Concert: Le Prince Miiaou Lieu: La Maroquinerie, Paris Date: 07.03.2012 Spectateurs: environ 400 Duré du concert: 85 minutes
Même sa grand-mêre était là! Et tous ceux qui croient en elle depuis un bon bout de temps. Comme moi par exemple. Depuis que j'avais croisé Maud-Elisa Mandeau alias Le Prince Miiaou lors d'un concert de son amie Marie Flore en 2008 au Divan Du Monde, je suis sa carrière de près. J'ai vite vu son immense talent et son univers très particulier. Mais je n'aurais pas forcément pensé de la voir jouer à L'Olympia aussi tôt. Ce fut en novembre 2011 et c'était spectaculaire, malgré de petits problèmes de son et un public un peu bizarre.
Voilà maintenant le Prince Miiaou comme tête d'affiche à la Maroquinerie. Une salle de 500 personnes où elle avait déjà brillé plusieurs fois en première partie (dont une première partie très remarquée de Chokebore) La Maroquinerie est presque pleine, mais pas complète. Des conditions idéales pour un concert dense, intense, fort en émotions.
Mesparrow a chauffé la salle et à 21 h c'est l'heure pour le Prince Miiaou de monter sur scène. Comme toujours accompagnée de son groupe de mecs avec violoncelle, batterie, basse. Un groupe, qui à force de tourner sans cesse pour défendre le très bon troisième album Fill The Blank With Your Own Emptiness, est désormais parfaitement rodé. Le concert d'aujourd'hui est incontestablement le plus rock, le plus puissant que j'ai vu. Il y a bien sûr des tubes quasiment classiques : Football Team (comme d'hab avec le masque de ski) et l'immense No Compassion Availabe ("je veux que tu rentres!"), mais ce soir je suis surtout sous le charme de Turn Me Off, Fill The Blank et Tous Les Garçons et les filles.
Le single Turn Me Off qui dispose d'une vidéo très drôle ou des personnes âgées forment le groupe de Maud (des amis de sa grand mère??) est tellement rentre-dedans et euphorisant aujourd'hui que je reste bouche bée. Après l'intro samplée avec une petite flûte, le morceau dégage une incroyable force et joie de vivre, c'est impressionnant! Et le Prince Miiaou est capable de tellement vivre ses chansons , qu'on la croit en état d'hypnose. C'est touchant de voir une personne qui se dit timide et bouffée par le trac, se libérer complètement sur scène.
Mais il n'y a pas seulement le dynamisme qui est épatant chez le Prince Miiaou. Ce qui est magnifique c'est aussi et surtout sa très belle voix de velours à la Cat Power. Elle me donne des frissons à chaque fois, aujourd'hui surtout pendant la jolie ballade Fill The Blank With Your Own Emptiness, titre éponyme de l'album.
Après une bonne heure (de bonheur) elle a mis tout le public dans sa poche. Mais le rappel est ultra spectaculaire. Elle chante qu'elle n'aime personne (I Love Nobody) mais c'est faux. Elle donne de l'amour et en reçoit. Le public l'aime beaucoup et fut étonné d'apprendre qu'elle quittait (pour quelques temps du moins) Paris. Il faudra désormais acheter un billet d'avion pour aller l'écouter!
Le moment est venu de dire merci, et Maud-Elisa n'oublie personne. Elle dit merci à son manager, son attaché de presse, son tourneur, ses parents, et bien sûr au public. Comme cadeau spécial nous reçevons une version fabuleuse et solo du classique de Françoise Hardy. Elle l'avait joué dans le passé mais jamais réussi aussi bien que ce soir. C'est doux, intense, sensuel et ultra touchant. Sa voix est parfaite et à la fin j'ai l'impression d'entendre Jane Birkin. je suis séduit et j'en'ai la larme à l'oeil. Maud-Elisa aussi. En quittant la scène je la sens très émue. C'est la fin de la tournée, mais seulement le début d'une grande carrière!
Setlist Le Prince Miiaou, La Maroquinerie, Paris:
01: j'ai deux yeux 02: a story of devotion 03: I don't know my name 04: frénésies horizontales 05: Hawaiian tree 06: Be silent 07: Football team 08: Hollow hero 09: No compassion available 10: Fill the blank with your own emptiness 11: Turn me off 12: We both wait
Rappel: 13: I love nobody 14: Everything must be erased 15: tous les garçons et les filles (Françoise Hardy)
Konzert: Le Prince Miiaou Ort: La Maroquinerie, Paris Datum: 07.03.12 Zuschauer: nicht ganz ausverkauft, etwa 400 Konzertdauer: 85 Minuten
Wir Musikfans wissen es ja nur allzu gut. Es gibt soviele Talente, die nie den Erfolg erzielen werden, den sie eigentlich verdienen. Manche haben kein Glück, bei den anderen kommt noch Pech hinzu.* Wichtig ist natürlich auch ein professionelles Umfeld. Um vor mehr als 20 Leuten zu spielen, braucht man in der Regel jemanden, der sich um die Pressearbeit kümmert, ein Label und einen Manager. Es gibt zwar ein paar Cracks der Selbstvermarktung, die das zumindest am Anfang selbst halbwegs hinkriegen, aber auf Dauer ist das sehr schwierig. Auch Maud-Elisa Mandeau aka Le Prince Miiaou fing zunächst auf eigene Faust an. Sie produzierte ihre Amateur-Videoclips selbst, verlegte ihre ersten beiden Alben mangels Label in Eigenregie und kümmerte sich auch um den Rest. Irgendwann sind aber glücklicherweise so viele Leute aus der Branche auf sie aufmerksam geworden, daß sie inzwischen ein Label hat, das das dritte Album Fill The Blank With Your Own Emptiness herausgebracht hat, zudem eine Pressefrau, die prima Arbeit leistet und sie in alle möglichen Zeitschriften bringt und auch einen Manager, der die Termine koordiniert. Seitdem spielt sie in deutlich größeren Clubs, war bereits Headlinerin im renommierten Café de la danse (Kapazität: 550), Co-Headlinerin im Olympia (2500) und nun heute Headlinerin in der Maroquinerie (500) in der sie auch schon einmal den Support für Troy von Balthazar gebildet hatte.
