Posts mit dem Label Maifeld Derby werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Maifeld Derby werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 10. Juli 2017

Slowdive, Mannheim, 18.06.17

0 Kommentare

Konzert: Slowdive
Ort: Maifeld Derby, Mannheim
Datum: 18.06.2017
Dauer: knapp 85 min
Zuschauer: volles Zelt



Als ich 2014 endlich Slowdive zum ersten Mal live sehen durfte, schloß sich eine wichtige Lücke meiner Musikgeschichte. Ich hatte die Engländer wie viele andere Lieblinge in den 90er Jahren verpasst. Slowdive waren ganz wundervoll bei ihrem Reunion-Konzert* im Village Underground. Und beim Primavera, beim Best Kept Secret, in Genf und noch zweimal in London. Obwohl die Konzerte immer besser wurden, war ich ziemlich sicher, daß nach diesem Jahr wieder Schluß sein würde. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß es eine neue Platte, neue Konzerte und größere Säle geben könnte. Mein nächstes Mal Slowdive fand gut zwei Jahre später statt, dabei spielte die Band drei neue Lieder, die Platte erschien wenige Wochen später. Als immer mehr Festivals bestätigt wurden und schließlich das Maifeld Derby Slowdive als Headliner aufbot, waren meine Theorien futsch. Gottseidank.



Nach der Veröffentlichung der Platte saßen wir mit ein paar Leuten bei einem Konzert der Bats im King Georg in Köln zusammen und unterhielten uns über Musik. Natürlich kamen wir auf Slowdive, das Gespräche mündete in der Diskussion, ob Slowdive (das Album) die zweit- oder die beste Platte der Band ist. 



Manchmal ist diese Musibranche also doch gerecht. Nach dem unschönen Ende der ersten Karriere (1995 schmissen Creation Records Slowdive eine Woche nach Erscheinen der dritten Platte raus, der musikalische Zeitgeist mochte gröbere Musik) sind Slowdive endlich nicht mehr nur Kritikerlieblinge auf Abruf! Sondern Festival-Headliner!

Der Maifeld-Sonntag war brillant besetzt. Vor Slowdive hatten u.a. schon Spoon, Amanda Palmer mit Edward Ka-Spel oder Thurston Moore gespielt. Eigentlich war bei dem Programm kein fieses Party-Publikum zu erwarten gewesen, was mir das Konzert am Ende sicher versaut hätte, befürchtet hatte ich es aber trotzdem. Rund um Mannheim ist viel Land. Neben mir stand zwar ein Typ, der eine beleuchtete Weihnachtsbaumbeleuchtung trug, es unterhielt sich aber niemand laut und betrunken, es nervte niemand, die Leute waren wegen Slowdive geblieben, ob als Fan oder neugierig.

Als wir mittags auf dem Parkplatz angekommen waren, lief gerade der Slowdive Soundcheck. Slomo spielten sie, das erste Lied der neuen Platte. Slomo erinnert mich an Kate Bush und ist erst auf den zweiten Blick eine Schönheit. In Den Haag hatten sie es nicht gespielt. Richtig viel Überraschungen stecken sonst nicht in den Setlisten der Band. Das mag man kritisieren, aber warum? Was sollte denn aus dem Set rausfliegen? Slowdive spielen ja nur Hits. Riesenhits. 

Und so war es dann auch, Slowdive, Avalyn, Catch the breeze, Crazy for you, Star roving, Machine gun, Souvlaki Space Station, When the sun hits, Sugar for the pill, Alison, No longer making time, She calls, Golden hair und 40 days. Auf was soll man da verzichten? Um Slomo oder beispielsweise Dagger oder das grandiose (und neue) Falling ashes aufzunehmen? Das geht nur, wenn die Band viel Zeit bekommt, beim Maifeld Derby waren es schon einmal festivaluntypische anderthalb Stunden (die sie leider nicht ganz nutzten). 

Als ich nach dem Konzert überlegte, was wohl die besten Lieder waren, kamen mit Avalyn, When the sun hits, Golden hair, vor allem aber No longer making time, Sugar for the pill und Star roving in den Sinn. Meist ist es ja so, daß neue Lieder lästige Pflicht sind, bei Slowdive sind sie Höhepunkte des Konzerts.


Vor allem bei Golden hair, dem Syd Barrett-Cover, bei dem Rachel Goswell am Anfang haucht, die anderen vier anschließend shoegazen bis zum Anschlag (manchmal geht die Sängerin dabei von der Bühne), war mir das Schlagzeug zu laut, ansonsten klangen Slowdive wie immer gut. Ihr Soundmann, der der gleiche wie damals ist, wenn ich richtig informiert bin, ist wohl einer der besten seiner Art.


Ich habe gar nicht so viel zu sagen, ich stand auch slowdiveüblich anderthalb Stunden mit offenem Mund vor der Bühne und dachte höchstens drüber nach, wann ich Rachel, Christian, Nick, Simon und Neil wiedersehe.

Dortmund...




Slomo spielten sie dann am Ende nicht mehr. Zeit wäre noch gewesen, es blieb aber bei der einen Zugabe 40 days. Aber natürlich wäre das Konzert auch überragend gewesen, hätten Slowdive nur 40 days gespielt.

Setlist Slowdive, Maifeld Derby, Mannheim:

01: Slowdive
02: Avalyn
03: Catch the breeze
04: Crazy for you
05: Star roving
06: Machine gun
07: Souvlaki Space Station
08: When the sun hits
09: Sugar for the pill
10: Alison
11: No longer making time
12: She calls
13: Golden hair (Syd Barrett Cover)

14: 40 days (Z)

Links:

- aus unserem Slowdive-Archiv:
- Slowdive, Mannheim, 18.06.17
- Slowdive, Den Haag, 31.03.17
- Slowdive, London, 20.12.14 
- Slowdive, London, 19.12.14
- Slowdive, Genf, 09.09.14
- Slowdive, Saint-Malo, 15.08.14
- Slowdive, Hilvarenbeek, 21.06.14
- Slowdive, Barcelona, 30.05.14
- Slowdive, London, 19.05.14


* am Abend vorher gab es ein kurzfristig angesetztes Konzert bei der Geburtstagsparty von Sonic Cathedral.



Donnerstag, 9. Juni 2016

Maifeld Derby, Mannheim, 03.06.-05.06.16

0 Kommentare

Konzert: Maifeld Derby
Ort: Mannheim
Datum: 03.06.-05.06.2016
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: tägl. anders



Wir wollen hier auf die Beschreibung der einmaligen Vorzüge des Maifeld Derby`s verzichten. Oft genug haben wir bereits in den vergangenen Jahren darüber berichtet. Viel verändert hat sich zum Glück auch gar nicht, seit das Derby der Devise vieler anderer Festivals "immer größer" mit der einzig richtigen Antwort getrotzt hat: Die Musik ist wichtig.

Und davon gab es wieder fast alle Spielarten zu bewundern. Einziges Neuland, dass bisher noch im Programm fehlte: Ein großer DJ. Dieser spielte dann am Freitag zur Primetime als Headliner auf. Der australische Shooting-Star, im November wird er nur noch in großen Halle zu sehen sein, war daher auch zusammen mit dem restlichen Freitags-Hauptbühnen Programm auch schon der einzige Streitpunkt unter den Besuchern. 

Während die einen, vor allem jüngeren Besucher/-innen (zum Teil in selbst bedruckten "Flume"-T-Shirts) den "Pop"-Abend mit SG-Lewis, Mo und Flume abfeierten, zogen "Die Nerven" das große Los. Ihr Late-Night-Auftritt im Brückenaward-Zelt wurde von einer, sich nach lauten Gitarren sehnenden Menge bejubelt. 


Die Nerven nahmen das Geschenk gerne an und legten einen fulminanten Set hin, den ich ihnen, nach einem eher schwachen Gig in Bonn letztes Jahr, nie mehr zugetraut hätte. Wilde Versionen, Punkrock, ein von der Decke tropfendes Zelt, das entschädigte den Rest der Besucher dann wieder für die poppigeren Töne vorab. Danach auch draußen Gewitter, nur ohne Gitarren, passt.


Begonnen hatte der Tag sonnig mit ersten, kleinen Highlights. "Mothers" und "Weaves" boten ausbaufähigen Indierock, die einen spröder, die anderen poppiger mit der wesentlich agileren Frontfrau und den für mich besseren Songs.


Danach die fabelhafte "Lilly among Clouds", die wirklich alle verzückte. Klingt ein wenig wie "Birdy", hat eine ganz tolle Stimme und die erschienene EP ist sehr hörenswert. Lilly gab sich natürlich, erklärte einige schöne Geschichten zu ihren Songs und zeigte sich schon erstaunlich sicher auf der Bühne, da werden wir noch viel mehr hören. 



Der zweite Tag beginnt mit den Feinheiten des Derby`s. Ein Zauberer, eine Lesung, dann erst ab zur Fackelbühne wo "L`Aupaire" aufspielen. Ebenfalls mit einer fabelhaften CD dieses Jahr, wirkt das live alles viel gelöster und entspannter, Palmen haben sie auch auf der Bühne. Perfekt für einen sonnigen Nachmittag. 

Zum Ende hin verliert es mit ruhigen Stücken, "der Song hat die wenigsten Spotify Clicks, ist aber unser Lieblingssong" etwas an Spannung, trotzdem ein gelungener Auftritt mit vielen Menschen vor der Bühne.

Weiter zu "Drangsal" ins große Zelt. Hier bin ich sehr gespalten, vielleicht auch altersmäßig zu vorbelastet, aber der Sinn dieses Ironie freien 80er Sounds will sich mir nicht erschließen. Immerhin gibt er sich im Vergleich zu einigen derben Interviews hier handzahm, grüßt seine Eltern und glänzt durch weitere witzige Kommentare. Trotzdem war der Auftritt schnellt vergessen, weil "Elias" zum Tanz bat. 


Auf der winzigen Bühne am Reitplatz bot er eine Art Gospelshow mit diversen eingängigen Songs. Dazu zeigte er wahre Frontmann-Qualitäten, trug besonders stylische Klamotten incl. Kapuze und alles sah schon sehr nach Grammy und großen Hallen aus. Ein Song in der Autowerbung, immer noch kein Album, das scheint heute völlig normal. Ein übervoller Parcours war begeistert.

"James Blake" war der zweite Headliner nach "Flume" am Freitag, und krasser könnte der Unterschied wohl kaum sein, außer das wiederum die jüngeren Besucher hier wieder in der Überzahl waren. Nach mittlerweile drei Alben mit dieser "schwierigen" Musik immer noch erfolgreich zu sein, war zumindest kein Masterplan. So bleibt er sich auch heute treu, zwei Musiker unterstützen ihn bei seinen fast 90 Minuten, aber bei mir will der Funke einfach nicht überspringen.


So gerne ich die neue CD höre, live ist es einfach nicht mein Ding. Zu eintönig (tiefe Bässe, hoher Gesang, Samples) ist diese Leerstellenmusik, um lange zu fesseln. Eine Show gibt es auch kaum, Blake wirkt mit seinem sympathischen Lächeln hinter dem Keyboard eher wie ein netter Bank Azubi als ein Musiker auf einer großen Bühne.

Und so findet sich auch am zweiten Abend eine erstaunlich große Menge im Brückenaward-Zelt zum Mitternachtspunk ein, diesmal mit "Pissed Jeans". Diese haben natürlich keinerlei pädagogischen oder musikhistorischen Anspruch, aber die Band spielt einfach als ginge es um Alles. Wie im Flug vergeht die Zeit, eigentlich wollte man nur kurz nach dem Rechten sehen, und schon fliegt man quer durchs Zelt und schaut dem Sänger bei seinen absurd witzigen Rockposen zu.

Großartig auch, wie der Drummer seinem wandernden Schlagzeug hinterher trommelt, super... 

Der Sonntag startet mit einer ersten Wurst während die nette "Sara Hartman" ihren radiotauglichen Folkrock spielt. Eine weitere sichere Bank für größere Bühnen in der Zukunft.

"Suuns" müssen danach leider schon früh ran (die Weitereise wartet). Das macht es den Besuchern  aber auch nicht leichter, denn diese Musik ist eher was für düstere Nächte. Tolle Band, trotzdem. 

"Destroyer" ebenfalls, hier mit voller Band am Start. Es klingt toll, guter Frontmann, gute Band, gute Songs....nur ein echter Hit fehlt noch.. 

Viele Mädchen warteten auf "Boy", viele Jungs auf "Dinosaur jr.", das kann Beziehungen zerreißen. Beide waren auf ihre Art perfekt, J. Mascis aber müsste sich eigentlich totlachen, dass er mit seinem Sound und seinem Kleidungsstil bis heute durchkommt. Wahrscheinlich tut er es auch.

Und dann, nachdem drei Tage immer mit einem Blick aufs Handy die Horrormeldungen vom RaR verfolgt wurden, trifft es auch Mannheim. Innerhalb von wenigen Minuten, vor dem Auftritt von "Daughter", nähert sich eine schwarze Wand dem Gelände. Alle bleiben ruhig, die meisten wollten ja sowieso Daughter sehen und pünktlich mit der Band startet auch das Gewitter.  
"Daughter" sind an diesem Abend, für ihre Verhältnisse fast euphorisch. Es wird sogar gelacht auf der Bühne und die Geschichten ihres ersten Maifeld-Derbys hat die Band auch nicht vergessen. Damals endeten Sie betrunken bei "Gold Panda" und hatten einen tollen Abend. 

Heute sind sie die Headliner und spielen alles was sie zu bieten haben. Wesentlich eleganter und gleichzeitig mit besseren Versionen als in Köln vor ein paar Monaten. Es gibt sogar eine Zugabe, "Made of Stone" beendet das Set und das Festival, vorher gab es mit "Youth" und "Doing the right thing" die wohl schönsten Lieder der letzten Jahre. 

Danach ist der Regen auch schon wieder verzogen und es bleibt ein weiteres, fantastisches Derby in Erinnerung. Bis zum nächsten Jahr. 



Und dann war da noch der Mann mit der analogen APP zum Festival, Respekt.
Fotos: Michael Graef 

Mittwoch, 8. Juni 2016

Minor Victories, Mannheim, Maifeld Derby, 04.06.2016

1 Kommentare

Konzert: Minor Victories
Ort: Mannheim, Maifeld Derby
Datum: 04.06.2016
Dauer: 60min
Zuschauer: ca.1.500



 
Eine neue Supergroup aus alten Helden braucht ja eigentlich keiner. Meistens ergibt sich ein lahmer Aufguss aus alten Freundschaften und zuvor zurecht vergessener Songs. Die Ankündigung, Mitglieder von den Editors, Mogwai und Slowdive würden zusammen eine Platte aufnehmen, änderte diese Vorbehalte natürlich.

Und so standen am Samstag zur Teestunde im Mannheimer Palastzelt "Minor Victories" auf der Bühne und spielten ihr gerade mal 6. Konzert zusammen. Zuvor zeigten sich die Bandmitglieder entspannt am "Visions"-Stand zu einem Plausch mit den Fans. Allerdings schienen die Zuschauer die prominenten Gäste unter neuem Namen noch nicht so ganz auf ihrem Plan zu haben. Das Zelt füllte sich erst langsam.

Leider war auch die CD der Band gerade einen Tag vor dem Festival erschienen, Zeit zum Vorhören blieb da leider kaum. Musikalisch war das dann auch nicht notwendig, der perfekt abgemischte Sound klang natürlich nach den Bands der einzelnen Musiker, trotzdem war es ein Genuss diesen Vollprofis mal in einer anderen Umgebung zuzusehen.

Gerade Stuart Braithwaite (Mogwai, Gitarre) und Justin Lockey (Editors, Gitarre/Bass) strotzten vor Spielfreude. Besonders Lockey bekam das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht, am Ende schoss er gar Fotos des Publikums, und das nach so vielen Jahren im Rock-Geschäft. Rachel Goswell (Slowdive, Gesang/Gitarre) wirkte am ehesten etwas nervös, im Laufe des einstündigen Sets aber ging auch dies schnell vorüber.


