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Sonntag, 11. Februar 2018

Winter Pop, Leipzig, 07.02.18

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Konzert: Arpen, Orph, Sea+Air
Ort: Schaubühne Lindenfels, Leipzig
Datum: 07.02.2018
Dauer: 30, 50 Winter Pop, Leipzig, 07.02.18, 30 min
Zuschauer: 130

Das Winter Pop Fest ist eine tolle Idee, an einem Abend in des Winters Kälte mit einem kleinen Musikfest Wärme in die Herzen zu bringen. Die Bandauswahl ließ einen spannenden Bogen erwarten und für mich gab es kein Halten im Vorverkauf, weil immerhin 2 Künstler des Abends schon in der Scala gespielt haben und ich mir ihre aktuellen Projekte ansehen und anhören wollte.

Die Schaubühne Lindenfels liegt im aufstrebenden Plagwitz, das Ambiente eines morbiden Saales und das dezent wechselnde Bühnenlicht gaben dem Abend die heimelige Atmosphäre.

Ein paar Zuschauer hätten es gern mehr sein können, immerhin war der Saal mit den optimistisch gerechneten 130 Besuchern leider nicht gut gefüllt. Sie verloren sich etwas im Saal und mussten am Ende ausdrücklich nach vorn gebeten werden.




Arpen
Arpens selbstbetiteltes Soloalbum im Ohr freute ich mich auf sein Trio mit Philipp Rumsch und Jakob Müller. Sie eröffneten den Abend mit einem minimalistischen Set. Zwei Soundtüftler und Arpen spielten sparsam arrangiert Titel verschiedener Phasen. Zumindest einer war aus Arpens Soloalbum, es waren dann noch ältere sowie ein ganz neues Stück dabei. Meist begannen sie mit knarzenden sich steigernden Beats und bauten sich dann wie Gewitterwolken in die Höhe. Vor allem im letzten Titel, bei dem, als er verklang, Arpen über die schwindenden Töne sein Leid oder seinen Ärger rausschrie so jedenfalls mein Eindruck. Das waren 30 beeindruckende Minuten des Openers.





ORPH
Der zweite Act des Abend war gleichzeitig meine größte Vorfreude. Immerhin spielt Steffi Narr bei ORPH. Sie war mit ihrem Trio Coucou bereits zu Gast in der Scala. Nun war ich sehr gespannt auf ihr Projekt ORPH, von dem ich nicht wusste, dass sie bereits 2012 ein Album herausgebracht haben. Sie wurden zu Beginn des Abends als ScienceFiction Pop gekündigt. Was ich empfand, war eine wunderbare Mischung aus Zukunftsmusik und aus der Zeit gefallenem Bühnenoutfit der spanischen Eroberung Amerikas. Mit der Beleuchtung der Bühne ergab dies träumerische 50 Minuten mit den pyramidenförmigen Tränen von Simba. ORPH spielt verträumte Melodien, kompakte Arrangements aus Gitarrenband mit Keyboardsamples, Trompete und großer Trommel Augen- und Ohrenweide.




Das neue Album gab es 2 Tage vor dem offiziellen Release. Ich wünsche ihm ein großes Publikum. ORPH bringt definitiv eine eigene Farbe in die Szene!




Sea + Air
Eleni Zafiriadou (Vocals, Harpsichord, Organ Bass Pedal) und Daniel Benjamin (Vocals, Gitarre, Drums und Percussion) spielen ihren einzigen Clubgig in diesem Jahr in Deutschland zum Winter Pop Fest in Leipzig. Sie stiegen mit Songs aus Evropi ein (Lady Evropi) und My Hearts Sick Chord (Do Animals Cry?) in den Abend ein. Sea + Air haben eine eigene Ausstrahlung, die mich in die Songs zog. Sie haben ihre eigene Instrumentenwelt um sich herum aufgebaut, Eleni links und Daniel rechts auf der Bühne. Passte etwas nicht in einem der Songs, flogen schonmal im Spaß die Trommelstöcke über die Bühne. Angekündigt waren auch neue Songs, aber da ich noch eine lange Heimfahrt und einen frühen Start in den nächsten Bürotag vor mir hatte, habe ich die Schaubühne nach einer halben Stunde Sea+Air gegen Mitternacht schon verlassen müssen.




Schade, ohne die technischen Verzögerungen am Anfang des Abends hätte ich mehr von den beiden hören und sehen können.

Die erste Auflage des Winter Pop Fests ist gelungen, die Idee wunderbar und ruft nach einer Fortsetzung im nächsten Jahr.


Aus unserem Archiv:
Arpen, Karlsruhe, 30.11.14 


Orph, Beverungen, 25.05.12 
Orph, Mannheim, 19.05.12


Sea + Air, Storkow, 22.08.15
Sea + Air, Karlsruhe, 03.10.13
Sea + Air, Ludwigsburg, 30.11.13
Sea + Air, Karlsruhe, 21.07.13
Sea + Air, Mannheim, 31.05.13 
Sea + Air, Darmstadt, 03.03.13 
Sea + Air, Köln, 24.10.12

Montag, 24. August 2015

Alinae Lumr Tag 2, Storkow, 22.08.15

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2. Tag Alínae Lumr Festival - meine Auswahl
  Martin Kohlstedt 65 min
  Owen Pallett 60 min
  Sea & Air 80 min
  Ásgeir Trausti 60 min
Ort: Kirche und Burg in Storkow (Mark)
Datum:  22. August 2015
Zuschauer: 250, 500, 150, 500


Der zweite Tag hätte für mich mit einer Überraschung um 15 Uhr beginnen können. Leider kam die Nachricht darüber zu knapp als dass ich es noch von unserem Quartier nach Storkow geschafft hätte. So blieb es beim Ursprungsplan, dass ich ab dem Konzert von Martin Kohlstedt dabeisein würde. Damit hatte ich bewusst schon einiges auch für mich interessantes beiseite gelassen, um am Abend noch fit zu sein für Sea & Air und Ásgeir.


Als ich ankam, war allerdings noch genug Zeit, mich zunächst gründlich auf dem Marktplatz um zu sehen, was viel Spaß machte. Dort war munteres und fröhliches Treiben im Gange und es ergab sich die Gelegenheit zu sehr netten Gesprächen. Alles im Schatten einer gigantischen Eiche und vieler jüngerer Linden.

(c) Stephanie Eilenberger (Danke!!)
Mein erstes Konzert für diesen Tag war dann wie geplant Martin Kohlstedt in der Kirche. Zwei Reihen hinter mir saß auch Peter Broderick, der der nächste im Programm der Kirche sein würde (parallel zu Sea & Air im Saal der Burg). Eigentlich war diese mittelgroße und schlicht elegante Kirche der absolut perfekte Rahmen für diese Art von Musik, die auch sehr leise Töne umfasst und deshalb die Aufmerksamkeit ganz ungeteilt bindet. Leider zeigte sich schon gleich zu Anfang, dass das Pfund des tollen Konzertortes nicht recht wuchern konnte, weil ein ständiges Kommen und Gehen war (und ein lautloses Heraustreten aus den traditionell geschlossenen Kirchenbänken war schlicht unmöglich). 

(c) Stephanie Eilenberger (Danke!!)
Bei einem Festival mit sich überlappenden Konzerten muss man natürlich die Möglichkeit geben, nur reinzulauschen und dann auch wieder zu gehen, aber vielleicht hätte man hier eine andere Lösung suchen sollen. Z.B. Einlass nur bis Konzertbeginn und in der Mitte einmal nachrücken bzw. wieder gehen. Viele taten es dann wie ich - schlossen die Augen und versuchten die Unruhe dadurch auszuschalten und sich nur auf die Reise einzulassen, auf die Martin Kohlstedt uns mitnahm. Und die hatte es in sich. Seine Musik ist in Teilen so hoch dramatisch und dann wieder so klar und bis sie fast ein nichts wird. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das letzte Stück OMB, in dem er über den Ton - oder eher die Taste für das - A auf dem Flügel meditierte. Im Konzert zu hören waren außerdem EXA, GOL, NIO, ANT, ENT,  VET, PHY, LEH (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge).

Seine Ansagen waren eher sparsam, aber es fühlte sich so an, als würde er das Konzert, die gebannte Aufmerksamkeit und den stets enthusiastischen Applaus sehr genießen. Er ließ sich sogar zu einer kurzen Zugabe überreden, was ja bei Festivals eher nicht eingeplant ist. Jedenfalls eine wunderbare Stunde an diesem Samstag Abend für mich, die mich auch sehr neugierig auf die Person gemacht hat.


Durch Verspätungen war die Anfangszeit für Owen Pallett im etwa 7 min entfernt gelegenen Burghof schon verstrichen bevor ich mich überhaupt in Bewegung setzen konnte. Aber ich ließ mich (entgegen meinem Naturell) nicht verrückt machen. Als ich vor dem Eingang zum Burghof stand (wo man natürlich die Musik genauso gut hören konnte wie drinnen), ging gerade mit Pauken und Trompeten die Sonne unter und dem Schauspiel widmete ich für die nächsten Minuten meine ganze Aufmerksamkeit. Alle, die schon Owen Pallett live erlebt haben, werden mir zustimmen, dass dies eine herrliche Kombination ist - seine etwas verrückte und mitreißende Musik und ein so wunderbares Naturschaupiel.


Im Hof gab es eine große Gruppe, die sich wirklich vom Spektakel auf der Bühne ganz mitreißen ließ und die Musik bejubelten (neben denen weiter hinten, die es als Soundtrack zu essen, trinken uns schwatzen nahmen, was aber alles gut zusammen passte). Owen selbst machte den Eindruck, als würde er gerade von ein paar Kumpels überredet worden sein, doch etwas zu spielen. Gerade vom Ballspiel am Strand zurückgekommen und mit Sonne aufgetankt. Auf der Bühne stand er barfuß und hüpfend und schien eine gute Zeit zu haben. Freilich ist das bei ihm in dem Moment ja trotzdem voll professionell (er spielt einfach zu viele Konzerte als dass es anders sein könnte) - aber auch immer ganz auf das Publikum bezogen. Und das schloß er für diese Stunde in seine Arme. Ich konnte trotz Verspätung noch ganz leicht bis zur ersten Reihe vordringen und mich von diesem Teufelsburschen bezaubern lassen. Vom Balkon des Gebäudes mit dem Saal, sahen auch einige der anderen Künstler zu, die selbst auf dem Festival schon aufgetreten waren. Auf der Bühne war außer ihm noch sein Mann am Bass Matt Smith.


Setlist Owen Pallett
01: Audience 
02: Arctic 
03: Scandal 
04: Dog 
05: Soldiers 
06: Tryst 
07: Seven 
08: Infernal 
09: Riverbed
10: Elsewhere
11: Win & Regine 
12: Many Lives 
13: This Modern Love



nächste Tourdaten:
Lausanne 21.08.
Storkow 22.08.
Brecon Beacon 23.08.
Frankfurt 25.08.
Berlin 26.08.
Edinburgh 28.08.
Gdansk 30.08.
Bergen 02.09.
Essen 05.09.
Essen 06.09.
Raleigh 12.09.



Nach Owen, der sich ziemlich genau an die geplanten Zeiten hielt, war nun also für mich der Moment gekommen, endlich etwas mehr des neuen Materials von Sea & Air zu hören und zu sehen und auch das erste Mal den Saal als Festivalraum zu sehen. Ich denke, der Saal war für die Art Musik, die Sea & Air mitgebracht hatten, eine perfekte Bühne und obwohl wir Zuschauer mehrfach Zeugen davon wurden, wie Songs ein zweites Mal angesetzt werden mussten und auch wie eine Saite riß, fand ich das Konzert rund und gelungen.


