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um
19:01
Konzert: Locas in Love
Ort: Jubez Café in Karlsruhe
Datum: 21. April 2016
Dauer: 65 min
Zuschauer: etwa 30
Wer meine Konzertempfehlungen liest, weiß, dass ich mich auf dieses Konzert ganz besonders gefreut habe (*). Bevor die Band Locas in Love 2007 in mein Leben trat, hatte ich gedacht, ich würde niemals deutschsprachiger Musik verfallen können. Dann kam das Album Saurus und ich war wie elektrisiert. Und diese Begeisterung hat sich über die Jahre seitdem erhalten. Leider beschränkten sich unsere Live-Begegnungen auf viel zu wenige der Wintergalas in Köln - auch weil ich es schweren Herzens zweimal wegen Wetters lassen musste (Züge und Wintereinbrüche und Sturm usw...).
Beim letzten mal - am Nikolaustag 2015 aber - fuhr ich mit besonders leichtem Herzen nach Hause, denn dort wurde mir verraten, dass sie im April im Jubez in Karlsruhe auftreten würden. Seitdem hatte ich mich regelmäßig gezwickt und halb neben mir stehend vermutet, dass da bestimmt noch etwas dazwischen kommen würde - weil es zu schön wäre zum wahr werden.
Seit in meinem Leben wieder Zeit für Konzerte ist, waren die Locas tatsächlich nicht ganz so fleißig unterwegs wie ich mir das gewünscht hätte. Zuletzt in Karlsruhe waren sie wohl 2004 im Vorprogramm von Superpunk. Nun gut - 2004 wohnte ich noch 400 km weiter nördlich und außerdem wußte ich ja noch gar nicht, dass es die Band gibt.
Leider fiel das Konzert in Karlsruhe im Jahr 2016 auf einen Tag, an dem ich nur hoffen konnte, dass meine Abschätzung so einigermaßen hinkommen würde und ich es noch zu den Locas schaffen würde. Während ich noch das Fahrrad abschloss, erklang schon der erste Akkord von drin - puh! das war knapp gewesen! Im hereinkommen war es als erstes Bennie, den ich direkt vor der Bühne stehen sah und der mir das Gefühl von Kontinuität vermittelte, war er doch bisher auf allen Konzerten (in Köln) prominent mit von der Partie gewesen.
Beim Blick auf die Bühne, fand ich dort
am Bass Stefanie Schrank,
an der Gitarre Björn Sonnenberg und
am Schlagzeug Saskia von Klitzing.
Ein kleines inneres Oh: ganz ohne Niklas und ganz ohne Tasten ... !? Das instrumentale Intro (auf der Setlist hatte es den Namen 2 Bass) war laut und rockig und rotzig und zeigte damit schon die Färbung für die nächste Stunde. Danach wurden wir von Stefanie willkommen geheißen. Björn blieb tatsächlich über den Abend hinweg untypisch (verglichen mit seiner Wintergala-Laune jedenfalls) ruhig. Ein wenig vermisste ich seine mäandernden Einlassungen. Als mir heute der Spruch unterkam: Die Möglichkeiten der deutschen Grammatik können einen, wenn man sich darauf, was man ruhig, wenn man möchte, sollte, einlässt, überraschen - dachte ich sofort - ja, darin hätte sich Björn köstlich und mit viel Enthusiasmus verheddert haben können.

Im Publikum waren wir nur mittelviele. Das wirkt im Café im Jubez trotzdem ok, aber es spiegelte zurück was Björn von der Bühne aus als Delle bezeichnete. Nach der ganz frischen Todesnachricht von Prince und wohl auch dem Rhythmus der Tour folgend, waren sie ein wenig suboptimal aufgelegt. Nun gut - sagte ich mir - eine Wintergala-Stimmung wäre wohl auch für Karlsruhe ein wenig zu hoch geschraubte Erwartung meinerseits gewesen.
Aber was soll's - schon im nächsten Stück war der Funke bei mir übergesprungen. Mein so heißgeliebtes Sachen - ein evergreen; mit der zugleich lakonischen wie tröstlichen Grundstimmung. Und überhaupt hatte ich in dem Moment das Gefühl, dass sie es mit dem Publikum im Jubez nicht schwer hatten. Das waren viele, die wie ich die Locas tief im Herzen immer bei sich tragen. Einige, die sogar 2004 schon beim Konzert waren und sich recht textsicher zeigten.

Tatsächlich ist es so, dass das Album Saurus immer noch so einen ganz besonderen Status in meinem Herzen hat mit fast all seinen Stücken. Wobei ich die Menschen dahinter eigentlich wirklich ins Herz schloss mit dem Album Winter und den Videos dazu (**). Nach dem Lemminge-Album hat erst das aktuellste Album Kalender wieder so richtig gezündet und daran sind vor allem solche Stücke schuld wie Ich werd ein Lied für alle schreiben. Das hat nämlich diese Hymnen-Qualität, die ich so besonders schätze. Ein Großer Gott wir loben Dich-Moment, wie ihn so feierlich und realistisch in einem Atemzug wohl nur die Locas hinkriegen.

Anschließend bekam mein Fan-Herz weiteres Futter. Wie immer wenn Stefanie singt Ich gebe zu ich habe dies Tür eingetreten trat ich neben mich und musste einerseits lächeln, weil das so unwahrscheinlich klingt und dabei so liebenswürdig und die Musik fast eine Schunkelnummer ist und nebenbei wird im Text mal eben eine ganze Welt oder eine ganze Beziehung brutalst demoliert. Weiter im Programm ging es mit drei aktuellen Songs. Ultraweiß rührt mich immer mit seinen Versprechungen und seiner Transparenz, aber es schwingt auch immer eine Portion Angst mit, dass all das Leuchten und Aufheben von Schmerz die finale Explosion unseres Heimatplaneten meinen könnte. Richtige Mitsing-Qualität für mich hat der Song Oh!. Wobei hier von Stefanie auch ganz schöne Tretminen unters Volk gebracht wurden: Eine Müdigkeit, die ganz tief innen sitzt hat mich befallen. Oh oh oh oh, nichts ändert sich in mir. Oh oh oh oh. So fein eingebettet in die Ohs kann man das schon mal überhören und erschrickt sich dann jäh, wenn die message auf's Hirn trifft.

Die einzige Ansage zu einem der Lieder war Ruinen gewidmet - also ein Trennungslied, wo es eine/r nicht hinkriegt: Und wenn wir für immer auseinandergehen, kannst du mich nicht einfach mitnehmen? Dann ... Monkey! Bei den hingeseufzten einleitenden Ah ah hatte ich schon Gänsehaut, dann das vertraut tickende Schlagzeug - wieder so ein Evergreen vom Saurus Album, der so tröstlich versöhnlich vom Affen auf dem Rücken spricht. Richtig schön zum mitgrölen eignet sich ja der Refrain von Nein und in der rotzigen live-Fassung wurde das dann doch eher eine Art Manifest. Die Band versuchte dann mit einem weiteren Instrumental und einem ganz rockigen Black Box (riesig!) - das voll die von mir so geschätzten Stärken ausspielte: realpolitische und rockig Strophen neben einem hochpoetischem Refrain - aus dem Konzert zu gleiten. Aber natürlich baten wir - zum Glück erfolgreich - um Zugaben!
Nach etwas Plenum wurde uns ein weiterer alter Kracher angeboten. Nur die Locas kommen damit durch Schande, Scham, Schuld in so einen Song zu packen, dabei ganz poetisch zu klingen und voll zu rocken! So etwas zu hören und um die Ohren geschlagen zu kommen, dafür war ich gekommen. Und es hätte gut als Gehet hin in Frieden dienen können, nur natürlich gänzlich unversöhnt mit den Zumutungen der Welt und des Lebens. Dafür hatte Björn aber seine ganz eigene Variante. Er ging nämlich durchs Publikum und umarmte jede/n und verabschiedetet sich damit ganz persönlich. Als Praline gab es anschließend noch ein Angebot zum mitsingen Run away, turn away. Popvorbilder, die auch so prima traurigen (leider wahrhaftigen) Text zu tanzbarer Musik boten.

Mein Fazit des Abends: 35 Tausend Millionen leuchtende Augen, die Hoffnung, dass es nicht wieder zwölf Jahre braucht und Mabuse im Set wäre eigentlich auch sehr schön gewesen.
(*) So wie auf die wenig und immer zu für mich unpraktischen Zeiten tourenden Afenginn (zuletzt in Basel abgepasst) und Arstidir (für die ich 2014 extra nach Gera gefahren bin)
(**) Ich hasse Videos eigentlich.
Setlist:
01: 2 Bass
02: Sachen
03: Ich werd ein Lied für alle schreiben
04: Zum Beispiel ein Unfall
05: Ultraweiß
06: Oh!
07: Ruinen
08: Monkey
09: Über Nacht Ist Ein Ganzer Wald Gewachsen
10: Nein
11: Leyendeckerstraße
12: Black Box
13: Auto destruct (Z)
14: Small town boy (Z, Bronsky beat-cover)
Tourdaten:
15.04. Düsseldorf Zakk (Staatsakt Labelabend mit LIL & Isolation Berlin)
16.04. Dortmund Sissikingkong
17.04. Offenbach Hafen 2
18.04. große Überraschung
19.04. München Feierwerk
20.04. Nürnberg MUZclub
21.04. Karlsruhe Jubez
22.04. Jena Glashaus im Paradies
23.04. Bremen Etage 3 Lagerhaus
24.04. Münster Skater's Palace
Aus unserem Archiv:
Locas in Love, Köln, 06.12.15
Locas In Love, Düsseldorf, 20.03.15
Locas In Love, Köln, 21.02.15
Locas In Love, Köln, 07.12.14
Locas In Love, Köln, 07.12.14
Locas In Love, Köln, 22.12.13
Locas In Love, Köln, 15.08.13
Locas In Love, Köln, 14.08.13
Locas In Love, Köln, 09.12.12
Locas In Love, Köln, 09.12.12
Locas In Love, Wiesbaden, 04.05.12
Locas In Love, Köln, 02.10.11
Locas In Love, Köln, 24.10.10
Locas In Love, Köln, 30.11.08
Locas In Love, Frankfurt, 20.10.07
Locas In Love, Köln, 19.08.07
um
22:37
Konzert: Locas in Love Wintergala
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 06.12.2015
Dauer: Locas in Love gut 95 min, Rockaway Shanty Chor knapp 15 min
Zuschauer: vielleicht 300
Das Ende der Kindheit ist genau dann gekommen, wenn der Dezember nicht mehr der beste sondern der schrecklichste Monat des Jahres wird. Aus Vorfreude wird Hass auf jedes gedudelte Last Christmas (oder seinen Waterboarding-Remix Feliz Navidad), an die Stelle der großen Augen vor dem Kaufhof-Schaufenster treten blaue Flecken, ausgeteilt von den Ellbogen betrunkener Idioten mit Nikolaus-Mütze, die sich seit 11 Uhr im strömenden Regen auf einem der 48 Innenstadt-Weihnachtsmärkte Glühwein (oder Glykol) zu süßen Helene-Fischer-Klängen hinter die Binde gekippt haben und ihre Fröhlichkeit sehr körperlich verteilen. Daß das Beste am Advent bereits Ende August verkauft wird und im Dezember schon nichts mehr taugt (Dominosteine), ist da nur konsequent.
Inmitten all der billigen animierten LED-Weihnachtsbeleuchtung aus dem Baumarkt brennt auch Jahr für Jahr eine Kerze des guten Geschmacks*, die Locas in Love Wintergala - so etwas wie der Gegenentwurf zu Carmen Nebels großer Adventssause.
2008 war mein erstes Vorweihnachtskonzert der Kölner Band im Alten Pfandhaus. Es folgten Galas im Stadtgarten, im Filmhaus oder in St. Michael am Brüsseler Platz. Mit Plätzchen, Liedern von ihrem Winteralbum (...Winter) und vielen liebevollen Extras. Mal lief im Hintergrund der Schnee-Western Leichen pflastern seinen Weg, mal Der Bär, mal liefen Locas Videos als Vorprogramm, mal sang der Rockaway Shanty Chor. Und jedes mal war die Wintergala ein großer Spaß (da ist ein Licht, da ist ein Licht).

2014 war ein schwieriges Jahr für die Band, hatte Sänger Björn Sonnenberg bei der Gala vor zwölf Monaten erklärt. Die Aufnahme des fünften Studioalbums** erwies sich als große Prüfung. Im August 13 hatten Locas in Love die neue Platte an zwei Abenden im King Georg vorgestellt. Mich begeisterten die Stücke, die die Band am Tag nach dem zweiten dieser Konzerte in Frankreich aufnehmen wollte. Es folgten Monate der Selbstzweifel, Produzentenwechsel aber kein Album. Use your illusion 3 & 4 erschien dann erst Anfang 2015 und enthielt nur noch einen Teil der Stücke von damals. Dafür war die Platte ein Doppelalbum geworden. Und sie war erfolgreich. Zu meiner großen Überraschung erschien dann vor wenigen Wochen auch noch Kalender, eine zweite Platte innerhalb weniger Monate. 2015 war wohl ein gutes Locas-Jahr.

Die diesjährige Gala fand im Gebäude 9 statt. Björn hatte bei einem anderen Konzert einmal gesagt, man wolle früh anfangen, damit jeder noch seine Bahn bekommen könne. Auch heute begann es früh. Ab kurz nach acht spielte der Rockaway Shanty Chor im Hof vor dem Gebäude einige Lieder über das Leben auf See. Die ersten beiden Stücke waren einmatroste Pop- bzw. Rockklassiker (Es lebe Ostfriesland, Fahrwasser zur Hölle), der Rest Lieder über den Klabautermann, eine kleine Möwe und das Lieblingsgetränk der Seefahrer. Das war sehr toll und hätte gerne länger als eine knappe Viertelstunde dauern können.
Setlist Rockaway Shanty Chor, Wintergala, Gebäude 9:
01: Es lebe Ostfriesland (Elvis Cover)
02: Fahrwasser zur Hölle (AC/DC Cover)
03: Die kleine Möwe
04: Klabautermann
05: Rum aus Jamaica ("es trinken die Matrosen von allen Spirituosen am liebsten Rum")
Nach den Shantys wurden wir zurück in den Saal gebeten. Bevor die Band auf die Bühne kam, erschien erst einmal Benjamin Walter (Jobbeschreibung: Guidance) und klärte uns darüber auf, was die Bleistifte und Blätter mit Comiczeichnungen bedeuteten. Wir spielten Locas-Bingo. Wie im Bus auf der Rückfahrt vom Seniorenausflug, nur charmanter. Benny las Symbole vor, die mit der Band zu tun haben, wir mussten 5er Reihen bilden. Gegen CDs. Wie viel Mühe sich Locas in Love machen, dem Publikum Dinge zu bieten... wundervoll! Zwar eigentlich nicht nötig, da so etwas ja gerne dazu dient, von musikalischen Schwächen abzulenken. Trotzdem sind es diese kleinen originellen Elemente, die die Wintergalas so besonders machen.
Das Konzert begann mit zwei Stücken von Winter (Packeis und Wintersachen). Die Locase spielten wieder mit Ur-Schlagzeuger Maurizio Arca und mit Carmen Heß von Lingby (Wald- und Flügelhorn und Keyboard).
Nach den Wintersongs kamen die ersten beiden Stücke vom (ganz) neuen Album. Ich habe das zwar, konnte es aber noch nicht hören, kannte also nur die Lieder, die Locas in Love bei den beiden King Georg Konzerten damals gespielt hatten (zum Beispiel Ich bin eine Insel oder Ich werde ein Lied für alle schreiben). Die, die mir neu waren, waren besonders überzeugend. Ultraweiß! Oh! und Ruinen!
Zwischendurch erklärte Björn immer wieder Dinge, fragte, ob es uns gefalle. Es gefiel sehr. Und es war kurzweilig. Als Locas in Love nach Egal wie weit von der Bühne gingen, kam es mir vor, als seien gerade 40 min gespielt.
Am Freitag bei EL VY hatte es ein wundervolles Cover gegeben. Brent Knopf und Matt Berninger spielten She drives me crazy von den Fine Young Cannibals. Locas in Love coverten die Christmas number one von 1994, Stay another day von East 17. Beide Stücke sind im Original gruselig. Die Neuinterpretationen dagegen waren wundervoll! Die krachigen Gitarren von Björn und Jan Niklas machten aus dem Käse ein wirklich tolles Livelied! Im Smalltalk mit dem Publikum kam Björn auf die Idee, doch mal über ein Sommeralbum nachzudenken. Ich bin sicher, auch Bailando oder der Ketchup Song werden mich auf einer Locas-Sommergala begeistern! Bis das passiert freue ich mich jetzt doch erst einmal auf den kommenden Dezember und die nächste Wintergala.
Setlist Locas in Love, Wintergala, Köln:
01: Packeis
02: Wintersachen
03: Ich werde ein Lied für alle schreiben
04: Ultraweiß
05: Zum Beispiel ein Unfall
06: Maschine
07: Roder
08: Über Nacht ist ein ganzer Wald gewachsen (das Licht am Ende des Tunnels is ein Zug)
09: Oh!
10: Monkey
11: Manifest
12: Ruinen
13: Nein
14: Leyendeckerstraße
15: Es tut mir leid
16: Egal wie weit
17: Stay another day (East 17 Cover) (Z)
18: Sachen (Z)
19: Durch die Dunkelheit (Z)
20: Auto destruct (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Locas In Love, Düsseldorf, 20.03.15
- Locas In Love, Köln, 21.02.15
- Locas In Love, Köln, 07.12.14
- Locas In Love, Köln, 07.12.14
- Locas In Love, Köln, 22.12.13
- Locas In Love, Köln, 15.08.13
- Locas In Love, Köln, 14.08.13
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Wiesbaden, 04.05.12
- Locas In Love, Köln, 02.10.11
- Locas In Love, Köln, 24.10.10
- Locas In Love, Köln, 30.11.08
- Locas In Love, Frankfurt, 20.10.07
- Locas In Love, Köln, 19.08.07
* Weihnachtspathos, yeah!
** Winter ist offziell keines, hieß es einmal
um
21:59
Konzert: Locas In Love
Ort: Pitcher29, Düsseldorf
Datum: 20.03.2015
Zuschauer: ca. 100
von Dirk aus Mönchengladbach
Von der Wand schauen grimmig Volbeat auf mich herab. Ein weiteres Poster kündigt eine
Pantera-Coverband an. Alle Getränke auf der Karte haben irgendwas mit Whiskey zu tun. Keine
Ahnung warum Konzerttagbuch-Indielieblingsband Deutschlands, Locas in Love an diesem
Platz ein Konzert geben, ich freue mich trotzdem.
Um 22:00 Uhr muss Schluss sein, einen nervigen Nachbarn gibts ja immer (wobei ich bei
Pantera-Coverbands wohl auch auch die Polizei rufen würde) und so starten Locas mit einem
Ihrer instrumentalen Progrockstücke in den Abend.
Zur Erklärung für alle, die das neue Album noch nicht kennen. Neben eher bekannten Klängen
mit wahnsinnig ausgefeilten Popsongs gibt es diesmal auch noch ein zweite CD mit eben
diesen instrumentalen, rockigeren Arrangements.
Locas in love sind, wie auch schon von Christoph in früheren Besprechungen ausführlich
erklärt, die wohl beste immer noch relative unbekannte Band Deutschlands. Seit Jahren
produzieren sie konstant tolle Platten aber der große Erfolg bisher blieb aus.
An diesem Abend möchte man seufzen: “Endlich mal wieder eine normale Indieband”. Keine
Keyboards, keine Show, keine Vollbärte, keine Hornbrillen. Ein toller reduzierter Vortrag voller
Höhepunkte, wobei die neuen Songs fast alle herausragen.
Das neue Album hat Jahre der Entwicklung gebraucht, der Name Use your Illusion 3 & 4 kommt
also nicht von ungefähr. Aber es hat sich gelohnt, schon Blackbox zeigt sich rockiger als auf
CD. Der neue Hit Durch die Dunkelheit, auf Platte eine zum Heulen schöne Delgadoskopie,
folgt zum Glück genauso wie Da ist ein Licht, das auch von Wir sind Helden stammen könnte.
Mir sind es fast noch zu wenig neue Songs, aber vielleicht ist es ja der frühen Sperrstunde
geschuldet. Die Zugaben bieten natürlich Sachen und den Mitschunkler Straight, dann ist es
21:59 Uhr.
Es bleibt ein Wunder, warum keiner dieser tollen Songs es bisher in größere Hallen geschafft
hat. In dieser klassischen 4er Besetzung wirkt die Band allerdings schon fast wie ein Relikt
aus alten Zeiten. Den Songs steht die große Geste und hoffentlich gesellt sich bei evtl.
Festivalauftritten wieder ein Bläser oder Streicher hinzu.
Auf jeden Fall mein klassischer Anwärter auf einen tollen Auftritt im Spiegelzelt beim Haldern
Pop dieses Jahr. Es wäre Ihnen zu gönnen.
Setlist Locas In Love, Pitcher29, Düsseldorf:
01: Leyendeckerstraße
02: Blackbox
03: Mabuse
04: Wer weiss
05: Saurus
06: Es tut mir leid
07: Manifest
08: Teile
09: Über Nacht ist ein ganzer Wald gewachsen
10: Monkey
11: Unfall
12: Durch die Dunkelheit
13: Una Questa
14: Da ist ein Licht
15: Etzelstraße (Z)
16: Sachen (Z)
17: ? (Z)
18: To get things Straight (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Locas In Love, Köln, 21.02.15
- Locas In Love, Köln, 07.12.14
- Locas In Love, Köln, 07.12.14
- Locas In Love, Köln, 22.12.13
- Locas In Love, Köln, 15.08.13
- Locas In Love, Köln, 14.08.13
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Wiesbaden, 04.05.12
- Locas In Love, Köln, 02.10.11
- Locas In Love, Köln, 24.10.10
- Locas In Love, Köln, 30.11.08
- Locas In Love, Frankfurt, 20.10.07
- Locas In Love, Köln, 19.08.07
um
00:33
Konzert: Locas In Love
Ort: Parallel Schallplatten
Datum: 21.02.2015
Dauer: knapp 70 min
Zuschauer: ca. 100 (darunter jeder Kölner Musiker, der nicht in einer Karnevalsband spielt)
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| Foto: Lutz Schlage |
Zunächst einmal ein Hinweis in eigener Sache: wenn die Qualität meiner Konzertberichte 2015 spürbar schlechter geworden ist, liegt das an einem Materialwechsel. Da geht es mir nicht anders als Skifahrern oder Tennisspielern. Nach neun Jahren habe ich meinen Notizbuch-Hersteller gewechselt. Die Bücher sind immer noch klein und schwarz, sie haben aber jetzt Seitenzahlen und ein Inhaltsverzeichnis. Ich gebe ungerne Bewährtes auf, manchmal muß man aber einfach einmal alles über den Haufen werfen.
So ging es (diese Art Überleitungen meine ich etwa mit der schlechter werdenen Berichtsgüte!) auch der wundervollen Kölner Band Locas In Love, die im August 2013 an zwei Abenden im King Georg ihr neues, damals noch unbenanntes Album vorgestellt hatte, um direkt im Anschluß nach Frankreich zu fahren, um die Stücke aufzunehmen. Danach folgte eine offenbar schwierige Phase des Zweifelns an den neuen Liedern, um dann erst einmal ein anderes Album aufzunehmen. Das hatte die Band bei ihrer Wintergala im Dezember verkündet. Etwas später wurde dann die neue Platte endgültig angekündigt. Von den damals 13 gespielten Titeln waren nur sieben übriggeblieben, dafür wurde die Platte ein Doppelalbum. Die zweite Platte (Use Your Illusion 4) ist ein Instrumental-Konzeptalbum, dessen Lieder alle die Namen von Kölner Stadtbahn-Haltestellen tragen, also vermutlich von denen handeln.
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| Foto: Ralf Synowzik |
Use Your Illusion 3 & 4 ist nicht nur als CD und Vinyl erschienen, es gibt auch eine wundervolle Box, die neben den Platten, einem Text-Heft, einer kleinen Figur des Dinos vom Cover auch ein Geschenk aus dem Bandarchiv (bei mir eine Kassette mit Gun Club Platten) enthält.
Am Samstag wurde der Kreis der Plattenvorstellungen mit einer endgültigen geschlossen. Locas In Love stellten Use Your Illusion 3 & 4 im Plattenladen Parallel vor.
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| Foto: Ralf Synowzik |
Ich kam spät und hatte schon Panik, das Konzert von außen angucken zu müssen. Es gab aber noch Platz beim Jazz und eine zehnminütige Verzögerung, also passte alles. Mir hatte ein Freund vorher gemailt, daß er die Daumen drücke, daß Locas nicht nur Instrumental-Stücke spielen würden. Ich hatte mit keinem von denen gerechnet. Und ich lag falsch. Das Konzert begann gleich mit Leyendeckerstraße. Es blieb aber vorerst das einzige Stadtbahn-Haltestellen-Lied.
Es folgten ausschließlich neue Stücke. Das wütende Blackbox etwa. Oder Wer weiß, das vor anderthalb Jahren noch Wer weiß, wer weiß, wer weiß, vielleicht, vielleicht, vielleicht hieß und Teile, das anders als auf Platte nur Stefanie sang. Bei Neue Sachen, der Fortsetzung des Lieds Sachen von 2007, hatte Björn Textprobleme. Aber die Texthefte waren ja nah. "Können wir eine der Boxen öffnen?" Der zweite Anlauf (der in Wahrheit der zigte ist, da Locas das Stücke schon lange spielen) saß. Nach dem Ohrwurm Durch die Dunkelheit folgte das zweite Instrumentallied (Etzelstrasse). Beendet wurde das Konzert durch den großen Knüller Da ist ein Licht, das auch ohne das Smiths-Zitat in der Mitte eines der tollsten deutschsprachigen Stücke seit Ewigkeiten wäre.
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| Foto: Ralf Synowzik |
Obwohl es nur ein Gratis-Konzert in einem Laden war, spielte die Band drei Zugaben. Diese begannen mit dem letzten Instrumental-Titel (Christophstraße / Mediapark). Danach folgten noch zwei alte Helden, Sachen und Mabuse, ein Publikumswunsch, allen Kindern im Saal (es gab einige) gewidmet.
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| Foto: Ralf Synowzik |
Locas In Love Konzerte sind natürlich viel unterhaltsamer, als meine nüchterne Beschreibung das vermuten lässt. Nicht nur in dieser besonders familiären Umgebung, bei jedem ihrer Konzerte fühlt man sich so. Wenn Sänger Björn fragt, ob es uns gut gehe, hat das nichts mit dem "Hallo Köln, seid ihr gut drrrauf" eines Peter Maffay zu tun. Die meinen das wirklich so.
Endlich gab es auch einmal Reaktionen auf die Aufforderung der Band Fragen zu stellen (ich traue mich so etwas nie, ich rufe auch nie Wunschlieder, wenn man das soll - aber ich klatsche ja nicht mal rhythmisch mit). "Wie seid Ihr auf den Bandnamen gekommen?" - "Er hat sich angeboten!"
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| Foto: Nelle (Köln) |
Nach Durch die Dunkelheit unterbrach Björn kurz, weil er in seiner Sicht eine George Harrison Platte hatte, auf der der Beatle einen eindrucksvollen Schnauz und lange Locken trug. Wir müssten uns das ansehen, also ging die Platte einmal rund durch den Laden. "Habt Ihr sie alle gesehen?"
Den kleinen Schaden, daß eine der Boxen "jetzt nicht mehr mint ist", konnte man sicher verkneifen für solch ein tolles Konzert! Wenn Band-Zweifel zu solch großartigen Platten und Auftritten führen, wünsche ich die allen!
Setlist Locas In Love, Parallel-Schallplatten, Köln:
01: Leyendeckerstraße
02: Blackbox
03: Wer weiß
04: Teile
05: Es tut mir leid
06: Neue Sachen
07: Durch die Dunkelheit
08: Etzelstraße
09: Nichts ist schwieriger
10: Da ist ein Licht
11: Christophstraße / Mediapark (Z)*
12: Sachen (Z)
13: Mabuse (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Locas In Love, Köln, 07.12.14
- Locas In Love, Köln, 07.12.14
- Locas In Love, Köln, 22.12.13
- Locas In Love, Köln, 15.08.13
- Locas In Love, Köln, 14.08.13
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Wiesbaden, 04.05.12
- Locas In Love, Köln, 02.10.11
- Locas In Love, Köln, 24.10.10
- Locas In Love, Köln, 30.11.08
- Locas In Love, Frankfurt, 20.10.07
- Locas In Love, Köln, 19.08.07
Fotos: leider nicht. Ich sah nur Hinterköpfe. Das oben stammt aus dem Archiv.
* danke!
Danke auch für die Fotos, Ralf, Nelle und Lutz!
um
16:05
Konzert: Locas in Love (Wintergala)
Ort: Kirche St. Michael am Brüsseler Platz in Köln
Datum: 7. Dezember 2014
Dauer:105 min
Zuschauer: eine volle Kirche (vielleicht 300)
Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren hatte ich an meiner ersten Wintergala in Köln teilgenommen. Die Erinnerung daran ist in vielen Details noch sehr wach und scharf, in anderen schon ins "Es war einmal..." getaucht - um nicht zu sagen verklärt. Eine Karte gekauft hatte ich schon im Jahr 2011 (bin da aber am Schneesturm gescheitert) und auch im Jahr 2013. Aber geklappt hatte es erst jetzt wieder. Köln ist halt nicht wirklich um die Ecke von Karlsruhe aus gesehen. Konzerte der Locas in Love sind aber stets so außergewöhnlich wie ihre ganze Musik: Mit scheinbarer Leichtigkeit wird in die Vollen getroffen. Aber mit den Wintergalas - das ist noch einmal besonders besonders.

So hatte ich diesem Abend mit großer Vorfreude entgegengesehen. Die steigerte sich noch, als am Vortag klar wurde, dass es auch noch ein Anlass sein würde, an dem ich zu einer mir internet(t)-bekannten Person ein Gesicht kommen würde und eine Begegnung in Fleisch und Blut; und eine kleine Konzerttagebuch-Weihnachtsfeier würde es ja ohnehin werden ...
Im Vergleich der beiden Galas war es diesmal eher "normaler" - soweit ein Popkonzert in einer Kirche normal genannt werden kann. Der Raum spielte freilich mit und erzeugte vorweihnachtliche Andacht von ganz allein. In den Bänken rückten wir dicht, damit alle Platz fanden. Und die Locas wären nicht die, die sie sind, wenn sie nicht auch die vorhandene Kirchenorgel genutzt hätten. Sie wurde schon in der Wartezeit als Einstimmung sehr gut eingesetzt und zauberte dabei auch das eine oder andere schmunzeln auf die Gesichter ob der da zusammen harmonisierten Liedthemen.
Die zweite Besonderheit war, dass Carmen Heß (von der Kölner Band Lingby) Bläserglanzpunkte setzen durfte. Das passte hervorragend und war natürlich auch gut für das etwas ausgewogenere Geschlechterverhältnis auf der Bühne. Und es gab Liedzettel, so dass damit zu rechnen war, dass wir früher oder später würden mitsingen dürfen...
Das Konzert begann mit Packeis gleich mit einem meiner liebsten Songs und in einer Form, die tatsächlich neu und einmalig und sehr ergreifend war - die Orgel hob alles in eine höhere Sphäre, dabei ist es doch so ein scheinbar einfaches Liedchen. Freilich schwamm alles ein bisschen, weil die Akustik der Kirche so ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt. Daran mussten sich alle erst ein bisschen gewöhnen.
Wie immer waren die Ansagen einfach herrlich. Ein bisschen wie, wenn man mit seinen ältesten Freunden zusammensitzt und einer davon mischt abwegig angestoßene Themen ins Gespräch und mäandert und gibt damit erst allem die ganz besondere Würze.
Ein weiterer Liebling vom Winteralbum ist Falling. Mir war nie wirklich bewußt, dass es gar nicht aus der Feder der Locas stammt. Es war sooo schön, dass es diesmal dran war. Alles weitere verschwamm ein bisschen in Glückseligkeit und ich bin darum sehr froh, dass Christoph besser aufgepasst hat und das Protokoll für das Konzerttagebuch würdig übernommen hat.
Erst nach dem Konzert enttarnte ich den geheimen Backgroundchor...
Aus unserem Archiv:
Christophs Bericht (mit allen andern links und Setlist)
Termine 2015
20.02. das neue LOCAS IN LOVE Album erscheint!
21.02. Köln, Releaseparty
bei Parallel Schallplatten (18.00, Eintritt frei)
26.02. Oberhausen, Druckluft und
27.02. Köln, Gebäude 9
instrumental, als Gast von "Die Türen spielen Der Mann"
18.04. Köln, Gebäude 9
19.04. München, Milla
20.04. Berlin, Monarch
21.04. Jena, Café Wagner
22.04. Flensburg, Kühlhaus
23.04. Hamburg, Nachtasyl @ Thalia Theater
24.04. Frankfurt, Das Bett
um
17:06
Konzert: Locas In Love Wintergala
Ort: St. Michael Kirche, Köln
Datum: 07.12.2014
Dauer: 105 min
Zuschauer: gut 300 (ausverkauft)
Um zehn vor acht setzte die Orgel der eindrucksvollen wilheminischen St. Michael Kirche am Brüsseler Platz ein. Draußen war es nicht sonderlich weihnachtlich - es regnete in Strömen. Daß die Kirche voll war, lag aber nicht am Wetter oder an der Suche nach schneller Vergebung gerade am verkaufsoffenen Sonntag begangener Shopping-Sünden, die gut 300 Gäste waren wegen der siebten Locas In Love Wintergala gekommen. Diese Adventskonzerte gehören mittlerweile zur Weihnachtszeit wie Glühwein, Christstollen, Gans (oder Würstchen) und die Dart-WM. Und natürlich ist sie für mich als Locas-Anhänger eine Pflichtveranstaltung, obwohl ich bestürzt in der Teilnahme-Checkliste im Programmheft lernen musste, daß ich einige verpasst habe.

Die Kirchenorgel (gespielt von Frederik Punsmann) ersetzte das Vorprogramm. Als sich alle Gäste langsam setzten, schmetterte sie los und spielte gute zehn Minuten lang Variationen über Ennio Morricones Spiel mir das Lied vom Tod, Serge Gainsbourgs Je t'aime... moi non plus und Locas In Loves Packeis. Nach einer kurzen Pause und der Begrüßung durch den Gemeindepfarrer, griff der Organist, das Packeis-Thema wieder auf, in das Carmen Heß von der wundervollen Kölner Band Lingby mit ihrem Horn einsetzte, bevor die Band einstieg. Der beste Konzertstart seit Ewigkeiten!
Locas In Love wurden immer wieder vor allem von Carmen (mit Jagd- und Flügelhorn) begleitet. Die Orgel-Einsätze waren seltener (z.B. bei Nichts ist schwieriger). So eklig Saxophone und Klarinetten klingen, wo bereichernd sind Hörner. Wie aus einem wirklich tollen Live-Lied ein grandioses durch ein zusätzliches Horn wird, wurde bei Eissturm deutlich!

Eissturm stammt - wie viele andere Lieder des Abends und vorhergegangener Wintergalas - vom Album Winter, das Locas In Love 2008 veröffentlicht haben. Vor Maschine erklärte Sänger Björn Sonnenberg, wie Winter enstanden ist. Man habe damals eigentlich eine reguläre Platten machen wollen. Jan Niklas Jansen ergänzte: "was überhaupt Methode bei uns ist, wenn wir Schwierigkeiten mit einer Platte haben, machen wir eine Platte!" Im August vergangenen Jahres hatte die Band an zwei King-Georg-Abenden kurz vor der Abfahrt zu den Aufnahmen nach Frankreich das nächste Album komplett gespielt, 13 Stücke, die mich überzeugten und die genau wie eine nächste Locas In Love Platte klangen. Nach der Aufnahme und dem Mischen in New York kamen der Band aber Zweifel:
"...aber als wir im März mit dem, wie wir hofften, fertigen Album im Gepäck wieder nach hause kamen und hofften, daß im Spätsommer veröffentlicht wird, schlich sich ein Sack voll Zweifel ein. Rückblickend läßt sich gar nicht mehr so genau sagen, wann und wie das Ganze so aus dem Ruder lief, aber eine auseinanderklaffende Mischung aus eigenen Vorstellungen, äußeren Erwartungen und tatsächlichem Ergebnis ließ uns nahezu alles verwerfen und erneut aufrollen. Immer und immer wieder, bishin zur völligen Erschöpfung und in die Nähe finanziellen Desasters wie selten zuvor. Um den Kopf freizubekommen und um in der Plattenfirmen-Warteschleife nicht so mürbe zu werden als es hin und her ging, nahmen wir einfach noch eine weitere Platte auf. Das Doppelalbum erscheint nun endlich am 20.2.2015"
Umso besser!
Einige der Stücke vom Doppelalbum spielen die Kölner schon seit einer Weile. Das tolle Wer weiß, wer weiß, wer weiß, vielleicht, vielleicht, vielleicht gehört dazu. Das Lied kam mir daher nicht mehr wie etwas Neues vor. Von den neuen (Platte eins) Sachen spielten sie außerdem Durch die Dunkelheit, Nichts ist schwieriger auf der Welt und Es tut mir leid.

Zur Entstehung von Es tut mir leid holte Björn aus. Das Lied sei inspiriert von France Gall Liedern. Er redete über deutsche Versionen dieser Stücke, sang eines auf Französisch an, sprach über eingedeutschte Beach Boys Titel und holte mächtig aus. Das führte zu Belustigungen. Dabei war das Thema eigentlich sehr ernst und Björns Gedanken interessant. Nur redete er sich (scheinbar auch aus Sicht seiner Bandkollegen langsam um Kopf und Kragen. Statt also den Gedanken, aus dem France Gall Lied, das ihn zum Nachdenken gebracht hatte, daß wir keine Engel seien (der Gedanke war viel weniger kitschig, als es hier klingt), kam immer mehr Lachen auf. Björn sagte, es dauere zwei Minuten, das zu erklären, Jan Niklas neben ihm hob alle fünf Finger. Stefanie kommentierte Björn mit "mit dem Hall hier nimmt das eine seltsame Richtung an!" Als das Lied dann losging, fing es an mit "Ich wollte etwas sagen, es war so wichtig und so viel. Ich habe den richtigen Moment verpasst..." Wenn das geplant war, war es clever, wenn es ungeplant war, urkomisch!

