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Sonntag, 10. April 2016

Scout Niblett, Köln, 07.04.16

1 Kommentare

Konzert: Scout Niblett
Ort: King Georg, Köln
Datum: 07.04.2016
Dauer: knapp 85 min
Zuschauer: wohl ausverkauft



Mein erstes Scout Niblett Konzert fand 2012 auch im King Georg in Köln statt. Es war das 100. Konzert der Always coming back to you-Reihe des Veranstalters Jan Lankisch. Mittlerweile sind ACBTY bei 250 Shows, Jubiläumsgast war wieder Scout Niblett.

2012 war ich als letzter noch in die kleine Clubbar gekommen und hatte einen Platz in der Eingangstür. Scout sah ich damals nicht, ich hörte sie nur. Die in Portland lebende Engländerin spielte alleine mit akustischer Gitarre und begeisterte mich vollkommen.

Bei den Konzerten danach spielte die Sängerin mit Band (mit den beiden Kölnern Miguel Ortiz Caturani und Jan Philipp Janzen). Mir gefiel dabei wahnsinnig gut, wie das eigentlich perfekte Spiel der Frau aus Portland durch wundervoll eingesetzte zusätzliche Instrumente nicht einfach in eine Bandversion erweitert wurde, es wurde irgendwie pointiert. Beim sehr zurückhaltend gespielten Schlagzeug wurde des besonders deutlich. Wow, da waren große Künstler am Werk!

Zuletzt hatte Emma Louise Niblett im Gebäude 9 gespielt, heute war es wieder das King Georg. Und wie 2012 war es so voll, daß ich die Sängerin immer nur mal für ein paar Augenblicke sehen konnte. Scout spielte wieder solo, nur mit ihrer elektrischen Gitarre. Vor dem Konzert hatte sie erzählt, sie spiele einige neue Stücke, die sie live ausprobieren wolle. Scouts letztes Album ist von 2013, es war also kein Wunder, daß eine ganze Menge unveröffentlichter Lieder gespielt wurden.

Scout (mit ebenso neuer Kurzhaarfrisur) begann gleich mit einem dieser Stücke, Disneyland, das eine irre lange instrumentale Einleitung hatte. Es ist schwer nach dem ersten Hören viel zu den neuen Titeln zu sagen, vor allem zu den Texten. Die neuen Lieder bedeuten aber keine Stiländerung zu den älteren Geschwistern, offenbar auch textlich nicht. Schöne Beispiele dafür waren Lonesome rider ("stellt Euch vor, hinter mir wäre eine Wüste") oder Sweet solitude. Sweet solitude war einer meiner Lieblinge des Abends, obwohl Scouts Instrument am Anfang nach einer spanischen Gitarre klang. Sie musste sich dafür zu Beginn hinsetzen. Sie habe das Lied so sitzend geschrieben und müsse das heute auch so machen. Nach dem Intro stand sie wieder, was aber für die sichtbeschränkten Plätze (meinen) keinen Unterschied machte. 

Ein weiterer Knüller war Roller coaster, ein wundervolles Stück. Meinen Liebling unter den älteren Liedern Your last chariot erklärte Emma hinterher. Sie werde häufig darauf angesprochen, daß das Stück doch davon handele, daß sie einem Idioten nachjage. "It's not. It's about death coming to get you. This next song [Gun] actually is about me coming to get an asshole!"

Scout spielte fast anderthalb Stunden. Obwohl das Konzept "Sängerin mit elektrischer Gitarre" nicht unbedingt hochspannend sein muß, waren die 85 Minuten nicht eine Minute langweilig, im Gegenteil, das Konzert war hochpackend!

Setlist Scout Niblett, King Georg, Köln:

01: Disneyland (neu)
02: Just do it!
03: The calcination of Scout Niblett
04: My beloved
05: Who you are (?)
06: Your last chariot
07: Gun
08: Roller coaster (neu)
09: Kiss
10: Lonesome rider (neu)
11: Sweet solitude (neu)
12: What can I do?

13: Meet and greet (Z)
 
Links:

- aus unserem Archiv:
- Scout Niblett, Köln, 01.12.13
- Scout Niblett, Paris, 27.11.13
- Scout Niblett, Jena, 24.06.13
- Scout Niblett, München, 11.06.13
- Scout Niblett, Köln, 09.06.13
- Scout Niblett, Paris, 08.06.13
- Scout Niblett, Duisburg, 04.06.13
- Scout Niblett, Berlin, 03.06.13
- Scout Niblett, Mannheim, 31.05.13
- Scout Niblett, Köln, 14.01.12
- Scout Niblett, Paris, 09.05.11
- Scout Niblett, Paris, 07.06.10
- Scout Niblett, Paris, 30.11.09
- Scout Niblett, Paris, 24.05.08
- Scout Niblett, Paris, 17.12.07


Foto: Archiv



Montag, 2. Dezember 2013

Scout Niblett, Köln, 01.12.13

1 Kommentare

Konzert: Scout Niblett
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 01.12.2013
Dauer: 60 min
Zuschauer: keine 200




Am Wochenende habe ich mich erstmals seit Jahrzehnten wieder mit Schulchemie beschäftigen müssen und den Unterschied zwischen exothermen und endothermen Reaktionen erklären müssen. Wenn mein "Schüler" heute mit im Gebäude 9 gewesen wäre, hätte er mir wohl bei jedem Einsatz des Scout Niblett begleitenden Schlagzeugers Jan Philipp Janzen ins Ohr geflüstert "exotherm!"

Scout Niblett hat bei der Auswahl ihrer beiden Begleiter ein glückliches Händchen bewiesen. Schon bei meinen diversen Konzerten in dieser Konstellation im Sommer gefielen mir die zweite Gitarre (Miguel Ortiz Caturani) und das Schlagzeug ausgezeichnet. Ich habe leider zu wenig Musik-Ahnung, um das fundiert beurteilen zu können, mir scheinen die beiden aber ganz ausgezeichnete Musiker zu sein. Insbesondere bei Jans explosiven Einsätzen, die wegen der Arrangements der Musik immer wieder nach Pausen vorkommen, war ich beeindruckt und fast schon zu sehr von der Hauptdarstellering abgelenkt. 


Die war krank. Emma hustete häufig und trank Tee. Das hinderte sie aber nicht daran, in den Liedern zu schreien, in denen sie schreit und eine Stunde durchzuhalten. Nur einmal gegen Ende (bei What can I do?) hatte ich den Eindruck, daß das Leiserwerden ihrer Stimme nicht gewollt war. Zwischen den Liedern sah man der in Portland lebenden Engländerin an, wie viel Anstrengung das heutige Konzert erforderte. Sie sah kaputt aus, aber anders kaputt, als das Rockstars nun man tun. Daß der Auftritt vor diesem Hintergrund nicht nur einer war, den man wohlwollend zur Kenntnis nimmt und ein wenig mit der Bronchitis entschuldigt, sondern sich keine Spur von denen im Sommer unterschied, kann man der Sängerin mit der roten Blume im Haar nicht hoch genug anrechnen! Das tat das Publikum auch. Ich kann mich an kein anderes Konzert im Gebäude 9 in diesem Jahr erinnern, bei dem so intensiv applaudiert wurde!


Der Auftritt begann bereits um halb neun. Die neuen, früheren Startzeiten in Köln verunsichern mich immer noch. Ich habe mich jahrelang beschwert, daß Konzerte unter der Woche (gerne auch mit zwei Vorgruppen) elendig spät anfingen, Heute war das Konzert um 21:32 Uhr beendet - und auch das fühlt sich komisch an. Konzertgänger sind schwierig zufrieden zu stellen. Scout kam zunächst wieder alleine auf die Bühne. Sie spielte Uptown top ranking, das sie 2004 als Single veröffentlich hatte. Das Stück ist ein Cover eines jamaikanischen Reggae-Duos, das Ende der 70er Jahre ein Hit in England war. Das Original kenne ich nicht, die Scout Niblett Version war mir auch neu, sie gefiel mir ausgezeichnet.

Danach kam zunächst Schlagzeuger Jan dazu. Er saß zwar zu Beginn des zweiten Stücks (All night long) schon an seinem Platz, stieg aber erst mittendrin ziemlich unverhofft und heftig (-> exotherm) ein. Zum nachfolgenden Gun kam dann auch Miguel dazu - und die Frau mit den kurzen Haaren in meiner Nähe begann, headzubangen.

Wie großartig die Arrangements sind, fiel mir bei Can't fool my now auf. Miguel spielt dabei am Anfang eine zu Scout gegenläufige Melodie. Alleine diese Passage rechtfertigte den Sonntagsausflug nach Köln! In der Mitte des Stücks spielte fast nur die Britin, erst gegen Ende stiegen ihre beiden Begleiter wieder ein.

Trotz ihres gesundheitlichen Handicaps, nahm sich Scout Niblett nicht zurück. Bei Nevada mit dem gebrüllten Beginn "so put on that suit...", stmpfte sie mit den Beinen auf den Bühnenboden, als sei sie fit und unausgelastet. Der Gesichtsausdruck danach sprach eine andere Sprache, aber akustisch war das Konzert nun wirklich nicht!


Irgendwann in einer der langen Stimmpausen, fragte die Sängerin wie üblich, ob wir Fragen hätten. Statt eines Liedwunschs fragte wirklich jemand, "ob der Typ aus dem King Georg" auch da sei. "Jan? Ja, der ist hier!" - "Nein, der mit dem Du damals aufgetreten bist!" - "Ich glaube nicht." Ich hatte das erwähnte Konzert zwar auch gehört aber nicht gesehen, da ich als letzter in die Clubbar reingelassen wurde und in der Tür stehen musste und nichts von Scout oder ihrem Begleiter sehen konnte. Gitarrist Miguel erklärte, der Musiker komme aber zum Weekend Festival und übernachte da auf seiner Couch, wie er erfahren habe. "Ach, nicht Robert Forster?" Wer um Fragen bittet...

Miguel erklärte einen anderen Zwischenruf (auf Spanisch) seiner Frontfrau damit, daß den der "George Clooney Kölns" gemacht habe. "Oh, dich will ich kennenlernen!" - "Das ist mein Mitbewohner," kommentierte Miguel. Es war sehr deutlich ein Heimspiel des Trios, auch wenn der Kopf der Band leider nicht in Köln lebt.

Bei Could this possibly be? guckte Scout oft nach hinten zum Backstage-Bereich. Ich konnte das nicht deuten, nach dem nächsten Lied war dann aber Schluß. Eine Zugabe gab es trotz des langen und lauten Applauses nicht. Daß sich die kranke Musikerin eine Stunde durch den Abend gequält hatte und sich dies nicht anmerken ließ, war eindrucksvoll genug. Die fehlende Zugabe schade aber vor diesem Hintergrund selbstverständlich!

Vielleicht war mein viertes Scout Niblett Konzert in diesem Jahr sogar mein bestes, wobei das Quatsch ist, weil der King Georg Auftritt ganz besonders großartig war. Aber alleine, daß ich mir die Frage stelle, zeigt, wie extrem kurzweilig auch der vierte Abend mit der kleinen, lauten Engländerin war!

Setlist Scout Niblett, Gebäude 9, Köln:

01: Uptown top ranking (solo) (Althea & Donna Cover)
02: All night long
03: Gun
04: Can't fool me now
05: My man
06: Second chance dreams
07: Your last chariot
08: Nevada
09: Let thine heart be warmed
10: Could this possibly be?
11: What can I do?

Links:

- aus unserem Archiv:
- Scout Niblett, Paris, 27.11.13
- Scout Niblett, Jena, 24.06.13
- Scout Niblett, München, 11.06.13
- Scout Niblett, Köln, 09.06.13
- Scout Niblett, Paris, 08.06.13
- Scout Niblett, Duisburg, 04.06.13
- Scout Niblett, Berlin, 03.06.13
- Scout Niblett, Mannheim, 31.05.13
- Scout Niblett, Köln, 14.01.12
- Scout Niblett, Paris, 09.05.11
- Scout Niblett, Paris, 07.06.10
- Scout Niblett, Paris, 30.11.09
- Scout Niblett, Paris, 24.05.08
- Scout Niblett, Paris, 17.12.07



Sonntag, 1. Dezember 2013

Konzert Scout Niblett, Paris, 27.11.13

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Konzert: Scout Niblett
Ort: Le Nouveau Casino
Datum: 27.11.2013
Zuschauer: viele
Konzertdauer: 1h10




Wie einem Künstler wohl zumute sein muss, wenn er abend für abend Lieder vorträgt, die noch nicht verheilte Wunde wieder aufreissen.

Konkret gesprochen: wie geht es Scout Niblett, wenn sie ständig über ihre verflossene Liebe singt? Wie hält sie das aus? Will sie nicht endlich darüber hinwegkommen?

Fragen über Fragen. Ist sie vom Liebeskummer geheilt, wenn sie eben jene Stücke des aktuellen Albums nicht mehr mit dem gleichen Feuer, der gleichen Rage, der gleichen Hysterie singen kann? Falls das so sein sollte, ist sie von einer Genesung noch recht weit enfernt. Selten hat sie nämlich ihre Songs so wütend, trotzig, angriffslustig, anklagend gesungen wie am 27. November im Nouveau Casino zu Paris.

Aber vielleicht können Musiker ja scharf zwischen der Person auf der Bühne und der Privatperson trennen. Bei einer solch natürlich wirkenden Frau wie Scout Niblett habe ich da allerdings meine Zweifel. Jedesmal wenn ich sie live sehe sage ich mir: "genauo so ist sie die Emma!" Da ist nichts gefaked, da ist alles echt und wahrhaftig empfunden. Ihr Leidensdruck muss gewaltig sein und sicherlich ist es aus therapeutischer Sicht auch gut, wenn sie Druck ablassen kann und sich mal so richtig "auskotzt". 

Wobei sie natürlich nicht wirklich gekotzt, dafür um so mehr gehustet hat. Eien Bronchitis quält sie im Moment, den Nachmittag hatte sie im Bett verbracht, abends war sie aber wieder insoweit hergestellt, daß sie zumindest genug Kraft hatte, um laut zu singen und gut Gitarre zu spielen (paradoxerweise hatte sie auch noch einen  Verband an einer Hand, was da wohl passiert ist?). Schon beim Opener My Beloved beeindruckte sie auf ganzer Linie, sang mit äußerst präziser Stimme und machte sofort
deutlich, daß sie sich trotz Hustens nicht schonen würde. Zu diesem Zeitpunkt war sie noch ganz allein auf der Bühne, bei den nächsten Stücken kamen dann aber Gitarrist Miguel und Drummer Philip mit hinzu. Spätestens ab Gun wurde es mitunter sehr rockig. Besonders. Philip ließ es phasenweise gewaltig krachen, vermöbelte seine Felle wie ein Bessener. Es wirkte bisweilen, als würde er seinem ärgsten Feind brutalst den Arsch versohlen. Ich stand sehr nahe dran, bekam die ganze Wucht der Peitschenschläge ab und erlebte so das Konzert besonders intensiv.

Es war eine Teamleistung die da geboten wurde, alle drei Musiker gingen äußerst konzentriert zu Werke, der Gig war tight, perfekt geölt und wurde auch nie durch irgendwelche Anekdoten unterbrochen. Scout erzählte heute keinen Unsinn, der ihr gerade so in den Kopf kam, stellte auch nicht ihre übliche Frage: "any requests, any questions?", sondern stimmte immer nur bedächtig ihre Gitarre, bevor sie zum nächsten Song überging. Nur in einer Szene musste sie leicht schmunzeln, als nämlich eine Zuschauerin reinrief: "I love you Scout, will you mary me? It's now legal in France." Emma ging aber nicht näher drauf ein, sagte nur kurz "merci" und spielte weiter. Was wollte sie auch mit einem verliebten weiblichen Fan? Sie sang schließlich über My Man, "whohouhouwhohouoo", so sehnsüchtig, daß es einem das Herz brach. Meine Fresse, dieser Kerl muss sie aber wirklich liebeskrank gemacht haben! Quasi in jedem Song des aktuellen Album (und somit auch bei den Konzerten) geht es um ihn, seine neue Freundin (die in einer "shitty band" spielt, siehe  Text zu Gun), um Missverständisse, um Eifersucht, um zweite Chancen (Second Chance Dreams), um die Frage ob ihre Liebe dauerhaft möglich gewesen wäre ("could we have made it somehow?").

Aber so stark und berührend diese Titel  des neuen Albums auch waren, der Mittelteil des Konzerts in dem alte Klassiker wie Your Last Chariot, Nevada und Let Thin Heart Be Warmed abgefeuert wurden, war noch einen Tick schärfer. Hier erreichte die Inbrunst ihren siedenden Höhepunkt, knurrte Scout wie eine Furie "Puit on that suit and lend me that costume!"  (Nevada), langte Drummer Philip hin wie ein Schwergewichtsboxer und kitzelte Gitarrist Miguel herrlich düstere Melodien aus seiner Elektrischen. Immer war diese für Scout Niblett so typische Bedrohung da, diese knisternde Spannung wie in einem Psychothriller diese schwül-warme Atmosphäre, diese orgasmische Entladung des Drucks am Ende.

Eine viertel Stunde lang krachte es gewaltig, dann wurde es mit Could This Possibly Be Me? wieder besinnlicher und melancholischer. Federleichte, herrlich melodische Gitarren (ein Hauch von Pink Floyd?) schwirrten durch das Nouveau Casino und Scout sang sanft und angeschmiegsam, bevor es dann wieder dramatischer und lauter wurde.

Wir näherten uns inzwischen dem Ende, bekamen noch What Can I do ("what the hell did they do to you to make you so scared?"), bevor die Band Unter tosendem Applaus die Bühne verließ.


Die drei Helden kamen auch noch einmal wieder, aber wer Scout kennt, weiß, daß sie kein Fan von langen Zugaben ist. Einen Titel als Bonus, mehr gibt es bei ihr in der Regel nicht. Zum Klassiker Kiss hätte ich mir gerne Bonnie Brince Billy zum Duett gewünscht, aber wir waren nicht im Wunschkonzert und ohnehin restlos glücklich, trotz oder gerade wegen der gehörten todtraurigen Titel.

Ein aufwühlendes Erlebis, eine emotionale Achterbahnfahrt, ein Drama in zwölf Akten, ein Rockkonzert allererster Güte, kurz: eine Sensation.

Konzert des Jahres, what else?!

Setlist


01: My Beloved
02: All Night Long
03: Gun
04: Can't Fool Me Now
05: My Man 
06: Second Chance Dreams
07: Your Last Chariot
08: Nevada
09: Let Thin Heart Be Warmed
10: Could This Possibly Be Me?
11: What Can I Do?

12: Kiss

* Photo: Archiv. Aktuelle Pics in Kürze!



Freitag, 28. Juni 2013

Scout Niblett, Jena, 24.06.13

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Konzert: Scout Niblett
Ort: Café Wagner in Jena
Datum: 24. Juni 2013
Dauer: 60 min
Zuschauer: 150-200 


Bitte einmal die Hand heben, wer schon einmal in Jena war. Oder wer wenigstens weiß, wo Jena liegt. Ich muss die Klappe halten, denn ich bin in einem Ort aufgewachsen, wo man damals entweder Fan von Rot-Weiß Erfurt oder 1. FC Jena war. Und es setzte ordentlich Kloppe, wenn man dem "falschen" Verein die Freundschaft hielt. Schulausflüge gingen mit der Bimmelbahn nach Jena West zum wandern auf einen der vielen Hügel rings um Jena.


So fühlt es sich heimatlich an, wenn Franz Mehlhose in Erfurt oder das Café Wagner in Jena als Station meiner Lieblingsbands in den Tourdaten erscheinen. Ein warmes Gefühl im Herzen und ein kleines ziehen. Nun bin ich nach sehr langer Zeit tatsächlich einmal wieder in Jena. Es hat sich gar nicht so viel verändert. An der Uni sitze ich im Hörsaal mit Blick auf ein Bild aus meinem Schulunterricht: Auszug der Jenenser Studenten in den Freiheitskrieg 1813. Und ich muss über die feine Ironie sinnieren, dass dies die Wiege der Burschenschaften ist im fortschrittlichen Freiheitsdrang und was heute daraus geworden ist. Hier war Schiller zu Haus in seinen Sturm und Drang Zeiten. Und hierher wollte dunnemals Udo kommen in die Rock'n Roll Arena nach Jena...


Gekommen war ich zum Netzwerken. Aber es passte auch wunderbar, dass ich an dem Abend noch einmal Scout Niblett sehen könnte. Nach dem eindrucksvollen Mannheimer Regenauftritt und den Schwärmereien aus München, Köln, Paris, Duisburg und Berlin hatte ich dazu große Lust.

Auch Lust, das Café Wagner einmal mit eigenen Augen zu sehen. Und was ich vorfand gefiel mir außerordentlich gut. Nette Leute, uriger Raum, schöner großer Balkon, auf dem bei meinem Eintreffen die Band noch beim Abendessen saß. Ich sagte schnell Hallo, stellte mich vor und richtete Grüße aus. Aber vor dem Konzert wollte ich nicht stören. Ich setzte mich bequem in einen Kinosessel und sah zu wie sich das Café langsam füllte -  eigentlich füllte sich vor allem der schöne Balkon. Alle freuten sich über den schönen Sommerabend und das Licht des Johannisabends. Erst als dann kurz vor 21:30 Uhr alle in den Konzertsaal hereinkamen wurde klar: heut Abend ist es hier ganz schön voll. Jena weiß zu schätzen, dass Scout Niblett hier Station macht!


Das Konzert beginnt mit Emma solo und einem brummenden Anlage. Erst als sie mit ihren Lippen das Mikro berührt und damit erdet hört das Störgeräusch auf. Als der Schlagzeuger beim zweiten Stück auf die Bühne kommt, erzählt sie ihm das gleich ganz aufgekratzt. Überhaupt ist die Aufstellung heut sehr entspannt. Emma kann zum Schlagzeug schauen und die beiden haben öfter Blickkontakt. Zum dritten Song schließlich ist auch die zweite Gitarre dabei und die Liveband komplett. Ich habe den Eindruck, dass Emma zwischendurch spontan entscheidet, welcher Song als nächstes gespielt werden soll. Es gibt eine Setlist, aber sie ist wohl nur eine erste Approximation.




Die Musik ist intensiv, und drängend. Das Publikum sofort ganz dabei. Später wird es auch wütend und aggressiv. Ich liebe diese Momente. Dann bricht die etwas angespannte Stimmung zwischen den Stücken wieder auf. Emma bittet um Fragen während sie die Gitarre nachstimmt. Das Publikum ist ein bisschen schüchtern. Dann fragt jemand, ob ihr ihre Arbeit Spaß macht. Woraufhin sie losprustet: das sei doch kein Job, oder? Und .... nach einer langen Pause ... es sei wohl klar, dass sie hier gern auf der Bühne sei. Und lacht ihr unnachahmliches kehliges Lachen und wirft den Kopf nach oben.




Später fragt jemand, wen sie auf dem Cover der aktuellen CD küsst. Die knappe Antwort: "an asshole - obviously!". Das gibt ordentlich Lacher. Weiß er, dass er auf dem Cover ist? "Yes" Und was sagt er dazu? "he likes it. He can show it to people". Auch darüber wird herzlich gelacht.

Es ist leider ein recht kurzes Set. Schon nach 50 min verlässt die Band die Bühne und kommt dann für 10 min Zugabe zurück: Zunächst ein eher ruhiges Could this possibly be bevor das letzte Stück Hot to death noch einmal alle Register zieht. Wahnsinn, wie sich alle aneinander hochziehen und vorantreiben. Die Gitarren umeinander jaulen und das Schlagzeug beide vor sich her treibt. Eine wahre Geister-Austreibung. Leider lässt sich die Band auch durch anhaltenden starken Applaus nicht überreden, noch einmal auf die Bühne zu kommen. Live-Eindrücke sind z.B. aus Hamburg verfügbar oder aus Innsbruck (als Audio in vielen Formaten archiviert) und sagen mehr als meine unbeholfenen Worte, was die Livererscheinung von Scout Niblett so besonders macht.



Hinterher treffe ich noch Emma an der Bar und kann ein paar Worte mit ihr wechseln. Es scheint ihr gefallen zu haben in meiner Heimat. Obwohl sie sich vorher so müde und k.o. gefühlt hatte, war es für sie ein toller Abend. So gute Stimmung und tolle Applaus. Und ich bin ein bisschen stolz, als wäre es ein Stück mein Verdienst nur weil ich von hier komme.


Scout Niblett in Jena - ein weiterer Bericht

Aus unserem Archiv:

Scout Niblett, München, 11. Juni 2013 (Eike)
Scout Niblett, Köln, 9. Juni 2013 (Christoph)
Scout Niblett, Paris, 8. Juni 2013 (Oliver)
Scout Niblett, Duisburg, 4. Juni 2013 (Christoph)
Scout Niblett, Berlin, 3. Juni 2013 (Markus)
Scout Niblett, Mannheim, 31. Mai 2013 (Christoph & Gudrun)

Scout Niblett, Köln, 14.01.13
Scout Niblett, Paris, 09.05.11
Scout Niblett, Paris, 07.06.10
Scout Niblett, Paris, 30.11.09
Scout Niblett, Paris, 24.05.08
Scout Niblett, Paris, 17.12.07


Meine Fotos aus Jena:



Montag, 17. Juni 2013

Scout Niblett, Berlin, 3.6.13

2 Kommentare
Konzert: Scout Niblett (+Olöf Arnalds)
Ort: Volksbühne Berlin
Datum: 3.6.2013
Zuhörer: 3/4 gefüllt
Dauer: 45+90 Minuten




Wenn ich mir was wünschen dürfte,
käm ich in Verlegenheit,
was ich mir denn wünschen sollte,
eine schlimme, oder gute Zeit?
(Friedrich Hollaender)


Nachdem ich das Gefühl hatte, dass Berlin über Monate hinweg kein Sonnenstrahl erreichte, löste der Anblick von blauem Himmel in mir wahren Freudentaumel aus. So entschloss ich mich noch vor dem Konzert auf den Stufen der Volksbühne Platz zu nehmen und jeden Sonnenstrahl einzeln aufzusaugen. 

Den spontanen Entschluss an diesem Abend mich auf den Weg in die Volksbühne zu machen, sollte ich nicht bereuen. Auch wenn Scout "Emma" Niblett bis kurz vor diesem Abend für mich weitestgehend unbekannt war.
So betrat ich selig den Konzertraum und freute mich auf einen abwechslungsreichen Abend. Abwechslung deswegen, weil Ólöf Arnalds den Abend einleiten wird. Ólöf kommt wie ihr Cousin Olaf aus Island und hat sich wohl dem Indie-Folk verschrieben.
Kurz nach neun betritt sie die Bühne mit ihrem musikalischen Partner Skúli Sverrisson. Sie trägt schwarze Plusterhosen, die mich eher an die Bezaubernde Jeannie erinnern als an einen Folkmusikabend. Sei es drum - Künstler sind ja immer mal wieder für Überraschungen gut.
Optisch und musikalisch ist es für mich eine Mischung zwischen Ane Brun und Liz Green. Während Skúli sie konzentriert und unauffällig begleitet, ist wohl Ólöfs Markenzeichen das Mienenspiel. Das ist niedlich anzusehen, schafft aber auch mitunter groteske Momente. Ich gerate dadurch immer wieder in eine Verwirrung, ob sie denn nun ihre eigene Musik persiflieren möchte. Ich denke mal nicht, sondern glaube vielmehr, dass sie ihrer kindlichen Natur freien Lauf lassen möchte.
Ihr Darbietung ist durchaus unterhaltsam, reicht für mich aber nicht für die große Bühne. In einem Wohnzimmer oder einem kleinen bestuhlten Konzertraum wäre mir ihr Auftritt sicherlich näher gegangen. So wirkte sie doch etwas verloren, wenn auch mit viel Witz und Charme. Originell war ihr "Gummibärchenlied".

Die obligatorische Umbauphase dauerte nicht sehr lange und irgendwann stand auch Scout "Emma" Niblett auf der Bühne und werkelte noch ein wenig herum. Die Gemächlichkeit der Volksbühne (und des Publikums) war wohl Scout Niblett unbekannt und so fing sie ihr Konzert an, obwohl noch einige Zuschauer sich im Foyer aufhielten.
Das war sicherlich nicht unhöflich gemeint, sondern ihr war es vielleicht unbehaglich auf der Bühne so untätig rumstehen zu müssen.
Sie trägt einen schlichten langärmligen Pullover dazu einen knielangen Rock. Das wirkt elegant, aber hat einen Tick etwas von einer grauen Maus. Das sie das bei weitem aber nicht ist und das es keiner offenen Blusen und Miniröcke bedarf, um ungebrochene Aufmerksamkeit zu erhalten, das wird sie den Abend über unter Beweis stellen.
Sie begann ihr Set mit zwei Solo-Stücken. Den Kopf leicht gesenkt. Und da spürte man es sofort - diese unbeschreiblichen Emotionen, die sie ausdrücken und in den Saal feuern kann. Dafür braucht sie nicht mehr als ihre Gitarre, ihre Stimme und das großartige Vermögen dieses so bewusst einzusetzen, dass es das Publikum schon direkt am Anfang des Konzerte zu lautem Jauchzen und Johlen hinreisst. Die Bühnendekoration ist spartanisch. Nur die große Theaterbühne, ein paar Monitorboxen, ein Schlagzeug. Keine ablenkenden Videoprojektionen, keine entlastenden Lichteffekte. Eine Operation am offenen Herzen des Publikums. Und unsere Herzen sind offen. Von Anfang an. Zu
All Night Long kommt auch der Schlagzeuger Jan Philipp Janzen mit auf die Bühne. Und wie das passt. 

Zwischen den Liedern dann ein kurzes: Questions? Darauf direkt aus dem Publikum: Are you smoking? Yes I am. It´s bad for the voice. Das passiert aber in so einer sympathischen Art und Weise, mit so einer angenehmen Leichtigkeit und Zurückhaltung, dass es eine Freude ist. Dann folgt Gun. Das Schlagzeug. MG-Salven rattern durch den Saal, Scout Nibletts Stimme: "you took your love away from me, and i am thankful, everyday." Unbeschreiblich. Es hat etwas von der Beschwörung eines Dämonen und zugleich einer Teufelsaustreibung. Die Liebe, die einst beschworen wurde, muss nun ausgetrieben werden. Wer kennt das nicht? Und das macht ihre Musik so stark - so nahbar - so spürbar. Emma steht nicht schüchtern, verängstigt auf der Bühne. Im Gegenteil. Sie läuft auch nicht auf und ab, um sich zu entlasten. Sie bleibt stoisch an einem Punkt stehen. Unheimlich schön in Erinnerung blieb mir das ruhige Can´t fool me now und im Anschluss auch My Man. Wobei es so leicht dahingesagt ist mit ruhig. Ihre Stimme ist großartig. Nach Your Last Chariot das phänomenale Nevada. Mit welcher Leidenschaft, Inbrunst und Überzeugung sie schon die erste Textzeile in den Saal feuert "Put on that suit and lend me that costume". Und wie sie dann diese losgetretenen Gewalten doch wieder beherrschen kann. Dabei geht aber nichts verloren. Man kann es kaum aushalten, so überwältigend ist es. Und so entlädt sich diese Spannung auch nach jedem Lied beim Publikum. Es geht dabei nicht nur um Dank an die Künstlerin, sondern - und das macht dieses Konzert so besonders und wertvoll - sondern um das eigene be- und empfinden.


Ob sie wohl Wodka auf der Bühne trinkt, wird bei der zweiten Fragerunde amüsant geklärt. Es gibt wohl nur Wasser und Rotwein an diesem Abend für sie.
Nach What Can I Do? wird Emma in die Frage verwickelt, warum denn viele Lieder von Eifersucht handeln. Beim Versuch diese Frage zu beantworten, weicht sie liebenswert mit einem "No-it´s not" aus. Das kann man ihr nicht nachtragen. Dafür beschenkt sie uns gleich bei der ersten Zugabe mit Kiss. Wie sie "Don´t break my dream" dahin schluchzt. Unnachahmlich!  Bei Hot to death muss ich aber eher an Black Sabbath denken. 
Als allerletzte Zugabe wünscht sich das Publikum dann Wolfie. Ein grandioser Abschluss.

and
i´d loved you forever
i know it to be true
´cause though we´re not together
love is never through

Beseelt von ihrer Musik und völlig gerührt und benommen, gehe ich zum Merchandising Stand und umklammere zwei ihrer Langspieler. 

Setlist:
My beloved
Duke of anxiety
All night long
Gun
Second chance dreams
Can´t fool me now
My man
Your last chariot
Nevada
Let thine heart be warned
What can i do?
-
Kiss
Hot to death

Wolfie

Hier der Live-Mitschnitt vom Kölner Konzert:
http://vimeo.com/68305892

Sonntag, 16. Juni 2013

Scout Niblett, München 11.06.13

1 Kommentare

Konzert: Scout Niblett
Ort: Strøm, München
Datum: 11.06.2013
Zuschauer: gut gefüllt
Konzertdauer: etwa eine Stunde 

Text und Fotos von Eike aus Bayern. Erstveröffentlichung auf seinem Klienicum.



Dass sich der Künstler gegenüber seinem Publikum offenbart, dass er sich häufig genug zur Nacktheit zwingt, wir wissen es. Dass er seinen Abgründen nicht ausweicht, im Gegenteil in sie eintaucht, um uns daraus vorzulesen, wir haben es erlebt. Dass er manchmal seinen Offenbarungszwang, die tägliche Notwendigkeit dazu nicht ertragen kann, wir haben es geahnt. Während wir uns zur Ablenkung zwingen, den inneren Dämonen so oft es geht entsagen, konfrontiert sich der Künstler, wenigstens möchten wir ihn in aller Ernsthaftigkeit so wahrnehmen, mit dem heiklen Material seiner intimen Widrigkeiten. Dem einen gelingt das für die Zeit einer Konzertreise, dem anderen geht zwischendrin der Mut, die Kraft, die Emotion verloren. Es wäre das Selbstverständlichste. Nun bin ich nicht vertraut mit Scout Niblett und ihren Nöten. Doch was sie an diesem Mittwoch abend präsentierte, war nach außen gekehrtes Unbill. Sie trug die Tragik offen. Man konnte aus ihren Gesichtszügen das Waidwunde lesen. Getroffen war sie bereits, als sie auf die Bühne kam. Als sie nach nicht einmal einer Stunde bereits wieder ging, schien sie auf eine Weise besiegt, die ich fast unerträglich fand. Ein besonderes Ärgernis, sie zu einer Zugabe herausgezwungen zu haben. Die Musik war bereits eingeschaltet, doch ein durstiges Publikum verlangte nach mehr von dem rachsüchtigen Saft der Neugier und des Voyeurismus. "I Am" war da die richtige Antwort. Und wenn es nicht genüge wäre, dass sich der Künstler nicht wohl in seiner Haut fühlt, trieben Nebensächlichkeiten ein teuflisches Spiel. Der Verstärker Nibletts war im Eimer und gab für die Dauer des Konzerts ein unüberhörbares Schnarren von sich. Auch in lauteren Passagen musste man sich Mühe geben, um gnädigerweise das störende Nebengeräusch zu ignorieren. Dass mehrmals Zwischenrufe aus dem Publikum kamen im Sinne von "Anlage abschalten!", tat da sein Übriges. Danke an den Rückrufer: "Ansage abschalten!" war sein treffender Kommentar. Scout Niblett ergänzte, dass es sich doch um einen coolen Umstand handle und sie schließliche eine Noiseband wären und grinste dabei verlegen. Ihre Anfragen nach Wünschen gleich zu Beginn des Konzerts blieben zudem fast gänzlich unbeantwortet, jemanden fiel noch "Kiss" ein, dann erbat sie sich Fragen, mehrmals, auch hier keine Reaktion aus dem Publikum. Das waren mehr als missliche Ausgangspositionen. 

Nach zwei Solonummern kamen jeweils kurz aufeinander Drummer Jan Phillip Janzen und der auf Dauer breit Kaugummi kauende Miguel Ortiz Caturani auf die Bühne, um dem Vortrag etwas mehr 'Bumms' zu verleihen. Die Schießbude war derart auf Knalleffekt eingestellt, dass sie sich mehr als befeuernd in den Dienst der 1973 geborenen Emma Louise stellte, mehr denn zu einem ganz paritätischen Element des Vortrags wurde. Trommelwirbel, die Pausen füllten, Euruptives, Manisches. gelungen in jedem Fall. Auch das zusätzliche Gitarrespiel war ein willkommener Gruß an Lautstärke und kraftvollerem Vorwärts. 


Doch am Ende blieb immer Scout. Ihr züngelnder Gesang in den leisen, ihr Maß nehmen in den lauteren, in den lauten passagen. Ihr Schreien ist dabei ein nie vollendetes, als wage sie nicht den Weg zu Ende zu gehen. Ihre Kunstfertigkeit an der Gitarre, dieses gezielte Spiel, um Stimmungen zu belegen, sich ein Begleitensemble zu kreieren. Seltener kannst du erleben, wie Töne zahm sich fügen, um der gesungenen Note zu folgen. Ein einträgliches Buchstabieren. Vorbeten, Nachtun. Es ist eine Ordnung, die der Künstlerin Halt verleiht. Und so folgte die Zuschauerschar im gut gefüllten Strom einem immer wieder gleichen Muster. Einem zögerlichen Beginn, in dem die Instrumente Pferden gleich mit den Hufen scharren, folgt der Ausbruch und die Entladung. Die Gitarren fetzen und erhalten durch die Schwere der Schlagzeugwucht ihre energetische Bestätigung. 

Songs aus dem neuen Album "It's Up To Emma" changierten dabei zwischen der Fragilität angelehnten Gesangs und dem Punch eines organischen Krawallschlages. Eine verlorene Liebe, und du kannst sie Zeile für Zeile buchstabieren, ist eine verlorene Liebe. Und wovon sollten wir sonst zehren, wenn nicht vom Schmerz, der uns an uns bindet. Und wovon sollten wir sonst erzählen, wenn nicht vom Geschlagensein. Und was ist unsere größte Triebfeder, wenn wir nach Ausdruck suchen. Der Schmerz. Er hinterlässt Spuren. Wie die strähnigen Haare im Gesicht. Wie die ausgezerrten Züge, die licht entsagenden Falten, das falsche Schmunzeln, die tränennassen Augen. "Could This Possibly Be?" wird zum stärksten und bewegendsten Stück, weil die sezierten Elemente ihren ganz eigenen Reigen um diese unbeantwortete Frage tanzen. 









Es war ein Abend, der von einem Magengrimmen begleitet war. Ja, man möchte Teilhaben an der Kunst des Ausdrucks. Auch um seines Schmerzen willen. Aber soll es auch eine Kunst sein, an der man zerbricht? Derentwegen man in die Knie geht, weil sie als Mittler vielleicht nicht mehr taugt? Der umsorgenden Hege des Blues ist Scout längst entstiegen, im blinden Treugesang des Metals ist sie längst heimatlos. Die eigene Melange aus wütender Ruppigkeit und blinder, kindlicher Folgsamkeit wird zum Störfeuer, das das Schiff nicht in den heimatlichen Hafen der Geborgenheit führt. Man wollte sie in den Arm nehmen und trösten. Doch war sie längst über alle Bergen, den Rucksack geschultert, in dem sie wohl all das mit sich führt, was sie längst abgeworfen haben sollte.






Mittwoch, 12. Juni 2013

Scout Niblett, Paris, 08.06.2013

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Konzert: Scout Niblett
Ort: Le Point Ephémère, Paris
Datum: 08.06.13
Konzertdauer: etwa eine Stunde
Zuschauer: ungefähr 200




So gerne ich einzelne Künstler mag, ich halte in der Regel immer einen gewissen Abstand, eine gewisse Distanz zu der Person, die hinter der Musik steckt. Hat auch damit zu tun, daß ich mich als Blogger als eine Art Journalist sehe. Zwar unbezahlt, aber gewissenhaft und seriös arbeitend. Sympathiepunkte darf es geben (wir sind ja nicht mehr in der Schule), das ist menschlich, aber die musikalische Qualität muss bei der Konzertkritik immer im Vordergrund stehen.

Bei Scout Niblett fällt es mir gar nicht so leicht, Distanz zu halten. Zu sehr besteht eine Einheit aus der Musikerin Scout und der Privatperson Emma. Bei der Wahlamerikanerin ist alles hochgradig authentisch und persönlich, da ist es schwierig zwischen der Künstlerin und der (inzwischen) guten Bekannten zu unterscheiden. Seit etwa 2006 verfolge ich nun ihr Schaffen, bin ihr nach den bisher 6 Konzerten hinterher ein paar mal begegnet und habe mich auf Anhieb gut mit ihr verstanden. Sie ist eben nicht eine jener Musikerinnen, die am Merchstand nur nett lächelt, um eine CD mehr zu verkaufen. So etwas wie einen ehrgeizig verfolgten, grimmig konstruierten Karrierplan sehe ich bei ihr nicht. Was nicht heißen soll, daß sie ihren Job als Musikerin nicht ernst nimmt. Sie ist lediglich äußerst autark, steht dem Musibusiness zu recht kritisch gegenüber und macht vieles frei nach Schnauze.

Das ist sicherlich auch ein wichtiger Grund dafür, warum ich Scouts Musik so sehr schätze. Sie folgt keinen Trends, will nicht nach irgendwem klingen, sondern schreibt und musiziert selbstständig und ohne Kompromisse. Sie hat mir irgendwann einmal erzählt, daß sie recht selten auf Konzerte gehe und dies obwohl sie in Portland, Oregon, sprich einer weltweiten Musikhochburg lebt. Inspiriert wird sie also nicht von anderen Künstlern, sondern vom eigenen Leben, der Astrologie und täglichen Beobachtungen.

Das neue Album scheint eine Art Trennungsalbum geworden zu sein, indem sie die schmerzliche Separation von ihrem letzten Partner verarbeitet. Was auf Platte bereits sehr intensiv und nahegehend klingt, würde live also dann noch direkter und wahrhaftiger auf einen wirken?

In der Tat! In einer knappen Stunde hatten Scout und ihre beiden männlichen Mitmusiker, Phlipe am Schlagzeug und Miguel an der zweiten Gitarre die rund 200 Leute im Point Ephémère tief aufgewühlt, mit ihrer lauten Musik ordentlich durchgeschüttelt und alle schweißgebadet, aber beglückt zurückgelassen. Es war eine 60 minutige Hitzeschlacht, bei der die Musik ähnlich schwül, bleiern und schwermütig klang wie es die feuchte Wärme in dem Laden bereits suggerierte. Schon immer klangen die Songs von Scout  wie eine Art Soundtrack zu einer gefahrverheißenden Autofahrt durch die Wüste von Mexiko, wo man immer damit rechen muss, abgeknallt zu werden.

Der neue Song Gun scheint stellvertretend hierfür zu stehen. Die Gitarre klingt gruselig, aber auch enorm sinnlich und diabolisch anziehend, das Schlagzeug schwer und agressiv, wobei sich der Song nie für Lärm oder knisternde Intimität entscheiden kann. Live noch einmal deutlich intensiver als auf Platte. Die bitter zynischen Lyrics stehen ohnehin für sich selbst ("you took your love from me and I am thankful every day").

Gun war nur eines von vielen packenden Stücken, die eine Scout Niblett in bestechender Form zeigten. Sie war konzentiert und fokussiert bei der Sache, ließ zwar auch diesmal nicht ihre Standardfrage an das Publikum : "do you have any questions?" aus, wusste aber immer in welche Richtung das Konzert gehen sollte. Früher war das manchmal anders, da ließ sie sich teilweise aus dem Konzept bringen, wusste nicht, welche Songs sie spielen sollte und wirkte bisweilen unvorbereitet. Scout Niblett 2013 ist tight, professioneller (ohne zu glatt zu werden) und mit beindruckendem Songmaterial unterwegs. Neben Gun begeisterten von dem neuen Output auch Could This Possibly Be? ("yeh, yeh!") und die ungemein schwermütige, aber wunderschöne Ballade My Man mit der markanten Textzeile: "Could we have made it somehow?"



Von den alten Sachen waren insbesondere Nevada (herrlich nörgelig und grimmig vorgetragen: "put on that suit and lend me that costume") und Let Thine Heart Be Warned ("louder than the thunder") hervorzuheben, die gewohnt roh, wahnsinnig rockig und suizidal klangen.


Schade nur, daß uns lediglich eine Stunde Konzert gegönnt wurde. Zuvor waren zwei mir völlig unbekannte Bands aufgetreten, deren Namen man sich nicht merken muss. 80 Minuten Scout Niblett und Band wie am folgenden Tage in Köln, das wäre es gewesen! Aber wollen wir mal nicht meckern, diese Stunde hatte es in sich und es war so heiß, daß man sich auch ein wenig freute, schnell an den külen Kanal Saint Martin zu kommen, der gleich vor dem Point Ephémère fließt. Dort zog es hinterher dann auch die Band und ihr Team hin. Ich Glücklicher durfte mich hinzugesellen. Was dort erzählt wurde, bleibt aber privat. Blogger sollten schließlich ein wenig verschwiegen sein, wenn es um die Privatsphäre von Künstlern geht und die Texte des neuen Albums geben genug her, um zu verstehen, wie es um das Seelenheil der Engländerin und Wahlamerikanerin bestellt ist. Nur so viel: Emma hat gesagt, daß sie für immer Musik machen möchte, egal wie finanziell schwierig das auch sein mag. Ist doch ein super Ausblick, oder etwa nicht? Mit einer neuen Tour durch Europa ist wohl im November zu rechnen.



Montag, 10. Juni 2013

Scout Niblett, Köln, 09.06.13

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Konzert: Scout Niblett
Ort: Museum Ludwig (King Ludwig #2)
Datum: 09.06.2013
Zuschauer: ausverkauft (gut 200)
Dauer: Scout Niblett gut 80 min, Mike Donovan 30 min



"It's louder than the thunder that I use as my drum" - und danach mussten Scout Niblett und Schlagzeuger Jan Phillip Janzen lachen. Der Himmel über Dom und Museum Ludwig wurde immer düsterer, nachdem die Britin ihr Konzert kurz nach halb neun begonnen hatte. Irgendwann nach zwei, drei Stücken fing der Donner an, der aber nur in den Liedpausen zu hören war. Scout war eben lauter als das ferne Gewitter.


Einen Künstler dreimal in zwei Wochen zu sehen, ist nicht originell. Ich hatte Emma und ihre beiden Begleiter Jan und Miguel Ortiz Caturani beim Maifeld Derby und vor ein paar Tagen in Duisburg gesehen. Das Konzert im Café Steinbruch war allerdings nicht eingeplant und ein Spontanentschluß. Als ich heute vor meiner Abfahrt nach Köln las, daß wegen der dürftigen Wetterprognose vom Dach des Museums ins Kino umgezogen werden müsste, war ich unsicher, ob es eine gute Idee war, Scout Niblett heute noch einmal zu sehen. Das Besondere des Konzerts, die Kulisse des Doms hinter der Bühne und die herrlich entspannte Atmosphäre der King Ludwig Konzerte würde schließlich fehlen. 


Auf dem Weg vom Parkhaus durch die Passage des Römisch-Germanischen Museums hörte ich Scouts Soundcheck. What can I do war so laut und deutlich zu hören, daß es von Dach und nicht aus dem Ausweich-Saal kommen musste. Und richtig, die Organisatoren hatten, nachdem der Deutsche Wetterdienst sie noch einmal angerufen hatte und mitgeteilt hatte, daß der Regen am Dom vorbeiziehe, entschlossen, wieder aufs Dach umzuziehen.


Es lag aber dann nicht nur am Dom, daß es mein bestes Scout Niblett Konzert bisher wurde! Es lag an so vielem. Zusätzlich zur Tourband (Miguel und Jan) spielten zwei Streicher (Lola Rubio, Geige und Ruben Palma, Cello) bei einigen der Stücke mit. Ich hatte vorher meine Zweifel, ob das zur roh klingenden Musik der Britin passen könnte - wieder einmal ein Beleg dafür, daß ich wenig Ahnung von Musik habe. Als Lola und Ruben in der Mitte von Can't fool me now einstiegen, war das phänomenal schön. Ich hoffe, das war auf dem ganzen Dach zu hören, wir saßen gut* und kamen in den vollen Orchester-Genuß!


Begonnen hatte der Abend mit Mike Donovan von Sic Alps. Im Kino wäre mir ein Vorprogramm heute vermutlich auch lästig gewesen, auf der Terrasse mit "Blick op de Dom" sitzend in herrlich entspannter Umgebung machte mir dies gar nichts aus. Und siehe da, es gefiel mir sogar gut. Mike Donovan passte musikalisch sehr viel besser zu Scout, als ich das im Ohr hatte. Sein Programm, das viele Lieder seiner Sic Alps spielte und einige, die ich nicht erkannte, und die vermutlich von seinem kommenden Solo-Album stammen, war nicht nur gut, es war auch kurzweilig, was an einem Sonntag-Abend eine Hauptqualität ist. Daß Mike auch den nächsten King Ludwig Abend (Body/Head), rechtfertigt ein pünktliches Kommen.

Setlist Mike Donovan, King Ludwig #2, Museum Ludwig, Köln:

01: Nathan Livingston Maddox (Sic Alps)
02: Sing song waitress (Sic Alps)
03: ? ("she's just a kid")
04: Who has time to protest? (Sic Alps)
05: Breadhead (Sic Alps)
06: Sick bell
07: A story over there (Sic Alps)
08: CO/CA (Sic Alps)
09: ? ("she shot the pictures"
10: ? ("she collects the magazines")
11: ? ("in your eyes I see")**


Beim Vorprogramm hatte man im Hintergrund noch einige Gespräche gehört, beim Konzert von Scout Niblett war es oft andächtig still. Außer ein paar Vögeln und dem Donner hörte man zunächst nur Emma und ihre Gitarre. Der Ablauf des Abends war wie gewohnt: erst Scout solo (My beloved und Duke of anxiety), dann All night long mit Schlagzeuger Jan und ab Gun dann auch mit Gitarrist Miguel.


Und  wieder gefiel mir ganz besonders, wie effektvoll das knallende Schlagzeug-Spiel ist. Natürlich waren auch die ersten beiden Stücke toll, Je mehr es rummste, umso besser wurde es aber. Das rausgerotzte Nevada, bei dem Emmas Gesang ähnlich kracht (doofes Bild, aber so klingt es nunmal) war mein Liebling heute. Was müssen wohl Passanten unter vor dem Museum geglaubt haben, wer da auf der Bühne steht? Sicher nicht eine zierliche englische Sängerin!

Die Streicher kamen bei drei, vier Liedern vor, bei My man und bei dem unfassbar schönen What can I do fielen sie besonders auf.


Und dann war da noch das Duett zwischen Emma und King Georg Booker Jan Lankish. "Jan, kommst Du bitte?" fragte die Sängerin. "Kann der singen?" fragte mein Nachbar. Er konnte - und Emma und Jan sangen Emmas TLC Cover No scrubs

All das - und der Dom - machten den Abend zu einem besonderen und das Konzert zu meinem besten mit Scout Niblett!


Da tat es heute dann auch nicht eine einzelne Zugabe. Nach dem erwarteten Kiss spielte die Band noch Could this possibly be. Und nur der Hinweis darauf, daß die Nachtwächter um 23 Uhr das Museum schließen würden, endete das Konzert nach Wolfie, das sie auf Zuruf spielte. "Wünsche?" - "Wolfie!" - "Das war einfach!"

Diese King Luedwig Konzerte bereichern die Kölner Konzertszene ganz gewaltig! Genau für solche Abende nehme ich gerne Augenringe und verständnisloses Umfeld hin.

Setlist Scout Niblett, King Ludwig #2, Museum Ludwig, Köln:

01: My beloved (solo)
02: Duke of anxiety (solo)
03: All night long
04: Gun
05: Second chance dreams
06: Can't fool me now
07: My man
08: Your last chariot
09: Nevada
10: Let thine heart be warned
11: No scrubs (TLC Cover) (mit Jan Lankish)
12: What can I do

13: Kiss (Z)
14: Could this possibly be (Z)

15: Wolfie (solo) (Z)
 

Termine:

- King Ludwig #3 (Body/Head): 18.06.13
- King Ludwig special (Tom Tom Club): 08.07.13
- King Ludwig #4 (Moon Duo): 23.07.13
- alle Informationen auf der Website des King Georg

Links:

- Scout Niblett, Duisburg, 04.06.13
- Scout Niblett, Mannheim, 31.05.13
- Scout Niblett, Köln, 14.01.13
- Scout Niblett, Paris, 09.05.11
- Scout Niblett, Paris, 07.06.10
- Scout Niblett, Paris, 30.11.09
- Scout Niblett, Paris, 24.05.08
- Scout Niblett, Paris, 17.12.07



* auf Kölschkästen
** die Lieder, die fehlen, waren vermutlich Solostücke von Mikes kommenden Album


Mittwoch, 5. Juni 2013

Scout Niblett, Duisburg, 04.06.13

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Konzert: Scout Niblett
Ort: Café Steinbruch, Duisburg
Datum: 04.06.2013
Zuschauer: ca. 75
Dauer: gut 60 min



Vergangen Freitag spielte Scout Niblett auf der Open Air Bühne des wundervollen Maifeld Derby Festivals in Mannheim. Nach ein paar Lieder setzte heftiger Regen ein, der es sehr viel attraktiver machte, ins nahe Hauptbühnen-Zelt zu flüchten. Das taten fast alle.


