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Mittwoch, 5. Juni 2013

Scout Niblett, Duisburg, 04.06.13

2 Kommentare

Konzert: Scout Niblett
Ort: Café Steinbruch, Duisburg
Datum: 04.06.2013
Zuschauer: ca. 75
Dauer: gut 60 min



Vergangen Freitag spielte Scout Niblett auf der Open Air Bühne des wundervollen Maifeld Derby Festivals in Mannheim. Nach ein paar Lieder setzte heftiger Regen ein, der es sehr viel attraktiver machte, ins nahe Hauptbühnen-Zelt zu flüchten. Das taten fast alle.


Obwohl ich die in Portland lebende Musikerin ein wenig in Verdacht hatte, den Regen herbeigesungen zu haben, blieb ich als einer von wenigen draußen und guckte das ganze Konzert. Scout Niblett ist eben viel besser als trockene Haare - und die Kameras steckten in Gefrierbeuteln.

Trotzdem ist es natürlich schöner, wenn die Kuli-Tinte im Notizbuch sich nicht in Regentropfen auflöst, also empfand ich es als gute Idee, mir Scout gleich noch einmal in einem Club - oder hier in einem Café mit Konzertraum anzusehen. Da es bereits um halb neun losgehen würde, ohne Vorgruppe, versprach es auch kein zu anstrengender Abend zu werden, schließlich stecken mir Primavera, Maifeld und Sin Fang - mein Programm der letzten 14 Tage - schon ein wenig in den Knochen.

Es verzögerte sich ein wenig, kurz nach halb erschien aber Scout Niblett (mit Rucksack) und nahm ihren Soundcheck vor. Um 20.45 Uhr begann dann wieder, ohne noch einmal von der Bühne gegangen zu sein, das erste Stück. Emma scheint in dieser Hinsicht sehr pragmatisch zu sein.


Wie in Mannheim begann das Konzert mit einem Solostück. Es war allerdings nicht Duke of anxiety, als Eröffnunglied spielte die Engländerin My beloved. Der Fürst der Angst folgte erst im Anschluß, auch von Scout alleine gespielt.

Zum dritten Lied kam Schlagzeuger Jan Phillip Janzen dazu, zu Gun im Anschluß auch Gitarrist Miguel Ortiz Caturani (der diesmal ein Streifenshirt statt des lässigen Roboterpullovers trug).


Auch alleine klingt Scout live vorzüglich. Die rohe Gitarre, ihr eindringlicher Gesang, oft enorm laut werdend, begeistern mich immer wieder. Die Ergänzung um die zweite Gitarre und das häufig peitschend gespielte Schlagzeug passen fabelhaft dazu und machen sehr viel Sinn.

Obwohl die drei nicht furchtbar gut eingespielt sein können, Jan und Miguel
kommen (wohl) aus Köln, merkte man davon nichts. Emma verpatze einen Einsatz (bei Second chance dreams), das wäre ihr aber wohl auch alleine passiert. What can I do? brach die Sängerin auch ab. "That sounded wrong!" Sie wusste aber nicht warum und spielte weiter.

Das Programm entsprach weitestgehend dem Festival-Set vom Wochenende. Neben My beloved am Anfang kamen noch What can I do? und die Zugabe Kiss dazu. Aber im Prinzip scheint mir auch egal zu sein, was Emma spielt. Anders als großartig kann ich mir ihre Konzerte nicht vorstellen.

Auch wenn es ja schon vor allem um Musik geht, sind so viele kleine Dinge jenseits der Stücke so wundervoll. Aus dem Nichts lachte die Sängerin ab und zu laut (und ein wenig irre) vor sich hin, toll! Oder die Art, wie sie sich nach jedem Lied mit dem Hemdärmel den Mund abwischte, wie ein Fußballspieler.

Ein fabelhafter Auftritt im Gottseidank vollen Steinbruch! Beste Lieder heute waren My man, Nevada, What can I do? und Kiss. Aber das kann am Sonntag schon wieder ganz anders sein.

Sonntag spielt Scout sogar noch in größerer Besetzung auf dem Dach des Museum Ludwig im Rahmen der King Ludwig Konzertreihe, hinter der die Macher des King Georg stecken. Seit ich 2012 dort Stephen Malkmus vor der Kulisse des Doms gesehen habe, sind diese Konzerte ein Muß. Scout Niblett auf der Museumsterrasse wird sicher ein ganz besonderes Leckerchen (das Konzert ist ertaunlicherweise noch nicht ausverkauft!).
 
Setlist Scout Niblett, Café Steinbruch, Duisburg:

01: My beloved (solo)
02: Duke of anxiety (solo)
03: All night long
04: Gun
05: Second chance dreams
06: Can't fool me now
07: My man
08: Your last chariot
09: Nevada
10: Let thine heart be warned
11: What can I do

12: Kiss (Z)

Links:

- Scout Niblett, Mannheim, 31.05.13
- Scout Niblett, Köln, 14.01.13
- Scout Niblett, Paris, 09.05.11
- Scout Niblett, Paris, 07.06.10
- Scout Niblett, Paris, 30.11.09
- Scout Niblett, Paris, 24.05.08
- Scout Niblett, Paris, 17.12.07





Mittwoch, 9. März 2011

Tu Fawning, Duisburg, 08.03.11

3 Kommentare

Konzert: Tu Fawning & Boduf Songs
Ort: Café Steinbruch, Duisburg
Datum: 08.03.2011
Zuschauer: 120 vielleicht (sehr voll)
Dauer: Tu Fawning knapp 60 min, Boduf Songs 45 min


Mit Pete Doherty ist es immer das gleiche. Kaum entscheide ich mich, zu einem seiner Konzert zu gehen (diesmal Köln), erscheinen die Vorboten einer Absage am Horizont. Diesmal ist es eine echte Räuberpistole, die mich fürchten läßt, daß Peter, der durch das zusätzliche R ja wohl seriöser wirken wollte, kurzfristig absagen wird. Der Libertine dreht nämlich gerade einen Film in Regensburg. Gemeinsam mit Charlotte Gainsbourg und August Diehl steht der Engländer für eine Verfilmung des Buchs Confessions d'un enfant du siècle des französischen Poeten Alfred de Musset vor der Kamera. Offenbar passierte während dieser Dreharbeiten in Bayern in den letzten Tagen ein kleines Malheur. Es wurde in einen Musikladen eingebrochen, eine Gitarre und anderer Krimskrams gestohlen. Dabei hatte eine wackere Regensburgerin offenbar drei englisch sprechende Männer beobachtet und in einem von ihnen Pete erkannt. Die Regensburger Polizei ermittele gegen einen "Prominenten", hieß es gestern ergänzend im Radio.

Was das nun alles mit meinem Konzertabend zu tun hat?

Nun, sollte im Laufe des Wochenendes irgendwo auf ihrer Strecke ein Musikfachgeschäft überfallen sein worden, waren es diesmal ganz sicher Tu Fawning
aus Portland. Denn woher sonst sollte dieser atemberaubende Fundus aus Instrumenten, Glöckchen, exotischen Tröten, special edition schwarz-roten Melodicas, Klanghölzern, weiteren Glöckchen und bunten Trommeln stammen? Im Flugzeug mitgebracht? Na klar...

Bevor Tu Fawning aber ihre Beute zeigten, spielte erst einmal Boduf Songs aus England. Es war vorher nicht ganz ersichtlich, wer nun Vor- und wer Hauptgruppe sein sollte. Die Reihenfolge auf Ticket und Club-Website deutete auf Boduf Songs als Hauptgruppe hin. Unsere Absprache war folglich, nach Tu Fawning zu fahren (und sehr früh zu Hause zu sein). Als der Kartenkontrolleur mitteilte, Boduf Songs fingen an, ärgerte mich, daß diese Pläne durchkreuzt wurden.

Hinter Boduf Songs verbirgt sich Mat Sweet aus Southampton, der mit Gitarre auf einem Stuhl in Bühnenmitte Platz nahm. Da wir hinten standen und das Licht bis auf eine zarte Rotfärbung aus ging, fiel es schwer, viel mehr zu erkennen. Daß diese düstere Ausleuchtung zum Konzept gehört, wurde schnell klar, zunächst waren nämlich nur sehr leise akustische Gitarren- und Bass-Klänge und ein paar Glöckchen vom dritten Mann (der auch eine Trommel bediente) zu hören. Dazu sang dann irgendwann Mat leise und sehr ruhig, und ab und zu kam die Stimme seiner Kollegin ganz unverstärkt dazu. Ganz selten einmal wurde es etwas lauter, höchstens die Instrumente zogen kurzfristig ein wenig an, die Grundstimmung war leise und dunkel. Meine Genervtheit über eine Vorgruppe war ganz schnell andächtigem Zuhören gewichen. Offenbar nicht nur mir ging es so, Mat stellte irgendwann fest, daß wir sehr leise seien und unser Atem zu hören sei.

Lagerfeuermusik empfinde ich nicht als etwas schrecklich Tolles. Dies hier musste man aber wegen der Beleuchtung zwangsläufig mit Draußen und Flammengeflacker verbinden. Als ich mir dann noch vorstellte, statt des schwarzen Saals wäre da ein schwarzer Wald drumherum, wurde es gruselig.

Boduf Songs waren eindrucksvoll! Vielleicht zwei Lieder zu lang, aber sehr sehr gut. Und immer wenn die zweite (weibliche) Stimme einsetzte und auch ein paar Takte hauchte, wurde es ganz besonders gut!

In der Pause gingen wir nach vorne, jetzt wollten wir etwas sehen. Beim Umbau fiel zunächst einmal eine dicke Trommel mit Bandbemalung in Bühnenmitte auf. Ganz rechts stand nämlich ein ausgewachsenes Schlagzeug. Zusatztrommeln sind ja wahrlich nichts Neues, diese war aber zum einen hübsch dekoriert, um sie herum hingen aber auch noch einige Glocken, u.a. solch eine Windspiel-Röhre. Ganz links standen allerdings die richtig aufregenden Dinge: ein Metallkoffer mit Rasseln und Rasselartigen und zwei sehr exotische Blasinstrumente. Das eine, eine Posaune, wurde erst beim Spiel exotisch, sie ließ sich nämlich unendlich lang ausziehen. Das zweite schien mir eine Fanfare zu sein, auf der ein Schalldämpfer steckte.

Irgendwann nach halb zehn ging es los. Tu Fawning kommen aus Portland und bestehen aus Joe Haege, Corrina Repp, Liza Rietz und Toussaint Perrault. Mastermind der Band ist 31knots Mann Joe Haege, auf der Bühne allerdings bestimmte die blonde Sängerin Corrina Repp das Geschehen. Keyboarderin Liza Rietz (die eigentlich Modedesignerin zu sein scheint - es gibt sicher keine zwei Liza Rietzes in Portland) und Trompeter Toussaint Perrault waren weniger extrovertiert, spielten aber die deutlich spannender anzusehende Parts während der Lieder.

Ich war vorher nicht sicher, ob mir das Konzert nicht zu "arty", sprich anstrengend sein würde. Als das erste Stück aber damit begann, daß alle vier Musiker mit Tambourin in der Hand "oh oh oh" sangen, fühlte ich mich sehr richtig - und das sollte auch so bleiben.

Tu Fawning zuzuhören ist alles andere als anstrengend. Wie alle, die bisher über die Amerikaner geschrieben haben, tue ich mich schwer, die Musik einzuordnen. Beach House fiel mir als Vergleich ein - aber Tu Fawning sind besser. Charakteristisch sind der mehrstimmige Gesang und die vielen kleinen Glöckchen und Effekte. Die Standardinstrumentierung ist Schlagzeug, Gitarre, Keyboard und Trompete. Keyboarderin Liza spielte (soweit ich mich erinnere) nur bei I'm gone Geige und mehrfach Klanghölzer. Klanghölzer! Ein weiteres dieser unzähligen tollen Instrumente, die die Amerikaner einsetzten.

Meinen Pariser Kollegen Oliver hatten die Instrumentenwechsel während des Konzerts genervt, mich störten sie überhaupt nicht. Ob so etwas nötig ist, weiß ich nicht, es schadete dem Fluß aber nicht. Das Schlagzeug bedienten Joe und Corrina, im Stil höchst unterschiedlich, aber beide aus Laiensicht hervorragend, obwohl es nicht ihr Erst-Instrument ist. Toussaint war zuständig für die Blechbläser, bediente aber auch die dekorierte Trommel und viele kleine Effekte. In einer meinen zahllosen Lieblingsszenen spielte er gerade auf dem Dings, das ich für eine Fanfare halte, und schlug deren Spitze (mit Dämpfer) gegen das neben der Trommel hängende Windspiel! Lizas hatte ihre wundervollste musikalische Szene vor Mouths of young, als sie sich Drumsticks griff und auf Toussaints Rücken trommelte! Toussaint hatte während Mouths of young keinen anderen Einsatz und spielte daher kleine Fingerbecken (Zills, wie ich gelernt habe) - der Musikladen muß gut sortiert gewesen sein.

Irgendwie anstrengend war das Konzert also doch, man mußte dauernd nach links und rechts gucken, um nichts zu verpassen. Etwa Toussaints kurzen Ausflug mit Posaune ins Publikum bei Sad story, dem an die Dresden Dolls (Tu Fawning sind besser) erinnernden Stück. Er war allerdings höchstens 30 Sekunden unten und ging dann wieder auf die Bühne.

Einzig Corrinas theatralische Kniefälle mochte ich nicht. Aber wie sie da Joe anspielte, hatte auch irgendwie Stil.


Musikalisch wie visuell ein ganz großartiger Abend! Tu Fawning sind ein echter Knüller und gehören in den Himmel gelobt! Vielleicht spricht sich dann auch bis zum Ticketgestalter rum, daß die Band nicht Fu Fawning heißt. City Slang hat wieder einmal ein extrem gutes Händchen bewiesen, als sie die Oregoner verpflichtet haben.

Die großartigste Szene des Abends hatte aber wieder einmal nichts mit Musik zu tun. Joe merkte an, daß die schwarze Bühne mit ihren schwarzen Stufen im abgedunkelten Saal lebensgefährlich sei und witzelte: "there's a force that wants us dead!" - sehr zum Entsetzen von Liza, die ihn mit geschocktem Gesicht zurechtwies: "please! That's too dark!"

Tu Fawning - bisher das beste Konzert des Jahres!

Setlist Tu Fawning, Café Steinbruch, Duisburg:

01: Multiply a house
02: Diamond in the forest
03: Out like bats
04: Sad story
05: Just too much
06: I'm gone
07: In silence we reached the palissades
08: I know you now
09: Mouths of young
10: The felt sense

11: Hand grenade (Z)

Links:

- Tu Fawning, Paris, 19.02.11




Dienstag, 14. Dezember 2010

Lower Dens, Duisburg, 13.12.10

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Konzert: Lower Dens
Ort: Café Steinbruch
Datum: 13.12.2010
Besucher: 5 in Worten: fünf
Dauer: fast 90 min Spielzeit


- von Micha aus Duisburg -

Für Lower Dens läuft es eigentlich sehr gut. Anfang nächsten Jahres geht die Band mit den grandiosen The Walkmen auf Tour - leider nicht in Deutschland - und bespielt die grossen Hallen in UK, eine Tour im November mit Beach House in UK war ein voller Erfolg. Das Debüt Album hat fast ausschließlich gute Kritiken bekommen (Pitchfork 8,1), gegen das Gesetz der Natur hat die Band aber keine Chance, dazu gleich mehr.

In meiner Heimatstadt Duisburg geht eigentlich fast gar nichts mehr. Die jungen Leute ziehen mit der Zeit alle nach Düsseldorf, Köln oder Essen - es wird kulturell nur wenig geboten. Ein neues Einkaufszentrum wurde in der Innenstadt errichtet, dazu gibts ne riesen Casino für Menschen, die in dieser Stadt eigentlich kein Geld haben. Um es klar zu sagen: Duisburg ist tot!

Die letzte Rettung: Das schöne Filmforum am Dellplatz, das Café Steinbruch und der beste Thai Imbiss der Welt "Sawadi", den ihr unbedingt besuchen müsst, solltet ihr euch in diese Stadt verlaufen. Im Café Steinbruch gaben sich in diesem Jahr wirklich sehr nette Künstler die Ehre - u.a. der bezaubernde Scott Matthew mit seiner Band Elva Snow im November.


Ein kleines Problem wurde gut gelöst. Da sich das Steinbruch ein wenig ausserhalb der Stadt und ohne Auto nur schwer zu erreichen, wird ab dem HBF ein kleiner Shuttle Bus Service eingerichtet. Das schöne daran ist, dass dieser Service komplett umsonst ist.

In Duisburg angekommen fing es sehr heftig an zu schneien, innerhalb von einer Stunde lagen 5cm Neuschnee, für das Ruhrgebiet ist das ne Menge. Es lag wohl grösstenteils daran, dass so wenig Leute das Konzert besuchen konnten.

Der Organistor hat 50 Freunde auf die Gästeliste gesetzt, davon wirklich gekommen ist ein einziger. Der Europa Tourmanager der Band ist extra aus Brüssel angereist um der Band neue CD`s nachzuliefern, diese wurden auf der laufenden Tour alle abverkauft. Die Support Band Yordan Orchestra aus den Niederladen musste Wetter und Krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Das alles klingt nach einem furchtbaren Abend, das war es aber keineswegs.

Jana Hunter, die Frontfrau der Band ist sympathisch, mit ihren alternativ langen Wollpullis passt sie zwar optisch gar nicht zwischen ihren Bandkollegen, ihr Wiedererkennnungswert ist jedoch groß. Die Dame ist klein gewachsen und stellt ihr Mikrofon so groß ein, das sie sich auf Zehenspitzen stellen muß, um singen zu können. Es war ein Wohnzimmerkonzert und das wurde nach einigen Songs sehr sympathisch. In den ersten 45 Minuten wurden ausschließlich und in der gleichen Reihenfolge Songs vom Debüt Album gespielt, darauf folgte eine angekündigte kurze Pause. Zurück mit den Worten "We´re playing now the same Songs for you" wurden dann doch noch für mich unbekannte Lieder gespielt.

Warum sollten Lower Dens nicht den gleichen Erfolg haben wie vergleichsweise "The XX"? Das Album ist komplexer, vielseitiger, spannender und hat mehr Gitarre, auch wenn der erste Hype ausgeblieben ist, in den nächsten Monaten werden mehr Menschen diese Band lieben und ihre Konzerte besuchen.

Setlist Lower Dens, Café Steinbruch, Duisburg:

01: Blue & Silver
02: Tea Lights
03: A Dogsdick
04: Holy Water
05: I Get Nervous
06: Completely Golden
07: Rosie
08: Truss Me
09: Hospice Gates
10: Two Cocks
---
11: Tangier
12: Betty
13: John
14: Cass
15: Deerknives
16: Batman
17: Submit



Samstag, 13. November 2010

Erland And The Carnival, Duisburg, 12.11.10

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Konzert: Erland And The Carnival (& Cama Maya)
Ort: Steinbruch, Duisburg
Datum: 12.11.2010
Zuschauer: ca. 150
Dauer: Erland & The Carnival ca. 60 min, Cama Maya 30 min


Im April, als sie schon einmal auf Deutschland-Tour waren, kannte ich Erland And The Carnival wohl noch nicht, sonst hätte ich mir die Band, die so herrlich altbacken klingt, nicht entgehen lassen. Zur Zeit (Freitag und Samstag) sind die Briten wieder im Lande, für mich im ausgebuchten November nur in Dusiburg erreichbar.

Das Café Steinbruch ist eine ziemlich große Kneipe mit ziemlich kleinem Konzertsaal - aber großen Namen, die dort auftreten. Erland And The Carnival als großen Namen zu bezeichnen, wäre sicher verwegen, allerdings ist einer der Macher der Band eine größere Nummer der britischen Musikszene, nämlich der ehemalige Verve*-Gitarrist Simon Tong. Sänger der Gruppe ist Erland Cooper, ein Folksänger von den Orkneys.

Folk ist auch das Stichwort. Das Repertoire von Erland And The Carnival setzt sich zusammen aus neu arrangierten, umgedichteten oder an ihnen orrientieren Folkfetzen. Die Originale kenne und erkenne ich alle nicht, daher ist die Entstehungsgeschichte für mich zwar spektakulär aber nicht furchtbar relevant für das Hören der Stücke. Seit dem Kennenlernen der Musik beeindruckt mich vielmehr, wie wundervoll Erlands Lieder nach den 60ern klingen, ähnlich wie die Last Shadow Puppets. Ich kann leider das Wort Retro nicht verhindern, es beschreibt die Briten einfach zu gut.

Bevor Erland And The Carnival auftraten, spielte eine Band aus Dinslaken. Cama Maya stellten sich als sehr ordentliche Vorgruppe dar. Die Bandmitglieder haben in ihrer Kindheit sehr oft die Beatles gehört, was den Stil ihrer Musik geprägt hat. Es passte sehr gut zu dem, was kommen sollte. Auch wenn sie 60s Pop spielten, erinnerte mich der singende Keyboarder stimmlich auch an den einen anderen mir bekannten Sänger aus Dinslaken, den von den Kilians.

Erland And The Carnivals bestehen (live) aus fünf Musikern. Neben Erland und Simon Tong gehören Bassist Danny Wheeler, Schlagzeuger David Nock und Organist Andy Bruce dazu.

Als sie begannen, war ich überrascht, wieviel lauter und rockiger die Briten live klingen. Ich hatte mich mehr auf Folk, vielleicht sogar sitzend eingestellt, wie druckvoll die Lieder dargeboten wurden, war zwar ungewohnt allerdings auch extrem hörenswert!

Besonders gefallen hat mir der durchgängige Hintergrundsound der Kirmesorgel von Andy Bruce. Ganz typisches 60er Jahre Georgele, das quasi den Soundtrack zur Musik von Erland bildet. Dazu kamen die treibenden Gitarrenrhythmen der beiden Hauptdarsteller, die bei manchem Stück an Westernmelodien erinnern - großartig! Gentle Gwen zum Beispiel könnte einem John Wayne Film entsprungen sein.

Das eingängigste Lied der Band ist sicher Trouble in mind, ein wunderbares Pop-Stück. Deneben gefielen mir besonders zwei andere Lieder,
You have loved enough, weil das in vierstimmigem (!) Pfeifen endete und Love is a killing thing, das erst sehr ruhig beginnt, dann aber immer lauter wird. Allerdings waren das nur die auffälligeren Titel, gut waren nämlich alle Lieder, Schwächen oder Längen hatte das Set wirklich nicht.

Eine wirklich tolle Band, live noch einmal überraschend spannender, als die Platte und die übrigen Veröffentlichungen versprachen!

Setlist Erland And The Carnival, Steinbruch, Duisburg:

01: The echoing green
02: My name is Carnival
03: Gentle Gwen
04: The Derby ram
05: Everything came too easy
06: Disturbed this morning
07: Was you ever see
08: The tempest
09: ?
10: Trouble in mind
11: You don't have to be lonely
12: Love is a killing thing

13: You have loved enough (Z)
14: ?
15: One morning fair (Z)

* der auch bei Blur und The Good The Bad & The Queen gespielt hat

Fotos folgen, dann vermutlich auch noch nähere Informationen




Samstag, 26. Juli 2008

Audrey, Duisburg, 25.07.08

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Konzert: Audrey
Ort: Café Steinbruch, Duisburg
Datum: 25.07.2008
Zuschauer: ca. 70
Dauer: 70 min


Im Juni hatte ich es, wieso auch immer, nicht geschafft, mir Audrey im Blue Shell in Köln anzusehen, was ich sehr bedauert hatte, weil mir das, was ich von der schwedinschen Frauenband habe, sehr gefällt. Einen guten Monat auf eine erneute Chance zu warten, war eine außerordentlich gute Idee, weil das Café Steinbruch in Duisburg ein sehr hübscher Ort für Konzerte ist. Bislang hatte ich noch nicht das Glück, dort Bands zu sehen und kannte Duisburg nur als Stadt, in der Konzerte in Phantasialand-Dekorationen stattfinden (Pulp). Die freitägliche Horizonterweiterung rückte dieses Bild kräftig zurecht.

Wobei erst nichts nach einem Ort für einen Indie-Auftritt aussah, denn das Steinbruch wirkte wie eine nette Kneipe mit ausgedehntem und bei dem Wetter ausgelastetem Biergarten. Im hinteren Bereich der Kneipe fand sich dann aber ein kleiner Raum mit Bar und Bühne - und mit Stuhlreihen. Das Bild, daß ich von Audrey hatte (Bild...? müßte es bei Musik nicht Geräusch oder so heißen?), passte eigentlich nicht zu einem sitzenden Konzert aber nun denn, when in Rome do es the Romans do, ich setzte mich auf einen der 30 Stühle und hoffte inständig, daß die auch alle besetzt werden würden.

Sie wurden - der Raum füllte sich nach und nach, auch hinter den Stuhlreihen saße und standen viele Neugierige rund um die Bar mit einer Barkeeperin mit niedlichem amerikanischen Akzent.

Ab neun standen dann die ersten Audrey Mitglieder auf der Bühne und stimmten
noch einmal die Instrumente. Als dann schließlich auch Schlagzeugerin Anna Tomlin fertig war, konnte das Programm beginnen. Beim Eröffnungsstück "Caring and searching" stimmte die Abmischung noch nicht, die Gesangsmikros waren noch falsch eingestellt und Victoria Skoglunds Stimme war zu leise. Bei "Caring and searching" von der vor kurzem erschienenen zweiten Platte "The fierce and the longing" übernimmt nämlich Gitarristin Victoria den wichtigsten Gesangspart. Diese Rolle wechselt allerdings von Lied zu Lied, was mir bisher nicht klar geworden war.

Unter vier sehr schüchternen Musikerinnen wirkte Victoria mit Abstand am scheusten. Irgendwie schien es ihr nicht zu behagen, in der Mitte der Bühne zu stehen. Ihre Kolleginnen Anna, sowie Bassistin Rebecka Kristiansson und Cellistin bzw. Keyboarderin Emelie Molin, waren etwas weniger schüchtern, vor allem die Bassistin und die Schlagzeugerin übernahmen die Kommunikation mit uns. Aber dem Bühnenverhalten jenseits der Musik sah man nicht an, daß Audrey bereits seit sechs Jahren bestehen. Ich mochte diese Schüchternheit sehr, weil die Musik ja nicht
darunter litt. Victoria hätte ich nur zu gerne mal kräftig geschüttelt und zugerufen: "Mädchen, ihr seid gut, wir sind alle euretwegen hier, genieß das Konzert einfach!"

Live klingt Audrey eine Ecke rauer, das Schlagzeug z.B. viel direkter, es fehlt die saubere Abstimmung der Instrumente untereinander. Aber der melancholisch-schöne Charme der Stücke geht dadurch nicht verloren. Vor allem, wenn Emelies Cello zum Einsatz kommt und mit und gegen den Bass spielt, entstehen wundervolle Momente. Vollkommen unerwartet traf mich dann der erste richtig laute Moment, als es wild aus den vier Schwedinnen herausbrach. Mit Pop hatte das in solchen Augenblicken nicht viel zu tun, mit einem Konzert sitzend auch nicht. Man ist komisch gehemmt, wenn man in einem Stuhl Konzerte verfolgt, das ging mir bei jeder dieser Gelegenheiten so.

Leider habe ich nicht darauf achten können, wie diese Postrock-Elemente bei dem
teilweise doch gesetzteren (haha!) Publikum ankam, das hätte Umdrehen bedeutet. Aber Audrey selbst kam außerordentlich gut an. Sehr schüchtern bedankten sich die vier für unsere Sympathiebekundungen.

Den Großteil des Sets machten Lieder der im Mai erschienenen Platte "
The fierce and the longing" aus. Der Rest stammte mit einer Ausnahme vom Debüt "Visible forms". Leider war es nur eine Ausnahme, ich hätte wirklich gerne mehr von der selbstbenannten EP gehört.

Vage fühlte ich mich an die Konzerte von Pony Up! oder Erase Errata erinnert, die
live sicher nicht weit weg von Audrey sind. Auch wenn ruhige melancholische Lieder nicht unbedingt zu einem warmen Sommerabend passen, erreichten mich Audrey doch von Beginn an. Der geschilderte Unterschied zwischen Studio- und Liveversionen machte mir nichts aus. Wer mit der Erwartungshaltung an den Abend gegangen war, perfekt ausbalancierte Instrumente zu hören, war vielleicht etwas enttäuscht.

Höhepunkte des Konzerts waren eindeutig "
Horses are honest", "Next left", "Mecklenburg" und "Helpless", das herrlich ergreifende Lied von der "Audrey-EP".

Oh, was bin ich froh, daß ich das vor sechs Wochen verpasste jetzt nachholen konnte. Und am Ende nach zwei Zugaben sprach sogar Victoria kurz und bedankte sich bei uns. Eine zauberhafte Band mit wundervollen Liedern, auf die ich mich schon wieder freue!

Setlist Audrey, Café Steinbruch, Duisburg:

01: Caring and searching
02: Horses are honest
03: Next left
04: Six yields
05: Sliver
06: Mecklenburg
07: Views
08: Rats
09: Big ships
10: Helpless
11: Bleak

12: Black hearts (Z)
13: Traverse (Z)



 

Konzerttagebuch © 2010

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