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Samstag, 2. August 2014

Maxim, Karlsruhe, 01.08.14

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Konzert: Maxim
Ort: Zeltival im Tollhaus Karlsruhe
Datum: 1. August 2014
Zuschauer: 650


Es gab verschiedene gute Gründe für mich, an diesem Abend ins Tollhaus zu radeln. Das Konzert, was mich am 1. August noch mehr interessiert hätte, fand zwar gerade am Pariser Platz in Stuttgart statt, aber die zwei Stunden Fahrt hin und anschließend wieder zurück hätte ich an diesem Abend nicht geschafft. Die vielen kurzen Nächte der laufenden Woche steckten mir doch in den Knochen.




Hinzu kommt, dass Maxim auch für das New Fall avisiert ist im Oktober in Düsseldorf (dort dann mit Cello-Orchester!). Und die haben für mich bisher eigentlich immer das richtige gehabt. Dazu meist in überzeugender Neuinterpretation. Außerdem habe ich mich im Tollhaus schon mehrfach positiv überraschen lassen von Künstlern und Künstlerinnen die ich vorher nicht auf dem Radar hatte. 



Viele Menschen in Karlsruhe hatten - im Gegensatz zu mir - die Musik des jungen Mannes aus Köln aber sehr wohl auf dem Radar: das Tollhaus war wieder sehr gut gefüllt und im Set konnten rings um mich ganz viele jedes einzelne Lied Wort für Wort mitsingen mit glücklichen Augen und Hingabe. Und es gab überreichlich Applaus.



Bei mir verfing aber leider nichts. Dass die Beschreibung "nachdenklicher Songwriter-Pop" heute nicht sehr aussagekräftig sein würde, zeigte sich schon beim mustern der Bühne vor dem Konzert. Dort waren Keyboards, E-Gitarre, E-Bass, ein Drumset und vorn das Mikro von Maxim aufgebaut. Nun muss man sich ja von der Bandumsetzung nicht gleich verschrecken lassen, aber der erste Ton - Einsatz der Drums vom anderen Ende des Raumes (von mir aus) tat das schon. Instinktiv hatte ich sofort die Hände auf den Ohren und einen echten Schreck gehabt. Knall-bumm-bautz.



Das war dann im Set nicht mehr so arg, aber im Raum überdeckte das Schlagzeug die Musik fett. Den Text konnte ich so nicht verstehen zumal Maxim auch noch beim singen nuschelte. Und obwohl ich sah, dass der Keyboarder häufig in sein Mikro sang, hörte ich davon gar nichts.



So war die mögliche Poesie der Texte verloren. Aber auch die Musik war nichts was bei mir irgendwo andockte. Als ich nach einiger Zeit im Zelt aufgab und mich in den wunderbaren Garten setzte, besserte sich das schlagartig. Für hier draußen war die Musik gut abgemischt. Aber richtig warm wurde ich auch hier nicht damit.  Zum Glück aber ist ja der Zeltival-Garten an so einem schönen Sommerabend ein Fleck zu dem man nichts zu seinem Glück vermissen muss und ich fuhr zwar ein bisschen ratlos heim, aber nicht unglücklich.



Tourdaten:
01.08. Karlsruhe Zeltival
02.08. Horb Mini Rock
09.08. Eschwege Open Flair Festival
17.08. Worms Jazz and Joy Festival
18.09. Hamburg Reeperbahn Festival
   
09.10. Düsseldorf New Fall Festival
   
10.11. Gütersloh Weberei  
11.11. Braunschweig Meier Music Hall
12.11. Bremen Schlachthof
13.11. Berlin C-Club
14.11. Dresden Scheune  
15.11. Augsburg Kantine
17.11. Wiesbaden Schlachthof
18.11. Leipzig Täubchenthal
19.11. Mannheim Alte Feuerwache
20.11. Freiburg Jazzhaus
21.11. Neunkirchen Gebläsehalle
29.11. Bottrop Sallbau
01.12. Köln Gloria 


Konzertmitschnitt aus Münchenvon MissMoreMusic:



Freitag, 1. August 2014

Suzanne Vega, Karlsruhe, 30.07.14

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Konzert: Suzanne Vega
Ort: Zetltival im Tollhaus
Datum: 30. Juli 2014
Dauer: 95 min
Zuschauer: 800


Wenn ich am Jahresende überlegen werde, welche Konzerte mich am meisten bewegt haben, werde ich wohl mit einem inneren Glühen auf diese Woche zurückblicken, in der ich jeden Abend entweder im Zeltival oder im Wohnzimmerkonzert die allerbeste und einzigartige Unterhaltung geboten bekam. Der Abend mit Suzanne Vega sticht insofern hervor, als fast alle Menschen, denen ich davon erzählte, die Sängerin kennen (das ist wirklich selten, viele kennen nicht einmal Tori Amos, tsssss).



Für mich ist sie seit Jahren eine Begleiterin - irgendwie immer schon da, weil ihre Lieder in die Öffentlichkeit und ins Radio traten mit meinem eigenen erwachsen werden. Die Alben danach meist nicht im Radio, aber für mich immer wieder überraschend und neu und selbst die letzte Reihe der Close-up Neuaufnahmen irgendwie mein Interesse weiter bindend, wenngleich ich mich entschied, das nun neuste Album Tales from the Realm of the Queen of Pentacles nicht zu kaufen.

Wie sie an diesem Abend in Karlsruhe auf der Bühne steht, ist sie seit dem 29. Juni (Auftritt beim Glastonbury Festival) in Europa unterwegs und spielt das 22. Konzert nach Stationen in Portugal, Frankreich, Belgien, Spanien, Finnland (mit Bob Dylan), Norwegen, Italien, Polen, Österreich und UK. Nachdem sie im Februar schon 23 Konzerte in Europa (auch Deutschland), 18 Tourdaten in den USA im Mai und sechs im März (dazwischen Asien und Australien im April) absolviert hatte. Was man ihr aber nicht anmerkt. Nichts wirkt leer gewordene Routine, nichts an ihr ist müde, sondern sie ist sehr präsent, sehr zugewandt und hat offensichtlich Lust auf den Abend.


Lust hat auch das Publikum, das zuletzt am 17. Juli 2011 das Vergnügen im Tollhaus haben durfte (wo es sogar eine von nur sechs europäischen Stationen war). Damals auch mit Gerry Leonard an der Gitarre. Heute Abend hat sie außerdem einen Drummer, Doug Yowell dabei, der vor allem für die druckvolle Umsetzung des ganz neuen Materials Sorge tragen wird (mit dem sie aber auch schon über 10 Jahre live und im Studio zusammen arbeitet). 



Ich selbst hatte Frau Vega zuletzt beim Sommer Open Air Schloss Neuhaus Paderborn am 14. Juli 2001 gesehen. Aber nur noch eine vage Erinnerung daran, wie sehr mir bewusst wurde, wie viele ihrer Lieder mir teuer sind und dass sie nicht alt werden.

Für den Tollhaus Abend enthielt die Setlist ihre 12 meistgespielten Songs, dazu 6 Songs vom neuen Album und ausgerechnet das erste Stück Fat man & Dancing Girl ist dabei das überraschendste (weil weder Hit noch neu). Im Vergleich zu Würzburg am Vorabend (Jens wird darüber noch berichten) unterscheiden sich dabei nur die Zugaben etwas. Es ist also schon ein etablierter Ablauf, aber man merkt das nicht.



Mir ist es eh recht. Suzanne Vega holt ja mit diesem Dutzend "Hits" auch ein Dutzend meiner liebsten Songs aus dem Hut (und lässt dabei noch weg, wie z.B. Undertow, When heroes go down, 99,9 F degree). Das neue Material muss ich ihr zugestehen und muss sogar zugeben, dass mir die rockigen Töne dabei gut gefallen, wenngleich (einzige Kritik des Abends) es einige Male kurz davor ist, zu laut und zu kreischig zu werden. Am eindrücklichsten und vielleicht ein neuer Lieblingssong ist dabei Jacob and the Angel. Die Momente, wo mir vor Glück fast das Herz stehen bleibt: In Liverpool & Small blue thing. Vielleicht zum ersten Mal wirklich dem Text verstehend zuhören und vor der Poetin innerlich aufs Knie fallend.

Was Frau Vega zeigt: Sie kann ein knappes Tausend Leute nur mit ihrer Gitarre und ihrer Präsenz mucksmäuschenstill werden lassen. Das schafft sie mit Gypsy und The Queen and the Soldier, sie kann tänzerisch, sie kann Krach (Blood makes noise ist eine wahre Orgie an dem Abend und gibt dem Künstler an der Gitarre Raum) und druckvoll. Und sie macht es so, dass alles organisch wirkt und dass letztlich auch ihr Lebenswerk ein Kontinuum, ein Ganzes, darstellt und bleibt. Es bleibt mir innerlich die Frage: Wie macht sie das? Irgendwie alterslos, dabei weise und jung und ganz im hier und jetzt, dabei locker an alle Stellen unserer gemeinsamen Zeit greifend. Erdgebunden aber doch nicht ganz von dieser Welt.



Dann gibt es den Moment des Abends, wo ich mir selbst dabei zugucke, wie ein Puzzleteil an seinen Platz fällt. Sie erzählt zu Gypsy: mit 18 verliebte sie sich das erste Mal richtig (ausgerechnet in einen Briten - und ja, auch 2014 sind sie noch in Kontakt) über ihre gemeinsame Liebe von Leonhard Cohens Musik. Klar, ach Mensch! das passt - hätte mir auch vorher schon auffallen können.  Sie, die Poetin und Zauberin hat natürlich auch ihn als Vorbild und Vorläufer.

Was hätte noch schöner sein können? Vielleicht wenn alle bei My name is Luka mitgesungen hätten? Es will mir doch keiner erzählen, dass nicht jeder im Publikum das textsicher drauf gehabt hätte?!


verbliebene Europatourdaten 2014
01.08. Ebensee 
02.08. Insbruck
05.08. Lorient



Setlist:
01: Fat Man & Dancing Girl
02: Marlene on the Wall
03: Caramel
04: Fool's Complaint
05: Crack in the Wall
06: Jacob and the Angel
07: Small Blue Thing
08: Gypsy
09: The Queen and the Soldier
10: Don't Uncork What You Can't Contain
11: Laying on of Hands
12: Left of Center
13: I Never Wear White
14: Some Journey
15: Luka
16: Tom's Diner

17: Blood Makes Noise (Z)
18: In Liverpool (Z)
19: Rosemary (Z)


Fotos (c) Gerald Langer aus Würzburg vom Vortag
Biographie Doug Yowell
Web Gerry Leonhard

Aus unserem Archiv:
Suzanne Vega, Würzburg, 29.07.14

Konzertmitschnitt Februar 2014 aus München von MissMoreMusic


Mittwoch, 25. Juni 2014

Marcel Brell, Karlsruhe, 11.06.14

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Konzert  mit Marcel Brell
Datum: 11. Juni 2014
Dauer: 65 min
Zuschauer: 20


Dafür dass ich ja nach so vielen gründlich reflektierten Konzerten eigentlich so etwas wie eine Expertin sein sollte, stolpere ich manchmal ganz schön unbedarft in meine Konzertabende hinein. Marcel Brell hatte mir in dem einen Video gefallen, das ich angesehen hatte. Das fand ich eher ungewöhnlich, weil es deutsche Musik, die etwas poppig daherkommt, bei mir schwer hat. So dachte ich aber, spring über deinen Schatten, guck dir das an, wird bestimmt nett und mal anders.


Vorgestellt hatte ich mir dann einen emotional aufdrehenden Mann am Klavier (so wie in dem Video halt). Als der Abend näher rückte, wurde klar: er kommt mit Band, nämlich mit David Eibl (Schlagzeug) und Georg Kostron (Bass). Beides Österreicher, die es gerad in Berlin interessanter finden. Und statt eines gemütlichen Schwatzes bei einer Tasse Kaffee ging es gleich nach dem Eintreffen der drei Burschen mit aufbauen los: Drums und Kabel und das Keyboard eben. Das braucht seine Zeit. Und wir mussten ein bisschen über die Lautstärke verhandeln, nachdem alles am rechten Fleck war...


Die ersten Konzertgäste trafen pünktlich ein und das Wohnzimmer füllte sich ordentlich. Wegen der sommerlichen Temperaturen ließen wir das Zimmer zum Garten offen. Die Nachbarschaft bekam Konzert (*) und wir hatten den einen oder anderen kleinen Zwischenfall mit fahrenden Boomboxen von der Straße und einem brüllenden Mann (leider blieben wir im Dunkeln darüber, was sein Problem war).


Im Konzert war wohl Für jeden was dabei - das wurde gleich im ersten Song klar. Vom Album wurden viele der Stücke gespielt, wie Alles gut solang man tutWeggehn um anzukommen, Das Entscheiden, Nur den Augenblick, Du bist, oder Schweigen mit dir. Sympatisch kam er rüber, der Herr Brell und mit seiner Rolle in unserem Wohnzimmer schien er sehr zufrieden. Das Publikum dankte mit lachen, Applaus und Kleinmusikerrollen als Sänger und Rhythmusfraktion. 



Mich faszinierte ja am meisten der Basser mit seinem fünfsaitigen Instrument und einer geschmeidigen Coolness, die ihresgleichen sucht. Nach dem Konzert war dann auch die Zeit für den Schwatz und Stoff für Gespräche gab es viel und divers. Wir werden wohl nicht auf einen Nenner kommen darüber, was ein interessanter Blogeintrag über ein Konzert enthalten sollte, aber das wär ja irgendwie auch fad. Ich fand es im Nachhinein echt toll, dass Marcel die Burschen aus dem Nachbarland mitgebracht hat und hoffe, dass es mit den Wiedersehensplänen klappt!




Einachtellorbeerblatt zum Album
Konzertbericht Berlin Antje Brandt

Marcel Brell Tour

03.07.  Cafe Tucholsky (Bochum)
04.07.  Murphy’s Law (Ulm)
11.07.  Wohnzimmer (Gelsenkirchen)

09.10.  Pasinger Fabrik (München)
10.10.  Volksbad Buckau (Magdeburg)
11.10.  Prinzenbar (Hamburg)
15.10.  Comet (Berlin)
16.10.  Museumskeller (Erfurt)
18.10.  Hot Jazz Club (Münster)
19.10.  Studio 672 (Köln)
20.10.  Nachtleben (Frankfurt)
22.10.  Goldmark’s (Stuttgart)
23.10.  Zeche (Bochum)


 

Sonntag, 22. September 2013

Rue Royale, Frankfurt, 17.09.13

4 Kommentare
Konzert: Rue Royale mit support Courtney Marie Andrews
Ort: Ponyhof in Frankfurt
Datum: 17.09.2013
Dauer: 40 Minuten + 70 Minuten
Zuschauer: etwa 60




Rue Royale touren ausgiebig und damit irgendwann auch fast überall einmal. Diesmal sahen wir uns zweimal hintereinander in Frankurt und mich führte der Weg erstmals in den Ponyhof. Als Draufgabe des Abends war die von Oliver heiß empfohlene Courtney Marie Andrews als Support auf dem Programm. Gründe genug, einigermaßen gespannt zu sein!

Als ich im Ponyhof ankam, war es schon kurz vor knapp, laut Programm würde es in 5 min beginnen und im Bereich vor der Bühne hatten es sich schon so etwa 30 Leute bequem gemacht. Als ich mir gerade einen Platz gesucht hatte, kam mit einem Wasserglas in der Hand ein weitere junge Frau, von hinten und bat darum, durchgelassen zu werden. Statt sich jedoch auch einen Platz zu suchen, ging sie stracks durch zur Bühne, holte eine Gitarre aus dem Instrumentenkoffer und begann mit ihrem Set. Es spricht für das Publikum, dass sich sofort eine ganz gespannte Aufmerksamkeit einstellte. 


Die Lieder waren in der Grundstimmung alle sehr nachdenklich. Die Beschreibung eines regnerischen kalten Tages in San Francisco verfing bei mir besonders. Durch so ein kaltes Regen-Sauwetter war ich auch gerade 2 Stunden unterwegs gewesen... Im Gegensatz zu den melancholischen Liedern waren aber die Zwischansagen meist sehr witzig und schlagfertig mit abseitigem Humor gewürzt. Es konnte viel gelacht werden. Die Kommunikation mit anfeuernden Woooo's sei wohl international hilfreich, aber sie würde zu gern mal wissen ob das wohl auch in China so funktionierte? Leider konnte keiner im Publikum diese Frage mit eigenen Erfahrungen beantworten. Mit sehr herzlichem Applaus wurde die junge Frau nach 40 Minuten entlassen und am Merchtisch belagert, wo sie entzückende selbstgebastelte CDs (wohl als Notlösung) dabei hatte.
 

Setlist Courtney Marie Andrews

1) It keeps going
2) Woman of many colors
3) Roses of the city
4) Pomegranate
5) Near you
6) Left-handed angel
7) Light on
8) Songs for tourists



Die Pause bis zu Rue Royale war sehr kurz und diente nur einem nötigen letzten Soundcheck. Die Instrumente  waren alle schon aufgebaut. Auch Ruth und Brokln kamen etwas unprätentiös von hinten durch ihr Publikum auf die Bühne und in gewohnt selbstironischer Art schalten sie sich gleich selbst dafür, ausgerechnet mit einem Brummer-Soundproblem zu starten: Very professional. Zumal sie erstmals einen eigenen Soundmann, nämlich Brian aus den Niederlanden dabei haben.


Das Set begann schließlich mit dem ersten Song des gerade erschienen Albums Remedies ahead. Die warme Stimme von Brokln dominierte zunächst - begleitet von seiner E-Gitarre. Aber diese Ruhe täuschte und eine ordentliche Schlagzeugeinlage an den zahlreicheren Trommeln wirbelte ordentlich emotionalen Staub auf. Weiter ging es mit dem zweiten Song des Albums, wo Ruth eingangs trommelte und das Continuo mit Ruths Stimme im Zwischenteil sehr intensiv klang. Überhaupt schien mir an dem Abend ein etwa im Tempo des eigenen Herzens schlagender Beat durch das ganze Set zu pulsieren. Irgendwie antreibend und vorwärts drängend. 



Ruhigere Momente wie ein fast wiegendes Pull me like a string  oder das zum Sterben schöne Intro von These long roads wechselten mit dieser treibenden Komponente ab. In Guide to an escape fanden sich alle diese Aspekte sogar vereint, weil es so emotional ruhig und fast besinnlich beginnt, bevor es in eine hoffnungsfrohe Flucht umschlägt, die durch die sich umschlängelnden Stimmen nur als gemeinsame gemeint sein kann.  Mein persönlicher Höhepunkt ist an diesem Abend wieder U.F.O. Die Zeile Lift up my eyes ist mit fast schon religiösem Pathos gesättigt aber nicht schmalzig. 





Das eigentliche Set endet sehr ruhig mit Brought up somewhere else. Aber natürlich ist das Publikum begierig auf mehr und erhält noch eine Zugabe. Es darf etwas gewünscht werden und es gewinnt das wunderbar tröstliche Well go on allright. 

Es gibt noch einige Konzerttermine mit Rue Royale in diesem Herbst in Deutschland, die hiermit ausdrücklich ans Herz gelegt sein sollen!

Setlist Rue Royale:

1) Changed my grip 
2) Set out to discover
3) Tiny parcels
4) Flightline
5) Parachutes and Lifeboats
6) Guide to an escape
7) Pull me like a string
8) These long roads
9) Almost ghostly
10) Shouldn't have closed my eyes
11) ??
12) UFO
13) Dark clouds canopy
14) Brought up somewhere else

15) Well go on alright (Z) 

 

Tourdaten Rue Royale:

23.09.  Club Stereo – Nürnberg
24.09.  Autre Part - Differdange
26.09.  Espace B. - Paris
15.10.  Morph Club – Bamberg
16.10.  Tuchlaube - Aarau
17.10.  Amboss Rampe - Zürich
18.10.  Portier - Winterthur
19.10.  Franz Mehlhose – Erfurt
22.10.  Stille Post - Görlitz
23.10.  Junges Theater – Göttingen
24.10.  Feinkostlampe – Hannover 

28.10.  Café Muffat - München






Aus unserem Archiv:

Konzertankündigung Courtney Marie Andrews (Oliver)
Spectacular Spectacular Berlin am 7. April 2013 (Markus)  
Spectacular Spectacular Frankfurt am 6. April 2013 (Gudrun)
Rue Royale Phono Pop 2012 (Gudrun)
Rue Royale, Göttingen am 28. Mai 2012 (Gudrun)
Rue Royale, Köln am 28. Januar 2012 (Christoph)
Rue Royale, Karlsruhe am 24. Januar 2012 (Gudrun)
Rue Royale, Karlsruhe am 16. März 2011 (Gudrun)
Rue Royale, Paris am 27. Januar 2010 (Oliver) 

Konzert in München aufgezeichnet von Missmoremusic:


Mehr Fotos



Sonntag, 7. Juli 2013

Alin Coen Band, Karlsruhe, 04.07.13

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Konzert: Alin Coen mit Support Florian Ostertag
Ort: Tollhaus in Karlsruhe im Rahmen des Zeltivals
Zuschauer: wohl 350-400
Datum: 04.07.2013
Dauer: 30 min + 105 min


Mein erster Besuch des Zeltivals 2013 fiel auf einen gloriosen Sommerabend. Nach trostlosen letzten Junitagen, die für den ganzen Sommer irgendwie keine gutes Vor-Gefühl aufkommen ließen, war im Freigelände des Tollhauses die Erleichterung darüber förmlich spürbar, dass nun doch noch ein paar schöne Tage kommen würden, an denen man das Angebot des Zeltivals in voller Schönheit genießen kann. Nämlich: draußen den Tag verabschieden (zur Not mit einem Powernap auf der Wiese) dann drinnen der Musik lauschen und anschließend das letzte Tageslicht erahnend noch einen Wein trinken und das Erlebte nachschwingen lassen. 

Auf diesen Abend mit der Alin Coen Band hatte ich mich schon länger sehr gefreut. 


Alin Coen mit Teilen der Band hatte ich im Rahmen der TVNoir Tour #6 im Jubez gesehen. Damals hatte ich schon festgestellt, dass dieses Energiebündel ganz zu Recht eine große Fangemeinde in Karlsruhe hat. Das würde unglaublich gut ins Tollhaus passen und ich könnte mich auch ein Stück weit tragen lassen von der Begeisterung. Eigentlich bin ich ja eher so ein Anhängerin der kleinen Form: am liebsten akustisch, leise und intim. Nur unter diesen Randbedingungen hatte ich mich auch an Alin Coen "rangetraut" (der Form der TVNoir-Kultur vertrauend). Aber nach dem Beschnuppern im Jubez war mir klar, das passt mit uns auch in laut und groß. 


Als dann sogar als Support für das Tollhaus ausgerechnet noch Florian Ostertag aufgeboten wurde, war eigentlich ein wunderbarer Abend vorprogrammiert. Auch ganz ohne Zutun von Petrus musste hier die Sonne aufgehen.
Für mich persönlich passte der Kosmos auch aus dem Grund, dass mich die erste TVNoir-Konzertrunde mit Florian Ostertag und Tex eigentlich auf den TVNoir-Konzert-Trip gebracht hatte und damit auf die Rille, auch Alin Coen dort eine Chance zu geben. 


Noch sehr vorsichtig tastend hatte ich damals extrem lange überlegt, ob sich eine Fahrt zu dem Konzert nach Freiburg lohnen würde. Bestimmt 2 Monate habe ich hin und her überlegt, geplant und wieder verworfen und mir dann ein Herz genommen. Das wurde damals so extrem honoriert, dass der Überraschungskonzertabend mit September Leaves und Tex wohl in meine persönlichen Annalen als eines der größten Konzerterlebnisse eingehen wird. Und den rundum überzeugenden Abend mit Florian Ostertag gab es dann ein halbes Jahr später auch noch im Jazzhaus. Seitdem mag ich seine Musik und sein bescheidenes, ein bisschen selbstironisches aber doch auch witziges Auftreten sehr. Bei Better version z.B. blitzte der Schalk sehr deutlich durch (wie das Foto beweist).


Auf der Bühne fand sich dann auch die Schreibmaschine für den Rhythmus in Home (vielleicht mein Lieblingslied, in jedem Fall ein echter Ohrwurm) und ein kleiner Schwarzweiß-Fernsehapparat mit einem VHS-Recorder, der dann in Love songs einen am Schlagzeug aufgezeichneten Florian zeigen durfte. Das Support-Set war mit seinen 30 Minuten wohl eher ein Appetithäppchen, aber ein sehr leckeres! Das Publikum - sicher zum großen Teil für Alin Coen gekommen - nahm aber den jungen Mann willig in den Arm und ließ sich begeistern. Als das letzte Lied angesagt wurde, ging  gar ein enttäuschtes Stöhnen durch die Reihen.

Der Umbau verlief fix und schon 15 min später war Alin Coen mit ihren zur Zeit vier Jungs von der Band auf der Bühne. Ein Mann am Piano, und je einer an Gitarre, Bass und Schlagzeug bildeten den musikalischen und optischen Ring um die Sängerin, die auch selbst oft zur Gitarre griff und bzw. zusätzliches Keyboard beisteuerte. Ich hatte besonderen Spaß daran, den Gitarristen Jan Frisch zu beobachten und sein häufig sehr virtuoses Wechselspiel mit Philipp Martin am Bass - die verstohlen stolzen Blicke, wenn Doppelläufe der beiden super klappten - und das fast stets lachende Gesicht des Schlagzeugers Fabian Stevens im Blick zu behalten. Das mit der Band im Namen ist schon ernst gemeint und live auch spürbar.


Wenn auch die Rollen schon klar so aufgeteilt sind, dass Alin Coen der eigentliche Hingucker ist mit ihrer Präsenz und ihrer Agilität auf der Bühne. Sicher hängt ihr das schon zum Hals raus, das ständig zu hören, aber ich komme nicht umhin, es hier einmal laut und deutlich zu sagen: als äußerlich so zierliche Person, so eine Energie auszustrahlen, das kann einen als Zuschauer in der ersten Reihe schon ganz schön umhauen!
 

Und als Fotographin um den Verstand bringen - so viele eigentlich wunderbare aber verwackelte Bilder... :) Aber als Konzertbesucher kommt man ja gerade um dieses Extra im Vergleich zur Tonkonserve zu genießen, das es hier überreichlich gab. Es ist schierig für mich, besondere Highlights des Sets zu benennen. Aber ohne Zweifel war Wolken, das sie Solo spielte, ein absoluter Gänsehautmoment.


Vielleicht lag es aber auch mit daran, dass dies das erste Lied war, das die Fans im Publikum schon gut kannten. Es gab förmlich ein aufseufzen "Ach ja, das!"  Bis dahin waren alles Stücke der noch brandneuen CD gewesen.  Wolken diente als Einstieg  für einen Block von Songs, die schon entweder aus TVNoir oder den vorhergehenden Platten gut bekannt waren. Von da an konnte sich das Publikum für eine Zeit absolut Text-sicher zeigen.


Schön und geerdet waren auch verschiedene Geschichten zu den Songs, wie ein zerbeultes Knie nach einem Unfall mit dem Boot oder das Schmieren eines Nutella-Brotes, das plötzlich nachdenklich werden lässt oder ein textliches Missverständnis, das natürlich prompt provozierte, dass ich auch genau den gleichen Verhörer hatte ...


Die neuen Lieder nach einmaliger Live-Begegnung einzuschätzen, fällt mir noch etwas schwer weil es ungerecht bleiben wird. Klare sofortige Aufmerker für mich an dem Abend waren ganz sicher  Disconnected und Fountain. Und Gäsehaut-pur-Momente bei The ones. Die letzten beiden Songs vor den Zugaben ließen fast eine Regenwald-Atmosphäre aufkommen - jedenfalls assoziierte ich da exotische Kulissen beim hören.



Andererseits wäre wohl mein Gefühl für den Abend viel weniger zufrieden und geglückt, wenn es nicht die "alten" Lieder gegeben hätte, wo sich ringsum alle Gesichter verzückt zeigten und die Stimmen mischten. Aber das ist wohl auch ganz in Ordnung so, denke ich.


Man sieht es an der Setlist, dem Publikum fiel es sehr schwer, nach dem etwa 90 minütigen regulären Set schon gut sein zu lassen. Es wurde geklatscht und gejohlt und schließlich eine ordentliche Verlängerung gewährt, für die die zugkräftigen Knallersongs aufgespart worden waren. Mein Ohrwurm für den Heimweg war dann Alles was ich hab. Ja, Alin Coen und ihre Jungs hatten an diesem Abend wohl tatsächlich alles was sie haben mit uns besehen und geteilt. Vielen Dank dafür und an das tolle Publikum im Tollhaus. Der wunderbare Abend wird noch länger in mir nachklingen.



Setlist Florian Ostertag
1) Always waiting
2) Babel
3) Better version
4) Home
5) Lovesongs
6) Simple man 

Setlist Alin Coen
1) All it takes
2) High expectations
3) As I am
4) A No is a No
5) Disconnected
6) Rifles
7) Wolken (solo) 
8) Kein Weg zurück
9) Same Boat
10) Hol mich ein 
11) Einer will immer mehr
12) Du drehst Dich
13) Fountain
14) The Ones
15) Reason 
16) Kites 

17) Wer bist Du? (Z) 
18) Hold (Z)
19) Alles was ich hab (Z)

20) Ich war hier (Z2)

Weitere Tourdaten Alin Coen:

12.07. MAGDEBURG, Volksbad Buckau Open Air
13.07. GERA, 360 Grad
24.07. WIEN, Theater am Spittelberg
25.07. WIEN, Theater am Spittelberg
26.07. KÄRNTEN, Acoustic Lakeside Festival
27.07. LUDWIGSBURG, Residenzschloss - Support für Philipp Poisel



Wunderbarer Mitschnitt aus dem Milla in München



(Danke MissMoreMusic)

Weitere Fotos:
 


Aus unserem Archiv:
Alin Coen Band, Karlsruhe (TVNoir #6) 19.09. 2012

 

Freitag, 28. Juni 2013

Scout Niblett, Jena, 24.06.13

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Konzert: Scout Niblett
Ort: Café Wagner in Jena
Datum: 24. Juni 2013
Dauer: 60 min
Zuschauer: 150-200 


Bitte einmal die Hand heben, wer schon einmal in Jena war. Oder wer wenigstens weiß, wo Jena liegt. Ich muss die Klappe halten, denn ich bin in einem Ort aufgewachsen, wo man damals entweder Fan von Rot-Weiß Erfurt oder 1. FC Jena war. Und es setzte ordentlich Kloppe, wenn man dem "falschen" Verein die Freundschaft hielt. Schulausflüge gingen mit der Bimmelbahn nach Jena West zum wandern auf einen der vielen Hügel rings um Jena.


So fühlt es sich heimatlich an, wenn Franz Mehlhose in Erfurt oder das Café Wagner in Jena als Station meiner Lieblingsbands in den Tourdaten erscheinen. Ein warmes Gefühl im Herzen und ein kleines ziehen. Nun bin ich nach sehr langer Zeit tatsächlich einmal wieder in Jena. Es hat sich gar nicht so viel verändert. An der Uni sitze ich im Hörsaal mit Blick auf ein Bild aus meinem Schulunterricht: Auszug der Jenenser Studenten in den Freiheitskrieg 1813. Und ich muss über die feine Ironie sinnieren, dass dies die Wiege der Burschenschaften ist im fortschrittlichen Freiheitsdrang und was heute daraus geworden ist. Hier war Schiller zu Haus in seinen Sturm und Drang Zeiten. Und hierher wollte dunnemals Udo kommen in die Rock'n Roll Arena nach Jena...


Gekommen war ich zum Netzwerken. Aber es passte auch wunderbar, dass ich an dem Abend noch einmal Scout Niblett sehen könnte. Nach dem eindrucksvollen Mannheimer Regenauftritt und den Schwärmereien aus München, Köln, Paris, Duisburg und Berlin hatte ich dazu große Lust.

Auch Lust, das Café Wagner einmal mit eigenen Augen zu sehen. Und was ich vorfand gefiel mir außerordentlich gut. Nette Leute, uriger Raum, schöner großer Balkon, auf dem bei meinem Eintreffen die Band noch beim Abendessen saß. Ich sagte schnell Hallo, stellte mich vor und richtete Grüße aus. Aber vor dem Konzert wollte ich nicht stören. Ich setzte mich bequem in einen Kinosessel und sah zu wie sich das Café langsam füllte -  eigentlich füllte sich vor allem der schöne Balkon. Alle freuten sich über den schönen Sommerabend und das Licht des Johannisabends. Erst als dann kurz vor 21:30 Uhr alle in den Konzertsaal hereinkamen wurde klar: heut Abend ist es hier ganz schön voll. Jena weiß zu schätzen, dass Scout Niblett hier Station macht!


Das Konzert beginnt mit Emma solo und einem brummenden Anlage. Erst als sie mit ihren Lippen das Mikro berührt und damit erdet hört das Störgeräusch auf. Als der Schlagzeuger beim zweiten Stück auf die Bühne kommt, erzählt sie ihm das gleich ganz aufgekratzt. Überhaupt ist die Aufstellung heut sehr entspannt. Emma kann zum Schlagzeug schauen und die beiden haben öfter Blickkontakt. Zum dritten Song schließlich ist auch die zweite Gitarre dabei und die Liveband komplett. Ich habe den Eindruck, dass Emma zwischendurch spontan entscheidet, welcher Song als nächstes gespielt werden soll. Es gibt eine Setlist, aber sie ist wohl nur eine erste Approximation.




Die Musik ist intensiv, und drängend. Das Publikum sofort ganz dabei. Später wird es auch wütend und aggressiv. Ich liebe diese Momente. Dann bricht die etwas angespannte Stimmung zwischen den Stücken wieder auf. Emma bittet um Fragen während sie die Gitarre nachstimmt. Das Publikum ist ein bisschen schüchtern. Dann fragt jemand, ob ihr ihre Arbeit Spaß macht. Woraufhin sie losprustet: das sei doch kein Job, oder? Und .... nach einer langen Pause ... es sei wohl klar, dass sie hier gern auf der Bühne sei. Und lacht ihr unnachahmliches kehliges Lachen und wirft den Kopf nach oben.




Später fragt jemand, wen sie auf dem Cover der aktuellen CD küsst. Die knappe Antwort: "an asshole - obviously!". Das gibt ordentlich Lacher. Weiß er, dass er auf dem Cover ist? "Yes" Und was sagt er dazu? "he likes it. He can show it to people". Auch darüber wird herzlich gelacht.

Es ist leider ein recht kurzes Set. Schon nach 50 min verlässt die Band die Bühne und kommt dann für 10 min Zugabe zurück: Zunächst ein eher ruhiges Could this possibly be bevor das letzte Stück Hot to death noch einmal alle Register zieht. Wahnsinn, wie sich alle aneinander hochziehen und vorantreiben. Die Gitarren umeinander jaulen und das Schlagzeug beide vor sich her treibt. Eine wahre Geister-Austreibung. Leider lässt sich die Band auch durch anhaltenden starken Applaus nicht überreden, noch einmal auf die Bühne zu kommen. Live-Eindrücke sind z.B. aus Hamburg verfügbar oder aus Innsbruck (als Audio in vielen Formaten archiviert) und sagen mehr als meine unbeholfenen Worte, was die Livererscheinung von Scout Niblett so besonders macht.



Hinterher treffe ich noch Emma an der Bar und kann ein paar Worte mit ihr wechseln. Es scheint ihr gefallen zu haben in meiner Heimat. Obwohl sie sich vorher so müde und k.o. gefühlt hatte, war es für sie ein toller Abend. So gute Stimmung und tolle Applaus. Und ich bin ein bisschen stolz, als wäre es ein Stück mein Verdienst nur weil ich von hier komme.


Scout Niblett in Jena - ein weiterer Bericht

Aus unserem Archiv:

Scout Niblett, München, 11. Juni 2013 (Eike)
Scout Niblett, Köln, 9. Juni 2013 (Christoph)
Scout Niblett, Paris, 8. Juni 2013 (Oliver)
Scout Niblett, Duisburg, 4. Juni 2013 (Christoph)
Scout Niblett, Berlin, 3. Juni 2013 (Markus)
Scout Niblett, Mannheim, 31. Mai 2013 (Christoph & Gudrun)

Scout Niblett, Köln, 14.01.13
Scout Niblett, Paris, 09.05.11
Scout Niblett, Paris, 07.06.10
Scout Niblett, Paris, 30.11.09
Scout Niblett, Paris, 24.05.08
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Donnerstag, 23. Mai 2013

Dear Reader, Freiburg, 21.05.13

2 Kommentare

Konzert: Dear Reader mit Support Mine
Datum:  21. Mai 2013
Ort: Schmitz Katze in Freiburg (i. Br.)
Dauer: 40 min + 80 min
Zuschauer: etwa 150


Gestern ertappte ich mich etwas verwundert dabei, wie ich nach viel zu wenigen Stunden Nachtschlaf durch den (inzwischen intensiv verhassten) Regen zur Arbeit radelte und dabei still vergnügt (!) vor mich hinsang: Will you be my giding star...

Was war denn da passiert?
 
Dear Reader verfolge ich nun schon einige Jahre. Die erste CD - ein grandioses Überraschungsdebut hatte mich 2009 zum Livererlebnis im Weinheimer Cafe Central verführt (das war in dem Teil meines Lebens, wo es nur 1-2 Indie-Konzerte pro Jahr in meinem Abendprogramm gab). Danach gab es ein beglückendes Wiedersehen zwei Jahre später am gleichen Ort. Im vergangenen Jahr trafen wir uns in Düsseldorf zum New Fall Festival und im Rahmen der TVNoir Tour mit Herrenmagazin in Freiburger Jazzhaus. Jedes Mal war die bunte Truppe um Cherilyn MacNeil neu gemischt, aber die ansteckend gut gelaunte und temperamentvolle Musikerin aus Südafrika im Zentrum Garant für beste Unterhaltung.


Da die Rivonia-Tour (wieder!) einen Bogen um Karlsruhe macht, stand ich erneut vor der Entscheidung, wohin ich mich wenden sollte. Freiburg kam mir schon zeitig als geeignet vor, dann sah es für Pfingstsonntag und Saarbrücken sehr gut aus, aber schließlich wurde es doch der Ausflug nach Freiburg.

Schmitz Katze besuchte ich bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal und vergebe volle Punktzahl: Genutzt wird hier die Werkstatt einer ehemaligen Tankstelle. Der Hof lud mit improvisierten Sitzgelegenheiten zum verweilen ein, Einlass und Bar waren mit sehr zuvorkommenden Personen besetzt, die Größe des Clubs passte mir gut und schon vor dem Konzert gab es Gelegenheit, "alle" persönlich zu treffen. Nämlich 


1)  Mine, die ich für den Abend gar nicht erwartet hatte (wohl aber für Sonntag in der Guten Stube in Darmstadt)  und der ich ein persönliches Toi Toi Toi mitgeben konnte,

2) Cherilyn MacNeil herself und Emma Greenfield beim zurechtzupfen vor dem Spiegel - wir konnten ein bisschen unsere Vorfreude teilen,

3) den freundlichen Tourmanager, dem ich noch ein extra Dankeschön schuldig war und 

4) Sam Vance-Law  (der Mann mit diesem samtigen Bariton auf der aktuellen Dear Reader Scheibe) im Venue mit seinem Laptop auf dem Schoß. 


Überdies hatte ich nette und überraschende Begleitung. Was will man mehr?

Es sollte laut Venue um 20 Uhr mit Musik losgehen. Zu diesem Zeitpunkt nutzten aber die meisten noch das verhältnismäßig schöne Wetter zum draußen sitzen und schwatzen. Als Beginn wurde am Einlass 20:30 Uhr gehandelt. Jedoch schon 20:20 Uhr betrat Mine ganz unprätentiös die Bühne, begann mit Hinterher ziemlich rasant ihr Set und hatte - obwohl sicher kaum jemandem bekannt - damit das Publikum sofort und 100% auf ihrer Seite.  Das allgemeine Gefühl der positiven Überraschung war förmlich mit Händen zu greifen!


Im unvermeidlichen Vergleich mit dem Karlsruher Auftritt vor 10 Tagen war das Set etwas umfangreicher und die Künstlerin wirkte noch souveräner auf der Bühne. Ich stand diesmal viel näher und hatte sehr viel Spaß daran, ihre Spielfreude und die musikalische Begeisterung hautnah zu erleben. Meine Vorfreude auf das Konzert am 15. Juni in Mannheim ist damit noch ein Stück weit gestiegen. Es fällt mir schwer, besondere Momente ihres Programms herauszupicken, weil jedes Stück seine eigenen Stärken hatte. Großen Spaß gab es wieder mit dem Synthesizer. Trotz der Warnung dass es etwas gewöhnungsbedürftig klingen wird, ging mit den ersten Akkorden kaum unterdrücktes hysterisches Gekicher durch die Reihen, bis man sich auf den Song eingelassen hatte. Natürlich gab es auch hier am Schluss tosenden Applaus.


Für Dear Reader wurde in der Pause einiges auf der Bühne neu sortiert bevor es 21:30 Uhr weitergehen konnte. Der Zuschauerraum war inzwischen richtig gut gefüllt und die Spannung mit Händen zu greifen. Auch ich war sehr gespannt. Die ersten Proben vom Album Rivonia hatte ich schon 2012 in Düsseldorf und dann in Freiburg in sehr akustischer Besetzung gehört - zusammen mit den zugehörigen Geschichten. Inzwischen ist die CD erschienen und hat bei mir voll eingeschlagen. 


Nun würde ich also die live-Umsetzung erleben. Auf die Bühne kamen neben Cherilyn und Sam (die Besetzung, die ich zuletzt zweimal gesehen hatte) noch Emma und zwei Herren an Schlagzeug und Bass. Eine richtig "normale" Bandbesetzung. Cherilyn begann das Set mit einer überschwänglichen Begrüßung und der Geschichte zu Man of the Book. Später streute sie ebenfalls immer wieder Geschichten ein, wobei ihre Augen eigentlich am meisten erzählt haben: von Freude über das Publikum, Freude, die Musik zu teilen und Freude am Zusammenspiel mit den anderen Musikern. Ihr Enthusiasmus ist einfach ansteckend! 


Das Programm würde erwartungsgemäß natürlich vor allem Rivonia-Stücke umfassen, aber die gewohnten und ja auch lieb gehaltenen Stücken würden gewiss nicht ganz fehlen. Die vorab photographisch stibitzte Setliste bestätigte diese Erwartung. Als schließlich die Basslinie von Dearheart einsetzte, merkte man wie eine Welle durch das Publikum lief. Bisher waren alle freundlich mitgegangen und hatten auch die Ansagen beschmunzelt. Aber nun lochte Cherilyn final ein. Ähnlich euphorisch reagierte das Publikum auch auf Man und Whale vom Album Idealistic Animals und Great White Bear vom Debutalbum.


Aber natürlich fanden auch die Rivonia Stücke ihr Publikum. Nur war hier nicht die Vertrautheit und die "ich weiß was jetzt schönes kommt" Stimmung zu erwarten. Musikalisch war es rund und erfrischend. Die Stimmen von Emma und Sam mischten sich ganz wunderbar mit Cherilyns, die Trompete setzte immer wieder glänzende Akzente und als großes und sehr anrührendes Finale gab es (wie auf der CD) das a-capella Stück Victory, wo auch der Mann am Bass als Bass einstimmte und das Gesangsquartett professionell vervollständigte. Mir standen Tränen in den Augen.


Freilich kam die Band nicht um Zugaben herum. Cherilyn flaxte ein bisschen, ob man sich vielleicht mit nur zwei Stücken zufrieden geben könnte, da es inzwischen unglaublich warm geworden war und wir alle zusammen schon seit einer halben Stunde wie in der Sauna schwitzten. Klar, dass die Wärme kein Argument war, um auch nur fünf Minuten eines solchen Konzertes zu verpassen. So gab es noch ein Stück von Rivonia und anschließend Bend und den unnachahmlichen Monkey als Rausschmeißer.


Im Vergleich aller fünf Konzerte war dies tatsächlich der rundeste Abend für mich. Wieder gab es sehr viel zu lachen und zu schmunzeln und die gute Atmosphäre in der Band war förmlich mit Händen zu greifen. Aber es war auch alles in allem reifer und fertiger und tief anrührend. 

Wie es sich wohl anfühlt als Südafrikanerin in Berlin ein neues zu Hause zu finden? Ein Stück weit erzählen dies das neue Album und die Konzerte von  Dear Reader.

Für uns in jedem Fall ein großes Glück, sie so nah und unter uns zu haben - ich bin nach dem Konzert so beschwingt nach Hause gefahren, dass ich noch am nächsten Morgen die Euphorie nicht ganz abgelegt hatte.


Setlist, Mine in Freiburg:

01: Hinterher
02: Nicht für mich
03: Du scheinst
04: Mein Freund
05: Raus Raus Raus
06: Herzverleih
07: Kann sie es tragen
08: Lauter
09: Der Mond lacht


Setlist, Dear Reader in Freiburg:

01: Man Of The Book
02: Took Them Away
03: Dearheart
04: Good Hope
05: 27.04.1994
06: Down Under, Mining
07: Whale (BooHoo)
08: Cruelty On Beauty On
09: From Now On
10: Man (Idealistic Animal)
11: Back From The Dead
12: Already Are
13: Great White Bear
14: Victory

15: Teller Of Truths (Z)
16: Bend (Z)
17: Monkey (Go Home Now) (Z)

 
Multimediafutter:

Mehr Fotos aus Freiburg auf flickr
Bericht Dear Reader Mai 2013 in Stuttgart mit allen Archivlinks 

Bericht Mine  in Karlsruhe 

Das GANZE Konzert in München als Videomitschnitt
(alle links zu Videos oben von dort - Danke MissMoreMusic)


Weitere Tourtermine Dear Reader 2013:

23.05 Paris, Le Nouveau Casino
24.05 Köln, Gebäude 9
26.05 Münster, Gleis 22
27.05 Hamburg, Uebel & Gefährlich
28.05 Berlin, Lido
13.07. Rüsselsheim, Phono Pop Festival
02.08. Jena, Kulturarena



 

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