Posts mit dem Label Volksbühne werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Volksbühne werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 27. Mai 2015

Fotoalbum: sóley & Óbó, Berlin 25.05.2015

0 Kommentare

Konzert: sóley (Support Óbó)
Ort: Volksbühne
Datum: 25.5.2015




Mein mittlerweile viertes Konzert der Isländerin sóley sollte an diesem Pfingstmontag in der Berliner Volksbühne stattfinden. Besonders gut in Erinnerung blieb mir ihr Konzert im mittlerweile geschlossenen Szene-Club Horst im Jahre 2012. Nun ist sie mit ihrem neuem Album "Ask The Deep" auf Tour und meine Erwartungen waren hoch angesetzt. Oftmals überlegen sich Musiker, die in die Volksbühne gebeten werden, etwas ganz besonderes für ihren Auftritt. Oftmals laden sie Gastmusiker ein oder kommen gleich mit Chor oder Kammerorchester auf die Bühne. Diesen "Luxus" gönnte sich an diesem Abend nur der Support Óbó, welcher mit großem Aufgebot sein gelungenes Debüt gab. sóley wiederum kam in gewohnter Manier mit ihren "Stammmusikern" am Schlagzeug und Gitarre. Sie selbst positionierte sich statisch hinter ihrem Keyboard nebst der gerne ausgiebig eingesetzten Loop-Station. Gefallen haben mir ihr Neuinterpretationen der alten Lieder. Dabei insbesondere "Kill The Clown", welches durch die Entschleunigung an Dramatik gewann. Auch die neuen Lieder gefielen beim ersten Hören. Aufgelockert wurde der Abend durch den sóley-typischen trockenen und selbstironischen Humor.
 Ein für mich grosser Kritikpunkt ihres Konzertes war die verpasste Chance in der Volksbühne etwas "besonderes" zu erschaffen - jenseits von gewohnter Tour-Routine. Aber vielleicht ist das nicht sóleys Weg. Vielleicht mag sie die Kontrolle über ihre intime Musik und den morbiden Pop behalten. Alles in allem ein gelungenen Abend.
Kurzentschlossene können sóley am 27.5. in Frankfurt und am 28.5. in Köln erleben.

Impressionen des Abends finden sich nach dem Seitenumbruch (weiterlesen):



Dienstag, 16. September 2014

Lisa Morgenstern, Berlin, 14.09.14

0 Kommentare

Konzert: Lisa Morgenstern
Ort: Grüner Salon (Volksbühne), Berlin
Datum:  14. September 2014
Dauer: 105 Minuten
Zuschauer: knapp 100


Alle die wunderbaren Fotos sind von Markus

Wie ich über diesen Abend im Grünen Salon reden oder gar schreiben könnte, ist mir auch zwei Tage danach nicht klar. Noch taste ich und spüre Wellen in mir schwappen, die sich nicht abschwächen - schwimme beim deuten und werten in Gewässern, für die mich keine Erfahrung genügend vorbereitet hat. Es dämmert mir, ich kann nicht warten, dass sich DAS klärt, sondern muss davon jetzt irgendwie erzählen. Zum Glück gibt es ja auch noch sprechende Fotos von Markus.


Als ich mich entschied, für das Konzert nach Berlin zu fahren, hatte ich mir natürlich ein besonderes Erlebnis versprochen. Seit ich das Dresdner Konzert im Januar ganz knapp hatte sausen lassen müssen, hatte ich ein Ziehen im Herzen. Nun sollte es endlich Frieden finden. Andererseits hatte ich mir selbst aber auch gut zugeredet, mir nicht zu viel zu versprechen. Diese Musik fordert mich. Zu Hause kann ich das steuern und mich notfalls entziehen, wenn es Überforderung wird. Aber live muss ich mich ausliefern. Und muss außerdem sehen und erleben, wie sich die Künstlerin ihren Liedern und dem Publikum hingibt. Wie sie sich dabei entblößt und verwundbar macht und vielleicht auch verwundet. Nach meiner Erfahrung ist das für derartig kraftvolle und aufrichtige Musik ein Drahtseilakt - oder um ihre eigenen Worte zu benutzen - ein Seiltanz mit Schirmchen im Sturm.


Grandios wenn man miterleben könnte, wie es klappt, aber welche Wahrscheinlichkeit hat dieser Ausgang? Vor allem, wenn das von einer Frau gewagt wird - es erzähle mir keiner, dass die Rolle nicht mit ordentlich Gepäck beladen kommt, das leicht zum Stein um den Hals werden kann. Zu einfach bieten sich Zuschreibungen an, die erschreckend tief in uns allen sitzen. Und - ein Gelingen des Experiments würde mich am Ende ganz persönlich in Frage stellen, wenn ich mich scheue, mich selbst so zu exponieren. Es würde auf allen Seiten mit hohem Einsatz gespielt werden...



Lisa Morgenstern war Anfang November 2013 auf meinem Radar aufgetaucht. Das Album Amphibian hatte ich gerade noch so über die Crowdfunding Kampagne bekommen und es hatte  einen  Volltreffer in meinem Herzen gelandet. Seitdem verfolgte ich aus der Ferne, was künstlerisch passierte und darüber ist mir die Person Lisa Morgenstern (soweit ich sie virtuell kennenlernen konnte) ans Herz gewachsen. Mehr noch - sie hat sich meinen Respekt erworben. Aber was mich nun wirklich an dem Abend in Berlin erwarten würde? Versprochen war neue Musik und ein langer Abend. Geboten wurde neben dem inzwischen schon erprobten Bühnengefährten Benni Cellini am Cello auch als (glücklich gelungene) Premiere Unterstützung von Katharina Parczyk an der Geige und als zweite Stimme.


Der grüne Salon selbst gefiel mir sehr gut. Alle Personen waren so nett und entspannt. Der Raum gerade noch plüschig genug, um als Salon gelten zu dürfen und sehr einladend für die Art Musik, die ich mir für den Abend vorstellte. Auf der Bühne gab es einen großen Bechstein Flügel, einige Mikros und das Cello (es fand sich dann auch noch ein zweites Cello-ähnliche Instrument, das ich erst gar nicht wahrgenommen hatte). Under Water - der erste Track auf Amphibian eröffnete den Abend (außer Nocturne wurden im Verlauf des Programs alle Lieder des Albums geboten und außerdem alle Stücke der EP Hairy Moon). Es bot gleich die Möglichkeit, sich in den wunderbar satten Flügelklang zu versenken. Freundlich plätscherndes Wasser. Nicht ganz ohne Untiefen. Als später die Stimme einsetzte, war sie in den tiefen Lagen oft fast außerweltlich - streng, fest und manchmal auch verfremdet durch fast mystisch anmutenden Kehlkopfgesang. Sie würde in Celene den Mond als Freundin ansprechen, sie würde raunen, betören und beschwören. Schlaflosen und quälenden Nächten hinterherrufen. Bei Eskalation kreischen und schreien: verletzt, wütend und unendlich traurig. Benni verließ theatralisch Türen schlagend den Raum. Das saß! Anschließend wurde - nur äußerlich leis - eins drauf gesetzt - Lisa beging drastische Selbstzerfleischung in Kannibalische Gourmet (der erste Titel des Abends mit deutschem Text). Und doch hat dieses Lied auch das kraftvolle und tänzelnde Lalala, das ich unversehens noch Tage hinterher vor mich hinsumme...


Markus und ich waren uns in der Pause einig: ein toller, ein einzigartiger Abend. Einer, der aus allen Schubladen krachend ausbricht. Aber im zweiten Programmteil wurde es noch eine ganze Spur expressiver. Vielerlei Abschiede wurden durchgestanden. Ein wunderbares  Sweet dreams zelebriert. Bury me - voller stampfender Rhythmen und Chöre. Und dann schließlich ... Lieber Tod. Erst kürzlich hatte ich etwas neidisch einen Konzertbericht gelesen darüber wie bei einem Freund an das tiefste und innerste geklopft worden war. Und unversehens war ich nur wenige Tage später selbst an einem solchen Punkt. Unfassbar ergriffen und ein Körper gewordenes OH. Vibrierend und doch erstarrt und fassungslos. Das wohlvertraute Stück hieb mich live komplett aus dem Gleichgewicht.




Und auch Lisa musste danach erst wieder ankommen, um als Draufgabe neue Stücke zeigen zu können. Beispielsweise einen Traurigen Sonntag in der großartigen Tradition von Gloomy Sunday als Finale zu setzen, das es in sich hatte. Wir zollten den ihr zustehenden Applaus und wollten zu gern das Ende noch etwas herauszögern. Und zum Glück gab es noch eine allerletzte Zugabe. 

Was für ein Abend! Was für eine Frau! Ich kann - ganz egoistisch - nur hoffen, dass sie diese Strahlkraft in sich stärken und bewahren kann und ihren Weg Schritt für Schritt findet.



Setlist:
01: Under water
02: Hairy moon
03: My room
04: Celene
05: Allegro con fuoco
06: Eskalation
07: Kannibalische Gourmet
08: Amphibian
 - Pause -
09: Metamorphoses
10: Sonnet 1
11: Sweet dreams
12: Bury me
13: Farewell
14: Lieber Tod
---
15: Spiral tongue (Z)
16: Lied vom traurigen Sonntag + Gloomy sunday (Z)

17: Silence (Z)


Tourdaten
25.09. Hannover Feinkost Lampe
26.09. Hamburg Kulturgold Sichtbar
29.10. Freiberg ePIzentrum

 
Widerhall:
Bayreuth, 22. November 2013 (Marcus Rietzsch)
Dresden, 3. Januar 2014 (Edith Oxenbauer & Marcus Rietzsch)
Interview, 9. April 2014 (Joinmusic)

Pledgekampagne für das Album Amphibian


Freitag, 21. Februar 2014

Der Klang der Offenbarung des Göttlichen, Berlin, 20.02.2014

1 Kommentare

Konzert: Der Klang der Offenbarung des Göttlichen
Ort: Volksbühne Berlin
Datum: 20.2.2014
Dauer: 1 Stunde
Zuschauer: fast ausverkauft




Ein schwarzes Vöglein fliegt über die Welt,

das singt so todestraurig...
                                                          (C. Morgenstern)


Diese Zeile ist mir durch den Kopf gegangen, als ich das erste Bild erblickte und die Klänge der Streicher vernahm.
Der Klang der Offenbarung des Göttlichen (von Ragnar Kjartansson) ist ein Theaterstück ohne Schauspieler mit der Komposition des ehemaligen Sigur Ros Keyboarders Kjartan Sveinsson. 
Angelehnt an den Roman Weltlicht von H. Laxness, wird in vier (Bühnen- )Bildern die Lebensgeschichte eines Ausgegrenzten erzählt, der in der Natur und der Kunst Trost für seine geschundene Seele sucht. Und natürlich spielt die Geschichte auf Island, welches durch die Brille des Großstadtdeutschen doch umso magischer und mystischer verklärt wird, je weiter die eigene Entfremdung zur Natur (und sich selbst) fortgeschritten ist.
Wer die verlassenen Ortschaften Mecklenburg-Vorpommerns gesehen hat, der weiß, wie befreiend aber auch wie bedrückend es sein kann, sich nicht in der Sinfonie der Großstadt zu zerstreuen.
Der Romanfigur Laxnesss bleibt nur, nachdem dieser in der isländischen Gesellschaft der 30er Jahre keinen Platz und keinen inneren Frieden gefunden hat, eben diesen in der Natur zu suchen. 
Aber welch tiefe Verzweiflung muss in einem Menschen vorgehen, um Trost und Hoffnung an einem so kargen, unwirklichen Ort wie der steinernen Küste zu suchen und zu finden, dem ersten Bild (Der Klang der Offenbarung des Göttlichen) des Stücks. Getragen wird dieses Bild von schwermütigen Streichern, deren Dramatik sich immer weiter steigert bis hin zum Morgengrauen und dem erlösenden Hoffnung stiftenden kleinen Sonnenstrahl.
Nach einer kurzen Umbauphase folgt das zweite Bild (Das Schloss des Sommerlandes). Ein malerisch-verträumter Märchenwald, Schnee mit rotgelbem Himmel. Ein friedlicher Chor wird untermalt mit dem obligatorischen Handyvibrieren. Der Berliner Filmchor klingt ganz vorzüglich.
Ein kleiner zaghafter Zwischenapplaus überbrückt die Umbauphase zum dritten Bild (Das Haus des Dichters) - einer brennenden Holzhütte unter Sternenhimmel. Es scheint alles verloren. Unter einem lauten Knall kracht das Haus in sich zusammen. Alles untermalt von dem schwermutigen Chor und zurückhaltendem Orchester.
Als letztes Bild (Die Schönheit des Himmels) blicken wir aus einer Eishöhle hinaus auf einen grauen Himmel. Mit Streichern, Schneegestöber, Wind und engelsreinem Chor folgt die Erlösung. Ein wunderschöner glühender Himmel schmeichelt die Augen und die Musik streichelt den schwermutigen Romantiker.
Aber die Hauptfigur der Romanvorlage ist nicht nur Opfer der gesellschaftlichen Umstände. Er ist nicht nur ein Ausgegrenzter auf der Suche nach dem inneren und äußeren Frieden. Er hat auch ein minderjähriges Mädchen vergewaltigt. Wie ist dieser Widerspruch auszuhalten? Das Programmheft enthält (mit Absicht?) viele leere Blätter. Vielleicht auch eine Einladung sich mit dieser Widersprüchlichkeit ganz individuell auseinanderzusetzen.
Ich persönlich kann die Aufführung wärmstens empfehlen und bin positiv überrascht, dass Kjartan Sveinsson den schmalen Grat zwischen Romantik und Kitsch sehr gut bewältigt hat. Das Filmorchester Babelsberg hat wieder einmal seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Die Bühnenbilder sind exzellent gestaltet. Einziger Kritikpunkt wäre der doch etwas künstlich klingende Wind.
Aus Respekt vor dem Werk und aus Rücksichtnahme gegenüber dem Publikum, habe ich darauf verzichtet zu fotografieren.
Weitere Termine wären der 28.2., 1.3. und 16.3..


Dienstag, 28. Januar 2014

The Group, Berlin, 27.01.2014

0 Kommentare

Konzert: The Group
Ort: Berlin Volksbühne
Datum: 27.01.2014
Dauer: ca. 90 Minuten
Zuschauer: geschätzt 200




Mein drittes Konzert von The Group - und mein bislang bestes.
Aber mal langsam.
The Group ist ein loser Zusammenschluss - ein sogenanntes "Improvisations-Projekt" von in Berlin ansässigen Musikern wie Casper Clausen, Greg Haines, Francesco Donadello, Martyn Heyne, Andrea Belfi und Anne Müller. Peter Broderick, der vor kurzem in die USA zurückkehrte, war an diesem Abend nicht mehr mit dabei.

Das erste Konzert von The Group fand vor genau einem Jahr (im mittlerweile leider geschlossenen) Haus Ungarn statt. Im Sommer dann der zweite Auftritt im Urban-Spree und an diesem dritten Abend nun in der Hinterbühne der Volksbühne.
Was Hinterbühne bedeutet, war mir persönlich bis zu diesem Abend recht unklar. Man wurde durch schmale Gänge, welche eigentlich dem normalen Publikum verwehrt bleiben, von hinten an die eigentliche Bühne geführt. Habe ich noch beim ersten Konzert Matratzen reklamiert, so wurden an diesem Abend Kissen bereitgelegt. Ansonsten war der große "Raum" karg. Schwarze Wände, sehr gedämpftes Licht und eine sicherlich 15-20m hohe Decke, dessen Existenz nur durch blaue Lampen auszumachen war. All das schuf eine geradezu sakrale Atmosphäre. Als würde eine schwarze Messe bevorstehen. Aber in der Mitte des Raumes war kein kein Opferaltar, sondern ein quatrisches Feld voll mit Technik und Instrumenten. Es blinkte aus einem mannshohen Turm, dass Mister Spock seine Freude gehabt hätte, wäre er denn zu Gefühlen fähig.



Der Raum füllte sich mehr und mehr und die Kissen wurden knapp. Irgendwann betraten Anne Müller nebst einem mir unbekannten "Special Guest" die "Bühne". Vorsichtig erklingen die ersten zaghaften Töne und der Abend der unvorhersehbaren Improvisation beginnt. Nach und nach finden sich auch die anderen Musiker ein und ergänzen, verändern, vervollständigen die Klangwelt mit ihrem Anteil. Es gibt keine einleitenden Worte oder Erklärungen. Gebannt blicken alle in die Mitte...dort wo die Technik blinkt und nur schemenhaft Gestalten im Dunkeln zu erahnen sind.
Das Ziel dieser "Messe" ist die Rückbesinnung zum eigentlichen Kern der Musik. Zum Klang. Zur Rückbesinnung auf das was Klang und Geräusch mit einem selbst macht - welches Gefühl es auslöst und welche Gedanken wie Wolken am Himmel vorüberziehen. Sich einlassen können. So gleite auch ich von der Sitzposition ins Liegen und blicke nach oben - in die blauen Lichter und in mich - während das Zusammenspiel der Musiker und des Ortes das widerspiegeln, was das Leben so aufregend macht: Das wundervolle Unvorhersehbare.
Dabei verliert bei dem Zusammenspiel von The Group jenes die Bedeutung, was bei anderen Konzerten einen großen Stellenwert einnimmt: die Rolle und Funktion eines jeden Musikers. Bei The Group wechseln diese Rollen ständig. Instrumente werden getauscht, Mikrofone genommen und abgelegt und Hierarchien durchbrochen. 
Nach 90 Minuten ist die Messe gelesen und die Herzen sind weit offen. Benommen und beeindruckt geht der Weg durch den schmalen Gang zurück ins Leben. Wie durch einen Geburtskanal.


The Group Live @ Schauspiel Leipzig 2013 from Birgit Voigt on Vimeo.


Sonntag, 5. Januar 2014

Konzertankündigung: Stargaze Festival 14.-16.2.2014 in der Volksbühne Berlin

0 Kommentare
Nach dem einmalig schönen Neujahrskonzert von Einar Stray und Dear Reader in der Berliner Volksbühne, geht es dort auch im Februar hochkarätig weiter.
Im Rahmen des Stargaze-Festivals dürfen sich die Berliner auf folgendes Line-Up freuen:

Freitag, den 14.2.2014:

Nils Frahm
Bryce Dessner´s Aheym
Holy Other
Cantus Domus

Weitere Informationen:HIER



Samstag, den 15.2.2014:

Pantha Du Prince & The Bell Laboratory
1000 Robota
Cantus Domus

Weitere Informationen: HIER



Sonntag, den 16.2.2014

My Brightest Diamond & Zafraan Ensemble
Mouse On Mars
Tyondai Braxton
Pekka Kuuisto

Weitere Informationen: HIER




Wir sehen uns dann dort!


Samstag, 4. Januar 2014

Dear Reader & Einar Stray, Berlin, 01.01.14

0 Kommentare

Konzert: Neujahrskonzert mit Dear Reader und Einar Stray
Ort: Volksbühne in Berlin
Datum: 1. Januar 2014
Dauer: 70 min + 90 min
Zuschauer: etwa 700 (ausverkauft)

Alle Fotos Richtung Bühne von Markus - vielen Dank!


What we want and what we need are not always agreed.

Einar Stray und Dear Reader am gleichen Abend in einem wunderschönen Theater an einem Tag, wo ich sowieso Urlaub habe - das klingt eher nach einer Wunschvorstellung geboren in einer übermütigen und trunkenen Silvesternacht. Wie könnte ich so eine wunderbare Einladung also ausschlagen? Dazu noch in der Begleitung des genauso vorfreudigen und zum fotographieren ausgerüsteten Markus. Freilich mussten auch ein paar Kleinigkeiten organisiert werden. Karlsruhe liegt nun einmal ganz schön weit weg von Berlin und die Familienreisepläne kamen auch nur auf 3 Std. Autoentfernung an die Volksbühne heran. Umso schöner war es schließlich, mit Markus ganz nah vor der Bühne zu sitzen und zu wissen: Gleich geht es wirklich los.


Beim Hereinkommen in den Theaterraum der Volksbühne hatte mich schon der Geruch ganz sentimental gemacht. Dieser Bühnenstaub-unter-Scheinwerferbeschuss-Gestank meiner Jugend, wo ich noch regelmäßig jeden Monat je einmal im Theaterabo und einmal im Konzertabo (immerhin im Deutschen Nationaltheater in Weimar) "dran" war an den Brettern, die die Welt bedeuten. Zu diesem wohligen Gefühl trug auch bei, dass vor Beginn des Konzertes geläutet wurde und es tatsächlich ganz pünktlich begann. 


Einar Stray mit seinen mir schon aus Köln bekannten Mitmusikern an Geige, Cello, Schlagzeug und Bass begrüßten uns mit einem Streicherintro im Dreiertakt, in das nach und nach erst das Schlagzeug, dann der Bass und schließlich Einar Stray mit Piano und Gesang einstimmten. Es hielt ihn kaum auf seinem Klavierhocker, statt dessen musste er tanzen und sich biegen und unter dem Mikro durchtauchen. Ihm gemäßer waren da die Stücke, wo er den Hocker verlassen durfte und E-Gitarre spielte. Endlich Bewegungsfreiheit!


Die CD Chiaroscuro und die EP For the country laufen bei mir sehr häufig und so waren mir viele der Stücke sehr vertraut. Die Faszination der Livedarbietung lag darin, einerseits die lieb gehaltenen Stücke zu hören (und mit ahhhh im Herzen zu erkennen in den ersten Takten), aber dann doch ganz neu gekleidet oder auf die Spitze getrieben zu finden. So war Caressed deutlich getriebener als gewohnt und Chiaroscuro expressivst auf die Spitze getriebene Essenz des Stückes.


For the country war der erste Moment, in dem ich dachte: Wow, dafür allein hat sich die Anreise gelohnt. Fast nur a capella Satzgesang und eine Strenge und zugleich Milde in diesem desillusionierenden Text auf die Musik übertragen. Da standen uns allen die Tränen in den Augen. Und auch im letzten Stück Teppet Faller, was auf Platte schon die Länge zweier Stücke hat um genug Zeit zu haben in einer explosiven Entladung zu enden, wurden alle ans Herz gewachsenen Stärken des Songs auf der Bühne potenziert. Es ging lange sehr still und rein instrumental - harmonisch und innig zu. Man fragte sich schon ein Stück weit, ob sie uns wirklich so harmlos aus dem Set entlassen wollten.


Aber am Ende wurde einem alles um die Ohren gehauen und ein Schlusspunkt gesetzt, wo eine Bitte um Zugabe wie Tabubruch erschiene. Die andere Faszination des Konzertes war die Freude, ganz neues Material zu hören und z.B. mitzusingen: Will I die inside before I die? Diese Stücke machten alle große Lust auf ein neues Album 2014! 

Einar Stray war sehr zurückhaltend mit Ansagen, aber offensichtlich ein Stück weit gerührt darüber, in so einem schönen Saal das Konzertjahr 2014 beginnen zu können. Das Publikum begleitete das ganze Set enthusiastisch mit Applaus und so waren alle nach den 70 Minuten sehr zufrieden und glücklich.



Schade war allerdings, dass in der Abmischung der Musik das Schlagzeug als klarer Sieger hervorging, und es zu häufig die Frauenstimmen und sogar das Keyboard überdeckte. Die filigrane Musik von Einar Stray kam so ziemlich unter Wert verkauft im Publikum an.


Setlist Einar Stray:
1: Alexander
2: Caressed
3: Polytricks (neu)
4: ?? (neu) 
5: Chiaroscuro
6: For the Country
7: Pockets full of holes (neu)
8: Montreal (neu)
9: We were the core seed
10: Teppet Faller



Ein Aspekt des Konzertortes, der mir sehr gut gefiel, war, dass man im Foyer der Volksbühne sehr gut seine Zeit verbringen konnte. Eine 20 min kurze Pause hätte ich unter normalen Umständen euphorisch begrüßt, aber hier war es fast zu kurz als Gelegenheit, Leute zu treffen und sich umzusehen. Aber schließlich freute ich mich ja auf Dear Reader und war sehr gespannt, welches Programm sie für uns vorbereitet hatten. Am Ende waren es natürlich wieder überwiegend Lieder vom aktuellen Album Rivonia, aber der Anteil der anderen zwei Alben war mit vier Songs vom ersten und drei vom zweiten Album überdurchschnittlich im Vergleich zu meinen letzten Konzerterlebnissen.


Dear Reader erschienen sichtlich stolz und gerührt auf der Bühne. Alle hatten sich grau, silber glitzernd und schwarz gekleidet, was sehr elegant aussah. Cherilyn MacNeil sprach wie gewohnt viel - viel auf deutsch und manchmal lieber englisch und ab und zu war sie doch zu aufgeregt, um ihre Ansage pointiert zu Ende zu bringen. Aber genau das liebe ich an ihren Konzerten. Sie wirkt so unverstellt und nahbar und ganz und gar zu Hause auf der Bühne. Begleitet wurde sie in Berlin wieder von Emma Greenfield mit Trompete und Gesang, die warme Männerstimme von Sam Vance-Law war dabei, der auch Geige spielte, Thomas Fietz am Schlagzeug und Michael Vinne am Bass (und Gesang!).


Die Abmischung des Sounds war hier tadellos. Das ganze Set war eine einzige Freude für mich. Die Stimmen, das Strahlen der Trompete, das klug eingesetzte Schlagzeug und die Spielfreude aller beteiligten waren auf den Punkt präsent. Besonders emotional nahm mich - wie eigentlich immer - Victory mit. Wonach man sich schon fragt, wozu sie alle die Instrumente mitbringen, wenn allein der Gesang so viel vermag. Cherilyn drückte das nach dem tobenden Applaus auch so ähnlich aus begleitet von ihrem unnachahmlichen Lächeln.



Persönliche Highlights waren für mich außerdem Dearheart - da ging mir schon bei der einleitenden Basslinie das Herz auf! Es war auf einen Platz weit vorn im Set gerückt, was sicher auch als Geschenk ans Publikum gemeint war. Das Lied vom Wal mit dem verrückten Akkordeonrutscher am Anfang ging mir auch wieder ordentlich in die Beine und ins Herz.  Der Monkey am Ende der regulären Setlist wurde ordentlich durchgerockt, was ihm gut bekam.


Die drei Zugaben waren dann den Beziehungsliedern reserviert. Da fiel mir auf, wie besonders es doch eigentlich ist, ein Set zu haben, wo es um mehr als das Herzensdurcheinander zwischen Menschen geht (was sich natürlich auch nicht erschöpft und uns im echten Leben ja auch ordentlich beschäftigt - ich will das nicht trivialisieren). 

Was blieb nach satten drei Stunden voll schönster Musik an diesem Neujahrsabend: ein übervolles Herz, Freude darüber, dass ich mich auf den Weg gemacht hatte und Dankbarkeit an alle Zuhörer, die genauso gebannt und fasziniert wie ich das Konzert genossen hatten. Wir ließen den Abend noch im Foyer ausklingen und fragten uns, welcher Konzertabend 2014 wohl dieses Neujahrskonzert toppen würde.


Setlist Dear Reader:
1: 27. 04. 1994
2: Down under, mining
3: Dearheart
4: Mole
5: Good hope
6: Man of the book
7: Whale
8: Took them away
9: Cruelty on Beauty on
10: Back from the dead
11: Victory
12: Already are
13: Great white Bear
14: Monkey

15: Left the ground
16: What we wanted
17: Bend




Aus unserem Archiv:
- Einar Stray, Köln, 20.06.2013 (Gudrun)

- Dear Reader, Rüsselsheim, 13.07.2013 (Christoph)
- Dear Reader, Freiburg, 21.05.2013 (Gudrun) 
- Dear Reader, Stuttgart, 13.05.2013 (Jens)
- Dear Reader & Herrenmagazin, Freiburg, 13.11.2012 (Gudrun)
- Dear Reader & Get Well Soon, Düsseldorf, 04.10.2012 (Ursula)
- Dear Reader & Get Well Soon, Düsseldorf, 04.10.2012 (Gudrun)
- Dear Reader, Mannheim, 19.05.2012
- Dear Reader, Wiesbaden, 24.01.2012 
- Dear Reader & Laura Gibson, Paris, 18.01.2012 
- Dear Reader, Weinheim, 16.09.2011 
- Dear Reader, Frankfurt, 11.09.2011 
- Dear Reader & Ramona Falls, Wien, 08.10.2009
- Dear Reader & Ramona Falls, Marburg, 06.10.2009
- Dear Reader & Ramona Falls, Düsseldorf, 28.09.2009 
- Dear Reader, Haldern, 15.08.2009 
- Dear Reader, Berlin, 07.08.2009 
- Dear Reader & Get Well Soon, Paris, 06.05.2009 
- Dear Reader & Get Well Soon, Nijmengen, 25.04.2009 
- Dear Reader, Köln, 18.04.2009 
- Dear Reader, Paris, 19.02.2009 
- Dear Reader & Sophie, Köln, 12.02.2009


Montag, 17. Juni 2013

Scout Niblett, Berlin, 3.6.13

2 Kommentare
Konzert: Scout Niblett (+Olöf Arnalds)
Ort: Volksbühne Berlin
Datum: 3.6.2013
Zuhörer: 3/4 gefüllt
Dauer: 45+90 Minuten




Wenn ich mir was wünschen dürfte,
käm ich in Verlegenheit,
was ich mir denn wünschen sollte,
eine schlimme, oder gute Zeit?
(Friedrich Hollaender)


Nachdem ich das Gefühl hatte, dass Berlin über Monate hinweg kein Sonnenstrahl erreichte, löste der Anblick von blauem Himmel in mir wahren Freudentaumel aus. So entschloss ich mich noch vor dem Konzert auf den Stufen der Volksbühne Platz zu nehmen und jeden Sonnenstrahl einzeln aufzusaugen. 

Den spontanen Entschluss an diesem Abend mich auf den Weg in die Volksbühne zu machen, sollte ich nicht bereuen. Auch wenn Scout "Emma" Niblett bis kurz vor diesem Abend für mich weitestgehend unbekannt war.
So betrat ich selig den Konzertraum und freute mich auf einen abwechslungsreichen Abend. Abwechslung deswegen, weil Ólöf Arnalds den Abend einleiten wird. Ólöf kommt wie ihr Cousin Olaf aus Island und hat sich wohl dem Indie-Folk verschrieben.
Kurz nach neun betritt sie die Bühne mit ihrem musikalischen Partner Skúli Sverrisson. Sie trägt schwarze Plusterhosen, die mich eher an die Bezaubernde Jeannie erinnern als an einen Folkmusikabend. Sei es drum - Künstler sind ja immer mal wieder für Überraschungen gut.
Optisch und musikalisch ist es für mich eine Mischung zwischen Ane Brun und Liz Green. Während Skúli sie konzentriert und unauffällig begleitet, ist wohl Ólöfs Markenzeichen das Mienenspiel. Das ist niedlich anzusehen, schafft aber auch mitunter groteske Momente. Ich gerate dadurch immer wieder in eine Verwirrung, ob sie denn nun ihre eigene Musik persiflieren möchte. Ich denke mal nicht, sondern glaube vielmehr, dass sie ihrer kindlichen Natur freien Lauf lassen möchte.
Ihr Darbietung ist durchaus unterhaltsam, reicht für mich aber nicht für die große Bühne. In einem Wohnzimmer oder einem kleinen bestuhlten Konzertraum wäre mir ihr Auftritt sicherlich näher gegangen. So wirkte sie doch etwas verloren, wenn auch mit viel Witz und Charme. Originell war ihr "Gummibärchenlied".

Die obligatorische Umbauphase dauerte nicht sehr lange und irgendwann stand auch Scout "Emma" Niblett auf der Bühne und werkelte noch ein wenig herum. Die Gemächlichkeit der Volksbühne (und des Publikums) war wohl Scout Niblett unbekannt und so fing sie ihr Konzert an, obwohl noch einige Zuschauer sich im Foyer aufhielten.
Das war sicherlich nicht unhöflich gemeint, sondern ihr war es vielleicht unbehaglich auf der Bühne so untätig rumstehen zu müssen.
Sie trägt einen schlichten langärmligen Pullover dazu einen knielangen Rock. Das wirkt elegant, aber hat einen Tick etwas von einer grauen Maus. Das sie das bei weitem aber nicht ist und das es keiner offenen Blusen und Miniröcke bedarf, um ungebrochene Aufmerksamkeit zu erhalten, das wird sie den Abend über unter Beweis stellen.
Sie begann ihr Set mit zwei Solo-Stücken. Den Kopf leicht gesenkt. Und da spürte man es sofort - diese unbeschreiblichen Emotionen, die sie ausdrücken und in den Saal feuern kann. Dafür braucht sie nicht mehr als ihre Gitarre, ihre Stimme und das großartige Vermögen dieses so bewusst einzusetzen, dass es das Publikum schon direkt am Anfang des Konzerte zu lautem Jauchzen und Johlen hinreisst. Die Bühnendekoration ist spartanisch. Nur die große Theaterbühne, ein paar Monitorboxen, ein Schlagzeug. Keine ablenkenden Videoprojektionen, keine entlastenden Lichteffekte. Eine Operation am offenen Herzen des Publikums. Und unsere Herzen sind offen. Von Anfang an. Zu
All Night Long kommt auch der Schlagzeuger Jan Philipp Janzen mit auf die Bühne. Und wie das passt. 

Zwischen den Liedern dann ein kurzes: Questions? Darauf direkt aus dem Publikum: Are you smoking? Yes I am. It´s bad for the voice. Das passiert aber in so einer sympathischen Art und Weise, mit so einer angenehmen Leichtigkeit und Zurückhaltung, dass es eine Freude ist. Dann folgt Gun. Das Schlagzeug. MG-Salven rattern durch den Saal, Scout Nibletts Stimme: "you took your love away from me, and i am thankful, everyday." Unbeschreiblich. Es hat etwas von der Beschwörung eines Dämonen und zugleich einer Teufelsaustreibung. Die Liebe, die einst beschworen wurde, muss nun ausgetrieben werden. Wer kennt das nicht? Und das macht ihre Musik so stark - so nahbar - so spürbar. Emma steht nicht schüchtern, verängstigt auf der Bühne. Im Gegenteil. Sie läuft auch nicht auf und ab, um sich zu entlasten. Sie bleibt stoisch an einem Punkt stehen. Unheimlich schön in Erinnerung blieb mir das ruhige Can´t fool me now und im Anschluss auch My Man. Wobei es so leicht dahingesagt ist mit ruhig. Ihre Stimme ist großartig. Nach Your Last Chariot das phänomenale Nevada. Mit welcher Leidenschaft, Inbrunst und Überzeugung sie schon die erste Textzeile in den Saal feuert "Put on that suit and lend me that costume". Und wie sie dann diese losgetretenen Gewalten doch wieder beherrschen kann. Dabei geht aber nichts verloren. Man kann es kaum aushalten, so überwältigend ist es. Und so entlädt sich diese Spannung auch nach jedem Lied beim Publikum. Es geht dabei nicht nur um Dank an die Künstlerin, sondern - und das macht dieses Konzert so besonders und wertvoll - sondern um das eigene be- und empfinden.


Ob sie wohl Wodka auf der Bühne trinkt, wird bei der zweiten Fragerunde amüsant geklärt. Es gibt wohl nur Wasser und Rotwein an diesem Abend für sie.
Nach What Can I Do? wird Emma in die Frage verwickelt, warum denn viele Lieder von Eifersucht handeln. Beim Versuch diese Frage zu beantworten, weicht sie liebenswert mit einem "No-it´s not" aus. Das kann man ihr nicht nachtragen. Dafür beschenkt sie uns gleich bei der ersten Zugabe mit Kiss. Wie sie "Don´t break my dream" dahin schluchzt. Unnachahmlich!  Bei Hot to death muss ich aber eher an Black Sabbath denken. 
Als allerletzte Zugabe wünscht sich das Publikum dann Wolfie. Ein grandioser Abschluss.

and
i´d loved you forever
i know it to be true
´cause though we´re not together
love is never through

Beseelt von ihrer Musik und völlig gerührt und benommen, gehe ich zum Merchandising Stand und umklammere zwei ihrer Langspieler. 

Setlist:
My beloved
Duke of anxiety
All night long
Gun
Second chance dreams
Can´t fool me now
My man
Your last chariot
Nevada
Let thine heart be warned
What can i do?
-
Kiss
Hot to death
- 
Wolfie

Hier der Live-Mitschnitt vom Kölner Konzert:
http://vimeo.com/68305892

Montag, 3. Juni 2013

The Magnetic North (+Sarah Neufeld), Berlin, 19.05.2013

0 Kommentare

Konzert: The Magnetic North + Sarah Neufeld
Ort: Volksbühne Berlin
Datum: 19.05.2013
Zuschauer: fast ausverkauft
Dauer: ca. 45+90 Minuten




Mit großen Erwartungen fahre ich an diesem Abend zur Volksbühne. Neben Sarah Neufeld werde ich zum zweiten Mal auch The Magnetic North erleben.

Sarah Neufeld habe ich Anfang des Jahres zusammen mit Nils Frahm, Peter Broderick u.a. im Cafe des Michelberger Hotels erleben dürfen. Ich muss gestehen, dass ich Arcade Fire noch nie live erlebt habe und auch noch kein Album von vorne bis hinten durchgehörte - noch dass mir eine Violinistin besonders aufgefallen ist. Und eben diese Violinistin von Arcade Fire wandelt nun auch auf Solopfaden.


Was ich vom Michelberger mitnahm, war die Erinnerung an eine sympathische junge Frau, die freudig fiedelte. Es beeindruckte mich, mit welcher Magie sie nicht nur ihr Instrument beherrschte, sondern ebenso das Publikum mit in den Bann zog. Und das obwohl das Publikum damals eng zusammengequetscht beieinander stand und trotz dessen fast geräuschlos zuhörte.

Ich hatte an diesem Abend das große Glück mich in den Soundcheck einzuschmuggeln. So erlebte ich eine Sarah Neufeld, die ich so auch schon vom Michelberger Hotel kannte: Konzentriert und sympathisch.


Skeptisch war ich im Vorfeld, ob der Bekanntheitsgrad von The Magnetic North und Sarah Neufeld dafür reichen würden, die doch recht geräumige Volksbühne ausreichend zu füllen. The Magnetic North sah ich zuletzt 2012 als Vorband von den damals gehypten Other Lives. Da gingen sie meiner Erinnerung nach doch recht unter - was auch an der schlechten Abmischung lag. Es war einfach nur laut und so recht wollte keine Atmosphäre entstehen. Dennoch blieb mir deren Platte im Ohr und der energische Hinweis von Christoph, dass The Magnetic North großartig seien.

An diesem Abend sollte sich meine Skepsis nicht bestätigen, denn der Saal füllte sich und war kurz vor Konzertbeginn sicherlich annähernd ausverkauft.
Sarah Neufeld betrat die Bühne in einem schwarzen langen Gewand und begann sofort ihr schnelles Geigenspiel. Es erinnert an die Fusion von psychodelischen Klängen und irischem Pub. Innerlich bin ich da auch hin- und hergerissen. Sie beweist ihr ganzes Können - und doch packt mich ihr Auftritt nicht völlig. Immer mal wieder fühle ich mich von ihrer Musik eingesogen, aber ihr Hang zu Geschwindigkeit löst in mir Hektik aus. Sie beherrscht ihr Instrument auf grandioser Art und Weise und genau das ist auch mein Problem mit ihrem Auftritt: Es wirkt wie eine Demonstration ihres Könnens. Es fehlen für mich die Mitspieler, die das feurige Geigenspiel in Schach halten und ergänzen. Trotz aller Kritik war ihr Auftritt besonders.



Nur eine kurze Pause und The Magnetic North betreten die Bühne. Und an diesem Abend stehen nicht nur Hannah Peel (gibt es da wohl Überschneidungen zu Oliver Peel?), Gawain Erland Cooper (Erland & The Carnival) sowie Simon Tong (u.a. The Verve, Blur) alleine auf der Bühne, sondern sie werden sie noch von einem Chor, einem Bläser- und Klassikensemble begleitet.

Sind das noch die The Magnetic North, welche im Festsaal Kreuzberg noch im allgemeinen Gebrabbel und Gläsergeklirre fast untergingen? Was für ein gewaltiger Sprung. Jetzt bin ich voller Erwartungen, dass sie den Rahmen auch füllen können. Denn im Gegensatz zu den traditionellen Veranstaltungsorten Berlins, gibt es in der Volksbühne i.d.R. keine Hintergrundgeräuschkulisse. 


Also perfekte Bedingungen für die Aufführung ihres Debüts "Orkney: Symphony Of The Magnetic North".

Wird der Abend mit Stromness noch seicht eingeleitet, geht es mit The Black Craig gleich fulminant weiter. Was für ein Glücksgriff, dieser Chor. Sofort bin ich ergriffen von der Dramatik der Musik.


Im Hintergrund Videoschnipsel in schwarz/weiß. Wirbelstürme, Feldarbeiter.


Poppiger geht es mit Rackwick weiter. Hannah Peel steht im Zentrum der Bühne - hinter Keyboard und Reglern. Links und rechts neben ihr Erland und Simon. Jeweils an Bass und Gitarre. Im Gegensatz zum Auftritt im Festsaal erlebe ich an diesem Abend einen glasklaren Gesang von Erland und Hannah. Ihr Zusammenspiel ist ergreifend. Ich bin glücklich. Ward Hill ist live mit den Bläsern sogar noch schöner als die Studioversion. Leider geht Simon an diesem Abend ein wenig unter. Ob es gewollt ist, dass seine Gitarre kaum hörbar ist? Auch sonst hält er sich eher im Hintergrund, während Hannah und Erland sich gegenseitig die Bälle zuwerfen.

Es ist schön, wie Erland von der Entstehung des Albums erzählt. Ihm erschien Betty Corrigall im Traum, welche vor 300 Jahren Selbstmord beging, nachdem sie aus ihrem Heimatdorf verbannt wurde. Sie erwartete ein Kind eines fremden Seemanns. Betty sagte ihm im Traum, dass er zusammen mit Hannah Peel und Simon Tong ein Album über Orkney aufnehmen soll. Netterweise gab sie ihm gleich die Liste der Songs. Und nun stehen sie mit diesem vollendeten Werk vor uns. Ob diese Geschichte doch nur nettes Seemannsgarn ist?

Für mich ist Betty Corrigall das schönste Lied des Albums. Und auch live kam all die Tragik und die Trauer der Musik in vollstem Umfang bei mir an.


Schön ist auch, dass bei Old Man Of Hoy die Spieluhr nicht aus der Konserve kam. Bei Nethertons Teeth musste ich an Den Zauberer von Oz denken. Es hat im positiven Sinne sehr viel von einem schönen Musical. Dann "endlich" Bay Of Skaill, das wohl bekannteste Lied von The Magnetic North. Der Chor tranportiert auch die ganze Intensität des Liedes. Großer Jubel im Saal ist der Dank!


Überhaupt macht sich im Publikum große Begeisterung breit. Nach Hi Life und Orphir mit Yesnaby noch vor der Zugabe das letzte Stück des Albums. Wie ein Gute-Nacht-Lied, wird das bisherige Set damit würdig abgeschlossen.


Nach den geplanten Zugaben Warbeth Encore und Hoy Sound, fühlen sich The Magnetic North vom Publikum noch dazu "genötigt" eine weitere Zugabe zu spielen. Da ihr eigentliches Repertoire erschöpft ist, wird auf Wunsch des Konzertorganisators der Volksbühne The Black Craig wiederholt.

Ein wahrlich beeindruckendes Konzert haben The Magnetic North an diesem Abend gespielt. Die unterschiedlichen Extreme, die Tragik, die Dramatik des Insellebens waren spürbar. Die Widersprüchlichkeit zwischen Gemeinschaft und Isolation, zwischen Sehnsucht und Heimatgefühl, zwischen Liebe und Angst sind das was mich mit ihrer Musik verbindet.

Tief berührt gehe ich durch die Strassen Berlins. Ich bin berauscht von dem, was ich an diesem Abend erlebte - was Musik alles in mir auszulösen vermag.


Setlist Sarah Neufeld, Volksbühne, Berlin:

01: Requiem For Douglas
02: Hero Brother

03: Dirt
04: Sprinter Fire
05: You Are The Field
06: Wrong Thought

07: Right Thought
08: Muscle til Death

09: Breathing Black Ground
10: They Live On

Setlist The Magnetic North, Volksbühne, Berlin:

 
01: Stromness
02: Black Craig
03: Rackwick

04: Ward Hild
05: Warbeth
06: Betty Corrigall
07: Old Man Of Hoy
08: Nethertons Teeth
09: Bay Of Skaill
10: Hi Life
11: Orphir
12: Yesnaby


13: Warbeth Encore (Z)

14: Hoy Sound (Z)

15: Black Craig (Z)





Mittwoch, 2. Januar 2013

Gemma Ray, Berlin, 01.01.2013

0 Kommentare
Konzert: Gemma Ray
Ort: Volksbühne Berlin
Datum: 01.01.2013
Zuschauer: fast ausverkauft
Dauer: 90 Minuten




Berlin am Neujahrstag wirkt fast wie ausgestorben. Die Straßenbahnen, selbst die legendäre Partytram M10, hat kaum Fahrgäste. Ich genieße diese entschleunigte Atmosphäre, denn ich bin auf dem Weg zum Neujahrskonzert der Volksbühne. Dieses Mal lädt Gemma Ray ein, die ich schon lange Zeit auf meiner Wunschliste hatte.

Durch ein wenig Glück, saß ich direkt vor der recht spärlich dekorierten Bühne. Zwei Keyboards, drei Mikrofonständer, zwei Gitarren, ein Bass und ein paar Monitorboxen. Die Leinwand hinter der Bühne wurde durch ein schönes Motiv des aktuellen Albums "Island Fire" angestrahlt, wenn auch ein wenig pixelig. Das Publikum ist gut durchmischt und eher weniger jung.

Ich bin froh, dass ich das Konzert im Sitzen genießen darf. Die Neujahrsnacht hat auch bei mir seine Wirkung nicht verfehlt.

Auf eine Vorband musste ich an diesem Abend verzichten. Schade.
Als Gemma Ray mit ihrer Band die Bühne betrat, war der Applaus noch recht schüchtern. Sie trug eine modische Bluse und eine enge kurze Hose, die mir auch schon bei Roxanne von Veronica Falls aufgefallen war. Diese Hosen sind in England seit einiger Zeit wohl der letzte Schrei. Ihr steht das Dress sehr gut. Dazu eine schicke Retro-Gitarre.


Sie beginnt das Konzert mit 900 Miles mit glasklarer Stimme. Den Hit Runaway fertigt sie glücklicherweise direkt am Anfang ab. Für mich eines der schwächeren Stücke ihres neuen Albums. Das Publikum wird von Lied zu Lied euphorischer. Mein erster persönlicher Höhepunkt ist 100 mph (in 2nd Gear), dass ihr trotz kleiner stimmlicher Schwächen sehr gut gelingt. Überhaupt gefällt mir diese Mischung aus Surf-Rock und Blues.
Ihre Band, allen voran der Drummer, gefallen mir ausgezeichnet. Sie fügen sich sehr gut in ihren Sound ein. Ihr Bühnenpräsenz zeigt eindeutig, wer das Sagen hat. Um das auch noch zu unterstreichen, bearbeitet sie ihre Gitarre zwischendrin immer mal wieder mit einem riesengroßen Messer. Es scheint ihr zu gefallen, sich als männermordender Vamp zu inszenieren. Und in dieser Rolle wirkt sie mehr als glaubhaft. Ihr Gesichtsausdruck und ihre ganze Körpersprache hat diese erhabene Arroganz, die ein Vamp benötigt. Keine plumpe Anbiederung an das Publikum. Nur kurze Thank You´s nach den Songs und zwischendrin ein "We are honored to be here tonight" und "Happy New Year". -


Ihr Mudhoney Cover Touch Me I´m Sick setzt sie perfekt in den Gemma Ray Stil um. Respekt! Es ist schön ihr und ihrer Band zuzuschauen. Der noch recht junge Bassist mit seiner 70er Jahre Retro-Frisur könnte direkt einer Zeitmaschine entsprungen sein. Herrlich!

Sicherlich erfindet sie ihren Sound nicht in jedem Lied neu. Aber wozu auch? Solange Lieder wie I´m Gonna Lock My Heart bei ihr das Ergebnis sind, hat sie auch live alles mehr als richtig gemacht. Zum Dahinschmelzen, ihre Gitarre, ihre Stimme, die Keyboards und das dezente Schlagzeug. Zu Recht feiert sie das Publikum.
Der Klang ist, wie ich es nicht anders gewohnt bin in der Volksbühne, perfekt. Perfekt abgemischt, druckvoll aber nicht brüllend laut.

Zu Trou De Loup gesellt sich noch ein Bläser an den bis dahin verwaisten Mikrofonständer. Wer meine anderen Berichte kennt, der weiß, dass ich  diesen Bläsereinsätzen in völliger Hingabe verfalle. Leider verlässt uns der Trompeter nach Fire House wieder. Schade.

Entschädigt werde ich aber durch die überwältigende Live-Version von Flood and a Fire. Mein Highlight ihres aktuellen Albums, welches auch live keinen Wunsch übrig lässt. Ihr langes Messer hat sie immer griffbereit in einen Spalt ihrer Gitarre gestickt. Für Human Kind und das mir unbekannte Out verlässt die Band dann die Bühne. Gerade beim traurigen Out ist diese optische Verlassenheit sehr stimmig.
Natürlich darf auch Bei mir bist Du shein an diesem Abend nicht fehlen. Ich mag das Original nicht sonderlich, aber ihre Version kann ich gut annehmen.
Mit dem dann auch mir zu schnulzigen Rescue Me, verabschiedet sich Gemma Ray zum ersten Mal an diesem Abend.
Unter tosendem Applaus und reichlich Gejohle kommt sie scherzend auf die Bühne zurück und spielt meinen Favoriten des Abends: Make It Happen. Wie kann ein Jahr besser beginnen als mit diesem Vorsatz. Nein - langweilig ist ihre Musik keineswegs, wenn man sich darauf einlassen kann.


Nach dem für mich unspektakulären When I Kissed you folgt mit Dig Me A River ein fulminater (Vor-) Abschluss. Genau deswegen liebe ich ihre Musik so gerne. Wie sie die unterschiedlichsten Energien symbiotisch vereint. Ich erinnere mich dabei gerne an PJ Harvey, die das selbe Talent besitzt.
Den Abschluss macht dann Close. Ein wenig Lollipop-Rock, der mich eher zum Schunkeln auf einer Hollywood-Schaukel animieren würde.
Erhofft habe ich mir dann noch einen zweiten Zugabenblock. Leider fehlte der letzte Wille des sich schnell aus dem Saal entfernenden Publikums. Für meinen Geschmack zu schnell, denn das Konzert hätte noch mehr gewürdigt werden können als es das bunt gemischte, vielleicht noch ein wenig schlappe Berliner Publikum, an diesem Abend zustande gebracht hat.



Nach dem Konzert traf ich noch Gemma Ray am überlaufenen Merchandising-Stand und fingerte noch einen Glückskeks aus meiner Tasche, den ich ihr dann mit besten Wünschen übergab. Was drin stand, blieb mir an diesem Abend leider verborgen.
Dieser Abend war ein äußerst würdiger Einstieg in das Konzertjahr 2013.




Setlist: 
1. 900 Miles
2. Runaway
3. They All Wanted a Slice
4. Just Because
5. 100 mph (In 2nd Gear)
6. Bring Ring Ring Yeah
7. Touch Me I´m Sick
8. So Do I
9. I´m Gonna Lock My Heart
10. Trou De Loup
11. Fire House
12. Flood and a Fire
13. Human Kind
14. Out
15. Bei mir bist Du shein
16. Right Thing
17. Rescue Me

18. Make It Happen (Z)
19. When I Kissed You (Z)
20. Dig Me A River (Z)
21. Close (Z)



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates