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Sonntag, 1. Dezember 2013

Konzert Scout Niblett, Paris, 27.11.13

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Konzert: Scout Niblett
Ort: Le Nouveau Casino
Datum: 27.11.2013
Zuschauer: viele
Konzertdauer: 1h10




Wie einem Künstler wohl zumute sein muss, wenn er abend für abend Lieder vorträgt, die noch nicht verheilte Wunde wieder aufreissen.

Konkret gesprochen: wie geht es Scout Niblett, wenn sie ständig über ihre verflossene Liebe singt? Wie hält sie das aus? Will sie nicht endlich darüber hinwegkommen?

Fragen über Fragen. Ist sie vom Liebeskummer geheilt, wenn sie eben jene Stücke des aktuellen Albums nicht mehr mit dem gleichen Feuer, der gleichen Rage, der gleichen Hysterie singen kann? Falls das so sein sollte, ist sie von einer Genesung noch recht weit enfernt. Selten hat sie nämlich ihre Songs so wütend, trotzig, angriffslustig, anklagend gesungen wie am 27. November im Nouveau Casino zu Paris.

Aber vielleicht können Musiker ja scharf zwischen der Person auf der Bühne und der Privatperson trennen. Bei einer solch natürlich wirkenden Frau wie Scout Niblett habe ich da allerdings meine Zweifel. Jedesmal wenn ich sie live sehe sage ich mir: "genauo so ist sie die Emma!" Da ist nichts gefaked, da ist alles echt und wahrhaftig empfunden. Ihr Leidensdruck muss gewaltig sein und sicherlich ist es aus therapeutischer Sicht auch gut, wenn sie Druck ablassen kann und sich mal so richtig "auskotzt". 

Wobei sie natürlich nicht wirklich gekotzt, dafür um so mehr gehustet hat. Eien Bronchitis quält sie im Moment, den Nachmittag hatte sie im Bett verbracht, abends war sie aber wieder insoweit hergestellt, daß sie zumindest genug Kraft hatte, um laut zu singen und gut Gitarre zu spielen (paradoxerweise hatte sie auch noch einen  Verband an einer Hand, was da wohl passiert ist?). Schon beim Opener My Beloved beeindruckte sie auf ganzer Linie, sang mit äußerst präziser Stimme und machte sofort
deutlich, daß sie sich trotz Hustens nicht schonen würde. Zu diesem Zeitpunkt war sie noch ganz allein auf der Bühne, bei den nächsten Stücken kamen dann aber Gitarrist Miguel und Drummer Philip mit hinzu. Spätestens ab Gun wurde es mitunter sehr rockig. Besonders. Philip ließ es phasenweise gewaltig krachen, vermöbelte seine Felle wie ein Bessener. Es wirkte bisweilen, als würde er seinem ärgsten Feind brutalst den Arsch versohlen. Ich stand sehr nahe dran, bekam die ganze Wucht der Peitschenschläge ab und erlebte so das Konzert besonders intensiv.

Es war eine Teamleistung die da geboten wurde, alle drei Musiker gingen äußerst konzentriert zu Werke, der Gig war tight, perfekt geölt und wurde auch nie durch irgendwelche Anekdoten unterbrochen. Scout erzählte heute keinen Unsinn, der ihr gerade so in den Kopf kam, stellte auch nicht ihre übliche Frage: "any requests, any questions?", sondern stimmte immer nur bedächtig ihre Gitarre, bevor sie zum nächsten Song überging. Nur in einer Szene musste sie leicht schmunzeln, als nämlich eine Zuschauerin reinrief: "I love you Scout, will you mary me? It's now legal in France." Emma ging aber nicht näher drauf ein, sagte nur kurz "merci" und spielte weiter. Was wollte sie auch mit einem verliebten weiblichen Fan? Sie sang schließlich über My Man, "whohouhouwhohouoo", so sehnsüchtig, daß es einem das Herz brach. Meine Fresse, dieser Kerl muss sie aber wirklich liebeskrank gemacht haben! Quasi in jedem Song des aktuellen Album (und somit auch bei den Konzerten) geht es um ihn, seine neue Freundin (die in einer "shitty band" spielt, siehe  Text zu Gun), um Missverständisse, um Eifersucht, um zweite Chancen (Second Chance Dreams), um die Frage ob ihre Liebe dauerhaft möglich gewesen wäre ("could we have made it somehow?").

Aber so stark und berührend diese Titel  des neuen Albums auch waren, der Mittelteil des Konzerts in dem alte Klassiker wie Your Last Chariot, Nevada und Let Thin Heart Be Warmed abgefeuert wurden, war noch einen Tick schärfer. Hier erreichte die Inbrunst ihren siedenden Höhepunkt, knurrte Scout wie eine Furie "Puit on that suit and lend me that costume!"  (Nevada), langte Drummer Philip hin wie ein Schwergewichtsboxer und kitzelte Gitarrist Miguel herrlich düstere Melodien aus seiner Elektrischen. Immer war diese für Scout Niblett so typische Bedrohung da, diese knisternde Spannung wie in einem Psychothriller diese schwül-warme Atmosphäre, diese orgasmische Entladung des Drucks am Ende.

Eine viertel Stunde lang krachte es gewaltig, dann wurde es mit Could This Possibly Be Me? wieder besinnlicher und melancholischer. Federleichte, herrlich melodische Gitarren (ein Hauch von Pink Floyd?) schwirrten durch das Nouveau Casino und Scout sang sanft und angeschmiegsam, bevor es dann wieder dramatischer und lauter wurde.

Wir näherten uns inzwischen dem Ende, bekamen noch What Can I do ("what the hell did they do to you to make you so scared?"), bevor die Band Unter tosendem Applaus die Bühne verließ.


Die drei Helden kamen auch noch einmal wieder, aber wer Scout kennt, weiß, daß sie kein Fan von langen Zugaben ist. Einen Titel als Bonus, mehr gibt es bei ihr in der Regel nicht. Zum Klassiker Kiss hätte ich mir gerne Bonnie Brince Billy zum Duett gewünscht, aber wir waren nicht im Wunschkonzert und ohnehin restlos glücklich, trotz oder gerade wegen der gehörten todtraurigen Titel.

Ein aufwühlendes Erlebis, eine emotionale Achterbahnfahrt, ein Drama in zwölf Akten, ein Rockkonzert allererster Güte, kurz: eine Sensation.

Konzert des Jahres, what else?!

Setlist


01: My Beloved
02: All Night Long
03: Gun
04: Can't Fool Me Now
05: My Man 
06: Second Chance Dreams
07: Your Last Chariot
08: Nevada
09: Let Thin Heart Be Warmed
10: Could This Possibly Be Me?
11: What Can I Do?

12: Kiss

* Photo: Archiv. Aktuelle Pics in Kürze!



Dienstag, 26. November 2013

Robi, Paris, 20.11.13

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Concert: Robi (Fiodor Dream Dog)
Lieu: Le Nouveau Casino
Date: 20.11.2013
Spectateurs: 300 peut-être?

J'adore le folk français (chanté en français ou anglais, les deux me vont), mais souvent j'ai du mal avec le rock français. Comme le disait John Lennon: "le rock français c'est comme le vin anglais, dégueulasse!). C'est vrai qu'il est souvent indigeste et plein de clichés et le pire est en général l'accent pourri quand les groupes chantent (ou plutôt essaient de chanter) dans la langue de Shakespeare.


Heureusement il y a aussi des chanteuses comme Robi. Une fille qui fait du rock chanté en français, évitant chaque cliché. Ah que cela fait du bien! Des mots impeccablement prononcé, avec une voix pleine de caractère, facilement reconnaissable parmi tant d'autres. Elle a un timbre extraordinaire, rappelant parfois Françoiz Breut, mais aussi Patricia Kaas (sans que cela sonne ringard comme chez Patricia Kaas) c'est à dire assez grave et rocailleuse. Et sa musique est sombre à souhait, fiévreuse, envoûtante, hypnotique, mystérieuse.

Normal alors que son premier album fût un succès. Bon cela ne se vendait pas comme les mièvreries de Lilly Wood and The Prick et co., mais l'acheteur français n'a pas forcément le même bon goût que pour la bouffe.

Mais ce soir le Nouveau Casino était peuplé de gens ayant du goût. Robi attire un public mûr, mais pas vieux, critique, mais pas chiant, des femmes, des hommes entre 25 et 45 ans en moyenne. La plupart entre eux était déjà là pour la première partie Fiodor Dream Dog, mais je suis arrivé après la bataille apprenant que j'ai raté quelque chose, parce que c'était "super bien" comme disaient pas mal de spectateurs.


Toute le monde était bien présent pour Robi par contre. Elle a commencé son set vers 21 h, entourée de ses deux musiciens à la basse (Valentin Durup) et au clavier (Bertrand Flamain)

Très vite cela dégageait quelque chose de très fort, de très intense et sensuel. Robi avait une présence sur scène hors du commun. Malgré sa (relative) petite taille on ne voyait qu'elle. Quel charisme! On n'était pas simplement attiré par sa voix, mais aussi par ses gestes, ses regards (qui tuent), ses mouvements élégants et sensuels.


Les trois musiciens jouaient fort (cette basse claquante à la Joy Division, cool!) et avec conviction. Les titres de l'allbum sonnaient encore plus puissants et rentre-dedans que sur disque.

C'était vraiment un festival de bons morceaux où chansons rapides (Où suis- je, impressionnant, L'Hiver et la Joie magnifique) et plus lents (La Finitude, Les Fleurs) étaient en parfaite balance.



Impressionnante aussi leur reprise de Trisomie 21 de Il Se Noie. Un titre très "dark" et "cold wave" qui me plongeait dans une rêve éveillé. C'était un rêve fiévreux, parfois suicidaire, mais très attirant quand même. Une tuerie. Supérieur à la (pourtant pas mauvaise) reprise de Noir Désir (Lolita nie en Bloc) de toute façon.

Fort aussi Ma Route même sans l'aide de Dominique A (qui chante sur l'album). Les riffs de guitare et les nappes de synthé se mariaient parfaitement et la chanson s'intensifiait avec chaque seconde. S'il y a quelque chose comme une chanson pour faire l'amour Ma Route serait certainement un bon choix!

Au milieu du set il y avait quelques petites fautes, notamment quand Robi jouait du clavier électrique, mais cela faisait le charme d'un concert sinon parfaitement maitrisé et truffé de quelques nouveaux morceaux.





La fin du spectacle nous réservait quelques belles surprises avec le duo de Robi avec l'invitée Maissiat pour chanter la ballade Les Fleurs. Et puis le grand et beau final avec les guests Katel, Tatiana "Fiodor Dream Dog" Mladenovitch, Diane "Les Colettes" Sorel et La Fiancée interprétant ensemble On Ne Meurt Plus D'Amour, un des titres phares de l'album.

Robi se montra très emue à la fin et remercia tout le monde, preuve qu'elle est resté naturelle et attachante et qu'elle n'oublie pas ceux qui la soutiennent depuis longtemps.

Une soirée mémorable!




Samstag, 16. November 2013

ChameleonsVox, Paris, 08.11.13

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Konzert: ChameleonsVox
Ort: Le Nouveau Casino
Datum: 08.11.2013
Zuschauer: sehr gut gefüllt, quasi ausverkauft, um die 400 Leute also
Konzertdauer: etwa 75 Minuten


In den 1980ern musikalisch sozialisiert zu werden, heißt nicht automatisch jede gute Band mitbekommen zu haben. Im Gegenteil, da viel Schrott in jenem Jahrzehnt produziert wurde und meine Geschmacksknospen auch noch nicht sonderlich gut ausgeprägt waren, hörte ich viel Italo-Disco, die Pet Shop Boys und Michael Jackson. Nicht aber Wedding Present, And Also The Trees, The Wake oder The Chameleons, um die es hier gehen soll. Das war einfach zu speziell, so daß es nicht im kommerziellen Radio lief und damit auch nicht an meine ungeübten Ohren drang. Das Internet gab es noch nicht und so waren die einzigen Post Punk und New Wave Bands, die ich kannte The Cure, New Order und Sixouxsie and The Banshees.

Erst in den frühen 2000er Jahren habe ich mich ausführlich in das Werk von Joy Division eingearbeitet und da ich wegen der dürftigen Diskografie der Kultband aus Manchester Nachschub brauchte, stieß ich irgendwann zwangsläufig auch auf The Chameleons. Deren leicht pathetischer Gitarrensound entzückte mich auf Anhieb außerordentlich! Das klang weniger monoton als Joy Division, war melodischer, euphorisierender, trotz der omnipräsenten Schwärze und den düsteren Texten. Später las ich dann, das Interpol -eine meiner Lieblingsbands-, maßgeblich von The Chameleons beeinflußt wurden, was man recht deutlich raushört.

Allerdings hatte ich schnell ein Problem. Da ich spätestens mit dem Beginn dieses Konzertagebuchs hier zum Konzertnerd mutierte, gaben mir CDs deutlich weniger als Liveauftritte. Aber wo und wann die Chameleons noch mal live sehen? Die spielten doch gar nicht mehr. Ich musste mich mit den Alben trösten und linderte meine Bedürfnisse durch den Konsum von Livevideos auf Youtube als die Chameleons beispielsweise 1985 im Camden Palace spielten. Da konnte man merken, wie stark Mark Burgess und seine Kollegen auf der Bühne waren, wie viel Feuer und Leidenschaft in ihren Gigs steckten, was sie für ein intensives Lebensgefühl vermittelten. Verflucht, diese Band musste ich wenigstens einmal in meinem Leben live sehen!


2012 erregte dann eine Meldung mein Interesse: The Chameleons würden beim Primavera Festival in Barcelona spielen. Ich musste mehrfach überprüfen, um es sich um die richtigen Chameleons handelte, schließlich kamen mehrer Gruppen auf die Idee, diesen Namen zu wählen (deshalb irgendwann auch einmal die Bennung in The Chameleons UK). Aber es stimmte tatsächlich, es war die Band, die ich meinte. Aus Zeit-und Kostengründen schaffte ich es aber nicht nach Spanien. Und Christoph, der vor Ort war, schaute sich den Auftritt von Mark Burgess, der inzwischen als Chameleons Vox firmierte, noch nicht einmal an, so daß ich auch keinen Bericht zu lesen bekam.

2013 sollte ich dann aber endlich meine Chance bekommen. Kurz nach den großen Sommerferien las ich irgendwo die frohe Botschaft: "ChameleonsVox en concert au Nouveau Casino, 8 novembre 2013". Ich strich mir den Termin sofort dick und rot in meinem Kalender an.

Als der große Tag gekommen war, hastete ich fiebrigen Schrittes in die Location. Mit dabei meine Frau, die ich gezwungen hatte, sich das Ganze auch anzusehen, aus musikerzieherischen Gründen, denn bis vor kurzem glaubte sie, die Editors seien gut. Wir kamen genau pünktlich zum ersten Lied an, hatten beflissentlich die Vorgruppe The Cemetary Girlz ausgelassen. Im Leben muss man sich auf das Wesentliche konzentrieren. Im Nouveau Casino war es saumäßig voll. Alte, verlebte Waver und ein paar jüngere Nachtschattengewächse bevölkerten die Location.

Um etwas zu sehen kletterte ich per Treppe nach oben, guckte mir den Gig von dort aus an. Der Standort war eigentlich super, allerdings gab es gleich neben mir eine Raucherecke, in der Leute hinter einer Glaswand rauchten bis ihnen die Lungen platzten. Ständig blies mir eine Rauchwolke in die Nase. Aber von solchen Widrigkeiten wollte ich mich nicht beeinflussen lassen. Zu lange hatte ich auf diesen Augenblick gewartet, jetzt wollte ich einfach nur genießen, Mark Burgess live zu sehen. Von den alten Chameleons war auch noch der ex-Drummer John Lever dabei (an der Gitarre!), allerdings sah ich die Musiker nicht, weil ich den modernen Kronleuchter des Nouveau Casino vor der Nase hatte. Der verhindert auch, daß ich vernünftige Fotos schießen konnte, aber darauf war an jenem Tage geschissen. War eh mehr was für die Ohren als fürs Auge, zumal die Musiker quasi durchgehend im Schummerlicht performten.

Aber wie sie performten! Der Sound: astrein! Die Stimme von Mark: wie früher (das heißt verraucht und etwas kurzatmig, aber so gut wie unverändert). Die Stimmung: bombig! Von Anfang an ging die Post ab und die Leute vorne tanzten friedlich Pogo. Nicht, um sich gegenseitig weh zu tun, sondern um zu den zackigen Ryhthmen voll mitzugehen. Es wurde wirklich hart und kompromisslos aufgespielt, das war kein seichter Pop fürs Radio, das war authentischer Post Punk, messerscharf, hundsgemein und wunderbar melancholisch.

Der erste Track, der so richtig ins Schwarze traf war Paper Tigers. Ein Kultsong der mit seiner markanten Gitarrenmelodie genauso stark klang wie damals. "too much makes me lazy, not enough and it makes me crazy", nörgelte Burgess vor sich hin und im Refrainteil mit Falsetteinschlag "they always keep themselves clean". Zeilen die ich auswenig kannte und laut mitsang.

Ein Highlight auch Soul in Isolation ("soul in isolation, I can hear you breathing down the hall"). Der Titel wurde voll und ganz ausgereizt und in einer speziellen Form gespielt. Mark Burgess machte sich einen Spaß daraus, Eleanor Rigby ("all the lonely people, where do they all come from?") und Get Back ("get back to where you once belonged") von den Beatles in sehr düsterer Weise reinzumischen, bevor er wieder zu dem eigentlichen Song zurückfand: "I'm alive in here, i'm alive in here" schrie er aus voller Kehle und die Leute in den ersten Reihen tanzten wie wild. 

Dann gab es mit Sycophants In Her Pants auch ein Stück von seiner vier Titel umfassenden neuen Ep, die ganz brauchbar, aber nicht überragend ist. An das alte Material kommt sie jedenfalls nicht ran und gerade jenes alte Material wollten wir Fans hören. Wir bekamen es natürlich auch in der Folge  wieder geboten. Bei Singing Rule Britannia wurden erneut Schnipsel von Klassikern verwurstet (White Riot von The Clash und Transmission von Joy Division: "dance, dance, dance to the radio!" schrien plötzlich alle), bevor Sekond Skin, die Leute dazu animierte, in einen Singalong einzustimmen. Mit Sicherheit ihr poppigstes Stück, aber auch unwiderstehlich gut und in höchstem Maße mitreißend. Dann aber wurde schon der Abgang geprobt und wäre das Konzert jetzt zu Ende gewesen, wäre ich ziemlich enttäuscht nach Hause gegangen. Es fehlten einfach noch einige ihrer stärksten Nummern. Die bekam man aber nun gleich im Dreier Pack. Monkeyland ("it's a trick of the light"), eine herrlich aggressive Version von In Shreds und das hymnische Don't Fall versetzten das Nouveau Casino in Ekstase. Es steppte wirklich der Bär, die Stimmung schäumte über, ein Typ kam sogar auf die Bühne und sprang von dort aus ins Publikum und allzu gerne hätte ich noch mindestens 20 Minuten mehr gehört und gesehen. Nach 75 Minuten war aber Schluß, schließlich ist Mark nicht mehr der Jüngste und muss seine Stimmbänder schonen. Er und seine neue Band hatten mich begeistert meine hohen Erwartungen definitiv erfüllt.


Wäre ich selbst jünger und spontaner, ich säße jetzt im Auto nach Deutschland, um mir die Shows in Köln, Berlin und Frankfurt anzugucken! Geht da hin, Freunde, ihr werdet es nicht bereuen!!

Setlist:

01: Swamp Thing
02: Looking Inwardly
03: Paper Tigers
04: Perfume Garden
05: Tears
06: Less Than Human
07: Feel The Need
08: Soul In Isolation
09: Sycophants In Her Pants
10: Singin Rule Britannia
11: Sekond Skin

12: Monkeyland
12: In Shreds
14: Don't Fall

Konzerttermine: 

15.11.2013: Sputnik Halle, Münster
16.11.2013: Blue Shell, Köln
17.11.2013: Bi Nu im Schlesischen Tor, Berlin
18.11.2013: Fundbureau, Hamburg
19.11.2013: Das Bett, Frankfurt



Sonntag, 3. März 2013

Post Punk Revival mit Savages, The KVB und Motorama, Paris 2013

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Konzerte: Savages, The KVB, Motorama
Orte: Le Nouveau Casino, La Mécanique Ondulatoire, La Maroquinerie 
Daten: 23/02/2013; 13/02/2013; 25/02/2013
Zuschauer: jeweils ausverkauft
Konzertdauer: jeweils in etwa eine Stunde

Wer glaubte, das Post Punk Revival sei schon wieder beendet, täuscht sich. In den frühen 2000 er Jahren durch Bands wie Interpol, Yeah Yeah Yeahs oder The Rapture losgetreten, und in den Jahren um 2005 auf seinem Höhepunkt (Bloc Party, Maximo Park, Kaiser Chiefs) angelangt, verlief sich die Bewegung in den letzten Jahren mehr und mehr im Sande. Viele Bands hörten auf (The Rakes, The Long Blondes, The Dead 60s, The Cooper Temple Clause), entwickelten sich in eine andere Richtung, oder liefen ihren einstigen Erfolgen hinterher.
Inzwischen sind aber andere Gruppen hinzugestoßen, die weiterhin in der Tradition von Joy Divsion, der Gang Of Four, oder Siouxsie and The Banshees komponieren. The XX und ihr Minimalsound wäre zu nennen, aber auch Warpaint, The Horros, Wu Lyf oder The Soft Moon.


Savages (Photo Gilles B, merci) aus England scheinen mir in der Tat eine Mischung aus Joy Division der Gang Of Four und Siouxsie Sioux zu sein. Zumindest würden sie gerne so klingen. Die vierköpfige Girlgroup, angeführt von der androgynen Französin Camille Berthomier (John et Jehn) spielten am 23. Februar vor ausverkauften Haus im Nouveau Casino und waren so bemüht und so krampfhaft "dark and mean", daß es schon fast lächerlich wirkte. Camille ließ stimmlich demonstrativ Siouxsie Sioux raushängen, klang dabei aber eher nach einen gescheiterten Blues Sängerin als der New Wave Ikone. Mit ausladenden Armbewegungen schien sie Aerobic auf der Bühne zu betreiben, guckte saumäßig grimmig und keifte in ihre Mikro. Ihre weibliche Begleitband machte hierzu ordentlich Dampf und viel Krach, wirkte aber wie eine ambitionierte Schülerinnenband auf mich. Das war wirklich viel Lärm um nicht viel, wenngleich mir grundsätzlich der Gitarrensound und der knarzige Bass zusagte. Dummerweise gab es aber keinen einzigen Song der hängenblieb und so war das Ganze mehr Pose als sonst was. Die üppigen Vorschusslorbeeren waren Savages definitiv nicht wert.




Interessanter scheinen mir da The KVB aus England zu sein. Kölner kommen beim Erklingen des Namens immer sofort auf die Assoziation Kölner Verkehrsbetriebe, aber die sind hier sicherlich nicht gemeint. Stattdessen reden wir von einem enorm jungen, gemischten Duos, bestehend aus Kat Day (Keyboards) und Klaus von Barrel (Gitarre, Gesang, Keyboard). Die beiden spielten im gut gefüllten Gewölbekeller la Mécanique Ondulatoire und wussten durch ein paar beeindruckende Passagen zu gefallen. Ihr Sound ist hypnotisch, verhallt, psychedelisch und höllisch laut, die kreierte Atmospähre düster und gefahrverheißend. Zwar erfinden sie im Grunde genommen auch nicht viel Neues, klingen vielmehr wie eine Kreuzung aus Joy Divison, My Bloody Valentine und A Place To Bury Strangers, aber Tracks wie Shadows sind schon faszinierend. Die Mischung aus den feuerspeienden Gitarren,den treibenden Beats und der Grabesstimme von.. ließ mich jedenfalls nicht kalt und trieb meine  Puls nach oben. Allerdings standen zwei Spanierinnen vor mir, die trotz des gewaltigen Lärms ohne Unterlass plauderten.

So war der Genuß leider nicht ungestört und dies obwohl ich ganz weit vorne stand.


Schön aber, daß The KVB bei ihren Songs variierten. Da gab es elektronischere Stücke wie Never Enough, psychdelisch verhallte Sachen wie Leaning und eben die Noisekeule wie bei Shadows.


Von The KVB werden wir deshalb sicherlich noch öfter hören und nicht nur im Zusammenhang mit dem Kölner Nahverkehr. Das neue Album Immaterial Visions ist gerade erst erscheinen und dürfte in Indie Kreisen für Aufmerksamkeit sorgen.


 

Abschließend möchte ich hier auch noch kurz Motorama erwähnen. Die russische Band performte wie berichtet am 25. Februar in der ausverkauften Maroquinerie und zeigte, daß man auch völlig bombastfrei und ohne bleiernde Monotonie und Düsternis Post Punk spielen kann. Die Mischung aus den unverschämt flotten Ryhthmen und den herrlichen Melodien ging voll in die Beine und bestätigte meine äußerst gute Meinung der Truppe aus Rostov-On-Don.

 Unter dem Strich kann man sicherlich sagen, daß das Post Punk Revival noch gute Tage vor sich hat. The Cure, Joy Division, Siouxsie Sioux und Wire werden nach wie vor unzählige junge Gruppen in den kommenden Jahren beinflussen.



Sonntag, 25. November 2012

Dillon, Paris, 21.11.12

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Konzert: Dillon (& Mesparrow)
Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 21.11.2012
Zuschauer: geschätzte 300
Konzertdauer: eine Stunde


Musiker aus Deutschland sieht man in Paris nicht sehr häufig. Das schreibe ich jedes Mal, wenn wieder un allemand/une allemande à Paris ist, aber der Spruch passt einfach auch immer. Aber zählen wir doch mal ohne nachzugucken auf, welche deutschen Acts Paris in den letzten Jahren konzerttechnisch beehrt haben: Get Well Soon, Norman Plam, Wir Sind Helden, Stereo Total, Masha Qrella (Foto), Contriva, Sorry Gilberto, Noel, Garda, The Notwist, Anika, Mediengruppe Telekommander, Pubculies & Rebecca, Mohna, Haruko, Jack November, Bettina Köstner, Jack Beauregard, Hauschka, Nils Frahm, Body Bill, The Robocop Kraus, Kissogram, Nina Hagen, Einstürzende Neubauten, Die Sterne, Cluster, Faust, Tangerine Dream fallen mir spontan ein und die meisten dieser Konzerte habe ich gesehen. Lieber vertuschen sollte man, daß Tokio Hotel und Rammstein riesige Hallen gefüllt haben und die Killerpilze, La Fee, Silbermond und die fürchterlichen Beatsteaks schon da waren. Auf die Schulter kann ich mir hingegen klopfen, Entertainment For The Braindead und Karo in die Stadt der Liebe bzw. mein Wohnzimmer gelockt zu haben.



Heute also Dillon, die allerdings schon mindestens zwei Mal zuvor in Paris gespielt hatte. Kein unbeschriebenes Blatt in Frankreich also und dank guter Promoarbeit und einem Album, daß es irgendwie geschafft hat, die Landesgrenzen zu überschreiten, zumindest in Indiekreisen den Parisern ein Begriff ist.

Ohnehin ist ihr Stil, düsterer Elektropop, in Mode, Künstlerinnen wie Fever Ray, Likke Li, Soap & Skin und Zola Jesus haben dem Genre in den letzten Jahren neues Leben eingehaucht und ihren Labels Gewinne beschert.



Zielgruppe von Dillon sind junge, sehr hübsche und höchstwahrscheinlich aus begüterten Verhältnissen stammende Mädchen. Das schien mir zumindest so, als ich das Publikum im Pariser Nouveau Casino inspizierte. Da standen wirklich viele süße Lämmchen rum und warteten darauf, daß die nette Französin Mesparrow mit ihrem ungemein nervigen Set fertig wird.


Um 21 Uhr dann aber endlich Dillon. Zu gerne hätten wir Zuschauer sie auch mal richtig gesehen, aber die Musikerin hatte alles dafür getan, nicht enttarnt zu werden und so blieben sogar in den kurzen Pausen zwischen den Songs die Lichter komplett aus. Sie performte zusammen mit ihrem stoischen Keyboarder durchgängig im Dunkeln und im Halbschatten sah sie genau aus wie Soap & Skin bei ihrem Gig für France Inter. Gothische Mode und Düsterniss scheinen wieder sehr angesagt zu sein und so passte zur Erscheinung von Dillon die schwarze Kutte und die globigen schwarzen Plateauschuhe.


Die Musik selbst war so finster nicht. Nachdem ich kürzlich so richtig krasse Neo Gothik Künstler wie Bestial Mouths und Animal Bodies gesehen hatte, klang das heute fast poppig. Früh gebrachte Tracks wie Thirteen Thirtyfive und From One To Six Hundred Kilometers könnten auch noch auf einem Kindergeburtstag laufen. Aber ich blödele wieder zu viel rum, zumal ich Kindergeburtstage immer gemocht habe.


Nein, ernsthaft jetzt mal. Probleme bereitet mir in gewisser Weise die soulige Stimme von Dillon, weil sie mich immer wieder an Duffy erinnert. Das war mir schon bei früheren Konzerten von ihr aufgefallen, traf aber auch heute wieder zu. Kann man sich aber letztlich dran gewöhnen, genau wie an das Kindliche in ihrem Gesang. Und wenn man sich drauf einlässt, ist der infantile Singsang sogar ziemlich berührend.

Störender war aber die permante Dunkelheit (sollten wir uns gruseln oder was?) und die gewollte Kühle der Performance. Erst als sich die deutsche Künstlerin zur Mitte des Sets bei Contact Us ( "if you don't dance i dont sing") mal an den Bühnenrand wagte und ihre Hüften schüttelte, kam mehr rüber. Als dann kurze Zeit später ihr größter Hit Tip Tapping erklang, hatte das Set seinen Höhepunkt erreicht.

Nach einer weiteren Viertelstunde und einer Gesamtspielzeit von nur einer Stunde war das Konzert aber auch schon wieder beendet.

Dillon hatte insgesamt einen passablen Auftritt hingelegt und die deutsche Indiemusik im französischen Ausland auch recht würdig vertreten. Unvergesslich wird mir dieser Abend aber nicht bleiben, wenngleich die langen blauen Fingernägel der Musikerin ja schon ein Hingucker waren...



Freitag, 15. Juni 2012

Erevan Tusk & The Dove & The Wolf, Paris, 13.06.12

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Konzert: Erevan Tusk & The Dove & The Wolf
Ort: Le Nouveau Casino, Paris

Datum: 13.06.12

Zuschauer: etwa 400, ausverkauft!

Version française en bas du texte!



Im April habe ich mich selbst etwas prahlerisch als Talentsichter bezeichnet als ich vom Konzert der beiden damals unbekannten Pariserinnen Louise und Paloma aka The Dove & The Wolf in dem recht piefigen Schuppen Le Vieux Léon erzählte bzw. schwärmte. Heute nun kann ich mir erst recht auf die Schulter klopfen, denn die Mädels traten in dem renommierten Indieclub Le Nouveau Casino vor 400 begeisterten Leuten auf. Louise und Paloma waren sogar so nett, hinterher Leuten zu erzählen, daß dies mein Verdienst gewesen sei, was mir ehrlich gesagt die Schamesröte ins aufgedunsene Gesicht trieb. Ich habe ein wenig mitgeholfen, ja, habe The Dove & The Wolf der tollen Videoseite Le Cargo vorgeschlagen und durch meinen euphorischen Text (der auch auf französich vorlag) das Vorankommen ein klitzekleinwenig beschleunigt. Ansonsten war es aber ausschließlich das Talent des Duos, was den heuten attraktiven Konzerttermin ermöglichte.

Schon bald werden Konzertveranstalter, Booker und Labeleute nicht mehr an Louise und Paloma vorbeikommen. Zu offensichtlich sind ihre musikalischen Qualitäten, zu entzückend schön ihre Harmoniegsänge, zu stark ihre subtilen Songs.

Heute im Nouveau Casino warfen sie all diese Qualitäten in die Waagschale und überzeugten auf ganzer Linie. Sie waren nicht ganz allein mit ihren Akustikgitarren gekommen, sondern hatten auch Verstärkung in der Person des Drummers/Gitarristen Xavier aus Spanien dabei, der sogar in der Mitte des Sets eine schöne Eigenkomposition vorstellte. Traumhaft gut kamen bei der hervorragenden Akustik ihre bildhübschen Stimmen zur Geltung und wunderbar klangen auch die perlenden Gitarrenakkorde. Verblüffend, daß die beiden Mädels in ihrem jungen Alter (beide sind erst 22) schon in der Lage sind, solche komplexen, clever arrangierten Songs zu schreiben. Die beiden verlassen sich eben nicht auf den Niedlichkeitsfaktor, begnügen sich nicht damit, süßlich Folkpopsongs für den Mainstream zu komponieren, sondern arbeiten bereits jetzt an guten Strukturen, die sie von der Masse abheben.

Der kreierte Sound war sehr atmosphärisch und traumversunken, manchmal geradezu hypnotisierend. Man hörte ein wenig Parallelen zu den Fleet Foxes heraus, aber auch zu First Aid Kit, Emmylou Harris oder Alela Diane, aber das sind nur beschreibende Eckpfeiler, die Musik von The Dove & The Wolf ist bereits jetzt erstaunlich eigen.

Setlist The Dove & The Wolf, Nouveau Casino, Paris:

01: The Choir
02: To The Other Side
03: To The West/The Shore
04: Moving Shadows
05: River
06: Insane, In Love
07: Interlude
08: Springtime


Wer sie sich zu Hause ein wenig anhören möchte, dem empfehle ich Springtime und The Shore und natürlich das tolle Akustikvideo von Le Cargo.

springtime by the dove & the wolf

the shore by the dove & the wolf



Tja und dann ging es mit Erevan Tusk weiter. Verzauberten uns eben noch hübsche Mädchen, waren nun gut gebaute Männer auf der Bühne, die den schönen Mädels im Publikum weiche Knie bereiteten. Keine Frage, Erevan Tusk scheinen eine gewaltigen Schalg bei den Weibern zu haben! Wenn ich in der Band wäre, würde ich das schamlos ausnutzen! Aber die Jungs von Erevan Tusk sind vielleicht zu romantisch veranlagt, um wild rumzuvögeln. Zumindest ihre Musik hat diese romantische Note, die der Sache das gewisse Etwas verleiht. Aber es sind nicht nur Süßholzraspler, diese Musiker mit gleich zwei verscheiden Leadsängern, sondern sie beherrschen auch den knackigen, amerikanisch gefärbten Indierock verblüffend gut. Im Grunde genommen hört man ihnen nicht die Spur an, daß sie Franzosen sind, was vielleicht auch daran liegt, daß Sänger Mij/Jim (er wird mal so, mal so genannt) aus Schweden stammt und nicht den typischen französischen Akzent beim Singen der englischen Zeilen hat, der normalerweise sofort die gallische Herkunt verrät.

Jim, Pacôme, Pierre, Nico und Alex heißen die fünf Bandmitglieder und jeder spielte heute seinen Part ganz ausgezeichnet. Es war ein Set was durchgängig flutschte und keine Längen aufwies. Dafür waren die Melodien einfach zu packend, die Harmoniegsänge zu herzergreifend, die Energie der Band zu mitreißend. Ein paar Leute kamen gar nicht aus dem Tanzen raus und die Stimmung war wirklich ganz ausgezeichnet.







Garant für die hohe Qualität des Konzerts waren die astreinen Songs. In Your Shadow, By The Larches (sehr beatlesk!), Frostbitten und natürlich Cassidy waren die Highlights eines ganz tollen Auftritts. Vor internationalen Bands wie Shearwater, REM, The Decemberists oder Modest Mouse brauchten sich die Franzosen mit diesem Liedmaterial wirklich nicht zu verstecken. Und so passte es dann auch perfekt, daß sie am Ende Neutral Milk Hotel und ihren Klassiker King Of Carrot Flowers coverten. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie längst das Konzert in trockene Tücher gebracht und das Publikum auf ihre Seite gezogen. Das Cover war das Tüpfelchen auf dem i und bechloß etwa 80 musikalisch hochklassige Minuten.


Toll, einfach toll!

Setlist Ervan Tusk, Nouveau Casino, Paris 2012

01: Rain Tuning
02: KebneKaise
03: Nora
04: Phrasal Show
05: In Your Shadow
06: By The Larches
07: Ivy Ghosts
08: Punctured Lung
09: Truth Or Dare
10: Mammoths
11: One Of These Days
12: Tepid Din
13: Frostbitten
14: From The Steeple Spire

15: Cassidy

16: King Of Carrot Flowers (Neutral Milk Hotel)

E.P "Sheen" by Erevan Tusk

Pour nos lecteurs français:

En avril je me suis qualifié moi-même "dénicheur de talent" après avoir vu Paloma Gil et Louise Hayat-Camard alias The Dove And The Wolf. C'était un peu prétentieux, je l'avoue, mais le succès des filles m'a donné raison! Les voilà dans la prestigieuse salle indé du Nouveau Casino en première partie des fabuleux Erevan Tusk. Devant 400 personnes acquises à leur cause. Ce n'est quand même pas mal, non?

Mais tout le mérite en revient à Paloma et Louise. C'est grâce à leur talent évident que leur ascension va si vite. J'ai modestement apporté ma contribution en proposant à mes amis du Cargo de faire une session avec elles, mais c'est tout. Tôt ou tard aucun label, agence de booking ou bonne salle de concert ne pourra les éviter, leur musique est tout simplement trop séduisante, leurs harmonies vocales trop belles, leur qualités de composition et d'écriture trop subtiles pour passer à coté de ce phénomène.

Ce soir au Nouveau Casino les deux filles montrèrent tous leurs atouts et donnèrent un concert de toute beauté. Elle ne sont pas venues toutes seules, mais étaient accompagnées par l'espagnol Xavier qui jouait de la batterie et de la guitare électrique. Au milieu du concert Xavier a même eu le droit de présenter un de ses titres qu'il avait écrit pour son propre groupe!

Les trois musiciens ont pu profiter d'un son excellent ce qui rendait les voix pures encore plus belles et les accords de guitares encore plus profonds et envoutants. C'était bluffant de voir que deux filles de seulement 22 ans sont déjà capables d'écrire des chansons aussi mûres, complexes et bien arrangées. Elles auraient pu faire dans la simplicité en faisant des tubes folk/pop sucrés et gentillets qui ne font de mal à personne, mais plaisent à tout le monde. Mais The Dove and the Wolf ne sont pas Cocoon et ont des ambitions musicales beaucoup plus grandes. Leurs idoles sont plutôt Neil Young (qu'elles reprennent, mais pas ce soir), Bob Dylan (l'ancien groupe s'appelait comme un morceau du maître: Girls From The North Country*) et Ryan Adams, références impeccables donc.


Les titres étaient atmosphériques et oniriques, parfois hypnotisants et j'étais complètement entré dans leur univers pendant les 30 ou 40 minutes de concert qui se termina en feu d'artifices avec Spring Time. C'était sublime, grand bravo à The Dove and The Wolf qui ont gagnées de nouveaux fans aujourd'hui.

Les garçons ont eu droit aux jolies filles, mais environ 15 minutes plus tard c'était au tour des filles de profiter de beaux hommes sur scène. Et des belles filles il y en avait vraiment tout plein au Nouveau Casino ce soir! Visiblement Erevan Tusk ont la cote chez la gente féminine et si j'étais à leur place j'en profiterais aussi! Mais bon, les musiciens d'Erevan Tusk semblent trop romantiques pour collectionner les filles d'un soir. Leur romantisme et lyrisme se montre en tout cas dans leur morceaux irrésistibles qui charmaient par des mélodies accrocheuses, des harmonies vocales magnifiques. En live, le tout est présenté avec une dynamique et un jeu de scène passionnante.

Ils n'ont rien à envier aux groupes rock indé américains et il est remarquable que dans leur cas leur origine ne s'entende pas. Jim et Pacôme n'ont pas d'accent quand ils chantent les paroles anglaises ce qui les distingue de la plupart des autres groupes français actuels.

Je viens de citer Jim et Pacôme, mais il y a également Pierre, Nico et Alex dans le groupe et chacun d'entre eux jouait sa part remarquablement bien ce soir. C'était un concert harmonieux, bien maîtrisé et dense, joué avec une passion et une classe folle. L'ambiance était donc très bonne, il y avait notamment des filles qui dansaient sans cesse durant les 80 minutes d'une prestation sans temps mort.


Garant pour la haute qualité du concert étaient les innombrables chansons tubesques du groupe. In Your Shadow, By The Larches (avec un son très à la "Beatles") Frostbitten ou Cassidy sont cité parmi plein d'autres perles. Des presque classiques qui aurait pu être écrites par des groupes magnifiques comme Shearwater, REM, The Decemberists ou Modest Mouse. Et vu ces références superbes, ce n'était pas étonnant que le groupe termina avec King of Carrot Flowers de Neutral Milk Hotel, qu'ils présentèrent groupé, bras dessus-dessous sur le devant de la scène!

Une soirée mémorable pour la sortie du premier album Fortify Your Innocence.


* la chanson originale s'appelle Girl (singulier) From The North Country.



Freitag, 9. März 2012

The Phenomenal Handclap Band & Field Music, Paris, 08.03.12

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Konzert: The Phenomenal Handclap Band & Field Music

Ort: Le Nouveau Casino, Paris (Soirée Custom)

Datum: 08.03.12

Zuschauer: 100-150

Konzertdauer: Field Music: eine Stunde


(Fast) gähnende Leere bei den Konzerten der Phenomenal Handclap Band aus den USA und Field Music aus England im Pariser Nouveau Casino. 400 Leute passen in den Laden rein und selbst Optimisten hatten Schwierigkeiten das Nouveau Casino als halbvoll zu bezeichnen.

Ob es daran lag, daß es bei der Phenomenal Handclap Band zwar Handclaps gab, die Gruppe aber leider keineswegs phänomenal war? Es sei denn man steht auf Boney M, die Bee Gees und 70 er Jahre Diso Funk à la Donna Summer.

Mein Vergleich mit Boney M kam mir zunächst fast absurd vor, aber als ich gestern eine alte Nummer von Uncut zur Phenomenal Hanclap Band las, wurde genau diese längst verdrängte Gruppe genannt. Okay, man könnte auch moderne und etwas passendere Vergleiche finden. CSS, !!! (chk chk chk) oder Hercules and Love Affair. Aber nun gut, Funk, Soul, Groove, alles nicht meine Stilrichtungen und wenn die Sängerin nicht so extrem hübsch (und die Bassistin auch sehr ansehlich) gewesen wäre, hätte ich mich wohl tierisch gelangweilt. So ging es einigermaßen und die Sache war auch ziemlich schnell vorbei.

Setlist The Phenomenal Handclap Band, Paris:

01: About John
02: Breath
03: Ginger Bread
04: Sex Toys
05: East River
06: City
07: Kicks

Konzert: 10. März 2012: Bi Nuu, Berlin


Nun standen Field Music an. Bekanntermaßen gebildet aus dem Gebrüdergespann Brewis (Mike and Peter) und zwei Mitmusikern.

Handwerklich und musikalisch eine fantastische Band, aber leider nicht charismatisch genug, um auf Titelbildern zu landen und aus der Indie-Ecke rauszukommen. Dabei ist die Musikpresse regelmäßig euphorisch, wenn neue Field Music Alben erscheinen und lässt es Sterne regnen. Der letzte Output Plumb macht da keine Ausnahme, auch dieser wurde sehr gut rezensiert. Ich für meinen Teil muss allerdings gestehen, daß ich nicht mehr vertraut bin mit den letzten CDs. Ich bin beim exzellenten Tones Of Town (mit den auch heute gespielten Hits If Only The Moon Were Up, A House Is Not A Home) stehengeblieben, habe seither den Faden verloren. Aber Konzerte sind ja auch dazu da, einen solchen Rückstand halbwegs aufzuholen.


Von dem Neuling Plumb wurden natürlich einige Songs gespielt. Beispielsweise das im extremen Falsett gesungene A New Town, aber auch das groovige Who'll Pay The Bills? oder das druckvolle A New Thing. Stilistisch hat sich allerdings nicht so viel geändert bei den Sunderlander Brüdern, die immer fein brüderlich (passt ja!) die Gesangesrollen tauschten und auch zwischen Schlagzeug und Gitarre hin und her wechselten. Nach wie vor sind die Stücke mit vielen Brüchen versehen, verzichten auf Bubblegum-Refrains und werden es deshalb schwerlich in die Herzen (und Ohren) von Mainstream- Hörern schaffen. Kenner werden zwar immer sagen: "wow, was für eine smarte, ideenreiche Band!", die anderen werden aber regelmäßig urteilen: "naja, finde ich nicht so berauschend."


Ich für meinen Teil schlage mich auf die Seite der Fans, muss allerdings gestehen, daß mir das neue Material auch nicht sofort ins Ohr ging. Aber das war bei Field Music schon immer so. Hat man eines ihrer Alben mindestens 10mal gehört, wird es immer besser und besser. Schade, daß so wenig Leute da waren!

Setlist Field Music, Nouveau Casino, Paris:

01: Trilogy
02: Rockist
03: Choosing Sides
04: Let's Write A Book
05: Is This The Picture?
06: If Only TheMoon Were Up
07: Them That Do Nothing
08: A New Town
09: Who'll Pay The Bills
10: A House Is Not A Home
11: Something Familiar
12: Share The Words
13: How Many More
14: Just Like Everyone Else
15: New Thing

15: Effortlessly



Montag, 10. Oktober 2011

British Sea Power, Paris, 08.10.11

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Konzert: British Sea Power
Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 08.10.2011
Zuschauer: nicht ausverkauft, etwa 200
Konzertdauer: etwa 80 Minuten


Der berühmte und leider kürzlich aus Motivationsgründen zurückgetretene Musikblogger Nicorola hat als Begründung für sein Aufhören unter anderem gesagt: "Ich habe keine Lust mehr, bereits beim Ansehen eines Konzertes eine Review im Kopf zu schreiben."

Er spricht damit ein interessantes Thema an. In der Tat ist es auch bei mir so, daß ich bereits während des Konzertes Notizen in meiner Matschbirne mache und mir schon überlege, wie ich den Bericht später formulieren werde. Nicht immer kommt alles ganz ungefiltert aufs Papier, denn zu Hause angekommen, wägt man dann doch oft noch das Für und Wider ab, entschärft seine Sprache und versucht auch rationale Argumente mit einfließen zu lassen.

Aber ich will euch gar nicht vorenthalten, was mir alles beim Konzert von British Sea Power im Pariser Casino stichwortartig durch den Kopf schoss:

- ekelhafter Bombast
- fetter Gitarren-Breitwandsound
- angehende Stadionband
- seicht und pseudoromantisch
- total von den Psychedlic Fours abgekupfert
- Interpol light
- Coldplay mit anderen Mitteln
- von euch lasse ich mich nicht einlullen!
- Ihr Arschkriecher ihr!

So ging das mindestens eine halbe Stunde lang. Ich zeriss das Konzert vor meinem geistigen Auge in der Luft und freute mich fast schon diebisch auf die Abreibung, die ich der Band verbal erteilen würde. Hey, das würde ein Spaß werden!

Dann aber drehte sich plötzlich das Blatt. Ich beobachtete Zuschauer im Publikum, die völlig ausrasteten und fragte mich, warum ich eigentlich so griesgrämig in der Gegend rumstand. Wenn ich ehrlich war, gefiel mir dieser Post Punk Revival Sound eigentlich verdammt gut. Ist sowieso eine meiner bevorzugten Stilrichtigungen. Ich bin mit The Cure groß geworden, mochte auch immer Echo & The Bunnymen, The Chameleons und die Psychedelic Furs und bin heutzutage Fan von Interpol und Arcade Fire. An all diese Bands erinnerten mich die British Sea Powerler. Am Anfang störte mich das gewaltig, weil ich neben Interpol eigentlich sehr wenige Bands innerhalb des Post Punk Revivals gelten lasse. White Lies?: Scheiße! Glasvegas?: Der letzte schwülstige Dreck! Editors?: Käse! The Boxer Rebellion?: Nicht gut! The Cinematics? Mist! Belasco: Nix für mich! Broken Records?: zu viel Bombast. Diego?: Klone.

Die Frage war also: wolle mer se reinlasse? Reinlassen in den exklsuiven Club von zeitgenössischen Melancholierockern, die ich mag. Interpol hatte ich genannt, aber auch The Twilight Sad, I Liketrains und die Franzosen Kim Novak sagen mir sehr zu. Daneben ist aber nicht mehr viel Platz.

Gegen Ende des Konzertes wurde aber ganz deutlich, daß British Sea Power in meinen Club gehören. Sie sind einfach wahnsinnig elegant, spielten unfassbar tight und druckvoll auf und begeisterten auch mit filigraner Instrumentierung mittels Geige und Horn. Und dann war da natürlich auch noch die Stimme von Scott Wilkinson. Er verfügt über ein brüchiges, nahegehendes Organ, das starke Ähnlichkeiten zu Richard Butler von den Psychedelic Furs und natürlich zu David Bowie aufweist und sehr markant ist. Auch sein Bruder sang ein paar Songs, hielt sich aber ansonsten dezent zurück.

Die Band selbst sprach von ihrem besten Paris Konzert ever und bestätigte diese Aussage sehr eindrucksvoll mit einem fulminanten Zugabenteil. Nun gab es wirklich kein Halten mehr. Einer der Musiker kletterte ins Publikum runter und spielte zwischen den begeisterten Fans, während Wilkison oben stimmlich Vollgas gab. Hochmelodische Gitarren erfüllten das Rund und der Drummer peitschte von hinten an, das es eine helle Freude war. Die Geige und das Horn sorgten für die melancholischen Momente. Manche Leute rasteten förmlich aus, ein Kerl neben mir hatte spastische Anfälle, klatschte wie im Rausch in die Hände, rieß seinen Mund sperrangelweit auf. Mein Herz raste nun, ich erlebte ein Finish wie ich es in diesem Jahr selten bis nie gesehen habe. Der Uralthit Rember Me kam perfekt schrammelig und mit 300 Sachen rüber, Spirit Of Saint Louis trug den auf morbide Weise anziehenden Spirit von Joy Division in sich und Waving Flags war zwar bombastisch wie Sau, aber nichtdestotrotz unwiderstehlich. Das heroische und von der himmlischen Geige durchzogene The Great Skua markierte schließlich das Ende eines berauschenden Konzertes, das mich zum Fan von British Sea Power werden ließ.

Lebensverändernd! Yeah, baby!!!


Setlist British Sea Power, Nouveau Casino, Paris:

01: Who's In Control
02: Oh Larsen B
03: We Are Sound
04: Mongk
05: No Lucifer
06: Lights Out For Darker Skies
07: North Hanging Rock
08: Living Is So Easy
09: Baby
10: Observes The Skies
11: Bear
12: Carrion
13: All In It

14: Remember Me
15: Spirit Of St Louis
16: Waving Flags
17: The Great Skua


Konzertdaten British Sea Power:

09.10.2011: Luxor, Köln
10.10.2011: Lido, Berlin
11.10.2011: 59:1, München
12.10.2011: abart, Zürich

Aus unserem Archiv:

British Sea Power, Köln, 22.02.08








Mittwoch, 1. Dezember 2010

The Rural Alberta Advantage & Roken Is Dodelijk, Paris, 30.11.10

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Konzert: The Rural Alberta Advantage & Roken Is Dodelijk

Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 30.11.10
Zuschauer: so gut wie ausverkauft, also etwa 350 Leute
Konzertdauer: Roken Is Dodelijk etwa 75 Minuten, TRAA etwa 45-50 Minuten


Meine derzeitige Müdigkeit spottet jeder Beschreibung. Bereits in der U-Bahn auf dem Weg ins Nouveau Casino bin ich eingenickt, verfiel in einen narkotösen Kurzschlaf und hatte große Mühe, frühzeitig auszusteigen und nicht einfach bis zum Ende der Linie durchzufahren.



Umso erstaunlicher, daß bereits eine viertel Stunde später meine Schlaffheit (kurzfristig) wie weggeblasen war. Das kanadische Trio The Rural Alberta Advantage spielte so frisch und rasant auf, daß sie noch Bären aus dem Winterschlaf gerissen hätten. Hei, was war das ein flottes, berauschendes Set! Drei hübsche junge Menschen (Nils Edenloff, Amy Cole und Paul Banwatt) vermittelten Spiel-und Lebensfreude pur und zauberten mir ein Dauerlächeln auf die Lippen. Alle drei waren auf ihre Art und Weise außergewöhnlich. Drummer Paul trommelte druchgängig mit 250 Sachen und riß dabei den Mund herrlich weit auf, Sänger Nils greinte mit krächzig kehliger Stimme im Stile eines John McCauley von Deer Tick und Amy sah nicht nur umwerfend hübsch aus, sondern spielte zudem Schlagzeug, Glockenspiel, Keyboard und alle möglichen Percussioninstrumente. Jeder einzelne Song war ein Knaller. Four Night Rider wirbelte wie ein Tornado (witzigerweise ein anderer Titel der Band) durchs Nouveau Casino und Drain The Blood setzte hinsichtlich Tempo, Catchyness und und Melodienverliebtheit noch einen obendrauf. Soviel Schmiss und Lässigkeit hatte ich zuletzt bei Tokyo Police Club erlebt und die teilen mit The Rural Alberta Advantage nicht nur das famose Label Saddle Creek, sondern auch das Gespür für süchtig machende Indiepop Songs. In dem heutigen Set gab es keinen einzigen Ausfall oder Langweiler, es wurde von der ersten bis zur letzten Minute gesprintet und hinterher fragte ich mich, warum die nicht schon viel bekannter sind. Ace! Totally ace!

Mehr Photos The Rural Alberta Advantage @ Nouveau Casino, Paris, klick!

Setlist The Rural Alberta Advantage, Nouveau Casino, Paris*

01: Luciana
02: Rush Apart
03: Don't Haunt This Place
04: Muscle
05: Frank, AB
06: The Ballad Of The RAA
07: 4 Night Rider
08: Edmonton
09: Tornado
10: Stamp
11: In The Summertime
12: Drain The Blood
13: The Deadroads
14: Knife
15: Sleep All Day
16: The Dethbridge In Lethbridge

* es wurden nicht alle aufgelisteten Lieder gespielt. Vielmehr handelte es sich um einen Pool aus Songs, aus dem man sich auf der aktuellen Tour bedient.

Aber wie waren die Headliner Roken Is Dodelijk aus Frankreich? Konnten sie die wahnsinnig gute Vorgruppe noch toppen?

Genügend Spielzeit bekamen sie zumindest eingeräumt. Opulente 75 Minuten, sehr viel für eine Band, die bisher noch kein richtiges Album, sondern lediglich zwei EPs (R.I.P, The Terrible Things) veröffentlicht hat. Roken Is Dodelijk kommen aus dem nordfranzösischen Lille und hatten mir bereits beim Festival Rock en Seine 2010 vor den Toren von Paris richtig gut gefallen.



Heute ging es um zehn nach 9 los. In der Mitte gleich vor mir agierte der hibbelige, hyperaktive Sänger, der über eine soulig angehauchte Stimme im Stile eines Patrick Watson verfügt, wenn er ins Falsett abdriftet aber auch an Morrissey erinnert. Links außen dann Lena Deluxe, zierliche Keyboarderin und Backgroundsängerin, die auch eine vielversprechende Solokarriere verfolgt und zudem vier andere Musiker, die abgesehen vom Schlagzeuger untereinander ihren Bass, die Elektrische oder die Akustische wechselten. Ein schwungvolles Sextett, das sich anschickt, eine der besten aktuellen Indiebands in Frankreich zu werden. Eingängige Hits haben sie auf jeden Fall zu bieten, King Of This Town oder The Terrible Things seien nur beispielshaft erwähnt. Alles bei ihnen klingt frisch, melodiös und treibend, sie sind so etwas wie die französische Antwort auf Acts wie Fanfarlo, Patrick Watson, Arcade Fire, Modest Mouse und den Magic Numbers und müssen sich vor diesen internationalen Namen wirklich nicht verstecken. Fast mühelos schafften sie es, das Pariser Publikum auf ihre Seite zu ziehen und durchgängig einen hohen Spannungsbogen zu halten.

Schwer zu sagen, ob sie genauso gut wie die hervorragende Vorgruppe des heutigen Abends waren, aber sie standen nicht zu Unrecht im Rampenlicht und werden sicherlich 2011 so richtig durchstarten. Ich drücke ihnen jedenfalls die Daumen!

Auf ihrem Blog kann man sich alle Stücke in Ruhe anhören.

- Die weltberühmte Pariser Blogothèque hat mit Roken Is Dodelijk jede Menge Videos gedreht, klick!

Setlist Roken Is Dodelijk, Nouveau Casino, Paris:

01: Good Enough
02: The Story
03: King Of This Town
04: I Believe
05: The Tribe
06: Cover
07: Even After All
08: Sound
09: The Letter
10: MDC
11: Jogging
12: 75

13: Stereo King

The Rural Alberta Advantage in Deutschland:

02.12.2010: Haldern Pop Bar, Rees-Haldern
03.12.2010: Magnet Club, Berlin

und am 4.12.2010 im Paradiso in Amsterdam

Link: Das Klienicum hat bereits im Februar 2008 über The Rural Alberta Advantage berichtet. Lesenswert wie immer, klick!



 

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