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Mittwoch, 10. Mai 2017

Ten Fe, Köln, 05.03.2017

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Konzert: Ten Fe
Ort: Köln, Studio 672
Datum: 05.03.2017
Dauer: 65min
Zuschauer: ca. 80


Ein Abend im Studio 672, dem Kellerraum des Stadtgarten in Köln, beginnt gewöhnlich mit dem Warten vor einer geschlossenen Eisentür. Heute ist überraschenderweise schon geöffnet und so entfällt der übliche Plausch mit den frierenden Zuschauern unter dem, meistens abgeschalteten Heizpilz.

"Ten Fe" haben mit "Hit the light" ein Album veröffentlicht, dass vor 10 Jahren wahrscheinlich noch zum großen Durchbruch gereicht hätte. Absolut poppige (im positiven Sinn) perfekt arrangierte 3-Minüter, die auch im Radio mühelos aus dem üblichen Einheitsbrei hervorstechen würden. 



So ging es zumindest mir. Mein Internet-Lieblingssender aus den Niederlanden spielte sowohl die Single "Elodie" als auch "Overflow" des öfteren und erhaschte so meine Aufmerksamkeit. Live ist die Band an diesem Abend schon komplett im Tour-Modus. 

Das ganze Jahr über werden "Ten Fe" noch unterwegs sein. Die kurze Setlist baut gut aufeinander auf, die (fast alle) sehr langhaarigen Musiker versprühen gute Laune und sind durch jahrelanges Jammen auf Londerner Straßen perfekt vorbereitet.


Lange habe ich schon kein Konzert mehr mit so vielen gefälligen Melodien zu hören bekommen. "Burst", mein Lieblingssong von der CD, kommt live noch etwas rockiger zur Geltung. Als Zugabe dann noch ein herrlich, entschleunigte Version von "Underworlds" Born Slippy und schon ist der Abend leider vorüber. 

Die Band dankt es mit ausgiebigem Smalltalk und Autogrammen am Merchstand. In kleinerem Rahmen wird man "Ten Fe" auf jeden Fall nicht mehr zu sehen bekommen. Erleben kann man sie diesen Sommer noch beim "Juicy Beats Festival" in Dortmund und beim "Alìnae Lumr Festival" in Storkow. 

Fotos: Michael Graef


Montag, 29. Februar 2016

The Prettiots, Köln, 28.02.16

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Konzert: The Prettiots
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 28.02.2016
Dauer: knapp 45 min
Zuschauer: etwa 40




Ehrlich gesagt war ich nicht richtig überzeugt, als ich heute zum Konzert der Prettiots ins Studio 672 gefahren bin. Ich kannte ein Video der Prettiots. Ein Duett mit Ukulele und Bass. Daß kaum jemand da war als ankamen, steigerte meine Euphorie nicht. Wenn ich vorher gewusst hätte, daß ich Lieder von den Vengaboys, Queen und Aqua hören würde und ich nicht verabredet gewesen wäre, wäre ich vermutlich zu Hause geblieben. Aber es zeigte sich wieder einmal, daß Unwissenheit auch hilfreich sein kann, denn der Abend mit The Prettiots war herrlich unterhaltsam!

Die Prettiots sind ein Duo aus New York, das im Februar seine Debütplatte Funs cool bei Rough Trade veröffentlicht hat. Offenbar erwartet man beim Label oder beim deutschen Vermarkter eine große Karriere, das komplette Konzert wurde von zwei Kameras gefilmt. Es wirkte absurd, daß in dem überschaubar gefüllten Studio 672 vor der Bühne nur der Kameramann stand. Das wäre eine schöne Chance für jede Menge Häme, wäre das Konzert schlecht gewesen. War es aber nicht.

Die Band kam bereits um 20:45 Uhr auf die Bühne. Die Prettiots sind Bassistin Lulu Landolfi und Ukulelistin* Kay Kasparhauser**. Begleitet wurden die beiden von einem Schlagzeuger.

Die Instrumentierung blieb das Konzert über so - Ukulele, Bass, Schlagzeug. Meist singen Kay und Lulu gemeinsam, dabei ist Kays Stimme, die etwas an Schlumpfine erinnert, unegewöhnlich. Auch das - Dauer-Ukulele und Piepsstimme - klang nicht verlockend. Es klappte aber erstaunlich gut. Die Songs sind live sehr gut, das Konzert war kurzweilig. Die besten Lieder waren Boys (that I dated in highschool) und Suicide hotline ("I wrote it to my therapist, I hope you'll enjoy it"). Beide Lieder waren schöne Beispiele, daß ich mit ganz falschen Erwartungen an den Abend gegangen war. Denn der bittere Text von Suicide hotline ("I'm not fine, but I'll be okay. I probably won't kill myself today") und die Abrechnung mit den Dates der Highschool ("Ian was a DJ [...] He was so good at texting, but our real conversations vexed me. So I moved on to the next thing, 'cause he was only good at texting"), dazu wirklich gute Melodien, die erstaunlicherweise trotz der Ukulele nicht eintönig wirkten, das war sehr viel besser als von mir erwartet.


Die andere Geschichte des Abends waren die Cover... Schon auf der Platte befinden sich zwei, eines von den Misfits und eines von Dolly Parton (alleine diese Kombination!). Das von Dolly Parton (Me and little Andy) spielten die Prettiots. Ziemlich am Anfang hatten sie einen Song von Labelmates vorgetragen, Someday von den Strokes. Wirklich abenteuerlich wurde es nach dem tollen Move to L.A.. Kay kündigte ein Lied an, daß sie eigentlich für ihren kleinen Bruder gecovert habe. Der Song war dann ein Medley aus Boom, boom, boom, boom!! von den scheußlichen Vegaboys und Barbie girl von Aqua. Abenteuerlich! Aber eben auch ein sehr großer Spaß! Und viel besser als die Originale!

Nach Dream boy war das Konzert eigentlich beendet, Kay war mit den drei noch übriggebliebenen Platten auf dem Weg zum Merchtisch. Die drei Musiker entschieden sich für ein weiteres Cover als Zugabe, daß ich als bewußter Queen-Ignorant nicht erkannte (Fat bottomed girl). 

Es war ein wirklich sehr unterhaltsamer Abend mit den Prettiots. Ins Bett gehe ich jetzt mit einem Vengaboys-Song im Ohr. Himmel hilf!

Setlist The Prettiots, Studio 672, Köln:

01: Stabler
02: 18 wheeler
03: Someday (The Strokes Cover)
04: Hope yr happy
05: Blow it (neu)
06: Tellabecca (?) (neu)
07: Suicide hotline
08: Boys (that I dated in highschool)
09: Me and little Andy (Dolly Parton Cover)
10: Move to L.A.
11: Boom, boom, boom, boom!! (Vegaboys Cover) & Barbie girl (Aqua Cover) Medley
12: Dream boy

13: Fat bottomed girl (Queen Cover) (Z)


* heißt das wirklich so?
** heißt die wirklich so?



Dienstag, 10. November 2015

Mercury Rev, 09.11.2015, Studio 672, Köln,

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Konzert: Mercury Rev
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 09.11.2015
Dauer: 80min
Zuschauer: 250 ausverkauft




Ich war realistisch. Das Konzert in Tilburg vor zwei Monaten war wie ein Geschenk an die Band Mercury Rev, der Traum mit Orchester alle ihre Lieblingslieder und Coverversionen live zu spielen war erfüllt worden. Jetzt steht die "normale" Clubtour zur neuen Platte an, und das im winzigen Studio 672 in Köln. 

Als Fan wünscht man sich ja heute eher das kleinste Konzert der Tour zu sehen, da viele Veranstaltungen mittlerweile zu Großevents verkommen, bei Mercury Rev sehe ich das ausnahmsweise anders. Zu ihrer Musik gehört seit längerem die große Show für diese oft "Dream-Pop" gescholtene Musik. 

Und so steht man dann im Keller des Stadtgartens und kann nicht glauben das dies ein besonderer Abend werden soll. Wieder hat man durch die langen Veröffentlichungspausen zwischen den Alben viele Fans verloren. Auch die neue CD ist mir, trotz guter Songs wieder zu glatt und ohne Kanten produziert. Das kann und soll wohl an die erfolgreichste Zeit von "Deserter`s Songs" anknüpfen, aber nach diesem Abend weiß man erst, wie viel Potenzial hier auf der Strecke blieb.


Für mich war Mercury Rev immer Live die bessere Band. Vor dem Erfolg mit süßen Zuckermelodien waren sie bekannt für Gitarrenwände, unzählige Instrumente und Gastmusiker auf der Bühne. Was sich nun gestern bot war schwierig in Worte zu fassen. Kritik sollte immer angebracht sein wenn es nötig ist, oft kommt es hier ja zu positiven Berichten, da wir fast nur Konzerte besuchen, die uns sowieso gefallen, ohne in professionelle Berufsmäßigkeit zu verfallen. Hier aber war auch objektiv gesehen alles perfekt. 

