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Sonntag, 19. Juli 2015

Cinerama (& The Wedding Present), Paris, 17.07.15

2 Kommentare

Konzert: Cinerama (& The Wedding Present playing Saturnalia)
Ort: Le Petit Pain, Paris (Oliver Peel Session #100)
Datum: 17.07.2015
Dauer: Cinerama knapp 80 min, The Wedding Present knapp 45 min
Zuschauer: ca. 250



"Wie gefiel euch die Vorgruppe? Give them a couple of years, they'll improve!" David Gedge hatte großen Spaß an der ungewöhnlichen Situation, daß seine Erstband The Wedding Present diesmal der Support für die später gegründete Zweitgruppe Cinerama war. Das gab es bisher noch nicht. "There's a first time for everything... The Wedding Present supporting Cinerama!"

Cinerama für seine 100. Oliver Peel Session verpflichtet zu haben, war der erste brillante Streich meines Pariser Konzerttagebuch-Komplizen Oliver. Pragmatisch gleich noch The Wedding Present als Support anzufragen, der noch eine Spur cleverere. Daß The Wedding Present dann ihre Platte Saturnalia komplett spielten (auch das zum ersten Mal), war ein weiteres Sahnehäubchen auf ganzen Sahnebergen (Hausboot, toller Sound, hervorragender DJ (JB), der bei mir alleine dadurch gewonnen hatte, daß er in kurzer Folge Allo Darlin', Veronica Falls und When Nalda Became Punk spielte). 

Olivers Peel Sessions begannen 2007 mit den Yolks aus Frankreich. Ein Freund hatte die zu seinem Geburtstag eingeladen, irgendwann aber gemerkt, daß seine Wohnung dafür zu klein war. Also bat er Oliver um Feierasyl. Acht Jahre und Konzerte mit Künstlern wie Troy von Balthazar weiter, war die hundertste Session vorerst die letzte. Der Rahmen, ein Hausboot mit echtem Musikclub im Innern, war perfekt gewählt, die Bands umso mehr.

Um halb neun begannen The Wedding Present ihren ungewohnten Support-Job. Neben David Gedge (im gewohnten schwarzen Hemd) standen Bassistin Katharine Wallinger, Schlagzeuger Charlie Layton, Gitarrist Sam Beer-Pearce und Keyboarderin Danielle Wadey auf der Bühne. "Nous sommes The Wedding Present!"

Im Jahr von Olivers Wohnzimmershow-Premiere begannen The Wedding Present damit, ihre Platten an Konzertabenden komplett zu spielen. Das Debüt George Best machte den Anfang. In den Jahren danach folgten Bizarro, Seamonsters, Watusi und die Single-Sammlung Hit Parade. Saturnalia sollte ursprünglich nur bei David Gedges Festival At the edge of the sea in Brighton (im August) gespielt werden. 

Weil es auf dem Hausboot ein Vorgruppenjob war, begann die Band direkt mit dem ersten Stück von Saturnalia (Venus) und nicht mit ein paar Hits der anderen Platten zum Aufwärmen. Saturnalia war das letzte Wedding Present Album vor einer neunjährigen Pause, in der Cinerama entstand und seine ersten drei Platten veröffentlichte. Wie (pophistorisch) wundervoll passend also, vor Cinerama, Saturnalia komplett zu hören!

Das Album gilt als übersehen. "Sharper production and some of Gedge’s finest songwriting in half a decade make for an absorbing listen, the tormented heartbreak of single ‘Montreal’ a particular highlight", urteilt das Clash Magazine

Neben Montreal waren 2,3, go und Kansas besonders großartig. Extrem gut gefielen mir aber auch Lieder, bei denen Bassistin Katharine Wallinger mitsang (Dreamworld und Jet girl). Ja, Saturnalia steht sehr zu unrecht im Schatten der Vorgänger! Das bewies der 45-minütige Auftritt deutlich!

"Stick around for the main band. I hear they're really good!"

Setlist The Wedding Present, Le Petit Bain, Paris:

Saturnalia:
01: Venus

02: Real thing
03: Dreamworld
04: 2, 3, go
05: Snake eyes
06: Hula doll
07: Big boots
08: Montreal
09: Skin diving
10: Jet girl
11: Kansas
12: 50s 


Cinerama live sind 2015 The Wedding Present plus unterschiedlich viele zusätzliche Musiker. Beim Primavera Festival in Barcelona im Mai waren das Streicher, Bläser und ein weiterer Gitarrist. Auf die Streicher mussten Cinerama in Paris verzichten, die kamen vom Keyboard. Zwei Bläser gehörten aber zum achtköpfigen Ensemble, Trompeter Andrew (Blick, glaube ich) und Flötistin Elizabeth. Komplettiert wurde Cinerama von Keyboarderin Melanie Howard.



Das Konzert begann umwerfend! David Gedge fehlte noch, seine Begleiter spielten das Intrumental-Stück Model sky, wow! Model sky ist ein schönes Beispiel dafür, warum Cinerama oft mit Filmmusik charakterisiert wird. Danach kam David im Anzug und mit ihm gleich einer meiner großen Lieblinge 146 degrees. Das passte so wundervoll zum Instrumental-Auftakt, weil die Querflöte und die wundervollen hohen lala-Gesänge einer seiner Begleiterinnen bei Model sky und gleich am Anfang von 146 degrees im Mittelpunkt stehen. "Nous sommes Cinerama!"