Stuart hielt sich an der Gitarre etwas zurück, alleine die festen Songstrukturen müssen für ihn live eine völlig neue Erfahrung sein, erst gegen Ende wurden seine üblichen Gitarreneruptionen lauter und länger, es klang fantastisch.


"Higher Hopes" und "Out to sea" beenden den extrem unterhaltsamen Nachmittag. Zur Nachlese sei das Album, ebenfalls "Minor Victories" betitelt, empfohlen. Noch besser wäre es aber wohl, sich diese Band auf einem ihrer noch reichlichen Festivalauftritte (Haldern Pop, Best Kept Secret) persönlich anzusehen. Viel mehr als ein "kleiner Sieg" das Ganze.


Fotos: Michael Graef/Steffi Kutsch

Dienstag, 7. Juni 2016

Kate Tempest, Mannheim, Maifeld Derby, 03.06.2016

0 Kommentare

Konzert: Kate Tempest-Lesung
Ort: Mannheim, Maifeld Derby
Datum: 03.06.2016
Dauer: 60min
Zuschauer: ca.600

Eine Lesung während eines Festivals erscheint ja vielen erstmal uncool und nebensächlich. Beim Maifeld Derby denkt man natürlich weiter und hat sogar einen Zauberer verpflichtet. Beides funktionierte viel besser als gedacht (bis auf das Dröhnen der gleichzeitig bespielten Fackelbühne) und über Kate Tempest Auftritt muss man einfach berichten.

Seit ihrer ersten, direkt für den "Mercury Prize" nominierten CD und fast fünf Jahren Tourneestress hat sie im Mai ihren ersten Roman "Worauf du dich verlassen kannst/The bricks that build the houses" veröffentlicht und dafür fast noch bessere Kritiken erhalten.

Kate betritt mit ihrem Manager die Bühne und bricht direkt das Eis indem sie behauptet, wir sprächen ja eh besseres Englisch als sie mit ihrem schlimmen Akzent, also gäbe es ja keine Probleme. Ein Übersetzer fehlt heute Abend und wäre in der Folge wohl auch überfordert gewesen.

Und dann legt sie los, und eines war es sicher nicht, eine Lesung. Kate schaut vielleicht ein oder zweimal, mehr beiläufig, in ihre Ausgabe. Was sie vorträgt ist in ihrem Kopf. Sie zerlegt den Roman in einen Rap, betont bestimmte Silben, macht die banalsten Stellen zu körperlich spürbaren Emotionen und wirkt dabei unglaublich sicher. 



Erstes Durchschnaufen im Publikum, einige wollten sich bei einer Lesung wohl eher etwas entspannen, doch jetzt ist es zu spät. Es folgt ein Frage-Antwort Teil mit ihrem Manager. Dieser macht sich einen Spaß daraus, besonders abgefahrene und vertrackte Fragen zu stellen, die Lesereise dauert ja schon etwas, da will man ja nicht immer die gleichen Fragen vorlesen.

Weiter darauf eingehen möchte ich hier nicht, auch Buch-Spoiler sind ja sehr nervig. Aber den Buchtipp von ihr gebe ich gerne weiter, sie schwärmt von Roberto Bolanos "2666", dieses Buch hätte sie umgehauen.



Im Anschluss folgt ein Poem wie Kate es nennt, aber es ist eigentlich ein Manifest. Fast 15 Minuten schüttelt und wiegt sie sich von links nach rechts über die Bühne, scheint wie in Trance immer wieder Teile zu wiederholen oder neu zu erschaffen, steigert sich in Rage und endet fast brüllend und ausgelaugt am vorderen Bühnenrand. 

Einen Vergleich kann ich hier nicht anbieten, lediglich "Mike Skinner" von "The Streets" habe ich je so mit Worten spielen hören. Seine Songs und seine Themen kreisten aber, immer benebelt von diversen Substanzen, im klassischen Rapperstil meist um sich selber und dann erst um die Gesellschaft und deren Probleme.

Kate hat eine große Zukunft vor sich, ein Genuss sie hier in kleinem Rahmen noch einmal erleben zu dürfen. Im September, erzählte sie uns nachher, folgt das zweite Album und schon der Auftritt beim New Fall Festival am 29.10.2016 in Düsseldorf bringt sie wieder mit kompletter Band nach Deutschland. Bis dahin sollte jeder die Zeit finden, diesen fantastischen Roman zu lesen, auf Deutsch oder in Englisch.


Montag, 1. Juni 2015

Maifeld Derby, Mannheim, Tag 3

1 Kommentare

Konzert: Maifeld Derby (u.a. mit Fink, Waxahatchee, Wanda, Husky)
Ort: Maimarkt Gelände, Mannheim
Datum: 24.05.2015
Zuschauer: rund 4.000



von Dirk aus Mönchengladbach

Der letzte Tag beginnt mit der vom Festival veranstalteten Fahrradtour durch Mannheim, bei der neben einem lauschigen Frühstück im Park auch Gitarrenmusik von Inah serviert wird. Inah hatte am Freitag bereits auf dem Festival gespielt. Eine tolle Aktion bei schönem Wetter. 


Auf dem Gelände ging es dann mit Waxahatchee los. Diese fast reine Damencombo ist gekleidet, als hätten sie gerade noch einen Second-Hand Klamottenladen überfallen und spielt dabei schrammeligen Indierock wie in den frühen 90ern. Eigentlich toll aber der Vortrag gerät etwas spröde und unpersönlich. Vielleicht hatten sie einfach einen schlechten Tag erwischt, die CD ist jedenfalls sehr zu empfehlen. 

Mew aus Dänemark kannte ich noch als eine meiner Lieblingsbands von vor vielen Jahren. Der Auftritt hier kann eigentlich nicht die gleiche Band gewesen sein. Sänger Jonas Bjerre singt mit seiner bewegenden Kopfstimme konstant gegen den breitbeinigen Rock seiner Bandkollegen an. Feinheiten und vertrackte Arrangements von früher sucht man vergeblich. Powerriffs und Basslinien gibt es nonstop, und vereinzelt ist eines der alten Lieder zu erahnen. Leider spüre ich bei dieser Art der Umsetzung der Songs nichts mehr. Ähnliches Problem wie bei Archive

Dann zum Schluss noch ein fetter Dreierpack, der den Abend perfekt ausklingen lässt. Wanda kommen, spielen und wollen Spaß und das braucht das Publikum nach viel schwerer Kost dann auch mal. Der Sänger lässt die Hüften kreisen, die Band erfindet nichts neu aber dafür strahlen alle über beide Backen. Es wird ausgelassen mitgesungen, getanzt und geflirtet. Auf dem Drumkit steht in fetten Lettern der Name der Hymne des Festivals AMORE

Weiterer Sieger des Abends, diesmal aus rein musikalischen Gesichtspunkten: Fink. Großartig, wie er seinen eigenen Sound immer weiter perfektioniert, auch wenn die Locations immer größer werden. Ein am Ende volles Zelt ist begeistert und mein Lieblingslied aus 2014 Looking too closely kommt zum Glück auch noch. Fink ist bester Laune und zeigt mit seiner perfekt aber nie langweilig aufspielenden Band einen tollen, wertvollen Auftritt. Unbedingt ansehen!

Zum Abschluss noch einmal zur kleinsten Bühne am Reitplatz. Husky haben schon begonnen aber es sollte das Ende sein, das allen in Erinnerung bleiben wird. Die Band spielt verhalten, viel mehr Zuschauer als sonst bevölkern die Sitzplätze. Nach und nach werden beide Seiten warm miteinander und auch Zuhörer, die die tolle CD von Husky mit Sicherheit noch nicht kennen, werden wieder hellwach. Das Tempo bleibt weiter ruhig bis zum Ende. Melodischer Folk-Pop a la Turin Brakes trifft es am ehesten. 

Nach dem letzten Stück wird lautstark eine Zugabe gefordert, und dann passiert es: Husky beginnen Lover, Lover von Leonard Cohen und bitten die Zuschauer am Ende, das Lied auf Deutsch zu singen. Am Schluss stimmen Husky auf Deutsch mit ein und ein grandioses, zu Tränen rührendes Finale ist geschaffen!