Selten hörte ich am Ende eines Konzertes so oft Sprachfetzen wie "Sensationskonzert", "unfassbar oder "spielten um ihr Leben". Ganz so dramatisch würde ich es nicht nennen, aber um das Überleben der Band geht es mit Sicherheit nach so langer Pause wieder. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Band spielte einen entfesseltes Konzert wie ich es noch selten erleben durfte.

Die ersten 30 Minuten waren so perfekt, dass ich rundum in staunende, fassungslose Gesichter schaute. Ich habe keine Ahnung wie ein solcher Sound aus der minimalen Hausanlage des Clubs möglich war. Es klang wie ein Konzert immer klingen sollte.


Der Bass, der alleine die halbe Bühne einnahm, sowie die Bassdrum führten fast zum (positiven) Herzstillstand, Grashoppers Gitarrre klang glasklar in jedem Ton seiner typischen "Edge"-artigen Gitarrenwänden. Dazu Jonathans Engelsstimme (auch er spielte seit Jahren endlich wieder mehr Gitarre, was für eine Freude in seinem Gesicht) sowie ein Keyboarder, der zusätzlich die Querflöte wie eine weitere E-Gitarre variierte.

Dazu eine von der Band gelieferte Lichtshow mit Flash, Variolights und einer Menge Bodennebel, deren Einsatz für erheblich größere Spielstätten der Tour ausgelegt war. Das alles führte zu einem Wall of Sound wie ich ihn von Mercury Rev seit ca. 1996 nicht mehr gehört habe.

Endlich haben sie live den Mut, zur ihren Wurzeln zurückzukehren. Alte und neue Songs werden in komplett aufgelösten, aber perfekt arrangierten Versionen dargeboten. Alles ist chaotisch aber zutiefst melodisch, immer eine frühe Stärke der Band. 

"The funny Bird", "Enlessly", "Frittering", wie lange hat man diese Songs nicht mehr in vollem Feedbacksound gehört. Die Band strahlt über beide Backen, sie wissen das sie jetzt wieder zurück sind, kraftvoller als je zuvor. Am Ende folgen die Deserter`s Songs. Sie wirken im neuen Gewand eher wie die Verlierer. Hier fehlen die Nuancen, das enorm druckvolle Spiel macht sie nicht stärker.


Ausgenommen dabei Opus 40, dass ruhig beginnt und zu der Jonathan die vorab nicht überzeugende "Nicole Atkins" auf die Bühne bittet. Der Song entwickelt sich zu einer Orgie des Klangs und nach gefühlten 20 Minuten mit ausuferndem Ende steht er wie ein Monolith im Raum. So muss ein Konzert enden.

Als Zugabe noch "Godess on a Highway", als einziges Stück sehr nah am Original, und wie fast immer das starke "The Dark is Rising". Es ist der wundervolle Text, Liebeslied und Lebensbeichte zugleich, der dieses Lied zurecht als Finale gelten lässt. Es ist so schön, es sollte nie vergehen: 

"I always dreamed of big crowds, but dreams don`t last for long. I always dreamed i love you, I`d never dream to loose you, but in my dreams I´m always strong.


Setlist:

1. The Queen of Swans
2. The funny bird
3. Autumn`s in the air
4. Endlessly
5. Frittering
6. Are you Ready?
7. You`re my Queen
8. Diamonds
9. Central Park East
10.Holes
11.Tides of the moon
12.Coming up for air
13.Opus 40
----
Z: 
Goddess on a Highway
The Dark is Rising 

Montag, 14. September 2015

Kafka Tamura, Köln, 12.09.15

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Konzert: Kafka Tamura
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 12.09.2015
Dauer: 57 min
Zuschauer: ca 60 & 10...*



Kafka Tamura sind eine dieser Bands, die alles haben, um durch die Decke zu gehen, denen das aber scheinbar nicht gelingt. Oder "noch nicht", um es etwas weniger pessimistisch klingen zu lassen.


Die deutsch-englische Band hat eine tolle Gründungsgeschichte, eine Sängerin mit aufregender Stimme, gute Songs und einen Sound, der absolut in sein sollte. Eigentlich müssten die drei Kafka Tamuras mit dem kürzlich erschienenen Album also schon in mittelgroßen Clubs spielen und bereits aus dem Studio 672 herausgewachsen sein. Im März hatte ich die Band in Frankfurt vor etwa 50 Zuschauern gesehen, nachdem ich sie anderthalb Jahre vorher auf einer Dachterrasse in Paris kennengelernt hatte (ohne Instrumente). Jetzt gibt es die Debüt-LP, nach Köln waren aber trotzdem kaum mehr Leute gekommen - sehr schade! Offenbar hatte ein Zeitungsartikel, der auf das Konzert hinwies, noch einmal Zuschauer motiviert, richtig zu kennen schien ein Großteil der Gäste die Gruppe nicht. Dummerweise waren unter den vielleicht 70 Zuschauern auch eine Menge Leute, die "trotz Band" ins Studio 672 ausgegangen waren und sich enorm laut und lachend unterhielten. Daß es Leute gibt, die gezielt zu Konzerten gehen, sich darauf freuen, vielleicht dafür von sonstwo anreisen, scheint so Menschen nicht in den Sinn zu kommen. Miese Kinderstube. Es ist mittlerweile sehr oft so, daß es nach 40, 45 min bei Konzerten lauter wird, weil offenbar die Aufmerksamkeitsspanne nur so lange anhält. Aber von Beginn an in einem kleinen Raum so laut zu stören, ist einfach Zeichen miesester Manieren. Und dazu der Band und der (jungen) Sängerin gegenüber unverschämt.

Emma Dawkins machte auf mich in Frankfurt noch einen sehr unsicheren Eindruck zwischen den Liedern. Wenn ein Lied losging, war davon nichts zu spüren. Die junge Sängerin hat eine Wahnsinns-Stimme und sang sich souverän durchs Set. Nur dazwischen merkte man ihr eben an, daß die Situation ungewohnt ist. Ein halbes Jahr später war sie viel lockerer und sicherer. Ihre musikalische Qualität hat sich glücklicherweise nicht verändert.

Die drei Kafkas, Emma - Gabriel und Patrick -  wurden wieder von zwei Musikern begleitet. Gitarre, Bass, Schlagzeug und viele Keyboards, dazu Emmas Stimme. Gerade die Keyboards waren aber das, was mir diesmal weit weniger gefiel. Es gab Stücke, bei denen die elektronischen Klänge  flach klangen und zu den ausgezeichneten Songstrukturen und den tollen Analoginstrumenten nicht passten. Ganz deutlich wurde der Unterschied am Ende, als nur Patrick, Gabriel und Emma erst Liar und danach eine alternative Version von No hope (als Zugabe) spielten. Brillant! Die 80er Keyboards verwässern das bei einigen der anderen Stücken live. Bei einigen..., es gab natürlich auch die Überhits Somewhere else, Lullabies oder Blood stains, die absolut perfekt waren. Aber die abgespeckten Titel am Ende überstrahlten alles! 


Kafka Tamura sind eine spannende Band mit viel Potential. Hoffentlicht erfährt das auch noch die verdiente Anerkennung!

Setlist Kafka Tamura, Studio 672, Köln:

01: Intro
02: Nothing to everyone
03: Somewhere else
04: Feral child
05: Lullabies
06: ?
07: Bones
08: Blood stains
09: ?
10: No hope
11: Bruises
12: Liar

13: No hope (alternativ) (Z)

Links:

- Kafka Tamura, Frankfurt, 17.03.15

*...Idioten



Dienstag, 18. November 2014

Courtney Barnett, Köln, 17.11.14

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Konzert: Courtney Barnett
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 17.11.2014
Dauer: gut 65 min
Zuschauer: fast ausverkauft



Daß ich auch am Montagabend wieder in einem vollen, krachigen Club stehen musste und nicht gemütlich auf dem Sofa liegen und die neue Auto. Motor, Sport lesen durfte, habe ich der kanadischen Band Islands zu verdanken. Und meinem schlechten Gedächtnis. Islands kamen mir bekannt vor, als ich über dem Lineup des Primavera-Festivals brütete und meinen Tag plante. Ich war überzeugt, die Band 2007 beim Wireless-Festival gesehen zu haben und gemocht zu haben. Als ich am Primavera-Samstag vor der Bühne stand und der Gruppe zuhörte, wunderte ich mich über meinen schlechten Musikgeschmack. Die wollte ich unbedingt sehen? Erstaunlich!