Nach der herzergreifend schönen ersten Single Kerry Kerry folgte You're dead, das erste Lied von der im Mai erschienenen vierten Cinerama Platte Valentina. Valentina ist wie so vieles im David Gedge Kosmos besonders, es ist eine Neuaufnahme des letzten Wedding Present Albums quasi mit neuen Mitteln, mit Cinerama Arrangements. Nach dem ersten Hören im Mai gefiel mir Valentina (alt) besser als die Cinerama Herangehensweise. Nachdem ich ein paar der Stücke in Barcelona live gesehen hatte, war das schon ein wenig anders. Man muß ja auch keine der Platten besser finden, die Hüllen der Songs sind unterschiedlich genug, um als zwei andere Alben durchzugehen.

Wundervoll war danach das Duett Ears mit Danielle. Ears stammt vom ersten Album und zeigt deutlich (trotz Valentina), wie unterschiedlich Wedding Present und Cinerama klingen können. Ears ist ein herrlicher Popsong, der aber so gar nichts vom Gitarren-Indie der Erstband hat. Daß Cinerama aber nicht immer nur so klingen, zeigte Careless danach, das Dave mit "now, we're rocking" kommentierte. Im Gegensatz zu Barcelona fehlte der eine zusätzliche Gitarrist. Beim Primavera war David nur Sänger, in Paris spielte er bei vielen der Lieder, auch bei Careless Gitarre. 


Etwas später bei Mystery date von Valentina gab es die nächte schöne Besonderheit. Am Ende des Lieds spricht eine Frau auf der (Cinerama) Platte einen Text auf Spanisch. Keyboarderin Melanie hatte diesen Job live. Sie sprach den langen Text auf Französisch und wischte sich hinterher theatralisch erleichtert den Schweiß von der Stirn, nachdem es vollbracht war. Herrlich!

Von Valentina spielte die Band auf der Seine noch zwei weitere Stücke, You Jane und The girl from the DDR, von denen es übrigens auch deutsche Versionen auf der 4 Lieder EP gibt. Wäre es der Rhein gewesen, hätten wir vielleicht David diese Versionen singen hören. In Deutschland war ein paarmal das tolle Klee Cover Erinner' Dich auf den Setlisten.  

Ach, das Konzert war so schön, es hätte ewig weitergehen müssen. Honey Rider (nach der Rolle des Bondgirls Ursula Andress benannt), Dance, girl, dance ("if you're from the south of England it's called 'daaaance, girl, daaance'"), Après ski ("this concert's full of hits") oder Quick, before it melts - nur Hits!

Einer der großen Knüller beendete das Konzert und taugte auch schön als Motto. Wow. "I don't want to stay forever"? Quatsch! Ruhig hätten Cinerama alle vier Alben komplett spielen dürfen!

So ein 100. (modifiziertes) Wohnzimmerkonzert sollte ja etwas Besonderes werden. Besonders kann man wohl streng genommen nicht steigern. Der Abend war aber durchaus deutlich besonderer als gedacht! Einziger kleiner bitterer Beigeschmack: daß viel zu wenige Menschen das über Cinerama denken, was David Gedge im Laufe des Abends über ABBA sagte: "one of the greatest pop bands ever!"

Oliver: Onkel John wäre stolz gewesen!


Setlist Cinerama, Le Petit Bain, Paris:

01: Model spy
02: 146 degrees
03: Kerry Kerry
04: You're dead (The Wedding Present Cover)
05: Ears
06: Careless
07: Hard, fast and beautiful
08: Mystery date (The Wedding Present Cover)
09: You Jane (The Wedding Present Cover)
10: Honey Rider
11: Your charms
12: The girl from the DDR (The Wedding Present Cover)
13: Dance, girl, dance
14: Quick, before it melts
15: Après ski
16: Cat girl tights
17: Wow

Links:

- aus unserem Archiv:
- Cinerama, Barcelona, 27.05.15 
- The Wedding Present, Arlon, 20.11.14
- The Wedding Present, Barcelona, 30.05.14
- The Wedding Present, Düsseldorf, 26.09.13
- The Wedding Present, Paris, 24.10.12
- The Wedding Present, Wien, 04.10.12
- The Wedding Present, Köln, 23.09.12
- The Wedding Present, Barcelona, 30.05.12
- The Wedding Present, Köln, 15.10.10
- The Wedding Present, Köln, 15.11.07
- The Wedding Present, Paris, 02.11.07




Mittwoch, 18. Juni 2014

Feral and Stray, Paris, 17.06.14

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Oliver Peel Session #78 mit Olèna und Feral & Stray
Ort: Break'Art Mix Residency in Paris
Datum: 17. Juni 2014
Dauer: 40 min + 60 min
Zuschauer: etwa 65



Es war eine schöne Überraschung, als sich herausstellte, dass die Oliver Peel Session #78 in der Woche stattfinden wird, wo ich ohnehin in Paris sein würde und ausgerechnet mit Feral & Stray. Meine bisher einzige live Begegnung mit Erin Lang (solo) in Stuttgart (im Vorprogramm von Agnes Obel) hatte unter keinem besonders guten Stern gestanden, denn die zarte Person nur mit einer E-Gitarre ausgestattet stand vor einem riesigen Auditorium und konnte für mich an diesem Abend ihre Rohdiamanten nicht zum funkeln bringen, obwohl ich ihre Platte zu dem Zeitpunkt schon heiß und innig liebte.