Donnerstag, 28. Mai 2015

Maifeld Derby, Mannheim, Tag 1 und 2

1 Kommentare

Konzert: Maifeld Derby (u.a. mitMogwai, Ghostpoet, Aurora...)
Ort: Maimarkt-Gelände, Mannheim
Datum:  22. und 23.05.2015
Zuschauer: ca. 4.000



von Dirk aus Mönchengladbach

Als Start in die Festivalsaison hat sich das Maifeld Derby in den letzten Jahren zurecht als Liebhaber-Festival etabliert. Innerhalb von nur wenigen Jahren in einem Atemzug mit dem Immergut oder Haldern-Pop genannt zu werden, ist ein toller Erfolg. 

Es geht um Musik, und da stört auch das eigentlich nicht sehr festliche, weil steinige und staubige Gelände wenig. Die Lücken im Programm sind für den musikalisch offenen Besucher rar. Gleich 4 Bühnen werden im Wechsel bespielt. Neben zwei Zeltbühnen findet sich unter der Tribüne des Reitstadions noch eine bestuhlte, kleine Bühne die dieses Jahr oftmals mehr als gut besucht war. Besonderheiten wie eine Festival eigene Fahrradtour (incl. Frühstück und Gig von Inah) sowie die einzigartige Steckenpferd Dressur runden das tolle Festival ab. 

Bevor wir hier aber Konzerttagebuch-typisch zur Einzelbewertung kommen, noch ein Fazit der diesjährigen Ausgabe. Die Organisation (zudem viele ehrenamtliche Helfer) war in diesem Jahr wirklich toll und kaum zu verbessern. Durch das milde, trockene Wetter und das gut Line-up gab es fast überall nur zufriedene Gesichter. 

Trotzdem gibt es ein grundsätzliches Problem. Durch den Verkauf von Tageskarten (die meistens für die Headliner anreisen) füllt sich das Gelände erst relativ spät. Zusätzlich gibt es keinerlei Zeitfenster zwischen den Auftritten auf den beiden Hauptbühnen. Dies führt zu der fast absurden Situation, dass viele Zuschauer die „alte“ Band beim besten Song verlassen, oder die „neue“ Band vor einer Handvoll Leuten ihren Set beginnen muss. 

Hier wäre eine Pause von 10min zwischen den Bühnen sinnvoll und würde gleichzeitig den Getränkeverkauf ankurbeln. 

So, genug geredet. Wie waren die Bands? 

Freitag: 

Das Festival auf das Pfingstwochenende zu legen, war für viele am Montag ein Segen, dafür gestaltete sich die Anfahrt am Freitag für weiter anreisende Besucher natürlich stressiger. Daher begann der Tag für mich auch erst mit Ball Park Music und endete früher als erhofft im Hotel. 

Ball Park Music waren für mich fast schon das Highlight der diesjährigen Ausgabe. Die Songs sind irre abwechslungsreich, klingen aber alle so, als würden sie auch für einen Headliner auf einer Riesenbühne funktionieren. Sänger Sam Cromack sieht aus wie der Sohn von E (Eels) und hat auch ähnlich gute Songtitel (She Only Loves Me When I'm There) zu bieten. Die Australier beginnen mit Fence Sitter von ihrem Album Museum und können dieses Niveau bis zum Ende halten. 

Danach führt Ghostpoet im großen Zelt seinen (früher hätte man gesagt) Trip-Hop auf. Das neue Album Shedding Skin incl. diverser Gaststars ist ja wirklich erstaunlich. Dass diese Stimmen heute alle nicht dabei sind, stört aber wenig. Ghostpoet hat genug Charisma, den Abend alleine zu gestalten. Seine Band spielt straff und groovig, ein sehr guter Festival Act der in Zukunft wohl nur noch größere Bühnen vor sich hat. 

Die nachfolgenden Motorama werden wie immer von Christoph persönlich gewürdigt. 

Da mich die nachfolgenden Acts Gisbert zu Knyphausen und die Allah Las nicht (mehr) interessierten endet damit bereits die Bericht von Freitag. Love A und die junge Soak fielen leider dem Zeitplan zum Opfer. 

Samstag: 

Endlich ausgeschlafen und fit nach einer entspannenden Fahrradtour bis Heidelberg am Morgen geht es am Nachmittag mit East India Youth gleich richtig gut los. Der Mann steht alleine im Anzug auf der Bühne. Um ihn herum eine fast unüberschaubare Menge an Elektronik. Benutzen wird davon so ziemlich alles in den nächsten 45 Minuten. Das frühere Album gefiel mir nur zu Hälfte, das neue war noch nicht verfügbar, umso überraschter war ich von der Live-Präsenz. Spielend gelang es ihm mit fast irrwitzigen Moves, Sounds und Songs aus seinen Maschinen zu prügeln, zum Teil noch parallel live am Bass. Zunächst ungläubiges Staunen im Publikum, am Ende dann aber tanzende und begeisterte Jubelrufe. Eine echte Entdeckung. 

Tops aus Canada, angekündigt als neue Indie-Pop Hoffnung, konnten dagegen bei mir keine Jubelstürme auslösen. Zu belanglos, zu wenig gute, fesselnde Songs waren auszumachen. 

Zurück im Zelt passierte das, worauf wahrscheinlich alle Besucher eines Newcomer-Festivals warten. Einen künftigen Star bei seinen ersten Gehversuchen. Ein solcher Moment war der Auftritt von Aurora aus Norwegen dann auch. Eine knapp 18-jährige, mit kristallklarer Stimme singende Ausnahmekünstlerin, bei der die Bühnenansagen noch ehrlich und die Schüchternheit noch echt war. 

Obwohl die Songs sich im normalen Popsegment als durchaus radiotauglich erweisen werden (1Live macht schon mit) und die Künstlerin mit ihrem viel zu großen 80-Jahre Bläser vor ihrer durchgestylten Hippster Band reichlich verloren wirkte: Hier wird eine Karriere folgen. Im Herbst spielt Aurora schon beim New-Fall-Festival in Düsseldorf im großen Robert-Schumann-Saal. Wie Joe Cocker fuchtelt sie mit den Armen, kann ihr Glück über so viele Menschen kaum fassen, es ist ein Fest. 

Only Real bieten danach austauschbaren Brit-Pop, The Soft Moon doomen sich am Nachmittag ziemlich unpassend durch ihre EBM-Soundwände.. entbehrlich. 

The Rural Alberta Advantage bieten anschließend klassische Haldern-Pop Musik. Stimmungsvoller Folkrock mit einem unfassbar guten Drummer, der sich an der Bühnenseite die Finger wundspielt. Zerschlagene Drumsticks werden sofort in den ersten Reihen entsorgt. Wer so einen Musiker dabei hat, kann sich einen etwas schwächeren Gesang leisten. Die Songs jedoch sind überzeugend, das Album auch. 

Zarte Gemüter mögen die nächsten Zeilen überspringen, kommen wir jetzt zum traurigen Höhepunkt des Festivals. Sizarr spielen einen Mix aus ihren beiden fantastischen Alben und trotzdem wirkt es auf mich gruselig. Die Band bietet nichts an, drei Musiker die jeweils gefühlte 20 Meter voneinander auf der Bühne stehen und schon optisch nichts gemeinsam haben. Drummer und Bassist spielen stoisch, und anstatt live die Perfektion der CD`s aufzulockern oder das Tempo zu variieren wird mit Auto-Tune und Verzerrungen gearbeitet. 

Sänger Fabian Altstötter ist bestenfalls angetrunken, fährt sich hunderte Male durchs Haar und kann auch nicht mehr viel retten. 

Brand New poltern danach auf der Fackelbühne durch harten Rock. Die Band gleicht aber mehr einer Firma, alles ist perfekt arrangiert, Fotos verboten, Dienst nach Vorschrift. 

Und dann wieder einer der Momente die man nur auf Festivals erleben kann. Foxygen stürmen auf die Bühne, gezählt habe ich 9 Musiker. Es explodiert eine Mischung aus Hair Musical, MGMT und Kindergeburtstag, wie sie vorher vielleicht nur bei den Flaming Lips zu sehen war. Sänger Sam France fällt bereits beim ersten Song von der Bühne. Die Band spielt Poker, zwischen den Songs werden einstudierte Dialoge aufgesagt oder komplette Kostümwechsel vollzogen. Weitere Worte sind sinnlos, es war ein Rausch, bei dem leider die Songs meistens im Wahnsinn verloren gingen. Aber ein großer, großer Spaß. 

Größer hätte der Kontrast zu Mogwai nicht sein können, seit genau 20 Jahren touren die Schotten nun schon mit ihrem Soundmonster von Band durch die Welt und es wird einfach nicht langweilig. X-Mal habe ich die Band schon gesehen, jedes Mal haderte ich vorab wegen der unzumutbaren Lautstärke. Aber diesmal war alles perfekt. 80 Minuten pure Musik bis zum ewigen Finale, Mogwai eben. 

Und dann war da noch die Band Human Abfall aus Stuttgart. Im kleinsten Zelt brüllt Frontmann Flavio Bacon die Menge an, die schreit zurück „zu leise“. Der Sänger steht mit immer starrem Blick vor ihnen und wirft mit wüsten Tiraden um sich, als wolle er die Welt zerstören. Das ist gut, das ist wichtig. Es zeigt vor allem, wie wenig sich viele andere Bands trauen. Da-Da Punk zu später Stunde ist ein Gewinn für dieses Festival. 



Sonntag, 8. Juni 2014

Maifeld Derby 2014, Tag 3

0 Kommentare

Konzert: Girls in Hawaii, The Elwins, Temples, St. Vincent, The National
Ort: Maifeld Derby, Mannheim
Datum: 01.06.2014
Dauer: Girls in Hawaii ca. 55 Minuten, The Elwins ca. 45 Minuten, Temples ca. 55 Minuten, St. Vincent ca. 60 Minuten, The National ca. 110 Minuten
Zuschauer: unterschiedlich




Am letzten Tag des Maifeld Derbys war ich noch ziemlich geschafft vorm Band-Marathon des Vortags und auch schon ein bisschen Festival-müde. Gut, dass am Sonntag nicht mehr allzu viele Bands in mein persönliches Pflichtprogramm fielen. Stattdessen verbrachte ich ein wenig Zeit beim Steckenpferdwettbewerb, der an sich durchaus unterhaltsam war, mich aber doch nicht genug fesselte, um auch noch die Siegerehrung anzusehen.



Der Festival-Tag begann deshalb erst am frühen Nachmittag mit Girls in Hawaii - einer, man würde es angesichts des Namens nicht unbedingt vermuten, männlichen Band aus Belgien. Das Sextett besteht bereits seit 2001 und musste vor vier Jahren den Unfalltod seines Schlagzeugers (der gleichzeitig der Bruder von Sänger Antoine Wielemans war) verarbeiten.



Die Belgier, bei denen sich Lionel Vancauwenberghe und Antoine Wielemans den Gesang teilen, wobei Letzterer gelegentlich in einen alten Telefonhörer singt, eröffneten ihr Set mit "Sun Of The Suns" und "Not Dead" und ließen nichts unversucht, um das Publikum bereits am frühen Nachmittag zu begeistern: Der Keyboarder François Gustin stieg auf Boxentürme und animierte zum Mitklatschen und wurde bei seinen Kletterpartien nur noch von Antoine Wielemans' Ausflügen übertrumpft. Emotionaler Höhepunkt war aufgrund der Bandgeschichte der ruhigste Titel des zu kurzen Sets, "Misses".



Anschließend verfolgte ich, in Hörweite der Hauptbühne im strahlenden Sonnenschein sitzend, mit einem Auge und Ohr die The Elwins. Die kanadische Band überraschte mit ihrer Entscheidung, ein Beyoncé-Lied namens "Countdown" zu covern und hierfür mit dem Publikum einen (deutschsprachigen) Countdown einzuüben. Außerdem hatte ihr Bassist möglicherweise den auffälligsten Schnurrbart des Festivals (trotz starker Konkurrenz in Form eines Rah Rah-Mitglieds). Amüsant und zum guten Wetter passend war das Set allemal, aber ich muss zugeben, den Kanadiern sonst nicht die Aufmerksamkeit entgegen gebracht habe, die sie vielleicht verdient gehabt hätten.



Direkt nach dem Auftritt der Elwins und der Ehrung für den außergewöhnlichsten Bart konnte auch der Festivalpreis für die spektakulärste Frisur - trotz des noch folgenden Auftritts von St. Vincent - vergeben werden. Im Palastzelt traten Temples auf, und auch wenn in der Band noch drei weitere Preisanwärter gesichtet werden konnten, ging dieser doch klar an deren Sänger James Edward Bagshaw.



Optisch und musikalisch nahm uns das Quartett aus dem englischen Kettering mit auf einen unterhaltsamen und kurzweiligen Trip in die sechziger/siebziger Jahre und die Hochphase des Psychedelic / Glam Rock. Aus ihrem Debütalbum "Sun Structures" präsentierten sie 8 der 12 Songs, die noch um die ungewöhnliche, weil Keyboard-lastige B-Seite "Ankh" ergänzt wurde. Beim ausufernden und rockigen "Sand Dance" konnte man in etwa nachvollziehen, wie es früher wohl auf einem Konzert von Led Zeppelin gewesen ist. Für den Schluss hoben sich die Briten ihre beiden besten Songs auf: "Mesmerise", das durch das Anfügen eines langen instrumentalen Ausklangs bestimmt auf doppelte Spiellänge gezogen wurde, und "Shelter Song".

Setliste:

Colours To Life
Sun Structures
A Question Isn't Answered
Ankh
Move With The Season
Keep In The Dark
Sand Dance
Mesmerise
Shelter Song
St. Vincent

Bekanntlich braucht ja jedes Festival seinen Regenschauer. Der des diesjährigen Maifeld Derbys fand direkt nach dem Temples-Auftritt statt und führte dazu, dass wir lieber eine Pause am überdachten Fressstand einlegten, als das Set von Hozier zu besuchen.



Bei St. Vincent hatte ich im Vorfeld den Verdacht gehabt, dass ihr Auftritt mir auf die Nerven gehen würde - möglicherweise hatte ich das Album einmal gehört und mir außer meinem Urteil sonst nichts davon gemerkt. Dennoch, wir wollten bei The National eine gute Sicht haben, und der wahrscheinlichste Weg dorthin war es, bereits bei St. Vincent vorne zu sein (und den Auftritt von Wye Oak auszulassen). Die Solokünstlerin war übrigens nicht nur beim Maifeld Derby der "Support" für The National, sondern ist auch sonst aktuell mit diesen auf Tour.



Annie Clark hatte im Hintergrund einen Keyboarder und einen Schlagzeuger dabei, vorne auf der Bühne leistete ihr eine weitere Keyboarderin / Gitarristin Gesellschaft. Der Auftritt der Musikerin war sehr künstlerisch durchgeplant. Sie selbst trug ein avantgardistisches Kostüm und machte beinahe ausschließlich roboterartige Bewegungen. Die Mitmusikerin gesellte sich zeitweise zu ihr und nahm an der Choreographie teil - so wurde symmetrisch auf der Bühne umher getrippelt oder auch einmal nach Art von ZZ Top synchron Gitarre gespielt. Das Set hatte auch eine Art "Handlung", so erklomm Annie zu "Cheerleader" ein sehr hohes Podest im Hintergrund der Bühne, sang von dieser erhobenen Position aus und kauerte schließlich, bevor sie am Ende von "Prince Johnny" scheinbar sterbend zusammenbrach und anschließend theatralisch Stufe um Stufe herunter rutschte.



Der Auftritt war auf seine Art also durchaus unterhaltsam und allemal interessanter als der von Warpaint, allerdings finde ich St. Vincents Elektromusik mit häufigem Gitarrengeschrammel in höheren Dosen schnell kopfschmerzauslösend.