Die Maroquinerie war gut gefüllt, aber nicht ganz ausverkauft an diesem regnerischen 7. März 2012. Mesparrow, ebenfalls aus Frankreich, ebenfalls weiblich, hatte in meiner Abwesenheit in den Abend eingeleitet. Ich war so blöd, eine U-Bahnstation zu früh auszusteigen und musste weit latschen, was Zeit kostete (was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben, oder so!). Mit einer Viertelstunde Verspätung kam ich an und die Party unten im Keller des Clubs war schon voll im Gange. War aber nicht so schlimm, denn heute sollte Le Prince Miiaou gut 85 Minuten spielen und außerdem stand ich direkt neben der Sängerin Marie Flore. Es kann einem schlechter ergehen...
Le Prince Miiaou (inzwischen eine Band mit Bassist, Schlagzeuger, Cellist & Maud-Elisa Mandeau: Gitarre Gesang) performte Lieder aller drei Alben mit der Betonung auf dem letzten Output Fill The Blank. Ich hatte schon in vergangenen Konzertberichten ausführlich davon geschwärmt, wie wahnsinnig intensiv No Compassion Available, wie euphorisierend Football Team sind, aber heute fielen mir drei andere Stücke besonders auf: Turn Me Off, Fill The Blank und das Françoise Hardy Cover Tous les garcons et les filles.
Zu dem groovigen, basslastigen Turn Me Off gibt es auch ein sehr lustiges Musikvideo im Netz, in dem alte Menschen die Mitmusiker von Maud sind. Witzigerweise war heute abend auch die Oma von Maud im Publikum der Maroquinerie. Sie und die anderen Zuschauer sahen wie die Künstlerin zu Beginn als Intro in eine kleine Blockflöte blies und diesen Ton dann sampelte. Turn Me Off wurde wahnsinnig druckvoll gespielt und war deshalb ein klares Highlight.
Bei Fill The Blank konnte man dann auch wieder wunderbar feststellen, über welch schöne Stimme die (falsche) Blondine verfügt. Sie kann hauchen wie Cat Power zu ihren besten Zeiten und elektrisierte mich damit heute wieder einmal ungemein.
Und schließlich das Francoise Hardy Cover, über das so mancher Franzose bereits ziemlich gelästert hatte. Sie hätte den Song verhuntzt, das Cover tauge nichts. Von wegen! Es handelte sich um das letzte Lied des heutigen Abends und die solo spielende Musikerin bekam es so brillant hin, daß sich mir sämtliche Nackenhaare hochstellten! Am Ende wimmerte sie nur ins Mikro (zum Steineerweichen, Freunde!!!), erinnerte statt an Hardy (Françoise, nicht Oliver) vielmehr an Jane Birkin und erntete für diesen glänzenden Abschluss tosenden Applaus.
Aufrichtig gerührt und mit einem Tränchen im Augenwinkel bedankte sich Fräulein Mandeau dann bei ihrem Team, ihren Mitmusikern, ihrer Familie (ganz stolz: die Oma!) und nicht zuletzt beim Publikum, das sich mehr und mehr aus treuen Fans zusammensetzt.
Die lange Tour zu diesem dritten Album ist nun zu Ende, Maud zieht bald nach New York (das Publikum: "wow! nach New York!", worauf die Sängerin kess konterte: "nix Besonderes, man muss nur ein Flugticket kaufen") und wird dort an neuen Songs arbeiten. Man kann davon ausgehen, daß sie noch für so manche Überraschung gut ist.
Ein riesiges Talent!Wie für die Bühne geschaffen! Wahnsinnig berührend! Einfach sensationell, man muss es immer wieder sagen!
Konzert: Anna Calvi & Le Prince Miiaou & Dum Dum Girls & Ema Ort: L'Olympia, Paris Datum: 07.11.11 Zuschauer: nicht ausverkauft, aber bei Anna Calvi waren viele da, also etwa 2000Konzertdauer: Anna Calvi 62 Minuten, die anderen etwas kürzer, Ema gut 35 Minuten
Der Aufstieg in den Olymp des französischen Pophimmels kam so schnell und unerwartet, daß selbst die Veranstalter ihre liebe Mühe und Not hatten, sich den kuriosen Bandnamen zu merken. Aus Le Prince Miiaou (mit zwei "i"), machten die für die Leuchtreklame zuständigen Mitbürgerinnen und Mitbürger vom renommierten Olympia Le Prince Miiiaou (mit 3 "i"). Erst auf Reklamation der Künstlerin wurde der Name richtig geschrieben und man fragt sich, ob da ein kleiner Chinese eine hohe Leiter raufklettern musste, um den Fehler zu korrigieren.
Sei es drum, Maud-Elisa Mandeau war nach Anna Calvi Headlinerin dieses wunderbaren Konzertabends im Rahmen des Festival des Inrocks. Eine Sensation, wenn man bedenkt, daß sie ihre allerersten Konzerte in Paris erst 2009 gegeben hat und sie die ersten beiden Alben in Eigenregie verlegte. Kein Label wollte sie signen, allen war wohl die Musik der blonden Sängerin und Gitarristin zu bizarr und zu wenig massenkompatibel. Ich hingegen hielt von Anfang an große Stücke auf Le Prince Miiaou und hatte von ihrem Projekt schon Wind bekommen, bevor sie jemals auf einer Pariser Bühne stand (ich toller Hecht, ich!). Die Musikerin selbst hatte mir bei einem Konzert ihrer Freundin Marie Flore anvertraut, sie mache auch Musik und wenn ich 5 Minuten zu verschwenden hätte, könne ich ja mal ihre Songs bei MySpace anhören.* Ich war auf Anhieb hin und weg und bescheinigte ihr großes Potential.
Ihr Talent blieb mittelfristig nicht unentdeckt und so stürzte sich spätestens nach Erscheinen des dritten Albums Fill The Blank With Your Own Emptiness die Presse auf die junge Frau aus Jonzac (3. 500 Einwohner, Département Charente-Maritime). Sie war plötzlich überall. Im Fernsehen, im Radio, in allen Zeitungen und Zeitschriften: In Be, bei France Inter, bei TV5, im Figaro, Le Mouv, bei Telerama, GQ, L'Express, Glamour, Marie Claire, Biba, Libération, Modzik, Le Parisien, Le Nouvel Observateur, 20 Minutes. les Echos, Grazia, Muteen, Rolling Stone, Marianne und nicht zuletzt auf dem Konzerttagebuch. Insgesamt fünf mal habe ich euphorischüber ihre grandiosen Konzerte berichtet.
Der Zeitschrift Les Inrocks, die dieses Festival veranstaltete, muss man zu Gute halten, daß sie auch sehr früh auf den mit Volldampf fahrenden Zug bei Le Prince Miiaou aufgestiegen sind. Insofern war es nur konsequent, daß sie sie auch auf ihr schönes Festival einluden.
Und Maud-Elisa rechtfertigte diesen Vertrauensvorschuss voll und ganz. Zwar war gerade der Sound am Anfang nicht so toll (ein Zuschauer rief rein: "le son est pourri!"), aber im Laufe des Konzerte besserte sich das und die dürre Blondine wurde immer intensiver und selbstsicherer, glänzte durch ihre tolle und sehr variable Stimme und auch ihre männliche Begleitband an Cello, Gitarre und Schlagzeug spielte groß auf.
Sie startete ganz energisch, genauer gesagt trommelnderweise und performte ihre Single J'ai Deux Yeux. Die besten Stücke kamen aber später. Eine massive Gänsehaut bereitete sie mir mit I Don't Know My Name, dem besten Lied, das Cat Power nie geschrieben hat. Samtweich hier ihre Stimme, aber auch verzweifelt, zornig, rebellisch. Die als Ballade startende Nummer entwickelte sich zu einem fetzigen Rocksong, bei dem Maud so richtig schön die Zähne fletschte. Ich bebte vor Erregung!
Ebenfalls ein ganz großes Highlight in ihrem Set war das französische Lied No Compassion Available, bei dem der Cellist besonders positiv auffiel und unwahrscheinlich einfühlsam fiedelte. Ein Song mit einem total wirren, aber enorm nahegehenden Text. Hypnotisch. Und als Maud am Ende sinnlich "empty" hauchte und schrie: "je voudrais que tu rentres" = ich will, daß du rein kommst (worein überhaupt??), war es wieder einmal um mich geschehen. Mein Herz raste, ich hatte einen Plus von 120 und wollte am liebsten auf die Bühne springen, tanzten, postrocken. Es war einfach nur geil, geil, geil.
Zum tanzbaren Turn Me Off verteilte Maud schließlich mehrere bunte Flöten. Sie schmiss die Dinger ins Publikum und wollte, daß die Zuschauer mitspielen, was sie auch prompt taten. Aus mehreren Ecken piepste es nun und alle grinsten blöd.
Ganz zum Schluß kamen sogar noch die Fans des Turnsports auf ihre Kosten, denn Le Prince Miiao kam plötzlich bei We Both Wait auf die Idee, mit dem Rücken zum Publikum auf einem Bein Gitarre zu spielen. Das andere hob sie immer höher und höher und hielt diese akrobatische Position richtig lange, fast bis sie einen Krampf bekam. Unbewegliche Leute wären an ihrer Stelle auf die Fresse gefallen (vor allem bei dem Stress!), aber sie feixte nur rum, nahm irgendwann wieder ihr Beinchen runter und rockte noch einmal so richtig ab. Der abschließende Applaus war wahnsinnig tosend und ich bin mir sicher, daß die Künstlerin hier im Olypia nicht das letzte Mal aufgetreten ist. Ich traue ihr locker zu, daß sie hier auch einmal Headlinerin wird und glaube ohnehin, daß sie zum Weltstar taugt. Sie wird über kurz oder lang auch Indie-Deutschland erobern, da kann man einen drauf lassen!
Setlist Le Prince Miiaou, Festival des Inrocks, Olympia, Paris
01: J'ai Deux Yeux 02: Be Silent 03: I Don't Know My Name 04: Frénésies Horizontales 05: Football Team 06: Hollow Hero 07: No Compassion Available 08: Turn Me Off 09: We Both Wait
Konzert: Le Prince Miiaou Ort: le Café de la Danse, Paris Datum: 03.05.11 Zuschauer: viele, fast ausverkauft (etwa 450) Konzertdauer: 65 Minuten
Concert epoustoufflant du Prince Miiaou au Café de la Danse. C'était intense, émouvant et très beau. Un set fragile et puissant en même temps. Un triomphe! Quel talent ce Prince Miiaou!!
Den Werdegang einer Musikerin von zartesten Anfängen bis hin zum Bespielen von größeren Indie-Locations mitzuverfolgen ist schon eine spannende Sache. Zumal im Falle der Französin Maud-Elisa Mandeau alias Le Prince Miiaou mit dem Füllen des renommierten Café de la Danse das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist.
Ich hatte Maud-Elisa im Jahre 2008 zufällig beim Konzert ihrer Freundin Marie-Flore kennengelernt. Ganz beiläufig erzählte sie mir, daß sie auch Musik mache und sich freuen würde, wenn ich ihren Songs auf My Space mal ein wenig Gehör schenken würde. "Aber nur, wenn du keine Zeit du verlieren hast", ergänzte sie bescheiden und übertrieben selbstkritisch. Natürlich hörte ich mir ihre Stücke an und war ganz begeistert von dem, was ich da so hörte. Wow, das klang so anders, so neuartig, so eigen! Ich schrieb ihr gleich euphorisch zurück und sagte, daß sie unbedingt auf eine Bühne gehöre. Sie wies mich diesbezüglich in die Schranken und sagte, daß sie nicht vor 2009 in Paris auftreten wolle. Sie habe schlimmes Lampenfieber und müsse damit erst einmal klar kommen. Ich ermunterte sie in der Folge immer wieder und erklärte ihr, daß ich an sie glaube, daß ich unglaubliches Potential bei ihr sehen würde.
Zum damaligen Zeitpunkt hatte sie bereits ein selbstverlegtes Album namens Nécessité Microscopiques (2007) auf den Markt gebracht und auch mir ein Exemplar vermacht. Die Presse begann sich langsam aber sicher für die Blondine zu interessieren, vor allem als ihr zweites Album Safety First 2009 erschien. Die Zeitschrift Les Inrockuptibles hatte früh Blut geleckt und puschte die junge Musikerin mit euphorischen Berichten. Dennoch wollte sich kein Label für Le Prince Miiaou engagieren und das zweite Album, das ebenfalls im Selbstversuch herausgebracht worden war, erfuhr keinen regulären Neu- Release. Mein persönliches Interesse an der Musik von Le Prince Miiaou wuchs im Laufe des Jahres aber immer stärker, denn am 28. März 2009 konnte man sie erstmalig auf einer Pariser Bühne in Aktion sehen. Ich war hin und weg. Man war dieses Konzert stark! Seitdem habe ich sie drei weitere Male live erlebt und ihre Fortschritte waren jeweils deutlich spürbar.
Im Jahre 2011 kam niemand mehr am Prince Miiaou vorbei. Es gab einen regelrechten Medienhype um die junge Musikerin, die inzwischen wieder bei ihren Eltern im ländlichen Ort Jonzac lebt, vielleicht um dort mehr Ruhe zu haben. Alle schrieben sie über diese eigenwillige Person, über ihren ungestümen Charakter, ihren Sturkopf, ihre Blödeleien, ihren Ehrgeiz. Sie sei eine Außenseiterin in der Schule gewesen, konnte man lesen und daß ihre Mutter immer ihre liebe Not und Mühe mit den Launen der Tochter hatte. Die Mitschüler hätten sie gehänselt, sie verspottet, weil sie flachbrüstig war. Der ideale Nährboden, um sich mittels der Musik Luft zu machen. Zorn, der postiv genutz wurde und verstörend -bizarre Songs zum Ergebnis hatte. Inzwischen hat sich auch ein Label gefunden und das dritte Album Fill The Blank With Your Own Emptiness erfuhr insgesamt sehr positive Kritiken.
Heute am 3. Mai 2011 also nun der große Tag. Die neuen Songs und die älteren Stücke mussten live verteidigt werden. Im Café de la Danse, einer Location, in der die besten Indiemusiker überhaupt gespielt haben. Bill Callahan, Bright Eyes, Low, Laura Veirs, Campbell & Lanegan, sie und noch viele andere mehr hatten hier in der Vergangenheit bereits geglänzt.
Um 21 Uhr ging es los, nachdem eine französische Vorgruppe namens Elephant in den Abend eingeführt hatte. Das Café de la Danse war gerammelt voll. Es wimmelte nur so vor Fotografen und akkreditierten Videofilmern. Die Großen der Bloggerszene waren vollständig versammelt. Rod von Le Hiboo, Renaud und Mickey von Le Cargo, Robert Gil von Photosconcerts.com, keiner wollte sich das Spektakel entgehen lassen.
Und die Zuschauer (unter ihnen Troy von Balthazar!) wurden nicht enttäuscht, im Gegenteil. Das Konzert hielt nicht nur, was es im Vorfeld versprach, nein, es toppte noch die kühnsten Erwartungen. Maud-Elisa und ihre männliche Begleitband an Cello, Gitarre und Schlagzeug spielten aus einem Guß und ließen förmlich Funken sprühen. Perfekt ihr Zusammenspiel, hochkonzentriert und dennoch leidenschaftlich ihr Vortrag.
Begonnen wurde mit einem der wenigen französischen Stücke im Repertoire, J'ai deux Yeux. Wobei auch diser Titel nicht zu 100 Prozent auf französisch gesungen wurde, da es einen englischsprachigen Refrain gab. Eine perkussive, melodiöse Nummer, bei der Maud-Elisa zu Beginn ein wenig mittrommelte, bevor sie sich auf ihren Gesang und ihr Gitarrenspiel konzentrierte. Und ihr Gesang hat es wirklich in sich. Sie verfügt über eine äußerst sinnliche, sehnsuchtsvolle Hauchstimme à la Cat Power, die in den explosiven Passagen allerdings wütend, trotzig und furios werden kann. Dieser Wechsel vom Gefühligen hin zum Wilden, Ungestümen, das ist es, was die Französin so faszinierend macht. Die Leute im Café de la Danse, die Maud-Elisa noch nie zuvor live gesehen hatte, staunten Bauklötze, ergötzten sich an der urwüchsigen Energie des schmalen, zierlichen Persönchens, an ihrer Authentizität und Leidenschaft, mit der sie ihre Musik lebte. Und diejenigen, die sie schon öfter gesehen hatten, stellten zufrieden fest, daß auch ihre Gitarrenkünste stabiler und sicherer gworden sind. Maud-Elisa hat nie einen Hehl daraus gemacht, daß sie auf diesem Felde Autodidaktin ist und sich noch verbessern kann.
Bestens geschultert wurde sie durch ihre glänzend aufspielende Band. Vor allem ihr Cellist verdiente sich Bestnoten. Umgemein beeindruckend, wie er sein Instrument auf vielfältigste Weise bearbeitete und zum Schwingen brachte. Er zupfte, strich und zwirbelte auf dem hölzernen Ding herum, daß es eine helle Freude war. Sein Cellospiel trug Maud-Elisas Stimme wie auf Engelsflügeln, steuerte eine melancholische, besinnliche Note bei und bereicherte das Ganze ungemein. So entstand eine ganz eigenwillige Mischung aus Kammerpop, Indierock, Postrock und Chanson, die Le Prince Miiaou so originell macht. Im Grunde genommen ist Le Prince Miiaou mit niemandem vergleichbar, das ist wirklich Maud-Elisas ganz eigene Schöpfung. Sie hat sich alles selbst beigebracht, einfach zu Hause bei sich drauflosgespielt, (teilweise wirre) Texte geschrieben und sogar eigene Amateurvideos gedreht. Beispielsweise zu ihrem Song Football Team, den man auf dem zweiten Album Safety First finden kann. Das Stück brachte sie heute abend an fünfter Stelle und es war eines der großen Highlights des Sets. Wie immer setzte sie sich hierzu eine Skibrille verkehrt rum auf, stülpte einen roten Vorhang über ihre schmalen Schultern und hüpfte rum wie eine Wilde. Inhaltlich geht es darum, daß sie sauer darauf ist, daß die Jungs sie nicht beim Fußball mitspielen lassen wollen, weil sie so dürre Beinchen hat und ein Mädchen ist. "They don't want me in their football team" heißt es im Refrain, den sie mit voller Inbrunst sang. Das Stück verfügt über eine formidablen Gitarrenpart und postrockige Elemente und gefiel dem Publikum so gut, daß ein Typ begeistert ausrief: "c'est mieux que le foot", das ist viel besser als Fußball! Recht hatte er, Football Team war wirklich der volle Hammer!
Sensationell dann auch No Compassion Available. Ein bizarrer, verstörender, hochdramatischer Song, der von französischem Sprechgesang bestimmt ist, langsam beginnt und sich im Verlaufe wahnwitzig steigert und verdichtet. Am Ende herrscht die völlige Extase, explodiert die gesamte Spannung die vorher aufgebaut wurde, pfeift Maud-Elisa wie ein Schiedsrichter mit einer Trillerpfeife rum, während sich ihr Cellist in einen regelrechten Rausch fiedelt. Erzählt wird die höchst seltsame Geschichte (eine Art Anleitung zum Nachmachen), wie eine junge Frau ihren Körper mit Wasser füllt, von den Beinen anfangend bis hin zum Kopf. Der Mund bleibt hierbei geschlossen, so daß die Frau am Ende in Ohnmacht fällt und als sie wieder aufwacht, ist sie völlig leer. Fast gruselig, aber wahnsinnig emotional und absolut packend. Ich zitterte am ganzen Körper, nachdem die letzten Noten verklungen waren!
Auch die Schlußphase äußerst mitreißend. Zu Turn Me Off blies Maud-Elisa in eine kleine Flöte. Die Passage wurde aufgenommen und später wieder reingesampelt, so daß ein afro-angehauchter Stimmungssong entstand, der vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Bei We Both Wait dominierten dann knarzige, indierockige Gitarren und ein explosives Schlagzeug. Die Band verließ im Anschluß unter donnerndem Applaus die Bühne.
Ein paar Minuten später kam Maud-Elisa alleine zurück und wagte sich an klassisches französisches Liedgut von Francoise Hardy ran. Sie erklärte zur Einleitung, daß sie ja nun das offizielle Konzert gemeistert habe und nun bei den Zugaben ohne Druck aufspielen könne. Zunächst war ich skeptisch, ob das Lied Tous Les Garçons Et Les Filles nicht eine Nummer zu groß für die junge Musiker sei, wurde dann aber eines Besseren belehrt Der Chanson begann klassisch und relativ originalgetreu, verwandelte sich gegen Ende dann aber in einen postrockigen Schocker der besonderen Art. Würde mich interessieren, was Françoise dazu sagen würde, wenn man ihr diese fulminante Version vorspielen würde! Sensationell!
Obendraufgepackt wurde noch Frénésie Horizontale vom ersten Album, ebenfalls ein Abräumer vor dem Herrn, der das Publikum staunend und völlig perplex zurückließ. Minutenlang wurde der Wahnsinnsauftritt gefeiert und hinterher war man sich einig darüber, daß man hier ein Riesentalent gesehen hatte, das definitiv das Potential hat, zumindest ein nationaler Star zu werden. Das Olympia ist drin, darauf kann man locker wetten!
Wow!!!!!!!!!!!!!!
Setlist Le Prince Miiaou, Le Café de la Danse, Paris:
01: J'ai Deux Yeux 02: Be Silent 03: I Don't Know My Name 04: I Love Nobody 05: Football Team 06: Hollow Hero 07: No Compassion Available 08: Fill The Blank With Your Own Emptiness, Part 2 09: Turn Me Off 10: We Both Wait
11: Tous Les Garçons Et Les Filles (Francois Hardy) 12: Frénésies Horizontales
Konzert: Le Prince Miiaou & Marie-Flore Ort: La Flèche d'or, Paris Datum: 10.03.2010 Zuschauer: etwa 400, wow! Konzertdauer: Marie-Flore circa 45 Minuten, Le Prince Miiaou 1 Stunde
Wahnsinn! Der helle Wahnsinn! Vor gut 1 1/2 Jahren hat mir Maud-Elisa noch gebeichtet, daß sie vor Konzerten in Paris unglaublichen Bammel habe und erst einmal in der französischen Provinz spielen wolle und heute legt sie einen Gig aufs Parkett, daß nicht nur ich eine Stunde lang mit offenem Mund und rasendem Herz Richtung Bühne glotzte und mich fragte, wo das zierliche Persönchen diese unglaubliche Energie und Wut herholt! Nach ihrem sensationellen Auftritt hatte ich schlotternde Knie und einen mächtigen Klos im Hals. Le Prince Miiaou hatte mich förmlich umgehauen. Nein, ich untertreibe. Ungespitzt in den Boden gerammt hat sie mich! Ich habe hinterher fast Sternchen gesehen, so angeknockt war ich. Es war eines von jenen Konzerten, über das man mit anderen Konzertverrückten, die das Glück hatten, dabei zu sein, noch in 5 Jahren sprechen wird. Erst einmal herrschte im Publikum hinterher aber Sprachlosigkeit. Verwundert rieben sich die Leute die Augen und guckten sich ungläubig an. Als wollten sie fragen: "Empfinde ich nur ich das so, oder haben wir da gerade ein Konzert epischer Größe gesehen? Oder: "Glaubst Du nicht auch, daß Le Prince Miiaou eine der faszinierendsten, beindruckendsten und talentiertesten Musikerinnen ist, die es in Frankreich je gegeben hat?" Jeder, absolut jeder, den ich hinterher sah, schien überwältigt. "Putain de sa mère", wie der Franzose sagen würde. Meine Fresse, Maud-Elisa hat es den Leuten aber wirklich richtig gegeben! Mit ihrer unwiderstehlichen Mischung aus Fragilität und Explosivität hatte sie mir schon beim Mo'Fo Festival vor ein paar Wochen förmlich die Schuhe ausgezogen, aber das heutige Konzert toppte noch einmal alles. Diese Sinnlichkeit! Diese jugendliche Spielfreude! Diese Extase! Atemberaubend! Irgendwie drückt das inzwischen blondgefärbte Mädel aus der französischen Provinz bei mir die richtigen Knöpfe. Ich schmilze dahin, wen sie erotischer als eine Cat Power ins Mikro wimmert, fiebere mit wie bei einem Wimbledon-Finale, wenn sie sich die Gitarre schnappt und mit weit aufgerissenem Mund die Seele aus dem Leib schreibt. Bei ihr ist alles so direkt, so unmittelbar. Sie spielt jedesmal als ginge es um ihr Leben. Und ihre Kompositionen, bei denen auch das Cello eine wichtige Rolle spielt, sind an Dramatik und Wucht nicht zu überbieten. Man erlebt bei jedem Stück ein Wechselbad der Gefühle, will Losheulen wie ein Schoßhund oder sie trösten, wenn sie melancholisch und verletztlich erscheint und mit ihr Schreien, wenn sie die ganze aufgestaute Wut und Angst loslässt und greint, daß es einem durch Mark und Bein geht. Das Anhören ihrer Tracks bei MySpace kann einem nur unzureichend vermitteln, wie stark sie das Ganze live umsetzt. Dabei sind Stücke wie About A Map oder Hawaiian Tree schon auf CD der Hammer. Und das Mädchen hat noch nicht einmal einen Plattenvertrag! Unglaublich eigentlich. Sie hat ihre beiden Alben auf eigene Faust veröffentlicht und mit unglaublichem Ehrgeiz und Geschick geschafft, daß die Musikpresse trotzdem über sie schreibt. So etwas passiert ja labellosen Künstlern leider sehr selten. Anders bei Maud-Elisa. Titelseite in der Liberation (gleich unter Sarkozy!), langer, lobpreisender Artikel in den Inrockuptibles (ein Ritterschlag!), 4 Sterne im französischen Rolling Stone, es rauscht im Blätterwald. Aber sie hat die Aufmerksamkeit wirklich so was von verdient. Ihr Stil ist nämlich sehr eigen und wandert zwischen Sprechgesang (sowohl in englisch als auch in französisch), Indierock und Postrock hin und her. So etwas kannte ich in der From noch nicht.
So, ich beende jetzt meine Lobeshymnen, man soll ja bekanntlich aufhören wenn es am schönsten ist!
Setlist Le Prince Miiaou, La Flèche d'or, Paris, 10.03.2010:
01: Blabla 02: Our Tale 03: This Not About A Map 04: Hawaiian Tree 05: Frénésies Horizontales 06: Starfish Position 07: He Said No 08: Intermède 09: No Compassion Available 10: Football Team
Es müssen aber unbedingt auch ein paar Worte über das Konzert von Marie-Flore verloren werden, die vorher gespielt hat. Die beste Freundin von Maud-Elisa hat ebenfalls enorme Fortschritte gemacht und auch über sie redet man in der Presse. Wahnsinn, ich habe Marie-Flore damals vor 15 Leuten spielen gesehen und dabei Maud-Elisa im Publikum kennengelernt. Heute treten die Mädels vor 400 Leuten auf und das ist sicherlich noch nicht das Ende der Fahnenstange! Maud-Elisa hat allerdings Marie-Flore in der Publikumsgunst inzwischen überholt, aber das ist ja nicht immer ausschlaggebend. Marie-Flore, die heute mit schicker neuer Kurzhaarfrisur auflief, hat nämlich auch jede Menge Talent in die Waagschale zu werfen. Seitdem ich sie am 30.09.2007 im Vorprogramm der New Pornographers für mich entdeckt habe, ist so einiges passiert. Der ersten Single Empty Walls/Half Past Three folgte im Jahre 2009 die erste EP More Than Thirty Seconds If You Please, die unter den französischen Bloggern für so manchen Wirbel sorgte und in Jahresbestenlisten auftauchte. 1 1/2 Jahre nach mir ist die Bloggermeute also auch auf Marie-Flore aufmerksam geworden und lobt ihre Sensibilität, ihren fragilen Gesang, ihre an Cat Power erinnernde Hauchstimme. Alles richtig! Aber inzwischen ist die junge Dame auch live selbstbewußter geworden, hat ihr Gitarrespiel verbessert und ist weniger verkrampft als früher. Manchmal lacht sie sogar, das kam am Anfang wegen des Lampenfiebers eher selten vor.* Und Empty Walls ist und bleibt eine Ballade profunder Schönheit. Aber auch die neuen Songs können sich hören lassen. Eines der Highlights war sicherlich einer der drei Songs, den sie zusammen mit ihrer Backgroundsängerin Owlle performte. Ein düsteres, knisterndes Stück Musik, das auch gut zu einer Desert Session von Josh Homme passen würde und in dem die Gitarre von Marie-Flore zum ersten Mal wesentlich lauter und rockiger eingesetzt wurde. Und dann gab es auch noch das gemischte Duo mit Gaspard Royant. Das Stück Yours wird unter anderem von dem Musikmagazin Magic in den höchsten Tönen gelobt und in der Tat hat das Ganze etwas von Hazelwood/Sinatra, was ja gar nicht so verkehrt ist. Kurzum: Marie-Flore geht ebenfalls ihren Weg, mag er auch etwas langsamer und gemächlicher als der von Le Prince Miiaou erscheinen. A propos erscheinen. Die in Paris lebende Amerikanerin Brisa Roche hatte bei der ersten Gruppe des Abends (BO) einen Gastauftritt, der mir Lust gab, sie mal in einem Solokonzert zu erleben. Die schwarzhaarige Dame hat das gewisse Etwas. Wann spielt sie mal wieder?
* in der witzigsten Szene schilderte sie, wovon der Song Street handele. Sie sei vor ein paar Jahren in einen Jungen verknallt gewesen und wäre immer in der Nähe seiner Wohnung entlanggelatscht, um "zufällig" auf ihn zu treffen. Später stellte sie fest, daß der Bursche längst umgezogen sei...
Aus unserem Archiv:
Le Prince Miiaou, Saint Ouen bei Paris, 30.01.2010 Le Prince Miaou, Paris, 03.10.2009: Le Prince Miiaou, Paris, 28.03.09
Links:
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Konzert: Mo' Fo' Festival, 2. Tag. Mit: Le Prince Miiaou, H-Burns, Coming Soon und vielen anderen Ort: Mains d'Oeuvres, Saint Ouen Datum: 30.01.2010 Zuschauer: überraschend viele
Ein Freund von mir hat mich neulich gefragt, ob es bekannte Bands auf diesem Mo' Fo' Festival gäbe. Ich überlegte kurz und verneinte schließlich. " Dann interessiert mich das nicht", sagte er mit abwertender Geste. Das sehe ich natürlich komplett anders. Ich gebe einen verdammten Scheißdreck darauf, ob Bands einem Massenpublikum bekannt sind oder nicht! Das einzige, was mich interessiert ist, ob die Kapellen gut sind. Darauf kommt es mir an. Und das Mo'Fo Festival verpflichtet Jahr für Jahr wahrlich glänzende Künstler. Die Liste derjenigen, die schon da waren ist lang, sie liest sich fast wie ein Who is Who der internationalen Folk- und Indieszene: Bonnie Prince Billy, Daniel Johnston, The Zombies, Silver Jews, Gossip, The Pastels, Herman Dune, Malcolm Middleton, The Mountain Ghosts, The Black Heart Procession, The Wave Pictures und und und. Hinzu kommen die besten französischen Künstler in dieser Kategorie.
In diesem Jahr hat man auf internationaler Seite mit dem ex-Arab Strap Aidan Moffat (trat am Freitag auf), der englischen Folksängerin Liz Green (am Sonntag am Start), dem Japaner Shugo Tokumaru (Sonntag) und den kultigen Engländern Television Personalities (Sonntag) auch wieder illustre Namen gewinnen können. Wer sagt da noch, daß das Festival schlecht besetzt sei?
Der heutige zweite Festivaltag war übrigens fest in französicher Hand. Aber auch da gab es Perlen, die keineswegs vor die Säue geworfen waren, denn das Publikum in Saint Ouen ist wunderbar fachkundig.
Im Einzelnen:
Le Prince Miiaou: Die junge Frau hinter dem bizarren Pseudonym ist ein Vulkan! Mit ihrem energiegeladenen Set elektrisierte sie mich von der ersten bis zur letzten Minute. Mit wasserstoffblond gefärbten Haaren hüpfte sie wie entfesselt über die Bühne schrie sich die Seele aus dem Leib und raubte mir damit die Sinne! Wow, war das intensiv! Und dann gab es auch noch sehr sinnliche Passage, wo Maud-Elisa fast wie Cat Power klang und mir eine wohlige Gänsehaut bereitete. Für mich ist sie jetzt schon der größte weibliche Rockstar, den es in Frankreich je gegeben hat! Ich weiß das schon eine Weile, aber jetzt merken das immer mehr andere und der Stern von Le Prince Miiaou steigt höher und höher und höher....
H-Burns: Der Mann mit der whiskygetränkten Folkstimme kommt nicht aus Nashville, Tennessee, sondern aus Valence, Südfrankreich. Zusammen mit seiner Begleitband spielte er ein hochkarätiges, folkrockiges Set, gespickt mit tollen neuen Songs vom aktuellen Album We Go Way Back. Schwer in Worte zu fassen, wie sehr ich die Musik von H-Burns liebe. Renaud Brustlein (der Mann hinter dem Moniker) ist so authentisch und geerdet, wie man es sich von einem Folkrocker nur wünschen kann. Keine großen Gesten, Ansagen, oder Ähnliches sondern einfach nur jede Menge fantastische Lieder. No bullshit, just good music.
Coming Soon: Die sechsköpfige Band aus Annecy ist so dermaßen jung, daß man sich verwundert die Augen reibt, daß man sie schon seit 2 bis 3 Jahren kennt und sie schon zwei richtige Alben auf den Markt gebracht haben. Der Schlagzeuger dürfte also inzwischen 15 sein. Oder ist er doch schon 16? Wie auch immer, diese Grünspechte wirbeln in Frankreich die Folkpop Szene gewaltig auf und auch Herman Düne und sein Bruder Stanley Brinks sind große Fans. Die 5 Jungs und das eine Mädel brachten auch heute wieder den Saal zum Kochen und sorgten für jede Menge glücklicher Zuschauer. Stilistisch sind sie eine Kreuzung aus Nick Cave, Lou Reed (den sie gecovert haben) und, nun ja, Herman Düne. Logisch, oder? Gut möglich, daß sie heute den größten Scheck aller Bands bekommen haben*, denn ihr Set dauerte mit Abstand am längsten. Während andere mit 30-45 Minuten Spielzeit Vorlieb nehmen mussten, durften sie mindestens eine ganze Stunde lang zeigen, was sie drauf haben.
Setlist Le Prince Miiaou, Mo'FO' Festival 2010:
01: Blabla 02: Our Tale 03: This Is Not A Map 04: Hawaiian Tree 05: Frénésies Horzontales 06: Intermède 07: Starfish Position 08: No Compassion Available 09: Football Team
Setlist H-Burns, Mo' Fo' Festival 2010:
01: We Go Way Back 02: You Weren't 03: Sail On 04: Half A Man/ Half A Freak 05: Tom Waits 06: Images Are Getting Hard To See 07: Horses With No Medals 08: A Part Of The Film 09: Fires In Empty Buildings 10: Are You Scared Of The Dawn
* wobei wir hier sicherlich nicht von hohen Summen sprechen, das versteht sich von selbst.
Links:
- Selbst Blogger-Mozart Eike vom Klienicum hat (hier!) bereits über H-Burns geschrieben. - Das Klienicum zu Shugo Tokumaru, klick! - Das Klienicum hat Liz Green schon einmal live gesehen. Hier der Bericht. - Tolle Fotos vom Konzert von Le Prince Miiaou gibt es bei le-Hiboo.com
Konzert: Oi Va Voi & Le Prince Miiaou Ort: La Maroquinerie, Paris Datum: 03.10.2009 Zuschauer: viele, es war aber nicht ausverkauft, also circa. 380-400 Zuschauer
"Ich bin nur wegen der Vorgruppe hier." Diesen Spruch kann man auf der schicken blauen Umhängetasche meines Mitbloggers Christoph lesen, mit der auch auf Festivals aufkreuzt. Nicht unbedingt meine persönliche Philosophie, aber manchmal interessiert mich der Support auch mehr als der Headliner. Heute war das beispielsweise so. Das lag aber auch daran, daß ich die Hauptgruppe Oi Va Voi aus England vorher überhaupt nicht kannte. Ganz im Gegenzusatz zu Maud-Elisa, die unter dem Pseudonym Le Prince Miiaou zusammen mit einem Cellisten und einem Drummer seit ein paar Monaten die Pariser Indieclubs heimsucht. Bereits vor 7 Monaten hatte ich Le Prince Miiaou in der Fleche d'or gesehen und bin seitdem Fan und Besitzer ihres ersten, im Selbstversuch herausgebrachten Albums Nécessité Microscopique.
Inzwischen hat Maud-Elisa ein zweites Album (Safety First) veröffentlicht und wird von Monat zu Monat bekannter. Auch die Medien stürzen sich inzwischen auf die junge Sängerin und Gitarristin, sogar das sehr bekannte Blatt "Liberation" schrieb kürzlich über sie und lobte sie in den höchsten Tönen (hier, für diejenigen, die französisch lesen können). Mich wundert das aufkeimende Interesse nicht sonderlich, hatte ich doch seit Monaten von Le Prince Miiaou geschwärmt. Im Grunde genommen schon seit circa Ende 2007 als ich sie bei einem Konzert ihrer besten Freundin Marie-Flore kennengelernt hatte. Ganz schüchtern hatte sie mir damals nahegelegt, ihrer MySpace Seite doch einmal einen Besuch abzustatten und mir ihre Lieder anzuhören. Aber nur, wenn ich nichts anderes zu tun hätte, hatte sie hinzugefügt. Ihre Zurückhaltung war süß, aber in der Sache völlig unbegründet, weil ihre Lieder einfach etwas ganz besonderes sind. Innovativ, sinnlich, euphorisierend, so mein erster Eindruck! Meine Begeisterung ist bis zum heutigen Tag keineswegs Ernüchterung gewichen, im Gegenteil, der Stern von Le Prince Miiaou steigt höher und höher und live hat sie mich heute wieder windelweich geklopft. Diese Mischung aus sinnlicher Schüchternheit und finaler Extase ist einfach atemberaubend! Singt sie zart und weich erinnert sie an Cat Power, explodiert sie hingegen, muss die feurige Scout Niblett oder die hysterische Soap & Skin als Vergleich herhalten. Maud-Elisa kann sich in eine regelrechten Rausch spielen und steckt mich damit jedesmal an. Und auch ihre männliche Begleitband ist alles andere als schlecht. Wunderbar vor allem das Cello, das dem Ganzen eine runde, harmonische Note verleiht, präzise und wuchtig das Schlagzeug.
Schön auch, daß Maud-Elisa ein paar Lieder auf französisch (z.B. No Compassion Avaible) auf Lager hat, das wirkt so erotisch. Jane Birkin lässt grüßen! Mein Lieblingssong ist allerdings ein englischer: Mit Football Team, einem Stück, in dem es über ihren Frust geht, daß die Jungs sie nicht in der Fußballmannschaft mitspielen lassen, hat sie einen veritablen Hit gelandet! Die himmelhochjauchzenden Gitarren auf diesem Knüller sind so catchy, die hätten die Editors nicht besser hinbekommen! "They don't want me in their football team", schrie die Französin mehrfach aus voller Kehle den Refrain und schoß mir damit Pfeile ins Herz. Ihr Bühnenoutfit dazu allerdings etwas exzentrisch: Wozu braucht sie um Himmels Willen eine Taucherbrille und einen roten Umhang?
Aber so ist sie halt: ungestüm, exzentrisch, eigensinnig, trotzig, sinnlich, wild. Sie hat einfach alles, was man braucht, um im Indiebusiness zu bestehen. In spätestens einem Jahr sehe ich sie die Karriereleiter noch deutlich höher emporklimmen. Sie wird dann Headlinerin in der Maroquinerie sein, wetten?
Und wie sich Oi Va Voi geschlagen haben, erzähle ich demnächst ausführlich hier. Soviel sei allerdings bereits verraten: Die ungewöhnliche Mischung aus Klezmer, Balkanfolklore, Ska und Rock hatte es in sich! Und Sängerin Bridgette Amofah und Violinistin Anna Phoebe waren feurig-scharf wie rote Paprika! Anders kann man das gar nicht sagen. Also hingehen zu den Konzerten, die sie in Deutschland spielen werden! Hochstimmung ist garantiert!Zu empfehlen für Fans von Gogol Bordello, Beirut, The Noisettes und A Hawk And A Hacksaw
Oi Va Voi- Everytime (eigentlich eher untypisch für den Stil der Band)
- Oi Va Voi, Yuri live Globaltica. - Le Prince Miiaou in einer dieser tollen Sessions von Le Cargo. Sie performt (hier!) Football Team. Großartig! Und dieser französische Akzent, charmant!
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