An diesem Abend in Paris wurde sie nun unterstützt von Daniel Bleikolm an Gitarre/Keyboard und Basedrum und es war so intim - sie konnte alle Personen in der ersten Reihe berühren. Viel bessere Chancen für eine bewegende Begegnung mit ihrer so einzigartigen Musik.


Mein privater Bonus war, dass ich in etwa 20 min zum Konzertort laufen konnte. Ich war sogar etwas schneller vor Ort als geplant - weil ich fast nicht suchen  musste -  und überlegte noch, wie ich 15-20 min überbrücken könnte (um nicht zu unhöflich früh zu kommen), als ich Oliver und 2 weitere Personen an der Haustür sah mit schweren Taschen. Da konnte ich auf der Zielgeraden noch mit anpacken und war vor Ort während noch die letzten Vorbereitungen getroffen wurden. 


Oliver hatte mir erzählt dass David und Anna in ihrer Wohnung in Wurfweite von Notre Dame öfter Künstler beherbergen. Hinterher habe ich festgestellt, dass man über ihre Erfahrungen und die ihrer Gäste auch einiges nachlesen kann.

In jedem Fall war dies ein gastliches und gut vorbereitetes Haus für das Konzert. In der Wartezeit auf den Beginn des Konzertes wurde mir die Zeit nicht lang - so viel zu sehen und im Stillen zu belächeln:

Es gab Garderobe zu bewundern und Schuhe (ich fand das zum Teil sehr sportlich für einen Abend von 3 Stunden im Stehen). Ich geriet in das Familientreffen von Olèna und wurde von ihrer Mutter ein bisschen unter die Fittiche genommen. Leider ist mein Französisch mehr passiv als aktiv und wir kommunizierten sehr häufig nur mit Blicken... 


Außerdem fand ich es sehr unterhaltsam, dass es offensichtlich ein Pariser Volkssport ist, Plastikbecher mit Getränk im Mund festzuhalten um die Hände für die Bedienung des Smartphones auch während des ganzen Konzertes frei zu haben. Schließlich war der Raum fast bis an die Kapazitätsgrenze gefüllt und es konnte losgehen.  


Oléna hatte einige Zeit in Island verbracht und sich auch von dort Unterstützung and den Drehknöpfen mitgebracht: M-Band. Die Musik hatte für mich zwei wichtige Komponenten: der Beatuntergrund - weshalb es auch eher unter elektronisches Gefrickel einzuordnen ist und die Stimme von Oléna, die für mich eine reichliche Prise Björk hatte. Durch die Stimme war es für mich ein sehr unterhaltsames Set, aber nach etwa 30 min hatte es sich für mich ein bisschen erschöpft und ich war ganz zufrieden damit, dass nach 40 min das Set unter großem (und verdientem) Applaus beendet wurde. 



Mit den vielen Menschen war es sehr warm geworden. Die Fenster wurden weit geöffnet, es wurde am offenen Fenster geraucht und gedankenlos wurde die Asche in die Strasse getippt, wo genau unter uns eine Gruppe junger Mädchen einen Geburtstagskuchen anschnitten. 


Der Umbau für Feral and Stray war erstaunlich fix dafür, wie viele Kabel und Geräte ab- und wieder herbeigeräumt werden mussten. Und mit dem ersten Akkord des Sets war ich tief glücklich, schloss die Augen und ließ mich treiben. Wie rund, wie schön hier die vertrauten Lieder waren! Es gab sehr wenige Ansagen - die wenigen aber in ihrem herben kanadischen Französisch und mit sehr viel lachen.


Ein Bonus war weiterhin, dass David Simard - einer der Gastgeber - für zwei Songs seine Stimme lieh. Was für eine Entdeckung für mich! So eine warme und weiche Männerstimme! Für das zweite Set hatten wir eines der zwei Fenster weit geöffnet gelassen, was zwei lustige Zwischenfälle zur Folge hatte: Gesangsbeteiligung von der Strasse und ein Lied wurde dem Nachbarn gewidmet, der nur 5 m entfernt auf der anderen Strassenseite an seinen offenen französischen Fenstern stand. 




Schöne Aspekte für mich war der Einsatz des Omnichords und einer Kalimba. Den größten Schatz hatte Erin aber bis ganz zum Schluss aufgehoben für die Zugabe: Quiet Soul war (wie schon in Stuttgart) DAS Lied für mich. Wunderbar und ein so schöner Abschluss eines herrlichen Abends.