Setliste:

Rattlesnake
Birth in Reverse
Regret
Cruel
Digital Witness
Every Tear Disappears
Surgeon
Cheerleader
Prince Johnny
Year of the Tiger
Marrow
Huey Newton
Bring Me Your Loves



Hinterher stellte sich heraus, dass für gute Plätze im The National-Publikum ein Besuch bei der Vorband nicht zwingend notwendig gewesen wäre - bis auf die ersten drei Reihen leerte sich das Zelt in der Pause vor dem Festival-Headliner fast komplett. Aber natürlich füllte es sich genauso schnell auch wieder, so dass man nicht bereuen musste, früh dort gewesen zu sein. Schließlich war dieser Bandname für ein Festival dieser Größe ein ungewöhnlich bekannter. Im Programmheft wurde erklärt, dass die Buchung von The National nur durch eine glückliche Terminlage möglich gewesen war (sprich: die Band war in Deutschland und hatte keinen anderen Termin). Man darf gespannt sein, wie die Festivalmacher diesen Headliner nächstes Jahr toppen wollen. Finanziell dürfte sich der Glücksfall in jedem Fall gelohnt haben: Die Tagestickets für den Sonntag waren zumindest ausverkauft.



The National hatte ich erst im letzten November live gesehen und ihr Konzert für durchaus gut befunden. Würde dieser Auftritt ohne neueres Material einfach dasselbe bieten, nur eben im Zelt? Wiederum war man zu siebt erschienen, zusätzlich zu den regulären Bandmitgliedern hatte man wieder zwei Trompeter dabei.

Nach dem ersten Lied "Don't Swallow the Cap" gab es eine kurze Pause, in der Matt Berninger erklärte, Bryan Devendorf könne nichts mehr hören, was entweder  an einem Aneurysma  liegen könne, oder es seien einfach die Batterien leer. Bryce Dessner entgegnete sofort, dass Matts Witze immer schlechter würden und dass Aneurysmen nicht witzig seien. Uns im Publikum war neu, dass Matt überhaupt Witze macht, es folgten sogar noch weitere - die Bryce allerdings auch nicht lustiger fand.



Weiter ging es mit einem Mix aus neuen und alten Songs, der dem in Düsseldorf ähnelte, auch optisch, denn erneut wurden auf der LED-Wand im Hintergrund passende Bilder zu einigen Songs gezeigt, etwa Regen bei "England" oder blutkörperartige Gebilde bei "Bloodbuzz Ohio". Es gab jedoch auch Unterschiede, denn wir bekamen an diesem Abend unter anderem auch "Hard To Find", "Ada" und "Abel" zu hören.

Matt Berninger war in Hochform, trank großzügig Weißwein, zunächst aus dem Becher, später direkt aus der Flasche, die er im Zugabenteil dramatisch auf einer Monitorbox zerschmetterte, und konnte der auf Facebook zirkulierten Materialzerstörungsliste der Band schon kurz nach Konzertbeginn einen Mikrophonständer hinzufügen, worauf er gleich einen neuen bekam und zunächst grinsend verhinderte, dass der überflüssige von einem Roadie wieder weggenommen wurde. Einer in Reserve ist eben immer gut...



Das Set von The National machte dem Publikum großen Spaß, bei beinahe jedem Song, der angespielt wurde, erklangen laute Jubelrufe. Mir war in der Vergangenheit nicht aufgefallen, dass die Band bei praktisch allen Textpassagen mitsingt - vielleicht hat sie es auch früher nicht getan. Selbst die Bläser sangen manchmal mit. Bei "Pink Rabbits" trat der Posaunist nach vorne an den Bühnenrand und damit ins Rampenlicht. Bryce Dessner hantierte bei "I Need My Girl" mit zwei Gitarren gleichzeitig, während er bei "Slow Show" die Gitarrensaiten mit einem Geigenbogen bearbeitete.

Herr Berninger hat in der Vergangenheit bereits zu Bühnenklettereien geneigt und enttäuschte auch an diesem Abend nicht: Erst sprang er in den Bereich zwischen Bühne und Publikum, später, als wir bereits im Zugabenteil waren, umrundete er in zwei Etappen quasi das Publikum - da wir vorne standen, konnte man nur an der Richtung, in die die Mikrophonschnur zeigte und an den besorgten Blicken der Security erkennen, wo er gerade singend unterwegs war - bis er, unglaubliche Freude und Bewegung im Publikum hervorrufend, direkt bei uns wieder auftauchte.



Matt Berningers emotionale Ausbrüche, beispielsweise bei "Squalor Victoria", waren wieder einmal prächtig, sein Spruch, als bei der Wiederkehr der Band für den Zugabenteil zunächst die Devendorf-Brüder fehlten, "We have lost the Devendorf brothers. Bryan and Scott, call your mother!" gefiel Bryce wiederum nicht. "You don't hear people laughing because you're wearing your earplugs!" war Matts Entgegnung.

Nach drei tollen Zugaben ("Ada", "Mr. November" und "Terrible Love") gab die Band als letztes Lied noch eine akustische Version von "Vanderlyle Crybaby Geeks" zum besten, wofür alle nach vorne an den Bühnenrand kamen und das Publikum in den Gesang mit einstimmte - wieder ein schöner und irgendwie persönlich wirkender Moment, der das Festival perfekt abschloss.



Setliste:

Don't Swallow the Cap
I Should Live in Salt
Mistaken for Strangers
Sorrow
Bloodbuzz Ohio
Sea of Love
Hard to Find
Afraid of Everyone
Conversation 16
Squalor Victoria
I Need My Girl
This Is the Last Time
Abel
Slow Show
Pink Rabbits
England
Graceless
About Today
Fake Empire

Ada
Mr. November
Terrible Love
Vanderlyle Crybaby Geeks 



Letztes Jahr hatte ich ein bisschen gezweifelt, ob das Maifeld Derby ein dauerhafter Eintrag in meinem Kalender bleibt, ließ mich dann letztlich doch wieder hinreißen, die spottbilligen Frühbucher-Scheuklappentickets zu kaufen und wurde nicht enttäuscht. Dieses Jahr gab es geradezu irritierend wenig zu meckern. Selbst die Leergutrückgabe nach dem The National-Set sowie der Rücktausch unserer letzten Getränkemarke waren rasend schnell erledigt.

Einzige Verbesserungsvorschläge, die mir für kommendes Jahr einfallen: Den Parcours d'Amour auch am Festivalsonntag öffnen. Er ist atmosphärisch einfach am schönsten und beinahe die einzige Möglichkeit, auf dem Festivalgelände ohne Wiese halbwegs bequem zu sitzen. Und natürlich der Streichelzoo.

Links: Fallen angesichts der Bandfülle dieses Mal aus, andere Berichte lassen sich aber leicht über die Labels finden.

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht, der auch den Temples-Bericht verfasst hat.



Freitag, 6. Juni 2014

Maifeld Derby 2014, Tag 2

0 Kommentare

Konzert: Moscow Metro, Solander, Charity Children, Spaceman Spiff, Get Well Soon, Lambert, Warpaint, Motorama, Hundreds
Ort: Maifeld Derby, Mannheim
Datum: 31.05.2014
Dauer: Moscow Metro ca. 40 Minuten, Solander ca. 45 Minuten, Charity Children ca. 45 Minuten, Spaceman Spiff ca. 50 Minuten, Get Well Soon ca. 65 Minuten, Lambert ca. 50 Minuten, Warpaint ca. 80 Minuten, Motorama ca. 60 Minuten, Hundreds ca. 50 Minuten
Zuschauer: unterschiedlich




Was für ein Tag! Irgendwie hatten es die Maifeld Derby-Organisatoren versäumt, sich nach meinen persönlichen Präferenzen zu richten, als sie den konkreten Zeitplan des Drei-Tages-Festivals zusammenstellten. Schon bald wurde klar, dass der Samstag ein langer und harter Tag werden würde. Und dabei musste ich nicht einmal mit den jungen Leuten zelten, sondern mich nach der überstandenen Dauerbeschallung nur in das am Rande des Maimarkts gelegene Billighotel schleppen. Was schwierig genug war, aber genug gejammert. Die Veranstalter haben mich ja nicht gezwungen, neun Bands anzusehen! Aber da war ja noch mein Freund...



