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Montag, 1. August 2016

Enno Bunger, Karlsruhe, 30.07.16

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Konzert: Enno Bunger und Band
Ort: Tollhaus in Karlsruhe (im Rahmen des Zeltivals)
Datum: 30. Juli 2016
Dauer: 105 min
Zuschauer: 150


Ich bin ein analytischer Mensch und versuche möglichst viele Dinge in Ursache und Wirkung zu verstehen. Ich denke im Großen und Ganzen bin ich ganz gut darin, aber warum mich ausgerechnet die Musik von Enno Bunger so fängt, kriege ich auch nach dreieinhalb Jahren noch nicht wirklich heraus. Denn ich mag nur wenige Sänger, noch weniger deutsche Texte und Singersongwriter-Material als Band, da ist bei mir definitiv das Ende der Geduld erreicht (zumal das häufig genug im angebrüllt werden endet).


Ich habe jedoch den Verdacht, dass es vor allem daran liegt, dass ich Enno Bunger seine Lieder abnehme als wahr und zutiefst ehrlich und ich live seine schwarzhumorigen Ansagen liebe, in denen er eine innere Distanz aufblitzen lässt, die mir zutiefst sympathisch ist. Dieses Vertrauen wurde bei der TV-Noir-Tour (gemeinsam mit Me and my drummer) 2013 begründet und hat einige Entwicklung und Überraschungen durchgemacht. Seine Texte sind halt auch ziemlich gut und musikalisch packte er schon so das eine oder andere Kleinod für mich aus. 
 

Als es beim Maifeld 2013 ein Finale mit Onno Dreier und Akkordeon im Publikum gab, bei dem keine Auge trocken blieb oder bei der Seebühnenregatta in Mannheim 2014 auf einmal überraschend die Bungersche Musik mit Bums und einer Hundertschaft Künstler auf der Bühne zelebriert wurde und es einfach nur toll und passend war zum Beispiel. Oder kurz bevor es mit dem aktuellen Album richtig ernst wurde, im Wohnzimmerformat einfach alles passte.
 

Das sind Erlebnisse und "Guthaben-Punkte", wegen derer ich mir das Finale dieser Tour in großer Besetzung "mit Synthies und Strobos" beim Zeltival Karlsruhe auf keinen Fall entgehen lassen wollte. Im aktuellen Quartett durch Nils Dietrich (Schlagzeug), den so vielseitigen Philipp Makolies (Gitarre) und Onno Dreier (Synth) verstärkt. Dabei die große Geste, wo es passt, aber nie musikalisch zugekleistert. Oft wurde mit Herzschlag-Rhythmus gearbeitet. Natürlich gab es auch ein paar Geschichten. Z.B. über die Anfangszeit und Konzerte in Karlsruhe im Radio Oriente, wo auf der Bühne mehr Leute als im Publikum waren. 


Seitdem ist viel geschehen. Außer in halbfertigen live-Fassungen hatte ich von der neuen Platte noch nicht recht Notiz genommen. Das wurde nun nachgeholt, denn die Setlist umfasste alle neuen Lieder, dazu noch ein paar meiner Lieblingslieder und alles in allem wurde fast zwei Stunden ziemlich Gas gegeben. Sehr gepackt haben mich tatsächlich die beiden ersten Songs, auch wenn sie mich durch das fast Sprechgesangs- und zum Teil Mantra-mäßige eigentlich hätten abschrecken können. Bis zum Song Herzschlag war ich ziemlich beglückt. 


Dann gab es eine Phase, wo ich gewisse Längen empfand und nicht mal mein wirklich Lieblingslied Am Ende des Tunnels kriegte mich so richtig - leider auch nicht andere Lieblinge wie Regen und Ich möchte noch bleiben, auf die ich innerlich schon als Gänsehaut-Finale gewettet hatte. Dafür brachte Wo bleiben die Beschwerden noch einmal mein Herz zum lauter schlagen. Nun gut, immerhin die erste Hälfte des Konzerts war für mich wirklich großes Kino gewesen!


Es sind Tourdaten der leiseren Töne im Dezember versprochen (siehe unten) und davor kann man es noch beim Golden Leaves Festival in Darmstadt probieren.

Setlist:
01: Renn!
02: Scheitern
03: Zwei Streifen
04: Pass auf dich auf
05: Blockaden
06: Abspann
07: Roter Faden
08: Herzschlag
09: Heimlich
10: Nicht immer alles jetzt
11: Am Ende des Tunnels
12: Die Flucht
13: Wo bleiben die Beschwerden?
14: Regen
15: Neonlicht

16: Klumpen (Z)
17: Ich möchte noch bleiben (Z)
18: Hamburg (Z)



Aus unserem Archiv:
Enno Bunger, Montabaur, 20.10.14
Enno Bunger, Montabaur, 20.10.14
Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14
Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14
Enno Bunger, Frankfurt, 11.11.13
Enno Bunger, Mannheim, 31.05.13
Enno Bunger, Offenbach, 09.05.13
Enno Bunger, Stuttgart, 19.03.13
Enno Bunger, Karlsruhe, 31.01.13
Enno Bunger, Darmstadt, 27.01.13





Samstag, 25. Oktober 2014

Enno Bunger, Montabaur, 20.10.14

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Konzert: Enno Bunger Wohnzimmertour
Ort: Wohnzimmer von Ursula und Dirk in Montabaur
Datum: 20. Oktober 14
Dauer: 100 min
Zuschauer: über 30

Maifeld 2103
Ich werde so oft interessiert gefragt, warum ich Wohnzimmerkonzerte veranstalte. Stets komme ich dann ins stottern.  Die einfachste und zugleich aufrichtige Antwort wäre: Um Abende zu erleben wie diesen. Künstler, die ihrem Publikum ins Gesicht schauen, es ansprechen und ernst nehmen. Manche schaffen auch vom Podium der Bühne aus, diese Illusion zu erzeugen. Aber nur in der Intimität des kleinen Raumes gibt es den Augenkonktakt, der dann zu viel mehr führt. Dieser besondere Geist des wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind...

Nun ist die Musik von Enno Bunger schon länger mein Begleiter. Ich habe mich etwas geziert, weil ich mit deutschen Texten immer sehr mäkelig bin und Herz-Schmerz-Dinge irgendwie nicht meins sind. Sogar, als ich live  gewonnen worden war im Rahmen der TV-Noir-Tour 2013 war ich mir noch nicht so recht sicher über den Raum, den ich seiner Musik geben will.

Denn machen wir uns nichts vor: Enno Bunger ist ein begnadeter Entertainer. Beim ersten Mal haut es einen komplett aus den Puschen, weil es weder zum Bild passt, das man sich anhand seiner Musik macht noch zum Bild, das im Kopf entsteht, wenn man ihn vorn auf der Bühne stehen sieht. Umso gnadenloser erwischen einen die schwarzhumorigen Zwischenansagen.  Alles Volltreffer und Eisbrecher.

Maifeld 2013
Die Musik hatte ich 2013 in der eher akustischen Umsetzung mit Onno Dreier in Karlsruhe und (mit Schlagzeug) in Mannheim gesehen. Diesen Sommer in Mannheim dann zuletzt in sehr bombastischer und mitreißender Besetzung (mit zum Teil neun Leuten auf der Bühne in einem Set fast ohne Ansagen). So langsam ist sie über meine hohe Hemmschwelle gekrochen.

Als ich schließlich die Anfrage las, wer sein Wohnzimmer für Enno und Onno öffnen wollte, fühlte ich mich ein wenig vom Schicksal verarscht. In den möglichen zwei Wochen Ende Oktober hatte ich schon am 19., 26., 28. 10 sowie am 1.11. und 4.11. Konzerte verabredet. Das ist selbst für meine Verhältnisse in bisschen verrückt und ich konnte wirklich unmöglich noch Platz für die Nordlichter schaffen - so sehr mich das auch wurmte. Regelrecht erlösend erschien die Einladung aus Montabaur in meiner Mailbox und so habe ich nicht lange überlegt, sondern die Fahrkarten in den Westerwald gebucht. 


Dass der Abend schließlich jeden einzelnen Fahrkilometer wert war, hatte ich mir erhofft, war dann aber doch ein wenig überwältigt davon, wie sehr mich die Wohnzimmeratmosphäre trug und beeindruckte. Lieder wie Herzschlag, Astronaut, Am Ende des Tunnels, Scheitern, Regen wie Applaus waren in der Fassung des Abends häufig ausufernd expressiv und mit Instrumentalsoli gespickt bevor Die Nacht ist noch jung - Ich möchte noch bleiben schließlich einen innigen Schlusspunkt setzte. Als weiteres Kleinod nahm ich Onnos Projektor-Projekt mit heim.



Jetzt ist das wieder so ein Bericht geworden, der kaum etwas über den Konzertablauf erzählt, aber zum Glück für mich hat Christoph das ordentlich notiert und ich habe deshalb nur ein ganz kleines bisschen ein schlechtes Gewissen. Und hier auch noch einmal ganz explizit großen Dank an Dirk und Ursula, die die Hand ausgestreckt haben!



Tour mit Spaceman Spiff 
24.11. Essen - Weststadthalle
25.11. Frankfurt - Mousonturm
26.11. Erlangen - E-Werk
27.11. Schweinfurt - Stattbahnhof
28.11. Dresden - Scheune
30.11. Berlin - Volksbühne (Grüner Salon)
01.12. Münster - Sputnikhalle
02.12. Hamburg - Grünspan
03.12. Bremen - Tower
04.12. Leipzig - Werk 2
05.12. Rostock - Zwischenbau 


Montabaur

Aus unserem Archiv: 

Enno Bunger, Montabaur, 20.10.14 (Christoph; mit Setliste)
Enno Bunger, Montabaur, 20.10.14 (Ursula)

Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14 (Ursula)
Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14 (Gudrun)
Enno Bunger, Frankfurt, 11.11.13
Enno Bunger, Mannheim, 31.05.13
Enno Bunger, Offenbach, 09.05.13
Enno Bunger, Stuttgart, 19.03.13
Enno Bunger, Karlsruhe, 31.01.13
Enno Bunger, Darmstadt, 27.01.13 

 

Dienstag, 21. Oktober 2014

Enno Bunger, Montabaur, 20.10.14

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Konzert: Enno Bunger
Ort: Ursulas und Dirks Wohnzimmer in Montabaur
Datum: 20.10.2014
Dauer: fast 100 min
Zuschauer: ca. 35



Wie gut es doch ist, Freunde mit ausgezeichnetem Musikgeschmack zu haben. Mir brachte das heute eine Einladung zu einem Wohnzimmerkonzert mit Enno Bunger ein. Ich hatte zwar schon viel über die Auftritte des Ostfriesen gelesen, bisher hatte ich den Sänger aber nicht gesehen. Da Freude mit gutem Musikgeschmack für mich die Funktion einer kulturellen Stiftung Warentest (vor Ritter Sport) übernehmen, war kein großes Risiko dabei, die Einladung anzunehmen. Dillon, die am gleichen Abend in Darmstadt spielte, kann ich immer wieder sehen, ein Enno-Bunger-Konzert in Montabaur ist vermutlich seltener.

Mehr als 30 Zuschauer waren diesmal in Ursula und Dirks Wohnzimmer gekommen. Enno Bunger hatte vor ein paar Wochen solche Auftrittsorte gesucht, um eine kleine Privatkonzert-Tour durch Deutschland zu machen. Das Wohnzimmer in Montabaur liegt verkehrsgünstig und hatte mit bereits drei Auftritten toller Künstler auch bereits seine Konzerttauglichkeit bewiesen, sodaß Enno Ursula und Dirk eine Zusage machte. 

Als ich ankam, war bereits aufgebaut - und wie! Das Equipment, die professionellen Lampen, die vielen Instrumente (und der Tourbus) sahen so aus, als hätte zur Not auch die örtliche Stadthalle bespielt werden können. "Beim Soundcheck war es sehr laut, heute kommt sicher die Polizei", berichteten die Gastgeber. 

Enno Bunger wird auf seiner Tour von Onno Dreier, der aus der gleichen Stadt in Ostfriesland stammt, begleitet. Onno, der nicht nur einen prima passenden Vornamen hat ergänzte den Sänger während des achtzigminütigen Konzerts auch ganz wunderbar. Er spielte Gitarre, sang und bediente ein elektronisches und ein echtes, abgespecktes Schlagzeug. Außerdem spielte er eine Art Mittendrin-Vorgruppe, als er in der Mitte des Konzerts ein eigenes Lied, das er unter dem Namen Projektor veröffentlicht hat, spielte. "Welches Stück spielst Du, Onno?" - "Es gibt doch nur eines!" Auch die kurzen Gespräche zwischen den beiden waren herrlich. Das Element of Crime Cover Bitte bleib bei mir kündigte Enno als Stück einer Band an, die sie beide sehr mögen würden. "Magst Du die überhaupt, Onno?" - "Ich muß mal gucken, muß mir das Lied mal anhören." Pass auf dich auf, das Enno bei Inas (feuchtfröhlicher) Nacht gespielt hatte, mochte Onno. Auch das hatte der Gitarrist aber erst während des Spiels festgestellt. Enno hatte das angekündigt, indem er behauptete, er habe Pass auf dich auf für Onno geschrieben. "Welches hast du für mich geschrieben?" - "Pass auf dich auf" - "Das mag ich nicht" Als das Lied vorbei war, klatschte Onno: "ich mag das doch!"

Enno hatte uns vor dem ersten Lied gewarnt, er schreibe nur traurige Lieder. Als Hochzeits- und Wohnzimmermusiker sei er also nur bedingt geeignet. Ich war schon bei deutlich traurigeren Hochzeiten!


Enno spielte Lieder seiner bisherigen Platten und drei (denke ich) neue Stücke. Er arbeitet gerade ein einigen Songs gleichzeitig, die wenigsten seien fertig. Für eine neue Platte sammele er noch Ideen. Die drei neuen passten wundervoll zum Rest, wobei Irgendwann (das ist ein vorläufiger Titel, den Enno langweilig und Onno toll fand) sehr fröhlich war und vom Spiegelzelt in Haldern, einem Flausenleger und einem Hund in einem Bällebad handelte. 

Nach 80 Minuten beendeten die beiden das Konzert, kündigten aber bereits Zugaben an. Die erste davon war "der Hit" laut Enno, Regen, ein sehr persönliches Lied, das Gloria (die Band von Mark Tavassol und Klaas Heufer-Umlauf) ohne Ennos Wissen gecovert hatten. Der noch größere Hit war aber das neue Scheitern anschließend, dessen Ende enorm schmissig war und das für mich eines der besten (unter vielen sehr guten) Lieder des Abends war.

Als es dann eigentlich schon vorbei war, spielten Enno und Onno noch unverstärkt und mit Akkordeon Ich möchte noch bleiben, die Nacht ist noch jung. Schöner kann man ein Wohnzimmerkonzert sicher nicht beenden!

Ich sollte häufiger auf meine Freunde mit dem guten Musikgeschmack hören, dann hätte ich auch Enno Bunger schon viel früher einmal live gesehen. Aber er kommt im November auf Tour, da kann ich nachholen.

Setlist Enno Bunger, Wohnzimmerkonzert, Montabaur:

01: Abspann
02: Leeres Boot
03: Ein Astronaut
04: Blockaden
05: Die Flucht
06: Am Ende des Tunnels (neu)
07: Pass auf dich auf
08: Bear in the woods (Projektor)
09: Bitte bleib bei mir (Element of Crime Cover)
10: Herzschlag
11: Irgendwann (?) (neu)
12: Roter Faden

13: Regen (Z)
14: Scheitern (neu) (Z)

15: Ich möchte noch bleiben, die Nacht ist noch jung (Z)


Links:

- aus unserem Archiv 
- Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14
- Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14
- Enno Bunger, Frankfurt, 11.11.13
- Enno Bunger, Mannheim, 31.05.13
- Enno Bunger, Offenbach, 09.05.13
- Enno Bunger, Stuttgart, 19.03.13
- Enno Bunger, Karlsruhe, 31.01.13
- Enno Bunger, Darmstadt, 27.01.13






Sonntag, 17. August 2014

1. Seebühnenregatta, Mannheim, 10.08.14

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Konzert: L'Aupaire, Spaceman Spiff, Enno Bunger, We Invented Paris
Ort: Mannheim, Luisenpark
Datum: 10.08.2014
Dauer: L'Aupaire ca. 30 Minuten, Spaceman Spiff ca. 50 + 15 Minuten, Enno Bunger ca. 60 Minuten, We Invented Paris ca. 60 Minuten
Zuschauer: ca. 700




Dasselbe Team, das Konzertbesucher nun bereits seit vier Jahren mit dem an Pferdemetaphern reichen Maifeld Derby versorgt, hat diesen Sommer zu einer anderen reichhaltigen Bildsprache gegriffen, um ein kleines, sommerliches Eintagesfestival in einem Mannheimer Park zu präsentieren: Die Seebühnenregatta. Lange zögerten wir, ob uns das Event die doch recht langwierige Anreise wert sein würde, denn mit Spaceman Spiff, Enno Bunger und We Invented Paris spielten gleich drei absolut sehenswerte Acts, die ich aber entweder dieses Jahr bereits gesehen hatte oder 2013 gleich zweimal (gut, für meinen Begleiter war das keinerlei Hinderungsgrund).

Letzten Endes entschlossen wir uns dann am Tag selbst doch noch für die Reise nach Mannheim, das allerdings bereits in dem Wissen, dass der Open Air-Charakter des Festivals leiden würde, denn es war Regen gemeldet und die Hauptacts würden in einer Halle spielen.


Bei unserem Eintreffen waren die Welt und das Wetter aber noch in Ordnung. Der Veranstaltungsort Luisenpark entpuppte sich als weitläufiges Gelände, auf dem man nicht nur den Park und dessen Pflanzenwelt genießen und sich auf großen Wiesen ausruhen kann, es gibt auch Käfige und Volieren mit Eulen, Schildkröten, Pinguinen, Flamingos, einem Nasenbär und vielem mehr. Über allem thronen nicht weniger als drei Storchennester, aktuell allesamt mit Pärchen dieser Vogelart besetzt, zusätzlich gibt es noch ein paar Single-Störche.

Die Seebühne, nach der die Regatta benannt wurde, und die ursprünglich für die Bundesgartenschau 1975 erbaut wurde, entpuppte sich ebenfalls als wunderbar malerisch, zwischen Zuschauern und Bühne befindet sich etwas Wasser, während man hinter den Künstlern einen großen See samt vorbei ziehenden Gondolettas sehen kann. Bei unserer Ankunft spielten bereits L'Aupaire, aber viel von ihrem Set haben wir sicher nicht verpasst. Die drei jungen Männer boten Folk-Pop irgendwo zwischen Bob Dylan und Mumford & Sons ohne Banjo.


Obwohl mich die Musik nicht wirklich fesseln konnte - Folk ist einfach nicht mein Ding - war das Ambiente der Freiluftbühne ganz wunderbar, allerdings zeigte ein bald einsetzender, zunächst sehr leichter Regen, dass die Entscheidung, spätere Musiker drinnen auftreten zu lassen, richtig gewesen war.

Nach L'Aupaire trat, quasi als "Pausenunterhaltung" eine junge Mannheimer Sängerin namens Inah auf. Nach drei ihrer getragenen Gitarrensongs - sie hatte angekündigt, viele unterschiedliche Lieder zu spielen, was sich zumindest im von uns verfolgten Teil nicht bestätigte - mussten wir aber, dachten wir zumindest, in Richtung der Baumhain-Halle, in der bald das Set von Spaceman Spiff beginnen sollte. Allerdings hatte sich der Zeitplan ein wenig verschoben, so dass zunächst Warten angesagt war.


Übrigens hatte am Einlass der Seebühne niemand unsere am Parkeingang erworbenen Festivalbändchen kontrolliert, weshalb man im Publikum neben den üblichen Musikfreunden auch einige Zaungäste in sehr fortgeschrittenem Alter hatte sehen können - sicherlich Senioren mit Dauerkarten für den Park, die einfach der Musik gefolgt waren und nun zufrieden zuhörten. Und auch in die Halle folgte uns ein älterer Herr ohne Bändchen - ich weiß nicht, ob er später vielleicht noch aussortiert wurde. Insgesamt gefiel mir diese ungeplante Vereinigung der Generationen aber sehr gut.

Spaceman Spiff trat dieses Mal nicht allein mit seiner Gitarre auf, sondern hatte neben seinem "Personal" Jonny König (den Besucher des Maifeld Derbys zumindest als vom Sänger angesprochenes Publikumsmitglied kannten) sondern auch eine Cellistin dabei. Den Tischtennisschläger-Talisman, der sich doch bereits beim Maifeld Derby als komplett nutzlos erwiesen hatte, klebt er immer noch an seinen Mikrophonständer.


Was den Konzertgenuss zumindest am Anfang doch recht stark trübte, war die Halle, die nicht nur vom Ambiente her sehr altbacken Mehrzweckhallen-mäßig wirkte und uns die schöne Seebühne schmerzlich vermissen ließ, auch der Sound klang merkwürdig flach - und das fiel selbst mir auf, die so gut wie nie die Beschallungskritiken anderer nachvollziehen kann. Mit der Zeit muss der Ton aber besser geworden sein, oder aber, ich hatte mich dran gewöhnt. Nicht gewöhnen konnte ich mich dagegen an die "Lichtshow", die es darauf anzulegen schien, die Zuschauer zum Erblinden zu bringen - stellenweise konnte ich gar nicht zur Bühne schauen!

Nur fünf der dargebotenen zehn Lieder hatte ich bereits beim Maifeld-Konzert gehört, der Rest war mir neu. Hinzu kam die neue Instrumentierung, denn der Schlagzeuger griff bei zwei Liedern ("Ab heute immer jetzt" und "Hamburg") zum Akkordeon bzw. Glockenspiel, während die Cellistin, sowieso eine Neuheit und anscheinend bei ihrem allerersten größeren Bühnenauftritt, bei "Teesatz" auch mitsang.


Wie bei meiner ersten Begegnung fand ich auch dieses Mal die Authentizität des Künstlers geradezu auffällig, wie auch seine scheinbare Überraschtheit, wenn jemand (oder gar einem ganzen Publikum) gefällt, was er macht. Wegen der stark veränderten Setliste und der neuen Instrumentierung hat sich in diesem Fall ein zweiter Konzertbesuch definitiv gelohnt.

Setliste:

Vorwärts ist keine Richtung
Ab heute immer jetzt
Milchglas
Photonenkanonen
Egal
Hamburg
Schnee
Teesatz
Mind the gap
Straßen (wo wir hingehen brauchen wir keine Straßen)

Aber es sollte noch weiter gehen, denn als später das Set von Enno Bunger vorbei war, hörte man im Anschluss draußen im Foyer etwas, das wiederum stark an Spaceman Spiff erinnerte ... und auch Spaceman Spiff war. Nun wieder mit der Gitarren-Minimalausstattung ließ es sich der Sänger, während mittlerweile das angekündigte Gewitter aufs nicht völlig wasserdichte Glasdach prasselte, nicht nehmen, noch ein paar weitere Lieder zu singen. Dass er dieses Mal die etwas lieblose "Bühne" im Hallenfoyer mit einem Mülleimer teilte, irritierte ihn kurzzeitig, aber er schien sich besser zu fühlen, nachdem er erfolgreich aus dem Publikum etwas zum Wegwerfen eingefordert hatte.


Zum Foyer an sich könnte man neben der mangelnden Wasserdichtheit auch sonst noch einiges Kritisches sagen, denn es war ein Durchgangsbereich und generell sehr laut, dennoch traten hier auch weitere "Pausenkünstler" auf, nachdem der Regen draußen eingesetzt hatte. Sicherlich gab es einfach keine weitere Alternative, die nun schon einmal gebuchten Künstler - Spaceman Spiff ersetzte hier wohl spontan eine Band, die offenbar doch nicht kommen konnte - spielen zu lassen.

Setliste:

Yellow brick road
Hier und der Wahnsinn
Wände
Der Tag an dem ich nicht verrückt wurde
100 000 Kilometer

Aber kommen wir zu Enno Bunger. Damals beim heute schon mehrfach erwähnten Maifeld-Auftritt hatte ich mich durch Spaceman Spiff sehr an Enno Bunger erinnert gefühlt, obwohl der eine zur Gitarre und der andere zum Klavier singt. Als ich gelesen hatte, dass beide Sänger hintereinander spielen würden, war ich gespannt gewesen und hatte mich - nicht ganz ernsthaft - gefragt, ob die beiden sich wohl kennen oder ob sie bei ihrer Erstbegegnung begeistert voneinander sein würden. Oder aber, ob es eine Schlägerei geben würde, bei der sich beide als Nachahmer beschimpfen.


Meine Neugier wurde gestillt, denn als bereits alles für den Enno Bunger-Auftritt aufgebaut war, sprang mit einem Mal Spaceman Spiff nochmals auf die Bühne und kündigte begeistert Enno Bunger an - und der umarmte ihn zum Dank und beteuerte im Gegenzug seine Begeisterung von Spaceman Spiff. Schön, dann wäre das ja geklärt!

Kurz vorher hatte ich bereits einen "alten Bekannten" gesehen, denn am Aufbau für Enno Bunger waren erstaunlich viele Menschen beteiligt gewesen, darunter auch Onno, den ich als Bungers Begleitmusiker in der Offenbacher Weinstube kannte. Als das Konzert schließlich begann und Bunger gemeinsam mit einer ganzen Band die Bühne bestieg und "Am Ende des Tunnels", eines von drei neuen Liedern, vortrug, war von Onno aber zunächst nichts zu sehen.


Und während uns Enno noch mit der Aussage begrüßt hatte, dass er Wut möge, sie sei das Viagra für den ausgestreckten Mittelfinger, kam es für Song Nummer drei zu einer überraschenden Stiländerung: Onno erschien auf der Bühne und übernahm das Keyboard, hinter dem Enno Bunger nun mit dem Mikrophon hervortrat und einen neuen Song vortrug, der laut Bungers Aussage noch nicht einmal einen Titel hat. Die neue Rolle als gut gelaunter Entertainer am Bühnenrand war ihm sichtlich ungewohnt und mein Freund meinte "Man merkt, dass er sich immer wieder umsieht und fragt, was die Leute darüber denken, dass er plötzlich Coldplay ist!" Nach dem Song erklärte Enno Bunger, er habe einmal ein Lied über gute Laune schreiben wollen. "Aber dafür seid ihr ja nicht hier!"


Also ging es weiter mit den Trennungsliedern der aktuellen Platte "Wir sind vorbei". Die in der Baumhain-Halle dargebotenen Songversionen waren insgesamt häufig länger als gewohnt ("Roter Faden", "Herzschlag") und hatten ausgedehnte Instrumentalteile. Sonst wurde auch wenig gesagt, denn, das erfuhren wir nach "Herzschlag", die Begleitband sei zu gut und auch zu teuer, um sie nicht ausgiebig zu nutzen. Als zusätzliche Musikerin war die Keyboarderin der Band Joco dabei, deren Sängerin jubelnd im Publikum saß beziehungsweise beim dritten Song mitsang.

Was mich allerdings überraschte, war die Aussage, "Ich möchte noch bleiben, die Nacht ist noch jung" sei auf dem Album ein Duett mit Festival-Headliner Alin Coen, diese sei aber gerade zu müde, um ihren Part zu singen. Da muss ich noch einmal nachhören. Nach "Blockaden" und einem weiteren neuen Song folgte zuletzt "Regen", mit dem Enno möglicherweise das nun draußen beginnende Unwetter herbei gesungen hat.


Ach ja, und nachdem ich mich schon fast damit abgefunden hatte, dass das Konzert ganz ohne Kalauer ablief, kam doch noch einer: "Ich bin dann anschließend am Merchandise, da gibt's auch Jutebeutel, falls das in Euer BEUTELschema passt." Ging doch, Enno!

Setliste:

Am Ende des Tunnels
Die Flucht
(Neu)
Leeres Boot
Roter Faden
Herzschlag
Ich möchte noch bleiben, die Nacht ist noch jung
Blockaden
Scheitern
Regen


Selbige Beutel, also die seiner eigenen Band, pries der We Invented Paris-Sänger Flavian beim anschließenden Auftritt ebenfalls an, allerdings sprach er als Schweizer von "Hipstertäschli". Auch sehr schön.

Die Gruppe hatten wir erst im April in Wiesbaden gesehen, weshalb auch sofort auffiel, dass dieses Mal ein anderer Gitarrist mit von der Partie war, Bruce Klöti war heute nicht zu sehen, stattdessen war Matthias Rückert dabei. Soweit ich Wikipedia verstehe, hat die Band, die in Wirklichkeit ein Künstlerkollektiv ist, aber ohnehin ein wechselndes Lineup, also war das wahrscheinlich völlig normal.


Begrüßt wurden wir zunächst auf Schweizerdeutsch, in verständlicherer Aussprache teilte uns Flavian dann mit, es handele sich zwar um ein bestuhltes Konzert, es seit aber durchaus auch erlaubt, von den Stühlen aufzustehen und zu tanzen. Das erfolgte von Anfang an, wenn auch zunächst eher vereinzelt. Ausgerechnet vor dem in meinen Augen gar nicht sonderlich tanzgeeigneten "Philosopher" folgte dann nochmals die Aufforderung, zu diesem Lied aber nun wirklich zu tanzen, was dann auch von allen umgesetzt wurde.


Viele "Konzertabschnitte" kannte ich bereits aus Wiesbaden, etwa den Konzertauftakt, bei dem Gitarrist und Bassist auf Holzkisten trommelten, Flavians Geschichte über die früheren Wohnzimmerkonzerte, Luftballons (die diesmal allerdings, passend zur Seebühnenregatta, Wasserbälle waren), die das Publikum während "Bubbletrees" in der Luft halten sollte (was sich ein weiteres Mal als ziemlich stressig erwies und den Spaß am Lied ein wenig nahm) sowie das von Flavian allein im Publikum und zum Akkordeon vorgetragene "Requiem".

Trotz der Wiederholungen ein schönes Konzert mit einer offenbar sehr motivierten Band, und als Matthias beim Schluss-Song "More" plötzlich hinter der Bühne eine riesiges Behältnis holte, um darauf herum zu hüpfen und wie wild an diversen Effektgeräten zu drehen, hatte ich auch etwas mir Neues von We Invented Paris gesehen.


Setliste:

Sleeptalker
Auguste Piccard
A View That Almost Kills
Philosopher
Polar bears
Bubbletrees
Bohème
Requiem Mitte
Mont Blanc
Everyone knows
Farmer
Iceberg
Nothing to say
More


Alin Coen & Band mussten wir angesichts einer bevorstehenden langen Rückfahrt ausfallen lassen, nach einem kurzen Besuch bei den Pinguinen verließen wir den Park und kurz darauf auch Mannheim - nicht, ohne anhand zahlreicher in der Zwischenzeit sturmbedingt herabgefallener Äste die Entscheidung, nur zwei Künstler draußen spielen zu lassen, gut zu heißen. Auch ohne den Headliner gesehen zu haben, konnten wir hinsichtlich der ersten Seebühnenregatta ein positives Fazit ziehen: Ein wirklich sehr angenehmer Festivalort, dem zusätzlich zum guten Lineup und dem angenehmen Preis-Leistungs-Verhältnis (ein Ticket kostete an der Tageskasse 25 Euro) im kommenden Jahr auch besseres Wetter zu wünschen wäre!

Links:

- aus unserem Archiv:
- 1. Seebühnenregatta - Bericht von Gudrun, dort sind etliche Berichte zu den Einzelkünstlern und sogar Tourdaten verlinkt.

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht





Dienstag, 12. August 2014

1. Seebühnenregatta, Mannheim, 10.08.14

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1. Seebühnenregatta - Meine Konzerte:
  L'Aupaire (50 min)
  Inah (30 min)
  Spaceman Spiff (50 min)
  Enno Bunger (60 min)
  Spaceman Spiff (akustisch, 15 min)
  We invented Paris (60 min)
  Lucid (30 min)
  Alin Coen Band (75 min)

Ort: Luisenpark in Mannheim
Datum:  10. August 2014
Zuschauer: knapp 700


Dieser Bericht wird wohl länglich. Deshalb beherzige ich heute den Ratschlag meines akademischen Lehrers: Das Hauptresultat gehört in die Einleitung - sonst liest das niemand.  Also mein Fazit vorab: Bitte unbedingt eine Zweite Seebühnenregatta planen! 

Für mich sah die Idee von Anfang an super aus: An einem Sommersonntagnachmittag Konzerte an einem bezaubernden Ort anbieten. Gut erreichbar, mit anderen Aktivitäten kombinierbar und so, dass man keinen zu großen Kredit am Montag nehmen muss. Die avisierten Bands waren auch ganz nach meinem Geschmack und so war ich voll hoher Erwartungen. 



Dem schönen Plan stellten sich zwei echte Probleme in den Weg. Die Bahnverbindung nach Mannheim ist gekappt - das ließ sich aber zum Glück durch eine Fahrgemeinschaft beheben. Doch die Gewitterfront konnten wir leider nicht mit guter Laune und bester Musik um Mannheim herumlotsen. In gewisser Weise war es süß und sauer zugleich, mit L'Aupaire und Inah auf der wunderschönen Seebühne zu beginnen und ihren Charme dann anschließend um so mehr zu vermissen im zwar wasserdichten aber doch profanen Quartier der Festhalle Baumhain. Es erwies sich als die absolut richtige Entscheidung, denn später gingen gleich mehrere und ausdauernde Regengüsse auf Mannheim und den Luisenpark hernieder, was uns aber in der Halle egal sein konnte.



Es waren schon zum 15:00 Uhr Termin mit L'Aupaire genug Menschen erschienen, um den überdachten Bereich der Seebühne als besetzt zu empfinden. Die Atmosphäre war locker und entspannt. Auf Picknickdecken wurden um den kleinen See zwischen Bühne und Zuschauerraum noch Plätze hinzudefiniert und immer wieder schweifte mein Blick zu den hinter der Bühne kreuzenden kleinen gelben Booten, von denen einige erstaunte Blicke das Geschehen zu deuten versuchten und in den kostenlosen, wenngleich kurzen Genuss von richtig guter Musik kamen.



L'Aupaire hatten sichtlich Spaß an der Art des Auftritts und spielten die Stimmung spiegelnd sehr entspannt und sommerlich auf. Mir hatten sie ja schon als Vorband von We invented Paris im Februar richtig gut gefallen und auch beim Maifeld im Parcour d'Amour. So gab es keine große Überraschung, aber gute musikalische Kost auf gewohnt hohem Niveau. 




Überraschend war dann schon der Auftritt von Inah. Mit ihrer Gitarre zog sie das Auditorium in den Bann und nur ein Teil des Publikums wagte es, nach etwa 15 min schon in die Halle umzuziehen, um sich dort gute Plätze zu sichern. Die meisten blieben bis zum letzten Lied und spendeten ordentlich (verdienten) Applaus. Eine präsente Stimme und solide Lieder waren wie gemacht für diesen Zwischenslot. Das war in meinen Augen eine sehr gute Idee der Veranstalter gewesen. 


Inah sucht noch Bandkolleg_en in Mannheim - vielleicht hat ja wer Lust, der das hier liest!

Setlist Inah:
01: Dear Mom
02: Felsenfest
03: Breath
04: Alles Gute
05: Paradise
06: Beautiful
07: Trumpets for Anna



Ich war sehr gespannt auf Spaceman Spiff - es war sozusagen meine zweite Chance. Denn beim Maifeld war ich erst sehr spät in den Zugabenteil gestolpert und doch etwas überrascht, wie aufgeheizt die Stimmung war, wo doch "nur" ein Mann mit Gitarre seine Lieder zum besten gab. Diesmal konnte ich von Anfang an dabeisein und im Unterschied zu unserem halb verfehlten Treffen im Mai gab es ein Trio auf der Bühne (Überraschung!) und Unterstützung an Schlagzeug und Cello. Das tat den Songs im Großen und Ganzen gut. Besonders das Cello fand ich toll! Es machte dem Sänger auch sichtlich Spaß (was ja als Publikum auch immer nett zu sehen ist). Mein privater Höhepunkt des Sets war vielleicht Photonenkanonen, wobei es schwer ist, besonderes heraus zu greifen, weil mindestens 3/4 der Songs echte Knüller sind.




Als Ersatzmann mit einem Akustikset im Foyer wenig später (die vorgesehene Frau war wohl ausgefallen - ich habe nicht nachgefragt) bewies der Spaceman auch noch, dass er uns auch nur mit Gitarre locker um den kleinen Finger wickelt. Dort hat man ihn auch gut verstanden. Leider war das in der Halle ein Problem, denn der Sound war bis in die Mitte des Sets ziemlich spacig und man hat auch die relativ deutlichen Ansagen fast nicht verstehen können. Das besserte sich, war aber für den ganzen Abend in der Halle nicht wirklich optimal. Ebenso war es einfach furchtbar, wie sehr man von den Scheinwerfern geblendet wurde. Ich verstehe ehrlich nicht, was der Hintergrund für diese Art der Beleuchtung war.





Setlist Spaceman Spiff
01: Vorwärts ist keine Richtung
02: Ab heute immer jetzt
03: Milchglas
04: Photonenkanonen
05: Egal
06: Hamburg
07: Schnee
08: Teesatz
09: Mind the gap
10: Yellow brick road
11: Straßen 



Währen Enno Bunger auf der Bühne aufbaute, hatte ich Kolleg_en getroffen und wir frotzelten ein bisschen, ob es wohl heute noch eine witzige Ansage geben könnte, die wir nicht kennen (man sehe sich nur die ausführliche Liste der Berichte an und versteht, was wir damit meinten - wir lieben ihn ja heiß und innig - sonst würden wir auch nicht immer wiederkommen). 



Aber diese Überlegungen erwiesen im Anschluss als einigermaßen absurd, denn es kam tatsächlich ganz anders. Es gab fast keine Ansage, dafür Enno Bunger mit Großem Ensemble. Wir hatten über dem Schwatzen nicht genau verfolgt, was da auf der Bühne alles aufgefahren wurde. Zwei Pianos, Gitarren und Schlagzeug - alles nicht zu knapp. Im Set spielten sie meist zu fünft auf, für einige Songs waren sieben Personen auf der Bühne (leider Onno viel zu kurz...). Das verlieh den gewohnten Liedern einen ganz neuen und wirklich überraschenden Glanz und es war eine richtig tolle und komplett gelungene Überraschung. Vielleicht in dieser Beziehung mein Lieblingsset des Abends voller Euphorie und mich komplett in seinen Bann ziehend. 



Und es war so wunderbar, Enno Bunger so dermaßen strahlen und total abgehen zu sehen!



Dem Auftritt der Pariserfinder hatte ich mit der größten Freude und Erwartung entgegengesehen. Er wurde vom Publikum auch ordentlich gefeiert. Nach nur wenigen Lieder standen alle und tanzten und später wurde auch mit den Bällen gespielt und geklatscht und für den Part in der Mitte des Publikums (zum Song Requiem) ganz andächtig gelauscht. Ich hatte den Eindruck, dass nicht wenige den Auftritt als Höhepunkt empfanden.




Für mich war er das leider nicht. Es war viel zu laut - ich brauchte Hörschutz (nur für dieses Set) und ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, ein Déjà-vu zu erleben. Genau das gleiche Konzert hatte ich im Februar in der Alten Feuerwache erlebt (die Setliste leicht variiert aber im Kern gleich). Und das fühlte sich total seltsam an. So als würden die Jungs nur ihr Programm aus der Retorte abspulen mit einstudierten Worten, Tänzen und Witzen und wären in Gedanken schon wieder woanders und als würden sie auch nach anderem Publikum suchen als noch zu Zeiten der TV-Noir-Tour, wo ich sie als so geerdet und wunderbar spontan erlebt und ins Herz geschlossen hatte.  



Setlist We invented Paris
01: Sleeptalker
02: Auguste Piccard
03: A view that almost kills
04: Philosopher
05: Polar Bears
06: Bubbletrees
07: Bohème
08: Requiem
09: Mont Blanc
10: Everyone Knows
11: Farmer
12: Iceberg
13: Nothing to say
14: More


Die Umbaupause zu Alin Coen und ihrer Band wurde im Foyer von Lucid gefüllt und brachte mir damit noch einmal ein wunderbares und zauberhaftes Geschenk. Was für wunderbare und ans Herz gehende Musik! Eine wahre Entdeckung.


Leider begann im Saal schon das erste Stück von Alin Coen während wir noch das schönste Stück im Set von Lucid zu Ende hörten und ich konnte gar nicht mehr die CD mit heim nehmen. 

Setlist Lucid
01 Mr Y
02 Tuesday Walz
03 Wave
04 Sailboat
05 Berlin
06 Scripted Reality
07 Beautiful Mind 



Alin Coen war ein perfekter Abschluss für diesen Nachmittag und Abend voller Herzensmusik für mich. Sie und ihre Band spielten wunderbar lebendig und da-seiend auf und es war einfach nur eine Freude, sie von Song zu Song vorangehen zu sehen und ihr bereitwillig zu folgen. 


In den Ansagen merkte man ihr an, dass ihr wichtig war, was sie sagte und sie zeigte sich tagesaktuell mit der Empfehlung eines Artikels  über die Wege von Elektroschrott in der ZEIT-Ausgabe des Wochenendes. Es gab einige der mir so lieb gewordenen Lieder wie A No is a No, Wolken, Hol mich ein, Ich war hier und im Zugabenteil schließlich auch Alles was ich hab. 


Es war wunderwunderbar und wir gingen mit einem Alles was ich hab auf den Lippen in die Nacht und bewunderten den besoffen am Himmel hängenden Mond. Ein Abend voll toller Musik mit vielen sehr netten und überraschenden Begegnungen ging zu Ende und es blieb tatsächlich nur ein wichtiger Wunsch übrig: bitte noch einmal versuchen  - vielleicht klappt es ja dann mit der Seebühne?!
 
Setlist Alin Coen
01: Wer bist Du?
02: Hold
03: All it takes
04: High Expectations
05: A no is a no
06: Disconnected
07: Rifles
08: Wolken
09: Kein Weg zurück
10: The Ones
11: Einer will immer mehr
12: Hol mich ein
13: Ich war hier

14: Festhalten (Z, solo)
15: Alles was ich hab (Z)
16: Das letzte Lied (Z) 



Tourdaten 
L'Aupaire
28.10. Frankfurt am Main Ponyhof
30.10. Gießen Ulenspiegel
31.10. Augsburg Grand Hotel
01.11. Berlin Bang Bang
03.11. Hamburg Kleiner Donner
05.11. München Milla
06.11. Mannheim Forum
07.11. Zürich Bar Rossi
08.11. Stuttgart POPNOTPOP Clubfestival


Spaceman Spiff:
15.08. Bad Kissingen - Schmuckhofserenade (trio)
21.08. Berlin - Sommerloft
22.08. Königswusterhausen - Bergfunk Open air
23.08. Oldenburg - Freifeld Festival
18.11. Düsseldorf - Forum Freies Theater (solo)
19.11. Ulm - Roxy (solo)
20.11. Graz - Autumn leaves festival (solo)
21.11. Insbruck - Die Bäckerei (solo)


Enno Bunger:
23.08. Stuttgart - Merlin Klinke Festival
13.09. Neustadt a Rbge - Schloss Landestrost (solo)




We invented Paris:
22.08. Brandenburg Bergfunk Open Air 2014
23.08. Hannover Internationaler Feuerwerkswettbewerb
06.09. Basel Binningen
24.10. Harmonie Bonn
18.11. Kantine Augsburg
19.11. Centralstation Darmstadt
20.11. Hotel Shanghai Essen
21.11. Kulturetage Oldenburg


Alin Coen:
03.09. Düsseldorf, Treibgut
05.09. Leipzig, Parkbühne Clara Zetkin Park
06.09. Dresden, Saloppe




Aus unserem Archiv:
Seebühnenregatta-Bericht von U.
L'Aupaire und Spaceman Spiff, Mannheim, 31.05.14 
Spaceman Spiff, Mannheim, 31.05.14
L'Aupaire und We invented Paris, Mannheim, 19.02.14
Spaceman Spiff, Stuttgart, 04.06.13
Enno Bunger, Frankfurt, 11.11.13
Enno Bunger, Mannheim, 31.05.13
Enno Bunger, Offenbach, 09.05.13
Enno Bunger, Stuttgart, 19.03.13
Enno Bunger, Karlsruhe, 31.01.13
Enno Bunger, Darmstadt, 27.01.13 

We Invented Paris, Rüsselsheim, 20.07.12
We Invented Paris, Rüsselsheim, 20.07.12
We Invented Paris, Mannheim, 19.05.12

Alin Coen Band, Karlsruhe, 04.07.13
Alin Coen Band, Karlsruhe, 19.09.12  





 

Konzerttagebuch © 2010

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