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Donnerstag, 30. Januar 2014

Poliça, Köln, 28.01.14

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Konzert: Poliça
Ort: KulturKirche, Köln
Datum: 28.01.2014
Dauer: Poliça 75 min, Marijuana Deathsquads 38 min
Zuschauer: ausverkauft



Beim End Of The Road Festival im vergangenen Herbst hatte ich Poliça verpasst, obwohl mich die Band nicht zuletzt wegen der Aussicht auf die beste Konzertfrisur des Jahres gereizt hatte. Ich verquatschte mich aber mit einem englischen Fotografen und als Menschen, in deren Elternhaus die Kinderstube nicht durch ein Fernsehzimmers ersetzt worden war, verließen wir dafür das Zelt, in dem die amerikanische Band auftrat. Hinterher erzählten mir eine Freundin und Kollege Oliver, deren Geschmack nicht immer deckungsgleich ist, daß das Konzert sehr gut gewesen sei ("sehr gut" bedeutet aber bei einem exzellent besetzten Festival wie dem EOTR auch noch nicht viel).


Das ist die Vorgeschichte, warum ich am Dienstagabend sehr zeitig in der ausverkauften KulturKirche in Nippes stand. Warum die Veranstaltung schon seit einer Weile ausverkauft war, weiß ich nicht. Ist die Musik von Poliça in Deutschland so erfolgreich? Oder liegt es am Veranstaltungsort? Sehr vieles in der evangelischen Kirche in Nippes ist schnell vergriffen. Wäre meine Post-Festival-Neugierde nicht gewesen, wäre ich vermutlich nicht gekommen, so wichtig ist mir Poliça nicht, vielen anderen aber scheinbar doch.

Um acht begann die Vorgruppe Marijuana Deathsquads, die wie die Hauptband aus (der halben Twin-City) Minneapolis stammt. Marijuana Deathsquads und Poliça verbindet nicht nur die Herkunft. Poliça-Gründer Ryan Olson ist Mitglied bei Marijuana Deathsquads, Sängerin Channy Leaneagh und Schlagzeuger Drew Christopherson sind regelmäßige Gäste. Auch ist ein doppeltes Schlagzeug Element beider Gruppen.


Neben den beiden Schlagzeuger standen zunächst drei Mann um einen Tisch mit Macbook und vielen Dingen, an denen man drehen kann. Durch die beiden Trommler hatte die elektronische Musik der Gruppe einen viel "echteren" (ich will das fiese Wort "organisch" umgehen) Charakter, als man das anhand des Knopfdrehens und Rumhüpfens der drei in der Mitte vermuten konnte. Da statt Gesang nur ab und an geisterhafte Stimmen aus dem Mikro kamen, blieb die Geschichte aber sehr experimentell. Für Freund von Bands wie !!! und ähnlichen (ich bin da wenig bewandert, daher fehlen mir die Referenznamen), sind Marijuana Deathsquads vermutlich eine große Erfüllung, ich empfand sie als kurzweilig.


In der zweiten Hälfte des Konzerts wurde es dann noch besser. In der Kanzel über dem Altar stand schon eine Weile ein Zuschauer, ich hielt ihn für den Tourmanager, mit Bierflasche und guckte zu. Irgendwie angelte er sich von oben das verwaiste Mikro links, zob es zur Kanzel und sang (oder sprach) verzerrt mit. Später tauchte er wieder als Bassist von Poliça auf. Auch Sängerin Channy kam jetzt dazu, noch in Hose und Kapuzenpulli gekleidet und sang (wirklich) mit. Jetzt wurde es auch für mich nicht nur unterhaltsam, sondern auch gut.


Nach knapp vierzig Minuten war das Vorprogramm beendet. Eigentlich ist das lang für eine Band diesen Stils, aber in den drögeren Phasen konnte ich immer noch den beiden Schlagzeugern zusehen, die mal synchron, mal gegenläufig trommelten.

Als Poliça um kurz nach neun auf die Bühne kamen, war nicht viel umgebaut worden. Die beiden Schlagzeuge blieben, Channys Keyboard war ein wenig verrückt worden und Sängerin und Bassist hatten die Pullis abgelegt. 

Es begann mit Spilling lines vom im Herbst erschienenen Album Shulamith. Mir gefiel das (wie alles danach) ziemlich gut, der Funke sprang aber nicht über. Das kenne ich schon von den beiden Poliça-Platten; live hatte ich mir mehr Begeisterung erhofft. Erst Dark star, fast schon am Ende des Konzerts, gefiel mir richtig gut, der Rest war ok, nie langweilig, packte mich aber eben nicht.


Zu Torre kam einer der Marijuana Deathsquads Musiker (oder war das Ryan?) auf die Bühne und bediente Channys Synthie, der Rest der Lieder verlief immer sehr ähnlich: der Rhythmus der beiden Schlagzeuge, der Keyboards und des Basses und dazu Channys leicht soulige Stimme. Alles war sehr tanzbar, aber eben auch sehr ähnlich. 


Aber zwei besonders bemerkenswerte Dinge passierten dann doch noch. Gleich am Anfang (bei Very cruel) flog ein leerer Plastikbecher auf die Bühne. Gehört so etwas in Großbritannien zur Konzertfolklore, ist es in Deutschland doch sehr assig, vor allem bei einer Band wie Poliça. Sängerin Channy quittierte das mit einem düsteren Blick und sagte vor dem nächsten Stück in sehr ruhigem Ton, daß das Konzert sofort ende, fliege noch ein Becher.


Die letzte der beiden Zugaben (nachdem Poliça zehn Lieder vom aktuellen und sechs vom ersten Album gespielt hatten) war dann noch ein wundervollen Cover, das auch im Stil der Band toll funktionierte: You don't own me, der Evergreen von Lesly Gore. Ich mag es nicht, Lieder fremder Künstler mehr zu mögen als die eigenen, das Cover war aber neben Dark star das Highlight des Konzerts.  

Riesiger Poliça-Fan bin ich nicht geworden (und von der Frisur war ich es schon vorher), den Konzertausflug bereue ich aber trotzdem überhaupt nicht.

Setlist Poliça, KulturKirche, Köln:

01: Spilling lines
02: Lay your cards out
03: I see my mother
04: Very cruel
05: Amongster
06: Smug
07: Tiff
08: Warrior lord
09: Vegas
10: Chain my name
11: Torre
12: Dark star
13: I need $
14: Wandering star
15: So leave

16: Leading to death (Z)
17: You don't own me (Lesley Gore Cover) (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Poliça, Paris, 15.07.12
- Poliça, Paris, 05.06.12



Dienstag, 17. Juli 2012

Bon Iver, Paris, 15.07.12

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Concert: Bon Iver (& Poliça)

Lieu: L'Olympia, Paris
Date: 15.07.2012

Spectateurs: complet (environ 2.500)

Durée du concert: environ 75 minutes



Compte rendu par K. Merci beaucoup! (Deutsche Übersetzung unten*)


Bon Iver c'était spectaculaire!



Un début de concert super sympa avec Poliça et son duo de batteur!! J'ai été très étonnée et agréablement surprise! La chanteuse hypnotique avec sa voix et sa gestuelle lancinante..


Et après Bon Iver! Un plateau technique un peu dingo pour un décor super étudié lampes/drap qui rappelle un décor de ''radeau de la méduse" on se serait cru en pleine mer!! Cela dit les lumières projetées étaient un peu de trop à la fin!!

Pour la musique, une set list sans surprise, intro qui envoie une décharge, milieu qui laisse plané, avec des effets plus jazz (que sur album mais également plus jazz qu'au Pitchfork)/conclu et rappel avec ses beaux morceaux romantiques.


Un son impeccable, un Justin Vernon souriant qui fait des blagues, un groupe en apparence détendu..


Enfin au final un concert super beau, quoique.. et là ça n'engage que moi, sans originalité... la salle de l'Olympia ayant une organisation assez rigide, voir Justin Vernon enfourcher sa guitare et s'accorder à la hâte pour faire Skinny Love sans même laissé le public digérer le concert et s'impatienter pour réclamer le rappel... un peu impersonnel tout de même! Le line-up est respecté à la minute prêt, s'en devient déconcertant et on sent que le groupe flippe et s'autorise peu les écarts, et donc se pose la dure question du plaisir à jouer! Même si on sent qu'il se passe bien quelque chose entre eux et le public! On leur impose une rigueur un peu cruelle!

Quoiqu'il en soit ce fut un très beaux concert! Des mélodies de génies, touchantes! Vivement le prochain! Mais je préfèrerais un truc version Blogothèque que version super sonique!


Setlist Bon Iver, Olympia, Paris:

01: Perth
02: Minnesota, WI
03: Michicant
04: Towers
05: Creature Fear
06: Beach Baby
07: Hinnom, TX
08: Wash
09: Holocene
10: Blood Bank
11: re: Stacks
12: Flume
13: Calgary
14: Beth/Rest

Rappel:

15: Skinny Love
16: The Wolves (Act I and II)

* Deutsche Übersetzung von Oliver Peel, Originaltext von K.

Bon Iver, das war spektakulär!

Sehr sympathischer Beginn mit Poliça und ihren zwei Schlagzeugern. Ich war sehr verwundert und angenehm überrascht. Eine Sängerin mit hypnotischem Auftreten und einer durchdringenden Stimme!

Und danach Bon Iver! Eine ziemlich verrückte Bühnendeko* mit fackelartigen Lampen und drapierten Vorhängen, die einen an das Bild "Le Radeau de la Meduse" von Géricault erinnerten, man fühlte sich wie auf offenem Meer. Am Ende war es der Lichtershow gar zu viel des Guten!

Hinsichtlich der Setliste gab es keine großen Überraschungen. Ein kraftvolles Intro, ein verträumter Mittelteil und ein Ende mit zwei romantischen Zugaben, so der musikalische Teil, der insgesamt jazziger ausfiel, als man das vom Album her kennt.

Der Sound war indess sehr gut, Justin Vernon lächelte oft und machte ein paar Witzchen.

Insgesamt also ein sehr schönes Konzert, das allerdings nicht sonderlich originell und intim war. Der strikte Zeitplan im Olympia führte zu einer großen Hetze und ließ Vernon kaum die Zeit, sich vor den Zugaben etwas auszuruhen. Auch für die Band gab es wenig Möglichkeiten, einen Gang runterzuschalten, was die Frage aufwirft, ob es für die Gruppe sonderlich spaßig und relaxt war.

Aber nörgeln wir nicht zu viel, die Melodien waren genial und berührend und ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen. Eine abgespeckte Varante im Stile der Blogothèque Sessions wäre mir allerdings lieber als diese orchestrale und laute Inszenierung.


Aus unserem Archiv:

Bon Iver, Paris, 29.10.11
Bon Iver, Haldern, 15.08.09
Bon Iver, Düsseldorf, 18.05.09
Bon Iver, Paris, 02.10.08
Bon Iver, München, 29.09.08


* gute Fotos hat Robert Gil, klick!



Donnerstag, 7. Juni 2012

Poliça, Paris, 05.06.12

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Konzert: Poliça

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 05.06.2012
Zuschauer: so einige (300?)

Konzertdauer: etwa eine Stunde


Der 5. Juni 2012 in Paris. Ein meistens grauer, für die Jahreszeit ungewöhnlich kühler und teilweise regnerischer Tag. Ein Tag, an dem sich auf der Anlage in Roland Garros die besten Tennisspieler der Welt abmühen und unglaubliche Spiele abliefern. Ganz Frankreich trauert mit dem famos spielenden und aufopferunsgvoll kämpfenden Jo Wilfried Tsonga, der trotz Matchbällen noch verliert. Ich selbst freue mich aber wenigstens über den Sieg meines Lieblings Federer (Foto von Bercy 2011). Als die Spiele beendet sind, ist es schon nach 20 Uhr. Meine Frau baut eine Ikea-Küche zusammen, während ich Fersehen glotze. Moderne Rollenverteilung.


Zu einem Konzert will ich natürlich trotzdem noch. Aber für wen ich mich entscheiden soll, weiß ich nicht. Passenderweise gibt es heute eine amerikanische Band namens Tennis, die zusammen mit den nicht üblen Dominant Legs im Trabendo auftritt. Dafür kriege ich aber keine Akkreditierung. Deshalb will ich eigentlich ins Espace B zu der Finnin Vuk, denn in diesem Laden geht es immer erst etwas später los. Weil es aber schließlich schon 21 Uhr ist und ich noch keinen Happen gegessen habe, entscheide ich mich für den Auftritt von Poliça, der erst um 22 Uhr 30 stattfindet, weil zuvor noch zwei andere Bands auftreten.


Ich mache mich gegen 21 Uhr 30 auf den Weg und bin pünktlich in der Flèche d'or, die wie immer bullenwarm ist. An eine Klimaanlage haben sie bei den Renovierungsarbeiten vor drei Jahren wohl nicht gedacht, oder die lehnen das aus Umweltschutzgründen ab (was ich nicht glaube). Wie auch immer, ich schwitze schon nach ein paar Minuten wie so ein Schwein. Gerade spielen School Is Cool (blöder Name, oder?), die mir egal sind. Ich bin für Poliça gekommen, der Rest ist mir Wurst.


In der Pause läuft mir Channy Leanagh, die Sängerin von Poliça schon über den Weg. Mit ihrer flotten Kurzhaarfrisur, den feinen Gesichtszügen und den hübschen Augen sieht sie schon mal toll aus. Fraglich ist aber, ob mir ihre Musik genauso gut gefallen wird.

Dies kann ich gegen 22 Uhr 30 dann überprüfen. Die ersten zwei Lieder lassen mich noch neugierig werden, nach jedem weiteren wird aber deutlich, daß das hier nicht meine Musik ist. Poliça spielen mit gleich zwei Schlagzeugern (Ben Ivasuc & Drew Christopherson), einem Basisten und Channy als Sängerin einen moderen, sehr perkussiven Funk/Soul/R&B Sound, der zwar recht innovativ ist, mich aber totzdem kalt lässt. Die Referenzen , die mir in den Kopf schießen, sind auch eher abtörend. Ich denke an die verfluchte Lykke Li, die ätzende Zola Jesus, den nervigen James Blake. Vor allem James Blake. Diese neue Form des Soul eben. Aber Soul bleibt Soul, sprich scheiße. Auch bei Poliça. Trotz des Lobes von Justin "Bon Iver" Vernon, der die Band für sagenhaft gut (angeblich gar für die beste, die es gibt) hält. Aber er mag ja auch James Blake...

Eiegntlich finde ich es ziemlich schade, daß ich der vorne gespielten Musik nicht viel abgewinnen kann. Die Sängerin ist wirklich sehr charmant, tanzt äußerst elegant und gibt sich nett und höflich. Optisch erinnert sie mich irgendwie an Lisa Stansfield und mit ein wenig Fantasie gibt es durchaus auch stilistische Parallelen. Diese Dance Mucke eben. Als wäre ich Tänzer?! Wie soll ich auch auf so was stehen?


Ein wenig neidisch bin ich schon, daß das Mädel rechts von mir einen prima Abend verlebt, durchgängig glücklich (bekifft?) grinst und wie in der Disco tanzt. Hat aber auch was Schickimickihaftes. Auch das törnt mich ab. Nichts hasse ich mehr als schicke Nightclubs, obwohl ich für Konzerte ab und zu auch in diesen verfluchten Tempeln der Nacht verkehre.

Channy hat eigentlich eine schöne Stimme, aber ich mag nicht, wie sie sie einsetzt. Zu soulig für mich. Allerdings klingt sie live nicht wie auf dem Album Give You The Ghost, auf dem regelmäßig der sog. autotune eingesetzt wird, was einen sehr kühlen, synthetischen Gesang zur Folge hat.


Die regelmäßig einsetzenden Trommelwirbel der beiden Drummer sind letztlich noch das beste am Sound von Poliça, aber da es sie bei jedem Lied gibt, ist man auch diesbezüglich ziemlich schnell gelangweilt.

Langeweile ist ohnehin das Stichwort. Ich muss mich bemühen, hier nicht vorzeitig abzuhauen, bleibe aber, weil ich immer noch auf bessere Momente hoffe. Die kommen aber nicht mehr, die letzte Zugabe ist so ziemlich das ödeste dieses Sets, das zugegebenermaßen ein paar Leuten richtig gut gefallen hat. Nicht aber den permanenten Konzertgängern, den Freaks. Die konnten Poliça letztlich genauso wenig abgewinnen wie ich.


Am Aufstieg der Band wird das aber wohl kaum was ändern, ich bin ziemlich sicher, daß das Album Give You The Ghost am Ende des Jahres 2012 auf etlichen Kritiker-Bestenlisten erscheinen wird.

Setlist Poliça, La Flèche d'or, Paris:

01: The Maker
02: I See My Mother
03: Fist, Teeth, Money
04: Violent Games
05: Leading To Death
06: Dark Star
07: Form
08: Happy Be Fine
09: Lay Your Cards Out
10: Wandering Star
11: Amongster




 

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