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Montag, 15. September 2014

Pelle Carlberg, Duisburg, 14.09.14

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Konzert: Pelle Carlberg
Ort: Zum Hübi, Duisburg
Datum: 14.09.2014
Dauer: 65 min
Zuschauer: knapp 40


Eines der schönsten Konzerte, die ich dieses Jahr erleben durfte, fand im März bei Ursula und Dirk in Montabaur statt. Die beiden hatten für ihr erstes Wohnzimmerkonzert Pelle Carlberg eingeladen, dessen Musik ich seit Jahren liebe und den ich einige Male in regulären Clubs in Köln gesehen hatte. Nicht nur für die Veranstalter, auch für die meisten Gäste war es eine Premiere, aber eine, die saß! Das Konzert war fabelhaft, das Drumherum ebenso und der Abend damit einer, an den wir uns erinnern werden!

Die schönste Episode dabei war eine echte Weltpremiere. Pelle hatte vor einigen Jahren mit seiner Band Edson in Malaysia gespielt und den dortigen Sponsor Tiger Beer wegen seines Nachnamens, der zu sehr dem des Hauptkonkurrenten gleicht, dazu gebracht, nur den Vornamen des Schweden auf die Plakate zu drucken. Darüber hat Pelle CARLBERG* ein Lied geschrieben (Pelle Carlsberg), das er aber nie live gespielt hat. Mit einer cleveren Intrige und einem Asia-Shop in Frankfurt gelang es den Gastgebern, den Sänger dazu zu bringen, das Stück in ihrem Wohnzimmer zu spielen. Und es war toll!

Als die kurze NRW (und nördlicher) Tour, die Montag in Düsseldorf endet, angekündigt wurde, passte der Köln Termin leider nicht, weil er mit unserem Ausflug zu Kraftwerk nach Karlsruhe kollidierte. Dann eben Duisburg am Sonntag! Ein Konzert in einer Fischerkneipe "Zum Hübi" zu sehen, hat ja auch etwas.

Weil wir dem Anfangstermin 20 Uhr nicht trauten, fragte ich beim Sänger nach, wann er beginne. "Pünktlich um acht, es findet draußen statt", klang erst gut, in Staus stehend plötzlich schlimm, als wir fünf Minuten vor acht am Duisburger Rheinhafen ankamen und einen Tisch mit Blick auf den Schweden und den Rhein fanden aber wieder nach einem entspannten Abend.

Und der wurde es natürlich auch. Ich bin bei Lieblingskünstlern nicht objektiv und Pelle Carlberg gehört zu denen. Aber auch den Zuschauern, die ihn vorher nicht kannten und zum Abendbierchen oder -tee dem Sänger mit den traurigen Liedern zuguckten, schien das Konzert ausgezeichnet zu gefallen. Leider hatten sich nicht furchtbar viele auf der Hafenpromenade eingefunden. Aber in einer Kneipe, die an der Horst-Schimanski-Gasse liegt, erwarten die Leute zur Tatort-Zeit vermutlich kein Konkurrenz-Programm.

Pelle spielte ein ähnliches Set wie bei den Konzerten im Frühling. Alte Lieblinge wie Go to hell, Miss Rydell, Clever girls..., Musikbyrån makes me wanna smoke crack oder 1983..., neue Stücke, wie das wunderschöne und enorm traurige Salt oder Loser of the century, aber auch das in Montabaur wiederentdeckte Pelle Carlsberg (ohne daß Ursula und Dirk eine Flasche mitbringen mussten) und ein Lied seiner alten Band Edson (I didn't mean to be mean). Ach, es war wieder großartig und natürlich das viel bessere Programm als ein oller Tatort!

Nachdem er uns vorher gesagt hatte, daß er ganz selten Cover spiele, war die Zugabe das schönste Cover, das ich bisher von Pelle Carlberg gehört habe, Rocket man von Elton John (schöner als das Original).

Hoffentlich gefällt es dem schwedischen Sänger weiter so gut in Deutschland! Hoffentlich ärgert ihn Ryanair auf dem Rückflug nach Schweden nicht so sehr, daß es lange dauert, bis er zurückkommt. Zum einen haben wir fürs nächste Mal Middleclass kid (und das in Duisburg vergessene Pamplona) versprochen bekommen, zum anderen, tausche ich viele Abende mit mittelmäßigen aber sehr angesagten Hype-Bands liebend gerne gegen einen mit dem großartigen Pelle Carlberg!

Setlist Pelle Carlberg, Zum Hübi, Duisburg:

01: Oh no! It's happening again
02: Musikbyrån makes me wanna smoke crack
03: Fly me to the moon
04: 1983 (Pelle & Sebastian)
05: Go to hell, Miss Rydell
06: I didn't mean to be mean (Edson)
07: Loser of the century (neu)
08: I love you, you imbecile
09: Metal to metal
10: Salt (neu)
11: Pelle Carlsberg
12: Because I'm worth it
13: Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

14: Rocket man (Elton John Cover) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:

- Pelle Carlberg, Stuttgart, 26.03.14
- Pelle Carlberg, Montabaur, 24.03.14 (Ursula)
- Pelle Carlberg, Montabaur, 24.03.14 (Christoph)
- Pelle Carlberg, Köln, 23.03.14 (Ursula)
- Pelle Carlberg, Köln, 23.03.14 (Christoph)
- Pelle Carlberg, Köln, 22.09.11
- Pelle Carlberg, Köln, 25.08.09
- Pelle Carlberg, Köln, 23.11.07



* wir sind nicht gesponsort von Tiger Beer! Carlsberg schmeckt bestimmt noch viel toller!



Montag, 1. Juli 2013

Cat Power, Duisburg, 22.06.13

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Konzert: Cat Power
Ort: Kraftzentrale, Duisburg (Traumzeit Festival)
Datum: 22.06.2013
Zuschauer: vielleicht 2.000, am Ende weniger als die Hälfte
Dauer: gut 90 min



Ich mag Cat Power, ich bin aber kein riesiger Fan. Einige ihrer Platten (aber bei weitem nicht alle) besitze ich, ein Konzert hatte sich bisher aber nicht ergeben. Entweder war sie gerade in einer unzuverlässigen Phase oder sie hatte einen Gospel-Chor dabei, beides wäre kein guter Einstieg für mich gewesen.

Als bekannt wurde, daß Cat Power das Traumzeit Festival in Duisburg headlinen würde, stand für mich fest, daß ich die Amerikanerin dort nicht verpassen wollte - obwohl die Konkurrenz mit dem neuen Best Kept Secret Festival in Holland nicht klein war.


So schön das Traumzeitfestival auch ist - die Kulisse alleine ist wundervoll!, das Lineup gut - so wenig durchdacht erscheint der Zeitplan. Samstag spielten drei größere Namen, Cat Power, Get Well Soon und CocoRosie. Get Well Soon überschnitten sich aber zum großen Teil mit Cat Power, und weil ich die einen bereits zigmal und die andere noch nie gesehen hatte, konnte ich also nur ein paar Lieder meiner deutschen Lieblinge in der wundervollen Giesshalle angucken. Cat Power spielte in der Kraftzentrale, in der die Editors sich am Vorabend aus meiner Gunst gespielt hatten. Kurz vor Konzertbeginn der Amerikanerin war die Halle ähnlich gut gefüllt wie bei den Editors. Mir war bekannt, daß Chan Marshalls Alben auch in Deutschland Charterfolge waren. Daß ihretwegen so viele gekommen waren, hatte ich aber nicht gedacht.


Der Start des Konzerts war spektakulär schön. Nach der Intromusik Bad religion von Frank Ocean kam eine Gitarristin alleine auf die vernebelte Bühne, die an Chans Platz mit Räucherstäbchen dekoriert war, und spielte immer wieder die gleichen wenigen Töne. Irgendwann kam Cat Power dazu und stieg in The greatest ein. Obwohl das Lied noch lauter wurde, war diese Version wohltuend abgespeckt - keine Geigen, keine Background Sängerinnen. Ein Traum und eines der besten Livelieder, die ich dieses Jahr gesehen habe!

Mich auf die Schönheit der Musik zu konzentrieren, war aber nicht ganz einfach, weil ich unentwegt an Beverly Hills Cop II denken musste. Chan Marshall hat ihr Aussehen schon häufig geändert, der Brigitte Nielsen Look war mir neu und... - nunja, es muß ihr schließlich gefallen.


Mit The greatest war der beste Song bereits gespielt, das war schon während des Eröffnungsstücks klar. Aber auch danach blieb es (weitestgehend) sehr schön. Die meisten Lieder des Abends stammten von ihrem aktuellen Album Sun, das sie mit zwei Ausnahmen komplett spielte. 

Vor allen bei dem ruhigeren Stücken, die mit wenig Gitarren auskamen, wurde mir deutlich, daß meine Einschätzung, das Publikum sei wegen der Künstlerin da und kenne ihr Werk, vollkommener Blödsinn gewesen war. Um mich rum standen nur Festivalgänger, die Hintergrundmusik zum Bier suchten. Und als es in der Halle nicht mehr spannend genug war, gingen sie dann raus. Das machten so viele, daß Chan zur Hälfte des Konzerts den Saal schon ziemlich leer gespielt hatte. Ich habe wie gesagt keinen Live-Vergleich, bin aber sicher, daß es keine schöneren Versionen von Cat Powers Liedern gibt. Zuschauer, die auf einen Skandal hofften und enttäuscht wurden, kann ich mir beim besten Willen auch nicht ausmalen, es waren vermutlich wirklich in der Mehrzahl Leute, die sich das mal angucken wollten und dann in (für sie) nette und (für mich) laute Gespräche verfielen. So etwas macht wirklich sehr wenig Spaß und beeinträchtigt ein Konzerterlebnis, wie sehr auch immer man sich bemüht. 


Ob der Mittelteil des Konzerts jetzt wirklich deutliche Längen hatte, wie ich es empfand, oder ob das an meine fehlenden Aufmerksamkeit wegen der Idioten in meiner Umgebung lag... ich weiß es nicht. Lieder wie Bully (der Bonustrack von Sun) oder das Cover Angelitos negros empfand ich nicht als sonderlich spannend. Aber spätestens mit I don't blame you (dem Stück über Kurt Cobains Suicid) und dem wundervollen Metal heart hatte mich die blondierte Sängerin wieder.

Bevor mit Peace and love und Ruin zwei Sun-Stücke das Konzert nach anderthalb Stunden und ohne Zugaben beendeten, spielte Cat Power noch eine Merkwürdigkeit, ein Meshup, wie es auf Hip heißt (wir sagten früher "Medley") dreier Stücke, die ich im Leben nicht erkannt  hätte. Oh sweet nuthin' von The Velvet Underground, Never tear us apart von INXS und Shivers von Rowland S. Howard. Ich hätte aber auch gut und gerne geglaubt, es handele sich um einen Song, der von Chan selbst stamme.

Mich hat Cat Power halb begeistert zurückgelassen. Das Konzert hatte wirklich wundervolle Passagen, stellenweise hat es mich wenig berührt. Und was das Wolfsgeheul bei Manhattan soll, kann ich mir so gar nicht erklären!

Setlist Cat Power, Traumzeit Festival, Duisburg:

01: The greatest
02: Cherokee
03: Silent machine
04: Manhattan
05: Human being
06: King rides by
07: Bully
08: Angelitos negros (Pedro Infante Cover)
09: Always on my mind
10: 3, 6, 9
11: Nothin' but time
12: I don't blame you
13: Metal heart
14: Oh sweet nuthin' / Never tear us apert / Shivers (Velvet Underground / INXS / Rowland S. Howard Cover)
15: Peace and love
16: Ruin


Samstag, 22. Juni 2013

Editors, Duisburg, 21.06.13

9 Kommentare

Konzert: Editors
Ort: Landschaftspark Nord, Duisburg (Traumzeit Festival)
Datum: 21.06.2013
Zuschauer: 3.000 vielleicht
Dauer: gut 90 min




Mein achtes Editors Konzert war leider auch mein letztes.* Das, warum Lieblingsbands Lieblingsbands sind, die emotionale Bindung, ist vollkommen weg. Nachdem die Briten einige Lieder gespielt hatten, viele neue, aber auch Munich oder Bones, wurde mir schmerzhaft klar, daß mir das heutige Konzert vollkommen egal war und ich nur blieb, weil ich immer bleibe und halbe Konzerte hasse. Diese schmerzende Erkenntnis ist zwar auch eine Emotion, aber keine von der Sorte, die mich so oft in Editors Konzerte gehen ließ.


Ich habe die Band und ihre Auftritte geliebt, mag die erste Platte extrem, die zweite sehr und hatte mir die dritte (und die Tour dazu) damals noch schöngeredet. Daß mir dies mit The weight of your love, dem vierten Album, das bald erscheint, auch gelingen könnte, halte ich für ausgeschlossen, obwohl ich die neuen Stücke vorhin zum ersten Mal gehört habe. Ich möchte es auch gar nicht. Zu belanglos erschien mir das meiste. Und das beste Lied unter den neuen (Two hearted spider) ist ein netter Pop-Song, allerdings keiner, der zu den Editors passt. Die anderen trieften vor Pathos (Sugar) oder waren sterbenslangweilig (The phone book - kein Wunder! Wie soll ein Song über ein Telefonbuch auch sonst sein?). Das schlechteste der neuen Stücke war das mit dem schönsten Titel, Formaldehyde. In unserer Schule lief alle paar Monate der Schulelternsprecher durch die Anbauten, um zu schnüffeln, ob irgendwo Formaldehyd feststellbar sei. Das damals anzusehen, war spannender als das Lied zum Gift. Viel spannender!


Die Editors waren einer der Headliner des ersten Tages beim Traumzeit-Festival im Duisburger Landschaftspark, einem ehemaligen Zechengelände. Die Konzerte finden in der Giesshalle, der Kraftzentrale, der Gebläsehalle oder draußen vor dem Gasometer statt. 

Die Editors waren in der Kraftzentrale angesetzt. Diese eindrucksvolle 170 m lange Halle diente der Strom- und Hochofenwind-Erzeugung, als die Hütte noch im Betrieb war. Sie erinnert an die Bochumer Jahrhunderthalle, was wenig verwundert, da diese einen ähnlichen Zweck erfüllte.


Sehr passend zum Ort spielte als "Vorgruppe" der Knappenchor Homberg. Und herrlich klischeehaft kündigte dessen Dirigent gerade das Steigerlied an, als ich reinkam. Nach dem anschließenden Schnaps sang der Chor noch Amazing Grace als Zugabe.


Die herrlich dunkle Halle füllte sich danach recht flott. Wie ich später merkte, waren viele wegen der Editors da und nicht etwa Festival-Laufkundschaft.


Im vergangenen Jahr ist Gitarrist und Keyboarder Chris Urbanowicz ausgestiegen. An seinem Platz stand ein Synthesizer, der aber zunächst unbesetzt blieb, als die Band auf die Bühne kam. Auf der linken Seite der Bühne** stellten sich die beiden neuen Mitglieder Justin Lockey (Gitarre) und Elliott Williams (Keyboard, Gitarre und Anklatschen) hintereinander auf.


Daß mich die beiden ersten Stücke Sugar und A ton of love nicht beeindruckten, sah ich noch nicht als Problem an, es würden schon noch bessere Lieder der neuen Platte folgen. Die Engländer spielten auch eine ganze Menge der unveröffentlichten Stücke, einen Großteil des Albums, der Funke sprang aber nicht über, es blieb mau. Und es wurde mir auch wieder deutlich, daß auch die Titel der dritten Platte (vielleicht mit Ausnahme von Papillon, das aber ohnehin sehr untypisch ist), sehr viel schlechter als die frühen Stücke sind. Erstaunlicherweise (oder eben auch nicht) kamen gerade die Lieder von In this light... am besten an. Hier wurde am meisten mitgesungen und geklatscht.


Offenbar ist die Meinung, daß die frühen Editors die guten Editors waren, nicht weit verbreitet. Der Band wäre es zu gönnen, weil das dafür spricht, daß der Broterwerb noch eine Weile gesichert ist.

Der Synthesizer-Tisch rechts blieb lange unbesetzt. Als er dann erstmals
bespielt wurde, machte das nicht der neue Keyboarder sondern Tom Smith. Das über weite Strecken verwaiste Pult machte schmerzhaft bewußt, wie groß die Lücke ist, die Chris Urbanowicz hinterlassen hat. Aber die Musik, auch die alten Stücke, machten dies noch eine Spur deutlicher. Vielleicht bilde ich mir das bei Bullets oder The racing rats (schrecklich abgehetzt und mit stumpfem Beat!) auch nur, weil meine Laune von Lied zu Lied schlechter wurde - aber ich fürchte nicht.

Nein, das war nicht nur nichts, es läßt auch keine Hoffnung zurück, daß das Konzert (eines der ersten laut Tom) ein Ausrutscher war. Sobald sich genug Leute finden, die brav und begeistert mitmachen, wenn Animateur Elliott den Mitklatsch-Anfeuerer gibt, ist das Konzert schließlich toll für die. Für mich nicht. Eine gute Stimmung bedeutet eben leider noch kein gutes Konzert und sie konnte nicht über die mangelnde Qualität aller neuer Stücke hinwegtäuschen.

Vielleicht bis 2025, zum Jubiläum von The back room, ansonsten farewell...

Setlist Editors, Traumzeit Festival Duisburg:

01: Sugar (neu)
02: A ton of love (neu)

03: Munich
04: Bones
05: Two hearted spider (neu)
06: An end has a start
07: Bullets
08: Formaldehyde (neu)
09: Bird of prey (neu)
10: No sound but the wind
11: In this light and on this evening
12: Bricks and mortar
13: Eat raw meat = blood drool
14: Smokers outside the hospital doors
15: The phone book (neu)

16: Papillon (Z)
17: The racing rats (Z)
18: Honesty (neu) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Editors, Paris, 14.12.09
- Editors, Köln, 12.11.09
- Editors, Haldern, 08.08.08
- Editors, Melt!, 18.07.08
- Editors, Reims, 30.05.08
- Editors, Paris, 07.04.08
- Editors, Krefeld, 14.03.08
- Editors, Paris, 11.11.07
- Editors, Köln, 08.11.07
- Editors, Paris, 06.07.07
- Editors, London, 17.06.07
- Editors, Köln, 13.06.07
- Editors, Paris, 26.08.06


* es sei denn, sie spielten irgendwann eine The back room Jubiläums-Tour!
** vom Publikum aus




Mittwoch, 5. Juni 2013

Scout Niblett, Duisburg, 04.06.13

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Konzert: Scout Niblett
Ort: Café Steinbruch, Duisburg
Datum: 04.06.2013
Zuschauer: ca. 75
Dauer: gut 60 min



Vergangen Freitag spielte Scout Niblett auf der Open Air Bühne des wundervollen Maifeld Derby Festivals in Mannheim. Nach ein paar Lieder setzte heftiger Regen ein, der es sehr viel attraktiver machte, ins nahe Hauptbühnen-Zelt zu flüchten. Das taten fast alle.


Obwohl ich die in Portland lebende Musikerin ein wenig in Verdacht hatte, den Regen herbeigesungen zu haben, blieb ich als einer von wenigen draußen und guckte das ganze Konzert. Scout Niblett ist eben viel besser als trockene Haare - und die Kameras steckten in Gefrierbeuteln.

Trotzdem ist es natürlich schöner, wenn die Kuli-Tinte im Notizbuch sich nicht in Regentropfen auflöst, also empfand ich es als gute Idee, mir Scout gleich noch einmal in einem Club - oder hier in einem Café mit Konzertraum anzusehen. Da es bereits um halb neun losgehen würde, ohne Vorgruppe, versprach es auch kein zu anstrengender Abend zu werden, schließlich stecken mir Primavera, Maifeld und Sin Fang - mein Programm der letzten 14 Tage - schon ein wenig in den Knochen.

Es verzögerte sich ein wenig, kurz nach halb erschien aber Scout Niblett (mit Rucksack) und nahm ihren Soundcheck vor. Um 20.45 Uhr begann dann wieder, ohne noch einmal von der Bühne gegangen zu sein, das erste Stück. Emma scheint in dieser Hinsicht sehr pragmatisch zu sein.


Wie in Mannheim begann das Konzert mit einem Solostück. Es war allerdings nicht Duke of anxiety, als Eröffnunglied spielte die Engländerin My beloved. Der Fürst der Angst folgte erst im Anschluß, auch von Scout alleine gespielt.

Zum dritten Lied kam Schlagzeuger Jan Phillip Janzen dazu, zu Gun im Anschluß auch Gitarrist Miguel Ortiz Caturani (der diesmal ein Streifenshirt statt des lässigen Roboterpullovers trug).


Auch alleine klingt Scout live vorzüglich. Die rohe Gitarre, ihr eindringlicher Gesang, oft enorm laut werdend, begeistern mich immer wieder. Die Ergänzung um die zweite Gitarre und das häufig peitschend gespielte Schlagzeug passen fabelhaft dazu und machen sehr viel Sinn.

Obwohl die drei nicht furchtbar gut eingespielt sein können, Jan und Miguel
kommen (wohl) aus Köln, merkte man davon nichts. Emma verpatze einen Einsatz (bei Second chance dreams), das wäre ihr aber wohl auch alleine passiert. What can I do? brach die Sängerin auch ab. "That sounded wrong!" Sie wusste aber nicht warum und spielte weiter.

Das Programm entsprach weitestgehend dem Festival-Set vom Wochenende. Neben My beloved am Anfang kamen noch What can I do? und die Zugabe Kiss dazu. Aber im Prinzip scheint mir auch egal zu sein, was Emma spielt. Anders als großartig kann ich mir ihre Konzerte nicht vorstellen.

Auch wenn es ja schon vor allem um Musik geht, sind so viele kleine Dinge jenseits der Stücke so wundervoll. Aus dem Nichts lachte die Sängerin ab und zu laut (und ein wenig irre) vor sich hin, toll! Oder die Art, wie sie sich nach jedem Lied mit dem Hemdärmel den Mund abwischte, wie ein Fußballspieler.

Ein fabelhafter Auftritt im Gottseidank vollen Steinbruch! Beste Lieder heute waren My man, Nevada, What can I do? und Kiss. Aber das kann am Sonntag schon wieder ganz anders sein.

Sonntag spielt Scout sogar noch in größerer Besetzung auf dem Dach des Museum Ludwig im Rahmen der King Ludwig Konzertreihe, hinter der die Macher des King Georg stecken. Seit ich 2012 dort Stephen Malkmus vor der Kulisse des Doms gesehen habe, sind diese Konzerte ein Muß. Scout Niblett auf der Museumsterrasse wird sicher ein ganz besonderes Leckerchen (das Konzert ist ertaunlicherweise noch nicht ausverkauft!).
 
Setlist Scout Niblett, Café Steinbruch, Duisburg:

01: My beloved (solo)
02: Duke of anxiety (solo)
03: All night long
04: Gun
05: Second chance dreams
06: Can't fool me now
07: My man
08: Your last chariot
09: Nevada
10: Let thine heart be warned
11: What can I do

12: Kiss (Z)

Links:

- Scout Niblett, Mannheim, 31.05.13
- Scout Niblett, Köln, 14.01.13
- Scout Niblett, Paris, 09.05.11
- Scout Niblett, Paris, 07.06.10
- Scout Niblett, Paris, 30.11.09
- Scout Niblett, Paris, 24.05.08
- Scout Niblett, Paris, 17.12.07





Mittwoch, 29. August 2012

Beach House, Duisburg, 28.08.12

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Konzert: Beach House
Ort: Grammatikoff, Duisburg
Datum: 28.08.2012
Zuschauer: ca. 250 (ausverkauft)
Dauer: 75 min


Beach House und ich, wir brauchten eine Weile, um uns zu mögen. Vor ein paar Jahren konnte ich den aufkommenden Wind um die Band aus Baltimore ganz und gar nicht verstehen. Mittlerweile hat sich meine Zuneigung fundamental geändert, und ist (auch) durch das aktuelle Album Bloom noch einmal deutlich größer geworden. Im Frühjahr hatten wir Gelegenheit, Teile der Platte schon live zu sehen: das amerikanische Duo Victoria Legrand und Alex Scally spielte u.a. in Paris und beim Primavera Festival. Der Auftritt in Barcelona hatte mich vor allem wegen der Mischung aus glasklarer, wundervoller Musik und der kühlen Entrücktheit der Band im 80er Jahre Design ihrer Bühne vollkommen begeistert. Daß ich mir zumindest eines der beiden kleinen Clubkonzerte im August nicht nehmen lassen wollte, war also wenig überraschend.

Im Duisburger Grammatikoff war ich noch nie, auch im Vorgängerladen nicht. Seit November 2011 wird der Club von den neuen Betreibern geführt und offenbar sind hier Menschen am Werk, die etwas von Konzerten verstehen. Wegen der doofen Anreise hatte ich bei Facebook gefragt, wann es losgehe und ob es eine Vorgruppe gebe. Ganz schnell kam auf beides Antwort. Einige Stunden vor dem Konzert dann
ergänzt um die Information, daß der Tourbusfahrer angerufen habe und eine längere Pause brauche, daher verschiebe sich der Konzerttermin um eine halbe Stunde nach hinten, auf schlaffreundliche 21 Uhr.

Wir kamen kurz vor acht am Grammatikoff an und setzten uns in den Biergarten vor dem Haus. Der Einlass begann gerade, die Schlange war aber entschieden zu lang. Mich ließ das extrem locker, weil ich damit rechnete, daß es ekelhaft voll werden würde und wir von der Band eh nichts sehen würden, weil sie sich gerne in Nebelbänke einhüllt und auch aus der ersten Reihe nicht wahrnehmbar sein würde. Also ruhig spät reinkommen und dann hinten irgendwo ans Mischpult. Die Strategie ging nicht auf, denn im kleinen Saal im ersten Stock war noch luftig viel Platz. Ein Teil der Schlangesteher war nach oben auf eine Empore gegangen, der Rest verteilte sich in dem kleinen Raum so angenehm, daß wir zwangläufig doch nach vorne konnten. Das würde an der Sicht nicht viel ändern aber besser Nebel als Hinterköpfe.

Um kurz vor neun zog ein Helfer als letzte Vorbereitung Bettücher von der Bühnendeko. Die aus parallelen weißen Streben bestehenden Objekte an der Rückwand hielt ich für State of the art Lichtelemente, die durch die Tücher vermutlich noch vor Luftfeuchtigkeit geschützt werden müssten. Aber gleich sollte ich das ja genauer erleben.

Victoria und Alex kamen gemeinsam mit Tour-Schlagzeuger Dan Franz auf die Bühne. Vor dem (Dan) hatte ich ein wenig Angst, denn Oliver hatte vom Auftritt bei Rock en Seine am Wochenende berichtet, daß das Schlagzeug arg dominant gewesen sei. Bei fragilen Sound der Amerikaner kann so etwas ein Konzert sehr schnell kaputtmachen. Glücklicherweise war diese Angst unbegründet. Der Sound war nicht nur ausgewogen, er war für einen Club dieser Größe sogar außergewöhnlich gut!

Zu Crocket's Theme von Jan Hammer (Miami Vice) waren die drei Musiker auf die Bühne gekommen. Ich bin recht unsicher, ob diese Intro-Auswahl ironisch zu verstehen ist. Zum einen ist das Stück schließlich hervorragend, zum anderen erscheint mir auch Victorias Outfit mit Thomas-Anders-Lockenpracht und wechselnden 80er Blazern durchaus ernst gemeint. Daß es konsequent zur eigentlichen Musik passt, ist unbestritten.

Erstes eigenes Stück war Wild von Bloom. Auch wenn, wie bei allem, was folgte, Victorias tiefe und klare Stimme wichtigstes Element der Musik ist, funktionierte das Zusammenspiel zwischen dezentem Schlagzeug, Alex' Gitarre und dem 80er Keyboard hervorragend!

Zwei weiter bei Norway (ausgerechnet beim überragenden Norway!) erfuhr meine Begeisterung aber einen Einbruch. Der Hit von Teen Dream kam lustlos daher. Also doch kein überragendes Konzert? Mist! Falsch; wie mit vielen Einschätzungen lag ich heute auch hier vollkommen daneben. Denn alles, was danach kam, war schlicht wundervoll, klang hervorragend und wurde großartig vorgetragen! Other people und Lazuli machten den Auftakt für elf große Hits in Folge. Als ich bei Myth zum ersten Mal auf die Uhr guckte, stellte ich erstaunt fest, daß bereits eine Stunde gespielt war. Wenn eine Band, deren Lieder sich stilistisch kaum unterscheiden, so kurzweilig wirkt, macht sie eine Menge richtig.

Aus dieser Hitparade Lieder herauszuheben, ist eigentlich unsinnig, trotzdem verdient das Ende des regulären Teils besondere Erwähnung. New year, Zebra, Wishes, Take care und Myth direkt nacheinander sind schon
fast obszön verschwenderisch! Gottseidank war wenigstens bei Myth das Schlagzeug einen Tick zu laut und eine Rückkopplung am Anfang von Wishes fies, sodaß es ein wenig zu mäkeln gab. Wo ich schon gerade dabei bin... Natürlich gab es auch wieder die beiden Typen, die Zebra nutzten, um sich bei ihrem Bierchen angeregt laut zu unterhalten.

Victoria war auch eine Ecke redseliger als gedacht. Ich war sicher, daß ihr hingehauchtes "thank you for being with us" nach Norway der einzige Kontakt mit
der Außenwelt sein würde, lag aber auch damit daneben. Sie bedankte sich immer mal wieder höflich für die Aufmerksamkeit, als sei sie ernsthaft überrascht, den kleinen Club auszuverkaufen. Beach House nehmen schließlich gerade die nächste Hallengröße in Angriff, in Köln steht im Herbst das Gloria auf dem Plan. Nur mit der Stadt taten sie sich schwer. "Duisburg" war wohl entweder schwer auszusprechen oder entfallen. Es war nämlich nur von "this city" die Rede. Zumindest, nachdem ein mündiger Bürger durch Zwischenruf aufgeklärt hatte "it's a city not a town." Den Town-Fauxpas hatte sich Alex kurz zuvor bei einer Dank-Ansage geleistet.

Glücklicherweise war auch meine Nebel-Angst Quatsch. Es gab ihn, es gab auch düsteres Licht, die Band war aber genauso gut sicht- wie hörbar. Und auch dies hat dem entrückten Charme des Auftritts nichts genommen.

Die Lichtleisten hinter der Bühne, die ich für teuren Schnickschnack gehalten hatte, stellten sich übrigens als eine Art Lattenroste heraus, hinter denen sich Ventilatoren drehten. Dies erzeugte mit einfachen Mitteln wunderschöne Effekte. Irgendwie sinnbildlich für den Abend.

Setlist Beach House, Grammatikoff, Duisburg:


01: Wild
02: Gila
03: Norway
04: Other people
05: Lazuli
06: Used to be
07: Silver soul
08: The hours
09: New year
10: Zebra
11: Wishes
12: Take care
13: Myth

14: 10 mile stereo (Z)
15: Irene (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Beach House, Barcelona, 03.06.12
- Beach House, Paris, 29.05.12
- Beach House, Köln, 14.11.10
- Beach House, Paris, 04.11.10
- Beach House, Frankfurt, 16.08.10
- Beach House, Paris, 03.06.10
- Beach House, Paris, 20.02.10
- Beach House, Paris, 24.05.08





Dienstag, 5. Juli 2011

Weakerthans, DeVotchKa u.a., Duisburg, 02.07.11

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Konzert: The Weakerthans, DeVotchKa u.a. (Traumzeit Festival)
Ort: Landschaftspark Nord, Duisburg
Datum: 02.07.2011


Gastbeitrag von Nelle

Das Traumzeit-Festival findet jährlich im Duisburger Landschaftspark Nord statt auf dem Gelände eines ehemaligen Hüttenwerks. Die Bühnen sind dort zwischen ehemaligen Hochöfen und in leergeräumten Maschinenhallen, ein wundervolles Ambiente. Abends wird dann noch das Gelände illuminiert. Seit Jahren hatte ich immer mal überlegt für die ein oder andere Gruppe hinzugehen, habe es dann aber nie gemacht.


Mein Grund jetzt endlich einmal hinzugehen waren die Weakerthans, die ich schon seit dreieinhalb Jahren nicht mehr gesehen habe und deren letzter Auftritt im Ruhrgebiet sogar mehr als sieben Jahre zurückliegt – da habe ich noch gar nicht hier gewohnt. Tags zuvor wäre zwar auch ein Konzert in Köln gewesen, aber Duisburg ist halt näher. Das Traumzeitticket war mit knapp unter 30 Euro teurer als eine Eintrittkarte für Köln, aber das hätte sich durch die Anfahrt ja nicht mehr groß unterschieden. Jedenfalls hatte ich also eine Tageskarte für den zweiten von drei Festivaltagen. Ein bisschen schade um die anderen Bands (Freitag z. B. Caribou, Mogwai und Ólafur Arnalds, Sonntag u. a. Dirk Darmstaedter, Hundreds und ein gemeinsamer [!] Auftritt von Alec Empire und Patrick Wolf), aber man kann nicht alles haben.

Direkt vor dem Duisburger Hauptbahnhof fuhr ein Shuttlebus zum Landschaftspark, besser geht es also verkehrstechnisch kaum. Etwa eine halbe Stunde vor Beginn war ich vor Ort, bekam ohne jegliche Warteschlangen mein Bändchen und schon konnte ich rein. Zwei Dinge fielen schnell auf: a) Nur ein Teil des Landschaftsparks wurde für das Festival genutzt, der Rest war abgesperrt. Schade zwar, aber auch sicherer und nachvollziehbar – man hätte sonst sicher zwanzigmal so viele Sicherheitsmenschen gebraucht. b) Der Altersschnitt war deutlich höher als bei den meisten anderen Festivals. Und die Essensauswahl! Gegrilltes (sogar Lamm!), Crepes, Thailändisch, Pommes, Döner und und und... prima. Fehlte nur noch der Afghane vom Phono Pop.

Pünktlich um 16 Uhr begann auf der Bühne neben dem Gasometer (in dem man heute tauchen kann!) mit DeVotchKa die neben den Weakerthans einzige Band des Tages, von der ich auch Musik habe. Ihre Rockmusik mit osteuropäisch angehauchter Folklore wurde mit einen gewohnt breiten Instrumentarium gespielt, u. a. dem wundervollen Theremin. Die Kontrabassistin spielte darüber hinaus zeitweise auf einer sehr großen Tuba – laut Wikipedia ein Sousaphon – die zudem auch noch bunt verziert war. Mit diesem Ding um Schultern oder Hals tanzte sie dann noch sonnenbebrillt über ihren Bühnenteil, sicherlich das meistfotografierte Fotomotiv des Auftritts. Da ich die Songtitel nicht kenne, kann ich nichts zu den Stücken sagen. Außer dass es mir gut gefallen hat und auch sehr gut ankam. Zu diesem Zeitpunkt schien auch die Sonne und es war fast warm. Zum letzten mal an diesem Tag...

Wem die Instrumente von DeVotchKa schon zu exotisch waren, ging nun ganz sicher nicht in die Gießhalle. Die Gießhalle ist übrigens keine richtige Halle, da sie zu zwei Seiten offen ist und das ganze ordentlich Durchzug ergibt. Zudem gibt es eine Art Tribüne aus Stein, so dass Stühle theaterähnlich höherwerdend aufgestellt werden können (siehe Bild oben). Dort war nun die Gruppe Myanmar Hmu Gitameit angesetzt, die ihre Herkunft ja schon im Namen trägt. Im Rahmen des kulturellen Austauschs versucht man seitens des Traumzeit-Festivals die hier völlig unbekannte Musik aus dem politisch, wirtschaftlich und auch sonst in jeglicher Art abgeschotteten Myanmar (Birma/Burma) zu Gehör zu bringen und hat daher eine Reihe von Ensembles aus dem südostasiatischen Land eingeladen. Die Band bestand aus einem über 80-jährigen Mann, der eine Art Gitarre auf dem Schoss spielte sowie einem Musiker, der zwischen einem Klavier und dem Patala wechselte. Letzteres ist eine Art Xylophon, bei dem die Holzstäbe an zwei Bändern über einem Holzblock hängen. Dazu gab es noch eine Sängerin mit zwei kleinen Instrumenten in ihren Händen. Das eine machte "Pling" (wie eine neuere Fahrradklingel), das andere "Klack". Diese beiden spielte sie während dem Singen immer abwechselnd, meist das ganze Stück lang. Gesungen wurde in Landessprache. Ich habe ja einen leichten Hang zu südostasiatischem Gesang und finde z. B. die kalifornisch-kambodschanische Gruppe Dengue Fever großartig. Der Auftritt bekam zwar gegen Ende seine Längen, war aber dennoch sehr spannend – solche Musik kriegt man ja sonst in Europa nie zu hören und hat im Hinterkopf, asiatische Musik besteht nur aus der Klimbim-Hintergrundbeschallung im Chinarestaurant.

Weiter ging es mit dem größtmöglichen Kontrast, da wird man wirklich herausgefordert bei der Traumzeit. In der neben der Gießhalle befindlichen Pumpenhalle spielten ZU aus Italien. Spätestens als ich las, dass sie zuletzt mit Mike Patton zusammengearbeitet haben, hätte klar sein müssen, dass das nicht unanstrengend wird... Das Trio spielte in einer ohrenbetäubenden Lautstärke auf Kontrabass, Schlagzeug und Saxophone ... ja was eigentlich? ... ich nenne es mal Dröhnen. Es war eine Mischung aus Doom Metal und Jazz und das erste Lied, das ich hörte, war wirklich ein zehnminütiges, sich immer weiter steigerndes, Dröhnen. Die anderen Stücke waren zwar etwas angenehmer, aber insgesamt war es wirklich anstrengend und ohrenzerberstend. Aber es hatte seine Faszination, war schon wieder spannend (so viele spannende Bands!) und irgendwie auch verrückt, was man mit so normalen Instrumente machen kann. Mehr als 20 Minuten ging aber nicht.

Auf der Außenbühne am Gasometer war nun gleichzeitig ein Norweger namens Bernhoft, der mit seiner Akustikgitarre und einem Stop-Repeat-Sampler-Schalter eine ganze Soul-/Funk-Band zusammensetzte. Fand ich jetzt eher so lala.

Weiter ging es stattdessen ins Hüttenmagazin zum Instrumentenworkshop Myanmar mit dem Hsaing Waing Ensemble Hein Tint, das am Vortag bereits einen regulären Auftritt absolviert hat, und der oben genannten myanmarischen Gruppe. Nach einer kurzen Musikdarbietung wurden die Instrumente des HWEHT vorgestellt und erklärt. Darunter das Pat Waing (s. Foto), bei dem 21 einzelne Trommeln in einem kreisförmigen, goldenen Ring hängen, in dessen Mitte der Musiker sitzt, und das chromatische Gongspiel Maung Zaing. Lauter Instrumente, die ich noch nie gesehen habe... Laut Programmheft hätten diese es teils sogar beinahe nicht zum Festival geschafft, da diverse mit Tierhaut bespannte Trommeln (u. a. im Pat Waing) aus seuchenschutzrechtlichen Gründen tagelang nicht ins Land gelassen wurden. Nach der Erklärung der Instrumente durch eine Musikethnologin konnte man diese auch ausprobieren, was aufgrund der Sprachbarrieren (die Musiker sprachen weder Deutsch noch Englisch) anfangs schwierig war, aber dann immer besser klappte. Falls sich jemand dafür interessiert oder das einfach mal hören möchte: WDR 3 sendet am Di. 05.07. um 23 Uhr einen einstündigen Mitschnitt der beiden Gruppen aus Myanmar vom Traumzeit-Festival.

Während dort noch ausprobiert wurde, ging ich aber schon zurück zur Gießhalle, wo nun die Weakerthans spielen sollten. War es anfangs noch sehr leer, wurde es nun schnell voll. Glücklicherweise war ich nicht der einzige, der auf einen Sitzplatz verzichtete und sich in den Raum zwischen Bühne und Tribüne stellte. Im Publikum schnell das gewohnte Weakerthans-Publikum-Bild: Alle freuen sich und strahlen selig lächelnd John K. Samson (und manchmal auch seine Mitmusiker) an.

Da ich die Songtitel immer durcheinander bringe, kann ich nicht genau beschwören, was gespielt wurde. Folgende Stücke waren in jedem Falle dabei: Aside, Benediction, Civil twilight, Left and leaving <3, Manifest, Reconstruction site, The reasons, This is a fire door, Tournament of hearts, Watermark. Zudem natürlich das solo vorgetragene "One great city!" über die Heimatstadt der Band, Winnipeg.

Nach etwa 70 Minuten und einer kurzem Zugabe war das Konzert vorbei, der Applaus wallte aber noch minutenlang zwischen den stählernen Wänden. Die hatten den Sound zuvor während den lauteren Stücken etwas demontiert, aber das ging in Ordnung. Das traf weniger auf zwei Damen vor mir zu, die durch ständiges Kreischen Stahlwände zum Schwingen und Trommelfelle zum reißen brachten. Eigentlich hatte ich mir Hoffnung gemacht, dass WDR 3 das wohl aufgezeichnete Konzert Ende des Sommers noch ausstrahlt, aber da werden schon allein aus der Mikrofontonspur so viele schrille Höhen rauszufiltern sein, dass sich sicher keiner die Arbeit machen wird...

Folkrock, burmesische Folklore, Lärm, Soul, Indiepop... was fehlt noch? Genau: Elektronische Ambientmusik. Also schnell zurück in die Pumpenhalle und einen netten Sitzplatz neben der Bühne sichern für Kreidler. Die beiden Damen vom Weakerthans-Auftritt setzten sich direkt hinter mich, blieben aber dieses mal ruhig. Die Bühnenansager bemühten sich um eine bewusst möglichst doofe Ansage ("Wir wollten eine Band aus Düsseldorf. Ein Kraftwerk haben wir selber hier, daher jetzt Kreidler.") und dann ging es los. Mir gefällt die Gruppe gut, aber ich habe da auch keinen sonderlichen Wiedererkennungswert bei den einzelnen Stücken. Wenigstens weiß ich jetzt, was ich meinem Vater zu Weihnachten schenke – eine Kreidler-CD.

Nach einer für Festivalverhältnisse sowohl in Sachen Größe als auch Geschmack überdurchschnittlichen Mahlzeit und Hintergrundmusik von einer Dame, die Doris Day-Lieder spielte, ging es zurück in die Gießhalle, wo es nun endgültig kaaaalt war. Mein Schnupfen quälte mich schon den ganzen Tag (Dauergedanke: "Wann ist das Lied endlich zu Ende, ich muss mir die Nase putzen!"), nun wurd es aber endgültig zu viel. Frierend und dauerschniefend saß ich da und wartete auf die Band Amiina aus Island. Die wurden im Programmheft als vier Damen mit Streichinstrumenten angekündigt, die früher bei Sigur Rós mitgespielt haben, plus zwei Herren. Es waren aber nur drei statt vier Damen und Streichinstrumente hatten sie auch nur in geringer Menge... zudem sahen sie so jung aus, dass sie diese Band unmöglich vor 13 Jahren an einer Musikhochschule gegründet haben können. Laut Wikipedia sind sie alle über 30, das hätte ich nicht gedacht. Erkältungsbedingt habe ich von dem Konzert gar nicht so viel mitbekommen, schade eigentlich. Inzwischen hatten aber ohnehin fast alle Besucher eine Erkältung und die Taschentücher machten die Runde... Gegen Ende ging es etwas besser und ich glaub es war ziemlich gut. Viele Instrumentenwechseln untereinander, jeder konnte alles.

Zum Ausklang des Abends gab es noch eine Jamsession mit den burmesischen Musikern vom Nachmittag und einer Reihe europäischer Musiker, primär aus dem Jazzbereich (z. B. die Schlagzeugerin Anne Paceo aus Frankreich, die zuvor in der großen Kraftzentrale aufgetreten war). Durch die komplett andere Rhythmik der Asiaten und die für uns teils nicht unbedingt nachvollziehbaren Melodien gab es da anfangs ziemliche Probleme, da wurde mitunter in verschiedene Richtungen gespielt. Kommunizieren konnten sie ja nur durch Zeichen und Musik. Klappte mit der dann Zeit besser und wurd richtig prima. Crossover in gut, quasi.

Um kurz vor 2 Uhr wollte ich dann eigentlich gehen, verpasste aber den Bus und blieb noch eine weitere halbe Stunde. Inzwischen war dann auch auf der Bühne Ruhe eingekehrt und mir war nur noch kaaalt. ;-)



Mittwoch, 9. März 2011

Tu Fawning, Duisburg, 08.03.11

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Konzert: Tu Fawning & Boduf Songs
Ort: Café Steinbruch, Duisburg
Datum: 08.03.2011
Zuschauer: 120 vielleicht (sehr voll)
Dauer: Tu Fawning knapp 60 min, Boduf Songs 45 min


Mit Pete Doherty ist es immer das gleiche. Kaum entscheide ich mich, zu einem seiner Konzert zu gehen (diesmal Köln), erscheinen die Vorboten einer Absage am Horizont. Diesmal ist es eine echte Räuberpistole, die mich fürchten läßt, daß Peter, der durch das zusätzliche R ja wohl seriöser wirken wollte, kurzfristig absagen wird. Der Libertine dreht nämlich gerade einen Film in Regensburg. Gemeinsam mit Charlotte Gainsbourg und August Diehl steht der Engländer für eine Verfilmung des Buchs Confessions d'un enfant du siècle des französischen Poeten Alfred de Musset vor der Kamera. Offenbar passierte während dieser Dreharbeiten in Bayern in den letzten Tagen ein kleines Malheur. Es wurde in einen Musikladen eingebrochen, eine Gitarre und anderer Krimskrams gestohlen. Dabei hatte eine wackere Regensburgerin offenbar drei englisch sprechende Männer beobachtet und in einem von ihnen Pete erkannt. Die Regensburger Polizei ermittele gegen einen "Prominenten", hieß es gestern ergänzend im Radio.

Was das nun alles mit meinem Konzertabend zu tun hat?

Nun, sollte im Laufe des Wochenendes irgendwo auf ihrer Strecke ein Musikfachgeschäft überfallen sein worden, waren es diesmal ganz sicher Tu Fawning
aus Portland. Denn woher sonst sollte dieser atemberaubende Fundus aus Instrumenten, Glöckchen, exotischen Tröten, special edition schwarz-roten Melodicas, Klanghölzern, weiteren Glöckchen und bunten Trommeln stammen? Im Flugzeug mitgebracht? Na klar...

Bevor Tu Fawning aber ihre Beute zeigten, spielte erst einmal Boduf Songs aus England. Es war vorher nicht ganz ersichtlich, wer nun Vor- und wer Hauptgruppe sein sollte. Die Reihenfolge auf Ticket und Club-Website deutete auf Boduf Songs als Hauptgruppe hin. Unsere Absprache war folglich, nach Tu Fawning zu fahren (und sehr früh zu Hause zu sein). Als der Kartenkontrolleur mitteilte, Boduf Songs fingen an, ärgerte mich, daß diese Pläne durchkreuzt wurden.

Hinter Boduf Songs verbirgt sich Mat Sweet aus Southampton, der mit Gitarre auf einem Stuhl in Bühnenmitte Platz nahm. Da wir hinten standen und das Licht bis auf eine zarte Rotfärbung aus ging, fiel es schwer, viel mehr zu erkennen. Daß diese düstere Ausleuchtung zum Konzept gehört, wurde schnell klar, zunächst waren nämlich nur sehr leise akustische Gitarren- und Bass-Klänge und ein paar Glöckchen vom dritten Mann (der auch eine Trommel bediente) zu hören. Dazu sang dann irgendwann Mat leise und sehr ruhig, und ab und zu kam die Stimme seiner Kollegin ganz unverstärkt dazu. Ganz selten einmal wurde es etwas lauter, höchstens die Instrumente zogen kurzfristig ein wenig an, die Grundstimmung war leise und dunkel. Meine Genervtheit über eine Vorgruppe war ganz schnell andächtigem Zuhören gewichen. Offenbar nicht nur mir ging es so, Mat stellte irgendwann fest, daß wir sehr leise seien und unser Atem zu hören sei.

Lagerfeuermusik empfinde ich nicht als etwas schrecklich Tolles. Dies hier musste man aber wegen der Beleuchtung zwangsläufig mit Draußen und Flammengeflacker verbinden. Als ich mir dann noch vorstellte, statt des schwarzen Saals wäre da ein schwarzer Wald drumherum, wurde es gruselig.

Boduf Songs waren eindrucksvoll! Vielleicht zwei Lieder zu lang, aber sehr sehr gut. Und immer wenn die zweite (weibliche) Stimme einsetzte und auch ein paar Takte hauchte, wurde es ganz besonders gut!

In der Pause gingen wir nach vorne, jetzt wollten wir etwas sehen. Beim Umbau fiel zunächst einmal eine dicke Trommel mit Bandbemalung in Bühnenmitte auf. Ganz rechts stand nämlich ein ausgewachsenes Schlagzeug. Zusatztrommeln sind ja wahrlich nichts Neues, diese war aber zum einen hübsch dekoriert, um sie herum hingen aber auch noch einige Glocken, u.a. solch eine Windspiel-Röhre. Ganz links standen allerdings die richtig aufregenden Dinge: ein Metallkoffer mit Rasseln und Rasselartigen und zwei sehr exotische Blasinstrumente. Das eine, eine Posaune, wurde erst beim Spiel exotisch, sie ließ sich nämlich unendlich lang ausziehen. Das zweite schien mir eine Fanfare zu sein, auf der ein Schalldämpfer steckte.

Irgendwann nach halb zehn ging es los. Tu Fawning kommen aus Portland und bestehen aus Joe Haege, Corrina Repp, Liza Rietz und Toussaint Perrault. Mastermind der Band ist 31knots Mann Joe Haege, auf der Bühne allerdings bestimmte die blonde Sängerin Corrina Repp das Geschehen. Keyboarderin Liza Rietz (die eigentlich Modedesignerin zu sein scheint - es gibt sicher keine zwei Liza Rietzes in Portland) und Trompeter Toussaint Perrault waren weniger extrovertiert, spielten aber die deutlich spannender anzusehende Parts während der Lieder.

Ich war vorher nicht sicher, ob mir das Konzert nicht zu "arty", sprich anstrengend sein würde. Als das erste Stück aber damit begann, daß alle vier Musiker mit Tambourin in der Hand "oh oh oh" sangen, fühlte ich mich sehr richtig - und das sollte auch so bleiben.

Tu Fawning zuzuhören ist alles andere als anstrengend. Wie alle, die bisher über die Amerikaner geschrieben haben, tue ich mich schwer, die Musik einzuordnen. Beach House fiel mir als Vergleich ein - aber Tu Fawning sind besser. Charakteristisch sind der mehrstimmige Gesang und die vielen kleinen Glöckchen und Effekte. Die Standardinstrumentierung ist Schlagzeug, Gitarre, Keyboard und Trompete. Keyboarderin Liza spielte (soweit ich mich erinnere) nur bei I'm gone Geige und mehrfach Klanghölzer. Klanghölzer! Ein weiteres dieser unzähligen tollen Instrumente, die die Amerikaner einsetzten.

Meinen Pariser Kollegen Oliver hatten die Instrumentenwechsel während des Konzerts genervt, mich störten sie überhaupt nicht. Ob so etwas nötig ist, weiß ich nicht, es schadete dem Fluß aber nicht. Das Schlagzeug bedienten Joe und Corrina, im Stil höchst unterschiedlich, aber beide aus Laiensicht hervorragend, obwohl es nicht ihr Erst-Instrument ist. Toussaint war zuständig für die Blechbläser, bediente aber auch die dekorierte Trommel und viele kleine Effekte. In einer meinen zahllosen Lieblingsszenen spielte er gerade auf dem Dings, das ich für eine Fanfare halte, und schlug deren Spitze (mit Dämpfer) gegen das neben der Trommel hängende Windspiel! Lizas hatte ihre wundervollste musikalische Szene vor Mouths of young, als sie sich Drumsticks griff und auf Toussaints Rücken trommelte! Toussaint hatte während Mouths of young keinen anderen Einsatz und spielte daher kleine Fingerbecken (Zills, wie ich gelernt habe) - der Musikladen muß gut sortiert gewesen sein.

Irgendwie anstrengend war das Konzert also doch, man mußte dauernd nach links und rechts gucken, um nichts zu verpassen. Etwa Toussaints kurzen Ausflug mit Posaune ins Publikum bei Sad story, dem an die Dresden Dolls (Tu Fawning sind besser) erinnernden Stück. Er war allerdings höchstens 30 Sekunden unten und ging dann wieder auf die Bühne.

Einzig Corrinas theatralische Kniefälle mochte ich nicht. Aber wie sie da Joe anspielte, hatte auch irgendwie Stil.


Musikalisch wie visuell ein ganz großartiger Abend! Tu Fawning sind ein echter Knüller und gehören in den Himmel gelobt! Vielleicht spricht sich dann auch bis zum Ticketgestalter rum, daß die Band nicht Fu Fawning heißt. City Slang hat wieder einmal ein extrem gutes Händchen bewiesen, als sie die Oregoner verpflichtet haben.

Die großartigste Szene des Abends hatte aber wieder einmal nichts mit Musik zu tun. Joe merkte an, daß die schwarze Bühne mit ihren schwarzen Stufen im abgedunkelten Saal lebensgefährlich sei und witzelte: "there's a force that wants us dead!" - sehr zum Entsetzen von Liza, die ihn mit geschocktem Gesicht zurechtwies: "please! That's too dark!"

Tu Fawning - bisher das beste Konzert des Jahres!

Setlist Tu Fawning, Café Steinbruch, Duisburg:

01: Multiply a house
02: Diamond in the forest
03: Out like bats
04: Sad story
05: Just too much
06: I'm gone
07: In silence we reached the palissades
08: I know you now
09: Mouths of young
10: The felt sense

11: Hand grenade (Z)

Links:

- Tu Fawning, Paris, 19.02.11




Dienstag, 14. Dezember 2010

Lower Dens, Duisburg, 13.12.10

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Konzert: Lower Dens
Ort: Café Steinbruch
Datum: 13.12.2010
Besucher: 5 in Worten: fünf
Dauer: fast 90 min Spielzeit


- von Micha aus Duisburg -

Für Lower Dens läuft es eigentlich sehr gut. Anfang nächsten Jahres geht die Band mit den grandiosen The Walkmen auf Tour - leider nicht in Deutschland - und bespielt die grossen Hallen in UK, eine Tour im November mit Beach House in UK war ein voller Erfolg. Das Debüt Album hat fast ausschließlich gute Kritiken bekommen (Pitchfork 8,1), gegen das Gesetz der Natur hat die Band aber keine Chance, dazu gleich mehr.

In meiner Heimatstadt Duisburg geht eigentlich fast gar nichts mehr. Die jungen Leute ziehen mit der Zeit alle nach Düsseldorf, Köln oder Essen - es wird kulturell nur wenig geboten. Ein neues Einkaufszentrum wurde in der Innenstadt errichtet, dazu gibts ne riesen Casino für Menschen, die in dieser Stadt eigentlich kein Geld haben. Um es klar zu sagen: Duisburg ist tot!

Die letzte Rettung: Das schöne Filmforum am Dellplatz, das Café Steinbruch und der beste Thai Imbiss der Welt "Sawadi", den ihr unbedingt besuchen müsst, solltet ihr euch in diese Stadt verlaufen. Im Café Steinbruch gaben sich in diesem Jahr wirklich sehr nette Künstler die Ehre - u.a. der bezaubernde Scott Matthew mit seiner Band Elva Snow im November.


Ein kleines Problem wurde gut gelöst. Da sich das Steinbruch ein wenig ausserhalb der Stadt und ohne Auto nur schwer zu erreichen, wird ab dem HBF ein kleiner Shuttle Bus Service eingerichtet. Das schöne daran ist, dass dieser Service komplett umsonst ist.

In Duisburg angekommen fing es sehr heftig an zu schneien, innerhalb von einer Stunde lagen 5cm Neuschnee, für das Ruhrgebiet ist das ne Menge. Es lag wohl grösstenteils daran, dass so wenig Leute das Konzert besuchen konnten.

Der Organistor hat 50 Freunde auf die Gästeliste gesetzt, davon wirklich gekommen ist ein einziger. Der Europa Tourmanager der Band ist extra aus Brüssel angereist um der Band neue CD`s nachzuliefern, diese wurden auf der laufenden Tour alle abverkauft. Die Support Band Yordan Orchestra aus den Niederladen musste Wetter und Krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Das alles klingt nach einem furchtbaren Abend, das war es aber keineswegs.

Jana Hunter, die Frontfrau der Band ist sympathisch, mit ihren alternativ langen Wollpullis passt sie zwar optisch gar nicht zwischen ihren Bandkollegen, ihr Wiedererkennnungswert ist jedoch groß. Die Dame ist klein gewachsen und stellt ihr Mikrofon so groß ein, das sie sich auf Zehenspitzen stellen muß, um singen zu können. Es war ein Wohnzimmerkonzert und das wurde nach einigen Songs sehr sympathisch. In den ersten 45 Minuten wurden ausschließlich und in der gleichen Reihenfolge Songs vom Debüt Album gespielt, darauf folgte eine angekündigte kurze Pause. Zurück mit den Worten "We´re playing now the same Songs for you" wurden dann doch noch für mich unbekannte Lieder gespielt.

Warum sollten Lower Dens nicht den gleichen Erfolg haben wie vergleichsweise "The XX"? Das Album ist komplexer, vielseitiger, spannender und hat mehr Gitarre, auch wenn der erste Hype ausgeblieben ist, in den nächsten Monaten werden mehr Menschen diese Band lieben und ihre Konzerte besuchen.

Setlist Lower Dens, Café Steinbruch, Duisburg:

01: Blue & Silver
02: Tea Lights
03: A Dogsdick
04: Holy Water
05: I Get Nervous
06: Completely Golden
07: Rosie
08: Truss Me
09: Hospice Gates
10: Two Cocks
---
11: Tangier
12: Betty
13: John
14: Cass
15: Deerknives
16: Batman
17: Submit



Samstag, 13. November 2010

Erland And The Carnival, Duisburg, 12.11.10

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Konzert: Erland And The Carnival (& Cama Maya)
Ort: Steinbruch, Duisburg
Datum: 12.11.2010
Zuschauer: ca. 150
Dauer: Erland & The Carnival ca. 60 min, Cama Maya 30 min


Im April, als sie schon einmal auf Deutschland-Tour waren, kannte ich Erland And The Carnival wohl noch nicht, sonst hätte ich mir die Band, die so herrlich altbacken klingt, nicht entgehen lassen. Zur Zeit (Freitag und Samstag) sind die Briten wieder im Lande, für mich im ausgebuchten November nur in Dusiburg erreichbar.

Das Café Steinbruch ist eine ziemlich große Kneipe mit ziemlich kleinem Konzertsaal - aber großen Namen, die dort auftreten. Erland And The Carnival als großen Namen zu bezeichnen, wäre sicher verwegen, allerdings ist einer der Macher der Band eine größere Nummer der britischen Musikszene, nämlich der ehemalige Verve*-Gitarrist Simon Tong. Sänger der Gruppe ist Erland Cooper, ein Folksänger von den Orkneys.

Folk ist auch das Stichwort. Das Repertoire von Erland And The Carnival setzt sich zusammen aus neu arrangierten, umgedichteten oder an ihnen orrientieren Folkfetzen. Die Originale kenne und erkenne ich alle nicht, daher ist die Entstehungsgeschichte für mich zwar spektakulär aber nicht furchtbar relevant für das Hören der Stücke. Seit dem Kennenlernen der Musik beeindruckt mich vielmehr, wie wundervoll Erlands Lieder nach den 60ern klingen, ähnlich wie die Last Shadow Puppets. Ich kann leider das Wort Retro nicht verhindern, es beschreibt die Briten einfach zu gut.

Bevor Erland And The Carnival auftraten, spielte eine Band aus Dinslaken. Cama Maya stellten sich als sehr ordentliche Vorgruppe dar. Die Bandmitglieder haben in ihrer Kindheit sehr oft die Beatles gehört, was den Stil ihrer Musik geprägt hat. Es passte sehr gut zu dem, was kommen sollte. Auch wenn sie 60s Pop spielten, erinnerte mich der singende Keyboarder stimmlich auch an den einen anderen mir bekannten Sänger aus Dinslaken, den von den Kilians.

Erland And The Carnivals bestehen (live) aus fünf Musikern. Neben Erland und Simon Tong gehören Bassist Danny Wheeler, Schlagzeuger David Nock und Organist Andy Bruce dazu.

Als sie begannen, war ich überrascht, wieviel lauter und rockiger die Briten live klingen. Ich hatte mich mehr auf Folk, vielleicht sogar sitzend eingestellt, wie druckvoll die Lieder dargeboten wurden, war zwar ungewohnt allerdings auch extrem hörenswert!

Besonders gefallen hat mir der durchgängige Hintergrundsound der Kirmesorgel von Andy Bruce. Ganz typisches 60er Jahre Georgele, das quasi den Soundtrack zur Musik von Erland bildet. Dazu kamen die treibenden Gitarrenrhythmen der beiden Hauptdarsteller, die bei manchem Stück an Westernmelodien erinnern - großartig! Gentle Gwen zum Beispiel könnte einem John Wayne Film entsprungen sein.

Das eingängigste Lied der Band ist sicher Trouble in mind, ein wunderbares Pop-Stück. Deneben gefielen mir besonders zwei andere Lieder,
You have loved enough, weil das in vierstimmigem (!) Pfeifen endete und Love is a killing thing, das erst sehr ruhig beginnt, dann aber immer lauter wird. Allerdings waren das nur die auffälligeren Titel, gut waren nämlich alle Lieder, Schwächen oder Längen hatte das Set wirklich nicht.

Eine wirklich tolle Band, live noch einmal überraschend spannender, als die Platte und die übrigen Veröffentlichungen versprachen!

Setlist Erland And The Carnival, Steinbruch, Duisburg:

01: The echoing green
02: My name is Carnival
03: Gentle Gwen
04: The Derby ram
05: Everything came too easy
06: Disturbed this morning
07: Was you ever see
08: The tempest
09: ?
10: Trouble in mind
11: You don't have to be lonely
12: Love is a killing thing

13: You have loved enough (Z)
14: ?
15: One morning fair (Z)

* der auch bei Blur und The Good The Bad & The Queen gespielt hat

Fotos folgen, dann vermutlich auch noch nähere Informationen




Samstag, 26. Juli 2008

Audrey, Duisburg, 25.07.08

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Konzert: Audrey
Ort: Café Steinbruch, Duisburg
Datum: 25.07.2008
Zuschauer: ca. 70
Dauer: 70 min


Im Juni hatte ich es, wieso auch immer, nicht geschafft, mir Audrey im Blue Shell in Köln anzusehen, was ich sehr bedauert hatte, weil mir das, was ich von der schwedinschen Frauenband habe, sehr gefällt. Einen guten Monat auf eine erneute Chance zu warten, war eine außerordentlich gute Idee, weil das Café Steinbruch in Duisburg ein sehr hübscher Ort für Konzerte ist. Bislang hatte ich noch nicht das Glück, dort Bands zu sehen und kannte Duisburg nur als Stadt, in der Konzerte in Phantasialand-Dekorationen stattfinden (Pulp). Die freitägliche Horizonterweiterung rückte dieses Bild kräftig zurecht.

Wobei erst nichts nach einem Ort für einen Indie-Auftritt aussah, denn das Steinbruch wirkte wie eine nette Kneipe mit ausgedehntem und bei dem Wetter ausgelastetem Biergarten. Im hinteren Bereich der Kneipe fand sich dann aber ein kleiner Raum mit Bar und Bühne - und mit Stuhlreihen. Das Bild, daß ich von Audrey hatte (Bild...? müßte es bei Musik nicht Geräusch oder so heißen?), passte eigentlich nicht zu einem sitzenden Konzert aber nun denn, when in Rome do es the Romans do, ich setzte mich auf einen der 30 Stühle und hoffte inständig, daß die auch alle besetzt werden würden.

Sie wurden - der Raum füllte sich nach und nach, auch hinter den Stuhlreihen saße und standen viele Neugierige rund um die Bar mit einer Barkeeperin mit niedlichem amerikanischen Akzent.

Ab neun standen dann die ersten Audrey Mitglieder auf der Bühne und stimmten
noch einmal die Instrumente. Als dann schließlich auch Schlagzeugerin Anna Tomlin fertig war, konnte das Programm beginnen. Beim Eröffnungsstück "Caring and searching" stimmte die Abmischung noch nicht, die Gesangsmikros waren noch falsch eingestellt und Victoria Skoglunds Stimme war zu leise. Bei "Caring and searching" von der vor kurzem erschienenen zweiten Platte "The fierce and the longing" übernimmt nämlich Gitarristin Victoria den wichtigsten Gesangspart. Diese Rolle wechselt allerdings von Lied zu Lied, was mir bisher nicht klar geworden war.

Unter vier sehr schüchternen Musikerinnen wirkte Victoria mit Abstand am scheusten. Irgendwie schien es ihr nicht zu behagen, in der Mitte der Bühne zu stehen. Ihre Kolleginnen Anna, sowie Bassistin Rebecka Kristiansson und Cellistin bzw. Keyboarderin Emelie Molin, waren etwas weniger schüchtern, vor allem die Bassistin und die Schlagzeugerin übernahmen die Kommunikation mit uns. Aber dem Bühnenverhalten jenseits der Musik sah man nicht an, daß Audrey bereits seit sechs Jahren bestehen. Ich mochte diese Schüchternheit sehr, weil die Musik ja nicht
darunter litt. Victoria hätte ich nur zu gerne mal kräftig geschüttelt und zugerufen: "Mädchen, ihr seid gut, wir sind alle euretwegen hier, genieß das Konzert einfach!"

Live klingt Audrey eine Ecke rauer, das Schlagzeug z.B. viel direkter, es fehlt die saubere Abstimmung der Instrumente untereinander. Aber der melancholisch-schöne Charme der Stücke geht dadurch nicht verloren. Vor allem, wenn Emelies Cello zum Einsatz kommt und mit und gegen den Bass spielt, entstehen wundervolle Momente. Vollkommen unerwartet traf mich dann der erste richtig laute Moment, als es wild aus den vier Schwedinnen herausbrach. Mit Pop hatte das in solchen Augenblicken nicht viel zu tun, mit einem Konzert sitzend auch nicht. Man ist komisch gehemmt, wenn man in einem Stuhl Konzerte verfolgt, das ging mir bei jeder dieser Gelegenheiten so.

Leider habe ich nicht darauf achten können, wie diese Postrock-Elemente bei dem
teilweise doch gesetzteren (haha!) Publikum ankam, das hätte Umdrehen bedeutet. Aber Audrey selbst kam außerordentlich gut an. Sehr schüchtern bedankten sich die vier für unsere Sympathiebekundungen.

Den Großteil des Sets machten Lieder der im Mai erschienenen Platte "
The fierce and the longing" aus. Der Rest stammte mit einer Ausnahme vom Debüt "Visible forms". Leider war es nur eine Ausnahme, ich hätte wirklich gerne mehr von der selbstbenannten EP gehört.

Vage fühlte ich mich an die Konzerte von Pony Up! oder Erase Errata erinnert, die
live sicher nicht weit weg von Audrey sind. Auch wenn ruhige melancholische Lieder nicht unbedingt zu einem warmen Sommerabend passen, erreichten mich Audrey doch von Beginn an. Der geschilderte Unterschied zwischen Studio- und Liveversionen machte mir nichts aus. Wer mit der Erwartungshaltung an den Abend gegangen war, perfekt ausbalancierte Instrumente zu hören, war vielleicht etwas enttäuscht.

Höhepunkte des Konzerts waren eindeutig "
Horses are honest", "Next left", "Mecklenburg" und "Helpless", das herrlich ergreifende Lied von der "Audrey-EP".

Oh, was bin ich froh, daß ich das vor sechs Wochen verpasste jetzt nachholen konnte. Und am Ende nach zwei Zugaben sprach sogar Victoria kurz und bedankte sich bei uns. Eine zauberhafte Band mit wundervollen Liedern, auf die ich mich schon wieder freue!

Setlist Audrey, Café Steinbruch, Duisburg:

01: Caring and searching
02: Horses are honest
03: Next left
04: Six yields
05: Sliver
06: Mecklenburg
07: Views
08: Rats
09: Big ships
10: Helpless
11: Bleak

12: Black hearts (Z)
13: Traverse (Z)



 

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