Auch wenn nicht solche Spektakel-Elemente wie bei den letzten Wintergalas stattfanden - der Shanty-Chor im Stadtgarten, die Filme hinter der Band oder der Ab- und Neuaufbau der Bühne während des letzten Stücks wie im Filmhaus (hier), war der Abend kein Stück schlechter als die anderen! Ein Konzert mit Glühwein, mit Plätzchen, mit Liederheft - das ist alles toll. Aber all das würde nicht helfen, wenn die Musik nur es geht so wäre. Die Locas Stücke sind meilenweit von Mittelmäßigkeit entfernt. Die fast zwei Stunden waren musikalisch hervorragend und immer kurzweilig.
Bei jedem Konzert mit Winter-Bezug hoffe ich auf Stefanies wunderbares Julee Cruise Cover Falling, diesmal mit Erfolg. Das zweite Cover des Abends war auch sehr schön. Der richtige Ort von Fink, ein Sampler-Beitrag von Locas In Love hatte einen hohen Refrain von Stefanie und Björn (hier spricht der Musik-Laie), der mich an die Winnetou-Melodie erinnerte. Herrlich! Die St. Michael-Kirche war definitiv der richtige Ort!
Den Gegenpart dazu - An den falschen Orten - hatte die Band, die heute wieder von Schlagzeuger Maurizio (statt Saskia) begleitet wurde, am "Bühnenrand" gesungen, nachdem Stefanie der Umgebung angepasst angesagt hatte, daß jetzt Lied 407 aus dem Gesangsbuch, die Strophen 1,2 und 4 bis 6 gesungen würde. Der Küster hatte nicht verstanden, daß er das Licht anmachen sollte, also rannte die Bassistin nach hinten und beleuchtete den Zuschauerraum.
Ich habe noch kein schlechtes Konzert der Kölner Band erlebt. Die Wintergala war wieder so besonders, mit so viel Liebe zum Detail organisiert. Toll, daß so etwas so gut angenommen wird und so viele Zuschauer von den Glühweinständen weglockt! Und jeder, der da war, kann jetzt erzählen, daß er schon einmal Je t'aime.. moi non plus in einer katholischen Kirche gehört hat!
Setlist Locas In Love, Wintergala, St. Michael Kirche, Köln:
01: Packeis
02: Wintersachen
03: Manifest
04: Wer weiß, wer weiß, wer weiß, vielleicht, vielleicht, vielleicht
05: Über Nacht ist ein ganzer Wald gewachsen (Das Licht am Ende des Tunnels ist ein Zug)
06: Eissturm
07: Maschine
08: Zum Beispiel ein Unfall
09: Es tut mir leid
10: Una questa
11: Roder
12: Falling (Julee Cruise Cover)
13: Nichts ist schwieriger auf der Welt
14: Durch die Dunkelheit
15: Mabuse
16: Eulen
17: Monkey
18: Honeymoon is over (if you want)
19: An den falschen Orten
20: Sachen (Z)
21: Der richtige Ort (Fink Cover) (Z)
22: To get things straight (Z)
Links:
- aus unseren Archiv:
- Locas In Love, Köln, 22.12.13
- Locas In Love, Köln, 15.08.13
- Locas In Love, Köln, 14.08.13
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Wiesbaden, 04.05.12
- Locas In Love, Köln, 02.10.11
- Locas In Love, Köln, 24.10.10
- Locas In Love, Köln, 30.11.08
- Locas In Love, Frankfurt, 20.10.07
- Locas In Love, Köln, 19.08.07
um
11:56
Konzert: Locas In Love Wintergala
Ort: Filmhaus Köln
Datum: 22.12.2013
Dauer: 100 min
Zuschauer: 120 bis 150 (ausverkauft)
Das war eine angenehme Adventszeit in diesem Jahr. Musikalisch. Mir blieben die beiden ekelhaften Weihnachtsliedchen Last Christmas (zweimal) und Driving home for Christmas (einmal) weitestgehend erspart und auch deren fast so schlimme Artgenossen von Beyoncé, Whitney Houston oder Sarah Connor hielten sich in meinem Ohr vollkommen zurück. Eine angenehme musikalische Vorweihnachtszeit eben.
Daß man das Motiv Weihnachten, Jahresende und Winter auch unekelhaft abarbeiten kann, beweisen unsere Kölner Lieblinge Locas In Love seit einigen Jahren. Ihr Winter-Konzeptalbum (namens ...Winter) und ihre Tradition der Wintergalas* sind für mich feste Größen in den letzten Dezembertagen. Daß zwei Tage vor Heiligabend auch in diesem Jahr das Locas Weihnachtskonzert stattfinden würde, war sehr beruhigend. So fände das Jahr auch einen schönen Konzertabschluß, schließlich ist so ein letztes Konzert des Jahres ja auch etwas Besonderes (gut, das mag verschroben sein - aber was an einer Website, die nur übr Indiekonzerte berichtet, ist nicht verschroben?).

Nachdem die letzte Wintergala im Stadtgarten und meine erste im Alten Pfandhaus stattfand, war heute das Kölner Filmhaus Gastgeber. In dessen Kinosaal hatten Locas In Love vor ein paar Jahren "Two Originals of... Locas In Love" veranstaltet und ihre beiden ersten Alben in kompletter Länge gespielt (damals die beiden einzigen Alben der Band) - vor zwei herrlich trashigen Filmen (Planet der Vampire und Destroy all monsters). Auch diesmal wurde die Kinoleinwand nicht nur als weiße Rückwand genutzt. Als wir in den Saal gelassen wurden, begann zunächst einmal ein kurzes Vorprogramm, bestehend aus zwei Locas Videos, dem mit dem TV-Shop, in dem die Band Winter, Band-Shirts und Plätzchen anbot und dem zu Nein!, mit Manager Benny in der Hauptrolle. Wenn schon Kino, dann auch mit Filmen! Und mit Weihnachtsplätzchen statt Eiskonfekt.
Locas In Love im Rock-Shop from
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Um zwanzig vor acht begann dann auf der Leinwand der Vorspann von Der Bär von Jean-Jacques Annaud. Der Film hakelte ein paarmal, das Bild fiel immer mal wieder aus. Auch die Band hatte einen holprigen Start. Da die Instrumente, Boxen, Verstärker und Pedale vor der Leinwand standen und da kaum Platz war und die Band im Dunkeln auf ihren Platz gehen wollte, stolperte Gitarrist Niklas erst einmal über das Schlagzeug. Da auch der Film nicht lief, sagte Sänger Björn leise an, man beginne noch einmal. Was eine ausgezeichnete Idee war, denn beim Neustart bekam die Band beim Erscheinen dann endlich auch Applaus.

Das Konzert begann mit dem wundervollen Packeis vom Winteralbum. Eine Gastmusikerin machte das Stück noch eine Portion wundervoller. Carmen Heß von der tollen Kölner Band Lingby spielte als Begleitung einer extrem leise gespielten Gitarre Horn. Das zusätzliche Instrument passte perfekt. Sehr zu meiner Freude gab es bei vielen der Lieder Hornunterstützung, das sollten Locas In Love häufiger einsetzen!
Auch der Bär lief mittlerweile ruckelfrei. Bei meinen ersten Wintergalas lief im Hintergrund der Schnee-Western Leichen pflastern seinen Weg mit Klaus Kinski. Der Bär war ein ebenbürtiger Rahmen. Oft passten Bild und Lied so gut zusammen, als sei dies geplant. Wie die rumgereichten Plätzchen ist der Schneefilm auf der Wintergala eine schöne Tradition in der Tradition! Obwohl ich ein wenig auf Kevin allein zu Haus spekuliert hatte, war die Auswahl der Band natürlich besser.
An der musikalischen Auswahl gab es eh nichts zu meckern. Lieder von Winter, von den anderen Platten und drei Stücke des neuen Albums, an dem die Band gerade arbeitet, standen auf der Setlist. Die kommende Platte hatten Locas im August an zwei Abenden im King Georg vorgestellt, bevor sie zu den Aufnahmen nach Frankreich abgereist waren. Das letzte der drei neuen Stücke kam mir allerdings nicht bekannt vor. Es war sicher neu, weil Stefanie einen kurzen Texthänger hatte und ich diese wundervollen "oh oh"-Refrains von Stefanie und Björn wiedererkannt hätte. Das Lied, das mit "Wo bist du gewesen" anfing, war eines der schönsten des Abends.

Nach knapp anderthalb Stunden wurde es spektakulär. Während noch An den falschen Orten lief, begann Björn plötzlich, alles Equipment abzubauen und aus dem Kinosaal zu rennen. Stefanie und Niklas machten es ihm nach, nur Schlagzeugerin Saskia trommelte auf den Resten ihres Instruments weiter. Irgendwann hörte man, daß das Lied parallel im Foyer gespielt wurde. Ohne Unterbrechung hatte die Band also auf offener Szene den Platz gewechselt! Sagenhaft! An den falschen (oder jetzt richtigen?) Orten ging in I wanna be sedated von den Ramones über (das zweite Cover neben Lou Reeds Waves Of Fear). Im Vorraum folgten noch Saurus und Nein, bevor das Konzert sehr besucherfreundlich um 20 nach neun endete und der Weihnachtsfeier-Teil begann.
Ein ganz hervorragender Abend! Auch mein zigtes Locas In Love Konzert war nicht ansatzweise langweilig oder abgenutzt. Kaum eine Band versteht es so gut, immer neue Elemente in ihre Auftritte einzubauen!
Setlist Locas In Love Wintergala, Filmhaus Köln:
01: Packeis
02: Sachen
03: Zum Beispiel ein Unfall
04: Maschine
05: ICE Wilson Bentley
06: Nichts ist schwieriger auf der Welt (neu)
07: Über Nacht ist ein ganzer Wald gewachsen (Das Licht am Ende des Tunnels ist ein Zug)
08: Wintersachen
09: Auto destruct
10: Roder
11: Monkey
12: Egal wie weit
13: Wer weiß, wer weiß, wer weiß, vielleicht, vielleicht, vielleicht (neu)
14: Waves of fear (Lou Reed Cover)
15: Una questa
16: Mabuse
17: To get things straight
18: ? (neu)
19: An den falschen Orten
20: An den falschen Orten (Foyer)
21: I wanna be sedated (Ramones Cover) (Foyer)
22: Saurus (Foyer)
23: Nein (Foyer
Links:
- Locas In Love, Köln, 15.08.13
- Locas In Love, Köln, 14.08.13
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Wiesbaden, 04.05.12
- Locas In Love, Köln, 02.10.11
- Locas In Love, Köln, 24.10.10
- Locas In Love, Köln, 30.11.08
- Locas In Love, Frankfurt, 20.10.07
- Locas In Love, Köln, 19.08.07
* klingt doof, ist aber so
um
23:42
Konzert: Locas In Love
Ort: King Georg, Köln
Datum: 15.08.2013
Dauer: 80 min
Zuschauer: rund 100 (ausverkauft)
Als die beiden Locas In Love Konzerte im King Georg angekündigt wurden, wusste ich nicht, an welchem der beiden Tage ich Zeit haben würde. Die Gefahr, kurzfristig nichts mehr zu bekommen, erschien mir zu groß, also kaufte ich ein Zweitages-Ticket. Der erste Auftritt der Vorab-Darbietung des neuen, noch aufzunehmenden Albums war dann so gut, daß nichts dagegen sprach, auch den zweiten Abend anzugucken. Ich höre eh aus Zeitmangel viel zu wenig Alben, die neue Locas Platte würde ich so also schon zweimal komplett mitbekommen haben.
Einiges war anders an diesem Abend. Das Publikum war ruhiger, stellte die Band fest. "Konzentrierter." Es war etwas kühler im King Georg, weil die Klimaanlage sporadisch lief. Sänger Björn hatte über Nacht seinen Bart verloren. An etwa den gleichen Stellen richteten die beiden Frauen in der Band Saskias Bassdrum und störte eine Handyrückkopplung eine Liederklärung Björns.
Die wichtigen Dinge blieben aber gleich: Locas In Love spielten zunächst ihr komplettes neues Album und danach drei Zugaben, Auch wenn der Ton bei den ersten beiden Liedern noch nicht toll war - der Gesang war kaum zu hören - war der Abend musikalisch, nachdem die Soundsachen abgestellt waren, keinen Deut schlechter als der erste. Im Gegenteil... Daß die neuen Stücke mich beim ersten Mal schon überzeugt hatten, hatte ich erzählt. Beim zweiten Durchgang bot sich die Möglichkeit, Eindrücke zu vertiefen.
Ich hatte zwar Mittwoch zum Beispiel festgestellt, was für ein großartiges Stück Da ist ein Licht ist und mich sehr über die Smiths-Hommage im Titel gefreut. Mir war aber nicht aufgefallen, daß Stefanie im Refrain in der Mitte auch direkt Morrissey zitiert - vermutlich war sie da zu leise abgemischt oder ich nicht aufmerksam genug. Auch ohne das wäre Da ist ein Licht für mich eines der herausragenden Lieder der Platte. Die Art, wie der Refrain als Echo von Stefanie wiederholt wird, ist wundervoll!
Mein zweiter Liebling ist Durch die Dunkelheit. Was für ein fantastischer Song mit einer im besten Sinne eingängigen Melodie! Das Stück habe ich heute noch als Ohrwurm im Kopf, was mich bei einem unveröffentlichten Lied enorm überrascht.
Trotzdem hatte ich Dich gern beginnt, als stamme es von I Like Trains, faszinierend sind dann aber die Gitarrenrhythmen, die Niklas spielt! Diese repetitiven Tonsequenzen waren mir beim ersten Mal nicht aufgefallen, begeisterten mich am Donnerstag aber vollkommen!
Wenn liebgewonnene Bands ein neues (veröffentlichtes) Album betouren, freut man sich doch besonders - bei aller Sympathie - über die älteren Sachen. Bei den beiden Locas Konzerten kam mir nie der Gedanke, daß es jetzt langsam mal gut sei und die vertrauten Songs kommen könnten.
Die drei Zugaben, insbesondere das in wildem Geschrammele endende An den falschen Orten waren selbsverständlich toll. Aber auch ohne sie hätte mir nichts gefehlt.
Setlist Locas In Love, King Georg II, Köln:
01: Neue Sache
02: Teenager
03: Durch die Dunkelheit
04: Wer weiß, wer weiß, wer weiß, vielleicht, vielleicht, vielleicht
05: Da ist ein Licht
06: Lawine
07: Es tut mir leid
08: Ich bin eine Insel
09: Man wird sich selbst nie los
10: Ich werde ein Lied für alle schreiben
11: Trotzdem hatte ich Dich gern
12: Fünfunddreißig 1000 1000000
13: Nichts ist schwieriger auf der Welt
14: Sachen
15: In my life
16:An den falschen Orten
Links:
- aus unserem Archiv:
- Locas In Love, Köln, 14.08.13
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Wiesbaden, 04.05.12
- Locas In Love, Köln, 02.10.11
- Locas In Love, Köln, 24.10.10
- Locas In Love, Köln, 30.11.08
- Locas In Love, Frankfurt, 20.10.07
- Locas In Love, Köln, 19.08.07