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Dienstag, 19. Februar 2013

Bloc Party, Köln, 18.02.13

10 Kommentare

Konzert: Bloc Party
Ort: E-Werk, Köln
Datum: 18.02.2013
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: Bloc Party knapp 90 min, The Joy Formidable 37 min




Ach, Schwamm drüber. Spaß hat der Abend trotzdem gemacht, auch wenn Bloc Party mich heute nur durch ihre Entertainment-Qualitäten, nicht durch das Songmaterial überzeugt haben. Denn das war - objektiv betrachtet - nicht toll. Die Londoner Band hat bei mir allerdings weiterhin so viel Kredit, daß ich darüber hinweg sehe. Schwamm drüber eben.

Im vergangenen Jahr haben Bloc Party ihr viertes Album veröffentlicht. Nachdem das zweite schlechter als das erste und das dritte schlechter als das zweite war, war ich einigermaßen beruhigt daß Four wieder ein Schritt hin zu den Wurzeln der (Gitarren-) Band war. Aber heute beim zweiten Livehören der "neuen" Lieder haben mich die wenigsten davon überzeugt. Wäre Frontmann Kele nicht eine solche Rampensau, wäre das Konzert schlecht gewesen, sechs, wohlwollend sieben gute Lieder, dann aber immer wieder Langweiler reichen eigentlich nicht für eine bessere Bewertung. Aber da die Briten das E-Werk auch mit den Langweilern in Bewegung brachten, rettete die Entertainer-Qualität des Sängers eine ganze Menge!


Vor Bloc Party spielten The Joy Formidable, der heimliche Hauptgrund meines Konzertbesuchs. Ich hätte kürzlich Gelegenheit gehabt, die Waliser bei einem ihrer eigenen Auftritte zu sehen, ein Konzert in Luxemburg, das etwa bis Mitternacht dauern sollte und eine Heimreise durch die winterliche Eifel erschienen mir aber nicht sehr verlockend (zumal die Eifel - so stand es der Legende nach in einer alten Ausgabe des Großen Brockhaus - von einem "diebischen Bergvolk" bewohnt wird). "Ich kann The Joy Formidable ja schließlich auch als Bloc Party Support sehen", war meine Strategie.


Was mich erwarten würde, wusste ich durch die Berichte von Frank auf Pretty Paracetamol und Jens bei uns schon recht gut. Da ich die beiden Alben der Waliser (auch so ein Bergvolk) auch wenigstens ganz gut kannte, blieben die großen musikalischen Überraschungen dann auch aus. Unterschätzt hatte ich aber, was für eine großartige Sängerin der Band vorsteht! Ritzy Bryan verbindet die Coolness einer Laura-Mary Carter mit dem Bewegungsdrang der Subways Gitarristin Charlotte Cooper - und der Beklopptheit vieler anderer Kolleginnen. Sie rannte über die eigentlich ja riesigen E-Werk Bühne, als habe sie gerade in einer Ecke Teile des Equipments verloren. Ihre Bewegungen sahen dabei urkomisch aus. Aber das war erst der Anfang.

Auch Bassist (Achtung: sensationeller walisischer Name!) Rydian Dafydd legte irgendwann anfängliche Hemmungen ab und wanderte und lief umher. Mit tat das dritte Mitglied Matt Thomas leid, der nicht von seinem Schlagzeug wegkam. Als Rydian und Ritzy bei Cradle gleichzeitig am Schlagzeug standen, rempelte die Gitarristin ihren Kollegen Richtung Trommeln. Er kannte das wohl schon und konnte das Gleichgewicht halten, viel gefehlt hat aber nicht. Danach gab sie dem Bassisten einige Zidane-Kopfnüsse - alles während der Lieder, versteht sich! Das war urkomisch! Abgerundet wurde dieses Drumherum von Ritzys (viel zu seltenen) Singsang-Ansagen!


Das Programm war das, was zu erwarten war: die Setlist eine abgespeckte Version derjenigen, die The Joy Formidable bei ihren Clubkonzerten eingesetzt haben. Schlecht war keines der Lieder, am besten aber sicher Cradle und das an- und abschließende Whirring, eine wilde Rocknummer, die in großartigen Szenen endete. Natürlich stieg Ritzy irgendwann auf Matts Schlagzeug und machte da Mätzchen mit ihrer Gitarre, natürlich schmiß Rydian Mikroständer um - Rockstar-Späße. Aber Matt schnappte sich dann die Gitarre und knallte sie gegen den Gong hinter seinem Instrument und schleuderte sie anschließend auf die Bühne! Es gab wohl eine ordentliche Gage heute. Dieser Abschluß war herrlich und rundete das kurze aber genau richtig lange Konzert perfekt ab! So geht so etwas!

Das Publikum war bei den ersten ein, zwei Stücken noch arg lahm, ließ sich aber schnell anstecken. Job prima erledigt!

Setlist The Joy Formidable, E-Werk, Köln:

01: Cholla
02: Austere
03: The ladder is ours
04: Little blimp
05: The greatest light is the greatest shade
06: Cradle
07: Whirring

Fast genauso viel Spaß wie mit The Joy Formidable hatte ich aber auch beim Beobachten der Rockpalast Kameramänner. Üblicherweise nerven diese Fernsehteams ja bei Konzerten. Die heutigen WDR Männer hatten aber offenbar kürzlich einen Workshop "Moderne Kameratechnik", in dem sie eine ganze Menge über die Kunstform des dynamischen Bildlaufs gelernt haben (vielleicht gab es auch einen Vortrag von Peter Scholl-Latour, wie man unter Beschuß Bilder aus Kriegsregionen für die Tagesschau filmt). Jedenfalls standen bei der Vorgruppe zwei bis drei Kameraleute nebeneinander (ohne Stative, das hat Lars von Trier dem WDR geraten!) und filmten aus der Hand. Dabei machten sie lustige Schwenke und Kamerafahrten mit flüssigen Wiegebewegungen. Es sah so aus wie der Jubel dreier Fußballspieler, von denen einen Vater geworden ist. Wundervoll! Der Kameramann-Choreo (sagt man so, habe ich im Fernsehen gelernt) hätte ich noch Stunden zusehen können!


Bei Bloc Party wurde es noch besser! Da gab es ein neues Stilmittel, den Überraschungsschwenk (und auch den machte wieder jeder!): ein Kameramann filmt die Bühne und reißt plötzlich die Kamera um 180° und filmt das Publikum. Und zurück. Und irgendwann wieder schnell und vollkommen unvermittelt ins Publikum. Wow! Ich bin so gespannt auf die Bilder, das muß ganz große Fernsehkunst geworden sein (kein Witz!)

Warum ich während Bloc Party so viel Zeit für meine Grimme-Preis Überlegungen hatte... nun, weil eben weite Teile des Konzerts musikalisch lahm waren.


Es fing an mit So he begins to lie, dem merkwürdigen Mercury, bei dem Bassist Gordon Keyboard spielte und Kele die Gitarre ablegte, bevor mit Hunting for witches und vor allem Positive tension die ersten gute Lieder folgten. Ok, es nimmt Fahrt auf, dachte ich nach Positive tension, um dann mit Real talk einen großen Langweiler serviert zu bekommen. Auch Waiting for the 7:18 war nicht dolle, allerdings erzeugte es mächtig Stimmung im Saal - alles richtig gemacht also.

Das Doppel Song for clay und Banquet war schon beim winzigen Radiokonzert in Koblenz im letzten August ein großes Highlight, auch heute zogen die ineinander übergehenden Titel in der ersten Konzerthälfte mit Abstand am besten. Aber jetzt fängt es also richtig an!


Nein, die Handbremse wurde wieder gezogen. Ich mochte diesen Konzertrhythmus nicht, allerdings - die Erkenntnis kann ich nicht abstreiten, muß ein gutes Bloc Party Konzert für mich hauptsächlich Lieder vom Debütalbum enthalten. Wir haben uns sehr auseinander gelebt.


Day four war schlimm lahmarschig. Puh... Danach eine Eurodisco-Cascade-Stampf-Version von One more chance - auch nichts für mich! Octopus war wieder eine der Ausnahmen, das gefiel mir recht gut, We are good people war nichtssagend - und der plötzliche Abschluß! Wie, nicht mehr alte Lieder? Um Gottes Willen! Was müssen jetzt für tolle Zugaben kommen.

Als die Band wiederkam, griff Kele meine Gedanken auf: "jetzt kommt die zweite Hälfte des Auftritts!" - "Some might say the more important part of our performance"

... um dann ausgerechnet Kreuzberg zu spielen. Kein Hit leider. Ares danach musste man zu den besseren Liedern zählen, bevor This modern love endlich meine Alt-Sehnsucht erfüllte! Flux schloß diesen Zugabenteil ab. Auch wenn Helicopter noch fehlte, war ich gar nicht mehr so sicher, ob es das nicht doch schon war. Aber die Roadies stimmten glücklicherweise die Instrumente, es sollte also weiter gehen.


Als sie wiederkamen, kündigte Kele, der den ganzen Abend über mit offenem Mund Kaugummi knatschte, ein neues, unveröffentlichtes Stück an. Ratchet heißt das Lied und erinnert dramatisch an Scatman! Schlimm!

Nach Truth kam dann noch Helicopter, toll wie immer, das viel rausriss. Das machte aber eben auch vor allem der Frontmann mit seiner großen Show. Musikalisch haben mich Bloc Party verloren. Ich habe mir den Aufwärtstrend mit Four im vergangenen Sommer wohl nur schöngeredet. Höre ich halt jetzt wieder das Debüt!

Setlist Bloc Party, E-Werk, Köln:

01: So he begins to lie
02: Mercury
03: Hunting for witches
04: Positive tension
05: Real talk
06: Waiting for the 7:18
07: Song for clay
08: Banquet
09: Coliseum
10: Day four
11: One more chance
12: Octopus
13: We are good people
14: Kreuzberg (Z)
15: Ares (Z)
16: This modern love (Z)
17: Flux (Z)
18: Ratchet (neu) (Z)
19: Truth (Z)
20: Helicopter (Z)


 


Dienstag, 28. August 2012

Festival Rock en Seine bei Paris erster Tag, 24.08.12

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Festival Rock en Seine

Ort: Domaine National de Saint Cloud bei Paris
Datum: 24.08.12
Zuschauer: insgesamt über drei Tage verteilt 110.000! Rekord!


Alle Jahre wieder. Ende August, Rückreise von Deutschland mit dem Thalys nach Paris und auf zum Festival Rock en Seine. 3 Tage lang Musik hören und sehen, jungen sexy Mädchen in engen Jeansshorts nachglotzen (so viele heiße Hinterteile, meine Fresse! Entschuldigung Mutti), die altbekannten Konzertjunkies wiedertreffen. Ein schönes Gefühl. Ein Ritual, das die Anonymität der Großstadt durchbricht und Menschen eint. Die Mainstream-Fuzzies sind für die bekannten großen Bands gekommen und freuen sich auf die Konzerte auf der Hauptbühne. Der elitäre Musikhörer, zu dem ich wohl ohne das unbedingt zu wollen, zu rechnen bin, rümpft bei Namen wie Placebo und Green Day eher die Nase und muss sich zusammenreißen, nicht seinen zuvor verzehrten Döner auf die Wiese zu kotzen. Wir Kenner privilegieren natürlich die kleineren Bühnen, ziehen Newcomer und Indiebands den Stadionheinis vor.

Somit war klar, daß ich erst einmal auf der kleinsten Bühne, der Scène de l'industrie, Halt machte. Auf Grund der elend langen Schlangen beim Einlass war ich spät dran und hatte die ersten beiden Lieder der Französin Owlle verpasst, dann aber war ich voll konzentriert und schon ziemlich bald von der elektronisch angehauchten Musik, der leicht souligen Stimme und der beeindruckenden Bühnenpräsenz der rotgefärbten Dame eingenommen.

France, wie Owlle mit bürgerlichem Namen heißt, hatte ich schon vor etlichen Jahren kennengelernt. Damals war sie Backgroundsängerin bei ein paar Liedern der talentierten Indierockerin Marie-Flore und erzählte mir, daß sie dabei sei, auch eigene Lieder zu schreiben. Sie werde bei MySpace mal einen Song reinstellen. Dieser Song war dann sehr folkig angehaucht und mit schöner Stimme vorgetragen. Potential war also da, selbst wenn alles noch in den Kinderschuhen steckte. Im Laufe der Zeit hat Owlle dann aber stilistisch ein Wendung um 180 Grad vollzogen und sich dem Elektropop zugewandt. Dies zeigte sich auch optisch. Hatte sie damals langes offenes, dunkelbondes Haar, trug sie nun rote Haare und einen strengen Pony. Statt lässigem Karohemd waren nun auffällige Oberteile angesagt. Neue Lieder wurden aufgenommen und in kleinen Dosen im Netz verbreitet. Leute aus der Musikbranche wurden auf Owlle aufmerksam, buchten sie für Konzerte in den guten Indieklubs der Kapitale. Die Zeitschrift Les Inrocks schürte das Feuer weiter und 2012 nun ist Owlle, ganz ohne ein Album veröffentlicht zu haben, dem Indievolk in Paris schon ein fester Begriff.

Bei Rock en Seine galt es nun die Vorschußlorbeeren zu bestätigen Und dies tat die aus Südfrankreich stammende Sängerin auch. Zusammen mit zwei männlichen Mitmusikern an Drums und Keyboard legte sie ein fetziges, musikalisch gelungenes Set aufs Parkett, bei dem sowohl ihre stimmlichen Qualitäten überzeugen konnten, als auch die Songs, die über die nötige Catchyness verfügten und abwechslunsgreich waren. Besonders erfreut war ich darüber, daß das Ganze organisch blieb und nicht mit der für elektronische Musk üblichen Kühle und Distanz performt wurde. Man merkte, daß Owlle, die als einstiges Instrument ein Omnichord spielt, Seele in die Stücke legte und keine unnahbare Diva war. In der Fachpresse gebrachte Vergleiche mit Fever Ray oder Zola Jesus passten insofern nicht so recht, ich persönlich dachte eher an Austra oder Bat For Lashes, wenngleich Owlle glücklicherweise am meisten nach ihr selbst klingt. Ihr treibender Beat sorgte jedenfalls für eine richtig gute Stimmung im Partyvölkchen und hinterher sprachen viele von einem guten Konzert. Anspieltipp: der ohrwurmige Hit Ticky Ticky.


