Freitag, 28. Juni 2013

Scout Niblett, Jena, 24.06.13



Konzert: Scout Niblett
Ort: Café Wagner in Jena
Datum: 24. Juni 2013
Dauer: 60 min
Zuschauer: 150-200 


Bitte einmal die Hand heben, wer schon einmal in Jena war. Oder wer wenigstens weiß, wo Jena liegt. Ich muss die Klappe halten, denn ich bin in einem Ort aufgewachsen, wo man damals entweder Fan von Rot-Weiß Erfurt oder 1. FC Jena war. Und es setzte ordentlich Kloppe, wenn man dem "falschen" Verein die Freundschaft hielt. Schulausflüge gingen mit der Bimmelbahn nach Jena West zum wandern auf einen der vielen Hügel rings um Jena.


So fühlt es sich heimatlich an, wenn Franz Mehlhose in Erfurt oder das Café Wagner in Jena als Station meiner Lieblingsbands in den Tourdaten erscheinen. Ein warmes Gefühl im Herzen und ein kleines ziehen. Nun bin ich nach sehr langer Zeit tatsächlich einmal wieder in Jena. Es hat sich gar nicht so viel verändert. An der Uni sitze ich im Hörsaal mit Blick auf ein Bild aus meinem Schulunterricht: Auszug der Jenenser Studenten in den Freiheitskrieg 1813. Und ich muss über die feine Ironie sinnieren, dass dies die Wiege der Burschenschaften ist im fortschrittlichen Freiheitsdrang und was heute daraus geworden ist. Hier war Schiller zu Haus in seinen Sturm und Drang Zeiten. Und hierher wollte dunnemals Udo kommen in die Rock'n Roll Arena nach Jena...


Gekommen war ich zum Netzwerken. Aber es passte auch wunderbar, dass ich an dem Abend noch einmal Scout Niblett sehen könnte. Nach dem eindrucksvollen Mannheimer Regenauftritt und den Schwärmereien aus München, Köln, Paris, Duisburg und Berlin hatte ich dazu große Lust.

Auch Lust, das Café Wagner einmal mit eigenen Augen zu sehen. Und was ich vorfand gefiel mir außerordentlich gut. Nette Leute, uriger Raum, schöner großer Balkon, auf dem bei meinem Eintreffen die Band noch beim Abendessen saß. Ich sagte schnell Hallo, stellte mich vor und richtete Grüße aus. Aber vor dem Konzert wollte ich nicht stören. Ich setzte mich bequem in einen Kinosessel und sah zu wie sich das Café langsam füllte -  eigentlich füllte sich vor allem der schöne Balkon. Alle freuten sich über den schönen Sommerabend und das Licht des Johannisabends. Erst als dann kurz vor 21:30 Uhr alle in den Konzertsaal hereinkamen wurde klar: heut Abend ist es hier ganz schön voll. Jena weiß zu schätzen, dass Scout Niblett hier Station macht!


Das Konzert beginnt mit Emma solo und einem brummenden Anlage. Erst als sie mit ihren Lippen das Mikro berührt und damit erdet hört das Störgeräusch auf. Als der Schlagzeuger beim zweiten Stück auf die Bühne kommt, erzählt sie ihm das gleich ganz aufgekratzt. Überhaupt ist die Aufstellung heut sehr entspannt. Emma kann zum Schlagzeug schauen und die beiden haben öfter Blickkontakt. Zum dritten Song schließlich ist auch die zweite Gitarre dabei und die Liveband komplett. Ich habe den Eindruck, dass Emma zwischendurch spontan entscheidet, welcher Song als nächstes gespielt werden soll. Es gibt eine Setlist, aber sie ist wohl nur eine erste Approximation.




Die Musik ist intensiv, und drängend. Das Publikum sofort ganz dabei. Später wird es auch wütend und aggressiv. Ich liebe diese Momente. Dann bricht die etwas angespannte Stimmung zwischen den Stücken wieder auf. Emma bittet um Fragen während sie die Gitarre nachstimmt. Das Publikum ist ein bisschen schüchtern. Dann fragt jemand, ob ihr ihre Arbeit Spaß macht. Woraufhin sie losprustet: das sei doch kein Job, oder? Und .... nach einer langen Pause ... es sei wohl klar, dass sie hier gern auf der Bühne sei. Und lacht ihr unnachahmliches kehliges Lachen und wirft den Kopf nach oben.




Später fragt jemand, wen sie auf dem Cover der aktuellen CD küsst. Die knappe Antwort: "an asshole - obviously!". Das gibt ordentlich Lacher. Weiß er, dass er auf dem Cover ist? "Yes" Und was sagt er dazu? "he likes it. He can show it to people". Auch darüber wird herzlich gelacht.

Es ist leider ein recht kurzes Set. Schon nach 50 min verlässt die Band die Bühne und kommt dann für 10 min Zugabe zurück: Zunächst ein eher ruhiges Could this possibly be bevor das letzte Stück Hot to death noch einmal alle Register zieht. Wahnsinn, wie sich alle aneinander hochziehen und vorantreiben. Die Gitarren umeinander jaulen und das Schlagzeug beide vor sich her treibt. Eine wahre Geister-Austreibung. Leider lässt sich die Band auch durch anhaltenden starken Applaus nicht überreden, noch einmal auf die Bühne zu kommen. Live-Eindrücke sind z.B. aus Hamburg verfügbar oder aus Innsbruck (als Audio in vielen Formaten archiviert) und sagen mehr als meine unbeholfenen Worte, was die Livererscheinung von Scout Niblett so besonders macht.



Hinterher treffe ich noch Emma an der Bar und kann ein paar Worte mit ihr wechseln. Es scheint ihr gefallen zu haben in meiner Heimat. Obwohl sie sich vorher so müde und k.o. gefühlt hatte, war es für sie ein toller Abend. So gute Stimmung und tolle Applaus. Und ich bin ein bisschen stolz, als wäre es ein Stück mein Verdienst nur weil ich von hier komme.


Scout Niblett in Jena - ein weiterer Bericht

Aus unserem Archiv:

Scout Niblett, München, 11. Juni 2013 (Eike)
Scout Niblett, Köln, 9. Juni 2013 (Christoph)
Scout Niblett, Paris, 8. Juni 2013 (Oliver)
Scout Niblett, Duisburg, 4. Juni 2013 (Christoph)
Scout Niblett, Berlin, 3. Juni 2013 (Markus)
Scout Niblett, Mannheim, 31. Mai 2013 (Christoph & Gudrun)

Scout Niblett, Köln, 14.01.13
Scout Niblett, Paris, 09.05.11
Scout Niblett, Paris, 07.06.10
Scout Niblett, Paris, 30.11.09
Scout Niblett, Paris, 24.05.08
Scout Niblett, Paris, 17.12.07


Meine Fotos aus Jena:



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