In Barcelona wollte ich sie nach zwei Liedern nicht mehr hören. Auf der Nachbarbühne begann ein paar Augenblicke später Courtney Barnett, die ich für eine Folktante hielt und eigentlich nicht hatte sehen wollen. Aber besser als Islands wäre sie sicher, also wechselte ich Plätze und wurde in der kommende Dreiviertelstunde umwerfend gut unterhalten! Die Folktante entpuppte sich als Band, die ein knackiges, enorm packendes Konzert spielte, das viele als das (zweit)beste des Festivals empfanden.*



Courtney Barnett ist Australierin und veröffemtlichte 2012 und 2013 zwei EPs (die als A sea of split peas noch einmal aufgelegt wurden). Ihren Stil kann ich auch nach einem halben Jahr noch nicht beschreiben. Mit Folk hat die Musik der damals drei, heute vier Musiker jedenfalls nichts zu tun. Auch nichts mit Singer-Songwriter-Zeugs. In die Kategorie passten vielleicht die letzte Zugabe Depreston, die Courtney solo spielte. Depreston (oder doch Depressed, wie ich ursprüglich verstanden hatte?) wird auf dem ersten - die Sängerin sagte, auf dem nächsten - Album erscheinen. Auch einige andere Stücke waren mir neu und erscheinen vermutlich auf dem Debüt. 

Alle Lieder - alt und neu - hatten gemeinsam, daß sie mitreißend melodiös und toll instrumentiert sind. Die vier Musiker (neu für mich war der Keyboarder) schmetterten uns ein Stück nach dem anderen dicht hintereinander um die Ohren. Lance jr. und Canned tomatoes (whole) verschmolzen zu einem Lied. Es war flott, es war laut und es war wundervoll! Auch wenn es nicht von großem musikalischem Sachverstand zeugt, die immer gleiche (noch dazu unbekannte) Referenzband zu bemühen, auch Courtney Barnett erinnerte mich ein wenig an die fabelhaften Babies um Kevin Morby.

Was mir mit offenem Mund beim Barcelona-Konzert gar nicht richtig aufgefallen war, ist Courtneys fabelhafte Stimme. Die Stücke funktionierten vermutlich auch von anderen gesungen gut, aber ihr Gesang macht auch einen guten Teil des Reizes aus. Leider waren für mich die Stimmen der anderen kaum auszumachen. Beim Primavera spielte mehrstimmiger Gesang eine deutlich größere Rolle. Vielleicht war dies heute der großen Lautstärke des Konzerts geschuldet (lauter als Thurston Moore am Vorabend).

Am Ende fragte die Sängerin, was sie sich denn morgens noch in Köln angucken solle. Hoffentlich war der Dom-Tipp so gut, daß sie schnell wiederkommt. Das Konzert war ein Knüller und Knüller sehe ich gerne wieder!

Die Einleitungs-Islands waren übrigens The Little Ones. Warum mein Gedächtnis da so viel Phantasie entwickelt hat, weiß ich wirklich nicht. Aber es hat seinen Zweck erfüllt.

Setlist Courtney Barnett, Studio 672, Köln:

01: David
02: Lance jr.
03: Canned tomatoes (whole)
04: Scotty says
05: Don't apply compression gently
06: ? (neu)
07: Out of the woodwork
08: Anonymous club
09: Are you looking after yourself?
10: Blah
11: Pedicure (neu)
12: Avant gardener
13: History eraser

14: Depreston (neu) (Z) 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Courtney Barnett, Barcelona, 31.05.14

* ...Slowdive 

Fotos: Archiv (Barcelona)


Mittwoch, 17. September 2014

Samaris, Köln, 16.09.14

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Konzert: Samaris
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 16.09.2014
Dauer: 70 min
Zuschauer: rund 40 (und zwei, die nach dem ersten Lied wieder gingen)



Eigentlich hatte ich Samaris bereits im Februar sehen wollen. Das Trio aus Island spielte damals in der Wohngemeinschaft in Köln - und ich stand ein paar Kilometer entfernt in einem Stau auf der Flughafenautobahn. Da der Saal der Wohngemeinschaft klein ist, sich die Eingangstür zwischen Bühne und erster Reihe befindet, die Konzerte pünktlich beginnen und ich fünf Minuten nach Beginn erst aus dem Stau rauskam, fuhr ich gleich wieder zurück. 

In den letzten Tagen war wieder überall Stau. Die Fahrten zu Slowdive, Pelle Carlberg und Blouse waren stauverseucht. Ich rechnete fest damit, Samaris auch diesmal zu verpassen aber offenbar guckte jeder Fußball und ließ mich in Ruhe. 

Als ich kurz vor dem offiziellen Beginn ankam, war es noch sehr leer im Studio 672. In den 20 Minuten nach dem angekündigten Start füllte es sich noch ein wenig, sodaß etwa 40 Zuschauer den Auftritt der drei Musiker erlebten. Samaris sind Áslaug Brún Magnúsdóttir (Klarinette), Þórður Kári Steinþórsson (Elektronik) und Jófríður Ákadóttir (Gesang). Ich hatte zunächst nur Augen für die rechts stehende Klarinettistin. Klarinetten halte ich schon immer für eklige Dinge, eine Band anzugucken, deren zentrales Instrument, eine ist, konnte ich mir lange nicht vorstellen. Leider verliert durch den Auftritt der Isländer mein liebster (und einziger - und vor allem hier schon oft erzählter) Musik-Witz seine Pointe. Denn am schönsten klingt eine Klarinette plötzlich nicht mehr leise knisternd in einem Kaminfeuer sondern bei Samaris!

Zentrales Instrument stimmt nur zum Teil. Die beiden anderen - Þórðurs Elektrobeats und Jófríðurs Stimme sind ebenso prägend. Dabei erinnerte mich die Stimme der Sängerin an irgendwen. Als ich sie näher betrachtete, fiel mir an, an wen. An die Sängerin von Pascal Pinon. Dies ist wenig überraschend, da es die selbe Person ist - ich hatte das beim Hören der Samaris CDs nicht kapiert.

Die Lieder sind ähnlich aufgebaut. Zu leichten Klarinette-Klängen, dem sphärischen Gesang auf Isländisch kommen Triphop Rhythmen, die mich immer wieder an Portishead erinnerten. Diese Beats muß man mögen - manche der Stücke sind sehr elektronisch - wenn man das tut, verzaubern sie durch dezente Klarinette und die wundervoll entrückte Stimme.


Jófríður erklärte einige der Lieder. So handelt Góða tungl beispielsweise vom "lieben Mond", den man in düsteren Island-Nächten schätze. Der Text von Ég vildi fegin verða sei ein altes Gedicht, das ein Alkoholiker seiner Frau geschrieben habe, Lífsins ólgusjór handelt vom Leben und dem Meer - alles sehr isländische Themen (vermute ich), die in sehr schöner Form verpackt werden.

Mir gefiel Samaris ausgezeichnet. Trotz Klarinette (mindestens). Aber auch Áslaug Brún schien das Instrument nicht ganz freiwillig gelernt zu haben. Sie hielt ihre Klarinette nämlich in jeder Pause wie eine Gitarre und zupfte daran!

Ein tolles Konzert! Und jetzt suche ich mir eine Band mit Saxophon.

Setlist Samaris, Studio 672, Köln:

01: Nótt
02: Hafið
03: Tíbrá
04: Brennur stjarna
05: Ég vildi fegin verða
06: Sólhvörf
07: Hrafnar
08: Góða tungl
09: Stofnar falla

10: Lífsins ólgusjór (Z)


Montag, 8. April 2013

Nive Nielsen & The Deer Children, Köln, 07.04.13

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Konzert: Nive Nielsen & The Deer Children
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 07.04.2013
Zuschauer: 50 bis 60 (darunter ein Idiot)
Dauer: genau 60 min



Als ich aus dem Stadtgarten kam, hoppelten zwei Kaninchen über einen kleinen Grünstreifen. Auf der abgehetzten Hinfahrt fuhr auf der Autobahn eine Weile ein offenes Cabrio (bei 8° C) neben mir her, Fahrer und Beifahrerin werden morgen Mittelohrentzündungen haben aber hey - es ist jetzt Frühling!

Auch in Südgrönland war es heute mild. In der Region Narssarssuaq lag die sonntägliche Höchsttemperatur bei 12° C, wir hatten also gleiches Wetter, die Grön- und die Rheinländer. Im Studio 672 stand heute mit Nive Nielsen eine der ersten Gruppe auf dem Programm.