Erin Lang wird am 31. Juli in Würzburg (Alter Hafen) auftreten. Le Cargo hat vor dem Konzert einige Aufnahmen gemacht:


Aus unserem Archiv:
Erin Lang, Stuttgart, 07.11.13
Erin Lang, Paris, 17.03.12
Erin Lang, Paris, 19.10.11
Erin Lang, Paris, 17.10.11
Erin Lang, Paris, 18.09.11






Mehr Bilder:




Samstag, 13. April 2013

Malvina Meinier & Michelle Blades, Oliver Peel Session # 45, Paris

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Konzert: Oliver Peel Session # 45 mit Malvina Meinier & Michelle Blades
Ort: Oliviers Wohnzimmer, 3. Pariser Arrondissement
Datum: 30.03.2013
Zuschauer: etwa 40
Konzertdauer: pro Artist etwa 45 Minuten




Fast 6 Monate lang keine Oliver Peel Session, eine solch ausgedehnte Pause gab es in der Historie dieser Veranstaltung seit 2008 nicht mehr. Aber die Umstände haben sich geändert seit sich im Juli 2012 ein Nachbar lautstark beschwert hat und die Sessions nicht mehr in unserem eigenen Wohnzimmer (bzw. auf der Dachterrasse) stattfinden können. Ich muss nun immer Freunde und Bekannte anbetteln, ob sie mir nicht ihren Salon zur Verfügung stellen, da bleibt die Spontaneität natürlich etwas auf der Strecke.

 

Freundlicherweise hat mir ein netter Franzose namens Olivier (ausgerechnet ein Namensvetter, schon witzig!) angeboten, in seinem geräumigen und stilvollen Keller eine Homeshow zu veranstalten und da ich bereits ein mal bei ihm als Gast eines solches Konzert war, wußte ich, daß er Platz hat und sich die Räumlichkeiten bestens eignen.

4 Tage vor der Session war Olivier aber gar nicht gut drauf, er klagte am Telefon über Fieber und eine schmerzhafte Nasennebenhöhlenentzündung. Meine bange Frage, ob wir canceln sollen, verneinte er aber glücklicherweise.
 
Gecancelt werden musste aber schließlich der Auftritt des weiblichen französischen Duos Boy And The Echo Choir, die ich als Headliner der Session engagiert hatte. Die Mädels hatten zwar angefragt, was wir aufbieten können, um ein verstärktes Konzert durchzuführen, daß sie aber große Profiboxen und einen Mixtabel brauchten, hatte ich nicht erwartet. Einen Tag vor der Session erfuhr ich erst von diesen hohen technischen Anforderungen. Es folgte eine schlaflose Nacht, in der ich permanent darüber grübelte, wo ich so plötzlich solche Boxen herkriegen könnte und am nächsten morgen leider die Übereinkunft, die Geschichte zu annulieren. Für alle Beteiligten schade, aber manchmal ist eben Pech im Spiel.

Zum Glück hatte ich mit Malvina Meinier eine zweite Künstlerin gebucht und da die Amerikanerin Michelle Blades ihre WG-Genossin ist, konnte Letztgenannte zudem als "Edel-Joker" gewonnen werden.

Das Line-Up war also zum mit der Zunge schnalzen und spätestens im nächsten Jahr werden mir die schlafmützigen Pariser Blogger auf die Schulter klopfen und sagen: "Mensch Oliver, du hattest Malvina und Michelle schon wieder als Erste auf dem Schirm!" Dann wird es aber vermutlich schwierig werden, sie für Wohnzimmerkonzerte zu gewinnen, weil die Venues deutlich größer werden dürften.

Aber hören wir auf in die Kristalkugel zu blicken und uns selbst zu beweihräuchern und erinnern und erst einmal an diese wundervollen Auftritte im Keller von Olivier.

 

Es war wieder einmal ein solch stressiger Tag vorher, weil es erst oben geschilderte Absage gab und ich mit meiner Frau dann auch noch 1 1/2 mit dem Auto (eine schwachsinnige Idee!) durch den schlimmsten Pariser Verkehr fuhr, um vom 17. ins 3. Arrondissement zu kommen. Eigentlich keine weite Strecke, aber der Verkehr in Paris ist diabolisch, vor allem am Wochenende. Ich schaffte es gerade noch rechtzeitig vor den Künstlern einzutreffen, kippte Chips in Plastikteller, schnitt Salami in Scheibchen, trug Bier in den Keller und rödelte von oben nach unten und zurück. Hektik pur! Und meine Frau suchte derweil ewig lange nach einem Parkpatz. Ohne sie bin ich einfach aufgeschmissen mit meinen zwei linken Händen! (aber es ging dann doch irgendwie...)

 

Die letzten zwei Stunden vor den Sessions sind sowieso grundsätzlich schrecklich, sobald aber die Musiker und die ersten Gäste eintrudeln, das erste Beruhigungsbier die Kehle runtergelaufen ist und alles seine geplanten Wege geht, sinkt mein Puls wieder und Glücksgefühle stellen sich ein. So war es auch am letzten Samstag und ich stellte zufrieden fest, daß sich ungefähr 40 Leutchen im Kellergewölbe eingefunden hatten.



Malvina und ihr Lebens- und Musikpartner Marius standen auf der improvisierten Bühne bereit und nachdem ich sie mittels einer kurzen Rede meinem Publikum vorgestellt hatte, ließen sie ihren traumhaften Schwebesound auf das Publikum los. Das Kellergewölbe erwies sich als hervorragender Resonanzkörper, der Sound kam intensiv und druckvoll aus den Boxen. Malvina sang zum Steine erweichen schön und Marius kredenzte einen Orgelsound, der perfekt zu dem Stück passte. Es hieß Drawing Roads und ist auf einem Sampler des kleinen Pariser Labels Midnight Special Records enthalten. 


Stilitisch ein ziemlich Bruch mit dem fast klassischen Kammerpop, den Malvina auf ihrem ersten, in Eigenregie releasten Album, gepflegt hatte. Statt Cello, Violinen und klassischem Piano gab es nun pluckernde Beats, vibrierende Synthies und artifizielle Geräusche. Für die Fans des Albums ungewohnt und gewöhnungsbedürftig, letztlich aber keineswegs abschreckend, denn Malvinas sensationelle Stimme klang mindestens genauso kraftvoll, kristallklar und hoch wie bisher. Falls es wirklich möglich ist, Glas mittels seiner Stimme zum Bersten zu bringen, dann dürfte die fragile Französin das schaffen. Wahnsinn wie sie singt, wie sie Vokale ziehen kann, welche atemberaubende Höhen sie erklimmt!

 

Im Gepäck hatte sie auch zwei neue Kompositionen Peek Out und Thick Throat, aber am beeindruckendsten blieb wohl ihre Perle vom Album, Covered In Silence. Ein fantastisches Lied, das auch in der Elektroversion zu gefallen wusste. Besonders als der Refrain einsetzte und synthetische Glöckchen die Stimme wie auf einem weichen Kissen betteten, wurden Glanzlichter gesetzt. Das Björk Cover Unravel war ebenfalls wunderschön. Malvina setzte hier ihre Stimme ganz variabel und sehr berührend ein. Spärliche Eletroklänge bildeten den Hintergrund. während Meinier den Text sang:

While You Are Away
My Heart Comes undone
slowly nravels
in a ball of yrn
the devil collects it
with a grin
our love
in a ball of yarn
he'll never return it
so when you come back
we'll have to make new love

Beonders die mehrfach wiederholet Zeile "he'll never return it", war zum Umfallen schön.


Abschließend gab es auch noch eine neue Elektroversion des Titeltracks des Albums The Wise One.

 

Dann folgte Teil 2, nämlich die klassische Variante am Piano. Eigentlich sollte diese laut Plan nur ein einizes Lied lang dauern. Weil mich Bath Noises aber so begeisterte, wurde ich kess und fing an, mir zunächst noch Covered in Silence und dann noch das zweiteilige Winterlied En Attendant L'Hiver und Hiver zu wünschen. 







Malvina am Klavier war einfach eine Wucht. Die klassisch ausgebildete Französin spielte mit einer Leichtigkeit, Flüssigkeit und Eleganz, daß es einem den Atem verschlug. Keiner im Kellergewölbe muckte, alle hörten sie wie gebannt hin. Ihr wundervolle Stimme kam nun besonders gut zur Geltung und ich hätte am liebsten noch weitere 15 Stücke gehört. Aber etwa 45 Minuten Spielzeit am Stück sollten bei Homeshows nicht überschritten werden, sonst werden die Gäste quängelig. Die Leutchen wollen sich eben bewegen, essen, trinken, rauchen flirten, vielleicht eine Eroberung abknutschen.

Für einige Gäste war gerade dieser letzte Abschnitt das Beste am Konzert, für andere war der elektronische Teil toller.

Setlist Malvina Meinier, Oliver Peel Session # 45, Paris:

01: Drawing Roads
02: Peek Out
03: Covered In Silence
04: Thick Throat
05: Unravel (Björk Cover)
06:The Wise One

07: Bath Noises
08: Covered In Silence
09: En Attendant L'Hiver
10: Hiver

Gleich geht es hier mit Michelle Blades weiter, stay tuned!

Dienstag, 26. Juni 2012

Tiny Ruins, Paris, 24.06.12

1 Kommentare

Konzert: Tiny Ruins & Andrea Perdue

Ort: ein Wohnzimmer und eine Terrasse irgendwo in Paris

Datum: 24.06.2012
Zuschauer: etwa 35

Konzertdauer: Andrea Perdue etwa 30 Minuten, Tiny Ruins etwa 50 Minuten + 35-40 Minuten


Traduction française en bas du texte!


Die Oliver Peel Sessions sind zurück!!! Yeah, baby!!!


Fast 8 Monate hat es gedauert, aber nun geht es in unserer Bude wieder hoch her, wird musiziert, gefeiert, gegessen und getrunken. Der Umzug war der Grund für die lange Pause. Wir waren (und sind) der Meinung, daß das Wohnzimmer der neuen Wohnung zu klein ist, um dort viele Gäste und Musiker zu empfangen. Deshalb haben wir extra gewartet, bis es wettertechnisch möglich ist, auf unserer schönen, großräumigen Terrasse mit Ausblick spielen zu können. Als wir die Session mit Tiny Ruins für den 24. Juni klarmachten, gingen wir sicher davon aus, daß das Wetter gut sein würde, oder es zumindest nicht durchgängig regnen würde. Aber wir waren zu optimistisch, am 24.06. schüttete es wirklich pausenlos. Es war zum Verrücktwerden! Das stellte mich vor ernsthafte Probleme, denn ich wusste beim besten Willen nicht, wo wir im winzigen Wohzimmer die Musiker und die ganzen Gäste unterbringen sollten.


Da kam mir plötzlich eine verwegene Idee. Ich ließ die als Vorgruppenact engagierte Andrea Perdue oben im Schlafzimmer auf dem Bett spielen und beorderte die Leute auf die feuchte und verregnete Terrasse. Ich hatte ihnen schon per mail gesagt, daß sie sich mit Regenschirmen und Trenchcoats eindecken sollten und da standen sie dann tatsächlich mit ihren Umbrellas, wurden von oben ordentlich bewässert und glotzten Richtung Schlafzimmer, wo die aus Amerika stammende Andrea so schöne Instrumente wie Harmonium, Ukulele und Keyboard spielte und dazu herzallerliebst sang.




Als es aber partout nicht zu schütten aufhören wollte, bat ich die Gäste zu der 15 Minuten später an den Start gehenden Tiny Ruins ins Wohnzimmer und plötzlich waren in jeder Ecke Leute. Auf dem Sofa, den Treppenstufen, dem Fußboden und in der Küche. Sie alle sahen (mehr oder weniger gut, je nach Standort) ein absolut wundervolles Konzert von Hollie Fullbrook und ihrer Kontrabassistin Cass, das Lieder vom famosen Album Some Where Meant For Sea und neue Songs bot.







Als das Konzert zu Ende war, zogen viele Leute ab und gegen 21 Uhr waren wir noch knapp zu zehnt. Da merkte ich plötzlich, daß es endlich aufgehört hatte zu regnen, lief zu Hollie hin und bat sie inständig, noch wenigstens ein Lied oben auf der Terrasse vor der atemberaubenden Kulisse (La Défense, Eiffelturm, Dächer von Paris) zu spielen. Hollie tat mir den Gefallen und aus einem Lied wurden 6 oder 7, davon zahlreiche unveröffentlichte und 2 Cover. Es waren magische Momente, die meinen Frust über den verregneten Tag mehr als wettmachten und mich und die Dagebliebenen euphorisch werden ließen. Wir waren alle total geplättet, schwärmten in höchsten Tönen vom Talent von Tiny Ruins und ließen den denkwürdigen Abend noch in Ruhe ausklingen.


Die Oliver Peel Sessions sind zurück und wie! Wir sind wieder zu allen Schandtaten bereit, hoffen aber natürlich beim nächsten Mal auf Sonnenschein und ein Konzert für alle auf der Terrasse!

P.S: Demnächst noch mehr Details zu dieser Session.

Pour nos lecteurs français:


Les Oliver Peel Sessions sont bel et bien de retour! Après une longue pause de huit mois due au déménagement nous accueillons de de nouveau de talentueux musiciens dans nos murs.

Mais que ce fut compliqué et (un peu) chaotique! Nous avions prévu une session sur notre spacieuse et belle terrasse au 8ème étage, avec une vue magnifique sur la Tour Eiffel, la Défense et le Sacré Coeur, mais ce dimanche 24 juin il pleuvait des cordes. Il n'y avait même pas une minute sans eau, c'était vraiment à désespérer! Pas question d'annuler ce concert tant attendu! Deux heures avant le début j'ai envoyé un mail à tous les invités pour leur dire de se munir de leurs parapluies et de leurs impers. Et cela avait un sens, puisque j'ai eu l'idée (assez folle avouons-le ) de faire jouer les artistes dans la chambre sur le lit et de placer le public dehors sur la terrasse et donc sous la pluie!! Pour la charmante Américaine exilée à Paris, Andrea Perdue, j'ai vraiment exécuté ce plan et c'est ainsi qu'une vingtaine de personnes scotchées les unes aux autres sous des parapluies ont vu le beau spectacle de la jolie fille du Kansas! C'était vraiment une ambiance très particulière de voir Andrea jouant avec sur ses genoux son harmonium et ses deux claviers électriques et les gens souffrant du froid en la regardant...

Mais cela valait le coup de souffrir un peu, parce que Andrea n'était pas seulement très souriante et prête à expliquer des anecdotes autour de ses titres, mais sa dream pop bricolée à sa manière sonnait aussi très envoûtante et délicieusement mélancolique. La douceur et la finesse de ces titres et sa voix un brin enfantine était un remède idéal pour cette journée pluvieuse.

Le temps ne s'améliorant pas, j'ai laissé tomber l'idée de faire jouer Tiny Ruins sur le lit aussi et j'ai prié tout le monde de revenir à l'intérieur bien au chaud et surtout à l'abri de l'eau. Soudainement il y avait des gens dans chaque coin de l'appartement. Sur le canapé, les marches de l'escalier et dans la cuisine (d'où on ne voyait rien). C'est donc plus confortablement que le public (une trentaine de personnes) ont eu le plaisir d'écouter et de voir (pour la plupart!) de près les sublimes chansons de la jeune néo-zélandaise Hollie Fullbrook, accompagnée de sa séduisante contrebassiste Cass Mitchell. Les deux demoiselles jouèrent des morceaux du fabuleux premier album Some Where Meant For Sea et aussi des nouveautés pas encore publiées.

Après quelques minutes d'écoutes il était évident que nous avions eu là un talent majeur devant nous. Avec beaucoup d'élégance et de nonchalance et sans jamais forcer sa magnifique voix, elle produit des chansons intemporelles d'une classe folle. On pouvait penser à Jude Sill, Sibylle Baier et Joni Mitchell, mais également au chanteuses folk contemporaines comme Erica Buettner Rachael Dadd ou Anna Ternheim. Comme ces filles Hollie a ce don d'écrire des chansons poétiques et hautement intimistes qui plongent les auditeurs dans un état presque hypnotique. Son écriture est déjà très mûre et à seulement 26 ans elle semble d'avoir déjà beaucoup d'expérience et de sérénité. Et d'une certaine manière c'est vrai, parce qu'elle a écrit les morceaux du premier album il y a 4 ou 5 ans et à sa sortie en Europe en 2012 (avec un an de retard par rapport à l'Australie et la Nouvelle-Zélande) elle a avancée et a plein de nouveautés sous son chapeau. On peut citer le sublime Reasonable Man, mais la chanson qui m'impressionne le plus est She'll Be Coming Round. C'est un titre qui commence très lentement et doucement, mais devient beaucoup plus dense et dramatique vers la fin et finit presque énervé. Une nouvelle direction prise par l'artiste qui a la volonté de faire un deuxième album un peu plus rock et dynamique, sans pour autant perdre la subtilité et la douceur du premier.

Mon favori du premier parmi plein de perles est Old As The Hills, un morceau terriblement accrocheur avec un singalong addictif. Mais c'est le titre Just Desserts que l'artiste me dédicace. Pour la petite histoire: j'avais acheté des chocolats pour elle et Cass, parce qu'elle m'avait dit qu'elle en rafollait.



Le concert dura finalement à peu près 50 minutes et j'ai eu l'impression que tout le monde avait passé un bon moment. En tout cas mon chat avait l'air content sur les genoux des gens.


Une heure plus tard la plupart des spectateurs étaient partis. Deux heures plus tard, vers 21h je voies par hasard que la pluie s'est enfin arrêtée et soudainement l'idée me vint de demander à Hollie de faire un morceau bonus sur la terrasse. Elle ascquiesa et d'un morceau on passa à 6 ou 7 (dont une reprise de Dylan) devant un ciel dramatique, d'une beauté incroyable. Hollie avait vraiment envie de jouer encore et elle ne s'arrêta que lorsqu'il n'y eut quasiment plus de lumière. Un tout dernier titre devant la Tour Eiffel illuminé et le concert s'acheva définitivement!

C'était magique et j'espère que la prochaine fois tout le monde pourra apprécier une prestation sous un beau soleil sur la terrasse!

Mehr Fotos (plus de photos) gibt es hier.



Samstag, 12. Mai 2012

The Rustle Of The Stars, Paris, 9 & 10.05.12

2 Kommentare

Konzert: The Rustle Of The Stars

Orte: Espace B und eine Dachterrasse irgendwo in Paris
Daten: 9 & 10.05.12

Zuschauer: etwa 45 im Espace B; 12 ohne die Musiker und ohne uns auf der Terrasse




Der 10. Mai 2012. Ein Tag an dem alles zusammenpasste. Wir hatten wirklich Schwein. Die Götter des Himmels waren mit uns.

Dabei gab es im Vorfeld so einige potentielle Stolpersteine.

Das Wetter war hier in erster Linie zu nennen. In den ersten Maitagen war es so kühl und regnerisch, daß das Ausrichten eines Terrassen-Konzertes als sehr kühnes Vorhaben erschien. Noch drei Tage vorher froren wir draußen bei recht ungemütlichen 17 Grad und am 9. Mai hatte es vormittags in Strömem geregnet. Am 10. dann aber jede Menge Sonne und Temperaturen bis 25 Grad. Nur windig war es, aber damit konnte man leben, schließlich tat auch die frische Brise gut und kühlte unsere überhitzten Köpfe ab.


Fatal hätte auch mein grippaler Infekt werden können. Noch am Dienstag fühlte ich mich hundeelend, wollte fast schon alles absagen, schaffte es aber die Geschichte mit Paracetamol en masse in den Griff zu kriegen. Am Donnerstag war ich dann wieder relativ fit und zu allen Schandtaten bereit.

Dritter potentieller Stolperstein waren die Nachbarn. Die Leute unter uns gelten als konservativ, lärmempfindlich und wenig feierfreudig. Sie musste ich auf meine Seite ziehen. Ich traf sie am Vortag des Konzertes zufällig im Aufzug, traute mich aber nicht, sie über mein Vorhaben zu unterrichten. Ich verfasste für sie daraufhin einen handgeschriebenen Brief und legte ihn noch in der Nacht unter ihre Tür. Sie waren eingeladen, kamen aber am 10 Mai nicht vorbei.


Dafür standen aber die Künstler pünktlich um 3 auf der Matte und das war ja das Wichtigste. Eine halbe Stunde später kam auch der exquiste Videofilmer Renaud vom berühmten Cargo angeschlurft, so daß sichergestellt war, daß die Bilder dieses aufregenden Nachmittages in die Welt transportiert werden.


Publikum hatte ich nicht viel eingeladen. Nur etwa ein Dutzend Leute hatten wir anvisiert und so viele kamen dann in etwa auch. Die nachmittägliche Stunde, 17 Uhr, hatte ohnehin die arbeitende Bevölkerung darin gehindert, zu erscheinen. Das war aber keine Schikane, sondern es ging uns darum, die Reaktion der Nachbarn zu testen und ganz ganz sanft in dieses neue Session- Abenteuer einzusteigen, frühes Beenden inklusive. Ursprünglich dachte ich sogar an eine Videosession ganz ohne Publikum, nur um zu sehen, wie viel Lautstärke die Musik selbst (ohne das laute Geplauder der Leute vor oder hinterher) auf dem Dach produzieren würde. Letztlich verlief der Test absolut erfolgreich, Beschwerden seitens der Nachbarn gab es bisher keine und wir haben uns auch absolut zivil und rücksichtsvoll verhalten, so daß mit Problemen nicht zu rechnen sein dürfte.


Dabei konnte die prinzipiell enorm subtile und fragile Musik von The Rustle Of The Stars durchaus auch mal deutlich lauter werden. Wenn Richard Knox und Frédéric D. Oberland, die beiden Männer und Gründer des gemischten Quartetts, ihre verzerrten Gitarrenriffs in den blauen, nur von ein paar weißen Wölkchen durchmischten Himmel entsendeten, wurden sicherlich phasenweise bis zu 9o Dezibel erreicht. Dafür sorgten zwei große Verstärker, die wir am Mittag auf die Terrasse gewuchtet hatten. Meistens aber blieb der große Sturm aus. Zwar wurde eine knisternde Spannung aufgebaut, aber ein Entladen, wir wir das bei klassischen Postrock-Acts kennen, gab es bei The Rustle Of The Stars nicht. Das ist bei Frédérics deutlich rockigerem Projekt Farewell Poetry ganz anders. Da jaulen am Ende wirklich die Gitarren, explodiert das Schlagzeug, werden Trommelfelle aufs Äußerste getestet.


Subtilität statt Noise ist bei The Rustle Of The Stars das Stichwort. Viele feine Details sorgen für den unbeschreiblich schönen Sound, machen ihn so anziehend, prickelnd und charmant.

Da wäre zum einen natürlich die Harfe von Lidwine zu nennen, einem von zwei Girls in The Rustle Of The Stars. Wie sie die einsetzte, das war schon was. Anstatt klassisch und flüssig zu spielen, riss sie die Saiten oft nur kurz an, oder bearbeitete sogar nur das Holz, um Schwingungen zu erzielen. Aber auch am Harmonium machte das zierliche Persönchen eine gute Figur und als ihr hoher, langgezogener Geang ertönte (eine absolute Ausnahme bei diesem Beinahe- Instrumentalkonzert), stellten sich meine Nackenhaare auf und die Tauben auf den Dächern wurden aufmerksam.


Und zum anderen muss auch unbedingt die Geige von Elaine Reynolds erwähnt werden. Taumhaft schön, wie die Blondine aus Manchester diese strich und himmlische Klänge in den Kosmos über Paris entgleiten ließ.


Die Männer hingegen beschränkten sich auf die atmosphärischen Gitarrentöne. Um einen verzerrten Sound hinzubekommen, benutzte der Brite Richard Knox sogar einmal einen kleinen, feinen Schraubenzieher. Frédéric für seinen Teil ließ auch in ein paar Szenen seine Elektrische auf dem Boden liegen, packte sich zwei Geigenbogen und strich durch ein Glockenspiel. Spitze, langgezogene, sehr mysteriöse Töne waren die Folge und nicht nur deshalb konnte man oft an einen Soundtrack für einen Horrorfilm oder Psychothriller denken. Er liebt eben das Kino, das Schwarze, das Obskure. Nie aber wurde die Romatik vernächlässigt. Richard und Frédéric teilen die Vorliebe für einen düsteren, melodramatischen Sound, werden dabei aber nicht zu schwülstig oder anbiedernd. Das Album ist gedacht als musikalische Untermalung für eine Reise durch die Arktis und ihr ewiges Eis. Sie selbst sagen im Booklet:


"We would like to think of this album as a polar journey to the ends of the earth through the arctic sea. We kept in mind the first polar expeditions, Edgar Allan Poe's Dream-Land, the ships trapped or crushed by ice, the point of no-return, the minds sinking, the attempt on the Pole ending in disaster, the quest of the Northwest Passage, Erebus & Terror, the Mercy Bay, Mangazeya, Charles Francis Hall, Beechey Island, the Midnight sun and the Polar night."


Klingt gut was? Aber unabhängig davon, was sich die beiden Macher des Projekts dabei gedacht haben, ein Genuß für alle Sinne war garantiert. Wir schwelgten zu dem melancholischen Schwebesound wie die Weltmeister (auch ohne dabei an an das ewige Eis zu denken), guckten verzückt den Musikern zu und erlebten intensive 40 Minuten, die wir sicherlich so schnell nicht vergessen werden.

The Rustle Of The Stars hatten 5 zum Teil ellenlange Lieder zum Besten geben und damit das Album in großen Teilen durchgespielt.* Wer am Vortag bei ihrem hervorragenden Konzert im Espace B zugegen war, bekam sogar einen Song mehr spendiert. Dort hatte die Band auch ein Fender Rhodes und ein Becken dabei, Instrumente die heute aus praktischen Gründen zu Hause bleiben mussten.


Amüsant: die Musiker nutzten bei uns das Glockengeläut einer nahegelegenen Kirche aus und begannen genau mit dem Gongschlag. Pssenderweise spielte Lidwine zunächst Glöckchen, fast wie bei einem Gottesdienst. Nur der Weihrauch fehlte! Wahrlich eine göttliche Session. Wir waren an jenem 10. Mai 2012 dem Himmel sehr nah, in jeder Hinsicht!

* Setlist folgt.



 

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