Obwohl ich die in Portland lebende Musikerin ein wenig in Verdacht hatte, den Regen herbeigesungen zu haben, blieb ich als einer von wenigen draußen und guckte das ganze Konzert. Scout Niblett ist eben viel besser als trockene Haare - und die Kameras steckten in Gefrierbeuteln.

Trotzdem ist es natürlich schöner, wenn die Kuli-Tinte im Notizbuch sich nicht in Regentropfen auflöst, also empfand ich es als gute Idee, mir Scout gleich noch einmal in einem Club - oder hier in einem Café mit Konzertraum anzusehen. Da es bereits um halb neun losgehen würde, ohne Vorgruppe, versprach es auch kein zu anstrengender Abend zu werden, schließlich stecken mir Primavera, Maifeld und Sin Fang - mein Programm der letzten 14 Tage - schon ein wenig in den Knochen.

Es verzögerte sich ein wenig, kurz nach halb erschien aber Scout Niblett (mit Rucksack) und nahm ihren Soundcheck vor. Um 20.45 Uhr begann dann wieder, ohne noch einmal von der Bühne gegangen zu sein, das erste Stück. Emma scheint in dieser Hinsicht sehr pragmatisch zu sein.


Wie in Mannheim begann das Konzert mit einem Solostück. Es war allerdings nicht Duke of anxiety, als Eröffnunglied spielte die Engländerin My beloved. Der Fürst der Angst folgte erst im Anschluß, auch von Scout alleine gespielt.

Zum dritten Lied kam Schlagzeuger Jan Phillip Janzen dazu, zu Gun im Anschluß auch Gitarrist Miguel Ortiz Caturani (der diesmal ein Streifenshirt statt des lässigen Roboterpullovers trug).


Auch alleine klingt Scout live vorzüglich. Die rohe Gitarre, ihr eindringlicher Gesang, oft enorm laut werdend, begeistern mich immer wieder. Die Ergänzung um die zweite Gitarre und das häufig peitschend gespielte Schlagzeug passen fabelhaft dazu und machen sehr viel Sinn.

Obwohl die drei nicht furchtbar gut eingespielt sein können, Jan und Miguel
kommen (wohl) aus Köln, merkte man davon nichts. Emma verpatze einen Einsatz (bei Second chance dreams), das wäre ihr aber wohl auch alleine passiert. What can I do? brach die Sängerin auch ab. "That sounded wrong!" Sie wusste aber nicht warum und spielte weiter.

Das Programm entsprach weitestgehend dem Festival-Set vom Wochenende. Neben My beloved am Anfang kamen noch What can I do? und die Zugabe Kiss dazu. Aber im Prinzip scheint mir auch egal zu sein, was Emma spielt. Anders als großartig kann ich mir ihre Konzerte nicht vorstellen.

Auch wenn es ja schon vor allem um Musik geht, sind so viele kleine Dinge jenseits der Stücke so wundervoll. Aus dem Nichts lachte die Sängerin ab und zu laut (und ein wenig irre) vor sich hin, toll! Oder die Art, wie sie sich nach jedem Lied mit dem Hemdärmel den Mund abwischte, wie ein Fußballspieler.

Ein fabelhafter Auftritt im Gottseidank vollen Steinbruch! Beste Lieder heute waren My man, Nevada, What can I do? und Kiss. Aber das kann am Sonntag schon wieder ganz anders sein.

Sonntag spielt Scout sogar noch in größerer Besetzung auf dem Dach des Museum Ludwig im Rahmen der King Ludwig Konzertreihe, hinter der die Macher des King Georg stecken. Seit ich 2012 dort Stephen Malkmus vor der Kulisse des Doms gesehen habe, sind diese Konzerte ein Muß. Scout Niblett auf der Museumsterrasse wird sicher ein ganz besonderes Leckerchen (das Konzert ist ertaunlicherweise noch nicht ausverkauft!).
 
Setlist Scout Niblett, Café Steinbruch, Duisburg:

01: My beloved (solo)
02: Duke of anxiety (solo)
03: All night long
04: Gun
05: Second chance dreams
06: Can't fool me now
07: My man
08: Your last chariot
09: Nevada
10: Let thine heart be warned
11: What can I do

12: Kiss (Z)

Links:

- Scout Niblett, Mannheim, 31.05.13
- Scout Niblett, Köln, 14.01.13
- Scout Niblett, Paris, 09.05.11
- Scout Niblett, Paris, 07.06.10
- Scout Niblett, Paris, 30.11.09
- Scout Niblett, Paris, 24.05.08
- Scout Niblett, Paris, 17.12.07





Dienstag, 4. Juni 2013

Maifeld Derby Tag 1, Mannheim, 31.05.13

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Meine Konzertauswahl:  
  Garda (35min), 
  Scout Niblett (45min), 
  Daughter (60min), 
  Sea & Air (45min), 
  Enno Bunger (50min), 
  The Notwist (80min)

Ort: Mannheim Reitstadiumgelände/Maimarkt
Datum: 31. Mai 2013 (Freitag, erster Festivaltag)




Ich bekenne: Ich habe für dieses Jahr Maifeld Derby ein Scheuklappenticket gekauft. Das heißt, ich habe den Organisatoren des Festivals blind vertraut.  Seit den allerersten Namen der Headliner bis hin zu dem später aufgemachten großen Sack Ankündigungen war ich großartig für dieses Vertrauen belohnt worden und freute mir ein Loch in den Bauch. Das einzige Problem in den drei Tagen würde wohl sein, dass ich nicht alle Bands sehen können würde, die ich wöllte, da sie auf zwei Areale verteilt zum Teil zur gleichen Zeit auf der Bühne sein würden (es gibt noch ein drittes Areal, da war zum Glück für mich keine Dopplung dabei). Nun gut, damit würde ich leben müssen - auch damit, dass das Festival wohl eigentlich nicht ganz in meine Wohlfühlgröße fällt. Dafür aber nah und mit der Aussicht, in der Regel nach Hause fahren zu können über Nacht. Und natürlich mit diesem grandiosen Lineup.


Über das Wetter rede ich hier explizit nicht auch wenn es am ganzen Freitag viele Dinge deutlich beschwerlicher machte. Im Großen und Ganzen kam ich noch gut davon und hatte für die Fahrradstrecken nur mit wenig Regen zu tun. Mein erstes Abenteuer mit Bezug zum Festival war es, mit meinem Fahrrad in den Zug einzusteigen (im ersten Versuch keine gute Tür erwischt, das aber beim nächsten Halt per Sprint korrigiert). Anschließend stellte ich mich der Herausforderung, den richtigen Weg von Mannheim-Neckarau zum Maifeld zu finden. Ich lade herzlich ein, sich das mal auf google maps anzusehen. Es sind keine 3 km, aber es liegen mehrere vierspurige Straßen, eine Autobahn und ein gigantisch breiter Güterbahnhof dazwischen. Zum Glück gibt es tatsächlich einen Radweg mit Brücken und Unterführungen, aber natürlich keine Ausschilderung und vor Ort sah alles doch etwas anders aus als ich nach den Bildern erwartet hatte. Ich muss aber einen sehr selbstsicheren Eindruck gemacht haben, denn an einer Ampel wurde ich von zwei anderen Radlerinnen angesprochen, ob ich den Weg zum Maifeldgelände wüsste. Zusammen haben wir das dann auch ohne große Umwege echt gut hingekriegt! 


Auf dem Gelände angekommen war ich positiv überrascht, dass es tatsächlich eine Art bewachten Fahrradparkplatz gab (mein Fahrrad war das Erste!) aber richtig durchdacht war es nicht, denn man konnte die Räder nur an die Gitterwand stellen und es war viel zu wenig Platz vorgesehen. Zum Glück war mieses Wetter, sonst hätte ich wohl mein Fahrrad abends nie wieder ausgegraben bekommen. Auch so wurde es tatsächlich eng! Einlass ging flott, aber es traf mich einigermaßen hart, dass ich mein Anglerhöckerchen (so ein superleichtes mini-Dreibein, das man eins-fix-drei wieder zusammenschiebt und dann ist es nicht größer als eine große Taschenlampe) aus Sicherheitsgründen nicht mit aufs Gelände nehmen durfte. Wie sollte ich bei dem Konzertmarathon bittesehr auch einmal verschnaufen können? Da trafen brutal zwei Welten aufeinander: Security (ich mach das schon 20 Jahre und bei Rock am Ring usw.) und ich (100 Konzerte pro Jahr und habe noch nie diesen Hocker abgeben müssen). Ich brauche nicht zu sagen, wer am längeren Hebel saß.



Auf dem Gelände war schon einiges los, obwohl gerade erst die erste Band (Waterford) ihr Set auf der Open Air Bühne begann. Superschön war es, gleich vielen bekannten Gesichtern zu begegnen, ein Schwätzchen zu halten, auch überrascht zu werden: Du hier! Darüber hinaus schon gleich viele Musiker im Publikum entdeckt. Und als Garda ihr Set begannen, war ich glücklich und angekommen und gespannt. Ich wusste von einer Unterwegsmeldung, dass sie heut zu viert spielen würden. Das war aber wohl nicht so geplant gewesen. Zwei Garda Musiker hatten sich der fiebrigen Rüsselpest ergeben müssen und die Viererbande auf der Bühne 

Kai Lehmann ~ Guitars, Vocals
Ronny Wunderwald ~ Drums, Percussions
Frank Heim ~ Guitars, Pedal Steel
Karsten Pretschner ~ Bass


musste nun erst recht beweisen, dass sie Open-Air-Festivaltauglich aufspielen können.  Mit einem regelrechten Trommelfanal gleich zu Beginn ließen sie daran auch keinen Zweifel und zeigten expressive Emotionen und Druck. Die mir ja gut bekannten Lieder wieder in einem neuen gut passenden Gewand! Die Ansagen und das Partyprogramm bekamen dafür nicht so viel Zeit eingeräumt, damit in die vorgesehenen 35 min möglichst viel Musik passte. Für sie selbst fühlte es sicher nur wie ein Kompromiss an, aber vor der Bühne war ich mit dem Auftritt als persönlichem Auftakt mehr als zufrieden. Es war schon mal eine sichere Bank: das Kommen hatte sich wirklich gelohnt! 

Setlist Garda
1) Chest
2) Upper lower water course
3) Oh Euphoria, my dear
4) A guilty conscience needs no accuser
5) Vessels
6) This city is ours
7) 00:00
8) State



Ich wollte dieses schöne Erlebnis auch nicht mit Stichproben anderer Konzerte zudecken, sondern blieb gleich vor der Bühne für die sehnlichst erwartete Scout Niblett stehen. Habe also den ganzen Umbau beobachtet und die Vorfreude wachsen lassen. Über den Auftritt hat Christoph einen ausführlichen Bericht verfasst, dem ich mich vollinhaltlich anschließen kann. Ich fand die 45 min auch sehr stark und sie werden mir in Erinnerung bleiben und zu weiteren Konzertbesuchen anstacheln. Sie ist eine eindrückliche Person mit zwar sehr kantigen und teilweise zornigen Liedern, aber darin doch nahbar und einladend.



Anschließend gab es meinen ersten Ausflug ins Palastzelt. Der erste Eindruck war einfach umwerfend und WOW. Bisschen dunkel vielleicht, aber ein toller Raum für Konzerte. Da konnte sich auch jeder einen genehmen Platz suchen und sich vor der Bühne drängeln oder mit Abstand zum restlichen Publikum aufstellen. Wirklich eine Supersache so ein Konzert im Zelt. Die Lobeshymnen auf Daughter singen hier im Konzerttagebuch ja auch andere laut und schön. Für mich war es mehr so ein: bei dieser Gelegenheit muss ich mir das wenigstens auch einmal anschauen. Es war ein guter Eindruck, aber für mich (auch im Vergleich zum gerade erlebten) nicht  mitreißend genug für ein Aufmerken. Wobei die Sängerin als Person schon auch für mich faszinierend anzusehen war.


Mein nächster Termin waren Sea & Air im sogenannten Parcours d'amour. Sie waren noch beim Soundcheck, aber ich konnte mir einen guten Platz unmittelbar vor der Bühne sichern. Oben wollte ich mir noch einen lokalen weißen Wein mit auf meinen Platz nehmen. Zum Glück hatte jemand Getränkebons übrig und hat mir die nötige Zahl weiterverkauft, dass der Plan umsetzbar war. Zu einer Wechselstelle im großen Gelände zurück zu laufen, kam unter den Tagesbedingungen gerade nicht in die Tüte...

Hier war er, der Moment, wo ich ganz selbstvergessen bei mir und der Musik sein konnte. Der persönliche Höhepunkt des Tages, der einen eigenen Bericht verdient. Noch ganz geflasht wollte ich hinterher warten bis die Massen die Tribüne verließen, um dann (heiß ersehnt!) Cocorosie im Zelt zu sehen. In der Zwischenzeit bauten Enno Bunger auf 


und ... auf einmal war mir nach sitzen bleiben. Schade um Cocorosie, aber schade auch um Enno Bunger und dass sich die Entscheidung für mich als richtig erwies, ist hier schon dokumentiert. Der Parcours mit Sitzplätzen und ohne drängeln war einfach zu schön und das Programm sowieso.


Ein bisschen wehmütig trennte ich mich dann währned des Soundchecks von Kat Frankie. Aber ich MUSSTE jetzt etwas essen. Seit 12 Uhr hatte ich nichts mehr gehabt und mittlerweile war es immerhin 22 Uhr. Leider war das kein guter Plan. Erst verwzeifelte ich fast darüber, im Dunkeln und im Schlamm den Ort für die Pfandrückgabe zu finden und dann stand am Essen so eine lange Schlange, dass ich bis zu The Notwist nicht mehr dran gekommen wäre. 


So drehte ich ab ins Zelt, sah noch bei den letzten Handgriffen des Soundchecks zu und ließ mich dann bei The Notwist einpuckern. Darauf hatte ich mich auch ganz besonders gefreut. Seit dem Konzert in Düsseldorf habe ich zumindest von der Neon Golden Scheibe viele Songs aus dem Kopf drauf. Nicht umsonst gab es hinterher eine Statusmeldung in meinem Freundeskreis: Vielen Dank für das schöne Mitgrölkonzert. Klingt erst einmal etwas seltsam, zumal die Live-Umsetzung noch viel frickeliger und Beat-lastiger war als auf der Konserve gewohnt. Zum Tageshöhepunkt wurde das Konzert dann aus mehreren Gründen doch nicht so recht. Erstens war ich wirklich kaputt und vermisste sehnlichst meinen Hocker. Zweitens waren ringsum viele Raucher, und drittens zu viele so angetrunken, dass sie sich vor lauter Freudentaumel vergaßen oder total hemmungslos durchs ganze Konzert schwatzten und lachten. Hinter mir stand einer, der mir jedes Mal direkt ins Ohr kreischte und mich ständig rumschubste. Er hat das einfach nicht mehr mitgekriegt. Ringsum schaute ich in viele selbstvergessene und glückliche Gesichter, aber mir war es einfach nur noch anstrengend.


Es ist nicht so einfach, ein ehrliches Fazit zu ziehen, das nicht nur Plattitüden liefert, und trotzdem nicht kleinlich wirkt. Vielleicht so viel: Die Fahrt nach Mannheim hat sich an diesem Tag mehr als gelohnt. Dafür ein riesiges Dankeschön an die Organisatoren! Als Kleinode für das ganze Konzertjahr bleiben sicher meine beiden Shows im Parcours d'amour. Dazu hat mir das Festival den persönlichen Gefallen getan, endlich Scout Niblett zu sehen und sie hat ein wirklich tolles Konzert gespielt. Dazu ein Wiedersehen mit Garda (bisher immer Highlight-Garant) in toller Form. Und die ersehnten The Notwist. Kein einziger Timeslot blieb nicht aufs beste musikalisch gefüllt - echt nur Qual der Wahl.

Andere Sachen waren nicht so gut. Eigentlich hat man als normaler Mensch wirklich keine Chance, das ganze Lineup zu sehen, weil es keine Möglichkeit gibt, sich zwischendurch mal zu verschnaufen. Auf den Boden setzen war nun mal leider keine wirkliche Option. Im Ernst hätte ich mir The Notwist eigentlich schenken können, weil ich total kaputt war. Das klingt jetzt sehr kritisch. In Wirklichkeit ist es ja so, dass die meisten total geflasht und glücklich dastanden und eine Aura des Glück um sich hatten, die einfach nur ansteckend war. Aber es reicht dann ein Idiot auf 20 Leute, der rücksichtslos ist und das nicht merkt und auch auf Hinweise nicht mehr reagieren kann und meine Aura des Glücks ist dahin. 

Zweite Kritik betrifft Essen und Trinken. Durch das sagenhafte Lineup bleibt eigentlich keine Zeit dafür. In keinem Fall aber bleibt Zeit, um sich an eine riesige Essens-Schlange anzustellen oder im Dunkeln mit einem Pfandbecher durch knöcheltiefen Matsch sinnlos herumzulaufen um herauszufinden, wo ich den wieder los werde.

Mehr Maifeld Derby 2013 aus unserem Archiv:
Gudruns Bericht Tag 1
Gudruns Bericht Tag 2
Gudruns Bericht Tag 3
Thees Uhlmann (Tanita)
Útidúr 
Kevin Devine (Christoph) 
Enno Bunger
Daughter (Christoph)
Scout Niblett (Christoph)
es folgen noch Berichte zu The Notwist, Efterklang und Sea & Air
 
Weitere Fotos vom ersten Maifeld Derby Tag:


 

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