Das neue Material hat mich sofort wieder am Haken (auch wenn ich immer noch nur Ausschnitte kenne, weil ich meine erworbene CD ohne Abspielgerät nicht hören kann) - das war wohl ganz tief drin für mich das wichtigste. Die Chemie zwischen Band und Publikum war super und fast ein bisschen übermütig und sicher haben diejenigen, die Sea & Air zum ersten mal sahen, sich in diesem Rahmen so richtig anfixen lassen können. Auch wenn es keine perfekt inszenierte Bühnenshow war. Aber die Bühne war wieder voller Instrumente wie Gong und Pauke und Cembalo/Harmonium-Multi, um nur einige zu nennen. Die beide so einsetzten, dass es einen einmaligen und wunderbar mitreißenden Sound ergab.


Daniel und Eleni gingen zum Glück flapsig über die Pannen hinweg und hatten auch sonst einige Sprüche parat: Indiekinder - willkommen im Mainstream war die Ansage zu dem Track, der schon vor erscheinen des ganz frischen Albums Evropi öffentlich gemacht worden war: Should I care. Und irgendwie stimmt das ja auch, denn es ist ein richtig hymnischer Ohrwurm. Später bei Yeah, I know sollten wir 20täusiges Publikum imitieren und entsprechend mitsingen, was wir natürlich taten und was schließlich auch zur Überbrückung für die nötige Stimmpause bei den Instrumenten (aus)genutzt wurde.


Und die Zugabe war ein von mir sehr geliebtes Lied - also ein besonderes Geschenk - in einem wieder neuen und sehr passenden Gewand. Fast sakral mit Gong und Wehklagen eingeleitet hat es mich ganz umgehauen. Zweimal musste ich sehr an Christoph denken - einmal, als sich direkt hinter mich (echt auf die Pelle gerückt nah, was im Raum nicht not tat) zwei Quatschnasen gestellt hatten, die alles auf der Bühne kommentieren mussten. Und als ich feststellte, dass das Konzert mit dem ersten Track des aktuellen Albums begonnen hatte...

Setlist:
01: We all have to leave someday
02: Lady evropi

03: Should I care
04: Do animals cry
05: hahahahahaha
06: Yeah I know
07: Pain is just a cloud
08:
09:
19: Mercy
11: Heart of the Rainbow

12: Take me for a ride (Z) 



Tourdaten:
21.08. Tübingen - Sudhaus Waldbühne
22.08. Storkow - Alinae Lumr Festival
24.08. Berlin - Klunkerkranich
25.08. Hamburg - Uebel & Gefährlich Dachterrasse
26.08. Köln - Yuca
27.08. München - Cord Club


Als ich aus dem Saal wieder in den Hof trat, war Ásgeir dabei, alle dort mit seinen isländischen Weisen zu verzaubern. Leider hat er ja inzwischen alles verenglischt, um besser verstanden zu werden... Er war mit ganzer Band auf der Bühne und etwas rockig aufgestellt (so wie ich es in Karlsruhe erlebt hatte). Und das passte sehr gut in die späte Stunde dieses Festivals. Ich war aber nur eher passiv dabei und noch mit dem bisher gehörten innerlich sehr beschäftigt. Aber auch als quasi Soundtrack habe ich die Show sehr genossen.

Aus unserem Archiv:
Tag 1
Tag 3 
Owen Pallett, Karlsruhe, 30.11.14
Owen Pallett, Köln, 29.11.14
Owen Pallett, Dresden, 17.06.14
Owen Pallett, Paris, 11.12.12
Owen Pallett, Düsseldorf, 26.05.12
Owen Pallett, Eindhoven, 11.11.11
Owen Pallett, Köln, 23.06.11
Owen Pallett, Paris, 22.02.11
Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11
Owen Pallett, Paris, 01.06.10
Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10

Sea + Air, Karlsruhe, 03.10.13
Sea + Air, Ludwigsburg, 30.11.13
Sea + Air, Karlsruhe, 21.07.13
Sea + Air, Mannheim, 31.05.13
Sea + Air, Darmstadt, 03.03.13
Sea + Air, Köln, 24.10.12

Ásgeir Trausti, Karlsruhe, 08.07.13 



Dienstag, 31. Dezember 2013

Sea & Air, Mannheim, 31.05.13

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Konzert: Sea & Air
Ort: Maifeld Derby, Parcours d'Amour
Datum: 31. Mai 2013
Dauer: 45 min


Meine Bewunderung für die Musik von Sea & Air reicht schon ins Jahr 2006 zurück. In eine Zeit als das Projekt noch Daniel Benjamin hieß. Damals sahen wir uns im offenen Jugendtreff von Bad Lippspringe. Headliner waren die unfassbar guten Lampshade. Es war ein Abend wie aus dem Märchen - und das mitten in der Provinz. Mir blieb der Mund offen und das Herz noch lange danach groß. Soooo soo froh waren wir darüber, dass wir den Tipp gefunden hatten und uns auf den Weg gemacht. 


Die Jahre gingen hin, es gab immer wieder neue Musik, Ansatzpunkte, Kontakte und dann nach unserem Umzug nach Karlsruhe sogar die Gelegenheit, Sea & Air endlich wieder einmal live zu sehen im Vorprogramm von Herrenmagazin im Jubez. Das war wohl auch der Zeitraum, wo sich die beiden zu dem Unternehmen durchrangen, mit neuem Namen und der neuen Musik gaaaaanz viele Konzerte zu geben (von 2 Jahren Tour war die Rede). In den Jahren 2011 und 2012 habe ich viele gesehen und doch gibt es hier noch keinen Bericht über Konzerte von Sea & Air von mir vor diesem Termin beim Mannheimer Derby. Manchmal ist das Schicksal eben echt link... 


Denn als Berichterstatterin hier trat ich im Dezember 2011 erstmals auf und brauchte dann noch etwas Anlaufzeit bis in den Sommer 2012, bis es "ernst" wurde. Just da klappte es mit den Liveerlebnissen von Sea & Air und mir nicht mehr so recht. Deshalb war das Konzert der beiden hier beim Derby für mich auch so ein Stück weit eine ganz besondere Wunscherfüllung und ein herbeigesehnter Moment. Endlich mal wieder - mit etwas Abstand zu sehen, was nun aus der Musik geworden ist. 


Und was war das eine intensive dreiviertel Stunde, die wir da zusammen hatten!  Natürlich ist der Parcours d'Amour für solche Musik ein prima Ort gewesen: recht aufmerksames Publikum und alle mit guter Sicht auf die Bühne. Da war auch das quasi rituelle Geschehen und die witzigen Einlagen mit Rockerpose und ohne gut untergebracht. Aber darüber hinaus hatte ich auch das Gefühl, dass die beiden hier in Mannheim mit ganz besonderer Spielfreude dabei waren. 


Die Kürzung des Programms auf Festivallänge (noch verschärft wegen des langen Soundchecks) führte auch auf eine Setlist der "greatest Hits" und machte die Verdichtung damit wohl auch besonders spürbar für mich. Ob sie es sich selbst beweisen wollten oder sie der Sturm anpeitschte oder die vielen Musikerkollegen im Publikum - jedenfalls war es eine unglaublich kraftvolle Performance. Das Publikum ließ sich mitnehmen und klatschte und lachte und trampelte. Was für ein tolles Erlebnis! Einer der schönsten Momente des Maifelds für mich in jedem Fall.



Setlist:
01: Take me for a ride
02: Dirty love
03: Do animals cry
04: Mercy Street
05: Yeah I know
06: Dig
07: The heart of the rainbow 

Aus unserem Archiv:
Sea & Air, Köln, 24.10.2012 
Sea & Air, Darmstadt, 03.03.2012

Meine weiteren Bilder vom zweiten Maifeldtag:




Donnerstag, 5. Dezember 2013

Sea + Air, Ludwigsburg, 30.11.13

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Konzert: Sea & Air mit special guest Honig (solo)
Ort: Schlagzeugmuseum in Ludwigsburg
Datum: 30. November 2013
Dauer: 45 min und 85 min
Zuschauer: etwa 100


Eine Ära geht zu Ende. Sea & Air sind mehr als zwei Jahre am Stück fast nur auf Tour gewesen mit ihrem Album My Heart's sick cord. Es war Ehrensachen, dass ich bei einer ihrer Homecoming shows rings um Stuttgart dabeisein wollte. Am besten passte es auf den Samstag in Ludwigsburg. Sehr willkommen war auch, dass Stefan Honig mit den beiden unterwegs sein würde. Ihn wollte ich schon längst wieder gesehen haben - der Auftritt beim Burning Eagle Festival in Reutlingen war mir nur zu gut in Erinnerung und zu lange her.

Draufgabe für den Abend war es außerdem, dass ich ihn mit lieben Freunden und der Familie teilen konnte. 

Foto von Fabian (Danke!)
Als wir das Schlagzeugmuseum gefunden hatten, waren wir erst einmal etwas ernüchtert. Der Raum war ziemlich kalt und das nicht nur von der Temperatur her. Der Abend in der Nürtinger Kirche wäre vielleicht doch die bessere Wahl gewesen? Einziger Vorteil war, dass alle sehr nah an der Bühne sitzen konnten und es schon richtig gut voll war. Damit war es doch wieder intim. Die Musik begann sehr pünktlich mit einem mitreißenden Set durch Stefan Honig.



Ich kannte die Musik bisher nur mit Band und ab und zu fehlte mir dann auch etwas Schlagzeug und der Martin und die Julia. Was ein bißchen unfair ist so zu schreiben, denn auch Solo sind die Songs natürlich erste Sahne und mit Gitarre und Ukulele ganz wunderbar anzuhören. Die Ansagen waren sympatisch und sparsam. Bei genauem Hinschauen sah man: der ganze Saal fraß ihm aus der Hand - egal ob man ihn vorher kannte oder nicht.

Deshalb musste er dann auch eine Zugabe spielen. Special eben und guest.

Setlist Honig
1: Burning down bookshops
2: Swimming Lessons (New song)
3: This Old House
4: For Those Lost at Sea (mit Daniel von SEA+AIR)
5: Hometowns
6: Homesick (Radical Face cover)
7: Overboard (New song)
8: In My Drunken Head
9: The golden Circle (New song)

10: Brand New Bike (Zugabe)


Empfohlen seien hiermit ein weiteres Mal die
About songs Tourdaten
(Honig, Town of Saints, Dad Rocks)


04.12. Hannover  Lux
05.12. Bielefeld  Falkendom
06.12. Leipzig  Horns Erben
07.12. Erfurt  Franz Mehlhose
08.12. Göttingen  Heimathafen im Pools
09.12. Münster  Pension Schmidt
10.12. Köln  Wohngemeinschaft
11.12. Berlin  Grüner Salon
12.12. Hamburg  Nachtasyl



Bis zum Set von Sea & Air wurde gar nicht sehr lange gefackelt. Die Schlange am Merch bei Stefan Honig war noch gar nicht ganz abgearbeitet, da ging die Messe auf der Bühne schon los. Mit angestrichenen Glocken und entzündetem Streichholz und den mir inzwischen so sehr vertrauten Liedern. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Version von Sea after the storm, die anders und wild rockig war. Den Abschluß durfte dann wieder das Herz erlösende You are love bilden - diesmal auch als Abschied für etwas länger. 



Vielen Dank für diese 2 1/2 Jahre, in denen ich oft nah dran sein konnte und durfte und in denen sich die Lieder immer noch nicht abgenutzt haben.


Setlist Sea + Air
1: Take me for a ride
2: You and I
3: Do animals cry
4: Mercy street
5: You don't care about me
6: I looked for the one
7: Pain is just a cloud
8: Dirty love
9: Sea after the storm
10: Heart of the rainbow

11: Schlüsselklingel-Intro (Z)
12: You are love (Z) 


Aus unserem Archiv:
Konzertankündigung  
Honig, Reutlingen, 27. Juli 2013
Honig, Köln, 22. Oktober 2012
Honig, Köln, 30. November 2009 
Sea & Air, Karlsruhe, 3. Oktober 2013 
Sea & Air, Karlsruhe, 21. Juli 2013
Sea & Air, Mannheim, 1. Juni 2013
Sea & Air, Köln,  24. Oktober 2012 
Sea & Air, Darmstadt, 03. März 2012


Freitag, 4. Oktober 2013

Sea + Air, Karlsruhe, 03.10.13

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Konzert: Sea + Air mit special guest Leif and the future
Ort: Jubez in Karlsruhe
Datum: 3. Oktober 2013
Dauer: 40 min + 80 min
Zuschauer: 200 




Auf diesen Abend im Jubez hatte ich mich schon ein paar Monate sehr gefreut. Das Jubez liegt für mich sehr bequem, ich mag die Räumlichkeiten dort und Sea + Air kann ich nie genug live sehen. Zusammen mit Leif and the Future war es überdies der Abend der Wortspieler-Bandnamen. Dieser "Doppelpack" war schon für einige Wochen zusammen unterwegs gewesen und hatte in Karlsruhe den Abschiedsabend. Leif würde nach Norwegen zurückkehren. Seine CDs waren schon am Vorabend ausverkauft gewesen...



Gut gefüllt zeigte sich schließlich der große Saal in freudiger Erwartung. Aus einigen Gesprächen ringsumher konnte ich entnehmen, dass viele anwesend waren, die auch schon beim Fest die Band gesehen hatten. 



Der special guest passte mit seiner Musik nicht so recht zur Bestuhlung des Konzertes, zelebrierte er doch intravenös injizierte Tanzrhythmen. Die Lösung fand sich recht schnell. Von der ihm entgegenströmenden Sympathie angestachelt, bat er zum zweiten Song direkt, doch alle aufzustehen. Und schon passte alles. Zusehen machte mir großen Spaß - ich hatte das Gefühl, dass Leif ganz körperlich diese Musik verströmte und auch versuchte, die Vibes des Publikums zu erspüren. Es hielt ihn auch auf Dauer nicht hinter seinem Keyboard. Mehrfach trat er an den Bühnenrand und schließlich musste er ins Publikum hinein.


Es wurde sehr nett zwischendurch geredet und das zum großen Teil sogar auf Deutsch und humorvoll und selbstironisch. In den besten Momenten wurde ich daran erinnert, warum ich Depeche Mode mal so gut fand. Die Schublade passt natürlich nicht perfekt, aber gibt vielleicht eine Idee, in welche Richtung es ging. Ich mag die meiste aktuelle Dance-Musik gar nicht, weil mir oft im Rhythmus das Lebendige der Musik verloren geht. Aber hier, war alles super lebendig und spürbar. Was für ein Auftakt! Das Publikum wünschte sich sehr - aber vergeblich - eine Zugabe.


Sea + Air ließen uns auch nur lange genug Zeit dafür, ein Bier zu holen und zelebrierten "wie gewohnt" ihre Show mit Musikeinspielung, Einmarsch, Licht entzünden, Glockenschlag. Da weiß man gleich wieder, warum man diese Band einfach mögen muss. Das Publikum war sofort dabei und begleitete sie begeistert durch den ganzen Abend. 



Die größte Freude machten sie mir mit zwei für mich neuen Liedern I looked for the one und Pain is just a cloud. Besonders letzteres war destillierte Gänsehaut. Einfach nur wunder-wunderschön. Aber auch von den lieb gewordenen Songs (z.B. Mercy street und You are love aber auch das live so herrlich verrückte und ausladend inszenierte Do animals cry) ließ ich mich ergreifen und genoss noch einmal bewusst die Show.



Wir durften mitsingen, ein kleines bisschen intelligent mitklatschen und Schlüssel klappern und uns glücklich machen lassen. Was will man mehr?

Setlist Leif and the future
1: New beat
2: Kids Nr. 2
3: Walked away
4: Remember
5: What you gave me
6: Neon Ethics



Setlist Sea + Air
1: Take me for a ride
2: You and I
3: Do animals cry
4: Mercy street
5: You don't care about me
6: I looked for the one
7: Sea after the storm
8: Pain is just a cloud
9: Dirty love
10: Heart of the rainbow

11: Schlüsselklingel-Intro (Z)
12: You are love (Z) 


Aus unserem Archiv:

Sea & Air, Karlsruhe, 21. Juli 2013
Sea & Air, Mannheim, 1. Juni 2013
Sea & Air, Köln,  24.10. 2012 
Sea & Air, Darmstadt, 03.03. 2012


Mehr Fotos:





Donnerstag, 25. Juli 2013

Sea & Air, Karlsruhe, 21.07.13

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Konzert: Sea & Air
Ort: Karlsruhe Das Fest - Feldbühne
Datum: 21. Juli
Dauer: 90 min
Zuschauer: etwa 1500


Autsch war das wieder eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Sea & Air in Karlsruhe bei Das Fest - bequemer kann man es ja nicht haben (in Karlsruhes schönster idyllischer Ecke, umsonst und draußen nämlich). Dann waren aber Freitag und Samstag die Fotos in der Zeitung, die mir wieder deutlich in Erinnerung riefen, wieso Das Fest mich eigentlich total abschreckt. Nix spektakuläres oder schlimmes - nur sehr, sehr viele (nämlich pro Tag etwa 80.000) Menschen, die sich in der Hitze aneinander vorbeischieben und sich dicht an dicht drängen. Und der Sonntag hatte es ganz besonders in sich: Selbst in meinem grünen Baumschattenreich kam ich mir vor wie ein Schnappkarpfen, der es im Schatten nur gerade so aushielt. Mir war die ganze Freude auf Sea & Air vergangen und hätte ich nicht Besuch dagehabt, mit dem wir den Konzertabend schon fest auf den Plan gesetzt hatten, ich hätte wahrscheinlich gekniffen. Und das wäre verdammt schade gewesen!


Wie die Fotos hier vielleicht andeuten, war es nämlich ein rundum schönes Konzerterlebnis. Beim losfahren kurz vor 19 Uhr fing die Tageshitze endlich an nachzulassen. Wir parkten unsere Fahrräder, schoben uns am Gebrüll von Gentleman (*) hinterm Hügel vor der Hauptbühne vorbei und landeten schließlich ziemlich zielgerichtet (weil sich mein weitgereister Besuch auskannte!) zum noch laufenden Soundcheck vor der Feldbühne im Schatten zwischen lauter tiefenentspannten Leuten. Sehr nett, wenn einem noch im hinsetzen ein Gruß von der Bühne zugewinkt wird...


Eleni und Benjamin hatten auf der Fahrt Pech gehabt - das Auto war unterwegs verschieden und es musste schnell ein Mietwagen her. Aber das ließen sie sich natürlich nicht anmerken. Beim Soundcheck gab es mehrere rockige Einlagen um zu testen ob alles sitzt. Das provozierte Applaus, der aber von der Bühne her abgeleht wurde: Lest mal Euren Knigge - beim Soundcheck schon  klatschen ziemt sich nicht. 

Schließlich war endlich alles so, wie es sein sollte und 19:45 Uhr begann der Auftritt von Sea & Air mit dem Ritual: Eingespielte Streichmusik, gegenüber aufstellen, ansehen, Streichhölzer anzünden, verneigen und auf die Plätze gehen. Feierlich durften die Glocken klingen. Sofort herrschte gespannte Aufmerksamkeit vor der Bühne.


Das erste Stück Take me for a ride war diesmal betont langsam und wirkte auf mich noch etwas unsicher. Aber die Befürchtungen meinerseits, dass das mit der großen Bühne vielleicht doch nicht so gut funktioniert, wurden anschließend komplett zerstreut: Daniel und Eleni zeigten ihre Entertainerqualitäten und nahmen das Publikum damit komplett für sich ein. Geflüsterte Ansagen vom hot sexy dance song vor Do animals cry gaben echte Gluckslacher und natürlich gab es wieder eine ordentliche Rockereinlage an allen Instrumenten und anschließend johlenden Applaus.

Als anschließend der Umbau ein bisschen länger dauerte und das Publikum drohte darüber unruhig zu werden, kriegten die Dreckbadenser die Aufgabe das Badener Lied zu singen. Das funktionierte gar nicht so schlecht. Als weitere Anweisung gab es anschließend buht uns nach dem Stück einfach aus! (als Rache für die Beschimpfung als Drecksbadenser). Aber nachdem wir alle so schön innig "uhhhhh" mitgesungen hatten als Backvocals bei Save me from harm wurde das mit dem ausbuhen nicht so recht überzeugend.


Emotionaler Höhepunkt für mich wurde Yeah I know. Als Daniel bei Dirty love zunächst einen Fehlstart hatte, rief er dem verpatzten Moment im breitesten sächsisch hinterher das war geil - soll ich das nochmal machen? Und grinst wie ein Lausbub. So zieht man Lacher aus dem eigenen Missgeschick. Leider gab es natürlich keine Möglichkeit für das innige Sea after the storm, den Beat da hinten (von der Hauptbühne) mal auszuschalten, wie sich das Daniel wünschte. Als Rache stellten sie sich und dem Publikum die Aufgabe, mehr Facebook Freunde als die Söhne Mannheims zu kriegen (die inzwischen auf der Hauptbühne dran waren). 




Das Ende des regulären Sets ist and diesem Abend Heart of the Rainbow in rasanter Rockerattitüde. Das anschließende begeisterte Klatschen mündete zum Glück in einer Zugabe. Diese begann mit einer langen vertrackten Geschichte, die schließlich in die  Aufgabe mündete, mit den Schlüsselbunden einen Syrtaki-Rhythmus zu übernehmen, was prima klappte. Sage noch einer, die Karlsruher hätten den Rhythmus nicht im Blut! Ein traumhafter Abschluss dieses wunderbaren emotionalen Abends bildete schließlich mein Lieblingslied You are. 



Das Konzert hat vielen gefallen, denn der Merchstand blieb lange dicht umlagert. Nun ist die nächste Aufgabe, in Erinnerung an den wunderbaren Auftritt bei Das Fest auch am 3. Oktober das Jubez in Karlsruhe ordentlich zu füllen!

Im zurückgehen über das Gelände der Günther-Klotz-Anlage musste ich zugeben, dass der Fleischberg unterm aufgehenden (fast) Vollmond schon magisch aussieht. Dort vor der Hauptbühne stehen will ich trotzdem immer noch nicht so gern.



(*) Gentleman hat nicht gebrüllt, aber es wurde wieder so sehr verstärkt, als sollte niemand in Karlsruhe den Auftritt verpassen. Sogar im Schallschatten hinter dem Hügel auf dem die Zuschauer stehen und auf die Bühne schauen, brauchte man Hörschutz.

Setlist:
01: Take me for a ride
02: You and I
03: Do animals cry
04: Mercy Street
05: You don't care about me
06: Safe from harm
07: Yeah I know
08: Dirty love
09: Sea after the storm
10: Heart of the rainbow

11: You are (Z)


Aus unserem Archiv:
Sea & Air, Mannheim, 1. Juni 2013
Sea & Air, Köln,  24.10. 2012 
Sea & Air, Darmstadt, 03.03. 2012

Mehr Fotos:





Dienstag, 4. Juni 2013

Maifeld Derby Tag 1, Mannheim, 31.05.13

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Meine Konzertauswahl:  
  Garda (35min), 
  Scout Niblett (45min), 
  Daughter (60min), 
  Sea & Air (45min), 
  Enno Bunger (50min), 
  The Notwist (80min)

Ort: Mannheim Reitstadiumgelände/Maimarkt
Datum: 31. Mai 2013 (Freitag, erster Festivaltag)




Ich bekenne: Ich habe für dieses Jahr Maifeld Derby ein Scheuklappenticket gekauft. Das heißt, ich habe den Organisatoren des Festivals blind vertraut.  Seit den allerersten Namen der Headliner bis hin zu dem später aufgemachten großen Sack Ankündigungen war ich großartig für dieses Vertrauen belohnt worden und freute mir ein Loch in den Bauch. Das einzige Problem in den drei Tagen würde wohl sein, dass ich nicht alle Bands sehen können würde, die ich wöllte, da sie auf zwei Areale verteilt zum Teil zur gleichen Zeit auf der Bühne sein würden (es gibt noch ein drittes Areal, da war zum Glück für mich keine Dopplung dabei). Nun gut, damit würde ich leben müssen - auch damit, dass das Festival wohl eigentlich nicht ganz in meine Wohlfühlgröße fällt. Dafür aber nah und mit der Aussicht, in der Regel nach Hause fahren zu können über Nacht. Und natürlich mit diesem grandiosen Lineup.


Über das Wetter rede ich hier explizit nicht auch wenn es am ganzen Freitag viele Dinge deutlich beschwerlicher machte. Im Großen und Ganzen kam ich noch gut davon und hatte für die Fahrradstrecken nur mit wenig Regen zu tun. Mein erstes Abenteuer mit Bezug zum Festival war es, mit meinem Fahrrad in den Zug einzusteigen (im ersten Versuch keine gute Tür erwischt, das aber beim nächsten Halt per Sprint korrigiert). Anschließend stellte ich mich der Herausforderung, den richtigen Weg von Mannheim-Neckarau zum Maifeld zu finden. Ich lade herzlich ein, sich das mal auf google maps anzusehen. Es sind keine 3 km, aber es liegen mehrere vierspurige Straßen, eine Autobahn und ein gigantisch breiter Güterbahnhof dazwischen. Zum Glück gibt es tatsächlich einen Radweg mit Brücken und Unterführungen, aber natürlich keine Ausschilderung und vor Ort sah alles doch etwas anders aus als ich nach den Bildern erwartet hatte. Ich muss aber einen sehr selbstsicheren Eindruck gemacht haben, denn an einer Ampel wurde ich von zwei anderen Radlerinnen angesprochen, ob ich den Weg zum Maifeldgelände wüsste. Zusammen haben wir das dann auch ohne große Umwege echt gut hingekriegt! 


Auf dem Gelände angekommen war ich positiv überrascht, dass es tatsächlich eine Art bewachten Fahrradparkplatz gab (mein Fahrrad war das Erste!) aber richtig durchdacht war es nicht, denn man konnte die Räder nur an die Gitterwand stellen und es war viel zu wenig Platz vorgesehen. Zum Glück war mieses Wetter, sonst hätte ich wohl mein Fahrrad abends nie wieder ausgegraben bekommen. Auch so wurde es tatsächlich eng! Einlass ging flott, aber es traf mich einigermaßen hart, dass ich mein Anglerhöckerchen (so ein superleichtes mini-Dreibein, das man eins-fix-drei wieder zusammenschiebt und dann ist es nicht größer als eine große Taschenlampe) aus Sicherheitsgründen nicht mit aufs Gelände nehmen durfte. Wie sollte ich bei dem Konzertmarathon bittesehr auch einmal verschnaufen können? Da trafen brutal zwei Welten aufeinander: Security (ich mach das schon 20 Jahre und bei Rock am Ring usw.) und ich (100 Konzerte pro Jahr und habe noch nie diesen Hocker abgeben müssen). Ich brauche nicht zu sagen, wer am längeren Hebel saß.



Auf dem Gelände war schon einiges los, obwohl gerade erst die erste Band (Waterford) ihr Set auf der Open Air Bühne begann. Superschön war es, gleich vielen bekannten Gesichtern zu begegnen, ein Schwätzchen zu halten, auch überrascht zu werden: Du hier! Darüber hinaus schon gleich viele Musiker im Publikum entdeckt. Und als Garda ihr Set begannen, war ich glücklich und angekommen und gespannt. Ich wusste von einer Unterwegsmeldung, dass sie heut zu viert spielen würden. Das war aber wohl nicht so geplant gewesen. Zwei Garda Musiker hatten sich der fiebrigen Rüsselpest ergeben müssen und die Viererbande auf der Bühne 

Kai Lehmann ~ Guitars, Vocals
Ronny Wunderwald ~ Drums, Percussions
Frank Heim ~ Guitars, Pedal Steel
Karsten Pretschner ~ Bass


musste nun erst recht beweisen, dass sie Open-Air-Festivaltauglich aufspielen können.  Mit einem regelrechten Trommelfanal gleich zu Beginn ließen sie daran auch keinen Zweifel und zeigten expressive Emotionen und Druck. Die mir ja gut bekannten Lieder wieder in einem neuen gut passenden Gewand! Die Ansagen und das Partyprogramm bekamen dafür nicht so viel Zeit eingeräumt, damit in die vorgesehenen 35 min möglichst viel Musik passte. Für sie selbst fühlte es sicher nur wie ein Kompromiss an, aber vor der Bühne war ich mit dem Auftritt als persönlichem Auftakt mehr als zufrieden. Es war schon mal eine sichere Bank: das Kommen hatte sich wirklich gelohnt! 

Setlist Garda
1) Chest
2) Upper lower water course
3) Oh Euphoria, my dear
4) A guilty conscience needs no accuser
5) Vessels
6) This city is ours
7) 00:00
8) State



Ich wollte dieses schöne Erlebnis auch nicht mit Stichproben anderer Konzerte zudecken, sondern blieb gleich vor der Bühne für die sehnlichst erwartete Scout Niblett stehen. Habe also den ganzen Umbau beobachtet und die Vorfreude wachsen lassen. Über den Auftritt hat Christoph einen ausführlichen Bericht verfasst, dem ich mich vollinhaltlich anschließen kann. Ich fand die 45 min auch sehr stark und sie werden mir in Erinnerung bleiben und zu weiteren Konzertbesuchen anstacheln. Sie ist eine eindrückliche Person mit zwar sehr kantigen und teilweise zornigen Liedern, aber darin doch nahbar und einladend.



Anschließend gab es meinen ersten Ausflug ins Palastzelt. Der erste Eindruck war einfach umwerfend und WOW. Bisschen dunkel vielleicht, aber ein toller Raum für Konzerte. Da konnte sich auch jeder einen genehmen Platz suchen und sich vor der Bühne drängeln oder mit Abstand zum restlichen Publikum aufstellen. Wirklich eine Supersache so ein Konzert im Zelt. Die Lobeshymnen auf Daughter singen hier im Konzerttagebuch ja auch andere laut und schön. Für mich war es mehr so ein: bei dieser Gelegenheit muss ich mir das wenigstens auch einmal anschauen. Es war ein guter Eindruck, aber für mich (auch im Vergleich zum gerade erlebten) nicht  mitreißend genug für ein Aufmerken. Wobei die Sängerin als Person schon auch für mich faszinierend anzusehen war.


Mein nächster Termin waren Sea & Air im sogenannten Parcours d'amour. Sie waren noch beim Soundcheck, aber ich konnte mir einen guten Platz unmittelbar vor der Bühne sichern. Oben wollte ich mir noch einen lokalen weißen Wein mit auf meinen Platz nehmen. Zum Glück hatte jemand Getränkebons übrig und hat mir die nötige Zahl weiterverkauft, dass der Plan umsetzbar war. Zu einer Wechselstelle im großen Gelände zurück zu laufen, kam unter den Tagesbedingungen gerade nicht in die Tüte...

Hier war er, der Moment, wo ich ganz selbstvergessen bei mir und der Musik sein konnte. Der persönliche Höhepunkt des Tages, der einen eigenen Bericht verdient. Noch ganz geflasht wollte ich hinterher warten bis die Massen die Tribüne verließen, um dann (heiß ersehnt!) Cocorosie im Zelt zu sehen. In der Zwischenzeit bauten Enno Bunger auf 


und ... auf einmal war mir nach sitzen bleiben. Schade um Cocorosie, aber schade auch um Enno Bunger und dass sich die Entscheidung für mich als richtig erwies, ist hier schon dokumentiert. Der Parcours mit Sitzplätzen und ohne drängeln war einfach zu schön und das Programm sowieso.


Ein bisschen wehmütig trennte ich mich dann währned des Soundchecks von Kat Frankie. Aber ich MUSSTE jetzt etwas essen. Seit 12 Uhr hatte ich nichts mehr gehabt und mittlerweile war es immerhin 22 Uhr. Leider war das kein guter Plan. Erst verwzeifelte ich fast darüber, im Dunkeln und im Schlamm den Ort für die Pfandrückgabe zu finden und dann stand am Essen so eine lange Schlange, dass ich bis zu The Notwist nicht mehr dran gekommen wäre. 


So drehte ich ab ins Zelt, sah noch bei den letzten Handgriffen des Soundchecks zu und ließ mich dann bei The Notwist einpuckern. Darauf hatte ich mich auch ganz besonders gefreut. Seit dem Konzert in Düsseldorf habe ich zumindest von der Neon Golden Scheibe viele Songs aus dem Kopf drauf. Nicht umsonst gab es hinterher eine Statusmeldung in meinem Freundeskreis: Vielen Dank für das schöne Mitgrölkonzert. Klingt erst einmal etwas seltsam, zumal die Live-Umsetzung noch viel frickeliger und Beat-lastiger war als auf der Konserve gewohnt. Zum Tageshöhepunkt wurde das Konzert dann aus mehreren Gründen doch nicht so recht. Erstens war ich wirklich kaputt und vermisste sehnlichst meinen Hocker. Zweitens waren ringsum viele Raucher, und drittens zu viele so angetrunken, dass sie sich vor lauter Freudentaumel vergaßen oder total hemmungslos durchs ganze Konzert schwatzten und lachten. Hinter mir stand einer, der mir jedes Mal direkt ins Ohr kreischte und mich ständig rumschubste. Er hat das einfach nicht mehr mitgekriegt. Ringsum schaute ich in viele selbstvergessene und glückliche Gesichter, aber mir war es einfach nur noch anstrengend.


Es ist nicht so einfach, ein ehrliches Fazit zu ziehen, das nicht nur Plattitüden liefert, und trotzdem nicht kleinlich wirkt. Vielleicht so viel: Die Fahrt nach Mannheim hat sich an diesem Tag mehr als gelohnt. Dafür ein riesiges Dankeschön an die Organisatoren! Als Kleinode für das ganze Konzertjahr bleiben sicher meine beiden Shows im Parcours d'amour. Dazu hat mir das Festival den persönlichen Gefallen getan, endlich Scout Niblett zu sehen und sie hat ein wirklich tolles Konzert gespielt. Dazu ein Wiedersehen mit Garda (bisher immer Highlight-Garant) in toller Form. Und die ersehnten The Notwist. Kein einziger Timeslot blieb nicht aufs beste musikalisch gefüllt - echt nur Qual der Wahl.

Andere Sachen waren nicht so gut. Eigentlich hat man als normaler Mensch wirklich keine Chance, das ganze Lineup zu sehen, weil es keine Möglichkeit gibt, sich zwischendurch mal zu verschnaufen. Auf den Boden setzen war nun mal leider keine wirkliche Option. Im Ernst hätte ich mir The Notwist eigentlich schenken können, weil ich total kaputt war. Das klingt jetzt sehr kritisch. In Wirklichkeit ist es ja so, dass die meisten total geflasht und glücklich dastanden und eine Aura des Glück um sich hatten, die einfach nur ansteckend war. Aber es reicht dann ein Idiot auf 20 Leute, der rücksichtslos ist und das nicht merkt und auch auf Hinweise nicht mehr reagieren kann und meine Aura des Glücks ist dahin. 

Zweite Kritik betrifft Essen und Trinken. Durch das sagenhafte Lineup bleibt eigentlich keine Zeit dafür. In keinem Fall aber bleibt Zeit, um sich an eine riesige Essens-Schlange anzustellen oder im Dunkeln mit einem Pfandbecher durch knöcheltiefen Matsch sinnlos herumzulaufen um herauszufinden, wo ich den wieder los werde.

Mehr Maifeld Derby 2013 aus unserem Archiv:
Gudruns Bericht Tag 1
Gudruns Bericht Tag 2
Gudruns Bericht Tag 3
Thees Uhlmann (Tanita)
Útidúr 
Kevin Devine (Christoph) 
Enno Bunger
Daughter (Christoph)
Scout Niblett (Christoph)
es folgen noch Berichte zu The Notwist, Efterklang und Sea & Air
 
Weitere Fotos vom ersten Maifeld Derby Tag:


 

Konzerttagebuch © 2010

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