Los ging der Festivalsamstag für mich am Nachmittag mit Moscow Metro. Die junge irische Band trat im Palastzelt auf, was auch besser zu den schwarz gekleideten Musikern passte als der an diesem Tag gleißende Sonnenschein draußen. Einige der relativ zahlreichen Zuschauer waren sicher erschienen, weil die Musik der Band einen der Derby-Trailer musikalisch untermalt hatte. Die Band hat erst eine EP veröffentlicht, und so kannten wir die meisten der gespielten Songs noch nicht. Bezüglich des Gesangs wechselten sich der Gitarrist und der Bassist ab. Der Auftritt litt ein wenig darunter, dass die Gitarre irgendwann nicht mehr funktionierte und sich nur nach längeren Bemühungen wieder in Gang bringen ließ. „Where It All Ends“ wurde deshalb auch nur angespielt und dann schlussendlich zum nächsten Song übergegangen.



Die Band war sichtlich frustriert über die eigenen technischen Probleme, die das ohnehin kurze Set weiter zusammenschrumpfen ließen. Für einen ersten Eindruck vom Joy Division-Sound der Iren hat es bei mir dennoch gereicht.

Setliste:
Headlights
Future Fades
Cosmos
Where It All Ends (entfallen)
King Of The Knives
Spirit Of A City
Stranger In My Blood
Resurrect Yourself
Revelation Nightdrive


Nach diesen düsteren Klängen traten wir blinzelnd ins Sonnenlicht und wanderten herüber zum Parcours d’Amour, wo als nächstes die Band Solander - bei der es sich streng genommen um ein Soloprojekt mit Zusatzmusikern handelt - aufspielen sollte. Die Schweden spielten ein stimmungsvolles Set, das beim Publikum hervorragend ankam, nur nicht bei den Schwätzern vor uns… An und für sich herrschte im Parcours um mich herum stets gespannte Aufmerksamkeit, nur bei diesem Konzert hatte ich Pech mit der Nachbarschaft. Sänger Fredrik Karlsson bedauerte, dass die Band direkt nach ihrem Auftritt zu einem anderen Festival nach Esslingen weiter reisen musste, weil man gerne geblieben wäre, um sich Warpaint und The National anzusehen. So konnte er nur anbieten, uns quasi im Wegfahren noch CDs zu verkaufen.


Den Countrysong „Black Rug“ spielte er exklusiv für einen Freund, der diese Art Musik besonders mag. Ein toller Auftritt, der viele Zuschauer begeisterte, insbesondere der Harmoniegesang beim älteren Song „Flight“ wusste zu gefallen.

Setliste:
The Woods Are Gone  
Monday Afternoon
Flight
Black Rug
All Opportunities
Huckleberry Finn
Social Scene
Monochromatic Memories
Lighthouse


Nach Solander blieben wir einfach sitzen für das Berliner Duo Charity Children, bei dem es sich eigentlich um Straßenmusiker aus Neuseeland handelt. Für den Auftritt hatten die beiden Verstärkung von vier weiteren Musikern, das Paar stand vorne an einem Doppelmikro und sang sich gegenseitig an, wobei sie selbst auch verschiedene Instrumente, beispielsweise ein Miniakkordeon, ein Banjo und eine Mundharmonika bedienten.


Ich fand das Ganze zweifellos inbrünstig, aber so richtig mein Fall war es nicht. Im Publikum vor uns wurde immer wieder begeistert aufgesprungen und mitgetanzt, aber mir ging das gegenseitige Angesinge innerhalb kurzer Zeit auf die Nerven. Interessant war allerdings, dass die mit einer Art Samtzelt bekleidete Sängerin aussah, als sei sie Natalie Portmans Schwester.


Am Ende von Charity Childrens Set zeigte sich ein Trend des Festival-Samstags, denn hatte man am Vortag noch recht streng auf Einhaltung des Zeitplans bestanden, durfte nun so gut wie jede Band ein Extralied spielen – im Falle von Charity Children den neuen Song „Anthem For All The Dead Dogs“.

Setliste:
You Want Me
Butterflies
To See You Smile
Empty Vicious Nights
Till The Day I Die
Holy War
Killing Time
Elizabeth
Everything You Wanna Give
Whispering Still

Anthem For All The Dead Dogs


Wiederum blieben wir einfach sitzen, und als nächstes kam mit Spaceman Spiff ein einzelner junger Mann mit Gitarre auf die Bühne, der als erstes einen Tischtennisschläger an den Mikrophonständer klebte. Nach einigen seiner textlastigen, melancholischen Songs bekamen wir auch erklärt, was es mit der Dekoration auf sich hatte: Am Vorabend hatte Spaceman Spiff in Bremen gespielt, es war irgendein Missgeschick passiert und er hatte sich beklagt, dass er kein Tischtennisspieler sei, denn diese würden, wenn etwas schief ginge, immer irritiert ihren Schläger ansehen. Innerhalb von Sekunden sei daraufhin der Tischtennisschläger auf die Bühne geflogen, und er habe beschlossen, diesen zukünftig als Talisman einzusetzen.


Leider war ihm aber bereits zu Beginn der Geschichte beim Gestikulieren die Gitarre herunter gefallen, so dass sich der Tischtennisschläger bereits bei seinem ersten Einsatz als komplett nutzlos in seiner Rolle als Unglücksvermeider erwiesen hatte und in die Ecke gepfeffert wurde.

Spaceman Spiffs Musik erinnerte mich frappierend an Enno Bunger, was jetzt gar nicht negativ gemeint ist. Wo Enno kalauert und mit seinem Liebeskummer kokettiert, wirkt Spaceman Spiff aber authentisch-sympathisch ungeschickt. So erzählte er etwa, dass er normalerweise mit Band auf Tour sei, diese heute aber anderweitig beschäftigt sei, beziehungsweise in einem Fall auch gerade im Publikum sitze: „Es ist heutzutage so schwierig, gutes Personal zu finden!“ Außerdem konnte er seine Setliste nicht mehr lesen, nachdem er darauf getreten war, und überließ die weitere Songauswahl dann vertrauensvoll einem Publikumsmitglied.


Er wirkte auch ehrlich überrascht und gerührt über die große Aufmerksamkeit , die ihm und seiner Musik entgegen gebracht wurde – sogar seitens der Stage Crew, die nach einer Zugabe ("Straßen") noch auf einen weiteren, akustisch im Publikum dargebotenen Song ("Gedankenstriche") drängte. Dazu wurde Hannes nahezu von der Crew auf die Tribüne geschoben.

Setliste:
Milchglas
Hier und der Wahnsinn
Zeit zu bleiben
Oh Bartleby      
Der Tag, an dem ich nicht verrückt wurde
100.000 Kilometer
Han Solo
Egal
Mit Scherenhänden
Hamburg
Teesatz

Straßen

Gedankenstriche (akustisch)


Weiter ging es nun, nach kurzer Essenspause und einer noch kürzeren Stippvisite bei dem Musiker Sohn, für uns im Palastzelt, wo Get Well Soon ihren ersten Derby-Auftritt seit der Premiere des Festivals vor der Jahren absolvieren sollten, dieses Mal mit klassischem Orchester, bestehend aus 4 Streichern und 4 Bläsern.

Nachdem wir uns relativ früh eingefunden hatten, um Plätze vor der Bühne zu ergattern, konnten wir vorab noch den recht aufwändigen Soundcheck sämtlicher Instrumente beobachten. Konstantin Gropper, den man tagsüber bereits als Festivalgast hatte beobachten können, hatte sich in einem schwarzen Anzug geworfen, seine Schwester Verena trug ein kleines Schwarzes, die restliche Band erschien ebenfalls in schwarz und grau.


Als das Konzert dann begann, machten wir gleich mehrere positive Entdeckungen: Zum einen konnte man hier, anders als etwa bei Woodkid in Düsseldorf, den Effekt der Streicher und Bläser auf die Musik tatsächlich hören. Zum anderen hatte die Band sich – anders als bei der Derby-Premiere vor drei Jahren, für eine Festival-passende Auswahl ihrer schnelleren Songs entschieden. Und drittens war das Publikum um uns herum, wiederum anders als vor drei Jahren, aufmerksam und begeistert – damals hatten meine Begleiter und ich uns sehr über Schwätzer geärgert.

Nachdem jede Menge Streicher anwesend waren, verzichtete Verena bei diesem Auftritt auf ihre Geige, sie konnte sich auf ihren Gesang konzentrieren, sowie auf das gelegentliche Trommeln und Becken schlagen.


Gesprochen wurde bei diesem Auftritt nicht allzu viel. Einmal erwähnte Konstantin, er freue sich, dass es uns gefalle, wir hätten aber nicht wirklich eine Wahl, da durch den in der Nähe stattfindenden Marathon niemand das Gelände erreichen oder verlassen könne, wir säßen also alle in einem Boot. Ein andermal erklärte er, er freue sich, dass Bandmitglied Timo Kumpf das Festival ins Leben gerufen habe, und das auch noch in seiner Heimatstadt Mannheim und gab dem Publikum die Möglichkeit, dem Organisator zu applaudieren – die natürlich ausgiebig genutzt wurde.

Die Opulenz, die Get Well Soons Musik ohnehin auszeichnet, gewann durch die Anwesenheit der Zusatzmusiker nochmals dazu, insbesondere „Burial at sea“ klang in dieser Version ausgesprochen beeindruckend. Die regulären Get Well Soon-Musiker legten sich ebenfalls mächtig ins Zeug und die meisten Songs endeten in einem Instrumentefeuerwerk mit geradezu schreiendem Gesang.
Auch Get Well Soon durften nach diesem wirklich sehr beeindruckenden Set natürlich eine Zugabe spielen, bevor wir uns nach „We are Ghosts“ wieder zum Parcours d’Amour begaben.


Setliste:
?
Seneca's Silence
The Last Days Of Rome
5 Steps / 7 Swords
A Voice In The Louvre
Roland, I Feel You
Werner Herzog Gets Shot
Listen! Those Lost At Sea Sing A Song On Christmas Day
A Burial At Sea
Angry Young Man
You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)

We Are Ghosts


Dort saß bereits der skurrile Musiker Lambert am Klavier uns spielte mit einer Antilopenmaske seine selbst komponierten Klavierstücke, die irgendwo zwischen Klassik und Soundtrack lagen. Wie bereits Spaceman Spiff war auch dieser Musiker von der ihm im Parcours entgegen gebrachten Aufmerksamkeit beeindruckt und erzählte, er sei am Vorabend die Vorband für Bonaparte gewesen, deren Publikum auf Radau aus gewesen sei. Das Sprechen mit der Maske sowie das Lesen der Setliste fielen dem Künstler schwer, wobei diese Umständlichkeiten auch komödiantische Aspekte hatten.

Wenn Lambert mit seinem Antilopenkopf nickte, klackerten die Enden der Hörner teils rhythmisch zusammen, was das Publikum bei einem seiner Lieder als Aufforderung zum Mitklatschen annahm – laut dem Musiker eine Weltpremiere. Und auch er durfte selbstverständlich noch eine Zugabe geben. Bezüglich der Setliste kann ich nur berichten, dass einer seiner Songs „Slow slow“ hieß und von seinem alljährlichen Versuch, zu joggen, handelte.


Weiter ging es zurück ins Palastzelt zum Headliner Warpaint. Ich hatte das Damenquartett aus Los Angeles bereits vor einigen Jahren live gesehen und doof gefunden, nahm mir aber vor, den neuen Auftritt neutral anzugehen. Leider fand ich aber ein weiteres Mal keinerlei Zugang zu den Songs, konnte ihnen nicht folgen und verfiel schon bald in Langeweile. Übrigens schien auch das restliche Publikum nicht sonderlich begeistert zu sein.


Im starken Nebel, der die Bühne umwaberte, konnte ich die Musikerinnen kaum sehen und nur erkennen, dass Emily Kokals blaue Haare einen gewaltigen Ansatz aufwiesen und Jenny Lee Lindbergs Frisur pink war. Die schlechte Sicht verdarb mir dieses Mal sogar die Chance, über die Kleidung der Musikerinnen zu lästern. Schemenhaft konnte man im Hintergrund der Bühne das Cover des aktuellen Albums „Warpaint“ erkennen. Kurz nachdem Emily darum gebeten hatte, die an der Decke des Zelts befestigte Discokugel anzuschalten, sich über den Effekt gefreut und darum gebeten hatte, sie für den Rest des Sets anzulassen, beschlossen wir, das Konzert zu verlassen und brachen zum neuen Brückenaward-Zelt auf.

Setliste:
Intro
Keep It Healthy
Bees
Hi
Undertow
Feeling Alright
Biggy
Love Is to Die
No Way Out
Disco//Very
Drive
Ashes To Ashes (David Bowie cover)
Elephants

Diese Bühne hatte gegenüber früheren Jahren, in denen sie sich in einem schlichten Bierzelt befunden hatte, ein gewaltiges Upgrade erfahren und sah nun aus wie eine Miniaturversion des Palastzeltes. Für eine professionelle Lichtausstattung hatte das Budget dann aber doch nicht mehr gereicht, und so bot sich ein etwas kurioses Bild: Mehrere Overheadprojektoren warfen Bilder auf die Zeltdecke, auf die Bühne waren zwei Diaprojektoren gerichtet, vor denen der beschäftigte Lichtmann während des ganzen Konzertes (oder gar des gesamten Festivals?) mit der Hand bunt bemalte Drehscheiben bewegte.



Eigentlich waren wir aber nicht gekommen, um die Lichtausstattung zu bewundern, sondern um Motorama zu sehen. Die russische Band wird von allen Seiten hoch für ihre Liveauftritte gelobt, weshalb ich ziemlich gespannt war. Leider zog sich der Beginn des Auftritts aber ziemlich hin (wäre mir an dem Warpaint-Auftritt mehr gelegen, hätte es mich sicher geärgert, diesen umsonst früher verlassen zu haben), so dass ich letztlich nur ein paar Songs der Band hören konnte, bevor wieder der Aufbruch zum nächsten Konzert angesagt war, und auch keine Hinweise auf das anscheinend als exzentrisch bekannte Konzertverhalten des Sängers mitbekam.


Es war nämlich nun Zeit für das letzte Konzert des Abends, zur Abwechslung wieder im Palastzelt. Hundreds hatte ich beim ersten Maifeld Derby das erste Mal gesehen, und es ist eine der wenigen Bands, die mich ohne Vorkenntnisse ihrer Musik auf Anhieb mit einem Konzertauftritt schwer beeindruckt haben.


Meine letzte Begegnung mit der Band war erst einige Monate her, und das Setup der Bühne entsprach genau dem, was ich bereits in Köln gesehen hatte: Links ein Synthesizer“schrank“ für Philip, rechts Percussioninstrumente für den namentlich nicht bekannten Zusatzmusiker, als Dekoration aufrecht stehende Leuchtstoffröhren. Zuerst trat der Percussionist auf, dann kam Philip dazu, und erst nach einem Intro betrat auch Eva die Bühne. In Köln hatte sie ein schwarzes Kleid getragen, das beim Maifeld Derby war weiß, dazu hatte sie in der Garderobe offenbar den Glitzerlidschatten der Band Fenster vom Vortag vorgefunden.


Das Hundreds-Set dieses Abends enthielt im Gegensatz zum Kölner Konzert viele ältere Lieder, die tanzbarer als gewohnt umgesetzt waren. Obwohl der Abend mittlerweile weit fortgeschritten war, hatte sich das Zelt nochmals recht gut gefüllt, was Eva, ansonsten sehr wortkarg, erfreut anmerkte. Auch dieser Auftritt von Hundreds, mein insgesamt vierter, war wieder ein Vergnügen. Anschließend ging es nach schlappen acht Stunden Festival zurück ins Hotel.


Setliste:
Intro
Beehive
Rabbits On The Roof
Fighter
Aftermath
Happy Virus
Circus
Our Past
Let's Write The Streets
Grab The Sunset

Song For A Sailor

Links: Fallen angesichts der Bandfülle dieses Mal aus, andere Berichte lassen sich aber leicht über die Labels finden.

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates