: Red Forests
16: Wind That Snakes The Barley



Setlist Matt Bauer:

01: Water Moccasin
02: Black Snake In The Carport
03: Shelterin Dark
04: You Were Saying Goodbye
05: As She came Out Of The Water
06: Morning Stars
07: The One You Love
08: Carve It Out
09: Don't Let Me Out
10: Florida Rain
11: Rose & Vine



Setlist Mariee Sioux:

01: Friendboats
02: Two Tongues
03: Old Magic
04: Wizard Flurry Home
05: Bundles
06: Swimming Trough Stone
07: Twin Song
08: Tule
09: Homeopathic

10: Flowers & Blood (Z)

Aus unserem Archiv:

Mariee Sioux, Paris, 14.07.09*
Mariee Sioux, Paris, 13.10.08
Mariee Sioux, Paris, 26.06.08
Mariee Sioux, Paris, 19.03.08

Matt Bauer, Paris, 18.04.09
Matt Bauer, Paris, 04.12.08


Declan De Barra, Paris, 09.03.08


- Voire les belles photos de Rod sur le hiboo.com. Mariee Sioux ici
Matt Bauer ici, et Declan de Barra ici
- Sur le hiboo il y a aussi une vidéo sublime de Declan de Barra chantant Throw Your Arms Around Me dans l'èglise de la Madeleine!
Impressionant!


Mittwoch, 15. Juli 2009

Vera Gogh & Kacey Johansing (Mariee Sioux), Paris, 14.07.2009

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Konzert: Vera Gogh & Kacey Johansing (Überraschungsgast Mariee Sioux), Oliver Peel Session # 10
Datum: 14.07.2009
Ort: Ein Wohnzimmer irgendwo in Paris
Zuschauer: 35
Konzertdauer: jeweils gut 40 Minuten + 10-15 Minuten Mariee Sioux



Das Klima in Kalifornien muss unglaublich günstig und inspirierend sein, anders ist es nicht zu erklären, daß in den letzten Jahren ständig neue Folksängerin aus dieser sonnigen Ecke emporschießen. Joanna Newsom machte den Anfang, dann kam Alela Diane und die brachte gleich ihre talentierten Freundinnen Mariee Sioux und Alina Hardin mit. Und nun durften ein paar glückliche Zeitgenossen Zeuge eines wunderbaren Konzertes zweier aufstrebender Folkeusen aus San Francisco sein: Vera Gogh begann und Kacey Johansing begleitete sie auf dem Boden kauernd am Keyboard. Die Stimme der attraktiven Brünetten: Ein Traum! Ihre Ausstrahlung: hochcharmant! Ihr Humor: beißend und aus ihrem hübschen Munde ziemlich verblüffend. Ein temperamentvolles Weibsbild mit viel Feuer und Leidenschaft, das das Publikum verzückt zurückließ. Nach einer kurzen Pause ging ihre blonde Freundin Kacey Johansing solo an den Start und zauberte mit ihrer souligen Stimme und den teilweise karibisch anmutenden Rhythmen Sommerfeeling in unser Wohnzimmer und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn einer ihrer Songs hieß bezeichnenderweise That Summer Feeling. Eine hochtalentierte Künstlerin, die ohne viel Aufwand zu betreiben, eine wunderbare Atmosphäre entstehen ließ. Nichts bei ihr kam forciert rüber, alles wirkte relaxt und souverän und keine Spur gekünstelt. Eine Stimme, die auch in leisen Frequenzen beeindruckte und ein Sinn für Harmonie und Ausgewogenheit, den man einer solch jungen Sängerin kaum zutrauen würde. Ihre Ausstrahlung erinnerte mich an Joni Mitchell , blaßhäutig, blauäugig, sensibel und von einer entwaffnenden Natürlichkeit.

Nicht zu beantworten, wer mir von den beiden besser gefiel, erstens bin ich befangen und zweitens waren sie wirklich gleich gut!

Und als kleines Bonbon gab es tatsächlich noch zwei Songs von Mariee Sioux obendrauf! Obwohl ich mein Glück kaum fassen konnte, daß Mariee tatsächlich zur Gitarre griff (ich hatte sie ein wenig hierzu genötigt, sie wollte sich selbst nicht in den Vordergrund drängen), war der Anlaß des neuen Liedes Homeopathic eigentlich extrem traurig. Sie widmete den Titel einer kürzlich verstorbenen Freundin, mit der sie im Februar in der Pariser Maroquinerie noch gemeinsam auf der Bühne gestanden hatte. Ich habe Ashley Taylor damals nicht gesehen, aber Freunde die dabei waren, berichteten euphorisch davon, wie toll die beiden zusammen gespielt hatten. Mein Mitgefühl und Beileid geht an dieser Stelle an die Familie und die Wegbegleiter von Ashley. Der zweite Titel war Fans von Mariee Sioux dann wohlbekannt. Es handelte sich um Friendboats, ein wundervolles Stück, das man auf dem Album Faces In The Rocks finden kann.

Der feine Abend endete dann mit einem Feuerwerk anläßlich des französischen Nationalfeiertages, das wir gemeinsam von der Ecole Militaire aus genoßen.

Merci beaucoup à tout le monde d'être venu et merci sûrtout à Erwan, qui a établi le contact entre Kacey, Vera et moi!

Setlist Kacey Johansing, Oliver Peel Session # 10, Paris:

01: Photographs & Letters
02: Angel Island
03: Pinecone Song
04: That Summer Feeling
05: Same Old, Same Old
06: Mississippi
07: Leave Your Sweater

Setlist Vera Gogh, Oliver Peel Session # 10, Paris:

01: Sanction Our Love
02: Other Women
03: Hometown
04: Good Life
05: Bread Crumbs
06: Honey, I Love You
07: Holy Hole
08: I Don't Want To Wait A Lifetime
09: Angles Drunk w/Devotions




Montag, 13. Oktober 2008

Mariee-Sioux, Paris, 13.10.08

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Konzert: Mariee Sioux
Ort: Le Reservoir, Paris
Datum: 13.10.2008
Zuschauer: ca. 200
Konzertdauer: ca. 40 Minuten



In Paris ist musikalisch immer etwas los. Allerdings muß man manchmal auch wissen wo und wann, denn neben den regulären Konzerten für die in U-Bahnhöfen, in Zeitschriften und im Internet Werbung gemacht wird, gibt es immer ein paar kleine Events, die weitgehend im Verborgenen stattfinden.

Heute hätte man z.B. Bloc Party sehen können, die stellten nämlich beim Privatsender Canal + im Rahmen der Reihe "Album de la semaine" ihr neues Werk vor. Da die Räumlichkeiten des Senders aber weit draußen liegen (in St Denis, vor den Toren der Stadt) und dort die Atmosphäre immer recht steril ist, entschied ich mich ganz klar für Mariee Sioux. Aber höchstwahrscheinlich hätte ich auch zu der brünetten Dame tendiert, wenn Bloc Party in der Wohnung meiner Nachbarn aufgetreten wären, denn was kann Kele Okereke schon gegen den Charme einer Mariee Sioux ausrichten?

Das Problem war bloß, daß der freundliche Herr am Telefon des Clubs "Le Reservoir" von einem Konzert der jungen Amerikanerin gar nichts wußte. Und auf der Webseite las man auch kein Sterbenswörtchen über Mariee Sioux. Lediglich die Künstlerin selbst hatte den Termin auf ihrer MySpace Seite aufgelistet. 19 Uhr 30 als Anfangszeit, recht früh für ein Konzert...

Ich entschloss mich zum Ort des Geschehens zu fahren. Dank der gutgemachten Lageskizze fand ich das Reservoir dann auch problemlos, es befand sich in einer kleinen Gasse, der rue de la Forge Royale, unweit von der Bastille.

Drinnen angekommen setzte ich mich an ein freies Tischchen und sah nur einen kurzen Moment später, daß ich nicht umsonst gekommen war. Mariee Sioux saß mit ihrer französischen Tourmanagerin und einem Kerl mit Baseballkappe am Nachbartisch. Als sich unsere Blicke zufällig trafen, lächelte sie mir höflich zu. Sie merkte wohl an meiner Kamera, daß ich nicht nur den szenigen Laden mit seinen auf alt getrimmten Wänden, seinen antiken Spiegeln und seiner wunderschönen Bar abknipsen wollte. Spontan ließ sie mich ein Foto von ihr und ihrem Sitznachbarn machen.

Inzwischen war es schon deutlich nach 20 Uhr, aber Mariee saß noch ganz relaxt da und machte keine Anstalten, mit ihrem Programm zu beginnen. Im Gegenteil, sie holte sich am Buffet einen Salat und nippte seelenruhig an ihrem Rotwein (oder war das Cola?). Wir kamen ins Gespräch, ich brachte die Sätzlein, die man als Fan immer in solchen Situationen abläßt, also "ich liebe Dein Album", oder "ich habe Dich schon zweimal live gesehen, einmal sogar mit Alela Diane in der Cigale". Das fand sie wohl ganz spannend: "Really? You were There?" - Ja, war ich und seitdem bin ich nicht nur Fan von Alela Diane, sondern auch von Mariee Sioux! Vielleicht mag ich Mariee inzwischen sogar noch lieber als Alela, aber ich will die beiden nicht aneinander messen.

Gegen 20 nach 8 stand die brünette Schönheit dann auf und begab sich Richtung Bühne. Mir schien es, als sei ich einer der wenigen Zuschauer, die wegen Mademoiselle Sioux da waren, denn eigentlich war das hier und heute eine Veranstaltung für Musikmanager auf Talentsuche (Music Manager Forum France) und witzigerweise wurde ich von der Organisatorin dieses Abends gefragt, ob ich der Managerin von Mariee sei. "Leider nein" war meine Antwort, der ich die bange Frage folgen ließ, ob ich denn trotzdem bleiben könne? "Ja, ja, kein Problem" entgegnete sie lächelnd, obwohl es eigentlich eine Liste geben würde und man normalerweise nur per Einladung in den Genuß der Konzerte käme...

"Meine Künstlerin", ähh, ich meine natürlich meine angebetete Mariee schnappte sich also die Gitarre, stellte sich kurz mit "Bonsoir" vor (dies seien so ziemlich die einzigen Worte die sie trotz derzeitigen Aufenthalts in Paris beherrsche) und begann mit Wizard Flurry Home einem wundervollen Lied, das gleichzeitig auch Opener ihres Albums Faces In The Rocks ist.

Mit herrlich luftiger und sirenenhafter Stimme sang sie Zeilen wie "dance, dance, snow, flur, flurry home. Ihr Gitarrenspiel war schnell und filigran, eine andere Begleitung ihrer Stimme gab es nicht. Auf dem Album ist das Ganze noch mit einer traditionellen Flöte ummalt, live habe ich Mariee allerdings immer nur alleine mit ihrer Klampfe gesehen. Aber das stört überhaupt nicht, denn die Stimme setzt die junge Künstlerin fast wie ein Instrument ein.

Hach, diese Stimme, ich liebe sie wirklich sehr, sie wirkt so rein, so unschuldig, so trostspendend! Aber auch ihre Texte sind gut, in Two Tongues erzählt sie beispielsweise von: "to kiss the snake-tongued people", also davon, die Leute zu küssen, die mit gespaltener Zunge reden. Den Satz kennt man ja übrigens auch noch aus alten Western, dann nämlich wenn der Indianerhäuptling dem Bleichgesicht vorwirft, eben mit "Gespaltener Zunge zu reden", sprich heuchlerisch und verlogen zu sein.

Aber bemühen wir hier nicht zu viele Wildwestgeschichten, obwohl sich das bei einer Sioux (die diesem Indianerstamm aber gar nicht angehört, obwohl sie zum Teil in der Tat indianische Wurzeln hat) ja anbietet. Bedenken wir, daß sie als junge Frau, die in Kalifornien aufgewachsen ist, auch etlichen moderne Einflüsse hat, die man auch ihrer Musik anhört, Bestes Beispiel ist wohl ihr The Cure Cover. Lovesong hört sich bei der Folksängerin fast noch besser an als bei Robert Smith! Verblüffedn wie sie einen Song einer englischen New Wave Band adaptiert, so daß der sich nachher so anhört, als habe sie ihn selbst geschrieben. Wie schon in meiner letzten Sioux Konzertreview erwähnt, wird das Lied auf einem Sampler, der der Kultband huldigt, enthalten sein.

A propos enthalten: Ob Swimming Through Stone auf dem neuen Album auf das ich sehnlich warte, enthalten sein wird? Es handelte sich nämlich um einen nagelneuen Song, den Mariee exklusiv den Zuhörern im Pariser Reservoir zum ersten Mal anbot. Und der wirkte heiterer als die teilweise recht düsteren Stücke auf Faces In The Rocks. Sie habe in Europa viele kreative Inputs bekommen und anscheinend fühlt sie sich in Paris (wo sie seit ein Paar Wochen verweilt und auch noch bis Weichnachten bleiben wird) sehr wohl, so daß der neue Song sehr optimistisch geworden ist. Auf jeden Fall ein sehr gelungenes Stück genau wie Flowers And Blood, welches das intime Konzert würdig abschloss!

Setlist Mariee Sioux, Le Reservoir, Paris:

01: Wizard Flurry Home
02: Two Tongues
03: Friendboats
04: Lovesong (The Cure Cover)
05: Swimming Through Stone (nagelneu, noch nie zuvor gespielt!)
06: Flowers And Blood

Alle Songtexte von Mariee Sioux findet man hier

Links:

- Mehr Fotos von Mariee Sioux hier
- Videoclip Wizard Flurry Home
- Two Tongues live
- Buried In Teeth, Fersehsession, charmant das Lachen am Anfang!




Freitag, 27. Juni 2008

Mariee Sioux, Paris, 26.06.08

6 Kommentare

Konzert: Mariee Sioux

Ort: Sunset, Paris
Datum: 26.06.2008
Zuschauer: ca.80
Konzertdauer: 60 Minuten

Mensch, fahr doch!

Wenn der Taxifahrer ein Pferd wäre, hätte ich ihm jetzt die Sporen gegeben! Und dann fährt der Kerl noch durch belebte Viertel, in denen man nicht vorankommt, anstatt die grossen Achsen zu wählen. Ich glaube er will mich veräppeln! Wahrscheinlich hält er mich für einen dummen Touri.

Taxis nehme ich eigentlich nur in Notfällen in Paris, aber heute liegt definitiv ein solcher vor! Ich will schliesslich zum Konzert von Mariee Sioux und zwar dalli!

Es ist 20 Uhr 45 und ich mache mir Sorgen, ob ich zum Konzert der Amerikanerin mit der wunderschönen Stimme pünktlich erscheinen werde. In der Bar Sunset war ich noch nie und ich weiss nicht genau, wann es da mit der Hauptgruppe losgeht. Normalerweise braucht man anderwo nicht vor 21 Uhr aufzukreuzen, aber jeder Club hält das mit den Startzeiten etwas anders...

Endlich hat der Kutscher die Rue des Lombards erreicht, wo die Kneipe liegt. Wird aber auch höchste Zeit, es ist inzwischen 21 Uhr! Dann laufe ich auch zuerst noch in die falsche Richtung und verliere weitere Minuten...

Draussen vor dem Sunset glotzen Leute auf einer riesigen Leinwand Fussball, eine Unsitte! Die Bildungsbürger, die -genau wie ich- mit Fussball nichts anfangen können, sitzen unten in einem gewölbeartigen Keller und lauschen der lieblichen Stimme von Mariee.

Mist, die brünette Kalifornierin hat schon angefangen, das war abzusehen! Wieviel Minuten habe ich verpasst, will ich von einem Besucher wissen? " 35 Minuten" antwortet er. Au Backe!

Aber ich bin selbst Schuld, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, sagte ja schon Gorbi...

Ich setze mich auf einen der kleinen roten Sessel und bemerke zu meiner Linken meinen Bekannten Luc, der ebenfalls kein gutes Folk-Konzert ausfallen lässt. Aber bei solch intimen Shows unterhält man sich erst hinterher. Ich schweige ihn frustriert an und schlage mir vor den Kopf!

Aber nun gut, jetzt gilt es wenigstens die restlichen circa. 25 Minuten so gut es geht zu geniessen. Ich konzentriere mich auf den Gesang von Fräulein Sioux, denn von meinem Platz aus kann ich sie kaum sehen, es gibt da ein paar Pfeiler die stören. Und nach vorne durchdrängeln kann ich jetzt nun wirklich nicht. Das Publikum ist vorbildlich leise und konzentriert. Ein paar Leute schliessen die Augen und lassen sich von der wundervollen Musik tragen. Red Bull soll ja angeblich Flügel verleihen, aber Mariee Sioux tut das wirklich, zumindest wenn man sich ganz auf sie einlässt. Himmlisch! Wenn es bloss nicht so drückend warm wäre!

Die brünette Sängerin trällert irgendetwas von good good things, ihr Gitarrenspiel ist äusserst spärlich und sehr leise, es dient lediglich der dezenten Untermalung ihres sirenenhaften Gesangs.

Ihre Lieder sind fast alle sehr lang, sie erzählt Geschichten, anstatt Hits für das kommerzielle Radio zu schrieben, die nach kurzer Zeit auf den Punkt kommen müssen.

Allerdings verschliesst sie sich auch nicht dem Mainstream, das Cure Cover "Love Song" ist der beste Beweis dafür. "Whenever I'm alone with you, you make me feel like I am young/fun again." Herrlich, diesen Song von Robert Smith mochte ich schon immer sehr und in der Version von Mariee ist er ebenfalls eine Perle!

Klasse ist vor allem, dass sie die synthetischen Geigenparts des Liedes einfach nachsingt.

" I will always love you", toll Liebesbekundungen von einer solch reizenden Dame zu bekommen! Die bekommt sie aber auch zurück: "We love you too!" brüllt hinterher ein mutiger Franzose durch die Kellergruft und drückt das aus, was viele hier denken. Das The Cure- Cover wird übrigens auf einem Tribute Album, das die New Wave Kultband ehrt, erhalten sein.

Etwas später wird sich Mariee auch noch an einem nagelneuen Lied versuchen, das auch gut auf ihr Album "Faces In The Rocks" gepasst hätte. Textlich geht es unter anderem um Rattlesnacks, bloss den Namen des Liedes kann ich auf der handgeschriebenen Setlist nicht entziffern. Am Ende lese ich etwas von "Ball of Fire". Leute mit mehr Talent bei der Schriftdeutung können sich hier die Setlist ansehen und mir dann vielleicht weiterhelfen, zumal es wirklich ein schönes Stück Musik ist.

"Flowers And Blood" ist dann aber sowohl lesbar, als auch mir bereits bekannt. Ein wunderbarer Albumtitel, bei der die Stimme von Mariee so herrlich lieblich, klar und rein ist, das mir fast die Spucke wegbleibt. Strophen werden mehrfach wiederholt und graben sich so noch tiefer ins Gedächtnis ein. " I never asked you to find my twin, but there you are ( x 2), And I never asked for the spools to unspin, but there they roll (x 2)...

Das I zieht sie dabei herrlich in die Länge und singt wie der schönste Vogel weit und breit. Schade nur, dass danach schon Schluss ist. Zumindest fast. Das schöne Kind erfrischt sich ein wenig an der Bar, plaudert mit einer Freundin und wird noch einmal auf die Bühne zurückgeklatscht, wo sie ein Lied vortragen wird, das sie mit süssen 18 Jahren geschrieben hat. "Icarus Eye", so der Name dieses Nachthupferls.

Hach, wäre ich doch bloss pünktlich gekommen! Aber auch so hat es sich definitiv gelohnt und bei einem Drink auf der Terrasse sitzt Mariee gleich neben uns und lässt sich geduldig abknipsen. Künstler wird das mit Sicherheit oft lästig sein, aber es wäre eine Sünde dieses niedliche Gesicht nicht abzulichten!

Setlist Mariee Sioux, Sunset, Paris:

01: Friend Boats
02: Two Tongues
03: Old Magic
04: Bundles
05: Wizard Flurry Home
06: Twin Song
07: Tule
08: Wild Eyes
09: W.F.F.
10: Love Song (The Cure Cover)
11: Neu (...Ball Of Fire)
12: Flowers And Blood

13: Icarus Eye


Links:

- Mariee Sioux im Vorprogramm von Alela Diane in der Cigale 2008
- Mariee zusammen mit Alela am 29.04.08 in München von Eike, Teil 1
- Mariee + Alela, Eike Teil 2





 

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