Nach Owlle ging es gleich mit weiblichem Elektropop weiter. Die wahnsinnig gehypte Kanadierin Grimes spielte nämlich auf der schönen Bühne pression live, die erst letztes Jahr eingeweiht wurde und die Zahl der stages auf vier erhöhte. Sie liegt auf einem heimeligen Hang, den man über einen kleinen Waldweg erreicht. Etliche Fans hatten sich auch hier eingefunden und Grimes performte genau wie zuvor Owlle zwar nur eine halbe Stunde, dafür aber mit viel Energie und Spielfreude. Herrlich zu erleben, daß sie oft verschmitzt lächelte und man ihr anmerken konnte, daß sie so richtig Bock hatte. Claire Boucher wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, ist ein richtiger kleiner Wirbelwind und fegte mit ihrem flotten Zopf und dem Schottenröckchen pausenlos hin und her. Hektisch drehte sie an Reglern und Knöpfchen und kredenzte einen wummernden, mächtig pumpenden Synthetiksound, den sie mit ihrer zerbrechlichen und hohen Stimme (sang da etwa ein japanisches Baby?) untermalte. Ihr zur Seite standen ein apathischer und mechanisch agierender Schlagzeuger und ein Tänzer mit langen blonden Haaren, dessen einzige Aufgabe es war, zu den Tracks abzutanzen und sein Haar im Stile eines Headbangers zu schütteln. Nicht nur ich ich fragte mich hinterher, was der Bursche da zu suchen hatte, ich hielt seine Einlagen für einen Aprilscherz.

Aber egal, die meisten beobachteten ohnehin nur die kesse Zopfträgerin mit dem Lolitalook, die stampfende Tanznummern wie Oblivion oder das perlende Be A Body erklingen ließ und dabei auch immer wieder die Looptechnik zum Samplen ihrer Stimme benutzte und manchmal richtige kleine gothisch angehauchte Chöre erschuf. Das Ganze klang düster, verhallt und vor allem gegen Ende der Stücke experimentell. Dream Pop, Witch House, Chillwave, Experimental Pop, so ist das wohl zu kategorisieren, aber bei dem fabelhaften Genesis gab es auch Passagen, die an deutschen Krautrock denken ließen.

Ingesamt ein kreatives und gutes Set. Vonn Crimes werden wir noch hören.

Setlist Grimes, Rock en Seine 2012:

01: Vanessa
02: Oblivion
03: Be A Body
04: Genesis
05: Phone Sex

Um 17 Uhr ging es für mich auf der Scène de L'Industrie mit den Franzosen Yeti Lane weiter. Über die hatte ich ja schon vor geraumer Zeit mehrfach geschrieben, sie aber nun seit einer Weile nicht mehr gesehen. Inzwischen ist ihr zweites Album erschienen und trotz soundtechnischer Veränderungen passen nach wie vor die Schubladen Dream Pop, melodramatischer Pop, schwarz gefärbter ätherischer Neo New Wave, Postrock. Bei einigen Stücken wie Analog Wheel hört man aber auch eindeutig Krautrock-Einflüsse heraus Der Herman Dune Gitarrist Ben Pleng ist Sänger bei Yeti Lane, der kahlköpfige Charlie der Drummer. Die beiden ex-Cyann und Ben Musiker spielten vorwiegend Stücke ihres zweiten Albums The Echo Show, das bei dem kreativen Label Clapping Music veröffentlicht wurde. Durchgängig gutes Liedmaterial das zwar zu nächtlicher Stunde sicherlich besser gepasst hätte, aber auch an einem sonnigen Nachmittag wie diesem zu gefallen wusste.



Daumen hoch also für Yeti Lane!

Aus reiner Neugierde ließ ich mich dann noch dazu hinreißen, zur Hauptbühne zu wetzen, wo die Dänen The Asteroids Galaxy Tour und ihre wie immer extravagant gekleidete Sängerin Mette Lindberg mit ihrem Konzert in den letzten Zügen lagen. Stilistisch war das nix für mich, aber die knappe silberne Gliterzshort von Mette war definitiv ein Hingucker! Zu ein paar netten Fotos hat es zumindest gereicht und vielleicht passiert mir ja das Gleiche wie vor ein paar Jahren, als ich eines meiner Fotos von The Asteroids Gakxy Tour für 250 Dollar an ein amerikanisches Modemagazin verkaufen konnte!


Nun aber gab es keine Zeit mehr, lange über pekuniäre Dinge nachzudenken. Schließlich standen Get Well Soon zusammen mit dem etwa 40 köpfigen Orchestre National de L'Ile de France auf der Scène de la Cascade bereit. Es war 17 Uhr 35 und es regnete in Paris, aber irgendwie unterstrich der dunkle Himmel und der fallende Regen die dunkle, melodramatische Stimmung der orchestralen Lieder des Konstantin Gropper aufs Beste. Gropper war ganz schick erschienen, kam in dunklem Anzug mit schwarzer Krawatte und genauso elegant wie sein Auftreten war die Musik seiner Band, die in kürzester Zeit gelernt hatte, gemeinsam mit einem ausgewachsenen Orchester mit unzähligen Streichern zu spielen. Es gab somit also gleich zwei Dirigenten: zum einen den etatmäßigen des Orchesters der Ile de France und Konstantin, der mit Get Well Soon vor dem klassischen Ensemble agierte. Absolut verblüffend, wie harmonisch diese vielen Musiker agierten, es klang als hätten sie seit Ewigkeiten zusammen geprobt und gespielt und die Symbiose aus Klassik und melodramatischem Indierock funktionierte sensationell gut. Die unter Regenschirmen stehenden Zuschauern hörten eine sehr stolze, erhabende, heroische Musik, in der neben den Orchesterinstrumenten auch Glockenspiel, Steel Drum, die Opern geschulte Stimme von Konstantins Schwester Verena und zahlreiche Trommeln positiv auffielen. Ein perfekt beherrschter Bombast, der aber nie schwülstig oder schmierig rüberkam, sondern immer geschmackvoll und voller Klasse und Eleganz blieb.


Man dachte nicht wie sonst an Radiohead, Beirut und Calexico als Referenzen (es fehlte ja auch die Trompete von Maxi) sondern eher an Divine Comedy, den wüstensandgefärbten Dramatikpop von Other Lives, Enno Morricone und seine Westernsoundtracks und französische Spielfilme aus den 60 er und 70 er Jahren. Ich persönlich will sogar einen Hauch der Sinnlichkeit und Melancholie von Gainsbourg/Birkin herausgehört haben. Ob es daran lag, oder an den sehr ordentlich formulierten kleinen französischen Sätzchen von Gropper, daß die Franzosen das Konzert so sehr mochten, mag dagingestellt sein, denn es war die Qualität der Lieder und die taldelose Liveumsetzung, die eindeutig für Get Well Soon sprachen. Sachen wie Werner Herzog Gets Shot, A Burial At Sea, das als Rocksong angekündigte Angry Young Man und das als Grande Finale bezeichnete You Cannot Cast Out The Demons klangen einfach fantastisch und ließen einen das Regenwetter vergessen.


Am Ende lagen sich Orchester- und Rockmusiker in den Armen und ließen sich gemeinsam feiern. Das neue Album The Scarlet Beast O' Seven Heads erscheint in Paris am Montag, das nächste Konzert findet in der Seine Metropole am 31 Oktober in der Gaité Lyrique statt. Ich werde dabei sein, so viel ist klar!

Setlist Get Well Soon, Rock en Seine 2012:

01: I sold my hands for food so please feed me
02: Seneca's silence
03: A voice in the Louvre
04: 5 steps/7 swords
05: Roland, I feel you
06: Werner Herzog gets shot
07: The last days of Rome
08: Listen! Those lost at sea sing a song on christmas day
09: A burial at sea
10: Angry young man
11: You cannot cast out the demons (You might as well dance)


Um 19 Uhr 15 waren The Shins an der Reihe. James Mercer, den Chef und Sänger der Band hatte ich seit Jahren nicht mehr auf einer Bühne gesehen und inzwischen ist er mit einer ganz neu zusammengestellten Truppe unterwegs. Die alten Leute sind alle weg, er ist der Einzige, der aus der Startformation übrig geblieben ist. Etwas ungewohnt also, so viele neue Gesichter bei den Shins zu sehen. Erfreulich war aber der Anblick von Jessica Dobson (auch schon für Beck aktiv), der einzigen Dame in der Gruppe. Sie hatte nicht nur ein hübsches Lächeln, sondern auch einen schönen Arsch, der in einen schwarzen Rock gehüllt war. Die aparte Lady, die auch ihr eigenes Projekt Deep Sea Diver betreibt, spielte Gitarre und machte ihre Sache ebenso gut wie der Rest der Band, allen voran der neue Schlagzeuger Joe Plummer (ehemals Modest Mouse), der den gefeuerten Jesse Sandoval abgelöst hatte.


Mir fiel sofort auf, daß schneller und agressiver als früher gespielt wurde und es deutlich mehr Orgel im Soundbild gab. Deshalb klangen alte Klassiker wie Australia teilweise ganz anders als auf CD, aber nicht weniger reizvoll. Ohnehin gefielen mir die altbekannten Stücke besser als das neue Material, das mit Bait And Switch einen echten Rohrkrepierer zu beklagen hatte. Und auch die eher biedere aktuelle Single It's Only Life kam an alte Glanztaten wie das ganz hervorragende Saint Simon nicht heran. Wahrscheinlich wussten The Shins das und deshalb fand man auch überwiegend erprobte und starke Stücke aus dem Backkatalog wie z.B. das rasante und massiv euphorisierende So Says I von Chutes Too Narrow im Set wieder.


Von dem neuen Album Port Of Morrow stach allerdings No Way Down heraus, da kamen die melodischen Qualitäten der Band voll zur Geltung. Der Titeltrack schließlich war eine gefühslduselige Ballade, von der ich auf Anhieb nicht wusste, was ich von ihr zu halten hatte. Bei der Bewertung des gesamten Konzertes fiel mir das Votum hingegen leichter. Das war gut, selbst wenn ich vergeblich auf alte Lieblinge wie New Slang, Know Your Oninon oder Sleeping Lessons wartete.

Setlist Shins

01: Caring Is Creepy
02: Australia
03: Simple Song (viel Orgel)
04: Bait And Switch
05: Phantom Limb
06: Rifle
07: Saint Simon
08: It's Only Life (new single)
09: So Says I
10: Kissing The Lippless
11: No Way Down
12: Port Of Morrow

Setlist Sigur Ros, Rock en Seine 2012

01: i Gaer
02: Varúð
3: Saeglópur
04: Festival
05: Hoppípolla
06: Með Blóðnasir
07: Hafsól
08: Popplagið

Bericht Sigur Rós gleich!



Bloc Party, Festival Rock en Seine bei Paris, 24.08.12

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Konzert: Bloc Party, Festival Rock en Seine

Ort: Grande Scène, Domaine National de Saint Cloud bei Paris
Datum: 24.08.2012
Zuschauer: Tausende
Konzertdauer: etwa eine Stunde


Get Well Soon waren gut (und zwar richtig gut!), Bloc Party besser! Die wiedervereinte Band aus England bescherte mir also das Konzert des Tages bei diesem schönen Festival, das gleich vor den Toren von Paris auf der weitläufigen Anlage der Domaine National de Saint Cloud stattfindet.

Nur einen Tag nach ihrem intimen Gig in Koblenz vor 250 Zuschauern, ging es für Bloc Party zurück zur Normalität, sprich dem Bespielen der Main Stages bei den Sommerfestivals. Sie seien noch etwas "rusty", also rostig, wie uns Basser Gordon Moakes beim Interview in Koblenz anvertraut hatte. Davon merkte man allerdings nicht viel, denn ihr Set flutschte richtig gut und die neuen Songs fügten sich problemlos in das altbekannte Material ein. Es wurde schnell und schnörkellos gespielt, genau nach meinem Geschmack. Von elektronischen oder experimentellen Spielereien hielt man sich weitestgehend fern, die in der Mehrheit mißratenen Stücke des dritten Albums Intimacy wurden bis auf Ares ganz ausgelassen und von dem überragenden ersten Album Silent Alarm kamen vier Stücke, die allesamt nichts von ihrer Zugkraft und Ungestümheit verloren hatten.


Natürlich wollte man aber auch erfahren, was von dem neuen Kram vom brandneuen Output Four zu halten ist und zumindest hinsichtlich der Live-Feuerprobe kann man sagen, daß sie mit Bravour bestanden wurde. Opener Octopus legte gleich ein hohes Tempo vor, das aber von Stücken wie Team A und insbesondere Truth recht mühelos gehalten werden konnte. Truth ohnehin ein großartiger Titel, gleichzeitig luftig, melodiös, sehr rhythmisch und zackig, aber auch verträumt, zärtlich und nachdenklich. Ein instant Hit!


Hits gab es sowieso reichlich, hier wurde nicht auf B-Material zuückgegriffen, sondern in einer der besten Phasen mit einem fulminanten Song For Clay (tausend mal besser als auf dem Album) und einem nach wie vor unwiderstehlichen Banquet zu einem erbarmungslosen Doppelschlag angesetzt. Alles tanzte, tausende Finger gingen in die Höhe und Kele legte sich, die Leute anpeitschend, ("come on fuckers!") gesanglich voll ins Zeug. Immer noch verblüffend, wie weit der Kerl seinen Mund dehnen kann. Wie eine Schlange, die seinen Kiefer ausklingt. Irre!


Wenn eine Scheußlichkeit zu beklagen war, dann war es lediglich Keles gräßliches Hemd, gegen das selbst die widerlichen Teile von Magnum nachträglich als schick erschienen.* Lästerer wollen übrigens festgestellt haben, daß Okereke seine Hemden nun mehr ausfüllt, sprich an Gewicht zugelegt hat. Sei's drum, so hatte er genügend Kraft, sowohl stimmlich als auch körperlich. Ist er eben jetzt ein Schwergewichtsboxer (keine Anspielung auf den Albumtitel seines Soloalbums, nein nein), der weniger oft aber effektiver austeilt.


Gut gelaunt war er jedenfalls und auch das Publikum hatte er schnell im Griff, wenngleich er in gleich zwei Situationen um mehr Beifall und Enthusiasmus bat (das erste Mal war als er von der Veröffentlichung des neuen Albums sprach, da gab es für seinen Geschmack viel zu wenig Feedback).

Am Ende musste ich dann noch einmal an unser Interview mit Bassist Gordon denken. Der schlanke Bursche, der mit seinem spitzen Bärtchen inzwischen wie d'Artagnan aussieht, musste nämlich bei dem eletronischen Flux hinter's Keyboard, eine Aufgabe, die ihm nicht sonderlich gefällt. Mit einem deutlichen und umissverständlichen "ja" hatte er beim Interview auf meine Frage geantwortet, ob er happy sei, daß Bloc Party nach elektronischen Experimenten von Kele nun wieder rockiger zu Werke gingen, Dabei machte sich Flux eigentlich gar nicht schlecht, im Gegenteil, selbst diese Nummer wurde live zu einem äußerst tanzbaren Zungenschmalzer voller Rhtyhmik und als Helicopter mit seinen messerscharfen Gitarrenriffs und den rasanten Schlagzeugsalven von Matt Tong ertönte, gab es im Publikum ohnehin kein Halten mehr.

Bloc Party sind zurück, keine Frage. Nur Erbsenzähler fanden bei diesem fulminanten Konzert noch ein Haar in der Suppe.

Setlist Bloc Party, Rock en Seine:

01: Octopus
02: Hunting For Witches
03: Positive Tension
04: Kettling
05: Song For Clay
06: Bnquet
07: Team A
08: One more Chance
09: Truth
10: This Modern Love
11: Ares
12: Flux
13: Helicopter

* andere kleine Scheußlichkeit: der metallene Song Kettling, der Pussy Riot und allen Leuten, die für ihre Überzeugungen eintreten, gewidmet wurde.