Ich hatte vergessen, daß Nive Nielsen und ihre Deer Children heute in Köln Station machen würden, eines meiner sozialen Netzwerke hatte versagt. Bei lastfm hatte ich heute morgen geguckt, ob etwas in Köln stattfände. Nive Nielsen tauchte da bei meinen empfohlenen Konzerten nicht auf. Plattform zwei, Facebook, rettete den Abend. "Liebe Kölner, liebe Münsteraner! Ihr solltet heute bzw. morgen unbedingt diese tolle Musik aus Grönland anhören und -gucken!"

Dummerweise war es da schon kurz vor sieben, und die Website des Stadtgartens, in dessen Keller das Studio 672 liegt, war unerfreulich unpräzise. 20.30 Uhr. War das der Einlass, der Beginn? Gäbe es eine Vorgruppe? So schrecklich schwer ist es doch gar nicht, ein paar grundlegende Informationen auf die eigene Webseite zu stellen. Jedenfalls hätte ich es mir um zwanzig nach sieben fast anders überlegt, weil mir das Risiko, in ein schon laufendes Konzert reinzukommen, zu groß war. Naja, ich bin (Überraschung!) hingefahren, habe einen Parkplatz und eine Karte gefunden und war kurz vor Beginn des vorgruppenlosen Abends im Kellerclub. Hätte ich mich nicht hungrig abgehetzt und auf eine Vorgruppe spekuliert, wäre der Abend ein riesiger Flop gewesen. Als das erste Lied (Room) vorbei war, war er das Gegenteil! Lange habe ich kein so wunderschönes Stück mehr gehört. Für diese drei Minuten hatte sich jede Abhetzerei gelohnt!


Nive Nielsen hatte fünf Begleiter mitgebracht, einen Schlagzeuger, einen Bassisten, einen Keyboarder (der aber auch Autoharp, Glockenspiel, Schlagzeug und Gitarren spielte) und zwei weitere Gitarristen (die als Zweit- und Drittinstrument Banjo bzw. Keyboard und Klarinette spielten). Die enorm sympathische Sängerin wechselte zwischen Gitarre und einer knallroten Ukulele. Manchmal waren vier Gitarren im Einsatz, es war also nicht der ruhige Folkabend, den ich eigentlich erwartet hatte.

Das (teil)bestuhlte Studio, das (haha!) gesetztere Publikum, die nach Rockpalast aussehenden Begleitmusiker und das erste Stück hatten noch auf eine ruhige Veranstaltung hingewiesen. Im Verlaufe des Konzerts dominierten aber durchaus die lauteren Stücke. Sehr oft begannen Lieder leise, steigerten ihre Lautstärke aber nach und nach sehr deutlich. Circumstances, das dritte Stück, ist ein Beispiel dafür. Es wurde richtig krachig gegen Ende und bescherte mir eine (absurd klingende) Assoziation der Musik der Grönländerin. Nives Titel erinnerten mich an Element of Crime mit weiblicher Stimme und ohne Trompete (dafür gab es ab und zu eine Klarinette). Vermutlich braucht man dafür schon arg viel weit hergeholte Phantasie, je mehr Lieder ich live hörte, umso mehr fühlte ich mich bestätigt.

Aber Schluß mit meinen Phantasien.


Es kam zwar keines der Stücke mehr an das am hellsten strahlende Room gleich zu Beginn ran, aber auch das restliche Programm überzeugte mich restlos. Circumstances, Wrong und das erste der beiden auf Grönländisch gesungenen Lieder gefielen mir dabei besonders. Wie dieser Song in Nives Heimatsprache hieß, weiß ich leider nicht mit Gewißheit. Sie sagte seinen Titel nicht an (bei Aqqusernit tat sie das, auch wenn meine aufgeschriebene Version davon abenteuerlich abweicht). Auch ein Blick auf ihren linken Oberarm half leider nicht. Da stand zwar Nives Setlist, ich stand aber zu weit weg, um sie lesen zu können.

Ich stand auch eigentlich wit genug von dem oben erwähnten Idioten in der letzten Reihe weg, der das Konzert seiner Freundin erklärte. Er tat das so laut, daß ich dauernd im rechten Ohr Sachen wie "die Gitarre ist kaputt" hören musste. Es war der Bass, nicht die Gitarre, geschenkt! Er war auch nicht kaputt, ein Kabel war es offenbar. Aber dieses penetrante (und viel zu laute) Kommentieren von Sachen, die jeder sieht, war schrecklich. Ich wette, Kollege Nervensäge ist auch der, der "Telefon" sagt, wenn irgendwo eines klingelt. Vielleicht waren Nive und die Deer Children auch seinetwegen so herrlich laut, genutzt hat es aber wegen der vielen ruhigen Passagen wenig.


Einer der Gitarristen (der mit den Banjo - ich habe nur seinen Nachnamen Petersen verstanden) sagte irgendwann in einer Stimmpause, daß wir ruhig (alle bis auf Ihrwisstschon) und dunkel seien. Er gucke in einen schwarzen Raum. Daraufhin drehte der Techniker etwas Licht im Zuschauerraum an, der Musiker entdeckte eine Discokugel. "Gibt es einen Motor?" - "Elektromotor?" bemühte er sich auf Deutsch. Und der Motor ging an, die Kugel drehte sich. "Fine for a Greenlandic disco song!" - Aqquesernit (der Name ist so toll, daher schreibe ich ihn so oft), bei dem Nive ein Kazoo spielte!

Ich habe mich gestern auf der Rückfahrt im offenen Cabrio gefragt, ob die Ebay-Erfinder, dieses Pez-Figuren sammelnde Paar, auch noch Dinge über ihre Website kaufen und verkaufen. Daß ich das Konzerttagebuch täglich (auch passiv) nutze, hat sich heute mal wieder ausgezahlt. Ohne Gudruns und Olivers Berichte wäre ich vielleicht nie bei Nive Nielsen gelandet- ganz schön doof!

Setlist Nive Nielsen & The Deer Children, Studio 672, Köln:

01: Room
02: Pirate song
03: Circumstances
04: Easily
05: Uulia (?)
06: Dear Leopold
07: Granma
08: Vacuum cleaner killer
09: Done & gone
10: Wrong
11: Rock 'n' roll (for Abner Jay)
12: In my head
13: Aqqusernit

14: Good for you (Z)

Links:


- Nive Nielsen And The Deer Children, Paris, 12.06.12 
- Nive Nielsen And The Deer Children, Beverungen, 27.05.12 



Donnerstag, 21. Juni 2012

Einar Stray, Köln, 20.06.12

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Konzert: Einar Stray - Monophona (c/o pop)
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 20./21.06.2012
Zuschauer: etwa 30-40
Konzertdauer: etwa 23:30-0:15 Uhr und 0:30-1:45 Uhr


Bericht von Gudrun aus Karlsruhe

Das Leben eines Konzertbesuchers kann manchmal ganz schön hart sein. Dabei sah alles überraschend gut aus. Noch in Koblenz waren nämlich Wolken und Rhein ununterscheidbar verwoben in dunkelstem Regengrau. Definitiv kein Wetter zum unterwegs sein. Knapp eine Stunde später in Köln schien dann aber die schönste Sommersonne und als ich von meinem Quartier in Ehrenfeld in den Kölner Stadtgarten flanierte, entfaltete die Aussicht auf die heitere Atmosphäre dort und das sicherlich schöne Konzert eine meine Schritte beflügelnde Energie. Im Blick auf den Wegweiser zum "Aachener Weiher" rückte für mich Köln-Ortsunkundige auch ein Puzzleteil an seinen Platz...

Im Stadtgarten war von der c/o pop schon einiges zu sehen: Ticketstände, abgegrenzte Künstlerbereiche und Plakate. Sehr viel mehr Bierzeltgarnituren als sonst. Noch eher die Ruhe vor dem Sturm, aber doch schon mit einer gewissen bienenhafte Emsigkeit. Ich war zur angegebenen Einlasszeit 21 Uhr da (das Konzert sollte ja schon 30 min später losgehen). In die erste Wartezeit spielte draußen eine Band auf und das passte gut zum Wetter und zur Stimmung. Danach wurde es langsam etwas lang. 30 min nach der Einlasszeit gab es die erste Ansage, dass sich noch etwa 15-20 min Verzögerung ergäben wegen technischer Probleme. Nicht schön, aber auch kein Beinbruch. Blöd dabei nur, dass man nirgendwo gemütlich warten kann, wo man auch das Geschehen an der Tür im Blick haben kann. Also stehen, Rucksack in den Matsch stellen und gute Miene zum bösen Spiel machen.

22:30 Uhr stand im Raum, dass das Konzert vielleicht ganz ausfallen muss. Schließlich gab es als Handreichung der Veranstalter freien Eintritt zum Konzert im Saal des Stadtgarten, das schon seit etwa 21:15 Uhr lief. Dort begannen die Headliner Princehorn Dance School ihr Set etwas später. Man konnte dort wenigstens sitzen und hoffen, dass dann auch Bescheid gesagt wird, wenn es unten im Studio 672 doch losgehen sollte. Die Musik war aber leider überhaupt nicht meins. Langweilig und körperverletztend laut. Naja. Es war ja auch einfach nur nett gemeint. Ich setzte mich einfach in den Vorraum, wo es leiser und gemütlicher war. Nur leider war überall das Inter-Netz schneckenlahm und ich schaffte es nicht einmal, meine Tageszeitung zu laden um die Wartezeit mit lesen zu verkürzen.

Kurz nach 23:00 Uhr kam doch endlich etwas Bewegung am Tresen auf: in einigen Minuten sollte es doch noch losgehen und beide Bands trotz der späten Stunde ihre Zeit bekommen! So saß ich schließlich 23:15 Uhr im Studio 672 (das mir wieder sehr gut gefiel) mit etwa 30 anderen wackeren, die gewartet hatten. Gegen 23:30 Uhr begann der Support Monophona aus Luxemburg sein Set.

Das ist eine Frauenstimme (meist mit Gitarre dazu - akustisch oder elektrisch verstärkt), ein Soundtüftler an diversen Spielzeugen und ein Mann am Schlagzeug. Ich war vom ersten Takt an fasziniert. Außer der Frauenstimme (die aber wirklich toll ist und dabei keinem herkömmlichen Cliché genügt) entspricht die Musik gar nicht meinem Beuteschema. Zu viele Beats - da bin ich ein bisschen allergisch (eine Macke darf jeder haben).

Aber hier, das ist wirklich wirklich gut und spannend. Fast so faszinierend wie einstmals Portishead (ohne das jetzt direkt vergleichen zu wollen). Aber das ist bisher die einzige Band, die mich auch über die Beats und die Frauenstimme gekriegt haben. Wenn dann im November das Album herauskommt, muss ich mir das noch einmal in Ruhe anhören. Hier vergingen die 45 Minuten aber wie im Flug und das Publikum äußerte sich mit dem gebotenen hochzufrieden - nur dass es wirklich keine Zugabe gab, war nicht nach unserem Geschmack.

Kritikpunkt dabei: Der Sound war leider nicht dolle. Insgesamt zu laut (für den kleinen Saal sowieso) und dann schaffte es viel zu häufig eine Lautsprecherbox in Resonanz so zu summen, dass alles andere darunter verschwand. Tödlich für die intelligent getüftelten Lieder. Innerlich musste ich darüber auch ein bisschen grinsen - gerade heute Vormittag hatte ich meinen Studenten versucht zu vermitteln, was alles passieren kann, wenn man nicht genug Dämpfung im Schwingungssystem hat (ich sage nur: Tacoma-Brücke). Aber hier war das Problem wohl eher, dass die äußere Anregung viel zu viel Energie hatte... Und eine der vielen Frequenzen im Sound ist dann schon die richtige, die es leicht hat aus der Reihe zu tanzen bzw. die Box tanzen zu lassen.

Infos zur Band finden sich hier:
http://www.monophona.com/

Setlist Monophona, Studio 672, Köln:

01: Unfold
02: Let me go
03: Still
04: Cracks
05: Ribcages
06: Warrior
07: Give up
08: Shades
09: Spy


Fast sofort wurden möglichst schnell die nötigen Umbauten für das Set von Einar Stray vorgenommen. Unter der in der Pause eingespielten Musik war schon ein Stück aus dem Album zum vorfreuen dabei. Und 0:30 Uhr war es dann endlich soweit. Insgesamt 5 Musiker bevölkerten die kleine Bühne. Ich stand direkt vor Einar Stray, der meist am Keyboard saß, links waren zwei Mädchen an Cello und Geige, hinten ein E-Bassist und etwas versteckt in der rechten hinteren Ecke der Mann am Schlagzeug. Es wurde dann auch gleich geklotzt und nicht gekleckert. Mit Chiaroscuro wurde deutlich das Revier markiert. Lauter als erwartet, und in aller Emotionalität unglaublich lebensbejahend. Mir wurde dann auch schnell klar, warum es eigentlich nicht mehr singende Frauen mit Geige gibt (Frau mit Gitarre und Frau mit Klavier ist ja sehr üblich, aber mit den vielen geigenden Frauen sollten sich doch auch da mehr zum singen berufen fühlen rein statistisch gesehen). Die Haltung des Kopfes beim Geige spielen macht es fast unmöglich gleichzeitig ins Mikro zu singen... Ich schaute fasziniert und gebannt zu, wie sie es auf Zehenspitzen stehend doch schaffte und dabei wie zwischen Himmel und Erde aufgespannt aussah.

Die Ansagen kamen recht sparsam aber sehr sympatisch von Einar Stray selbst. Die Band war am selben Tag sehr früh aus Norwegen eingeflogen und nun hatten sie natürlich einen teuflisch langen Tag in den Knochen. Die Probleme mit dem Mischpult hatten Stunden gekostet und so richtig in Ordnung war es auch jetzt nicht. Im ersten Lied dachte ich noch an einen lustigen Einfall, dass zur Musik so etwas Lagerfeuerknacken gelegt wurde (die blanke Lagerfeuerromantik!) aber in der ersten Ansage wurde klargestellt, dass das Mischpult heute beschlossen hat die Schallplattenfassung zu zelebrieren. Es knackte halt wie von gutem alten Vinyl dazwischen. Nicht störend eigentlich, aber ich kann mir schon vorstellen, dass bis zu diesem Zustand allerhand Nerven gelassen wurden (meine ja schließlich auch da draußen beim warten...).

Die Körperlichkeit der musikalischen Darstellung war in diesem Konzert ganz ausgeprägt. Insbesondere Einar Stray veranstaltete ein richtiges Sitzballett am Keyboard, der Schlagzeuger gab ordentlich Energie in den Mix und bei den beiden Frauen war es ein euphorisches Glühen von innen heraus. Und Saiteninstrumente sind einfach toll für die warme Atmosphäre der Musik aus Norwegen ohne süßlich zu sein. Das Cello zu fotografieren war am einfachsten (aber das ist ja vielleicht auch nicht das Hauptaugenmerk in der künstlerischen Darbietung). Keinesfalls merkte man ihnen an, dass sie müde waren. Im Gegenteil - sie waren voll da und glücklich und steckten das Publikum sofort vom ersten Takt an damit an. Wir feierten die einzelnen Stücke ab, darunter auch diverse neue, mir noch unbekannte.

Schließlich waren also alle noch glücklich geworden.

Anschließend war die Band noch in aller Ausführlichkeit für ihr Publikum da zum schwatzen und Autogramme geben und Tonträger verkaufen. So ein schöner Abend! Schade, dass ich im September gerade selbst unterwegs bin, wenn Einar Stray wieder in Deutschland Konzerte spielt und sogar bis auf Weinheim an Karlsruhe heranrückt!

Lustiges am Rande: Die Cellistin hat eine sehr eigenwillige Setlist im Piktogrammstil. Aber im Zusammenlegen mit der Liste des Drummers (auf einen Kaffeefilter notiert..) sind die Bilder eigentlich alle klar, oder?

Dies ist jedenfalls ein besonderer Beitrag in meiner Rubrik: handgeschriebene Setlists.


Setlist Einar Stray, Studio 672, Köln ((A) heißt auf dem Album Chiaroscuro enthalten):

01: Chiaroscuro (A)

02: Yr Heart isn't a heart (A)
03: Envelope
04: We were the core seeds (A)
05: Build up
06: For the c
07: Caressed (A)
08: Teppet faller (A)

09: Beast (A) (Z)




Donnerstag, 31. Mai 2012

1 Foto, ein Satz, eine Setlist, Sharon van Etten, Köln, 30.05.12

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Konzert: Sharon van Etten
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 30.05.2012



So, aufgepasst, liebe Freunde!


Testweise möchten wir eine neue radikale Kurzform von Konzertberichten einführen. Die Rubrik lautet: "1 Foto, ein Satz, eine Setlist" und bietet die Möglichkeit, sich in sehr knapper und präziser Weise am Konzerttagebuch zu beteiligen. Jeder kann hier mitmachen und sich natürlich auch an einer Diskusssion über die Güte der jeweiligen Konzerte beteiligen.

Als Erster hat Gudio E. aus dem Saarland bei diesem Spielchen mitgemacht. Danke sehr!

1 Satz: " Sharon kam, sah und siegte"

1 Setlist:

01: All I Can
02: Warsaw
03: Save Yourself
04: Kevin's
05: Peace Signs
06: Give Out
07: Magic Chords
08: Ask
09: Solo
10: Leonard
11: Serpents
12: I'm Wrong
13: Joke

14: Life Of His Own
15: Love More

1 Foto: siehe oben



Sonntag, 13. Mai 2012

Princess Chelsea, Köln, 09.05.12

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Konzert: Princess Chelsea - support PIKACHUNES

Ort: Studio 672, Köln
Datum: 09.05.12
Zuschauer: etwa 60
Zeit: 30 min + 55 min

Bericht von Gudrun T. aus Karlsruhe


Christoph hatte im April hier im Konzerttagebuch auf die Konzerte der Prinzessin aus Neuseeland hingewiesen. Damals hatte ich mich dazu bekannt, ein Fan dieser fein gemachten abgründigen Popmusik zu sein, aber es sah so aus als müsste ich die Konzerte alle versäumen, da Köln der südlichste Ort der Tour war. Dann passte aber doch eine Dienstreise gut zum Kölner Konzert und ich gewann auch noch die Eintrittskarten - das Schicksal meinte es echt gut mit mir!



Ich habe mich im Vorfeld des Konzertes versucht zu erinnern wie ich auf Princess Chelsea aufmerksam geworden bin. Aber ich komme nicht mehr darauf. Im August 2011 hatte ich jedoch direkt bei ihr zwei Exemplare des Lil' Golden Book bestellt. Eine Scheibe diente als Weihnachtsgeschenk, die andere wärmte mein Herz. Meine Schwester hat nach Kiwiland geheiratet und erzählte mir, dass die kleinen goldenen Bücher die Pixi Bücher der anderen Seite der Welt sind, wobei die Geschichten eher Märchen sind als die thematisch weit gefächerten deutschen Unterwegsbücher für die kleinen. Da macht die Gestaltung auch gleich noch einmal mehr Sinn.

Als die Dresden Dolls zu Jahresbeginn ihre Konzerte in Neuseeland gaben und Amanda die Fans fragte, wer sich als Support dort eignen würde, schlug ich Princess Chelsea vor und tatsächlich eröffneten sie für die Dolls in Wellington. Das fand ich wirklich toll. Das war aber alles am anderen Ende der Welt.

Nun würde ich also im Kölner Stadtgarten im Studio 672 die Band live erleben!


Als ich 20:15 Uhr vor Ort eintraf, war ich mit eine der ersten. Der Club ist im Kölner Stadtgarten, der an diesem sonnigen Abend voller fröhlicher Menschen war. Er liegt im Keller, gefiel mir aber spontan sehr gut. Nett eingerichtet, überschaubar, kein Abstand zwischen Bühne und Publikum und das Publikum war extrem freundlich und spontan sympathisch. Gegen 20:50 ging es zunächst mit dem Support PIKACHUNES los. Die mit elektronischen Beats unterlegte streng durchchoreographierte Musik ist eigentlich nicht meine Welt. Beim surfen hätte ich nach 10 sec. weitergeklickt. Aber hier gab es einen leibhaftigen dahinschmelzenden jungen Mann dazu und der hat mich 30 min lang echt gefesselt! Ein bisschen komisch schon, wenn der Applaus des Publikums schon ins nächste Stück reinläuft, weil das eben so programmiert ist. Aber ich hatte das Gefühl, dass auch die anderen im großen und ganzen mit dem jungen Mann zufrieden waren. Es waren zu Beginn etwa 25 Leute da und während der halben Stunde und der anschließenden kurzen Umbaupause füllte es sich noch auf etwa 60 Leute so, dass der Club gefüllt war, aber noch alle gut Platz hatten.

Princess Chelsea waren live schließlich vier Musiker: Chelsea Nikkel (Die Prinzessin), Jamie-Lee Smith, Miles Loveless und Jonathan Bree. Wenn man ein bisschen schaut, sieht man dass alle von ihnen in mehreren Musikprojekten unterwegs sind. Miles kannten wir schon als PIKACHUNES, die beiden Damen hatten je zwei Keyboards und ein Glockenspiel und die Herren tauschten die Rollen an E-Gitarre und Schlagzeug während des Konzert mehrfach. Die Prinzessin stellte ihre drei Mitmusiker als ihre besten Freunde vor (mit diesen süß neuseeländisch gefärbten Vokalen) und dann ging es munter durch die Lieder des Albums mit zwei Cover-Versionen zusätzlich. Live hatten die Lieder meist eine rockigere Note und es wurde zwischendurch richtig laut, was viel Spaß machte. Es ist auch wirklich sehenswert, wenn sich jemand vorn so zum Obst macht: eine Triangel um den Hals hängen, eine Plastikrohr um die Schulter, dann in der rechten Hand einen Schlägel, der das Triangel, das Plastikrohr oder das Glockenspiel spielt (für das Triangel muss man sich vorbeugen, sonst klingt das nicht), die linke Hand spielt Keyboard und am Fuß ist noch ein Schellenring...

Das Publikum bedachte die Musik mit viel Applaus und es schien den Musikern mit dem Kölner Publikum gut zu gefallen. Hinterher fanden sich alle noch zum schwatzen und signieren ein und waren wirklich richtig nett. Ich musste mir dann noch das Digipack der CD kaufen, das viiiiel schöner aussieht als die Jewelcase-Versionen, die ich im August bekommen hatte.


Schade nur, dass es noch nicht so viel Material gab, damit war das Konzert schon gegen 22:30 Uhr vorbei.

Setlist Princess Chelsea, Studio 672 Köln

Machine of Loving Grace
Too fast to live
Julia
Positive Guy
Your Woman (White-Town-Cover)
Frack
Monkey Eats Bananas
Cigarette Duet
Ice Reign
Overseas
Cover version eines Liedes auf dass ich nicht mehr komme
Goodnight little Robot Child



Montag, 5. März 2012

Big Deal, Köln, 04.03.12

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Konzert: Big Deal
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 04.03.2012
Zuschauer: 39 (nicht ausverkauft)
Dauer: Big Deal knapp 40 min, Alt-J 18 (!) min


Ende des Jahres benannten deutsche Blogger* ihre liebsten Bands, Konzerte, Videos, Lieder und Newcomer des Jahres. Damals kannte ich Big Deal noch nicht, ansonsten wäre das anglo-amerikanische Duo in meiner Liste sicher weit oben gewesen!

Big Deal sind die Engländerin Alice Costelloe und der Amerikaner Kacey Underwood - und zwei Gitarren. Ihre Platte Lights out gehört aktuell zu meinen großen Lieblingen, obwohl sie sicher nichts aufregend Neues enthält und nur spärliche Instrumentierung noch kein Qualitätsmerkmal alleine ist. Wie die beiden ihre wenigen Mittel einsetzen, die beiden Gitarren und ihre fabelhaft passenden Stimmen, macht großen Spaß! Dazu enthält die Platte großartige Melodien und wird damit zu einem echten Knüller.

Heute abend waren Big Deal in Köln, die erste Station einer Mini-Deutschlandtour, die morgen in Berlin schon wieder endet.

So kurz wie die Tour war auch das Konzert. Die knappen vierzig Minuten reichten mir allerdings dafür aus, mein Urteil über die Platte bestätigt zu sehen. Big Deal sind wundervoll und machen ihrem Namen alle Ehre.

Zu Beginn des Abends standen noch wahnsinnig viele Instrumente auf der Bühne des Studio 672: Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboards. All der Kram wurde für Alt-J aus Leeds aufgebaut, die ganze 18 Minuten spielten. Alt-Js Musik ist schwer zu beschreiben, weil sie ein Sammelsurium aus allerlei (zum Teil sehr spannender) Elemente ist. Mal sangen der Gitarrist und der Keyboarder im Stile der Futureheads kurze Passagen, die nach Stimmsamples klangen, dazu kamen immer wieder Brüche in den Melodien, ein (tolles) Schlagzeug, das ganz eigene Lieder spielte, dann fies hoher Gesang. Auf echte Konzertdauer hätten mich Alt-J sicher extrem genervt, kurz allerdings war es eher spannend als fies. Das beste Stück war das dritte, das sehr laut und schnell war.

Nach Alt-J wurde alles leergeräumt und zwei Gitarren und zwei Verstärker auf die Bühne gebracht. Allerdings konnten Alice und Kacey noch nicht direkt anfangen, weil Kaceys Gitarreneffekte streikten. Nach ein paar Minuten gab der Sänger kurz Entwarnung, im Laufe des Konzerts gab es aber offenbar immer wieder Probleme, den Fluß und den Spaß beeinreächtigte das aber nicht. In der Reparatur-Phase vor dem Beginn musste Alice plötzlich den Entertainment-Part übernehmen, was der offensichtlich extrem schüchternen Britin nicht liegt. Man sah ihr die Erleichterung an, als es endlich losgehen konnte.

Big Deal spielten neun Stücke von ihrem Album, darunter die Single Talk und die großen Hits Visions, Chair und (vor allem) With the world at my feet. Bei zwei Gitarren und zwei Stimmen zweier schüchterner Musiker ist die Möglichkeit einer großen Bühnenshow natürlich eingeschränkt. Sprich: es gab keine. Alice stand rechts, trug einen sackförmigen Pullover und bewegte nur die Hände. Ab und zu (viel zu selten) öffnete sie die Augen, mehr war da nicht. Aber das reichte vollkommen, es war perfekt! Kacey drehte sich immerhin ab und zu um, machte die wenigen Ansagen und bat den Soundmann regelmäßig, die Monitorsituation zu verbessern.

Wem eine Bühnenshow lebensnotwendig wichtig ist, wird das nicht gefallen. Mir ist das egal, und wenn das Ergebnis so fabelhafte Duette sind, umso mehr. Alices Stimme ist bei diesen Duetten die dominierende, aber nie alleine (dann fehlte auch der Pep!). Ach, dieses kurze Konzert hat mir wirklich viel Spaß gemacht, viel zu viel, um es jetzt hier theoretisch auseinander zu nehmen.

Liebe Berliner, lasst euch Big Deal nicht entgehen, selbst der Bandname sollte ja Hauptstadtansprüchen genügen!

Setlist Big Deal, Studio 672, Köln:

01: Chair
02: Seraphine
03: Cool like Kurt
04: Swoon
05: Homework
06: Visions
07: Locked up
08: With the world at my feet
09: Thirteen (Big Star Cover)
10: Talk

Links:

- Big Deal, Paris, 09.02.12


* ich (co-)betreibe zwar einen Blog, bezeichne mich aber nicht als Blogger



Freitag, 2. März 2012

Kathleen Edwards, Köln, 02.03.12

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Konzert: Kathleen Edwards
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 02.03.2012
Zuschauer: gut 100 (fast ausverkauft)
Dauer: Kathleen Edwards 95 min, Hannah Georgas 30 min


Der Mann mit Cowboyhut gab die Richtung vor; im Studio 672 wurde heute Folk mit einer ordentlichen Portion Country und Americana geboten. Als ich um halb acht vollkommen abgehetzt ankam (nicht jeder freitägliche Arbeitstag endet um 15 Uhr), spielte der Supportact Hannah Georgas bereits. Viel (wenn überhaupt) habe ich aber offenbar nicht verpasst, die Kanadierin spielte nämlich exakt 30 min, vermutlich hatte ich das ganze Programm mitbekommen. Die Musikerin, die von einem Gitarristen begleitet wurde (und ab und zu von einem Beat von Band), spielte wunderschöne Stücke, die mich manchmal an Feist erinnerten und die alles andere als lästige Zeitkiller waren.

Auch das lange Set von Kathleen Edwards enthielt keine Längen, obwohl Cowboy-Folk wirklich nicht mein musikalisches Lieblingsgenre ist. Die Musikerin aus Ottawa (auch in Kanada gibt es riesige Rinderherden, die berittene Landwirte erfordern) war mit großer Band angereist. Sie wurde von zwei Gitarristen (bzw. einem Keyboarder), einem Schlagzeuger, einem Bassisten und Hannah Georgas als zusätzliche Stimme begleitet. Der Job des einen Gitarristen bestand darin, die typischen Westerngeräusche zu erzeugen. Wenn die fehlten, wenn die Musik also popiger wurde und weniger nach kilometerlangen schnurgeraden amerikanischen Landstraßen klang, wurde es besonders hörenswert! Mein Lieblingslied war aber trotzdem eines, das im Prinzip in meinem musikalischen Universum unhörbar wäre. Goodnight California hat eine unwiderstehliche Melodie, eine tolle Geige am Anfang, irrte aber irgendwann in ein Dire Straits Gitarrensolo (also das scheußlichste musikalische Element der Welt), das Applaus auf offener Szene erzeugte (das Klatschen nach der Landung der Musik), pfui! Trotzdem - warum auch immer - war Goodnight California brillant!

Aber auch Change the sheets, House full of empty rooms, In state und Chameleon / Comedian waren Knüller, stellvertretend für ein kurzweiliges und hervorragendes Konzert, obwohl die Stimme der Sängerin, die mich an die von Amy Millan von den Stars erinnert, im Laufe des Abends immer brüchiger wurde (sie kommentierte das mit "shit-ass singing"). Mit mehr Mühe morgen früh noch etwas ausführlichere Schilderungen, z.B. über die hohe Pulloverquote im Publikum, George-Lucas-Bärte, Wilcos Abenteuer auf Busdächern und nächtliches Schlittschuhlaufen über Ottawas Kanäle.

Setlist Kathleen Edwards, Studio 672, Köln:

01: Pink Champagne
02: Mint
03: Empty threat
04: Asking for flowers
05: Goodnight California
06: In state
07: Chameleon / Comedian
08: Hockey skates
09: Run
10: House full of empty rooms
11: Sidecar
12: Back to me
13: A soft place to land
14: 12 Bellevue
15: Change the sheets

16: Six o'clock news (Z)
17: For the record (Z)



Donnerstag, 10. November 2011

Lanterns On The Lake, Köln, 09.11.11

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Konzert: Lanterns On The Lake
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 09.11.2011
Zuschauer: 45
Dauer: 55 min


Dieser Tage begegnen einem abends zwischen Nebelschaden häufig seltsame Gestalten. Kleine Wesen im flackernden Licht, begleitet von blechernen Melodien. Daneben Reiter in komischen Gewändern. Der Anstifter zu diesem Fest, der Heilige Martin von Tours, wird auch in der anglikanischen Kirche geehrt. Allerdings sind die Laternenumzüge rund um den Martinstag eine (katholische) westeuropäische Sache. Also war es auch nur ein Zufall, daß ausgerechnet heute eine Laternenband in Köln spielte.

Lanterns On The Lake ist eine Folkpop-Band aus Newcastle, wußte ich vor dem Konzert. Ich hatte auch einige Lieder der Gruppe gehört, sehr viel weiter hatte ich mich allerdings mit ihr nicht beschäftigt. Mein Entschluß, trotz einer vollkommen verplanten Woche, wieder ins Studio 672 zu fahren, fiel dann auch sehr kurzfristig, topmotiviert war ich offenbar nicht.

Als ich im Kellerclub des Stadtgartens ankam - um zehn nach neun - spielte gerade die Vorgruppe The Pattern Theory ihr letztes Lied. Obwohl die Berliner sehr alberne Alufolien-Jackets trugen, klang dieses Stück sehr gut. The Pattern Theory spielen (wohl) Instrumental-Musik, die an diverse Postrockbands erinnert. Zu mehr reichte der kurze Eindruck nicht, immerhin klang die Musik aber zu wenig schlecht, um die Band hier zu verschweigen.

Erfrischend früh fing das Hauptprogramm an. Bereits kurz nach halb zehn traten Lanterns On The Lake auf. Auch gestern bei Pete and the Pirates war der Zeitplan schlaffreundlich, diese Engländer begannen bereits um Viertel nach neun. Auch
wenn es durchaus reizvoll ist, über die mädchenhaften Konzertstartzeiten in der Weltstadt Paris zu lästern, wäre es schön, wenn sich diese Politik in Köln durchsetzen würde. Die halbe Stunde mehr Schlaf kann wirklich helfen.

Ehrlich gesagt sah auch Hazel Wilde aus, als könne sie die ein oder andere halbe Stunde Mehrschlaf gut brauchen. Die Sängerin des sechsköpfigen Ensembles sah ziemlich müde aus. Nach und nach änderte sich aber mein Eindruck, Hazel schien nicht müde sondern extrem schüchtern zu sein.
Und verflucht jung. Auch wenn Sänger Adam Sykes das durch Schnurrbart verdecken wollte, scheinen alle noch nicht schrecklich alt zu sein.

Dann
überraschte mich die Instrumentierung. Neben den offensichtlichen Geige, Bass, Schlagzeug waren oft drei Gitarren im Einsatz (also mehr als Explosions In The Sky). Dabei fangen die meisten Stücke mit Hazels zartem Gesang und sehr ruhiger Begleitung an, um sich dann - das funktioniert immer wieder! - zu steigern und laut zu werden. Andere Lieder (Sapsorrow von der EP Lungs quicken) bleiben ruhig und getragen bis zum Schluß. Die Musik des Sextetts war herrlich abwechslungsreich und klang trotz vieler Referenzen, die einem zwangsläufig im Kopf rumschwirren, eigen.

Eine Idee, die mir beim zweiten Stück kam, erschien mir erst vollkommen abwegig. Denn beim zweiten Lied (If I've been unkind) erinnerte mich der Gesang an The xx. Stilistisch haben die beiden Bands nichts gemeinsam, nur klangen die beiden Stimmen von Adam (der das Lied eröffnet) und Hazel bzw. die Art, wie zurückgenommen beide das Stück bestritten wie die Elektronik-Band, die ich so
liebe. Deren Stilelement, nicht miteinander sondern nebeneinander Duette zu singen, fehlte zwar bei Lanterns On The Lake, trotzdem war da eine merkbare Ähnlichkeit zu The xx. Meine wirre Idee hörte ich gegen Ende des Konzerts noch einmal bestätigt, denn auch Tricks hat xx Gesang.

Tricks endete - wie einige Kollegen - in einem
furiosen Postrockfinale, mit drei Gitarren, Bass, Schlagzeug und wilder Geige! Manchmal, wenn gegen Ende eines Lieds Gitarrist Paul Gregory sein Instrument abstellte und zum Schlagzeug ging, um mitzutrommeln (A kingdom, I love you sleepyhead), stellten sich die anderen Musiker im Kreis um die Trommeln, mit den Rücken zum Publikum. Auch das war toll - aber das war eigentlich alles an diesem Konzert!

Live sind Lanterns On The Lake viel weniger Folk- als
Rockband, und das steht ihnen ausgezeichnet! Die Stücke sind abwechslungsreich (bei Ships in the rain spielte Schlagzeuger Oliver Ketteringham Mundharmonika, allerdings auf eine leise Art, wie ich es noch nie gehört habe!) und nie langweilig. Vielleicht ist das auf Platte auf die Dauer anders. Dann wird helfen, die Lautstärke aufzudrehen! Und an den ausgezeichneten Konzertabend zu denken. Der war nämlich ein Knüller!

Rabimmel, rabammel, rabum!


Setlist Lanterns On The Lake, Studio 672, Köln:


01: Lungs quicken
02: If I've been unkind
03: A kingdom
04: Ships in the rain
05: You need better
06: You're almost there
07: Keep on trying
08: Sapsorrow
09: Tricks
10: I love you sleepyhead

11: I'm going back to the harbour (Z)

Links:

- My Year In Lists, die besten Konzerte des Jahres



Mittwoch, 9. November 2011

Pete and the Pirates, Köln, 08.11.11

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Konzert: Pete and the Pirates
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 08.11.2011
Zuschauer: vielleicht 80
Dauer: 60 min


You're in my heart
You're in my car as well

[Welch mitreißende Gruppe! Pete and the Pirates aus Reading sind eine grandiose Liveband, die ich heute zum vierten Mal gesehen habe, und die mich jedes Mal restlos überzeugt haben. Die Engländer gehören stilistisch in die Nähe der Foals oder Maccabees, haben allerdings deutlich mehr Hits, dafür weniger Fans und Anerkennung. Vermutlich werden Pete ... in Köln nie über das kleine Studio 672 herauskommen, ich ziehe sie aber fast allen Bands, die größere Häuser spielen, vor. Die zackigen Melodien, die sich, ihr Tempo und ihre Tonlage dauernd ändern, das großartige Schlagzeug, der herrliche Gesang... Pete and the Pirates entwickeln sich mehr und mehr zur spannendsten jungen englischen Band.

Das Programm heute bestand vor allem aus Stücken der im Mai erschienenen zweiten Platte One thousand pictures, die - ungewöhnlich für ein zweites Album - noch besser als der Vorgänger ist. Der November ist ein guter Monat für Konzerte. Ein sehr guter! Mehr morgen, ich muß ins Bett]

Setlist Pete and the Pirates, Studio 672, Köln:

01: Little gun
02: Jennifer
03: Cold black kitty
04: Knots
05: Can't fish
06: Winter 1
07: She doesn't belong to me
08: Mr. Understanding
09: Lost in the woods
10: Motorbike
11: Come on feet
12: United
13: Come to the bar
14: Halfmoon Street

15: Bright lights (Z)
16: Eyes like tar (Z)
17: Blood gets thin (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pete And The Pirates, Frankfurt, 05.09.10
- Pete And The Pirates, Luxemburg, 19.10.09
- Pete And The Pirates, Köln, 26.09.08
- Pete And The Pirates, Paris, 18.03.08



Donnerstag, 18. August 2011

Cults, Köln, 17.08.11

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Konzert: Cults
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 17.08.11
Dauer: ca. 35 Minuten
Zuschauer: ca. 70


von Dirk von Platten vor Gericht

Der Kölner Stadtgarten empfing uns nicht nur mit einem strahlenden Regenbogen, sondern auch mit einem Parkplatz direkt vor dem Eingang des Studio 672. Die Parkgebühren grenzten jedoch schon fast an Wegelagerei und nachdem der Automat all' unsere Münzen geschluckt hatte - kleinere Beträge als 50 Cent weigerte er sich generell zu nehmen - wies unser Ticket gerade einmal eine Parkdauer von 90 Minuten aus. Da wir kurz vor Einlass erschienen waren, musste also jemand wohl oder übel während des Konzertes nachzahlen gehen.

Im noch recht spärlichen besuchten Kellerraum des Studios betraten um 20:30 Uhr drei Jungs die Bühne, die wohl eins gemeinsam mit uns hatten - nämlich am Vormittag noch Unterricht. Wenn auch auf der anderen Seite des Pults. Die Drei stellten sich als List aus Traunstein vor und schienen daher tatsächlich nur aufgrund der derzeitigen bayerischen Sommerferien mit Cults auf Tour sein zu können. Möglicherweise sahen wir die Teilnehmer der AG "Indierock-Band" des Traunsteiner Gymnasiums - definitiv aber die beste Band der Stadt. In ihrer Arbeitsgemeinschaft hatten die Jungs wohl alles von der richtigen Indiefrisur bis zur angesagten Klamotte und lässigen Posen gelernt und uns so eine knappe halbe Stunde im Stil von Muse (nur ohne Piano und weniger hysterisch) gut unterhalten. Von mir hätten sie den Zeugnisvermerk "...hat an der Arbeitsgemeinschaft Indierock-Band mit Erfolg teilgenommen" erhalten.

Nach einer kurzen Umbaupause betraten Madeline Follin und Brian Oblivion, alias Cults, die Bühne. Für seine Live-Auftritte wurde das Duo um einen Schlagzeuger (Marc Deriso), Bassisten (Nathan Aguilar) und Keyboarder (Gabriel Rodriguez) zu einem Quintett erweitert worden, dessen markantestes Merkmal brustlange, strähnige Haare waren. Eine Einheitsfrisur, der sich nur Rodriguez, der auch für das tolle und für den Cults-Sound so typische Glockenspiel zu sorgen hatte, widersetzte.

Nach dem Opener "Abducted" folgten mit "The Curse" und "Slow Song" zwei Titel, die sich nicht auf dem Debütalbum "Cults" befindet, so dass wir die Hoffnung hatten, vielleicht doch mehr Songs als die uns 11 bekannten zu hören.

Die Musik wurde deutlich gitarriger und noisiger dargeboten als der süßlich-charmante Indie-Girl-Pop auf Platte, besonders klar wurde dies beim eigentlich fast zu lieblichen "Never Saw". Die Temperatur im mittlerweile gut gefüllten Kellerraum stieg unaufhörlich, so dass Brian Oblivion wiederholt das Ausschalten der Scheinwerfer einforderte, so dass sich die Band nach und nach in Dunkelheit hüllte. Er selbst fand es surreal in Deutschland Konzerte spielen zu können und zeigte sich positiv überrascht über den Zuschauerzuspruch.

Einige Jungs vor uns waren vor dem Konzert gespannt auf "die charismatische Sängerin" und dürften sicherlich nicht enttäuscht worden sein, denn Madeline Follin gab in einem äußerst kurzen schwarzen Kleid aus Spitze - genau so wie stimmlich - eine gute Figur ab.

Den frischesten Eindruck hinterließen Cults an diesem Abend jedoch nicht, gaben aber auch selbst an, seit 72 Stunden in Deutschland zu sein, kaum Schlaf gefunden, aber viel Bier getrunken zu haben - und damit auch recht zufrieden zu sein. Wir wären dies auch gewesen, wenn die New Yorker nach den abschließenden "Go Outside" und "Oh My God" noch zu einer Zugabe erschienen wären.

Doch so ging es für uns nach gerade einmal 10 Titeln doch früher als erwartet, nur über die Kürze eines tollen Konzertes ein wenig enttäuscht, zurück zum Auto, und das ohne weitere Münzen in die Parkuhr werfen zu müssen.

Setlist Cults, Studio 672, Köln:

01: Abducted
02: The Curse
03: Slow Song
04: Most Wanted
05: You Know What I Mean
06: Bumper
07: Never Saw The Point
08: Go Outside
09: Rave On
10: Oh My God

Link


 

Konzerttagebuch © 2010

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