Donnerstag, 23. August 2012

Bloc Party, Koblenz, 23.08.12

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Konzert: Bloc Party
Ort: Circus Maximus, Koblenz
Datum: 23.08.2012
Zuschauer: 250 (ausverkauft)
Dauer: 70 min



Bloc Party haben wieder Spaß an ihrem Job. Sänger Kele Okereke strahlte den ganzen Abend und schien das kleine, von einem Radiosender organisierte Konzert im Koblenzer Circus Maximus sehr zu genießen. Als es um zehn nach neun eigentlich losgehen sollte, wollte Schlagzeuger Matt Tong noch Korrekturen an den Snares vornehmen. "Come on! It's a rock show!" gab Kele zurück.

Die Band, die 2005 mit Silent Alarm eines der wichtigsten Alben der letzten 20 Jahre veröffentlicht hat, hatte sich spätestens mit ihrer dritten Platte Intimacy (2008) auseinander gelebt. Dem Frontmann konnte damals nichts elektronisch und experimentell genug sein, der Rest der Band sah einen anderen Weg. Man einigte sich auf eine Auszeit, betrieb eigene Projekte. Ich war vor zwei Jahren sehr sicher, daß die einstigen Lieblinge sich irgendwann ganz diskret auflösen würden, empfand das auch nicht mehr als schrecklich schlimm, weil Intimacy auch für mich ein - um es sehr vorsichtig auszudrücken - schwieriges Album ist. Freunde rieten mir zwar, mich von den beiden ersten Liedern Ares und Mercury nicht abschrecken zu lassen, danach werde es hörbarer, wirklich oft hielt ich dies aber nicht durch. Ich bin musikalisch einfach gestrickt und wechselte dann lieber zu bewährten alten Freunden wie Banquet.


Bloc Party fanden aber wieder zusammen und schrieben eine neue Platte, die nachher erscheinen wird. Four ist vor allem mit Gitarren instrumentiert und verläßt die elektronischen Wege, die ich ungerne weiter mitgegangen wäre. Wie praktisch, daß genau im richtigen Moment die Möglichkeit bestand, die neuen Stücke live kennenzulernen, das Album kenne ich nämlich nur teilweise.

Ein Radiosender hatte die Band zum "kleinsten Konzert der Welt" nach Koblenz eingeladen. Ich höre nur den Indie-Deutschlandfunk oder Plan B bei Einslive, kenne das Programm von Big.fm daher nicht. In der normalen Radiolandschaft scheinen Konzerte jedenfalls nur diese Dinger Rihanna aufwärts zu sein, etwas ganz anderes also als die Auftritte, die ich oft sehe (vor einer Handvoll Leute). Aber es war ganz sicher die kleinstmögliche Chance die Briten zu erleben, die ich zuletzt vor 5.000 Zuschauern im Kölner Palladium gesehen hatte. 250 Leute waren in dem kleinen Kellerclub, den wir eine Ecke größer in Erinnerung hatten. 250 Leute bei Bloc Party! Die Tickets für dieses Konzert hatte man nur gewinnen können, umso erstaunlicher, daß wenige zufällige Besucher und viele Fans da waren, ein ganz anderes Publikum also, als zu erwarten gewesen wäre.

Drinnen bemerkte man die Enge des Raums fast überall. Der riesige Truck vor dem Club war wohl randvoll gewesen, an allen Wänden standen Gitarren, Kisten, Geräte. Wir stellten uns links auf, weil ich Bassist Gordon bei unserem Interview am Nachmittag eine der von ihm gestalteten Becks Flaschen versprochen hatte (die Brauerei hatte es nicht geschafft, ihm ein paar Belegexemplare zukommen zu lassen). Natürlich habe ich mich nicht getraut, sie am Wellenbrecher vorbei auf der Bühne abzustellen, die nette Roadie-Frau übernahm das dann aber, nachdem sie die Flasche bewundert hatte. Wir wurden später Konzertnachbarn, sie stand nämlich immer wieder direkt neben mir und stimmte Gordons Bässe während des Konzerts. Ich stand an einer auf den Boden geklebten Linie und sie auf der anderen Seite im aufgemalten Backstage Bereich!

So he begins to lie vom neuen Album eröffnete das Konzert. [Damit fange ich an der Stelle an, an der es ein guter Abend wurde. Vorher hatte eine Animateurin namens Jenny, die ihr Handwerk auf einer der dämlichen Mittelmeerinseln mit schönem Hinterland gelernt hat, die Stimmung zum Überkochen gebracht, indem sie uns ausflippen ließ und immer wieder betonte, wie geil doch "Bloc Pahhdy" (in diesem Rap-Hanseatisch) seien. Sie erklärte noch, warum Bloc Pahhdy keine Zugaben spielen würden und wie nett doch ihr Interview mit Gordon gewesen sei (wir hatten seine Laune mit einem kleinen Geschenk verbessert, sie bekam die dann ab) und daß der Bassist ihr seine zehn Lieblingslieder genannt habe, die sie auf Big.fm spielen werde. "Das sind alles wilde Sachen, die wir sonst nicht im Programm haben. Nirvana und so." Hui!]. So he begins to lie also... Es fällt mir noch schwer, richtig viel zu den neuen Liedern zu sagen, weil ich bisher nur Schnippsel auf der Band-Homepage gehört habe. So he begins to lie hat noch einen langsamen Grundton aber schon die krachenden Gitarrenwände, die typisch für Four zu sein scheinen. Einfache Faustregel heute: wenn ich ein Lied nicht kannte, und es viele Gitarren hatte, war es neu. Unbekannt und keine Gitarrenwände bedeutete drittes Album.

Die vorab ausgekoppelte Single Octopus folgte und punktete. Beim ersten Hören hatte mich das Stück noch gelangweilt, es gewinnt aber immer mehr an Fahrt und hat mich heute überzeugt! Und es war ein schöner Einstieg in eine grandiose Phase des Konzerts. Hunting for witches, das alles überragende Positive tension, dann die kurze Metal-Einlage Kettling (so jedenfalls stelle ich mir Metal vor), bevor mit Song for Clay und Banquet ein Doppellied folgte, also beide Stücke ohne Pause nacheinander mit einem phänomenal guten Übergang!

Gegen diese erste Konzerthälfte kam der Rest nicht richtig an. Das war allerdings auch nicht mehr nötig, weil alle Claims abgesteckt waren. Der Saal war mittlerweile trotz Klimaanlage mollig warm, der immer noch breit grinsende Sänger kaum auf seinem Platz zu halten und das Publikum verzückt. Nach Song for Clay / Banquet (sensationell: Gordons Zweitstimme bei Song for Clay!) konnte eben keine musikalische Steigerung mehr kommen, das Konzert ging damit aber souverän und stilvoll um und verflachte nicht etwa.

Die zweite Hälfte enthielt aber auch mit Flux und One more chance die beiden schwächsten Lieder des Abends, dafür aber den Knüller This modern love und die beiden Neulinge Day4 und Team A, zu denen ich noch nicht viel sagen kann. Musikalisch waren die größten Knüller schon gespielt, also war es Zeit für Ausflüge. Kele hatte irgendwann gesehen, daß an der Rückwand ein Transparent des veranstaltenden Radiosenders hing. Er mochte das nicht, riss es ab, nahm es und ging zur Überraschung seiner hektisch werdenden Roadies und Soundleute auf Tour durch den winzigen Club. Bisher hatten seine Wanderungen am Wellenbrecher geendet, jetzt lockte die Bar. Dort zeigte er auf seinen Wunschschnaps, ließ sich den reichen und nahm eine ordentliche Portion - und grinste noch mehr.

Spätestens als die Band nach Flux (und damit vor Helicopter) die Bühne verließ, war klar, daß Pahdy-Jenny schlecht informiert war, es würde selbstverständlich Zugaben geben. Truth von Four ist wieder eines der ruhigeren Lieder, das wollten die Engländer aber so nicht stehen lassen und drehten die Lautstärke noch einmal kräftig auf. So laut, daß ich trotz meiner Ohrstöpsel ein Rauschen als Erinnerung mitgenommen habe - und leider auch so laut, daß Helicopter stark übersteuert war. Aber auch dieses leicht verpatzte Ende konnte nichts daran ändern, daß wir nicht nur ein sehr exklusives sondern auch ein sehr sehr gutes Konzert gesehen hatten.

Bloc Party waren 2005 eine der Bands, die mir wieder Spaß an Musik gebracht haben. Sie haben einen großen Anteil an der Konzertleidenschaft (um auch das zurückhaltend auszudrücken), die zu dieser Seite führte. Daher erschreckte mich in den letzten Tagen die Erkenntnis, daß sie mir in den letzten ein, zwei Jahren egal geworden waren, etwas das ihre Zeitgenossen Franz Ferdinand mir ebenso beschert hatten. Aber wie vor ein paar Monaten die Schotten haben auch Bloc Party 'tschuldigung Paahdy sich mit einem Konzert wieder zurückgespielt. Die Band hatte riesigen Spaß, wir hatten riesigen Spaß und auf die Platte nachher freue ich mich!

Ein wirklich toller Konzertabend, dabei hätte so vieles ihn versauen können. Schön, daß ihr wieder da seid, Bloc Party!

Setlist Bloc Party, Circus Maximus, Koblenz:

01: So he begins to lie
02: Octopus
03: Hunting for witches
04: Positive tension
05: Kettling
06: Song for Clay
07: Banquet
08: Day 4
09: Team A
10: One more chance
11: This modern love
12: Ares
13: Flux

14: Truth (Z)
15: Helicopter (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Bloc Party, Paris, 28.08.09
- Bloc Party, Highfield, 15.08.08
- Bloc Party, Köln, 08.05.07
- Bloc Party, Paris, 27.04.07

Interview mit Gordon in den nächsten Tagen!



Samstag, 29. August 2009

Festival Rock en Seine bei Paris, 28.08.09

10 Kommentare

Konzert: Festival Rock en Seine, 1. Festivaltag

Ort: Domaine national de Saint-Cloud bei Paris
Datum: 28.08.2009
Zuschauer: ausverkauftes Festival


Inzwischen eine schöne Tradition: Ende August treffe ich nach den Sommerferien meine Pariser Freunde wieder und gemeinsam genießt man drei Tage lang etliche Konzerte vor den Toren der Metropole. Auch der Wettergott hat in den letzten Jahren immer mitgespielt, problematischer war eigentlich eher die Zuverlässigkeit der gebuchten Headliner. Aber dazu später mehr...

Beginnen wir einfach mit den Konzerten, die auf dem brechend vollen Gelände der herbstlich wirkenden Domaine de Saint-Cloud stattfanden.

Keane:

Mein persönlicher Festivaltag begann gegen 16 Uhr 30 mit den Engländern Keane. Die sind eigentlich auch in Frankreich so groß, daß sie das riesige Zénith (ca. 7000 Plätze) füllen können. Hier und heute mußten sie sich aber mit der unbeliebten Nachmittagszeit begnügen und bekamen auch nur eine Spielzeit von circa. 45 Minuten zugestanden. Den Anfang hatte ich verpasst, aber mit Is It Any Wonder? bekam ich prompt einen alten Hit vom zweiten Album Under The Iron Sea serviert. Ein Album, daß ich zugegebenermaßen gar nicht besitze, denn ich war schon nach dem Debüt Hopes And Fears von Bord gegangen. Und dies obwohl ich den Erstling eigentlich sehr schätzte. Dazu stehe ich, wohlwissend, daß Keane als seicht, schmalzig und beliebig gelten und ihr Sound gerne als Fahrstuhlmusik bezeichnet wird. Aber ich mochte nun einmal melancholische Stücke wie Somewhere Only We Know oder Everybody's Changing und habe die damals auch gerne unter der Dusche gepfiffen, hatte damit allerdings auch mein Bedürfnis nach Zuckerguß erst einmal gestillt. Natürlich kam auch heute Somewhere Only We Know und zumindest ansatzweise habe ich auch wieder ein gewisses Kribblem im Bauch gefühlt, als es erklang. Mit Crystal Ball, dem (wohl) besten Lied von CD Nummer 2 und Bedshapped, dem persönlichen Lieblingslied des milchbubigen Sängers Tom Chaplin wurde dann abgeschlossen und viele Zuschauer, die Keane noch nie live gesehen hatten, wunderten sich wie dynamisch, agil und wild Tom, aber auch die anderen beiden, Drummer Richard Hughes und Pianist Time Rice-Oxley zu Werke gingen. Für mich war das nicht neu, hatte ich Keane doch bereits einmal vor ein paar Jahren im Olympia erlebt.

Ein guter Auftritt einer sympathischen Band.

Setlist Keane, Festival Rock en Seine, Paris 2009:

01: The Lovers Are Losing
02: Everybody's Changing
03: Nothing In My Way
04: Perfect Symetry
05: Is It Any Wonder?
06: Spiralling
07: Somewhere Only We Know
08: Crytal Ball
09: Bedshaped

Yeah Yeah Yeahs:

Allein schon dieses unglaublich lange Mikro. Wie ein Phallussymbol und dann reckt Sängerin Karen O das Ding auch noch die ganze Zeit wie eine Monstranz gen Himmel! Blasphemie? Oder einfach nur typische Provaktionen aus dem Lexikon für Rockstars? Am Anfang bleibe ich jedenfalls sehr skeptisch, wozu auch Christophs gemischt ausgefallene Konzerteinschätzung von vor ein paar Monaten beigetragen hatte. Das früh gespielte Phenomena plätschert vor sich hin und ich bereite mich innerlich schon auf ein mittelmäßiges Konzert vor. Aber dann, mit dem dritten Lied Heads Will Roll platzt der Knoten. Karen, die in ein goldenes Paillettengewand gehüllt ist, schafft es, die Leute in Bewegung zu bringen. Das ganze Festivalgelände tanzt und die Sonne lacht ebenso wie die wilde Frontlady, die Sprungfedern an den Füßen zu haben scheint. Von nun gibt es kein Halten mehr. Klar ist da viel Gepose und Getue dabei - oft fühle ich mich an ein weibliches Pendant von Iggy Pop erinnert- aber das Weib hat einfach Feuer unter dem Arsch! Der Beweis folgt mit dem garagenrockigen Pin auf dem Fuße und selbst die neuen Sachen von It's Blitz, von denen ich vermutet hatte, daß sie mir zu discolastig und synthetisch sein würden, finden im raueren Livegewand mein Gefallen, Dull Life sei hier nur als Beispiel genannt. Die absoluten Kracher wie Maps, Honeybear oder das abschließende Date With The Night sind aber alle etwas älter und punkiger und treffen voll ins Schwarze. Karen O hat vorbildlich ihre Show abgezogen (mehrere Kostümwechsel inklusive), die beiden Männer Nick Zinner (Gitarre) und Brian Chase haben auch nicht weiter gestört und so steht am Ende die Erkenntnis: Die New Yorker bringen's live! Und wie Karen immer das Wasser aus ihrem Munde sprudeln lässt! Wie ein Vulkan. Oder so...

Setlist Yeah Yeah Yeahs, Rock en Seine 2009:
01: ?
02: Phenomena
03: Heads Will Roll
04: Pin
05: Dull Life
06: Gold Lion
07: Miles Away
08: Soft Shock
09: Maps
10: Honeybear
11: Zero
12: Cheated Hearts
13: Date With The Night

Passion Pit:

Der neue Hype bei den amerikanischen Bloggern. Zu dumm nur, daß ich (fast) keine Blogs lese (Ausnahmen: das klienicum, plattenvorgericht und ein paar wenige andere), vor allem keine englischsprachigen! Aber ich habe die studentisch wirkenden Typen ja im Juli schon beim Melt! erlebt und mir mein eigenes Bild machen können. Ihr elektronischer Pop ist mir eigentlich eine Spur zu süßlich und happy, aber man muß den Jungspunden auf jeden Fall zugestehen, daß sie ideenreich und frisch rüberkommen und das Publikum mit Songs wie The Reeling oder Sleepyhead ordentlich zum Tanzen bringen. Sie bieten letztlich den perfekten Soundtrack für den (zu Ende gehenden) Sommer und die Kopfstimme von Sänger Michael Angelakos ist wirklich außergewöhnlich. Wer findet noch, daß er klingt wie der junge Michael Jackson bei den Jackson Five?

Madness:

Nostalgie mag ich nicht sonderlich. Deshalb halte ich auch nicht allzuviel von Reunions oder Comebacks alter Recken längst vergangener Zeiten. Konzerte von Madness im Jahre 2009? Interessieren mich nicht! So dachte ich zumindest bis heute. Ein Irrtum, wie sich bald herausstellen sollte. Die alten Säcke waren nämlich schlicht und einfach grandios! Und zwar von Anfang bis Ende! Wie Perlen auf einer Kette reihten die Ska-Götter ihre unzähligen Hits aneinander und wirbelten das Pariser Publikum mächtig durcheinander. Ob Opener One Step Beyond, das unfassbare Baggy Trousers oder das wundervolle My Girl, alles was gespielt wurde , klang einfach großartig und keine Spur antiquiert oder verstaubt. Im Gegenteil, zahlreiche aktuelle britische Künstler haben sich vieles von Madness abgeguckt, Dirty Pretty Things, Babyshambles, Kaiser Chiefs oder auch Amy Winehouse seien hier nur beisspielhaft erwähnt. So geriet das fulminante Konzert schließlich zu einer riesigen Freiluft-Tanzveranstaltung und selbst alte Fans im Publikum bewegten ihre fetten Bäuche im infektiösen Takt. Mit Night Boat To Cairo ließen sie am Ende ein verzücktes Publikum zurück, dessen Ohren vom lauten Saxofon kräftig durchgepustet wurde. Und eine Zirkusnummer hatte es obendrein gegeben: Ein Musiker spielte in 10 Meter Höhe, an Seilen festgemacht, Saxofon. Cool! Und das Lustigste: Madness spielten ein paar Stunden später noch einmal das gleiche Konzert auf der Hauptbühne. Warum? Siehe Oasis!

Setlist Madness, Rock en Seine 2009:

01: One Step Beyond
02: Embarassment
03: The Prince
04: Nw 5
05: My Girl
06: The Liberty Of Norton Folgate
07: The Sun And The Rain
08: Out Of Space
09: Dust Devil
11: Forever Young
12: House Of Fun
13: Baggy Trousers
14: Our House
15: It Must Be Love
16: Madness
17: Night Boat To Kairo

Vampire Weekend:

Von der amerikanischen Sensation des Musikjahres 2008 bekam ich nur 3 Lieder mit, da ich zu Bill Callhan wollte, der auf einer kleineren Bühne spielte. A Punk, M 79 und One (Blake's Got A New Face) klangen aber noch genaus frisch wie eh und je...

Bill Callahan:

Leider hatte ich die ersten beiden Titel des ehemaligen Smog Sängers verpasst, aber mit dem grandiosen Diamond Dancer erwischte ich einen fantastischen Start. Bill hatte eine ausgewachsene Band mit Cellist, Violinistin, Bassist und Schlagzeuger dabei und wärmte in der Folge das Herz mit Eid Ma Clack Shaw, Too Many Birds, The Wind And The Dove ( zusammen mit der reizenden Sophia Knapp). Der Abschluß mit Cold Blooded Old Times war regelrecht noisig und verschlug mir glatt die Sprache! Ein formidabler Schocker, der bewies, daß Bill auch auf einer großeren Bühne bestehen könnte. Verdient hätte er es, seine Bariton- Stimme ist außerdordentlich toll und seine Kompositionen voller Klasse und dunkler Eleganz. Für mich einer der ganz Großen!

Bloc Party:

Die Engländer um Kele Okereke sind für Festivalveranstalter eine verlässliche Sache. Fast jeder mag sie, die meisten Songs rocken sehr ordentlich und die allermeisten Zuschauer kennen zumindest Helicopter oder Banquet. Beim Melt! Festival war ich berechtigterweise sehr von ihnen angetan, heute aber spielten sie quasi das gleiche Konzert noch einmal. Wenige Überraschungen also und selbst das neue Lied One More Chance (eher Mittelmaß), war mir schon in der Liveversion bekannt. Meine persönlichen Favoriten waren eher altbewährt: This Modern Love mit seiner hübschen Gitarenmelodie, Like Eating Glass mit Keles durch Mark und Bein gehendem Gesang und das technolastige Flux, das noch am wenigsten abgenudelt ist.

Grundsolide und, ich sagte es breits, zuverlässig

Setlist Bloc Party, Festival Rock en Seine, Paris 2009:
01: One Month Off
02: Hunting For Witches
03: Positive Tension
04: Talons
05: Signs
06: Song For Clay (Disappear Here)
07: Banquet
08: Two More Years
09: One More Chance
10: Mercury
11: This Modern Love
12: The Prayer
13: Like Eating Glass
14: Flux
15: Helicopter

Oasis:

Mit zuverlässig sind wir beim Thema. Eigentlich sind das ja Oasis normalerweise und die Veranstalter waren sich sicher, nicht wie bei Amy Winehouse im letzten Jahr, eine kurzfristige Absage eines Headliners hinnehmen zu müssen. Sie hatten aber nicht mit dem Jähzorn der Gebrüder Gallagher gerechnet, die sich wohl hinter der Bühne geprügelt hatten. Bei dieser Aktion zerstörte Liam angeblich auch eine von Noels Gitarren (siehe Kommentar von Christoph). "Die Band Oasis besteht nicht mehr, alle künftigen Termine sind gecancelt" wurde gar verlautbart*, aber vielleicht sollte man da noch ein wenig warten, bis sich die erhitzten Gemüter etwas beruhigt haben. Riesenpech für die Organisatoren und die zahlreichen nur für Oasis erschienenen Fans! Diese und alle anderen Festivalbesucher bekamen übrigens Madness als Ersatz geboten. Die alten Herren hatten sich spontan bereit erklärt einzuspringen...

Fotos folgen!

* verkündet wurde diese Nachricht übrigens während des Konzertes von Bloc Party, das zwischen 21 und 22 Uhr stattgefunden hatte. Oasis waren um 22 Uhr angesetzt. Kele Okereke stimmte mit seiner Band das Gitarrenriff von Supersonic an, rief seinen Tourmanager auf die Bühne, und ließ von diesem ausrichten: "Oasis will not play tonight." Mister Okereke schien das nicht sonderlich zu betrüben. Er grinste über das ganze Gesicht und meinte lapidar: "Now we are headlining", so we can play more songs." Aus diesem Grunde waren auch etliche Festivalbesucher skeptisch, sie hielten die Ansage für einen Joke und wanderten rüber zur Hauptbühne um festzustellen: Die Sache stimmt! Oasis haben tatsächlich gecancelt! Ein Verantwortlicher des Festivals war hierzu auf die Bühne gekommen und hatte folgendes ins Mikro gesagt: Oasis n'existent plus! Oasis gibt es nicht mehr...



Samstag, 16. August 2008

Bloc Party, 15.08.08

1 Kommentare

Konzert: Bloc Party
Ort: Hauptbühne des Highfield Festivals, Hohenfelden bei Erfurt
Datum: 15.08.2008
Zuschauer: tausende
Konzertdauer: 55 Minuten


Auf den Auftritt bei Bloc Party beim Highfield Festival 2008 war ich sehr gespannt. Aus meinem letzten Bloc Party Konzert, das ich 2007 im Pariser Olympia gesehen hatte, bin ich nämlich mit gemischten Gefühlen herausgegangen. Die Hits vom ersten Album „Silent Alarm" gefielen mir nach wie vor sehr, aber die damals nagelneuen Sachen vom Nachfolger „A Weekend In The City" gingen größtenteils an mir vorbei.
Wie würden die Londoner heute auf mich wirken?
Sind sie inzwischen unwiderruflich vom kleinen Indie-zum banalen Stadion Act verkommen?

Ich schaute auf die runde Uhr, die an der Seite der Bühne hing.
Sie zeigte 22 Uhr 37 an. Gleich sollte es los gehen...

Dann, kurze Zeit später der Einmarsch der Gladiatoren. „Hallo, wir sind Bloc Party", stellte sich Sänger Kele Okereke artig vor." Er war mit einer Baseball-Kappe auf dem lockigen Kopf erschienen und trug ein kariertes Hemd, das er bald ausziehen sollte, so dass oben herum nur noch ein originelles schwarzes T-Shirt mit Oberkörper-Skelett Aufdruck übrig bleiben sollte.
Oben auf der Bühne war es unter dem Scheinwerferlicht mit Sicherheit recht warm, unten im Publikum und im Fotografengraben, in dem ich mich befand, war es aber recht kühl, so dass man schon tanzen musste, um nicht zu bibbern.

Tanzen konnte man zum ersten Lied, dem neuen Titel „Mercury" schon recht gut, denn es hatte einen zackigen, elektronisch gefärbten Groove und einen einprägsamen Refrain zu bieten.
Trotzdem war es für mich der schlechteste Titel des rund einstündigen Sets, weil das Nervpotential recht hoch war.

Aber in der Folge wurde es mit jenem gespielten Lied besser. Schon mit „Hunting For Witches" wurde das Niveau verbessert und auch die Lautstärke noch einmal deutlich angezogen. Elektronischen Samples folgten wavige Gitarren und der unverkennbare Gesang von Kele. Der Mann war in Hochform, keine Frage! Er traf jeden Ton und greinte, weinte, flehte was das Zeug hielt! Mit seinem eindringlichen Gesangesstil traf er mich in Mark und Bein und ich fragte mich,
warum er mich beim letzten Konzert kaum berührte. Einfühlsam sang er dann auch die Einleitung zum „Song For Clay" (Disappear Here") und griff bei Sätzen wie „I am trying to be heroic" tief in die Kiste der Gefühlsduseleien. Dort wo er mich mit seiner immer recht weinerlichen Art beim letzten Mal nervte, erreichte er heute mein Herz: „When we kiss I feel nothing", oder „East London is a vampire", mit diesen geflehten Zeilen bewegte er etwas in mir.

Die Band selbst spielte mit enorm hohen Tempo, was zum Großteil Verdienst des famosen Schlagzeugers Matt Tong war, der schon immer zu den Besten bei Bloc Party gehörte.
Auch Russell Lissack ,der gertenschlanke Gitarrist mit der Poppertolle, hatte Zielwasser getrunken, seine Riffs kamen mal wavig schrammelig, mal melodisch und hochpräzise. Hinsichtlich der Besetzung gab es aber eine Überraschung, der ursprüngliche Bassist Gordon Moakes war nicht mehr dabei und wurde durch einen mir bisher unbekannten Blondschopf ersetzt, der seinen Part aber souverän übernahm.

Zurück zu den gespielten Songs: Der „Song For Clay" war noch nicht richtig verklungen,
da erkannten auch schon alle Fans den Beginn des Überhits „Banquet", der übergangslos abgefeuert wurde und nichts von seiner explosiven Kraft eingebüßt hatte. Ein tolles Stück Musik, das wohl jeder hier erkannte, auch die Leute, die sich sonst nicht gut mit dem Songmaterial von Bloc Party auskannten.

Eine Überraschung für mich war aber, dass das anschließende „Two More Years" so gut rüberkam. Auf CD fand ich das Lied immer ziemlich banal,
aber heute überzeugten vor allem die hübschen Gitarrenparts und machten aus dem erwarteten Langweiler ein zugkräftiges Lied.

Danach gab es dann einen nagelneuen Song, bei dem Kele textlich mehrfach widerholte: „I can be as cool (cruel?) as you", aber auch von „Fireworks" (vielleicht der Titel?) war die Rede.* Mister Okereke wunderte sich anschließend über die positive Aufnahme beim Publikum und bedankte sich mit den Worten: „You guys are awesome". Er gab aber auch zu, dass er heute etwas nervös sei,
da er so wenig deutsch spreche. Sein Drummer lebe aber in Berlin, er solle doch einmal etwas Lustiges sagen. Dem perplexen Kerl fiel daraufhin nur dieses hier ein: „Ich möchte eine kleine Kaffee. Schworz" (man achte auf die witzige Aussprache von schwarz!).

Aber hiermit war erst einmal genug geschwätzt worden, man konzentrierte sich wieder auf die Musik. „This Modern Love" war herrlich melodiös und mitreißend („jump right, jump left") und zeigte ungeahnte Hitqualitäten. „Pray" danach gefiel mir einen Tick schlechter, aber schon mit „So Here We Are" kamen die hübschen melancholischen Gitarren zurück. Für mich war dieses herrlich luftige und sphärische Stück von „Silent Alarm" eines der schönsten des gesamten Festivals!

Das letzte Drittel des Konzertes wurde bestritten mit dem nach wie vor glänzenden „Like Eating Glass", dem Prince Cover „I Would Die For you",
das sehr elektronisch und schwungvoll rüberkam und dem ebenfalls synthetischen „Flux".

Was allerdings die gegröhlten Fangesänge von „Seven Nation Army" bei einem Bloc Party Konzert zu suchen hatten, wurde mir nicht ganz klar.

Selbstverständlich etwas auf einem Bloc Party Konzert zu suchen, hatte aber der nach wie vor größte Hit der Londoner: „Helicopter" bildete standesgemäß den Abschluss eines äußerst gelungenen Festivalauftritts und belegte eindrucksvoll, dass man die Band keineswegs abschreiben sollte. Im Gegenteil, Bloc Party haben mich mit diesem tollen Konzert als Fan zurückgewonnen!

Setlist Bloc Party, Highfield Festival:


01: Mercury
02: Hunting For Witches
03: Song For Clay (Disappear Here)
04: Banquet
05: Two More Years
06: One Month Off
07: This Modern Love
08: The Prayer
09: So Here We Are
10: Like Eating Glass
11: I Would Die For You (Price Cover) übergehend in
12: Flux
13: Helicopter

* das neue Lied heisst "One Month Off" und findet sich auch auf dem dritten Album wieder. Danke auch an Philipp für den Kommentar diesbezüglich!

Links:

- noch viel mehr Bilder von Bloc Party auf dem Highfield 2008 hier






 

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